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WASSERDOST

Eupatorium – Compositae

 

 

VON DEM KÜNIGUNDKRAUT ODER WASSERDOST.

 

 

            Deß Künigundkrauts haben wir in unserem Teutschland zwey underschiedlicher Geschlecht/ unangesehen daß das eine/ welches von etlichen vor das Weiblein gehalten wird/ mit diesem Namen nicht bekannt ist/ so wächset es doch uberflüssig und in groser menge bey uns.
            l. Das erst Geschlecht dieses Krauts/ wirdt bey uns gemeiniglich neben dem obgemelten Namen/ Hirtzklee oder Waserdost genannt/ das hat ein lange/ zasechtige Wurtzel mit vielen Zinckendie kreucht hin unnd her im Grund wie die Wurtzel deß Attichkrauts. Die Bletter seyndt lang/ von Farben sattgrün und ein wenig rauhe/ mit kleinen schnittlein zerkerfft wie die Bletter am Hanffkraut. Es gewinnt ein runden/ rotbraunen Stiel/ der wirdt zweyer unnd auch bißweilen dreyer Elen lang/ innwendig mit weissem Marck gefüllt/ unnd außwendig auch ein wenig rauhe/ mit etlichen Nebenzweiglein/ an dem obern theil derselben bringt es im Hewmonat schöne Dolden oder Kronen/ mit vielen kleinen Leibfarben Blümlein/ den Blumen deß Baldrians ähnlich/ so dieselben zeitig werden/ so wird ein Wollechtiger Samen darauß wie der Samen deß der Gänßdistel/ der wird vom Wind hinweg getrieben/ wie derselbig/ und der Samen der Habichtkreuter. Dieses Kraut bringet alle Jahr newe Stengel herfür/ und ist eines bittern Geschmacks und ziemlichen guten Geruchs. Es wächßt an feuchten orten auff den Rechen nahe bey den fliesenden Bächen und auff den Wasser Gestaden/ hin und wider/ unnd ist sehr gemein und bekannt. Wann man es in den Gärten pflantzet/ weret es zimlich lang/ und wächst wol/ doch will es auch wol begossen/ so harret es darinn ins drite Jahr und darüber.
            Das zweyt Geschlecht hat ein zaselechtige Wurtzel von vielen/ kleinen/ dünnen Beywürtzlein/ wie aller Wassergewächs art ist. Die Bletter stehen an jhrem Stiel unnd Nebenzweyglein gegeneinander uber/ je ein gesetz uber dem andern/ die seyndt den Blettern deß Künigundkrauts oder deß Hanffs ähnlich/ allein daß sie spitziger/ tieffer zerkerfft unnd auch lenger seynd/ nicht rauhe oder Haarechtig. Der Stiel ist braunroth wie auch die Nebenzweiglein/ fast auff die anderthalb Elen lang unnd weniger holtzechtiger als der Stengel deß Künigundkrauts/ der ist auch mit Gewwerben unnd Gleychen underscheiden/ darauß von unden an biß oben auß die Nebenästlein wachsen/ schön unnd lustig anzusehen wie ein drauschellechtiges Blümlein. Die Blumen/ die oben am Hauptstengel/ auch an den Nebenzweiglein zwischen den Blettern auff jren eygenen Stielen herauß wachsen/ die seynd schön geel/ ein jede umb jren Apffel mit viii. Blettlein besetzt/ anzusehen wie die Blumen deß geelen Sternkrauts/ die erzeigen sich von den understen Nebenzweiglein an biß oben auß. Der Apffel innwendig ist auch geel mit kleinen schwartzen Düpfflein oder Pünctlein gepückelt/ eines starcken guten Geruchs/ gleich den Thannen oder Pinhartz. Der Samen welcher im September zeitig wird/ ist dem Samen deß Bertrams ähnlich/ lang/ zusammen gedruckt unnd rauhe/ also daß er sich an die Kleyder hencket. Das gantz Gewächs ist am Geschmack fast bitter/ aber wird kein astriction oder zusamenzihung darinn vermerckt. Es blühet im Hewmonat unnd Augstmonat. Es wächßt sein sehr viel an Wasserechtigen und feuchten orthen/ hin unnd wider am Rheinstrom und den außgelauffenen Wassern unnd nahe bey dem Gebirg an den Gestaden der frischern Bächlein/ unnd auch darinnen/ da das Wasser nicht zu streng lauffet.
            [ Es ist noch ein dritt Geschlecht/ welches ein zaselechtige Wurtzel hat/ wie die gemeldte von deren gemeiniglich ein Stengel der da braun unnd rundt ist mit gewerben oder Gleychen/ etwann anderthalb Elen lang herfür wächset/ und wird in viel Nebenzweiglein außgetheilet. Die Bletter seynd gemeiniglich in drey theil zerschnitten/ zu zeiten auch in fünff und sechs Theil/ wie am Eisenkraut. Jm Augstmonat tregt es schwartzgeele runde/ ungestirnte unnd doch gefüllte Blumen/ ein jede Blum aber ist in ein grün rundes Rädlein gesetzt/ anzusehen als ein Aug/ mit braunen Augbrawen/ das auß einem gestirnten Rädlein leuchtet. Der Samen hat zwey spitzlein/ damit er sich an die Kleyder hencket. Es wächset an den feuchten Wasserechtigen Stetten/ als auff den Graben und an den Pfützen/ ist viel gemeiner in Teutschland dann das ander. ]

