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VEILCHEN
Viola cyanea


VON DEN VEIELN


    Von den schönen und wolriechenden Veieln/ so jederman wol bekant/ schreibet DIOSCORIDES dass sie haben runde Bletter den Ephewblettern nicht unähnlich/ dass sie ein wenig dünner/ kleiner und schwärtzer seyn/ liegen auff der Erden aussgebreitet: mitten auss der Wurtzel entspringen kleine schmale Stielein/ welche fingerslang seyn/ daran die schöne und liebliche Veieln hangen/ gefüllt und ungefüllt/ deren etliche an Farben braun oder blauw/ eines lieblichen Geruchs/ etliche weiss ohne Geruch/ gemeiniglich mit fünff Bletlein umbsetzet/ erfunden werden/ under welchen das mittelste gleich einem hohen Hütlein/ innwendig mit einem gelben Tüpfflein geferbet. Wann sie verbliechen/ so gewinnen sie jhren Samen in runden grünlechten Hülsslein/ welche voll Samens seyn/ gleich den Hirsen/ (jhre Wurtzel ist lang/ doch dünn und gantz zasecht.) welche Beschreibung auff die vier erste Geschlecht kan referiert und gezogen werden. (Diese Violstöcklein/ wann sie verblüet haben/ erjungen sie sich zweyfältig/ einmal von aussgefallenen Samen. Zum andern/ thun sich die Stöcklein hin unnd wider mit jhren aussgestreckten langen Fäden/ die hencken sich an die Erden/ werden etwan zehen oder xii. Stöcklein an einem Stock. Neben Ziebeln oder Knoblauch gepflantzet/ riechen sie viel stärcker und lieblicher/ wie solchs THEOPHRASTUS und PLURARCHUS bezeugen.)
    lll. lV. (Das dritte und vierdte Geschlecht ist schön und gantz wolriechend/ mit gefüllten Blumen/ blauw/ weiss und leibfarb/ die offtermalen im Herbst widerumb blüen. Da man sie aber zuviel Samen lässet tragen/ und nicht an gelegene warme ort aussetzet/ werden sie offt widerumb einfach. Es schreibt COLTAEUS in seinen COMMENTARIIS uber den MESUEM, dass zu Constantinopel ein Art gefunden werde/ so gefüllt unnd gross/ wie eine kleine Bisamrosen/ und riechet gar wol/ welcher zwo Blumen im Anfang dess Essens genommen/ erweychen den Leib.
    V. Das fünffte Geschlecht die HundtsVeieln/ sind den ersten an Blättern unnd Blumen gantz gleich/ allein dass sie an Farben etwas bleicher und ohne Geruch funden werden (sindt uberall gemein.)
    Vl. Vll. Die beyde Bergveieln/ nemblich das sechst und siebende Geschlecht seyn den vorigen an Gestalt der Blumen gleich/ deren die erste Blaw/ die ander aber gelbe Blättlein haben: jhre Blätter sindt lang/ spitzig und sehr zerkerffet/ die Stengel bey nahe zweyer Ehlen lang mit einer groben dicken zasechten Wurtzel. (Die mit blawen Blumen wächst viel bey VERONA auff dem Berg/ BALDO genannt/ so ohn allen geruch: in den Gärten gezielet/ besamet sie sich von dem aussfallenden Samen und wirdt viel grösser.)
    Vlll. Das achte Geschlecht (so in Kornäckern wächst) ist ein langes zartes Kräuttlein/ mit einer zasechten Wurtzel/ darauss ein ziemlicher dicker stengel mit breiten zerkerfften Blättern besetzet/ neben welchen kleine Aestlein mit schmalen kleinen glatten spitzigen Blättern herfür kommen/ seine Blumen sindt den andern gleich/ doch kleiner und geringer/ werden gemeiniglich mit gelber Farb (veielbraun) erfunden.
    lX. Das neundte Geschlecht wirdt Freysamkraut genennt/ dieweil es mit demselbigen fast uberein kompt/ aussgenommen/ dass seine Blätter spitziger und nicht zerkerfft seyn/ wird gemeiniglich in Wälden funden/ daher es den Namen uberkommen.
    Es gedencket C. CLUSIUS noch zweyer ander Geschlecht der Veyeln: X. deren eine mit gelben Blumen ohn Geruch: (so mit der braunen Mertzviolen uberein kompt mit Blettern/ allein dass sie kleiner sind/ bleich/ grün und scharpff an Geschmack: die Blumen sind viel kleiner/ fünffblättrig/ deren underst grösser ist mit fünff Striemlein underscheiden: diesen folgendreyeckechtige Hülsslein/ welche voll kleine schwartzen Samen/ die Wurtzel ist weiss und Zasericht) Xl. Die andern (deren auch CAMERARIUS gedenckt/ unnd im Schweitzer Gebürg wächst) schön gross mit fünff Blettern/ deren die zwey öberste schön himmelblauw: die zwey mittelste gelb mit blauwen purpurfarb Tüpfflein/ besprenget/ das underste aber schön Goldtgelb mit lieblichem geruch/ (gegen dem Herbst werden die Blumen offt gar gelb/ ) davon in seinen OBSERVAT.PANNON.LIB.2.C.48. weiter zu lesen.
    Die Veieln wachsen gemeiniglich/ wie auch DIOSCORIDES meldet/ an duncklen schattechtigen Orten und in rauhen Erdreich/ neben den Wegen/ bey den Mauwren und Zeunen: die Blumen kommen in Mertzen oder im Anfang dess Aprilen herfür/ alsdann sollen sie auch eingesamblet und an schattechtigen Orten getrucknet werden/ dann diese die besten sind/ dieweil jhre Krafft von der heissen Sonnen noch nicht aussgetrucknet/ oder von sehr nassem Wetter ertrencket ist. Die 6.7.10. unnd 11. Wachsen auff den Gebürgen im Schweitzerlandt: wie dann das zehende auch auff dem Berg BALDO bey VERONA, auch auff den Osterreichischen unnd Steyermärckischen Gebürg/ unnd im Brach- und Hewmonat blüet.)

