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(GEMEINE) WEGWARTE
Wegwarte: Cichorium intybus - Compositae


VON DER WEGWARTEN

    Der rechten Wegwarten/ die ohne Unterscheid oder weitern Zusatz unter dem Namen CICHOREUM begriffen werden/ haben wir fünff Geschlecht.
I. Das erste Geschlecht ist die gemeine Wegwart/ die unter diesem Namen männiglich bekant ist/ das hat eine lange bittere Wurtzel/ mit etlichen Zaseln behenckt/ daraus wachsen erstlich lange/ schwartzgrüne Blätter/ tieff zerspalten/ und geringsherum zerkerfft/ die sind den Blättern des Pfaffenröhrleinkrauts so ähnlich/ daß man sie anfänglichen kümmerlich von einander unterscheiden kan/ sind aber doch von Farben grauer/ rauher und kleiner zerschnitten. Die Blätter ligen ertlich auf der Erden/ aber bald hernach stossen sie fast lange/ runde und glatte Stengel herfür/ die sind inwendig hol/ und zinckechtig mit vielen Gabeln und Nebenzweiglein/ von unten an durch gewisse Unterscheid mit kleinen Blättlein umgeben/ welche dem stengel mit zweyen Oehrlein fast nahe angehencket sind; An den Zincken gewinnet es viel grüner Knöpfflein von unten an biß oben hinaus/ sodie heraus kriechen und sich aufthun/ werden himmelblaue Blumen daraus/ die sind fast nahe ohn einige Stielchen an die Nebenzweiglein gehefftet. Die Blätter am Stengel sind den untersten nicht ähnlich/ sondern spitziger und auch nicht als sehr zerkerfft. Nach dem die Blumen abfallen und vergehen/ wächset der Saamen in einem runden/ grünen/ Sternlein/ der vergleichet sich dem Endiviensaamen. Dieses Gewächs blühet den gantzen Sommer/ biß in Herbst hinauß/ also daß es alwegen mit frischen und verwelchten Blumen und andern jungen Knöpfflein gefunden wird. Diese Blumen kehren sich allezeit der Sonnen nach/ dann des Morgens so bald die Sonn aufgehet/ thun sich die Blumen auch allgemächlich gegen der Sonnen gekehret auf/ also daß sie um den Mittag gar auf sind/ und über sich gegen der Sonnen aufrechtig stehen/ Nachmittag wann die Sonn sich gegen Nidergang nahet/ kehren sie sich auch derselben nach/ und wann sie bald untergehen wil/ fahen die Blumen sich auch allgemächlich an schliessen/ und so bald die Sonn unterganen ist/ so sind die Blumen auch wieder geschlossen/ und bleiben also zugethan biß Morgens/ biß die Sonn wieder aufgehet: Und wann gleich der Himmel trüb und mit Wolcken überzogen ist/ kan man doch an diesen Blumen die Zeit des Tages erkennen/ dann so lang die Sonn vom Aufgang/ an biß zum Nidergang am Himmel über den Wolcken bedeckt stehet/ so halten die gemeldte Blumen ihre Ordnung einen Weg wie den andern/ wie erzehlet ist/ welches ein sonderlich Wunderwerck der Natur ist. Dieses Gewächs ist vast gemein an allen Orten Teutsch- und Welschlands/ und wächset gemeiniglich auf den Wegen und Landstrassen/ fürnemlich aber auf denen/ so durch die Fruchtfelder gehen.
    II. Das zweyte Geschlecht ist dem jetztgemeldten mit Wurtzel/ stengel/ Blätter und Knöpfflein allerdings gleich/ ausgenommen/ daß die Blumen schneeweiß sind/ und ist solches nicht so gemein/ es wächset bey dem Dorff Ingelheim auf den Strassen/ nicht weit von Klingenmünster/ und sonst andern mehr Orten.
    III. Das dritte Geschlecht ist dem jetztgemeldten mit aller Substantz durchauß gleich/ ausgenommen/ daß es schöne Leibfarbe Blumen trägt/ ist auch sehr seltzam zu finden/ wir habends erstmals nicht weit von Basel auf der Strassen gefunden/ und hernach zwischen Obernähen und Schlettstatt. Es wächset auch im Land zu Lotthringen bey Linville/ und sind aber alle gemelte Geschlecht der gemeinen und wilden Wegwarten-Geschlechter/ und ist darunter kein anderer Unterscheid/ dann allein in den Blumen/ welche an diesen beyden weiß und Leibfarb/ wie sie an dem gemeinen Himmelblau sind.
    IV. Das vierdte Geschlecht ist die zahme Wegwart/ welche/ so viel die Wurtzel anlangt/ der gemeinen gleich ist/ aber am Geschmack milder und weniger bitter. Die Blätter sind etwas kumpffer/ und nicht so viel und tieff zerspalten/ sonst ist es mit den himmelblauen Blumen und Saamen dem obgemeldten allerdings ähnlich/ allein daß es durch die Pflantzung vollkommenlicher und auch zur Speiß lieblicher ist/ darzu es dann mit sonderm Fleiß gepflantzet wird.
    V. Das fünffte Geschlecht hat keinen weitern Unterscheid/ von dem zahmen Geschlecht/ dann daß es weisse Blumen wie das ander blaue bringet.
    VI. Das sechste Geschlecht hat eine lange/ dicke Wurtzel/ mit vielen Zaseln/ die Blätter sind lang/ ein wenig eckechtig zerkerfft/ von Farben grauer und rauher/ dann die Blätter der wilden und gemeinen Wegwarten. Die Stengel sind rauh/ haarechtig und braunfarb/ die Blätter an den Stengeln sind den untersten Blättern gleich/ außgenommen/ daß sie viel kleiner sind/ die Stengel werden Ellen hoch und auch höher/ gewinnen obenher um die Mitte biß oben hinaus etliche Nebenzweiglein/ darauf hübsche gefüllte geele Blumen wachsen. Dieses gantze Gewächs hat einen bittern Geschmack/ wie die gemeine Wegwart/ und wächset an den holen und an dürren Rechen der Felder und Weinbergen.
    VII. Das siebende Geschlecht hat eine Wurtzel dem jetztgemeldten gleich/ die Blätter sind breiter/ und nicht so haarechtig und rauh/ sind etwas zerspalten/ doch nicht so tieff wie des gemeinen Wegwartens/ die Stengel sind rund/ braunfarb/ mit Gewerben und Gleichen unterscheiden/ die Blumen sind grösser als der jetztgemeldten/ von Farben schön liechtgeel. Es wird auch dieses Kraut nicht allenthalben gefunden/ es wächst in Weinbergen an den Rechen/ und an graßechtigen Bergen/ da die Sonn wol hinkommen kan/ sonderlich aber findet man dessen zimlich viel bey Cronweissenburg/ deßgleichen bey dem Berghauß zu St. Paul genannt.
    [Noch ein Geschlecht hat man jetzunder der Wegwarten in etlichen Gärten/ so von andern nicht beschrieben ist. Diese hat eine lange weisse Wurtzel/ mit etlichen Zaseln behenckt/ daraus wachsen lange Blätter/ welche sind zerspalten/ aber nicht so tieff als der gemeinen/ die geringsherum auf der Erden ligen/ dann an den Stengeln sind wenig Blätter/ welche lang sind und schmal/ auch nicht zerkerfft: sie sind schön grün/ bitter/ und werden bald welck. Die Stengel sind grün/ hart/ holtzechtig/ zinckechtig/ mit vielen Gabeln und Nebenzweiglein/ gleich von unten an in die Breite ausgetheilet/ so oben in eine Schärffe als in ein Dorn ausgehen. Die Blumen stehen nicht wie an der gemeinen oben an den Zincken/ sondern gemeiniglich da die Nebenzweiglein herfür kommen/ sind von Gestalt der gemeinen gleich/ aber viel kleiner und schön blau/ von sechs oder sieben Blätter/ so oben zerkerfft sind/ haben auch in der Mitten etliche Fäselein. Der Saamen ist dem gemeinen gleich. Das gantze Gewächs ist hübsch grün/ und nicht über anderthalb Spannen hoch/ und blühet im Heu- und Augstmonat. Ich habs erstlich von Nürenberg/ von Herrn DOCTORE LEONHARDO DOLDIO, mit vielen andern Kräutern unter dem Namen CHONDRILLAE SPINOSAE empfangen/ und ist erstlich aus Candia nach Pisa geschickt worden/ wächst auch gern in unsern Gärten. Man hat es auch mit weissen Blumen zu Nürnberg. Weil es mit der gemeinen Wegwart viel Gleichheit hat/ habe ichs CICHORIAM SPINOSUM, das ist/ stachelechtige Wegwart genannt.]

