1 / 536-537

ZAHNTROST

Odontites - Orobanchaceae

 


 

VON DEM KRAUT ODONTITE.

 

 

            Der braun Augentrost ist ein schönes drauschelechtiges Kreutlein wie ein kleines Bäumlein anzusehen/ es hat ein kleines/ dünnes/ holtzechtiges Würtzlein mit etlichen Nebenzincklein/ darauß wächset ein eintziges Stenglein/ gerings herumb mit Nebenästlein oder Zweiglein besetzet/ das wird gemeiniglich einer Spannen hoch und auch bißweilen eines Schuchs hoch/ an den Aestlein wachsen kleine/ schmale und lange außgespitzte Blätlein mit zweyen oder dreyen kleinen Schnittlein zerkerfft/ je zwey gegen einander uber/ die hangen under sich zur Erden/ zwischen den Blätlein wachsen schöne/ Purpurbraune/ gehälmte Blümlein herauß/ sehr lustig anzusehen. Wann die Blümlein vergehn/ folgen hernach kleine Hülßlein/ anzusehen wie die Gerstenkörner/ darinnen ist der Samen verschlossen/ Es wächst allenthalben auff den Wiesen und feuchten graßechtigen Gründen.

 

ll. ODONTITES mit geelen Blumen.
ODONTITES ll. FLORE LUTEO.

 

            ll. Das zweyte Geschlecht ist dem jetztgemeldten mit Wurtzeln/ Kraut/ Stengel und Blümlein durchauß gleich und ähnlich/ außgenommen daß es kleiner ist/ und die Blümlein schön Liechtgeel sind. Erstlich hab ich dieses Kreutlein in Hochburgundt nit weit von Bisantz in graßechtigen Plätzen gefunden/ darnach in der Obergraffschafft Katzenelenbogen/ wann man von Darmstatt auff Franckfurt zu reyset/ da es dann an den graßechtigen Orten neben der Landtstrassen in grosser menge wächst/ sonst ist es seltzam unnd wirdt gar selten gefunden. [Umb Basel findet mans viel.]

 

Von den Namen deß braunen Augentrosts.
            Dieses Kreutleins Namen habe ich nie können erfahren/ wie es doch möchte bey dem Hirten und dem gemeinen Mann genennet werden/ dann allein daß es Läußkraut geheissen wirdt/ dieweil aber derselbigen Kreuter viel seyndt/ die ein gleichen Namen haben/ unnd es der hochgelehrte REMBERTUS DODONAEUS under die Augentrostkreuter zehlet/ hab ichs zum underscheidt deß gemeinen weissen Augentrosts braunen Augentrost wöllen nennen. Es ist sonst ein gemeines Kreutlein/ wiewol es unsern Kreutlern unbekannt ist/ und auch zuvor von niemand/ dann von dem ehrngemeldten Herrn DODONAEO beschrieben worden/ was aber solches Kreutlein bey den Alten gewesen oder wie es genannt worden seye/ zeiget er nicht an. Daß wir aber unser Meynung darvon auch darthun/ so halten wir dieses Gewächs vor das ODONTITEN PLINII, sintemal es mit seiner Description durchauß mit allen Noten und Kennzeichen zuschlägt. Von REMBERTO DODONAEO wirdt es EUFRASIA ALTERA genannt.

 

Von der Natur/ Krafft/ WirckungEygenschafft unnd Gebrauch deß braunen Augentrosts.
            Wiewol dieses Kreutlein von dem Herrn DODONAEO ein Augentrost getauffet ist/ so zeiget er doch gar nichts von seinen Kräfften und Tugenden/ haltens darvor daß er es mehr darumb Augentrost genennet habe/ nicht daß es den Gebrechen der Augen zu hülff komme/ sondern daß es die Augen und das Gesicht im anschauwen erlustige und erfrewe/ sintemal es ein sehr schönes und liebliches Kreutlein ist anzusehen. Es haltet der gemeine Mann und die Hirten darvor/ daß das Rindtvieh und die Weydtpferdt viel Läuß von diesem Kraut uberkommen wann sie dasselbige essen/ gleich wie von den Rodelkraut. PLINIUS lobet dieses Kreutlein vor das Zahnwehe eusserlich gebrauchet. Weiter wissen wir auf dißmal darvon nicht zu schreiben/ sintemal es als ein unbekanntes Gewächs in der Artzeney noch nicht gebrauchet wird.