1 / 544-547

ZITRONENGRAS

-KAMELGRAS

-OSTIND. GERANIUMGRAS

-RUSAGRAS

Cymbopogon schoenanthus - Gramineae

 


 

VON DEM KAMELENHEUW.

 

 

            Dieweil wir an die Bintzen und Graßkreuter gerahten seyndt/ haben wir nicht underlassen wöllen/ etwas von dem lieblichen und wolriechenden Kamelenheuw zu schreiben/ unnd den andern Graßgeschlechtern unnd Bintzenkreutern dasselbe zu zugesellen. Es hat das Kamelenheuw ein kleine/ zasechtige Wurtzel/ darauß wachsen lange/ außgespitzte Bintzenbletter/ die seynd steiff und undenher dick/ wie die Wasserbintzen mit den leibfarben Blumen/ allein daß sie etwas dünner seyndt unnd kürtzer/ wann sie dürr werden/ so werden sie falb oder rotgeel/ zwischen den Blettern wachsen runden Stengel herfür/ fast eines Schuchs lang/ am obern theil derselbigen hat es kleine/ geährte/ wollechtige Blümlein/ die wachsen zwischen kleinen Blätlein herauß den Stengel hinauff biß zum Ende. Dieses gantze Gewächs hat ein lieblichen/ wolriechenden Geruch wie ein Rose mit einem anmütigen Würtz- oder Specereyechtigen Geruch vermischet. Es wächst in Arabien unnd in der Landtschafft ARABIAE NABATHAEA genannt/ unnd ist dasselbig das beste. Nach diesem behelt das den Vorzug/ welches auch anderswo in Arabien wächset/ und von etlichen Babylonisch Kamelenheuw genannt wird. Das aller untüchtigst ist das in Africa wächset. Das allerbeste das zu erwehlen ist/ soll Feuwerrot seyn/ mit vielen Blumen wol besetzt/ dünn/ subtiel/ unnd Purpurrot/ wann es zertheilet wirdt/ wann es zerbrochen wirdt/ daß einen lieblichen Geruch von sich gebe/ wie die Rosen/ scharpff/ und zanger an dem Geschmack/ räß und beissend auff der Zungen mit einem fünckeln oder brennen.
            Man hat lange Zeit nur allein die Wurtzeln mit den stopffeln zu uns in diese Landt gebracht/ dann in denen obgemeldten Landtschafften da es von sich selbst auff den Feldern unnd außgetruckneten Pfülen wächset/ hat es ein grosse menge der Kamelen/ wie bey uns die Hirtzen/ die fressen die Blumen mit dem obern theil als das zärtest und lieblichst hinweg/ das wirdt alsdann mit der Wurtzeln außgeropfft/ und von dannen nach Alkeyer und ALEXANDRIAM in Egypten geführet/ und umb ein gering Geldt verkauffet/ welches hernachmals von ALEXANDRIA gen Venedig/ unnd fortan in andere Stätt EUROPAE geführet wirdt. Wiewol wir nun lange zeit allein die Stopffeln mit den Wurtzeln gebraucht/ und uns damit begnügen müssen lassen/ so haben wir doch Gott lob nun auch durch etlicher Materialisten Fleiß die Blumen bekommen/ welche nicht allein besonders zu uns gebracht werden/ sondern auch das gantze Gewächs mit den Blumen. Die Blumen aber werden in Jahrs frist als das subtielest theil unkräfftig/ und wann sie zwey Jahr alt werden/ sind sie untüchtig und gar kein nütz mehr/ das Stro aber oder die Stopffeln mögen zehen Jahr lang bey guten Kräfften erhalten werden.

