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ZUCKERROHR

Saccharum - Gramineae

 


 

VON DEM ZUCKER.

 

 

            Das Zuckerrohr hat eine süsse/ safftige Wurtzel/ knorrechtig uberzwerch in der Erden kriechend gleich der Wurtzel deß gemeinen Rohrs/ außgenommen/ daß sie nicht so holtzechtig ist/ sondern mirber unnd zarter/ darauß wachsen dicke Rohr/ die werden auff vier Elen hoch/ dicker dann ein Mannsdaumen/ mit vielen dicken Knöpffen von unden an biß oben hinauß underscheiden/ die seyndt mit einem weissen/ lucken/ safftechtigen unnd süssen Marck gefüllet/ die Bletter seyndt fast zweyer Elen lang/ schmäler dann die Bletter deß Hispanischen oder zamen Rohrs/ rauhe und mit Strähmen den langen weg gezeichnet/ Am obern theil der Röhren gewinnt es außgespreyte/ Aerechtige Blumen gleich den Blumen deß sorgsamen Gewächs/ welche doch selten in unsern Landen von wegen der Kälte zur Blumen kommen kann. Diese art der Rohr hab ich vor xviii. Jahren erstmals wachsen gesehen bey dem Herren Adamen Kecken Apoteckern zu Franckfurt am Mayn/ in seinem schönen Lustgarten/ die er ein Jahr etlich wachsend gehabt/ seynd jhm aber endlich durch die grosse Winterkält erfrohren unnd verdorben. Auß den Wurtzeln und dem Marck dieses Röhrs pflegt man den Zucker darnach zu sieden/ in Jndia/ Arabia/ Egypten/ in den Canarien Jnsulen/ in der Jnsel MADERA oder MEDERA, MALTHA, Cypern/ Sicilien und in der Jnsel S.THOMAE, unnd in lange Hüte zu giessen/ welcher darnach in grosser menge mit Schiffen in alle Gewerbstätt gefüret wird/ so die Alten sich nur mit dem haben müssen behelffen so auß dem uberflüssigen Safft der Röhren (wie DIOSCORIDES LIB.2.CAP.71. und GALEN.LIB.7.SIMP. bezeugen) von sich selbst geflossen/ und wie Saltz oder Gummi von der Sonnen Hitz zusammen getrucknet/ gewachsen ist/ sintemal jhnen die Kunst den Zucker also auß den gemeldten Röhren unnd deren Wurtzeln zu sieden unnd zu bereyten unbekannt gewesen/ derowegen sie auch den Zucker zu jhrer zeit nur allein zu der Artzeney gebraucht haben/ dann man dessen nicht die menge haben können/ die Speisen darmit lieblich zu machen/ wie jetzunder der gemein gebrauch ist in allen Ländern EUROPAE, derowegen auch die Alten zu derselben Zeit alle jhre Syrupen/ Säfft unnd andere Artzeneyen mit Honig/ wie wir sie heutiges Tages/ mit Zucker bereytet unnd gemacht haben. Der allerbest aber der die weiß die Artzeney mit Zucker an statt deß Honigs zu machen under den Griechischen Artzten angestellt hat/ ist gewesen der ACTUARIUS, unnd nach jhme der NICOLAUS ALEXANDRINUS, seyt der zeit her daß diese weiß den Zucker auß den Röhren geflossen und von der Sonnen getrucknet worden/ an welches statt der Canditzucker zu den Artzeneyen heutiges Tages gebraucht wird/ wie weiter an seinem ort darvon soll angezeigt werden.

 

