Dem hochehrwürdigen/ Edlen und Gestrengen Herren/ Herren Christoff Thum von Neüburg/ Teutschen Ordens Landtcommenthur der Baley Elsaß und Burgund/ Commenthur zu Alßhaussen/ Römischer Keyserlicher Maiestat Rath/ u. meinem gnädigen Herren.

 

Daß der Allmächtige Gott/ Hochehrwürdiger/ Edler/ Gestrenger/ Gnädiger Herr/ Kräuter und Bäum erschaffen/ derselbigen Natur und Eygenschafft den ersten Menschen gelehrnet/ und daß Adam denselbigen jhre Namen geben/ ist auß dem Heyligen Propheten Moyse bekannt: wie nicht weniger daß sie dem Menschen vor dem Fall/ sich allein von den Früchten der Bäumen ernehret haben/ welche der Allmächtige Gott in dem lustigen Paradeß mit seinem Wort gepflantzet hat. Derohalben sie gleich nach den Elementen/ vor daß der Mensch geschaffen/ den Erdtboden geziert haben. Daher dann EMPEDOCLES schreibet/ sie seyen gewachsen/ ehe dann Nacht und Tag von einander gescheiden worden.

            Nach dem Fall aber/ haben sie das Erdtreich erbawen müssen/ das besähen/ unnd von dem Getraid/ wie dann auch von den Kräuteren/ die dem Vieh geschaffen waren/ sich ernehren. Dann erst unter dem Alt Vatter Noah/ ist Fleisch zu essen/ von Gott erlaubet worden: Vielleicht weil durch den Sündfluß/ die Bäume zu grundt gangen/ mangel an Früchten der Bäumen gewesen/ und dardurch auch die Fruchtbarkeit der Erden gemindert. Nach welchem dann auch die Menschen/ allerley Kranckheiten sind underwürffig worden/ unnd also jhnen nicht allein Nahrung/ sondern auch Artzeneyen von nöthen gewesen.

            Daher dann der Allmächtige Schöpffer/ durch seyn unerforschliche Weißheit/ allerley Kreuter geschaffen/ deren etliche zur Speiß/ etliche aber zun Artzneyen dienstlich/ welche dann auch nicht zu gleicher Zeit deß Jahrs herfür wachsen/ darmit wir allzeit kein mangel hetten. Auß welchem dann erscheinet deß Allmächtigen Gottes Liebe/ Gnad unnd Barmhertzigkeit/ gegen uns armen Menschen.

            Als nun dieses auch die Heyden/ sonderlich die POETEN, Auß Liecht der Natur betrachtet/ haben sie die Erforschung der Natur unnd Eygenschafft der Kräutern/ jhren Göttern zu geschrieben. Auch vie jhrer Königen allen Fleß die Kräuter zu erkennen/ und zu beschreiben/ auch nach jhren Namen zu nennen/ angewendet. Jnsonderheit der Juden König Salomones/ welcher aller Königen/ so vor jhm gelebt (ja auch der Aegyptier/ so man doch für die allerweisseste gehalten) Weißheit ubertroffen/ welcher dann von der Bäumen und Kräutern Natur unnd Eygenschafft Bücher geschrieben/ welche zu Jerusalem im Vorhoff deß Tempels lang sindt behalten worden.

            Aber nach dem der König Ezechias der Juden Mißbrauch vermercket/ daß sie/ wann sie kranck zu denselbigen/ wie auch zu andern Artzney Bücher/ als zu einem Gott gelauffen/ und eher bey diesen Büchern/ dann bey Gott Rhat gesucht/ unnd hiermit das Gebet hindan gesetzet: hat er meines erachtens/ auß sonderem Eyfer der Forcht Gottes/ diese Bücher abgeschafft unnd hinweg gethan. Dann ob wohl ohne Zweiffel diese Bücher/ mit sonderbarer Weißheit erfüllet gewesen/ werden doch viel Mißgebräuch eingerissen seyn/ die auch lang im schwanck werden gangen seyn.