Von den Namen der Veieln
    Die braune Violen heissen Lateinisch VIOLAE, oder VIOLAE PURPUREAE
    (Die wildten mit den bleichblawen Blumen/ nennet man Hundtsviolen/ Lateinisch VIOLAM CANINAM

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eigenschafft der Veieln
    Es schreibt GALENUS LIB.6.DE SIMPL. Dass die Violen an jhrer Substantz oder COMPLEXION kalt und feucht seyen. MESUE schetzet sie kalt unnd feucht im ersten Grad. MATTHIOLUS aber wil/ sie seyen kalt im ersten Grad/ unnd feucht im andern/ dieweil sie noch frisch sind/ (Wann sie aber dürr werden/ külen unnd feuchten sie weniger.) Und wiewol klar hierauss abzunemmen ist/ dass die Veieln ein Art haben zu erweichen/ wie solches AEGINETA, FERNELIUS und andere mehr bezeugen/ jedoch schreibet FALLOPIUSDE TUMORIBUS dass sie ein zurück treibende Natur haben sollen.
    (Die Veieln werden gantz gebraucht/ jedoch die Blumen zuvorderst/ hernach das Kraut/ unnd dann der Samen. Von den Blumen sol man die blawen Blätlein brauchen unnd das grüne Säcklein/ darein sie versetzt gewesen/ hinweg rupffen. Dann die vermischten Viol Artzneyen/ ein grünenden/ ohnlieblichen Geschmack davon gewinnen/ und werden mancherley heylsame Artzney darvon bereytet/ welche doch/ so viel immer müglichen/ von den frischen/ und die jhren vollkommelichen Geruch haben/ sollen bereitet werden. Wo aber solches nicht beschehen kan/ sollen sie sein fleissig aussgebreitet/ und am Schatten gedört werden. Sie sollen auch am morgen in schönem klarem hellem Lufft und Wetter/ nach dem sie vom tauw unnd nächtlicher feuchte durch den neuwen Sonnenschein etwas gedrücknet/ seynd/ abgebrochen werden.