Von den Namen der Wegwarten
    Wiewol unsere gemeine Wegwarten ein gemeines und jedermänniglich ein bekandtes Kraut ist/ so haben doch unsere gemeine Aertzte und Calendermacher nicht gewust/ wo sie es bey den alten Lehrern hinordnen oder setzen sollen/ ausserhalb des gemeinen Namens CICHOREA, der ist ihnen allein bekandt gewesen.
    I. Dieses wird Lateinisch genennet/ PICRIS, CICHORIUM, oder CICHORIUM SYLVESTRE, von PLINIO, INTUBUM ERRATICUM, von MARCELLO EMPIRICO, INTYBUS RUSTICUS, von THEODORUS GAZA, AMARAGO und AMPULLA, von NICOLAO MYREPSO, HELIOTROPUM CAERULEUM, von PLINIO, CHRESTON und AMBUGIA, von CORNELIO CELSO, AMBUBEJA, von dem DIDYMO bey dem CONSTANTINO, TROXIMUM, von PLIN. 2. LIB. DE RE MED. CITROXIMUM, von GUILIELMO PLACENTINO, ROSTRUM PORCINUM, wiewol sonst ROSTRUM PORCINUM ein ander Gewächs ist/ von PETRO CRESCENTIENSE SPONSA SOLIS, von den Kräutlern/ SERIS SYLVESTRIS, PICRIS SYLVESTRIS, AMICA SOLIS, SOLSEQUIUM CAERULEUM, INTYBUS ERRATICA, ENDIVIA SYLVESTRIS, SERIS ERRATICA, CICHOREUM und CICHOREA, welche Namen es auch bey den gemeinen MEDICIS und in den Apothecken behalten hat. Von dem HORATIO OD. 31. LIB. 1. wird sie auch ohn ein ASPIRATION CICOREA genannt/ da der Poet ihrer wie folget/ gedenckt:

     Hochteutsch/ Wegwart/ das ist/ CUSTOS VIAE, Wegweiß/ Weglug/ Sonnenwend/ das ist/ SOLSTITIALIS HERBA, oder SOLSEQUIUM, Sonnenwirbel/ Hindläuffe/ Sonnenkraut/ das ist/ HERBA SOLIS, und Sonnenbraut/ sintemal die Blume dieses Krauts/ mit der Sonnen Nidergang und Aufgang sich zuschleusset und wieder aufgehet.
    II. Das zweyte Geschlecht wird von den Kräutlern von wegen der weissen Blumen/ CICHORIUM ALBUM genannt. Hochteutsch/ weiß Wegewart/ und Sonnenwirbel.
    III. Das dritte Geschlecht wird von den Kräutlern/ CICHORIUM PURPUREUM genannt. Teutsch/ Leibfarb oder Purpurrohte Wegwart.
IV. Das vierdte wird von den Kräutlern CICHOREUM SATIVUM genannt/ ist doch von dem wilden Geschlecht weiter nicht unterscheiden/ dann daß es gepflantzet und vom Wilden gezielet wird. Teutsch/ zahme Wegwarten.
    V. Deßgleichen auch das fünffte mit den weissen Blumen/ welches von den Kräutlern CICHOREUM SATIVUM ALBUM, genannt wird/ und zu Teutsch/ weisse zahme Wegwarten.
    VI. Das sechste wird von den Kräutlern/ CICHOREUM LUTEUM, und zu Teutsch/ geel Wegwarten genannt.
    VII. Das siebende wird von den Kräutlern/ CICHOREUM LUTEUM MONTANUM, und zu Teutsch/ geel Bergwegwart genannt/ und geeler Sonnenwirbel. [Englisch/ Yellow Succorie.]

Von der Natur/ Krafft/ Würckung und Eigenschafft der Wegwarten.
    Alle Geschlecht der gemeldten WEgwarten/ sind kalt und trucken im andern Grad/ mit einer Astriction oder Zusammenziehung/ kühlen aber/ doch also/ daß sie weder den kalten Magen oder Leber nicht verletzen/ und sind aber die wilden Geschlecht kräfftiger und stärcker in der Artzney zu gebrauchen/ und die zahmen zu der Speiß und Kost dienlicher dann die wilden/ dieweil sie durch die Pflantzung etlicher massen die Bitterkeit verlieren.