            Es meldet auch der Jüdisch Geschichtschreiber IOSEPHUS eines mit Namen Eleazari/ welcher in deß Keysers VESPASIANI Leger/ in beyseyn deß Keysers Vielen so mit bösen Geistern besessen/ auf diese weß geholffen habe: Er hat dem Besessenen einen Ring in die Nasen gestossen/ in dessen Pitschafft/ ein Wurtzel/ so Salomon soll beschrieben haben/ ist eingegraben gewesen$: so bald man denselbigen Ring widerumb auß der Nasen gezogen/ ist hiemit der böse Geist außgebutzt worden/ der Besessene aber auß Schwachheit zu Boden gefallen. Weil er also gelegen/ hat Eleazar den bösen Feind beschworen/ unnd jhm verbotten/ nicht mehr in den vorigen zu fahren. Damit er aber den Ubständeren beweisete daß der Besessene von dem bösen Geist erlediget/ hat er ein Becher mit Wasser fürgestellt/ unnd dem außgetriebenen Geist gebotten/ denselbigen umbzulehren. Dergleichen Abgötterey halber/ hat ohne zweiffel der König Ezechias die vorgemeldte Bücher abgeschafft/ und nicht auß Haß der Kunst der Krä/ utern/ weil er selbst in Heylung seiner Geschwären/ der Feygen Nutz erfahren hat. Wiewol etliche vermeinen/ daß diese Bücher Salomonis seyen in der Babylonischen Gefangenschafft verlohren worden.

            Daher dann andere verursachet/ widerumb die Kräuter und derselbigen Natur zu erforschen/ unnd zu beschreiben/ weil der gröste Theil der MEDICIN, in Erkantnuß und rechtem Gebrauch der Kräuter bestehet/ also daß SENECA nicht unbillich gesprochen/ MEDICINA QUONDAM PAUCARUM FUIT SCIENTIA HERBARUM. Also daß auch TRYPHON, (wie bey dem PLUTARCHO zu finden) gesprochen/ es habe CHIRON und CADMUS AGENORIDES (welche zwey/ wie man vermeint/ die ersten sind/ so geartzeneyet haben) jhre Krancken allein mit Kräutern und Wurtzeln geheylet. Welches/ meines erachtens wolgethan/ unnd auch zu unser Zeit (wie ich dann mehrer theils pflege zu thun) wol geschehen könte/ wann nicht die Krancken lieber allzeit etwas newes hetten/ unnd auch begehrten. Dann wahrhafftig unnd recht von den Poeten gesprochen/ PRAESENTEMQUE QUAELIBET HARBA REFERT, dann in einem jeden Kräutlein Gottes Barmhertzigkeit gegen den Menschen erscheinet.

Diß ist/ Gnädiger Herr/ die Ursach/ daß ich auß fleissigem ersuchen Herrn BASSAEI seliger/ diß ander Theil deß Kräuterbuchs Herrn IACOBI THEODORI seliger/ mit allem Ernst ubersehen/ mit vielen gemeinen in unserm Vatterland erwachsenden Kräutern gemehret/ und nützlichen denselbigen/ wie auch andern Gebrauch herbey gesetzet habe. Und dieses Werck E.G. zu dediciren/ hat mich verursachet/ daß vor zweyen Jahren in dem Sauwerbrunnen E.G. mit mir darvon Red gehalten/ und diß Werck belieben lassen. Und hieneben daß E.G. zu den Kräutern ein sondern Lust haben/ welches gnugsam erwiesen wirdt mit dem lustigen und zierlichen Garten/ so mit grossen Unkosten zu Alßhausen E.G. haben zurüsten lassen/ und täglich mit frembden Gewächsen vermehren. Hiermit E.G. underthenig und fleissig bittende/ diß mein Werck in Gnaden auffzunemmen/ unnd dessen Schirmherr seyn/ auch mich deren in Gnaden lassen befohlen seyn: E.G. dem Allmächtigen zu langwiriger Gesundheit underthenig befehlende. Geben zu Basel den ersten MARTII ANNO 1613.

 

E.G.

 

                                                                                  Dienstwilliger

 

CASPAR BAUHIN D. Fürstlicher

Wirtenbergischer bestelter

MEDICUS.