Von den Namen deß Zuckerrohrs und deß Zuckers.
            Das Zuckerrröhr wirdt zum underscheidt der andern Röhrgeschlecht/ von den Kreutlern CALAMUS SACCHARINUS, HARUNDO SACCHARINA, unnd CANNA SACCHARINA genannt. Hochteutsch/ Zuckerrohr unnd Zuckerried.
            Der Zucker heisset Lateinisch/ SACCHAR, SACCHARUM, ZUCCHARUM, ZACCHAR, ZACCHARUM, SUCCHARUM, MEL CALAMINUM, MEL HARUNDINACEUM, und MEL CANNAE, sintemal nicht allein DIOSCORIDES an obangezogenen Orth den Zucker ein Geschlecht deß Honigs nennet/ sondern er wird auch von GALENO LIB4.SIMP.CA.7.&8. METH vor ein Geschlecht deß Honigs gehalten/ wie auch von SAULO AEGINETA, LIB.7.CAP.3. AlLEXANDRO APHRODISAEO LIBR.2.PROB.74.LIBRO 15 GEOGRS. Unnd SIRABONE, da er schreibet/ daß die Rohr Honig geberen ohne Bienen oder Jmen. Es wird auch der Zucker von PLINIO unnd PAULO AEGINETA SAL INDUS genannt. Teutsch/ Zucker. Nun haben wir heutiges Tages sieben Geschlecht oder Sorten deß Zuckers.
            l. Das erst Geschlecht wird auß Portugal zu uns gebracht auß der Insel MADERA oder MEDERA, der wird von den Simplicisten SACCHARUM MADERIENSE oder MEDERIENSE genannt. Hochteutsch/ Maderyzucker/ welches der best Zucker under allen Sorten deß Zuckers ist/ unnd auch den vorzug zu dem Gebrauch der Artzeney haben soll.
            ll. Das zweyt Geschlecht bringt man auß den Jnseln Canarien/ der vird von den Simplicisten/ SACCHARUM CANARIUM oder CANARIENSE genannt. Hochteutsch/ Canarienzucker/ der ist der best nach dem Maderyzucker.
            lll. Die dritte Sort ist der Feinzucker & wird durch die Kunst also zugericht/ wird von den Materialisten und Simplicisten/ SACCHARUM FINUM, SACCHARUM REFINATUM, unnd SACCHARUM VALENTINUM genannt. Hochteutsch/ Feinzucker/ Valentzinzucker oder Valentzzucker/ dieweil der zu VALENTIA in Hispania also refinirt unnd gemacht wird/ den nennen heutigs Tags die Practicanten unnd Apotecker/ SACCHARUM TABARZETH, wiewol dieser Namen dem Maderyzucker gebüret/ dann die Araber durch dz Wort TABARZETH den allerbesten Zucker verstehn/ Nun ist aber under allen Sorten deß Zuckers kein besserer als der Maderyzucker/ und nach jme der Canarienzucker/ auß welchen der Refinirtzucker durch die Kunst gemacht wird/ daß er ein schöne und weisse gestalt eines Marmel oder Alabastersteins bekombt/ also daß er auch durch seine schöne und weisse obgemelten beyde Sorten deß besten Zuckers ubertrifft/ aber dieweil er durch die Kunst mit Laugen also zugericht und gesotten wird/ soll er billich zum Gebrauch der Artzney verworffen werden/ dann er durch die Laugen ein schärpffe uberkombt/ verleuret etlicher massen seine süssigkeit und nimbt ein andere Natur und Eygenschafft ansich/ machet Durst und trucknet sehr/ sollen derwegen die Apotecker und andere sich hüten und wol fürsehen/ daß sie diesen Zucker nit zu dem MANUS CHRISTI oder ander täfflein gebrauchen/ oder aber in andere Artzeneyen vermischen. Man pfleget diesen Zucker in kleine Hütlein zu machenmit blawem Papier eyn zubinden/ dieweil aber nun der gemeine Mann darvor haltet wie er fälschlich bered ist/ daß der Zucker in den blawen Hüten der beste seyn soll/ ist es durch den unersetlichen Geitz der Kauffleuth dahin gerathen/ daß sie nun auch den allerschlechsten Thomaszucker mit der Laugen also zurichten und refinieren/ welcher wol weisser wird/ aber erbleibt weych/ unnd wird nimmermehr recht hart/ und welcher der weissest darunder ist der hat desto mehr Amelmeels/ darmit sie diesen Zucker dann im refinieren verfälschen/ giessen den darnach in kleine pfündige Formen/ binden sie folgends mit blawem Papyr eyn/ daß darnach die unverständigen sehen/ lauffen dem blauwem Papyr und den kleinen Hütlein nach/ vermeinen sie habens wol troffen und den besten Zucker kaufft/ so seynd sie betrogen und haben den allergeringsten/ der doch mit Meel verfälscht ist/ müssen aber doch denselben vor den besten bezahlen.
            Solches haben wir wölen anzeigen/ daß man sich hinfürter vor dergleichen Betrug und Falsch wißte zu hüten/ wöllen nun weiter fortschreiten unnd die ubrige Sorten deß Zuckers erzehlen.
            lV. Die vierdte Sort deß Zuckers/ wird auß der Jnseln MALTHA zu uns gebracht/ ist ein harter Zucker wie der Canarienzucker/ außgenommen daß er grauwer ist/ dem gebühret vor dem refinierten Zucker das Primat nach dem Canarienzucker/ der wird gemeiniglich zur Speiß gebraucht/ derwegen er auch den Namen Speißzucker bekommen hat/ der wird von den Materialisten und Simplicisten SACCHARUM MALTANUM, SACCHARUM MELSIUM oder MELISAEUM, unnd SACCHARUM CIBALE genannt. Teutsch/ Meliszucker oder Speißzucker.
            V. Die fünffte Sort deß Zuckers/ der wird auß der Jnseln Sanct THOMAE zu uns gebracht/ und ist der aller liederligst/ ist weych und braun/ doch süsser als der Refiniert Zucker unnd auch gesunder/ der wird von den Materialisten und Simplicisten/ SACCHARUM THOMASINUM, SACCHARUM THOMAEUM, und von den Practicanten und Apoteckern SACCHARUM RUBRUM genannt. Hochteutsch/ Thomaszucker.