Innerlicher Gebrauch der Wegwarten.
    Es wird die Wegwart heutiges Tages sonderlich in der Küchen zur Speiß gebrauchet/ nicht allein die zahme sondern auch die wilde/ wiewol die zahme zu der Speiß allwegen anmühtiger und lieblicher ist/ die brauchet man Sommers-Zeiten zu den Saläten/ beyde die Wurtzeln und das Kraut/ deßgleichen auch im Winter/ die kan man durch die Kunst bereiten/ daß sie nicht allein den bittern Geschmack von sich lege/ sondern daß sie auch dick/ schön/ weiß und mürb wird/ wie man zu solchem Gebrauch dann die Endivien zu bereiten pfleget/ wie in folgendem Capitel weiter davon Bericht gegeben wird.
    Man braucht aber die gemeldten Wegwaren nicht allein zu den Saläten/ sondern man machet auch gute gesunde Müßlein daraus/ seudet auch das Kraut bey dem Fleisch und Hünern/ dieselbige damit zu alterieren/ sonderlich in Sommerszeiten und hitzige Kranckheiten. Wann man das Kraut also bey dem Fleisch gesotten/ thut mans darnach in ein Schüßlein/ geusset ein wenig Agrest darüber/ so ist es ein herrliche Speiß vor die Febricitanten/ und in andern hitzigen Schwachheiten. In summa/ man gebrauche die Wegwart und deren Wurtzel in der Speiß wie man immer will/ so sind sie dienlich in folgenden Kranckheiten/ als in allen hitzigen Fiebern/ und allen innerlichen hitzigen Gebrechen des Magens/ der Leber/ des Miltzes und der Nieren/ sonderlich aber in der hitzigen Geelsucht/ Bauchflüssen/ Nierenschmertzen/ Verstopffung der weiblichen Monatblumen/ in pestilentzischen Fiebern/ in Regierung vergifftes pestilentzischen Luffts/ und in der Frantzosenkranckheit/ deßgleichen so einem Lust zum Essen vergangen ist/ und sollen beyde Kraut und Wurtzel/ in allen Speisen von denjenigen genützet werden/ so von unsinnigen Hunden gebissen worden sind.
    Es ist die Wegwart eine ausserwehlte/ und vast gesunde Artzney/ zu der Entzündung der Leber/ auff alle Manier gebrauchet wie man wil/ als namlich die Blätter frisch oder gekocht gessen/ den Safft oder die gesottene Brühe von dem Kraut oder Wurtzel getruncken/ oder das Pulver von dem dürren Kraut oder Wurtzel eingenommen/ dann sie kühlen sanfft/ und ziehen auch sittiglich zusammen/ stärcken und erhalten die Leber in ihrer Krafft/ reinigen auch die verstopfften äderlein derselben/ in summa/ es sind diese Kräuter von gantzer ihrer Substantz und Art der Leber dienlich/ nit allein wider die hitz/ sondern auch in kalten Gebrechen derselben/ alsdann mag man beyde Wegwarten mit Peterlein und Fenchelwurtzel in weissen Wein sieden/ und die durchgesigene Brühe darvon Morgens und Abends zu trincken geben.
    Wegwartenkraut oder Wurtzeln gesotten/ aus Essig wie ein Salat gessen/ verbessern den zerstörten Appetit/ machen Lust zu essen/ und vertreiben den schwangeren Weibern die Gelüst zu unnatürlichen Speisen. Gleicher Gestalt gebrauchet/ dienen sie wider die Bauchflüß/ und stillen den Samenfluß. Des ausgedruckten Saffts je über den andern Tag/ 1. Loth oder fünff auf einmal getruncken/ hat gleiche Krafft und Würckung.
    Des ausgedruckten und geläuterten Wegwartensaffts/ etlich Tage nach einander 5. oder 6. Loth getruncken/ treibet gewaltiglich aus die Geelsucht/ sonderlich aber wann ein Fieber darbey ist. So aber kein Fieber darbey ist/ soll man des gemeldten geläuterten Saffts nehmen 4. Loth/ und 2. Loth guten weissen Wein damit vermischen/ und alle Morgen etlich Tage nach einander nüchtern trincken.
    Oder/ nimm Wegwartenwurtzeln von dem innern Marck/ und auch sonst sauber gereiniget und klein geschnitten/ Wegwartenblumen/ jedes 1. gute Handvoll/ weissen Canarienzucker/ 4. Untzen/ thue diese Stück in eine saubere Kante/ schütte darüber frisch Brunnenwasser und guten weissen Wein/ jedes ein halb Maß/ oder 22. Untzen/ verkleibe darnach die Kante mit einem Rockenteig/ stelle sie in einen Kessel mit siedendem Wasser/ und lasse vier Stunden in stäter Hitz sieden/ nimm die Knate darnach herauß/ und wann die Materi von sich selbst ist kalt worden/ so seihe dann den Tranck durch ein Tuch/ davon gib dem Geelsüchtigen Morgens und Abends/ jedesmal 4. oder 5. Untzen warm zu trincken/ es hilfft wol. Gemeldter Tranck gleicher gestalt getruncken/ eröffnet die Leber und reiniget sie.
    Wegwartenwurtzel zu Pulver gestossen/ und ein Quintlein auf einmal mit weissem Wein getruncken/ hat gleiche Krafft die Leber zu öffnen/ und die Geelsucht zu vertreiben.
    Wider die Geelsucht die mit zähem Schleim vermischet ist/ mache solchen Tranck: Nimm Wegwartenwurtzel/ 4. Loth/ Röhrleinkrautwurtzel/ 2. Loth/ Peterleinwurtzel/ Fenchelwurtzel/ Ochsenzungenwurtzel/ jedes ein Loth/ Calmus/ wilder Galgant/ Ruschenwurtzel/ Spargenwurtzel/ jedes 1. halb Loth/ Nesselseiden/ Venushaar/ jedes 1. Handvoll/ Endivienkraut/ Hasenköhl/ klein Nesselfarn/ Hartheu/ jedes eine halbe Handvoll. Schneide alle gemeldte Stück klein/ vermische es duracheinander/ thue sie in eine bequeme Kante/ und noch ferner darzu Hopffensafft/ 8. Untzen/ guten fein Zucker/ 6. Untzen/ frisch Brunnenwasser/ 1. Maß/ guten weissen fürnen Wein/ ein halbe Maß. Verlutier den Ranfft der Kanten geheb zu/ stelle die Kante in einen Kessel mit siedendem Wasser/ und lasse sie in einem stäten Sud sechs Stunden darinn sieden/ darnach wann die Materi kalt worden ist/ so thue die Kante auff/ und seihe den Tranck durch ein sauber Tuch/ und gib dem Geelsüchtigen Morgens und Abends/ jedesmal 4. Untzen davon warm zu trincken/ beharre solches so lang der Tranck währet.
    Ein anderer guter und bewährter Tranck: Nimm Wegwartenkraut/ Wegwartenwurtzel/ Pfaffenblattwurtzel/ klein Nesselfarn/ Endivien/ gülden Leberkraut/ Erdbeerkraut/ jedes 1. Handvoll/ außerlesener Alexandrinischer Senatblätter/ 3. Loth/ geschaben und klein geschnitten Süßholtz/ 2. Loth. Alle obgemeldte Stück soll man klein zerschnitten in eine bequeme Kante thun/ und darüber schütten 56. Untzen frisch Brunnenwasser/ und 8. Untzen guten Weinessig/ auch ferner darzu thun 3. Untzen fein Zucker/ darnach soll man den Ranfft der Kanten wol verlutieren/ die Kante in einen Kessel mit Wasser setzen/ und vier Stunden lang sieden lassen und durchseihen. Darvon soll man dem Krancken alle Morgen nüchtern 4. Untzen warm zu trincken geben/ so lang der Tranck währet/ der treibt die Geelsucht durch den Stulgang und Harn hinweg.
    Wegwartenkraut mit der Wurtzel/ jedes eine gute Handvoll klein geschnitten/ und in einer Maß Honigwein oder Weinmeth den dritten Theil eingesotten/ darnach durchgesiegen/ und Morgens und Abends/ jedesmal ein gemein Tischbecherlein voll getruncken/ ist auch ein heilsame gute Artzney wider die Geelsucht/ wann kein Fieber darbey ist.
    So eine Kindbetterin die Geelsucht hätte/ so mache ihr diesen Tranck: Nimm Wegwartenwurtzel anderthalb Handvoll/ Peterleinwurtzel/ Fenchelwurtzel/ jedes 1. Handvoll/ der rothen Zisererbsen ein wenig gekrecht/ geschaben Süßholtz/ Ferberröhtwurtzel/ jedes ein halb Loth/ Erdbeerkraut/ eine halbe Handvoll/ guten feinen Zucker/ 4. Untzen. Alle diese Stück soll man klein zerschneiden/ darnach vermischen und in eine Kante thun/ darüber schütten 3. ächtmaß frisch Brunnenwassers/ das sind 48. Untzen/ und guten fürnen weissen Wein/ 16. Untzen. Darnach soll man die Kante verlutieren/ und zum wenigsten drey Stunden in einem Kessel mit Wasser sieden lassen/ folgends durchseihen/ und der Kindbetterin alle Morgen und Abend/ jedesmal 3. Untzen warm zu trincken geben/ dann es ist ein Experiment.
    Man bereitet auch ein köstliches gutes Wasser von der Wegwartenwurtzel/ in hitzigen brennenden Fiebern und andern Kranckheiten zu gebrauchen/ also: Man nimmt der frischen gesäuberten Wegwartwurtzel/ 6. Loth/ klein geschnitten/ thut die in eine Kante/ und noch ferner darzu 8. Loth guten feinen Zucker/ gedörrter Saurachbeerlein/ 1. Loth/ zwantzig saurer Amarellen/ aufgetruckneter Kirschen/ und schüttet darüber zwo Maß frisch Brunnenwassers/ verkleibet die Kante um den Ranfft wol/ setzet die in einen Kessel mit Wasser/ und lasset sie auf die 3. Stunden darinn sieden/ darnach seihet man das Wasser ab/ und drucket das Safft von einer Lemonen darein/ so wird es ein sehr lieblich Wasser in allen hitzigen Fiebern/ in der hitzigen Geelsucht/ in der hitzigen Entrichtung der Lebern/ und andern dergleichen hitzigen Kranckheiten zu gebrauchen/ vor einen gemeinen Speißtranck.
    In hitziger Blödigkeit der Leber/ kan man ein köstliches Roseinleinwasser von der Wegwarten auf folgende weiß bereiten: Nimm 1. Pfund frischer Wegwartenwurtzeln/ zerschneide die klein/ seude die darnach wol in einem Kessel mit frischem Brunnenwasser/ daß von zwölff Maß Wassers acht Maß überbleiben/ das seihe durch/ und behalts in einem kühlen Keller/ darnach nimm 5. Pfund kleine Roseinlein/ die wäsche sauber in warmem und kaltem Wasser/ biß alle Unreinigkeit davon komme/ und 1. Pfund gedörrete und gebackene Amarellen/ diese beyde stoß klein zu Muß in einem steinern Mörser/ doch ein jedes besonder/ damit die Kernen in den Kirschen gar klein gestossen werden/ darnach vermische es/ und zertreibe die mit einer Maß oder zwo des vorgemeldten gesottenen Wegwartenwassers/ und schütte es in ein achtmässiges Fäßlein/ fülle dasselbige darnach mit Haselen oder Hanbüchen-Spähnen/ schlage das Fäßlein zu/ und fülle es mit dem obgemeldten Wasser gar zu/ laß es ein Tag oder vier ligen/ daß es sich setze und lauter werde/ so hast du ein herrlichen und anmüthigen Tranck in Leberschwachheiten und andern Gebrechen/ darinnen der Wein nicht zugelassen wird/ und sihet solcher Tranck wie ein schöner rother Wein. Den soll man täglich zufüllen/ und kan man des obgemeldten Wassers noch wol auf die ach Maß nachtrincken/ aber man muß das Wasser kalt darüber schütten/ sonst wird der Tranck gar saur wie ein Essig.
    Wider die Verstopffung der Leber und des Miltzes mache folgenden herrlichen Tranck: Nimm Wegwartwurtzel/ Endivienkraut und Hirtzungenkraut/ jedes 1. gute Handvoll. Zerschneide gemeldte Stück klein/ thue sie in eine Kante/ schütte darüber dritthalb ächtmaß Wassers/ guten starcken Weinessig/ 8. Untzen/ geläutert Wegwartensafft/ 16. Untzen/ guten fein Zucker/ 5. Untzen/ Verlutier den Ranfft der Kanten/ und lase sie drey stunden lang in einem Kessel mit Wasser sieden: wenn die Materi kalt worden ist/ so seih es durch ein Tuch/ und gib dem Patienten alle Morgen und Abend/ jedes mal 3. Untzen warm davon zu trincken.
    Wider die Verstopffung der Leber und die Geelsucht: Nimm Wegwartenwurtzel/ 2. Handvoll/ Engelsüßwurtzel/ 2. Loth/ Corinthträublein/ 3. Loth/ Agrimonien/ Eisenkraut/ jedes ein Handvoll/ Melonensaamen ein wenig gequetscht/ 3. Quintlein/ guter und frischer Rhebarbaren/ ein halb Loth/ guten feinen Zucker/ 4. Loth. Alle gemeldte Stück soll man vermischen/ wann die Kräuter und Wurtzeln zuvor klein geschnitten sind/ in eine Kante thun/ und 1. Maß Wasser darüber schütten/ darnach die Kante wol verlutiert zum wenigsten drey Stunden in einem Kessel mit Wasser sieden lassen und durch ein Tuch seihen. Darvon soll man dem Krancken alle Morgen und Abend/ jedes mal 4. Untzen warm zu trincken geben.