Jnnerlicher Gebrauch der Veieln
    Es haben die Veieln ein gross Lob in der Artzney zu den jnnerlichen Gebresten dess Menschlichen Leibs/ fürnemlich in hitzigen grossen Febern unnd andern schwachheiten/ so von grosser Hitze jhren Ursprung gewinnen/ und in jungen Kindern so wol zu gebrauchen/ als in alten Leuten. (Als zu den jungen Kindern so etwan mit der Fallendensucht unnd hitzigen Febern beladen weren/ der mag in mangel dess Zuckers/ die Violen in Wasser sieden unnd zu trincken geben. Dieses miltert die unrüwige Gallen/ und zertheylet die Gilb. Die Violen gesotten und darvon getruncken/ dessgleichen auch darvon gerochen/ stillen den hefftigen Schmertzen dess Haupts/ so von scharpffer Gallen entspringen/ weil sie solche feuchte auss dem Magen treiben. Sie külen und befeuchten das Haupt mit jhrem lieblichen guten Geruch/ und fürdern den Schlaff. Aber welche flüssige Häupter haben/ denen ist solcher Geruch schädlich.) Sie werden auch gantz nützlich gebrauchet in Brustschwachheiten/ als da seyn schwere Husten/ so von scharpffen unnd gesaltzenen Flüssen dess Haupts herkommen/ die Seitenkranck/ PLEURITIS genannt/ schwerer Athem/ Heysere der Keelen/ und dergleichen mehr/ wie auch die hitz dess Haupts/ dess Magens zu leschen und zu benemen.
    Jn den truckenen und dürren Hüsten/ da man feuchtens bedarff/ damit der zehe Schleim oder Phlegma/ so sich umb die Lunge angehenckt/ nicht gar durch die zertheilenden Artzneyen möge aussgetrucknet werden/ soll man jederzeit die Veieln mit gebrauchen: Als zu bemeldem Husten/ neme man Violenwurtzel/ Alandtwurtzel jedes zwey loth/ Engelsüss ein loth/ Eysop/ Scabiosen/ Hüflattich jedes i. Handtvoll/ Hasenpappeln ein halbe Handtvoll/ Veielnblumen drey Quintlein/ Aniss und Fenchel jedes ein halb loth/ acht frische Feigen/ kleine Rosinlein ein loth/ solche Stück soll man in einer Mass Honigwasser fast zweyer zwerch Finger breyd einsieden lassen/ darnach den Tranck abseigen/ und davon Morgens und Abends einen guten Trunck thun.
    Da aber grosse Hitz vorhanden were. Als im anfang der Seitenkränck in Entzündung der Lungen/ so von scharpffen Flüssen verursacht werden/ soll man inemen gescheelte Gersten ii.loth/ Frauwen Haar und Hüflattich jedes i.halbe Handvoll/ Veieln und Borragenblumen jedes ii.Quintlein/ Süssholtz i.halb loth und vi.Quetschken solche Stück in iii.Röseln Brunnenwasser biss auff i.halb Mass einsieden lassen/ darnach durchseigen unnd darvon trincken: Und da man vier oder sechs loth Veielsyrup darzu thut/ wirdt der Tranck desto besser/ leget den Durst und die Schmertzen/ so vom Stechen herrüren.
    Also kan man ein Gerstenwasser machen von geschelten Gersten/ darinn Veieln/ Brustbeerlein/ Scabiosen und Zucker Candi gesotten sein/ davon jederzeit Morgen und Abends nemmen sechs loth/ darinne vermischen anderhalb loth Veielsyrup ein halb loth Syrup von Süssholtz und solches etwas lauw ein trincken/ lindert sehr das hitzige Stechen/ so von cholerischen scharpffen Flüssen oder dergleichen Versammlung seinen Ursprung hat.
    LOBELIUS schreibet der Veielsame treibe den Harn fort/ zerbreche den Stein in der Blasen und habe den Art zu truckenen wie der Wegrichsame: Ziehet auch die zehe Gall auss mit Gewalt) wiewol RONDEL.CAP.15.METHODI CURANDI setzet dass der Same ein Art habe zu feuchten und den Leib zu erweichen unnd offen zu halten. (Der Samen bey ein Quintlein in einer warmen Hennenbrü genommen/ purgieret.)
    Es sagt DIOSCORIDES und auch PLINIUS, dass die gelbe bützlin/ so inwendig in den Veieln seyn/ mit Wasser gesotten und getruncken die Halssgeschwer/ Anginas genennt/ heylen sollen: Dessgleichen auch die Fallendtsucht der Jungenkinder.
    (Das gelb in den Blümlein mit Corall eyngeben den Kindern in einem Rörleinwasser/ ist gut für das Freisslich.)
    Es werden auch beyd Blumen unnd das Kraut von den Veieln nützlich in Clystiren gebraucht/ wenn hitzige Feber fürhaben/ darvon die EXCREMENTA verbrennt unnd verhalten werden.
    (Es kan auch das Kraut wie bey den Alten der brauch gewesen/ zu einem Kuchen gemüss gebraucht werden/ den Leib jnnerlich zu külen/ unnd die Verstopffung dess Leibs zu offenen: Zu diesem gebrauch aber/ soll der Samen zwirend dess jahrs/ Frühling unnd Herbstzeit in ein faist Krautbeet Sähen/ darmit die Bletter faister/ milter/ geschlachter zu der Speiss werden. Zu der Artzney aber sind die beste die/ so im harten Grund und Schattechten Orten von jhn selbst wachsen. Die Bletter gepulvert eines Quintleins schwer in einer Hüner oder Erbsenbrüe ein wenig vor dem essen getruncken/ macht einen feinen linden stulgang.
    Ein Tranck von dürren oder grünen Violen Gesotten und getruncken/ leschet den Durst/ kület alle jnnerliche Hitz/ eröffnet die Leber/ heylet die Fieber unnd Gelbsucht/ so man ein wenig geläutert Honigs darzu thut/ miltert die Luftrör oder die Käl/ dienet dem geschwollenen erhitzigten Zäpfflein und Schlund/ reiniget die Brust/ und lindert den Bauch.)