            Vl. Die sechste Sort deß Zuckers/ seynd die gesambleten Bröcklein von allen Sorten deß Zerbrochenen Zuckers/ so wol von dem weissen unnd dem braunen/ die colligiert man zusammen/ unnd bringt sie in Fässern unnd Kasten eyngeschlagen in die Messen/ wird gemeiniglich zun Syrupen unnd auch nun mehr in der Speiß gebraucht/ der wird Lateinisch/ SACCHARUM MISCELLANEUM genannt/ die Materialisten und Kauffleuth nennen diesen Farinzucker und Cassaunzucker.
            Vll. Die siebende Sort deß Zuckers ist weych wie ein dünner Honig unnd Syrup/ das bringet man auß den Jnseln da man den Zucker seudet/ unnd in Formen geusset/ solches wird gesotten und bereytet von dem Schaum den man im Zuckersieden samlet/ bleibet stätig weych wie ein dünn Honig/ das wird in Donnen zu uns gebracht/ unnd zimlich wolfeyl verkauffet/ wer in vielen dingen an statt deß Honigs nutzlich zu gebrauchet/ dann es wolfeyler ist als das Honig/ wann nicht sonst viel Betrugs darmit gebrauchet würde/ aber dieweil die Welt so arg worden ist/ daß sie von keinem Beschiß oder Betrug jhr einigs Gewissen machet/ lässets die Oberkeit auch ungestraffet hinschleichen. Diese Sort deß Zuckers wird von den Materialisten unnd Simplicisten/ ROMEL, MEL SACCHARINUM oder SACCHARACEUM genannt. Hochteutsch/ Zuckerhonig unnd Syrup.
            Nun haben wir die Sorten deß Zuckers nach einander erzehlet unnd underscheiden/ und ist aber der eyngerissen Streit under den Gelehrten noch zu erörtern/ sintemal ein grosser Zanck under jhnen sich erhaben/ daß dieser Zucker den wir heutiges Tags gebrauchen/ unnd in allen Nationen der Welt fast gemein worden ist/ nicht seye der Zucker DIOSCORIDIS unnd GALENI, dessen sie in jhren Schrifften gedacht haben/ unnd will insonderheit der hochgelehrt unnd weitberühmbt IOHANNES MANARDUS FERIAMENSIS LIB.15.EPIST.5.LIB.2.EPIST.2.& LIB.9.EPIST.5. der diese Meynung hoch bestreitet/ daß den Alten dieser unser Zucker nicht bekannt gewesen seye/ diesem haben andere auch nachgefolgt und mit jhrem Streit ein solche Verwirrung gemacht/ daß sie nicht gewißt was eygentlich der Zucker seye. Wann man aber die Schriften der Alten eygentlich besihet unnd erweget/ befindet sich Handgreifflich unnd Augenscheinlich/ daß kein anderer underscheid under dem Zucker der Alten unnd unserm Zucker ist/ dann allein in der weiß denselbigen zu bereyten/ sintemal der Alten unnd unser Zucker von einem Gewächs nemlich von dem hiebey gerissenem Rohrgeschlecht herkommet/ unnd dessen haben die Alten zwey Sorten gehabt/ nemblich das erst Geschlecht dessen wir hiebevor gedacht/ welches auß uberfluß deß Saffts von sich selbst außlauffet/ unnd von der Sonnen Hitz/ wie DIOSCORIDES, PLINIUS und GALENUS, an den obgemelten orthen bezeugen an den Rohren wie Saltz zusammen gewachsen unnd getrucknet ist/ welchen die Alten allein in der Artzeney gebrauchet/ dieses Geschlecht wird nun nicht mehr zu uns gebracht/ seythero der Zuckercandit an seine statt kommen/ durch die Kunst bereytet worden/ der eben von den Zuckerröhren kombt/ darvon die Alten jhren Zucker gesamlet haben. Die ander Sort deß Zuckers ist die gewesen/ welche sie auß den frischen Wurtzeln der Zuckerröhr außgepresset/ und denselbigen gebrauchet/ wie wir den Honig zu gebrauchen pflegen/ daher auch diese Sort MEL CANNAE, ist genennet worden/ welche auß Egypten/ Rhodis/ Cypern/ Candien unnd Sicilien vor zeiten gebracht wurden/ unnd wiewol diese Sort dazumal noch nicht zu der Artzeney gebrauchet würde/ sondern erst lang hernach zun zeiten ACTUARII in gebrauch kommen/ so ist sie doch GALENO nicht unbekannt gewesen/ der LIB.4.SIMPL.C.114. mit außgedruckten Worten etlicher Röhrgeschlechtwurtzeln die süß seyen und in Egypten wachsen/ meldung thut/ darauß leichtlich abzunemmen ist/ daß jhme GALENO dieses Geschlecht deß Zuckers nicht unbekannt gewesen ist/ dessen er sintemal es zu der zeit noch nicht in der Artzeney gebraucht würde/ nicht viel geachtet hat/ sonst hette er sonder zweiffel mit mehren Worten gedacht und fleissiger beschrieben. Unnd wie sollte GALENO diese Sort deß weychen Zuckers unbekannt gewesen seyn sintemal sie lange vor den Zeiten GALENI gemein gewesen/ unnd sonderlich die zu seiner Zeit/ die man auch an statt deß Honigs gebrauchet hat/ und jederman gemein und bekannt gewesen ist/ die auch vor seiner zeit in Schrifften publiciert unnd deren gedacht worden ist/ wie under andern MARCUS VARRO NARBONENSIS, der vor GALENUS unnd vor der Zukunft Christi/ da CAESAR das Keyserthumb eyngenommen/ gelebt hat/ in nachfolgenden Versen diese Sort deß weychen Zuckers beschrieben hat/ da er also spricht:

 

 

            Dieweil nun der gemelte VARRO vor der Geburt Christi gelebt unnd geschrieben/ GALENUS aber nach der Geburt Christi zun zeiten MARCI ANTONII deß Keysers/ unnd ADRIANI, so muß notwendig folgen/ daß das allerbekannteste ding zu seiner Zeit als diese Sort deß weychen Zuckers gewesen ist/ jhme GALENO als einem fleissigen PHILOSOPHO und erkündiger der natürlichen Dingen/ auch nicht unbekannt gewesen seye. Es hat auch scatius papinius, DER VOR DER Zeit GALENI under dem Keyser NAUA gelebt hat/ der Zuckerröhr gedacht mit kurtzen Worten in seinen SYLUIS, da er spricht:

 

 

            An welchem Ort HERMOLAUS BARBARUS LIB.2. vor das Wörtlein EBUSITA, HYSPASITA zu lesen vermanet/ von dem Fluß HYPASI, daher auch die Völcker INDIAE also genannt worden. Es gedencket auch der Poet LUCANUS deß weychen Zuckers/ der under dem C.CAESARE und L.CAESIANO geboren ist/ vor GALENO, TERTIO PHARIALIAE also sprechend,

 

 

            Ferner gedencket auch STRABO LIB.15.GEORG. der beyden Sorten deß Zuckers/ der da schreibet/ daß nicht allein dieser Zucker auß den Röhren/ sondern auch auß den Wurtzeln außgepreßt werde. So schreibet auch SOLINUS LIB.65. da er von der Landtschafft Jndien handelt/ daß nemlich in Jndia in den mosechtigen oder pfützechtigen Orten ein Geschlecht deß Rohrs wachse/ auß welches Wurtzeln ein Safft außgepreßt werde/ der seye süß gleich dem Honig. Nun zweiffelt aber niemands daß die angezogene AUTHORES vor den zeiten GALENI gelebt und geschrieben/ darauß dann folgen muß daß jhme GALENO diese Sorten deß Zuckers eben so wol als das erste Geschlecht/ das man ein getrucknet Saltz von der Sonnen Hitz/ von den Röhren gesamblet hat/ unnd daß er GALENUS allein der Röhren unnd süssen Wurtzeln mit so wenig Worten gedacht/ unnd aber deß außgepreßten Saffts von der Wurtzel gar nicht gedencket/ und aber deß ersten Geschlechts etwas mehr meldung thut/ ist kein andere Ursach/ dann daß der außgepreßt Safft von den Wurtzeln gemein unnd jederman bekannt unnd in der Artzney nicht ist gebraucht worden/ das ander Geschlecht aber allein zu dem Gebrauch der Artzeney ist gesamlet und auffgehaben worden. Auß welchen zeugnussen offenbar ist wie die helle Sonn umb den Mittag/ daß der Alten zwey Geschlecht deß Zuckers unnd unser Zucker von einem Gewächs herkommen/ unnd ein Ding seynd/ und stehet der underscheid allein darinn/ daß das erste Geschlecht/ das von überflüssigkeit deß Saffts in den Röhren von sich selbst außgelauffen und von der Sonnen wie ein ander Safft oder Gummi ist getrucknet worden/ unnd daß das ander Geschlechtso weych ist wie Honig/ beyde auß den Wurtzeln unnd auch auß den Röhren ist außgepreßt worden/ unnd seynd doch beyderley eines Röhrgeschlechts Säfft/ wie auch heutiges Tages unser Zucker nichts anderst ist/ dann das Safft der gemelten Röhren/ der auß den Röhren unnd Wurtzeln gesotten ist/ und darnach in lange Hüte gegossen wird/ und heutigs Tags auß den obgemeldten Landschafften unndf Jnseln zu uns gebracht wird/ hette derwegen deß grossen und hefftigen Streits nicht gedörffet/ so man fleissig auff den Ursprung und das Gewächs deß Zuckers acht gehabt hette/ und die Schrifften der Alten darvon mit fleiß examinirt/ also ist Zucker Zucker/ und bleibt Zucker/ und Honig Honig/ und hindert daran nichts daß eins anders/ und das ander auch auff ein ander weiß bereytet wird.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Zuckers.
            Der Zucker hat ein temperierte Natur und Eygenschafft/ ist warm unnd feucht in dem ersten Grad/ sonderlich aber der Madery/ Canarien und Meliszucker. Der Thomaszucker aber weychet auß dem temperament/ der nicht von dem Schaum genugsam gereyniget/ derowegen er eine hitzige außweychende Eygenschafft bekompt/ die dem Honig fast gleich ist. Der Feinzucker auch deßgleichen der uberkompt von der Kalcklaugen damit er bereytet unnd refiniert wird ein seuwrige unnd scharpffe Natur unnd Eygenschafft/ derowegen er auch in der wärme unnd schärpffe den Thomaszucker ubertrifft/ derowegen er auch grossen Durst machet/ und soll zu den innerlichen Artzneyen nicht gebraucht werden/ wiewol unser gemeine Artzet es darvor halten/ daß dieser Zucker/ dieweil er der schönste unnd weisseste seye under allen Sorten deß Zuckers/ daß er auch der beste seye/ aber sie jrren sich/ dann er nicht so süß wie ein anderer Zucker ist/ zu dem nimbt er ein seuwrige Eygenschafft an sich von der Kalcklaugen/ derowegen soll allwegen der Maderyzucker oder der Canarienzucker den andern zur Artzeney vorgezogen werden.

 