    Ein anderer guter Tranck/ wider die Verstopffung der Leber und des Miltzes: Nimm Wegwartenkraut/ 2. Handvoll/ Wegwartenwurtzel/ Endivien/ Hirtzzungenkraut/ jedes 1. Handvoll/ zerschneide gemeldte Stück klein/ thue sie in eine bequeme Kante/ und noch ferner darzu guten feinen Zucker/ starcken weissen Weinessig/ jedes 4. Untzen/ frisch Brunnenwasser 3. ächtmaß oder 48. Untzen. Verlutier die Kante/ und lasse sieden/ darnach seihe die Materi durch/ und gib darvon alle Morgen und Abend/ jedesmal/ 4. Untzen warm zu trincken.
    Wider die Blödigkeit und Schmertzen der Leber/ trincke Morgens nüchtern 5. Loth ausgedrucktes und geläutertes Wegwartensafft/ mit einem Loth guten alten weissen Weins vermischt/ und lege dich darnach auff die rechte Seite.
    Wider die Verstopffung des Miltzes: Nimm eine grosse Handvoll frisch WEgwartenwurtzel/ schneide sie zu stücken/ und stosse sie gar klein in einem steinern Mörser/ schütte darzu 16. Untzen Essigs/ treibe dann soches durch ein eng leinen Tuch/ und trucks hart aus/ gib darvon Morgens und Abends zween Tage nach einander/ jedesmal den vierdten Theil darvon zu trincken. Oder/ stosse Wegwartenwurtzel zu Pulver/ und gib eines Quintleins schwär mit 3. Untzen Essigs vermischt/ auff einmal zu trincken.
    Wegwartwurtzel gesäubert/ klein geschnitten/ und in gutem Wein den dritten Theil eingesotten/ darnach von der durchgesiegenen Brühe des Morgens und Abends/ jedesmal ein gemein Tischbecherlein voll getruncken/ dienet wider den grünen Siechtag/ CACHEXIAM: wider die Wassersucht/ so man den zwölff Tag lang obgemeldter massen täglich zweymal trincket.
    Geläutert Safft von der Wegwarten drey Tage nach einander/ jedesmal 3. Untzen des Morgens nüchtern also kühl/ wie er an ihm selbst ist getruncken/ dienet wider das Blut ausspeyen.
    Wegwartkraut und Wurtzel gesotten/ und darnach aus Essig geessen/ ist eine gute und gesunde Artzney wider das Kotzen und Scheissen der Gallen/ CHOLERICAM PASSIONEM.
    Wegwarten aus Essig geessen wie ein Salat/ tödtet und treibet die Würm aus dem Leib. Das thut auch der außgepreßte Safft/ so man dessen 4. Loth mit so viel starcken Weinessig vermischet/ trincket.
    Oder/ nimm Wegwartensafft/ 4. Loth/ Queckengraßsafft/ Bürtzelkrautsafft/ Wegerichsafft/ Balsamkrautsafft/ jedes 2. Loth/ die sollen alle geläutert seyn/ guten feinen Zucker/ 4. Loth/ starcken Weinessig 6. Loth. Alle gemeldte Stück soll man vermischen/ und über einer Gluth einmahl oder drey aufsieden lassen/ darnach alle Morgen dem Krancken 4. Untzen zu trincken geben/ das tödtet und treibet alle Würm aus.
    Wegwartensafft ein Tag etliche nach einander getruncken/ alle Morgen nüchtern/ jedesmal 6. Loth/ ist den Lebersüchtigen/ die Blut durch den Stulgang von sich geben/ eine heilsame und erfahrne Artzney: vertreibet den Schmertzen der Nieren.
    Wegwartenwurtzel und Kraut in Essig gesotten/ und die durchgesiegene Brühe getruncken/ vertreibet das tröpfflingen und schmertzlich harnen.
    Wider die verhaltene Monatblumen der Weiber: Nimm Wegwartenwurtzel 4. gute Handvoll die frisch sind/ thu das inner höltzern Marck herauß/ wäsche und reinige die wol und schneide sie klein/ thue sie darnach in ein bequemes Geschirr/ schütte darüber 2. Maß guten weissen fürnen Wein/ lasse die wol sieden/ biß die Krafft wol aus den Wurtzeln kommt/ darnach seihe die Brühe darvon durch ein sauber Tuch und drucks hart aus/ setze die Brühe wiederum zum Feur und laß sittiglich sieden/ biß es eine dicke eines Juleps bekommt/ darnach thue es vom Feur/ und behalts zum Gebrauch. Davon gib auf einmal 4. Loth des Morgens zu trincken/ etliche Tag nach einander. Diese Artzney treibet so starck/ daß auch die todte Geburt dardurch ausgetrieben wird/ so man im Fall der Noht 6. Loth davon zu trincken gibt.
    Wider den Lenden- oder reissenden Stein: Nimm 1. gute Handvoll Wegwartenwurtzeln/ säuber und schneide sie klein/ nimm darnach weiter einen Stamm von rohtem Köhl/ den schneide auch klein/ thue sie beyde zusammen in ein bequemes Geschirr/ schütte darüber frisch Brunnenwasser/ guten alten fürnen Wein/ jedes ein halb Maß/ lasse sie sittiglich mit einander über das drittheil einsieden/ darnach seihe den Tranck ab/ und gib auf einmal 4. Untzen darvon zu trincken/ es treibet den Stein gewaltig fort/ und hilfft wunderbarlich.
    Wider das Fieber/ nimm Wegwartenkraut/ Wurtzel und Blumen/ jedes ein Handvoll/ schneide die klein/ schütte darüber 1. Maß guten weissen Wein/ setze es in einem bequemen Geschirr über ein Kohlfeurlein/ laß sittiglich sieden/ biß daß es halber eingeseudet/ darnach seihe den Tranck durch ein Tuch/ und druck die Materi hart aus/ darvon trinck Morgens und Abends/ jedesmal ein gemein Tischbecherlein voll warm/ und faste allwegen zum wenigsten drey Stunden darauff/ du wirst des Fiebers bald ledig werden.
    Wider die fliegende Hitzen: Nimm Wegwartenwurtzeln und Kraut/ eine Handvoll/ Wegerichkraut/ Bachmüntz/ spitz Salbeyenkraut/ jedes ein halbe Handvoll. Seude diese Stück in einer Maß Wassers den dritten Theil ein/ seihe es dann durch/ und trinck alle Morgen und Abend 1. Becherlein voll davon. Oder/ nimm die gemeldten Kräuter und distillier sie/ und trincke des Wasses obergemeldter massen/ und mische deinen Wein darmit.
    Wegwartensafft der geläutert ist etliche Tage nach einander/ jedesmal des Morgens nüchtern getruncken/ ohngefehrlich auf die 3. Untzen/ vertreibet das tägliche Fieber in kurtzer Zeit.
    Des gemeldten Saffts etliche Tag lang des Morgens nüchtern 4. Untzen getruncken/ vertreibet auch das viertägige Fieber.
    Oder/ nimm vier gantzer und frischer Wegwartenwurtzeln/ zerschneide die klein/ thue sie in eine kleine Kante/ schütte darüber 16. Untzen Wegwartenwasser/ stelle die Kante in ein Pfann mit heissem Wasser/ laß eine Stund darinn sieden/ darnach seihe es durch ein Tuch/ nimm der durchgesigenen Brühe 3. Untzen/ zertreibe darinn anderthalb Quintlein guten gerechten Theriack/ gibs dem Febricicanten auf den bösen Tag ein Stund zuvor ehe ihn das Fieber ankommt/ warm zu trincken/ lasse den Krancken darauff zu Bette ligen und wol darauff schwitzen. Diese Artzney soll er auch etlichmal allwegen auff den Tag/ wann das Fieber zu kommen pfleget/ gebrauchen/ es wird das Fieber bald hinweg treiben/ dann es ist ein sonderliches Experiment.
    Wegwartenwurtzel gereiniget/ gesäubert und das inner höltzern Marck herauß gethan/ darnach zerschnitten/ und in einem steinern Mörser wol gestossen/ darnach den Safft daon ausgedruckt/ ist solcher Saft ein heilsame Artzney in allen hitzigen Fiebern/ je über drey Stunden ein paar Löffel voll davon eingenommen.
    Oder/ nimm frische Wegwartenwurtzeln wie oben/ gereinigt und gesäubert/ zerschneide die klein/ nimm eine gute Handvoll/ thue sie in eine Kante/ schütte ein Maß Wassers darüber/ lasse sie wol verlutiert in einem Kessel mit heissem Wasser auff drey Stund lang sieden/ darnach seihe den Tranck ab/ und vermisch damit 6. oder 7. Untzen SYRUPI ACETATI SIMPL. und gib dem Febricitanten je über vier Stunden ein guten Becher voll kühl zu trincken/ das wird der Hitz gewaltigen widerstand thun.
    Oder/ nimm Wegweißwurtzeln/ 1. Handvoll/ gesäubert und zerspalten/ Wegweißblumen/ Ochsenzungenblümlein/ jedes ein halbe Handvoll/ Nägleinblumenessig/ 8. Loth/ weissen Zucker/ 6. Loth/ geelen Sandel klein zerschnitten/ ein halb Loth. Alle gemeldte stück thue in eine Kante/ und schütte anderthalb Maß frisch Brunnenwasser darüber/ verlutier die Kante um den Ranfft gar wol/ und lasse zum wenigsten drey Stund in einem Kessel mit Wasser in stäter Hitz sieden/ wanns nun kalt worden ist/ so seihe den Tranck ab/ und gib dem Febricitanten davon nach Durst zu trincken/ das wird ihm gute Kühlung geben/ das Hertz stärcken und erfrischen/ deßgleichen das Geblüt reinigen und den Durst löschen.
    Wider die hitzigen Fieber/ die von Entzündung des Geblüts kommen/ trinck nochfolgendes heilsames Wasser: Nimm frisch Wegweißwurtzeln gewäschen und gereiniget/ Wegweißblumen/ jedes 1. Handvoll/ vier Hirtzzungenblätter/ fünff Hindbeerblätter. Thue solche stück zerschnitten in eine Kante/ und noch ferner darzu sechs Loth Zucker/ und 5. Loth guten Nägleinblumenessig/ frisch Brunnenwasser/ anderthalb Maß/ verlutier die Kante/ und laß sieden auf die drey Stunden/ danach seihe es durch ein Tuch/ davon lasse den Krancken trincken nach Durst/ sit ein herrlicher Tranck/ dann er läutert das Geblüt/ löschet den Durst/ kühlet sehr wol/ und erweichet die hitzige Materi/ die sich von versammletem Geblüt um die Brust gesetzet hat/ vertreibet die Geelsucht/ und weichet den Stulgang.
    Wann ein Roß maßleidig ist/ und nicht wol essen mag/ so nimm frisch Wegwartenkraut/ schneide das klein/ und gibs ihme unter dem Futter zu essen/ solches purgieret es/ und machet es lustig zum essen.
    Wegwartenwurtzel zu Pulver gestossen/ und solches mit Wein oder einem andern Tranck getruncken/ hilfft wider die gifftigen stich der Scorpione und Erdspinnen.
    Wegwarten ist eine nützliche und angenehme Speiß und Mastung/ vor die Gänß und Küniglein.
    So einem Pferd der Kopf wehe thut/ so stosse Wegwartenkraut und Wurtzel zu Pulver/ vermische das mit Saltz/ und gibs dem Roß zu lecken.
    Wegwartenwurtzeln klein geschnitten/ und einem Roß unter das Futter vermischt/ erläutert ihm sein Gesicht/ und machet ein guten Athem/ dienet wider den Nagel und Blindheit. Oder/ stoß Wegwarten mit der Wurtzel zu Pulver/ und gib dem Pferd 5. oder 6. Loth auf einmal eyn/ mit Essig oder Wein zertrieben.Wann ein Pferd gern Leymen oder Erden isset/ so wird es gemeiniglich mager darvon/ und kan nicht zunehmen/ dem hilff also: Nimm Wegwartkraut/ Wegwartenwurtzel/ Beyfuß un Sevenbaum/ das zerschneide alles aufs kleinste/ jedes gleich viel/ und vermische es/ gibs dem Roß unter dem Futter/ und netze ihm das Futter mit Saltzwasser.
    Wider die Harnwinde der Rossen: Nimm Wegwartenwurtzel/ der grossen Klettenwurtzel/ jedes gleich viel/ seude die in Wein/ und schüt dem Roß den Wein ein. Oder/ stosse beyde gemeldte Wurtzeln zu einem subtilen Pulver/ davon nimm 4. oder 5. Loth/ zertreibe es mit einer ächtmaß Weins/ und schütts dem Roß warm ein.
    Wann ein Roß den Bug verstossen oder sich verbüget hat/ so seude Wegwartenkraut/ und gib ihm dasselbige am Morgen zu essen/ und lege ihm Wegwartenkraut in sein Trincken/ oder seude das Kraut in Wasser zum halben Theil ein/ und schütte ihm Morgens und Abends ein halb Maß der abgesigenen Brühe durch ein Horn in Leib. Oder stosse das Kraut zu Pulver/ und schütte es ihm mit warmem Wasser ein.
    Zu verhüten/ daß die Pferd nicht rehe werden/ wann du zu reiten hast/ so nimm Wegwartenkraut und Wurtzel/ zerschneide die klein/ und gibs dem Roß alle Morgen und Abend unter dem Futter zu essen.
    Weitere Krafft und Tugend dieses Krauts/ findestu in dem folgenden Capit. von der Endivien beschrieben.