 

Von den Namen deß Kamelenheuws.
            Das Kamelenheuw wirdt gemeiniglich von den Griechen genannt/ wiewol nun alle Bintzengeschlecht auch also genennet werden/ so ist doch Kamelenheuw als das allerfürtrefflichste under allen Geschlechten von den Griechen mit dem gemeldten Namen geehret worden/ dann wo sie in jhren Schriften des gemeldten Namens in den Artzeneyen gedencken ohne weitern Zusatz/ so nennen sie das Kamelenheuw/ es werde gleich die Blumen die von jhnen , oder die Wurtzeln/ oder aber die Hälmer oder Stopffeln begehrt/ Weil dann wir so viel Jahr in EUROPA der Blumen dieses Krauts gemangelt/ die fürnemblich von den Alten gebraucht worden/ und wir an deren statt die Stopffeln mit den Wurtzeln haben müssen gebrauchen/ so ist aus den ii. Griechischen Wörtern ein einziges Wort gemacht/ und dz gantze Gewächs deß Kamelenheuws von den Griechen genannt worden. Lateinisch/ TEUCHITIS, sonst heisset das Kamelenheuw Lateinisch/ IUNCUS ODORATUS, von AURELIO CELSO, IUNCUS ROTUNDUS, und von andern/ IUNCUS AROMATICUS und SCHOENANTUM, von MARCO VARRONE, SQUINANTHUM, wie auch die gemeine Aertzet und die Apotecker jhnen nennen/ von ALEXANDRO BENEDICTO, SYNANTHUM unnd SCHINANTHUM, von den gemeinen Aertzten FOENUM CAMELORUM, STRAMEN CAMELORUM, PASTUS oder PASTURE CAMELORUM, unnd PALEA CAMELORUM. Hochteutsch/ Cameelsheuw/ Cameelstro und Candischheuw/ etliche nennen es auch Squenanth.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschaft deßCameelheuws.
            Das Camelenheuw hat eine Krafft zu wärmen/ mit einer sanfften Astriction oder zusammenziehung/ und einer subtielen Substantz. Man gebrauchet die Wurtzeln/ Halmen oder Stopffeln unnd Blumen in der Artzeney/ die Wurtzeln seynd ein wenig herber unnd ziehen mehr zusammen dann die Blumen und die Halmen.

 

