Der Durchleuchtigen Hochgebornen Fürstin und Frawen/ Frawen Julianae Ursulae/ Landtgräffin zu Sausenberg/ u. geborne Wild unnd Rheingräffin/ Gräffin zu Salm/ und Frawen zu Bisingen/ Meiner gnädigen Fürstin und Frawen.

Durchleuchtige/ Hochgeborne Fürstin/ gnädige Fraw/ Es haben die Alten wol und weisslich geschrieben/ dass der einige Allmächtige Gott/ von den Menschen auff dreyerley Weiss geehret und gelobet werde. Erstlich durch heysame Lehr/ gute Gespräch/ und durch allerley Lobgesäng. Demnach durch ein gottseliges und Gott wolgefälliges Leben/ auch ehrbaren/ und wo möglich/ unsträfflichen Wandel. Und zum dritten/ durch Betrachtung seiner herrlichen Geschöpffen/ will dieselbige uns allezeit sein göttliche Krafft/ unerforschliche Weissheit/ und sein vätterliche Güte und Fürsehung für Augen stellen/ damit wir also zu embsiger/ und ohnnachlässiger Danckbarkeit gereitzt werden

Under diesen dess Allmächtigen Geschöpffen/ werden nicht under die geringsten gezehlet die jenigen/ welche an dem dritten Tag der Erschaffung sich am ersten auss der Erden erzeiget/ da Gott sprach: Es lasse die Erd herfür grunen Grass unnd Kraut/ das sich besame: und fruchtbar Holtz/ da ein jegliches auch seiner Art Frucht trage/ und habe seinen eignen Samen bey jhm selbs auff Erden. Daher dann so viel und mancherley Art von Bäumen und Kreutern den Erdboden zieren/ so von dem Allmächtigen mit manigfaltigen Tugenden und Wirckung uns armen Menschen zu guten begabet: also dass kein Kreutlein so schlecht/ oder unachtbar/ das nicht sein nutzbare Tugendt habe.

Derhalben der allerweiseste König Salomon/ diese sonderbare Gnad Gottes ohne zweiffel zu Gemüht führende/ hat geschrieben von Bäumen unnd allerley Kreutern: ja wie die Geschrifft redet/ von Ceder an zu Libanon/ biss an den Hysop der auss der Wandt wachset: welche Bücher/ so sie noch vorhanden weren/ würden sie uns ein sonderbarnen Nutz bringen. Dess weisen Königs löblichen Exempel nach/ haben viel Keyser/ König/ Fürsten und Herren/ die Erkundigung der Kreutern sonderlich geliebet/ also dass auch etliche Kreuter so sie erfunden/ von jhnen den Namen bekommen/ unnd noch behalten. Ja auch Fürstliche Weibspersohnen sich darüber bearbeitet/ also dass auch das Kraut Beyfuss/ so menniglich wol bekannt/ von der Königin Artemisia erfunden/ noch heutiges Tags Artemisia genannt wirdt. Unnd haben also die Erkundigung der Eigenschafften der Kreutern/ nicht allein den Aertzten/ denen es billich zustehet/ wo sie jhren Krancken trewlich und nutzlich zu Hälff kommen wöllen/ gelassen/ sondern sich darinn belustiget/ auch mit grossem Unkosten schöne Gärten gepflantzet/ wie dann noch heutiges Tages von vielen fürnemmen Potentaten geschicht/ die sich nicht allein darmit sehr belustigen/ sondern auch andere so damit umbgehen/ mit sonderer Gnad und Hölff beförderen. Man schreibt von Euace/ welcher ein König der Arabier gewesen/ dass er mit eigener Handt die Kreuter abgerissen unnd gemahlet/ unnd also ein gross Buch dem Keyser Neroni zu einer Verehrung uberschicket habe.

Dieweil dann G. Fürstin unnd Fraw/ mir wol bewusst/ dass J.G. zu solchen eine sondere Lust und Zuneigung tragen/ wie dann beyde Fürstliche Gärten zu Durlach und Sultzburg das gnugsam erwiesen/ wie auch die Fürstliche Apoteck/ auss welcher man J.F.G gnädigen Befelch/ vielen Armen/ wie ich dann offtermalen selber zu Sultzberg gesehen/ zu Hülff kompt/ bin ich verursachet worden gegenwertiges unnd vollkommens Kreuterbuch/ welches hiebevor von dem hochgelehrten Herrn Jac. Theod. Tabernaemontano mit höchstem Fleiss unnd Mühe/ auss langwiriger Erfahrung/ auch den aller vortrefflichsten newen unnd alten Scribanten beschrieben/ und darin fast unzehliche/ vortreffliche/ hochbewährte Experimenten/ unnd heimliche verborgene Kunststücke/ an Menschen und Viehe mit höchstem Nutz und Ruhm zu gebrauchen/ begriffen/ an jetzo aber von mir mit vielen so wol frembden als eynheimischen Kreutern/ Gewächsen/ Experimenten/ u. aller Orten verbessert/ vermehret/ und dermassen zugerichtet worden/ dass es wegen seiner Vollkommenheit/ gleichsam vor ein gantz newes Werck zu achten/ E.F.G. allerunderthänigst zu dediciren unnd zuzuschreiben/ mit underthäniger Bitt/ E.F.G. wülle solches in Gnaden auffnemmen/ und diese meine Arbeit gnädig gefallen lassen.

Dieselbige E.F.G. sampt dero geliebten Herren unnd Gemahel/ meinem gnädigen Fürsten und Herren/ denen ich underthänig willig Dienst/ eusserst Vermögens die Zeit meines Lebens zu erweisen bereit/ dem Allmächtigen in aller glückseligen Regierung (neben Wünschung langwieriger Gesundheit/ und alle zeitliche und ewige Wolfahrt) underthänig befehlende.

Datum, Basel den 1. Hornung 1613

E.F.G.

Underthäniger

Caspar Bauhin D.

Bauhin,  Gaspard ['bauhi:n, frz. bo'e], *)Basel 17. 1. 1560, ?)ebd. 5. 12.
1624, schweizer. Anatom und Botaniker. Prof. in Basel; vereinheitlichte die
Benennung der Muskeln (nach Ursprung und Ansatz), erstellte eine natürl.
Ordnung des gesamten Pflanzenreichs fast ausschließlich auf Grund botan.
Merkmale und führte die binäre Nomenklatur ein.