Eusserlicher Gebrauch der Wegwarten.
    Wegwartensafft mit Rosenöle und ein wenig Essigs wol durch einander geklopfft/ leget den grossen Schmertzen des scharpffen hitzigen Hauptwehethums/ das Haubt damit bestrichen/ und leinene Tücher darinn genetzet/ darnach wieder ein wenig außgedrucket daß sie nicht trieffen/ und laulechtig über die Stirn und Schläff gelegt.
    Wegwartenkraut frisch gestossen/ mildert und vertreibet das brennende Rohtlauffen auf den Haubtern der jungen Kinder/ wie ein Pflaster darüber geleget. Das thut auch der ausgepreßte Safft vom Kraut/ leinine Tüchlein darinn genetzt und darauff gelegt.
    Wider den Wehethum der Augen: Nimm Wegwarten mit der Wurtzel/ Stengel und Blumen/ brenne das zu Pulver/ laß kalt werden/ schütte darnach ein fliessendes Wasser darüber/ laß es sitzen/ nachdem du es zuvor wol druch einander gerühret hast/ seihe darnach das lauter davon/ und zertreib ein wenig Campffer darinn/ mit diesem Wasser bestreich die Augen oftermals/ und thue auch jedertweilen etliche Tröpfflein darein.
    Wider die Röhte der Augen/ und hitzigen Schmertzen derselben: Nimm frische Wegwartenblumen/ fülle ein Violglaß damit/ schlag darum ein dicken Rockenteig/ und backe es sänfftiglich in einem Backofen/ biß das Brot wol gebacken ist/ thue das Glaß darnach heraus/ so findest du ein Wasser darinn/ das seihe ab und behalts zum Gebrauch.
    Wann die Wegwart noch jung ist/ ehe sie zum Stengel wächst/ so geben die Wurtzeln eine bittere Milch/ die vertreibet alle Masen und Flecken der Augen/ so man dieselbigen etlichmal im Tag damit bestreichet. Solches soll auch der ausgepreßte Safft thun von dem Kraut/ wie solches MARCELLUS EMPIRICUS bezeuget.
    Die Wegwartenwurtzel am Hals auf blosser Haut getragen/ soll die Augenflecken gar vertreiben: vertreibet die Drüsen und Beulen am Halß.
    Wegwartenblumen die frisch sind und Onmeissen zusammen in ein Glaß gethan/ dasselbige wol vermacht/ und acht Tage in einen Onmeissenhauffen vergraben/ wird zu einem Wasser/ elches dienet wider alle Flecken der Augen/ beyde den Menschen und Vieh.
    Wegwartensafft in dem Mund gehalten/ miltert und stillet das Zahnwehethum/ so von Hitze seinen Ursprung hat. Solches hilfft auch/ wann man Wegwartensafft in das Ohr gegen der Seiten schüttet/ also wan einem die Zähn auf der rechten Seiten wehe thun/ soll man das Safft in das lincke Ohr schütten/ und herwiederum in das rechte Ohr/ so der Schmertzen auf der lincken Seiten ist.
    Wider die schlotternde und hangende Brüst der Weiber: Nimm Wegwartensafft/ netze leinine Tüchlein und lege sie auf die Brüst/ und so offt sie trucken werden/ so netze sie wiederum. Wegartenkraut frisch gestossen und wie ein Pflaster übergeleget/ hat gleiche Würckung/ machet die Brust fein satt und hart.
    Wegwartenblätter gestossen/ und wie ein Pflaster unter die linke Brust geleget/ stillet den Wehethum und Schmertzen des Hertzens.
    Wegwartenkraut frisch vor sich selbst gestossen/ oder mit Gerstenmeel/ und wie ein Pflaster über das Hertzgrüblein oder Magenmund gelegt/ vertreibet das Drucken und den Magenschmertzen.
    Wegwartenkraut mit der Wurtzel gesotten in Wasser/ und mit der durchgesigenen Brühe den Hals gegurgelt/ vertreibet die Geschwulst des Hals und des Zäpffleins.
    Wegwartenkraut frisch zerschnitten/ und in einem Mörser mit reinem Gerstenmeel wol gestossen/ darnach mit Weinessig und Rosenöle temperiert wie ein Pflaster/ löschet gewaltiglich die grosse Hitz in den brennenden Fiebern/ so man es auf ein Tuch streichet und über die Seiten und den Leib überleget.
    Wegwartensafft mit gutem Weinessig vermischet/ darnach zweyfache Tücher darinn genetzt/ und laulechtig über die Leber außwendig gelegt/ und solche offt wiederum erfrischet/ miltert und löschet die Entzündung der Leber/ und stärcket sie.
    Wider die Blutruhr und andere Bauchflüß/ oder Durchläuffe: Nimm Wegwarten mit dem Kraut/ Stengel/ Wurtzel und Blumen/ ein gut theil/ so viel dich düncket genug seyn/ thue die in einen Zuber/ schütte siedend heiß Wasser darüber/ setze die Füß und Schenckel darein/ decke dich allenthalben zu/ daß der Dampff zum Hindern mag gehen/ und thue das einmal oder vier.
    Wegwartenkraut gestossen und wie ein Pflaster übergelegt/ miltert und leget die Geschwulst der hitzigen Apostemen und Nachtblattern/ leget den Schmertzen und löschet die Hitz derselbigen. Es dienet auch zu dem hitzigen Zipperlein/ gleicher gestalt gebrauchet. Etliche nehmen allein die Wurztel und Blumen dieses Krauts/ stossens klein und legens über das heiß Zipperlein.
    Wegwartenwurtzel und Blätter gestossen/ und wie ein Pflaster übergelegt/ dienet wider die Scorpionenstich.
    Wegwartenkraut und Wurtzel frisch zerschnitten/ darnach mit Gerstenmäl wol gestossen/ und wie ein Pflaster übergelegt/ heilet d as Rothlauffen oder die Rose.
    Wegwartensafft mit Bleyweiß und Essig durch einander temperirt wie ein Sälblein/ und angestrichen/ dienet wider alle äusserliche Entzündung/ und wo man Kühlung bedarff und löschen muß/ dann es löschet alle Hitz und Entzündung der Schäden.
    Wegwartenkraut frisch gestossen und wie ein Pflaster über die gifftigen Carbunckeln oder Zinnblattern geleget/ tödtet und heilet dieselbigen. Das thut auch der ausgepreßte Wegwartensafft/ leinine Tüchlein darinn genetzet und warm übergelegt.
    Wegwartenkraut und Wurtzel frisch gestossen/ darnach kleine runde Kügelein oder Scheublein daraus gemacht/ dieselben dann lassen trucken werden und zum Gebrauch behalten/ die sind fast dienlich die grindige Haut darmit zu heilen/ und schön glatt zu machen/ so man deren etliche zu subtilem Pulver stösset/ darnach mit Rosenwasser wie ein dünnes Sälblein zertreibet/ und die grindige Haut damit anstreichet.
    Wegwartsafft heilet die Versehrung und die Löcher der Mannsruhten/ und der weiblichen Scham/ dieselben damit gewäschen/ und leinine Tüchlein darinn genetzet und übergeleget. Das thut auch das gedörrte Kraut/ so man es zu einem subtilen Pulver stosset und darein streuet.
    Wann ein Pferd unter dem Sattel gebrochen ist/ daß es schwüret/ dem binde frisch Wegwartenwurtzel gestossen/ wie ein Pflaster über den Schaden/ und gib ihme der Wurtzel klein geschnitten unter dem Futter zu essen/ es heilet/ wann du gleich das Roß gebrauchen und reiten must. Das Kraut und Wurtzel zu Pulver gestossen/ und in den Schaden gestreuet/ heilet deßgleichen.
    So ein Pferd venagelt worden wäre/ so zeuch ihme den Nagel herauß/ und nimm Wegwartenknöpfflein und Blumen/ zerknirsch dieselben/ stosse die in das Loch/ und gib ihm Wegwartenwurtzeln klein geschnitten unter dem Futter zu essen.