Jnnerlicher Gebrauch deß Zuckers.
            Es ist heutiges Tages kein ding gemeiner unnd bräuchlicher in den grossen Herrenküchen/ dann der Zucker/ und das nicht allein bey uns Teutschen/ sondern auch in allen andern Nationen/ damit müssen fast alle Speisen und Trachten abbereytet werden/ sintemal die scharpffen Speisen werden darmit milter gemacht/ die sauwren demmet der Zucker unnd machet sie lieblich/ die versaltzenen temperiert er unnd machet sie anmütig/ die rauhen/ herben unnd groben machet er gut/ den Unlieblichen unnd Unschmäckenden gibt er ein guten Geschmack/ in Summa ist er ein Demmer unnd Meyster aller Geschmäcke dieselbigen zu temperieren und zu miltern/ dann was ubertrifft in der Küchen mit seiner säwre unnd schärpff den Essig? dennoch wird jhme dieselbige duch den Zucker benommen. Jn den Apotecken kann man deß Zuckers auch gar nicht entberen unnd das viel weniger dann in der Küchen/ dann darauß machet man vielerley Latwergen/ Syrup/ Julep/ süsse Getränck/ Claret unnd Hippocras/ Conservenzucker/ Conditen oder eyngemachte Frücht/ Wurtzeln unnd Säfft/ deß gleichen allerhand Confect/ Täfflein/ Marcipan/ Zeltlein/ Biscoct oder Zuckerbrod unnd dergleichen. Ja was für ein grosser Zucker geht auff/ darauß allerhand Bilder der Thier/ Vögel/ Frücht/ Fisch/ unnd was man schier erdencken kan/ gemachet werden/ ja es auch dahin kommen/ daß man heutiges Tages Hämmelsbüg und Schlegel/ Tauben/ Gänß/ Antvögel/ Hüner unnd sonst allerhand Fleischwerck/ als Kalbsfüß/ Kalbsköpff unnd was man von Vögeln und Fleischwerck erdencken mag/ von Zucker formiert unnd bereytet/ dieselbigen künstlich mit jhren Farben zieret unnd mahlet/ als wann es dieselbigen natürlich werend/ Ja wie vielerley Samen unnd Frücht werden mit Zucker uberzogen/ die fast alle dem Uberfluß Schlafftrüncken unnd Bancketen mehr dienen müssen dann der Artzeney/ wie gesund aber solche ding seyen also zum uberfluß gebrauchet/ erfahren die grosse Herren täglich/ was für grosser/ unheylbarer Kranckheyten darauff erfolgen/ die wir uns also selbst machen/ den Magen und Leber verderben/ daß wir schier zu keinem rechten Alter mehr kommen können/ unnd müssen uns also die guten unnd lieben Mittel die GOTT der HERR uns gegeben unnd geschaffen hat zu erhaltung der Gesundheit und dieses zeitlichen Lebens/ durch den unnatürlichen unnd abscheuwlichen Uberfluß/ zu underm verderben/ undergang und verkürtzung unsers Lebens gereychen/ unnd ist wol zu glauben unnd auch gewisslich wahr/ daß seyt die Welt gestanden kein grösserer LUXUS unnd uberfluß gewesen/ als eben jetzund bey dieser letzten Hefen der Welt/ da kein Kosten denselbigen täglich zuhäuffen und zu mehren gesparet wird/ wann man aber Kirchen/ Schulen unnd Spitälen helffen soll dieselbigen zu erhalten oder sonst den armen Krancken zu Hülff kommen/ und jhnen die Lieb nach dem befehl Christi beweisen soll/ da ist alles zu viel und ist ein grosser Kost/ gehet viel auff und ist ein Jammerklagens/ welches GOTT der HERR nit wird ungestraft lassenhingehen/ darffst dich derwegen nicht darauff verlassen daß du dich Evangelisch seyn rühmest/ unnd glaubest unnd verhoffest durch deinen Glauben seelig zu werden/ dann das kann dich nit helffen/ sintemal du die Frücht deß Glaubens nicht hast/ unnd hast leere Ampellen ohne Oelen/ dann der/ so an jenem Tage richten wird/ wird dich nicht auß deinem imaginierten Glauben richten/ sondern auß deinen Wercken/ die da zeugen werden dz du keinen Glauben gehabt hast. Dieweil wir nun biß daher von dem grossen Mißbrauch deß Zuckers gered haben/ wöllen wir nun hinfürter auch seinen nutzlichen Gebrauch in der Speiß und Artzney anzeigen.
            Schöner/ weisser Madery oder Canarienzucker in Speiß oder Tranck mässiglich gebrauchet/ machet ein reyn unnd sauber Geblüth/ stärcket die Natur/ die lebliche Geister/ unnd alle Glieder deß gantzen Leibs/ vor sich selbst oder aber in Speiß oder Tranck gebraucht/ miltert die Brust und Lungen/ und stärcket dieselbigen/ bekompt wol der rauhen/ scharpffen Keelen/ dient wider die Seiten oder Brustgeschwer und innerliche Apostemen/ miltert den Husten/ erweychet den bauch/ sonderlich aber bey den jungen Kindern/ und dienet wider den schmertzen der Brust.