Jnnerlicher Gebrauch deß Camelenheuws.
            Die Blumen deß Camelenheuws seynd gut getruncken wider das Blutspeyen/ unnd wider den schmertzen deß Magens/ der Leber und der Nieren.
            Wider den widerwillen deß Magens unnd das erbrechen: Nim Camelenheuwwurtzeln oder seine Hälmer i.loth/ Pfefferkörner ein halb loth/ stoß zu einem subtielen Pulver/ und gib davon ein quintlein schwer/ Morgens und Abends mit warmem Wein/ jedesmal so viel zu trincken.
            Camelenheuw vor sich selbst gepülvert und ein quintlein oder anderthalbs darvon mit einem Trüncklein Weins zertrieben unnd warm getruncken/ vertreibt den Kluxen oder Heschgen/ von Kälte verursacht/ unnd stärcket auch also genutzet den blöden Magen.
            Oder nimb Camelenheuw mit den Wurtzeln vier loth/ der eussersten Rinden von den Welschen Pimpernüßlein zwey loth. Zerschneide das Camelenheuw klein/ vermisch es mit den Pistacienrinden/ thue diese beyde in eine Kannte mit einem Rockenteyg umb den Ranfft/ daß nichts außriechen mag/ setze darnach die Kannte in einen Kessel mit siedendem Wasser/ und laß auff die vier Stunden sieden in stäter Hitz/ darnach thue es herauß/ laß kalt werden/ unnd seihe es durch ein Tuch/ und gib darvon Morgens unnd Abends/ jedes mal vier untzen warm zu trincken.
            Camelenheuw zu Pulver gestossen und i.quintlein oder anderhalb mit fürnem Wein zertrieben unnd warm getruncken/ vertreibet die auffblehungen deß Leibs.
            Camelenheuw in Pulver oder Geträncken gebrauchet/ ist eine edle Artzeney die blöde/ schwache Leber zu stärcken/ dieselbe zu eröffnen unnd vor aller zerstöhrung und Fäulnus zu verhüten.
            Wider den Schmertzen der Leber von Windigen Blästen verursachet: Nimb Camelenheuw drey quintlein/ Galgan/ Zitwan/ jedes ein halb Loth/ Jndianisch Spicanarden anderthalb quintlein/ Näglein/ Muschatnüß/ jedes ein quintlein. Stosse alle gemelte Stück zu einem reynen Pulver/ und mach mit acht loth wol verscheumptem Honig ein Latwergen darauß/ und nimb allen Morgen nüchtern ii. Stunden vorm Morgenessen/ deßgleichen auch vor dem Nachtesen jedesmal i. loth darvon/ du wirst bald gute besserung befinden.
            Oder nimb zwo Untzen Camelenheuws/ schneide die klein/ und thue die in ein Kannte/ schüte darüber xlviii. Untzen Wassers oder Weins/ je nach gelegenheit der Sachen/ verlutier die Kannt und laß zum wenigsten ii. Stunden in einem Kessel mit Wasser sieden/ unnd wann es kalt worden ist/ so seihe es durch/ und gib dem Krancken allen Morgen iii. oder vier untzen warm darvon zu trincken. Gemeldter Tranck dienet auch wider den schmertzen im Leibe/ wider die erhartung deß Miltzes/ eröffnet die verstopffung der Leber/ treibt den Wassersüchtigen Harn/ vertreibet die Harnwinde und das tröpfflingen harnen/ fürdert den Weibern die gebürliche Monatblumen/ unnd dienet wider die Erhartung deß Miltzes.
            Ein Tranck auß der gantzen Substantz deß Camelenheuws bereytet/ wie man den auß der Wurtzel CHINA zu sieden unnd zu machen pflege/ wie an seinem Ort von der CHINA weiter Bericht geschehen soll/ und denselben ordenlich xxx. oder xxxx. Tag nacheinander getruncken/ neben gebürlichen Purgatzen heylet die böse Frantzosen Kranckheit von Grund herauß/ unnd die vergiffte Contagion derselben.
            Den verstandenen Weiblichen Monatfluß sänfftiglich zu fürdern und wider zu bringen: Nimb Camelenheuw drithalb loth/ Ferberrötwurtzel anderhalb loth/ Mutterzimmat i.loth/ Candischen Dipdam iii.quintlein/ Muschatenblühet i.quintlein/ Saffran ein halbs quintl. Alle obgemelte stück schneide klein/ thue sie in eine Kannte/ die verlutier wol/ unnd laß vier Stunden lang also in einem Kessel mit Wasser sieden/ darnach wann es kalt worden ist/ so seihe den Tranck durch ein Tuch/ und gibe der bresthaften Personen allen Morgen und Abend/ jedesmal zum wenigsten drey untz darvon warm zu trincken.