 

Von den Namen der Künigundkreuter.

            l. Das erste Geschlecht dieses Krauts eygentlich Künigundtkraut oder Wasserdost genannt/ ist viel Jahr her/ wie auch im Capitel von der Adermenig ist gemeldet worden/ vor das wahre unnd rechte EUPATORIUM DIOSCORIDIS, SERAPIONIS, MSESUEI unnd anderer Arabischen Artzet ohn einigen underscheid gehalten unnd gebraucht worden/ welches ein zimblicher grosser Jrrthumb unnd unfleiß gewesen/ unnd wiewohl eben das auch ein herlich unnd gut Leberkraut/ das zu allen Gebrechen der Leber so wohl dienlich ist/ als die Odermenig/ so folget darumb nicht darauß/ daß man diese Kreuter also vermischen/ unnd daß vor dieses außgeben/ dann auß einem Jrrthumb hernachmals unzehlich viel Jrrthumb erfolgen/ also wo man ein Kraut mit einem falschen Nahmen taufft/ so muß darnach wider je ein falsches deß andern statt vertretten/ also daß man in  ein Jrrgarten kompt/ darauß man sich nicht wider außwickeln kann. Doch ist der Jrrthumb deren so das Künigundkraut vor der Griechen unnd MESUEI EUPATORIUM gebraucht nicht so groß unnd gar zu schelten/ als deren die die wild Salbey/ die Brackendistel und andere mehr Kreuter darvor auß mehrer unnd grösser unwissenheit darvor gebraucht haben/ sintemal das Künigundkraut eben die Kräfft unnd Tugend hat in allen Schwachheyten der Leber/ die das EUPATORIUM GRAECORUM, das ist unser Adermenig.
            MARCUS PLATEARIUS hat dieses Kraut MARUM DIOSCORIDIS getaufft/ das vergleicht sich mit dem MARO, gleich wie das Nesselkraut mit dem Roßmarin. So hat IOANNES RUELLIUS den HYDRPIPER DIOSCORIDIS darauß wöllen machen/ welches auch ein grosser Jrrthumb ist/ wie weiter an jhren gebürlichen orthen wirdt angezeigt werden. Daß wir aber auch unser meynung darthun/ unnd anzeigen/ wie das gemelt Künigundkraut oder Hirtzklee bey den Alten genennet worden/ so halten wir es mit vielen gelehrten Leuthen unserer zeit/ als mit GUILIELMO TURNERO, PETRO TURNERO, IOANNE RODERICO LUSITANO, unnd andern mehr gelehrten unnd erfahrnen MEDICIS vor das EUPATORIUM AUICENNAE mit den Hanffblettern/ welches er LI.2.TRACT.2.C.24. beschreibet/ und hindert uns gar nit/ daß der INTERPRES AUICENNAE die Blumen deß gemelten Krauts den Seeblumen fälschkich verglichen hat/ sintemal die andern Noten und Kennzeichen/ sampt der Krafft und Tugendt dieses Krauts mit dem EUPATORIO AUICENNAE durchauß ubereinstimmen/ und sol auch derwegen dieses Kraut allwegen in die COMPOSITIONES wo er deß EUPATORII gedenckt genommen/ und gebraucht werden. Von den Kreutlern wird es genannt/ EUPATORIUM CANNABINUM, unnd EUPATORIUM CANNABINUM MAS, zum Underscheidt deß nachvolgenden. Jtem CANNABINA AQUATICA, HERBA KUNIGUNDIS, EUPATORIUM VULGARE, ORIGANUM AQUATICUM, TRIFOLIUM CERUINUM, CONSOLIDA CERVINA, und EUPATORIUM ADULCERINUM, dieweil es bißhero von den unverständigen Aertzten vor das EUPATORIUM GRAECORUM fälschlich ist gebraucht worden. Hochteutsch/ Hirtzklee/ Wasserdost/ Künigundkraut/ Hirtzguntzel/ und S.Künigundskraut/ Dostenkraut/ Albkraut und Hirtzwundkraut.
            ll. DAS ANDER Geschlecht wird von den Kreutlern/ EUPATORIUM CANNABINUM CHRYSANTHEMUM genannt/ deßgleichen EUPATORIUM CANNABINUM FOEMINA, VIRGA AUREA AQUATICA, STELLARIA AQUATICA und CONSOLIDA AQUATICA. Von den Bercellensern wird es Jtaliansvch TERZOLA GENANNT/ DIEWEIL ES WIDER DIE Feber und sonderlich wider das Tertian Feber nützlich gebrauchen wird/ ist aber nit das TERZOLA oder TERZOLLA BABTISTAE SARDI, desen er auch im ende PANDECTARUM SYLVARICI gedenckt/ daß ein viereckechtigen Stengel und blauwe Blumen hat/ thun derwegen die jenigen unweißlich und unrecht/ die das TERZOLLAM BABTISTAE SARDI mit diesem Gewächs unnd keines mit dem andern kein gemeinschafft oder gleichheit hat außgenommen/ daß sie beyde wider dz drittägig Feber gebraucht werden/ derwegen wir das jetzig Gewächs zum underscheid deß anderen TERZOLLAM LUTEAM, das ist/ TERTIANAM LUTEAM genennet haben. Hochteutsch/ Wasserwundtkraut/ Sternkraut/ geel Feberkraut/ Künigundkraut Weible.
            [ Das dritte Geschlecht wirdt von TRAGO under die Eysenkreuter gezehlt/ von andern under das Künigundkraut Weible. Auff Teutsch/ Fotzen Jgel/ Hanenkamp oder Krüden/ umb der zerkerfften Bletter willen. ]