            Die hitzige und Gallsüchtige Menschen sollen nicht viel Zucker ausserhalb der Artzeney gebrauchen/ dann er wird bald bey jhnen in die Gall verwandelt/ zu dem schadet er allen Kranckheiten die von der roten Gallen jhren Ursprung haben/ so auch die jungen Kinder viel Zucker essen/ so wachsen gerne Würm bey jhnen/ derowegen soll diesen der Zucker allein zur Notturfft gegeben werden. Es vermeinen auch viel/ der Zucker soll innerliche verstopffungen in den Gliedern deß Eingeweyds verursachen/ sintemal er aber ein Natur und Eygenschafft hat/ zu abstergieren und zu säubern/ ist solchen nicht glauben zu geben oder einen beyfal zu thun.
            Der Zucker ist fast dienlich den gebrechen der Nieren/ Harngäng unnd der Blasen/ machet weniger Durst als der Honig. Den Zähnen aber ist er fast schädlich/ dann er machet sie nicht allein schwartz/ sondern fäulet sie auch/ wackeln davon und fallen gern auß/ derowegen thun die jenigen wol unnd recht/ wann sie Zucker gessen haben/ daß sie den Mund unnd Zähne wol mit frischem Wasser außwäschen.
            Canarien und Maderyzucker auß frischem Wasser gessen/ vertreibet die heissere Stimm deß Halß von hitziger Ursach herkommende.
            Wider den dürren Husten/ den Durst und Rauhe der Keelen: Nimb zwey loth Zucker/ frisch Brunnenwasser ein Maß/ seude daß den dritten Theil eyn/ darvon trinck als dann nach notturfft. Wiltu es besser haben/ so thue darzu hein halb loth klein geschnitten Süßholtz/ und ein loth der kleinen Roseinlein/ und laß die mit dem Zucker sieden/ darnach seihe es durch zum Gebrauch.
            Madery oder Canarienzucker mit frischer Milch gesotten und temperiert wie ein Julep/ ist denjenigen ein heylsame Artzeney die Vitriol unnd Alaun gessen oder eyngenommen haben/ dann es benimmet solchen dingen jhre Schädlichkeit/ die sie hindersich lassen/ damit sie die innerliche Glieder deß Eyngeweyds verletzen/ nach notthurfft und Durst getruncken. Diese Artzeney dienet auch wider den Husten/ unnd ist sonderlich dienlich den jungen Kindern die sonst andere Artzeneyen nicht wol gebrauchen mögen/ so man sie nach Durst darvon trincken lässet.
            Gepülverten Zucker mit drey untzen frisches außgepreßtes Mandelölens vermischt und getruncken/ vertreibt das Krimmen und Därmgegicht.
            Zucker zu Pulver gestossen/ mit Rosenöle oder frischem Butter vermischet und verschlungen/ heylet alle innerliche verletzung/ von eyngenommenem Alaun/ Vitriol/ Hispanischen Mucken/ unnd dergleichen scharpffen und etzenden dingen verursachet.
            Wider die Gebrechen deß Haupts/ Hirns/ Magens unnd der Brust von kälte verursachet: Nimb Madery oder Canarienzucker acht Untzen/ Veielwurtz ein loth/ Jngber ein halb loth/ Galgan/ Maieran/ Ackerwurtz oder Calmuswurtzel/ jedes ein quintlein/ Muschatennüß/ Cubeblein/ Cardamömlin/ außerlesene Zimmatrinden/ krauß Balsammüntz/ Näglein/ jedes ein halbes quintlein/ langen Pfeffer ein drittheil eines quintleins. Den Zucker soll man besonders subtiel stossen/ darnach die andern Stück alle reyn pulverizieren unnd durch ein Sieblein schlahen/ folgendts wol mit dem Zucker zu einer Treseneien vermischen/ unnd in einer sauberen Büchsen zum gebrauch verwahren. Diese Treseney deß Morgens nüchtern ein Löffelein voll gessen mit einem schnitlein Weißbrods in fürnenem Wein geweychet/ stärcket dz erkalte Haupt/ Hirn/ trucknet die Flüß/ machet ein gut Gedächtnuß/ mehret die Sinn/ erwärmet die erkalte Brust unnd Lungen/ vertreibet die engigkeit und das keichen/ benimmet den kalten Husten/ machet ein wolriechenden Athem/ stärcket das Hertz/ die Natur/ unnd alle Principalische Glieder/ machet ein frölich Gemüth/ erwärmet den erkalten/ unnd däuwigen Magen/ vertreibet den Unwillen unnd Maßleyde/ stärcket die Däuwung/ verzehret alle böse/ uberflüssige Feuchtigkeit in dem Leib/ zertheilet die Winde/ stärcket das Geäder/ eröffnet die Verstopffung der Leber unnd deß Miltzes/ stärcket die Nieren/ bringet den Lust zum essen/ und gibt dem gantzen Leib ein gute/ gesunde natürliche und schöne farb.