Wegwarten gedistilliert Wasser.
CICHORII AQUA STILLATITIA.

    Die beste Zeit das Wegwartenwasser zu distiliren ist mitten in dem Mäyen/ Kraut und Wurtzeln mit einander klein gehackt/ und darvon genommen 12. Krämerpfund/ darüber geschüttet 5. oder 6. Maß frisch und kalt Brunnenwasser/ solches mit einander in ein VESICAM gethan/ und davon abgezogen 2. Maß/ so hastu ein sehr kräfftiges Wasser/ welches zu allen nachfolgenden Gebrechen fast dienlich ist. Und ist hier an diesem Ort sonderlich zu mercken/ daß man aller kühlenden Kräuter und Blumen Wasser/ auf gemeldete Weiß durch das frische Wasser distilliren soll/ wil man anders daß sie ihre kühlende Kräfft und Würckungen behalten sollen/ dann es gewiß ist/ wie ich dann das viel Jahr her erfahren/ daß wo diese und dergleichen kühlende Kräuterwasser nicht also/ sondern wie der Brauch ist/ abgezogen werden/ daß sie eine wärmende Krafft bekommen/ und kan man das Ende oder Ziel/ darzu man sie gebrauchen wil/ nimmermehr erreichen/ derowegen soll man auch dieses und dergleichende Wasser nicht mehr als einmal distilliren/ dann durch die Reiteration diese Wasser gleichfals etlicher massen eine wärmende Krafft bekommen.

Innerlicher Gebrauch des Wegwarten-Wassers.
    Wegwartenwasser ist kräfftig in allen hitzigen Hauptkranckheiten/ löschet alle innerliche Hitz und Entzündung der Lungen/ der Brust/ des Hertzens/ des Magens/ der Lebern und aller innerlichen Gliedern des Eingeweides/ eröffnet die Verstopffungen der Lebern/ treibet aus die hitzige Geelsucht/ wehret dem Saamenfluß.
    Gemeldt Wasser löschet auch den Durst/ vertreibet den Sod und das hefftige Brennen des Magens/ ist sonderlich gut in den hitzigen Fiebern/ fürnemlich aber in den scharffen/ hitzigen pestilentzischen Fiebern/ stärckt das Hertz gewaltig/ und thut Widerstand aller Vergifftung/ alle Morgen und Abend fünff oder 6. Loth getruncken/ oder aber mit guten kühlenden Hertzsyrupen vermischet/ und wie ein Julep gebrauchet.
    Wider das Haubtwehethum/ von hitziger Gallen verursachet/ mache folgenden Julep: Nimm Wegwartwasser/ 4. Loth/ Seeblumenwasser/ 2. Loth/ des Syrups von den sauren Granatäpffeln/ 4. Loth/ vermische es/ und gib dem Krancken des Morgens und des Abends/ jedesmal so viel zu trincken.
Wider das Hertzklopfen und ander hitzige schwachheiten des Hertzens: Nimm Wegwartenwasser/ 4.Loth/ Rosenwasser/ Saurampferwasser/ jedes anderthalb Loth/ Limoniensyrup/ 2. Loth/ sauer Granatensyrup/ 1. Loth/ vermischs und gib dem Patienten Morgens und Abends/ jedesmal so viel zu trincken.
    Wider das hitzige Magenwehethum/ von der Gallen verursachet: Nimm Wegwartenwasser/ 4. Loth/ Endivienwasser/ SYRUPI ACETATI SIMPLICIS, jedes zwey Loth/ Quittensyrup/ 1. Loth/ vermische es/ und gibs dem Krancken zu trincken.
    Oder/ nimm Wegwartenwasser/ 4. Loth/ Saurampferwasser/ OXYSACCHARI, jedes 2. Loth/ Endiviensyrup 1. Loth/ vermischs und brauchs wie obgemeldet.
    Wider die Entzündung der Leber: Nimm Wegwartenwasser/ 4. Loth/ Leberkrautwasser/ Endiviensyrup/ jedes 2. Loth/ sauer Citronensyrup/ 1. Loth/ vermischs und gebrauchs.
    Wider die Geelsucht: Nimm Wegwartenwasser/ Endivienwasser/ Erdbeerkrautwasser/ Wegwartensyrup/ jedes 2. Loth/ des sauren Essigsyrups/ 1. Loth/ vermische es und gibs zu trincken.