Eusserlicher Gebrauch der Veieln
    Gleich wie die Veieln sehr jnnerlich/ also werden sie auch eusserlich ohn Schaden gebrauchet. (An die frischen Blumen gerochen/ oder in ein Säcklein eyngenähet unnd auff das Haupt gelegt bringen den Schlaff.) GAL. Schreibet wie auch AETIUS. Dass die Bletter für sich allein/ oder mit Gersten maltzen wie ein Pflaster ubergeleget/ seyen gut wider die unnatürliche Hitz dess Magens/ unnd auch der Augen/ dieselbige zu lindern und zu benemen.
    (Die feuchten Violen zu Muss wol zerstossen und Pflasters weiss auff gelegt/ nimpt die scharpffen stich dess Haupts auff die Stirn und Schläff gelegt/ kület die erhitzigte Augen unnd benimmt die röte/ leget nieder alle hitzige Geschwulst dess Affters und der Geburtglider.
    Die Weisse Veieln in Wein oder Wasser gesotten unnd auffgelegt/ treiben die todte Frücht auss dem Leib/ unnd legen die Geschwulst der Mutter: Auch wenn sich die Weiber von von unden auff darmit beehen/ bringt es jhnen jhre Zeit.
    Die Blumen wie ein Krantz umb das Haupt geleget/ benemmen die Schwermütigkeit desselbigen/ so von Trunckenheit entstanden ist.
    Es werden auch die Veiolen nützlich gebraucht in den schwindenden Fiebern HECTICAE genennt/ wann man das Kraut unnd die Blumen mit andern HERBIS REMOLLIENTIBUS in einer feisten Brühe kochet/ darinn Tücher netzet und dem Krancken uber die Brust leget.
    (Die Blumen oder Bletter zerstossen unnd Pflasters weiss auffgestrichen unnd ubergeleget/ ist nützlich zum Anfang dess Brandts legt auch die Geschwulst aller anfahenden Geschwär und schädlicher Entzündung.)

Safft von Veieln
SUCCUS VIOLARUM

    Es wirdt auch ein nützlicher Safft auss den wolriechenden Veieln in den Apothecken zu bereytet/ den macht man also: Man nimpt der frischen wolriechenden Veieln/ so eben abgebrochen seyn/ als viel man derselbigen haben kan/ rupffet die blauwe Blettlein darvon/ dieselben stöst man in einem steinern Mörser/ thue sie darnach under ein Presse/ und truckt den Safft wol auss: Solches aussgepresten Saffts nimpt man nach Gelegenheit der Blumen zwölff Untz/ weissen Zucker vier unnd zwantzig Untz: Es soll aber der Zucker zuvor CLARIFICIRT unnd gebührlich dick gesotten seynd/ und wenn er von Fewer genommen/ soll man jhn ein wenig lassen kalt werden. Alsdann den aussgepresten Violensafft darunder schütten/ und solches mit einander widerumb bey einem gelinden Kolfewer sittiglich sieden lassen/ biss dass es seine PISSITUDINEM erlange: Es soll aber der Schaum allwegen im Sieden abgefeymet werden (dann ob gleich solcher/ so er darbey verbleibet/ die Farb behelt/ verursacht er doch dass der Syrup desto ehe verdirbet.) Dieser Safft ist fürnemblich den jungen Kindern gar wol zu gebrauchen/ welche umb die Brust vol seyn unnd stetigs darvon rosseln/ denen soll man den Safft mit ein wenig Eysopwasser/ wenn kein Feber fürhanden ist/ eingeben: Oder aber in grosser hitz mit Scabiosenwasser/ es lindert auch solcher Safft die scharpffe hitzige Gall/ und helt den Kindern den Leib offen/ und wie FALLOPIUS DE MED.PURG.SIMP.C.25. meldet/ treibt dieser safft die Gall durch den Stulgang: Jedoch muss er von alten Personenin einer grossen Quantitet eingenommen werden. Er ist auch gut für die heysere der Keelen und lindert die Schmertzen dess Magens/ kan in allwegen wie der Veielsyrup gebraucht unnd eyngenommen werden/ wie daselbst weiter bericht gegeben wird.
    (Dess aussgepressten Saffts ein oder zwey Loth gebraucht/ oder also frisch mit Rosinlein und ein wenig Zucker gesotten und getruncken/ macht ein linden Stulgang. Eusserlich auffgestrichen/ zeitiget und erweichet die hitzigen Pestilentzische Geschwer.)