            Oder nimb Camelenheuw ein halb loth/ Muttercimmat/ Betonienkraut/ Veielwurtz/ Zimmatrinden/ Nardensamen/ wilden Galgan/ Haselwurtz die Wurtzel/ jedes ein Quintlein. Vermische diese Stück wol zuvor ein wenig geschnitten/ darnach stosse sie wol in einem Mörser biß sie dich düncken klein genug seyn/ als dann schlage sie durch ein härin Sieblein/ was durchlaufft im Sieblein das theil in sechs gleiche theil ab/ unnd behalt ein jedes besonder/ das grobe aber das im Sieblein blieben unnd nicht durchgangen ist das thue in ein Känntlein/ und schütte darüber sechszehen untzen guts Weins/ stelle das Käntlein in ein Pfannen mit Wasser/ lasse es ein viertheil stund darinnen sieden/ darnach stells hin uber Nacht/ deß Morgens seihe es ab durch ein Tüchlein/ nimb darvon ii.Untzen wol gewägen/ zertreib eines von den sechs Pülverlein darinnen/ unnd lasse es die Weibsperson trincken so warm als sie es leiden kann deß Abends wann sie zu Beth gehen wil/ unnd solches sechs Abendt nach einander/ biß sie die obgemelten sechs Pülverlein gar verbraucht hat/ so wirstu ein gute Hülff sehen.
            Camelenheuw zu einem subtielen Pulver gestossen/ und eins quintleins schwer mit einem guten weissen Wein vermischet und getruncken/ treibet den verstandenen Harn.
            Wider den Blasenstein macht man ein köstlich Pulver/ denselben außzutreiben unnd zu zermalen/ welches offtermals an jungen und Alten erfahren ist/ wann der Stein noch nicht oben erhartet wie ein Wacken/ dann wo das geschehen ist/ hilfft keine Artzney mehr under der Sonnen die inen brechen oder außtreiben kan/ er were dann so klein daß er durch den Blasenzipffel gantz kommen möchte: Nimb Camelenheuw drey loth/ STECHAS Blumen zwey loth/ bereytet unnd auffgetrucknet Bocksblut/ Jüdenstein/ jedes ein loth/ mache alle gemelte Stück zu einem reynen Pulver/ behalte es in einem Schächtelein/ davon nimb allen Morgen unnd Abend ein quintlein/ biß das Pulver gar verbraucht wird/ ist er aber mit einer Wackenhärtigkeit uberzogen/ so kann nichts mehr dann die Handwirckung mit dem schnid/ dedrowegen will ich menniglich gewarnet haben/ daß sie sich vor denen hüten/ die uber solches versuchen die Leuth lang vergeblich mit jhrem erlogenen Zahnbrecher geschwetz auffhalten und verkürtzen.
            Wider den Schmertzen der Nieren/ unnd der Blasen/ ein Experiment/ stosse Camelenheuw zu einem subtielen Pulver und gib auff einmal drey quintlein mit Wein zertrieben warm zu trincken.
            Camelenheuw zu Pulver gestossen unnd ein quintlein oder anderhalbs mit Wein getruncken warm als es geschehen kan/ vertreibet das reissen und schmertzen so den Weibern nach der Geburt im Kindbeth zu kommen pflegt/ so sie diesen Tranck Morgens und Abends gebrauchen/ und darneben Camelenheuw in Wasser sieden und ein Lendenbad darauß machen/ daß sie also bald sie den Tranck getruncken zum wenigsten ein Stund oder anderhalb darein mögen sitzen.
            Wider das Mutterkrimmen es komme woher es wölle: Nim Camelenheuw anderthalb loth/ Jndianisch Spicanarden drey quintlein. Schneide diese stück klein/ thue sie in ein Känntlein/ schütte daruber Chamillenblumenwasser/ Mettramwasser/ jedes ix.untzen/ verlutier das Känntlein/ und stells in ein Pfann oder Kesselein mit Wasser/ und lasse es zum allerwenigsten ein Stund sieden/ dann hebs herauß/ lasse es kalt werden/ und seihe es ab durch ein Tuch/ und trinck darvon allen Morgen und Abend/ jedesmal fünff loth.
            Man machet auch ein herrlich Speiß oder Trinckwasser von dem Camelenheuw in vielen schwachheiten und Gebrechen an statt deß Weins oder andern gemeinen Trancks nach notturfft den Durst zu leschen zu trincken: Man nimbt gutes frisches Camelenheuw ein loth/ schneidet das klein/ thuts in ein Kannt/ schüttet daruber anderthalb Maß/ oder ii. Maß frisch Brunnenwassers/ verlutiert die Kannte wol zu/ unnd lasset es vier Stunden ion einem Kessel mit Wasser sieden/ und wann es uber Nacht gestanden/ seihet mans deß Morgens frühe durch ein Tuch/ und behaltet es zu täglichen gebrauch. Solches ist ein heylsamer gesunder Tranck in schwachheiten deß Magens unnd schmertzen im Leib/ in dem Darmgegicht/ schmertzen der Nieren/ Blasen/ Leber und deß Miltzes/ und in allen obenerzehlten Kranckheiten/ fast nutzlich vor einen gemeinen Tranck zu trincken/ darinnen man keinen Wein trincken darff/ oder so doch der Wein erlaubet wirdt/ daß man jhn zum drittentheil oder ja zum wenigsten zum vierten theil mit diesem Wasser vermische und breche.