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der Künigundkreuter.

            Das Künigundkraut ist warmer unnd truckner Natur/ welches sein bitteren Geschmack zu erkenen gibt/ es hat ein Krafft und Eygenschafft auffzulösen/ und die dicken feuchten flüssig zu machen/ deßgleichen von wegen der geringen astriction die es neben der bitterkeit hat die Leber zu stärcken/ welches vielleicht auch Ursach geben/ daß es so viel Jahr her/ vor das recht EUPATORIUM der Alten gehalten ist worden. Das ander Geschlecht ist an seiner Natur/ Kraft/ Wirckung und Eygenschafft/ dem jetzgemelten durchauß gleich/ außgenommen dieweil kein astriction darinn vermercket wird/ daß es weniger Krafft die Leber zu stärcken/ als das erst. [ Das dritt ist bitter/ derhalben warm und trucken.]

 

Jnnerlicher Gebrauch deß Wasserdosts/ oder der beyder Künigundkreuter

            Das erst Geschlecht deß Künigundkrauts/ hat ein treffenliche Krafft unnd Wirckung in allen Kranckheyten der Leber/ derwegen es auch in seiner Art ein fürtreffentlich gut Leberkraut ist/ dann so man die gewisse erfahrnuß dieses Krauts/ mit den Kräfften und Tugenden deß rechten EUPATORII GRAECORUM, welches unser Adermenig ist/ vergleichen wirdt/ so wirdt man kein underscheid finden/ derwegen man es billich auch ein recht edel Leberkraut wird müssen bleiben lassen.
            Das Kraut in Wein gesotten/ darnach durch ein Tuch gesiegen/ und Morgens und Abends jedesmal  ein Untz oder vier warm davon getruncken/ erwärmet die Brust/ benimpt den kalten feuchten Husten/ von kalten Flüssen verursacht: er öfnet oder löset auff die verstopffung der Leber und deß Miltzes/ treibet den Harn/ fürdert die Monatblumen der Weiber/ vertreibt die Mißfarb/ Geelsucht und Wassersucht: Jtem die langwierige Feber so von schleimigen/ feuchten unnd obgemelten verstopffungen jhren ursprung her haben.
            Dieser Tranck dient auch wider der Schlangen und gifftigen Thier Bissz unnd Schädigung/ nicht allein obgemeldter massen getruncken/ sondern auch die Biß eusserlich warm darmit gewäschen/ und das Kraut wie ein Pflaster darüber gelegt/ und zum wenigsten deß Tages zweymal erfrischet.
            ¨Jst auch ein heylsame gute Artzeney wider schmertzen unnd Geschwer der Leber/ dann er miltert nicht allein den Schmertzen/ sondern er reyniget auch die Leber/ unnd heylet alle versehrung derselben. Erwärmet auch die erkalte Leber/ unnd vertreibet die Geschwulst derselbigen/ unnd aquch die Geschwulst deß Miltzes: vertreibt auch die Mißfarb und den grünen Siechtagen CACHEXIAM.
            Der außgeprest Safftn deß Wasserdosts/ auff einmahl vier oder fünff loth vor sich selbst/ oder mit Zucker süß gemacht/ deß Morgens und Abends jedesmal so viel getruncken/ ist zu allen obgemelten Kranckheiten viel kräfftiger und dienlicher.