 

Eusserlicher gebrauch deß Zuckers.
            Madery oder Canarienzucker zu einem subtielen Pulver gestossen und in die Augen gethan/ vertreibet die tunckelheit derselbigen/ und erkläret das Gesicht.
            Canarien oder Maderyzucker zu Stücklein gebrochen/ auff glüende Kolen geleget/ unnd den Rauch darvon in die Nasen entpfangen/ stillet die Hauptflüß unnd vertreibet den Schnupffen.
            Wider das Fröschlein under der Zungen: Nimb weissen Feinzucker/ Alaun/ Grünspan oder Spanischgrün/ jedes ein loth. Stoß solche Stück zu einem subtilen Pulver/ temperiers mit Honig daß es werde wie ein Sälblein/ darmit bestreich das Fröschlein zum offtermal/ es hilfft wann es schon veraltet ist.
            Wiltu gute unnd gesunde Zähn behalten/ so stoß Madery oder Canarienzucker zu Pulver/ vermisch den mit Honig/ und reib die Zähn offtermals und wol darmit/ darnach wäsche die mit frischem Wasser widerumb ab.
            Canarien oder Maderyzucker mit gebrannten Saltz/ jedes gleich viel vermischet unnd zu Pulver gestossen/ darnach Baumölen darzu gethan unnd ein weil mit einander gesotten/ säubert den Bart unnd machet den schön unnd lang wachsen/ wie Seiffen mit Laugen gebraucht/ und den Bart wol mit gewäschen.
            Canarien oder Maderyzucker zu einem subtielen Pulver gestossen/ heylet die Geschwer von dem Mittel oder Wurm verursachet/ deß Tages zweymal dareyn gesträuwet.
            Wilt du ein dicken/ trüben Wein schön und lauter machen: Nimb zu einem Fuder Weins ein halb Pfundt von acht Untzen Madery oder Canarienzucker unnd so viel Alaun/ Stosse die zu einem subtielen Pulver/ zertreibe die mit dem Wein auß demselbigen Faß/ und schütte die wider in das Faß/ rührs wol mit einem löchertem Scheidt/ daß sich der Wein wol durcheinander vermische/ darnach schlage das Faß beheb zu/ laß also vierzehen Tage liegen/ darnach laß den Wein ab in ein ander Faß.
            Abgestandenen unnd schwachen Wein wieder zu recht zu bringen: Nimb guten Madery oder Canarienzucker ein halb Pfundt zu Pulver gestossen/ unnd gefeylet Hirtzhorn vier Untzen. Vermisch diese Stück/ unnd thue sie in ein langes leinens Säcklein: Nimb auch ein Maß frisch gemolcken Milch/ schütte sie in das Faß mit Wein/ rühre den mit einem Scheidt wol durcheinander/ darnach hencke das vorgemelte Säcklein in das Faß/ verspünnte es wol/ laß eine zeitlang darinn hangen/ so wirdt der Wein wider kräfftig. Man soll zu jedem Fuder Weins so viel Milch unnd der andern Stück nemmen.
            Köstlichen guten Wein in dem Herbst oder Ablaß zu machen: Nimb Madery oder Canarienzucker xxi.untzen/ Engelsüß oder Tropffwurtz/ Christianwurtzel/ Muschatenblüth/ jedes zwey loth. Diese Stück soll man alle groblechtig stossen/ vermische sie durcheinander/ thue sie in ein langen Sack/ und hencks denn im Herbst in den Wein wann der Most verjähren ist/ versponnte das Faß wol zu/ und laß also vierzehen Tage oder lenger darinn hangen/ so hastu köstlichen guten Wein. Solchen Wein mag man gleicher Gestalt im ablassen auch also bereyten/ und zu jedem Fuder so viel der obgemelten Stück nemmen.

 

Gesotten Zuckerwasser.
AQUA SACCHARAE COCTA, oder AQUA DECOCTIONIS SACCHARI.

 

            Man pfleget auß dem schönen/ weissen Madery oder Canarienzucker ein gut Zuckerwasser zu sieden/ welches in vielen Leibsgebrechen zu einem gemeinen Speißtranck nützlich zu gebrauchen ist/ unnd das macht man also: Nimb deß obgemeldten Zuckers acht untzen/ frisch Brunnenwasser lxxx. Untzen/ das seind v. ächtmaß/ solches seude sittiglich bey einem linden Kolfeuwwerlein den halben theil eyn/ darnach seihe es durch ein Tuch/ unnd behalts zum Gebrauch. Dieses Wasser nach durst und notturfft getruncken/ ist fast nützlich unnd gut in den Catharen unnd Hauptflüssen/ Heisserkeit/ Halßgeschwer/ Husten/ Brustsucht/ Seitenstechen oder Seitengeschwer/ deßgleichen in allen hitzigen gebrechen der Brust unnd Lungen/ Magenhitz unnd derengleichen Schwachheiten. Es ist denjenigen fast dienlich/ die mit dem hitzigen Feber EPHEMERA, das ist ein Feber von vier unnd zwentzig Stunden beladen seyndt/ welches der gemeine Mann auch das Rotlauffen nennet/ stätig unnd nach Durst getruncken. Wann die gar junge seugende Kinder den Husten haben/ so sollen die Seugmütter nichts anderst als dieses Zuckerwasser nach Durst trincken/ das thut den armen Kindtlein viel guts und hilfft jhnen baldt zu gesundtheit.
            Ein sehr lieblich unnd anmütig Zuckerwasser in dem Catharr und Hauptflüssen vor ein gemeinen Speißtranck zu trincken: Nimb deß nechstgemeldten Zuckerwassers ein maß/ vermisch darmit vier Untzen sauwer Granatensafft/ und gebrauchs den Durst zu leschen nach nothurfft wie das erst.
            Ein ander Zuckerwasser mit Zimmat vor die/ denen der Wein in Kranckheiten verbotten ist/ die einen blöden Magen haben: Nimb vier Untzen Zuckers/ ein halb loth scharpffes außerlesens Zimmat klein geschnitten/ thue diese in ein bequeme Kannten/ schütte darüber fünff ächtmaß frisch Brunnenwassers/ verlutier den Ranfft der Kannten wol/ setze die in ein Kessel mit siedendem Wasser/ laß zum wenigsten ein par Stunden darinn sieden/ darnach thue die Kannte herauß/ und wann die von sich selbst kalt worden ist/ so thue sie auff unnd seihe es durch ein Tuch/ behalts darnach in einem külen Keller.
            Ein ander gut Zuckerwasser in hitzigen Pestilentzischen Febern unnd in der Pestilentz von den inficierten Menschen vor einen gemeinen Tranck stätig und nach Durst zu trincken/ das nit allein den Durst leschet/ sondern auch der Pestilentzischen vergifftung unnd fäulnuß widerstandt thut/ unnd das Hertz stercket: Nimb guten Madery oder Canarienzucker vi. Untz/ Granatensafft von den sauwren/ Küttensafft/ jedes acht Untzen/ frisch Brunnenwasser anderhalb maß. Thue diese Stück zusammen in ein steininen Krug/ unnd stell den wol verstopfft in ein Kessel mit Wasser/ laß darinn zum wenigsten ein halbe Stundt sieden/ darnach seihe es durch ein Tuch/ unnd brauch diesen Tranck wie oben gemeldtet.
            Ein ander gut Zuckerwasser von mehr Stücken wider das keichen unnd engen Athem/ von völlin der Brust und verstopffungen der Lungen/ Röhren unnd deren Aederlein: Nimb guten Madery oder Feinzucker v. Untzen/ kleine Roseinlein wol gewäschen iii.loth/ Fenchelsamen ein loth/ weissen Magsamen ii.loth/ die obersten Gipffelein von Ysop/ spitz Salbeyen/ Mertzviolen/ jedes ein halbes Händtlein voll/ Venushaar/ so viel man mit dreyen Fingern fassen kan/ schwartze unnd rote Brustbeerlein sauber gewäschen/ jedes xii. an der zahl/ Datteln von den Kernen gereynigt/ Masilier Feigen/ jedes an der zahl vier/ sauber gewäschen und zerschnitten/ geschaben unnd klein geschnitten/ Süßholtz/ Anißsamen/ Zimmatrinden jedes ein halb loth/ Alantwurtzel ein halbs quintlein. Alle gemeldte stück soll man klein schneiden/ unnd mit dem Zucker in eine bequeme Kannten oder ander Geschirr thun/ darüber schütten ii. oder dritthalb massen Wasser/ den Ranfft der Kannten sauber und wol verkleyben/ darnach vier Stunden lang in einem Kessel mit Wasser sieden lassen/ folgendts wann es kaldt worden ist durch ein Tuch seihen/ unnd zu dem obgemeldten gebrauch vor einen gemeinen Tranck trincken. Dieser Tranck ist auch gut wider den alten Husten und alle Gebrechen der Brust und Lungen/ macht außwerffen/ raumet die Brust und öffnet die verstopffung der Lungenröhrlein.