Von gedistilliertem Veielwasser AQUA VIOLARUM,
und seinem jnnerlichen Gebrauch

    Die Violen soll man distillieren/ wann sie wol offen seyndt und am stärckesten riechen/ welches die Krafft von violen behaltet/ und wird sehr nützlich gebraucht/ das Hirn/ Hertz/ Leber/ unnd alle jnnerliche Glieder zu stärcken unnd erquicken/ wann sie von unmässiger/ unnatürlicher Hitz/ schwach seyndt: reine leinen Tüchlein darein genetzt und ubergelegt/ oder jnnerlich gebraucht und getruncken.
    Jn scharpffen pestilentzischen Fiebern getruncken/ löscht es die Hitz/ erquicket das Hertz in aller Ohnmacht und Schwachheiten.
    Die von unnatürlicher Hitze/ so man das Rohtlauffen oder fliegende Hitze nennet/ geplaget werden/ sollen bissweilen jhren Tranck mit diesem Wasser vermischen. Dess Abendts getruncken löschet die hitzige Dämpff/ darvon die Augen geschädiget werden unnd schwieren/ unnd von hitzigen Geblüt verursachet wirdt.
    Diss kület auch die Lungen/ nimpt den dürren truckenen Husten/ wird den Schwindsüchtigen nützlich gegeben.
    Den jungen Kindern dess Tags viel mahl ein Löffel voll zu mahl zu trincken geben/ vertreibt den Siechtagen: kület sie auch jnnerlich wann sie grosse Hitz haben/ und zu Nacht darvon unruhig sind.)
    Das aussgebränte Veielwasser hat grössere Krafft bey sich/ dann das gesottene Wasser von dem Kraut. Jn hitzigen Brustschwachheiten sol man nehmen Veielwasser 5. Oder 6.Loth/ entweder für sich selbst/ oder mit einem Veielsafft vermischet. Da aber dess gebrannten Wassers nicht so viel fürhanden/ sol man nemen ein Gerstenwasser/ darinn Veielkraut/ Hasenpappeln/ und Zuckercandi absieden und durchseihen: Solches Wassers kan man nehmen sechs loth/ Veielwasser ii.loth/ unnd dasselbige temperieren mit einem Veielsafft/ lindert den Durst und die Hitz/ erfeuchtet und erweichet widerumb was von der Hitz verbrennet und aussgedorret ist/ miltert den Husten/ die rauhe Keel und machet aussreuspern. Dessgleichen thut auch/ so man nimmt Veielwasser zwölff loth/ Scabiosen und Hufflattichwasser jedes auch so viel/ der süssen geschelten Mandeln vier loth/ oder auch mehr/ Kürbes und Melonen Samen/ jedes ein halb loth/ und auss bemelten Stücken ein EMULSIONEM AMYGDALINAM zurichten.
    Für das verbrannte und Melancholische Geblüt so sich in den Adern und umb das Hertz herumb verhaltet/ davon vielmal Ohnmachten unnd Hertzzittern verursachet werden/ sol man nehmen Veieln/ Borragen unnd Ochsenzungenwasser/ jedes vi.loth/ Erdtrauchwasser iii.loth/ SYRUPI GRANATORUM oder ACETOS.CIRRI viii.loth/ solches under einander vermischen und davon trincken.
    Also auch in grossen Hauptwehe/ so von hitzigen/ scharpffen cholerischen Dämpffen verursacht wirdt/ sol man brauchen dz Veielwasser/ dann es lindert die grosse Hitz/ erfeuchtet dz Hirn/ unnd machet schlaffen/ sonderlich so mans mit einem Seeblumensyrup vermischet/ und einen guten starcken Trunck gegen Nacht einnimpt. Dessgleichen löscht solch Wasser die Hitz dess Magens/ der Leber/ der Mutter und der Nieren.
    (Ist auch gut zu dem Schmertzen der Augen von Hitz/ mit Tüchlein auffgeleget.)