            deß Saffts auff einmal v. oder vi.loth allein ohne einige vermischung getruncken/ tödtet die Würm im Leib/ und führet sie auß/ und soll man das einmal oder drey thun.
            Wider die Wassersucht ist folgends Träncklein ein berümbte Artzeney: Nim deß frischen außgepresten Wasserdostsaffts ii.looth/ blaw Himmelschwertelwurtzelsafft ein loth/ deß besten Mithridats ein halbs quintl./ deß besten Theriacks ein drittheil eines quintleins/ gepülverten Zucker Candi ein halb loth. Vermisch solche Stück durcheinander zu einem Trüncklein/ und gibs dem Wassersüchtigen alle acht Tag einmal zu trincken/ es treibet das Gewässer gewaltig auß.
            Wasserdost unnd Taubenkropff jedes gleichviel in frischem Molcken gesotten/ darnach durchgesiegen/ unnd allen Morgen und Abend ein Becherlein voll ,darvon warm getruncken/ reyniget das unsauber Geblüt/ unnd heylet den Grindt unnd alle schäbigkeit der Haut. Etliche sieden das gemeldte Kraut mit Erdrauchwasser/ so wirdt die Artzney kräfftiger.
            Wasserdosten mit Kraut und Blumen wann er in seiner vollkommenen Blühet ist/ mit Wein gesotten/ und durchgesiegen/ ist ein köstlicher Wundtranck/ nicht allein die eusserliche Wunden darmit zu heylen/ sondern auch die jnnerliche Brüch und Versehrungen deß Morgens und Abends vier oder fünff loth getruncken/ und den Schaden auch eusserlich darmit gewäschen/ und darein genetzte Tüchlein ubergelegt.
            Auß gemeldtem Wasserdost machet man ein sehr köstlichen Wundtranck/ zu allen gehauwenen unnd gestochenen Wunden/ also: Nimb Wasserdost zwo Handtvoll/ Wintergrün/ roten Gochheyl/ gülden Leberkraut/ Beerwinck/ jedes anderthalb Handtvoll/ Genserichkraut/ Geyßfuß/ gülden Heylwurtzbletter/ jedes eine Handtvoll/ wild Ochsenzung/ Weißwurtzbletter/ klein Monkraut/ weissen Andorn/ Baldriankraut/ jesews ein halbe Handtvoll. Zerschneid solche Stück klein/ theil sie ab in zwey theil zuvor wohl durcheinander vermischet/ thue sie in ein Zinnen Kannten/ schütte darüber ein maß weissen fürnen Wein/ oder so viel guts Bier/ verlutir die Kannten umb den Ranfft wol daß nichts außrichen mag/ und stell sie in einen Kessel mit siedendem Wasser/ lasse sie vier Stundt in stätiger Hitz darinn sieden/ darnach thue sie herauß und wann sie küle worden ist/ so seihe den Tranck durch ein Tuch/ unnd behalte den wohl verstopfft in einem Glaß an einem külen orth. gib dem Verwundten darvon allen Morgen und Abend/ jedesmal vier oder fünff loth zu trincken/ es heylet ein jede Wund oder Stich von grund herauß.