 

Eusserlicher Gebrauch deß Camelenheuws.
            Camelenheuw klein geschnitten unnd in Wein gesotten/ unnd mit der durchgesiegenen Brühen den Mund zum offtermal geschwenckt unnd außgespielet/ vertreibet den ubeln Gestanck desselben. Das thut auch das Pulver von dem Camelenheuw so man das Zahnfleisch und die Zähn offt darmit reubet.
            Oder nimb die Blumen von dem Camelenheuw drey loth/ Veielwurtz zwey loth/ gedörrt Saltz anderthalb loth/ Bimßstein/ Candischdosten/ jedes ein loth. Solches alles stosse zu einem subtielen Pulver unnd schlags durch ein härin Sieblein unnd behalts in einem Schächtelein/ mit diesem Pulver reib die Zähn/ das machet einen wolriechenden Mund unnd weisse Zähn.
            Camelenheuw klein geschnitten/ in Laugen gesotten und das Haupt damit gezwagen/ reynigt und purgiert das Haupt und Hirn/ und stärcket dasselbig.
            Das Angesicht und Hände oder auch den gantzen Leib schön und glatt zu machen: Nimb die Blumen deß Camelenheuws anderhalb loth/ Veielwurtz i.loth/ Mastix ein halb loth. Stosse diese Stück zu Pulver unnd mache mit gesottenem Gerstenschleym Teyglein darauß/ darnach formir sie zu kleinen Scheiblein/ lasse die trucken werden/ und wann du sie brauchen wilt/ so stosse sie unnd zertreibe die mit Wasser wie ein dünnes Sälblein/ darmit streich dich an am Angesicht Händen oder andern orten deß Leibs/ darnach wäsche es uber ein Stund wider ab/ und thue das offt/ es machet ein schöne und linde Haut/ und vertreibt die Runtzeln.
            Camelenheuw klein geschnitten und in Wasser gesotten/ darnach mit der durchgesiegenen Brühen den Halß gegurgelt/ vertreibt die Geschwulst deß Zäpffleins.
            Wider die schwachheit und blödigkeit deß Magens/ denselben zu stärcken und die däuwung zu fürdern/ mache folgendes Magensäcklein: Nimb die Blumen deß Camelenheuws eine Handvoll/ Chamillenblumen/ Deymenten/ jedes ein halb Handvoll/ Anißsamen/ Zimmatrinden/ Kalmuswurtzel/ jedes i.loth. diese Stück soll man alle klein schneiden/ sonderlich aber die Blumen unnd Deymenten/ die andern Stück aber soll man nicht allein klein schneiden/ sondern auch darnach in einem Mörser stossen/ das nichts scharpffes mehr darinnen ist/ als dann soll man sie alle durcheinander vermischen und in ein Zendelin oder rot Daffetensäcklein stepffen/ und dasselbig stätig auff dem Magen tragen.
            Wider den Schmertzen der Leber so von kalter windiger feuchte kompt: Nimb Camelenheuw anderhalb Handvoll/ Bergwermuth/ Odermenig/ jedes i. Handvoll/ Anißsamen/ Kalmuswurtzel/ jedes i.loth. zerschneide diese Stück klein/ unnd seude sie in einer Maß Wassers den dritten theil eyn/ seihe die Brühe ab unnd netze einen Schwamm darinn/ darmit bähe die Leber warm: Oder thue die gemeldten stück klein geschnitten in zwey Säcklein/ seude die in Wasser wie gemeldet/ druck darnach eines mit zweyen Telern hart auß daß es nicht mehr trieffe/ und lege also je eins nach demn andern warm uber.
            Wider die hitzige Geschwulst der Leber: Nimb Camelenheuw zwey loth/ Weinrauthen ein halb Händlein voll/ gequetschten Leinsamen ein halb loth/ und ein halben Magsamenknopff alles klein geschnitten. Diese Stück seude in genugsamen unzeitigem Baumölen/ darnach seihe das Oele darvon und salbe die Leber deß Tages etlichmal darmit/ dann es ist ein treffenliche Artzeney.
            Camelenheuw in Wasser gesotten unnd den Dampff darvon durch ein bequemes Jnstrument in die Mutter empfangen/ fürdert die Nachgeburt. Camelenheuw klein zerschnitten unnd auff glüende Kolen geworffen/ denselbigen Dampff obgemelter massen in die Muter empfangen/ hat gleiche Wirckung.
            Camelenheuw in Wasser gesotten unnd ein Lendenbad darvon gemachet/ ist gut wider die hitzige Geschwulst der Mutter/ wann sich die Frauwen darein setzen zu baden unnd sich damit bähen.