 

Zuckerwein.
SACCHARITES oder SACCHARATUM VINUM.

 

            Der Zuckerwein wirdt vor die alten Leuth bereytet/ dann er ist fast heylsam/ so kalter und blöder Natur seyndt/ und den jenigen bey welchem die natürliche Frucht unnd Wärme abnimbt/ deßgleichen auch die durch langwierige Kranckheit in abnemmung und verzehrung deß Leibs gerathen/ dann dieser Wein nehret/ machet Blut/ stärcket den gantzen Leib/ erfüllet und erquicket die fürnemmen Glieder deß Leibs mit den leblichen Geistern/ darmit sie erhalten werden/ und wirdt also gemacht: Nimb deß besten Madery oder Canarien Zuckers xvi. Untz/ deß allerbesten Weins den du haben magst/ seude diese beyde zu einem Syrup uber einem leichten Feuwerlein/ den behalt zu dem gebrauch. Wann du nu diesen brauchen wilt/ so nimb davon ein theil und vermisch es mit zwey theyl Wassers/ solches trinck zu einer stärckung/ unnd netze bißweilen ein par Schnittlein Weißbrodt darinn/ unnd jsse dieselben/ es stärcket uber die maß wol. Du magst jhnen auch auff andere weiß wie es die nothturfft erfordert/ gebrauchen/ und auch bißweilen ein Löflein voll gutes gedistilliertes Zimmetwasser darmit vermischen/ so stärcket es die leblichen Geister viel kräfftiger. Diesen Wein lobet der Arabisch artzet sehr/ in dem Buch dz er von der haltung und ordnung der täglichen Nahrung/ welcher sich die Alten sollen gebrauchen/ geschrieben hat/ daß er sonderlich den alten Leuthen sehr nutz seye.

 

Weinsyrup.
VINI SYRUPUS.

 

            Auß dem Wein und Zucker lehret ARNOLDUS VILLANVANUS LIB.DECONLER.IUNENTURE ein fast nützlichen Syrupo zu machen/ welcher beyde die statt der Speiß und Trancks vertreten kan/ dann er stärcket die Natur wunderbarlich und haltet den Menschen in guter Gesundtheit. Dieweil nun dieser Syrup mit dem vorgemeldten Zuckerwein ein grosse Gleichheit hatte/ beyde was die bereytung desselben/ unnd auch dessen gebrauch anlangen thut/ haben wir nicht underlassen wöllen hie anzuzeigen/ und wirdt derselbe auff folgende weiß gemacht. Nimb deß aller besten Weins so du bekommen kanst iii. Pfundt/ guten weissen Zucker zwey Pfundt/ laß sittiglich mit einander sieden auff einem linden Kolfewerlein zu einem Syrup. Diesen Syrup soll man auch mit Wasser vermischt brauchen/ also da daß man nemme vi.untzen deß Syrups/ und vermisch es mit einer maß Wassers zu einem Julep/ dieser nehret/ kület und befeuchtiget den Leib/ leschet den Durst in Febern und sonst/ stärcket und erquicket den gantzen Leib/ Will man aber daß er etrwas mehr wärmen unnd stärcken soll/ so soll man zwey loth gedistilliert Zimmatwasser darmit vermischen. Will man aber daß er mehr kühlen und stärcken soll/ so soll man den Syrup also vermischen: Nimb deß Syrupts vii. oder viii. Untzen/ gut frisch Rosenwasser viii. Untzen/ frisch Brunnenwasser i. maß/ dieses vermisch unnd trincke darvon nach Durst/ dann es ist ein herrlicher Tranck in hitzigen Fiebern.