            Wann ein Rosz oder Rindtviech Lebersiech were/ so soll man jhme Wasserdost under das Futer klein zerschnitten vermischen/ oder dem Rindtviech sonst zu essen geben/ unnd das gestossen Pulver darvon mit Saltz vermischet zu lecken geben/ dieses ist auch den Schafen eine gute Artzeney zu gemeldtem Gebrechen.
            Mann mag auch einem Rossz oder Rindviech etliche Tag nacheinander deß gepülverten Krauts vier Loth mit warmen Wasser vermischt/ wider den gemelten Gebrechen durch ein bequemes Jnstrument einschütten/ dann es thut wunderbarliche hülffe.
            Das zweyte Gedschlecht dieses Krauts mit den geelen Blumen/ welches auch Wasserwundtkraut genennet wirdt/ hat in allen obgemeldten Gebrechen der Leber/ gleiche Krafft und Wirckung wie der Wasserdost/ allein daß seine Krafft geringer ist dieselbig zu stärcken/ sintemal man schier gar kein zusammenziehende Krafft mdarinn vermercket. Sonst mag es fruchtbarlich zu allen oben erzehlten Kranckheyten/ deßgleichen auch zu Wunden und Brüchen gebraucht werden/ dann es uber die maß ein bewerthes Wundtkraut ist/ darauß man heylsame Wundtränck machen kann/ wie dann nachfolgender in allen gehawenen und gestochenen Wunden bewert ist/ dieselbigen vom grund herauß zuheylen/ den bereytet man also: Nimb Wasserwundtkraut anderhalb Handvoll/ Sonnenblümleinkraut und Blumen/ klein Fünffingerkraut/ das auch von etlichen Terpentill genannt wird/ jedes i.Handvoll/ Sinnaw i.Handvoll/ Eisenkraut/ Schlüsselblumenkraut/ Kreutzwurtzelkraut unnd Wurtzel mit einem andern Namen Sperrenstich genannt/ Ackeleyenkraut/ jedes ein halbe Handvoll. Diese Stück soll man klein zerschneiden/ und in ein bequeme Kannten thun/ darüber schütten ein Maß Weins oder Bier/ die Kannt verlutieren/ und vier Stunden lang in einem Kessel mit sieden lassen/ und denselbigen darnach wann er durchgesiegen ist/ gleicher gestalt brauchen.
            Ein andern guten erfahrnen Wundtranck mach also: Nimb Wasserwundtkraut zwo Handtvoll/ Sanickel/ Scorzonerenkraut unnd Wurtzel/ jedes anderthalb Handtvoll/ Prunellenkraut/ Adermenig/ blaw Sternkraut/ klein Fünffingerkraut/ Garafelkraut/ jedes ein halbe Handtvoll/ brauner Fingerhut/ Schlangenzünglein/ der jungen Bletter von den Eglentier Rosen/ junge rote Weidenbletter/ jedes ein halb Handvoll. Alle gemeldte Stück soll man klein zerschneiden/ und darzu thun iiii.loth frischer Wechholderbeeren ein wenig groblecht gestossen/ solches alles wol durcheinander vermischen/ und in ii.gleiche theil abwigen/ das ein theil in ein Kannten oder Zinnenfläschen thun/ darüber schütten ein maß weissen Wein oder Bier/ die Kannten am Ranfft wol verlutieren/ und darnach vier Stunden in einem Kessel mit Wasser sieden lassen/ folgends auch obgemelter massen gebrauchen.