 

Camelenheuws gedistilliert Wasser.
SCHONANTHI AQUA STILLATITIA.

 

            Wiewol man das Camelenheuw nicht grün haben kan/ so kann man aber doch nicht desto weniger ein sehr köstliches und edles Wasser auß diesen dürren Gewächs distillieren/ welches in viel weg zu mancherlei Leibes gebrechen nutzlich mag gebraucht werden/ und soll man dasselbige also bereyten: Nimb deß besten außerlesenen Camelenheuws ein Pfund von xvi.untzen. schneide das klein und darnach stosse es in einem Mörser/ thu es in ein bequemes Geschirr/ schütte daruber vier oder fünff Maß frisch Brunnenwassers/ lasse es drey Tag und Nacht in einem warmen Rosszmist oder in BALNEO MARIAE beytzen/ darnach distilliers durch die Aeschen oder durch ein VESICAM biß du hast zwo Maß/ als dann so heb dasselbige Wasser auff/ und schütte das ubrige in dein Kolben oder in der VESICA hin: Nimb darnach deß frischen Camelenheuws sechs untzen/ schneide solches und stosse es wie vorhin/ schütte die zwo obgemelte Maß Wassers daruber/ lasse sie wol vermacht vier und zwantzig Stunden in BALNEO MARIAE mit einander digerieren/ darnach ziehe anderhalb maß sänfftiglich ab durch die Aeschen/ so hast du ein edels und kräfftigs Wasser/ welches kräfftiger unnd stärcker ist/ dann wann es von dem grünen Kraut gebrannt worden were/ welches du leichtlich mit einem gemeinen dürren Kraut versuchen magst/ und als kann man von allen dürren warmen Kreutern/ Wurtzeln/ Blumen und Samen heylsame Wasser brennen/ in vielen Gebrechen sehr nutzlich zu gebrauchen.

 

Gebrauch deßCamelenheuwwassers.
            Das Camelenheuwwasser ist wider den Schmertzen der Leber/ Nieren/ Blasen unnd allen obgemelten Kranckheiten ein sehr köstliche Artzeney Morgens unnd Abends/ jedesmal vier oder fünff loth getruncken/ und bißweilen auch den Wein darmit gemischet unnd gebrochen. Es kann auch nutzlich mit andern Wassern/ Säfften unnd Syrupen in mancherley Leibs gebrechen vermischet werden/ wie das die MEDICI PRACTICI wol zu thun wissen.

 

Camelenheuwwein.
SCHOENANTHITES, oder SCHOENANTHINUM VINUM.