Eusserlicher Gebrauch des Wegwarten-Wassers.
    Das Wegwartenwasser wird äusserlich gebrauchet zu den Uberschlägen in hitzigen Haubtschwachheiten/ deßgleichen in hitzigen Gebrechen des Hertzens und der Leber. Es dienet auch wider die hitzige Geschwulst des Hals und des Zäpffleins/ offtermals warm darmit gegurgelt.
    Wider das hitzige Haubtwehethum: Nimm Wegwartenwasser/ 6. Loth/ scharffen Rosenessig/ 3. Loth/ Rosenöl/ 2. Loth/ vermischs und klopffs wol durch einander/ netze zweyfache leinine Tüchlein darinn/ und legs über die Stirn un beyde Schläff/ so offt die trucken werden/ erfrische sie wieder/ und beharre es/ das kühlet das erhitzte Haubt/ benimmt den Schmertzen und die scharffe Stich/ bringet also die Krancken zu der Ruhe und machet sie schlaffen.
    Wider das hitzig Brennen und Ohnmacht des Hertzens in hitzigen Fiebern/ mache folgenden Uberschlag: Nimm Wegwartenwasser/ 6. Loth/ Rosenwasser/ 4. Loth/ Nägleinblumenessig/ guten Malvasier oder alten fürnen Wein/ jedes 2. Loth/ rothen und weissen Sandel/ jedes 1. Quintlein/ Campffer/ 10. Grän/ gestossenen Saffran/ 5. Grän. Vermische diese Stück alle durch einander / und netze einen rohtenzweyfachen Zendel darinn/ legs laulechtig über das Hertz/ und erfrische es offtermals/ es kühlet das Hertz wol/ und gibt ihm gute Krafft und Stärcke.

Wegwartenblumenwasser.
CICHORII FLORUM AQUA STILLATITIA.

    Man pfleget auch aus den Blumen der Wegwarten ein gutes Augenwasser zu brennen/ und ist die beste Zeit dieselben zu distilliren in dem Heumonat/ die Blumen um den Mittag colligiert wann sie offen sind/ und also frisch mit sanfftem Feuer in BALNEO MARIAE gedistillirt/ darnach nimmt man zu 16. Untzen des Wassers/ 1. Untz der aufgetruckneten und gestossenen Wegwartenblumen/ vermischet das durch einander/ lassets also acht Tage mit einander beitzen in einem küpfferin Geschirr/ darnach distillirt mans wiederum zum andernmal.

Eusserlicher Gebrauch des Wegwartenblumenwassers.
    Das Wegwartenblumenwasser is ein herrlich gut Augenwasser/ dann es dienet vor die schwärende Augen/ machet ein klares und scharffes Gesicht/ vertreibet den Nagel und die Fell der Augen/ des Tags einmal oder vier etliche Tröpfflein in die Augen gethan.

Wegwartenwein.
PICRITES, oder VINUM EX CICHORIO.

   Aus der auffgetruckneten und gedörrten Wurtzeln der Wegwarten/ machet man auch zu Herbstzeiten einen herrlichen und gesunden Wein. Man nimmt der Wurtzeln 32. Untzen/ stösset die zu einem groblechtigen Pulver/ machet sie darnach in ein zwölffmässiges Fäßlein ein mit Hanbüchen oder Häselen Spähnen/ füllet das Fäßlein/ nachdem man es zugeschlagen/ mit einem guten süssen Most/ lasset den darüber verjähren/ und über fünff Monat lässet man den Wein von der Häfen und Wurtzel ab/ wäschet das Fäßlein sauber aus/ thut den Wein wiederum darein/ füllet folgends das Fäßlein mit anderm guten Wein zu/ und trincket über Jahr davon/ doch daß man das Fäßlein verwahre/ daß es zugeschlagen bleibe.
    Etliche füllen ein Fäßlein mit gedörrtem Wegwartenkraut und Wurtzeln/ erstmals Häselen oder Hahnbüchen Spähn/ darnach Kraut und Wurtzeln/ je eine Lege über die ander/ und zum letzten wieder Spähne/ biß das Fäßlein voll wird/ darnach schlagen sie es zu/ und füllens darnach mit gutem Most zu/ und lassens dann obgemeldter massen darüber verjähren.
    Der Wegwartenwein dienet wider die Verstopffung der Leber/ und aller innerlicher Glieder des Eingeweides/ vertreibet die Geelsucht/ und den grünen Siechtag/ machet dem gantzen Leib eine schöne lebliche Farb/ dienet wider die Wassersucht/ stärcket die Leber/ und erhaltet sie in Gesundheit/ bringet Lust zur Speiß/ stärcket den Magen und die Däuung/ legt das Brennen des Magens/ und vertreibet den Sod. Ist ein heilsamer und gesunder Tranck in dem Tertian- und Quartan-Fieber/ dann er thut denselbigen täglichen Abbruch/ daß sie nicht lang währen.
    Ein anderer guter Wegwartenwein/ von mehr stücken/ haben wir in nachfolgenden Kranckheiten vast nützlich und heilsam befunden: Nimm Wegwartenwurtzel die getrücknet und gedörret ist/ 12. Untzen/ Bergwermuth/ rothe Rosen/ Fenchelsaamen/ bitter Mandelkernen/ Aenißsaamen/ jedes anderhalb Loth/ Odermenig/ 2. Loth/ Cameelenstroh/ Haselwurtz/ Indianische Spick/ Peterleinsaamen/ Rhebarbaren/ jedes 1. Loth. Alle obgemeldte Stück soll man klein schneiden/ und in ein zwölffmässiges Fäßlein mit Häselen Spähnen eingeschlagen/ das Fäßlein darnach mit einem guten Most zufüllen/ und darüber verjähren lassen/ folgends zum Gebrauch wie andere Kräuterwein bewahren.
    Dieser Wein dienet wider die alten und langwürigen Verstopffungen der Leber/ vertreibet die Geelsucht und grünen Siechtag/ eröffnet alle innerliche Verstopffungen des Eingeweids/ dienet wider die alten truckende Magenfieber/ reiniget die Nieren/ treibet den Harn/ ist ein heilsamer Tranck den Magen- und lebersüchtigen/ deßgleichen auch denen/ die eine geschwollene Leber haben/ und verhütet die Wassersucht.
    Wider die Verstopfung der Leber und die langwürige Geelsucht/ haben wir auch nachfolgenden Wein allezeit gut und bewährt befunden: Nimm aufgetruckneter Wegwartenwurtzel/ 6. Untzen/ Nesselseiden/ Odermenig/ Taubenkropff/ Schellwurtzel/ Erdbeerkraut/ jedes 3. Loth/ Anißsaamen/ Fenchelsaamen/ jedes 3. Quintlein. Alle gemeldte Stück sollen dürr seyn/ die muß man klein schneiden/ darnach in ein zehenmässiges Fäßlein mit Hahnbüchen Spähnen einschlahen/ und einen guten Most darüber verjähren lassen.
    Oder mache folgenden Wein/ der in gleichem Fall dienlich und erfahren ist: Nimm Wegwartenkraut/ und Wurtzeln jedes 3. Handvoll/ Venushaar/ Wermuth/ klein Nesselfarn/ oder Miltzkraut/ Hopfenblum/ Betonienkraut/ jedes 1. Handvoll/ Bergpolium/ Dürrwurtz/ jedes eine halbe Handvoll/ Ferberröhtwurtzel/ Schwalbenwurtzel/ Schellwurtzel/ jedes 5. Quintlein/ Anißsaamen/ 3. Quintlein. Alle gemeldte Stück soll man klein schneiden/ und in ein achtmässiges Fäßlein mit Hahnbüchen Spähnen einschlagen/ darnach mit Most zufüllen und obgemeldter massen verjähren lassen.