 

Eusserlicher Gebrauch der Künigundkreuter.

            Beyde obgemeldte Kreuterwerden eußerlich nutzlich zu allen Wunden und Schäden gebraucht/ derowegen jhnen die Wundärtzt solche Kreuter sollen lassen befohlen seyn/ Wundwasser/ Balsam/ Salben und Wundpflaster darvon zu bereyten/ dann sie beyde herrliche Wundkreuter seynd/ Wunden und Schäden an Menschen und Viech damit zu heylen. Dann es ist von den Jägern wargenommen worden/ daß die verwunden Hirtz das Künigundkraut essen/ und sich damit heylen/ daher es auch Hirtzwundtkraut genannt ist worden
            Wasserdost in Wasser gesotten unnd ein Lendenbad darauß gemacht/ darinnen deß Tages zweymal jedesmal auff die anderthalb Stunden gebadet/ bringet den Weibern die verstandene Blumen wider zu recht. Das thut auch der Dampff von dem gesottenen Kraut/ so ein Weib sich darüber setzet/ und denselben durch ein Rohr zu sich in die Mutter empfäht/ deß Tags zweymal.
            Beyde obgemelte Kreuter ein jedes vor sich selbst/ oder aber beyde zu gleychem theil vermischt/ in Wein unnd Wasser gesotten/ die faulen Wunden und Schäden damit aussgewäschen/ und die Kreuter darnach gestossen und wie ein Pflaster darüber geschlagen/ weychen/ zeitigen/ reynigen und heylen/ ziehen viel Fleisch/ und mögen vor andern Wunden und Schadenkreutern ohn einigen Nachtheil unnd Schaden jnnerlich und eusserlich gebraucht werden.
            Der außgepreßt Safft von dem Wasserdost/ mit Essig unnd Saltz vermischt/ oder durcheinander temperiert/ und das grindig/ flüssig Haupt deß Tages einmal oder drey bestrichen unnd gesalbet/ heylet allen bösen Grind.
            Dcer Rauch oder Dampff deß angezünten Wasserdosts vertreibt die Schlangen und alles ungeziffer.
            Wasserdost in Wein oder Wasser gesotten/ heylet die Biß der Schlangen unnd ander gifftiger Thier/ so man die Bissz und Wunden deß Tages einmal damit außwäschet/ unnd das gestossen Kraut pflastersweiß darübergeleget/ unnd so offt es trucken wird/ wider erfrischet.

 

Wasserdost gedistilliert Wasser.
HERBAE KUNIGUNDIS AQUA STILLATITIA.

 

            Das Wasser von dem Wasserdost/ so im end deß Brachmonats/ oder Hewmonats wann es in seiner vollkommenlichen Blüeth und Zeitigung ist/ gedistillirt werden. Man nimbt die stengel mit den Blettern und Blumen/ hackt sie auffs kleinest/ darnach distilliert mans sänfftiglich in BALNEO MARIAE, wann das geschehen/ nipt man der Bletter und Blumen deß Krauts im Lufft getrucknet unnd gedörrt/ zu einem groblechtigen Pulver gestossen unnd vermischt mit jeder massen deß gedistillierten Wassers deß gemeldten Pulvers vier Untzen/ lassets mit einander in einem warmen BALNEO MARIAE in ein Kolben gethan 24. Stunden beytzen/ darnach zeucht mans ab in BALNEO MARIAE zum andern mal/ und setzts in einem wol vermachten Glaß seine zeit in die Sonn zu rectificieren/ darnach verwahret mans zu dem Gebrauch.

 

Jnnerlicher Gebrauch deß Künigundkrautwassers.

            Kunigundkrautwasser hat ein besondere Krafft unnd Eygenschafft die Leber zu stärcken/ unnd jhre Wirckung zu bekräfftigen/ es eröffnet unnd lösset auff alle verstopffung derselbigen/ deßgleichen deß Miltzes/ unnd heymlicher gängder Adern/ es benimpt die böse Todtenfarb unnd den grünen Siechtagen CACHEXIAM, unnd die anfahende Wassersucht/ deßgleichen alle Feber die von verstopffung der Leber unnd deß Miltzes verursacht werden/ verzehret allen innerlichen Schleim im Leib unnd in den Adern/ fürdert die Weibliche Monatblumen/ zertheilet die Geelsucht/ treibet den Harn/ erwärmet die Leber/ Nieren und Blasen/ unnd verhütet daß der Stein nit wachse/ alle Morgen unnd Abendt/ jedesmal vier oder fünff loth gertuncken.
            Es ist auch ein heylsames Wasser die frische Wunden zur heylung zu fürdern/ obgemeldter massen an statt eines Wundtrancks gertuncken/ und feinen Wein darmit vermischet.