 

            Es haben gleichwol die Alten deß Camelenheuwweins gar nicht gedacht/ aber nicht desto weniger ist es ein fürtreffenlicher und gesunder Wein/ in nachvolgenden Kranckheiten erfahren/ und wird derselbige also bereytet. Man nimbt gutes außerlesenes Camelenheuws sechszehen untzen/ schneidet das klein unnd stössets groblecht/ schlecht es darnach in ein sechzehen Mässigs Fäßlein eyn/ mit Eschern Spähnen/ unnd füllet das Fäßlein mit einem guten Most zu und lassets daruber verjähren/ unnd verwahret denselbigen uber Jahr wie ein anderen Kreuterwein. Dieser Wein ist ein heylsamer Wein in der Frantzosen Kranckheit unnd deren Cur vor einen gemeinen Tranck zu trinckenm/ an statt deß gesottenen Wassers so von diesem Kraut bereytet wird/ sintemal dieses Gewächs die gemelte Kranckheit vom Grund herauß heylet/ deßgleichen dienet der Wein wider das Därmgegicht/ schmertzen der Leber/ Nieren unnd Blasen/ treibet die verstandene Blumen der Weiber/ ist ein heylsamer Tranck wider die Wassersucht/ unnd treibet dieselbige durch den Harn hinweg/ vertreibet den Schmertzen der Lenden/ zertheilet die windigen Auffblehung deß Leibs/ bekompt wol dem blöden schwachen Magen/ vertreibet dz unwillen und kotzen desselbigen/ und ist ein uber die maß gesunder Tranck denen so das Miltz erhartet ist.
            Ein anderer von mehren Stücken: Nimb außerlesens Camelenheuw ii. Untzen/ Weiß Bibernellenwurtzel ii. Loth/ Nesselwurtzel/ Veielwurtzel/ wildt Galganwurtzel/ jedes anderthalb Loth/ weissen Pfeffer/ Alantwurtzel/ jedes ein Loth. Ale gemeldte Stück soll man klein schneiden oder ein wenig groblecht stossen/ darnach mit Eschern/ Hanbüchen oder Häselnspähnen in ein eylffmässiges Fäßlein eynmachen/ folgendts dasselbige mit einem guten Most zufüllen und darüber verjähren lassen. Dieser Wein hilfft der Speiß wol abdäuwen/ erwärmet den erkalten Magen und Brust/ zertheilet die Winde/ vertreibet den alten langwirigen Husten/ und das keichend und schwerlich äthmen.
            Ein anderer guter Wein/ wider das langwirig unnd tröpfflingen schmertzlich brennendes harnen: Nimb gutes Camelenheuws vier Loth/ kleiner gewäschener Roseinlein iii. Loth/ roter Zisererbsen/ geschaben Süßholtz/ weissen Magseamen/ breyt Wegerichsamen/ Schafftenheuwwurtzeln/ jedes zwey Loth/ der schwartzen Brustbeerlein/ der roten Brustbeerlein/ jeder an der Zahl dreyssig. Alle gemeldte Stück sollen klein geschnitten oder groblecht zerstossen werden/ darnach soll man sie mit Hanbüchen Spähnen eynmachen in ein zehenmässiges Fäßlein/ dasselbige darnach mit gutem Most zufüllen/ und darüber verjähren lassen.
            Auß den obgemeldten Stücken hab ich in gleichen Gebrechen ein herrlichen guten Meth gemacht/ habe dieselbige in dreyssig Massen Wassers sieden lassen/ die Brühe durchgesiegen und darzu gethan anderhalb maß Honigs und xxxii. Untzen Penidzuckers/ solches hab ich mit einander sieden lassen biß auff die xii.maß/ darnach in ein Fäßlein gethan mit einem Löffel voll Bierhöfen also verjähren lassen. Diesen Meth hab ich vor die allerbeste und bewehrteste Artzeney in solchen Gebrechen befunden/ vor allen andern.