Wegwarten-Extract.
CICHORII EXTRACTUM.

    Aus der Wegwarten machet man auch ein herrlichen guten Extract/ darzu nimmt man die Wurtzel/ Kraut/ Stengel und Blumen/ lasset die dürr werden/ und zeucht darnach den Extract künstlich herauß/ allerdings wie man den Wermuth-Extract auszuziehen pfleget. Dieser Extract dienet zu allen innerlichen Kranckheiten/ wie wir von dem Kraut und Wurtzeln erzehlet haben/ darvon brauchet man auf einmal ein Drittheil eines Quintleins/ mit Wein oder einem andern bequemen Safft oder gedistillirtem Wasser. Es wird auch nützlich in viel weg mit andern Artzneyen vermischet/ welchs wir den MEDICIS PRACTICIS wollen befehlen.

Außgezogener Wegwartensyrup.
CICHORII EXTRACTIONIS SYRUPUS.

    Aus dem dürren Kraut/ Wurtzel/ Stengel und Blumen der Wegwarten/ wird auch ein köstlicher Syrup ausgezogen/ allerdings wie wir den Syrup aus dem Zimmat auszuziehen gelehret haben. Der dienet gleichfals zu allen Kranckheiten/ darzu die Wegwarten an ihr selber gebrauchet wird/ und gibt man darvon auf einmal ein Löffel voll/ oder 1. Loth mit einem bequemen Safft/ und vermischet denselben auch mit andern Artzneyen in vielen Kranckheiten.

Gemeiner Wegwartensyrup.
SYRUPUS EX SUCCO CICHORII.

   Den gemeinen Wegwartensyrup machet man also: Man nimmt des ausgepresten geläuterten Wegwartensaffts 3. Pfund/ thut darzu 2. Pfund guten Zucker/ lasset es sittiglich über einem linden Kohlfeurlein zu einem Syrup sieden/ im sieden verschäumet man es wol und läuterts mit einem Eyerweiß/ und wann es zu beequemer Dicke eines Syrups gesotten ist/ so seihet man es durch ein wüllin Tuch/ und behaltet den zum Gebrauch. Der dienet zu der Entzündung und Verstopffung der Leber/ vertreibet die Geelsucht/ wird heilsamlich in allen hitzigen Fiebern gebraucht/ und zu allen innerlichen Kranckheiten/ wie die von der Wegwarten hiebevor erzehlet worden sind/ darvon gibt man auf einmal 3. oder 4. Loth mit einem bequemen gedistillirten Wasser oder einem Gerstenwasser vermischet.
    Etliche machen einen andern köstlichen und fast nützlichen Syrup mit einem Zusatz/ der wird von den gemeinen Practicanten und Apotheckern SYRUPUS DE CICHOREA genannt/ wie folget: Nimm Wegweißkraut und Wurtzeln/ 2. Handvoll/ Borragenkraut/ Lattichkraut/ Ochsenzungd/ Saurampfferkraut/ Mertzviolen/ jedes eine gute völlige Handvoll/ zerschneide die gemeldten Kräuter klein/ schütte ein Maß frisch Brunnenwasser darüber/ lasse in einem bequemen Geschirrlein über einem linden Kohlfeurlein gemählich sieden/ biß sich das halbe Theil verzehret hat/ seihe die Brühe dann durch ein Tuch und drucke die Kräuter hart aus/ darnach setze es wieder auf die Kohlen/ thue 2. Pfund weissen Zucker groblecht gestossen darzu/ laß wieder gemählich sieden daß es in bequemer Dicke werde eines Syrups/ zu letzt wann du ihn vom Feuer thun wilt/ so nimm ein halb Loth guter Rhebarbaren/ die gar klein geschnitten seye/ binde sie in ein seiden Tüchlein/ wirffs in den Syrup/ und wann du ihn einfassest/ so hencke solches Säcklein in das Geschirr mit einem Faden/ damit du es jederzeit magst heraus ziehen/ wol austrucknen und wieder hineinlassen.
Dieser Syrup dienet wider die Verstopffung der Leber/ welche er dann leichtlich eröffnet/ stärcket und bekräfftiget/ ist derwegen nützlich wider die Geelsucht/ grünen Siechtag oder die anfahende Wassersucht/ in Fiebern und allen hitzigen Kranckheiten der Leber zu gebrauchen. Man gibt auf einmal 3. oder 4. Loth/ mit einem dienlichen und bequemen Wasser.

Wegwartenblumen Conservenzucker.
CICHORII FLORUM CONSERVA.

    Von den Schönen/ lieblichen/ blauen Blumen der Wegwarten/ wird ein nützlicher und anmühtiger Conservenzucker auff folgende Weiß gemacht. Man nimmt ein Theil der abgepflückten frischen Blumen/ schneidet die klein auf einem Brett/ stoß es darnach wol in einem steinern Mörser/ und im Stossen wirff allgemählich darzu 3. Theil Zucker/ wann es nun wol vermischet/ und zu der Gestalt einer Lattwergen gebracht worden ist/ so thue es in ein Zuckerglaß oder Porcellan-Büchsen/ und stells eine Zeitlang in die Sonn/ behalts zum Gebrauch über Jahr.
    Dieses stärcket das Hertz/ und erquicket die Schwachhertzigen/ dienet wider das Hertzklopffen von Hitze verürsachet/ eröffnet/ reiniget und stärcket die Leber/ treibet die Gall und den Schleim darvon/ dienet wider das Magenbrennen und verrtreibet den Sod/ wehret den Fiebern und der anfahenden Wassersucht/ kühlet die erhitzigte Leber und alle innerliche Glieder: In summa/ dieser Zucker dienet zu allen Gebrechen/ wie vom Kraut und Syrup gesagt ist.

Eingemachte Wegwartenwurtzeln.
CICHORII RADICES CONDITAE.

    Die Wurtzel der Wegweiß wird gemeiniglich nicht allein von den Apotheckern/ sondern auch von fleissigen Haußmüttern eingemacht. Wann man sie aber einmachen will/ soll man sie graben so bald im Frühling die Blätter herfürkommen/ ehe sie anfängt zum Stengel zu stossen/ dann zu der Zeit ist sie am kräfftigsten/ daraus nimm das innere Holtz/ spalte die Wurtzel zu Stücken nach deinem gefallen/ wäsche sie sauber/ lege sie in ein bequemes Kesselein/ schütte frisch Brunnenwasser darüber/ so viel du vermeynest genug seyn/ und weissen fein Zucker so viel vonnothen ist/ laß darnach sittiglich über einem linden Kohlfeurlein sieden/ biß zu bequemer Dicke/ und schütte darüber ein Becherlein voll gutes wolriechendes Rosenwasser/ seude es wiederum biß der Zucker die Dicke eines Syrups bekommt/ dann thue die Wurtzel mit dem Syrup in eine Porcellan-Büchsen oder steinern Hafen/ so sind sie recht/ schlecht und gut eingemacht/ und sind besser als man sie sonst gemeiniglich einzumachen pfleget.
    Etliche sieden diese Wurtzeln zuvor mit etlichen Wassern/ biß alle Bitterkeit hinweg kommt/ schütten das beste hinweg/ darnach machen sie erst einen Syrup von Zucker mit schlechtem Wasser darüber/ den müssen sie oft sieden und viel Arbeit damit haben/ und wann sie sich schon lang bemühen/ so sind solche eingemachte Wurtzeln unkräfftig und kein nutz/ die sind zu dem Schlafftrunck und Pancketen viel dienlicher dann zu der Artzney/ da bey der ersten angezeigten Weiß die Kräfften der Wurtzeln/ mit dem Syrup vermischet werden und bey einander bleiben.

Wegwartensaltz.
CICHORII SAL.

    Es wird heutiges Tages aus der Wurtzeln/ Kraut/ Stengel und Blumen/ von der gantzen Substantz der Wegwarten/ ein vast köstliches und heilsames Saltz künstlich/ wie aus dem Wermuth und andern mehr Kräutern ausgezogen/ das ist fürtreffenlich gut zu Erhaltung und Schärpffung des Gesichts/ zur Verstopffung der Leber und Wassersucht. Darvon brauchet man etliche Granen biß auff den halben Scrupel/ mit einem bequemen Wasser oder Safft. Sonst wird es auch heilsamlich und nützlich mit Pillulen/ Lattwergen/ Confecten und dergleichen Artzneyen/ zu den obgemeldten und vielen andern Gebrechen vermischet und gebrauchet.