 

Eusserlicher Gebrauch deß Künigundkrautwassers.
            Den Mundt mit Künigundwasser offtermals außgewäschen unnd gespület/ auch den Halß wol darmit gegurgelt/ vertreibet alle versehrung unnd heylet die Mundfäule und faule Löcher deß Halß/ deßgleichen das essen und Bläterlein deß Mundts.
            Die Geschwer unnd versehrung deß Männlichen Gliedts/ unnd der heimlichen örter der Mannen unnd Frawen/ offtermals mit gewäschen unnd gereynigt/ auch leinine Tüchlein darinn genetzet und darüber gelegt/ heylet sie fein unnd sauber in kurtzer zeit.

 

 

Syrup vom Künigundkraut.

SYRUPUS EUPATORII AUICENNAE.

 

            Auß dem Künigundkraut machet man auch ein herrlichen Syrup: Man nimpt deß außgepresten frischen geleuterten Saft deß Künigundkrauts drey Pfundt/ weissen Feinzucker ii. pfundt/ solches lasset man sittiglich zergehen unnd uber einer linden Glut gemächlich sieden/ im sieden verscheumpt man es unnd leuterts mit einem zerklopfften Eyerweiß/ wann es nun die dicke eines Syrups bekommen hat/ so seihet mans durch ein sauber Wüllin Tuch/ und verwahret den Syrup in einer Porcellanbüchsen zum Gebrauch. Dieser Syrup dienet zu allen Mängeln der Leber/ deßgleichen zu allen obenerzehlten Kranckheiten. Dessen braucht man ii.untz auff einmal.

 

Außgezogener Künigundkraut Syrup.
EUPATORII AUICENNAE EXTRACTIONIS SYRUPUS.

 

            Auß dem dürren Wasserdost/ wird ein außgezogener Syrup gemacht/ wie auß der Adermenig/ der wirdt auß dem Kraut/ Stengel/ Blumen unnd der Wurtzel gleicher gestalt bereytet. Der dienet wieder alle obgemeldte Gebrechen/ wie der Syrup/ so von dem Safft bereytet wirdt/ außgenommen daß man dessen nur i.loth oder ein Löffel voll auff einmal mit dem gedistillirten Wasser/ oder mit einem andern bequemen Safft/ brauchet.

 

Künigundkraut Saltz.
HERBAE KUNIGUNDIS SAL.

 

            Auß dem gedürrten und aufgetruckneten Kraut deß Künigundkrauts wirdt auch ein Köstlich Saltz gemacht/ daß bereytet man auß der Substantz deß gantzen Krauts/ wie man das Wermuthsaltz unnd anderer Kreuter Saltz zu bereyten pfleget. Das dient insonderheit wieder die Geschwulst der Leber/ deß Miltz/ den grünen Siechtagen und die Wassersucht/ darvon gibt man einen halben Scrupel oder sechsten theil eines quintleins mit Wein/ oder ein wenig Künigundkrautwassers/ oder aber mit einem andern bequemen Wasser. Es wirdt auch fast nützlich zu den gemeldten unnd vielen andern Gebrechen mit andern Artzeneyen vermischt/ wie die MEDICI PRACTICI solches wol zu vermischen wissen.

 

Künigundkraut Extract.
EUPATORII AUICENNAE EXTRACTUM.

 

            Das Extract auß dem Künigundkraut wird auß der Wurtzel/ Kraut/ Stengel und Blumen bereytet/ wie auß dem dürren Wermuth und Beyfuß. Der dient zu allen oben erzehlten innerlichen Kranckheiten/ darvon gibt man ein drittheil eines quintleins auff einmal mit einem bequemen Safft: man vermischts auch mit andern Artzeneyen.