Eusserlicher Gebrauch dess Veielwassers
    Es kan das Veielwasser eusserlich auch zu obgemeldten Gebresten dess Leibs gebraucht werden/ die entzündte unnd erhitzte Glieder zu kühlen unnd zu befeuchtigen/ wann man leinene Tüchlein darinn netzet und uberleget/ als uber die Brust in den hitzigen brennenden Febern. Uber das Hertz mit Borragen und Ochsenzungenwasser vermischt/ darzu man thun kan PULU.TRIASANTALI unnd DIAMARGANTI FRIGIDI. Uber den Magen und die Leber mit Endivien oder Wegreichwasser. Dessgleichen auch in hitzigem Hauptwehe kan mein leinen Tüchlein in Veiel und Rosenwasser eintrucken/ und etlich mal nach einander umb die Schläff legen.
    (Das Haupt offt damit gewäschen/ nimpt die Milben und Schüppen/ unnd was dergleichen von Hitz/ Truckene unnd Schärpffe dess Geblüts sich erhebt.
    Es gibt auch ein köstlich Augenwasser in allen hitzigen unnd truckenen Zufäll der Augen und Augenwinckel/ mit reinen leinen Tüchlein ubergelegt.
    Damit gegurgelt unnd erhitzigten Mundt offt geschwencket und auch getruncken/ kühlet und nimpt die Hitzblätterlein/ wehret dem Halssgeschwer/ ist gut zu Anfang der Bräune darmit gewäschen/ und hernacher ein wenig Zuckercandi zerlassen/ oder Quittenkörner oder Weschen Flöhesamen ein wenig darinnen erweichet/ und mit dem Schleim bestrichen.
    Die Versehrung dess Affters von Schmertzen der Güldinadern/ Frawen Geburtglieder und Männlichs Glied/ und wo solche Ort von Hitz entzündet unnd geschwollen/ darmit gewäschen/ unnd mit leinen Tüchlein ubergeleget/ ist ein treffentliche Artzeney.
    Den Schmertzen dess hitzigen Podagrams/ stillet es/ wo man zarte Tüchlein darinn netzt unnd uberlegt/ unnd wann sie trucken widerumb erfrischet/ jedoch soll solches zu Anfang dess Schmertzens geschehen.
    Von den Apoteckern wirdt offt das Kraut an statt der Blumen aussgebrandt/ ist aber nicht so kräfftig/ mag aber in der Notturfft an statt dess gerechten jnnerlich unnd eusserlich gebraucht werden.)

Conserven Zucker von Veieln
CONSERVA VIOLARUM

    Der Veielzucker wirdt auff solche Weiss bereitet/ Mann nehme der blawen wolriechendenVeieln/ als baldt sie herfür kommen/ rupfft die blawe Blettlein ab/ und wann man hat ein halb Pfund Blumen/ so nehme man darzu ein halb Pfund Zucker/ zerstosse oder zerhacke sie mit einander gar klein/ wie ein Muss: darnach thue sie in ein Glass/ vermache dasselbige oben wol/ unnd stelle es an die Sonne. Dieser Zucker kan den jungen Kindern sicher eingegeben werden/ wann sie grosse Hitze befinden/ dieselbige lindert er/ helt jhnen auch den Leib offen/ stärcket das Hertz unnd das Hirn/ unnd wirdt gelobet wider die fallende Sucht und Vergicht der jungen Kinder: von alten Personen sol er auff ein loth oder zwey eingenommen werden/ leget den Durst unnd das Stechen in der Brust/ erweichet den Bauch/ treibet die Gallen unnd dämpffet die Hitz/ so von colerischer Feuchte kompt.
    (Andere machen jhn also/ nehmen der blawen Blettlein ein Pfund/ stossens in einem Marbelsteinen Mörser zu einem Muss: nachmals stossen sie anderthalb Pfund weiss Zucker darunder (etliche zwey oder drey Pfundt/ fürnemblich wann die Veieln dürr sind) der vorhin wol gepülvert sey: tut solche Zuckerveiolen in ein weit Glass/ mit einem weiten Mundt/ vermachens wol/ und mit einem stück geschabtem Süssholtz/ sol es dess tags zu etlich mahlen wol durch einander gerührt werden/ unnd allezeit geheb wider vermachen. Dieser mag aller Mass gebraucht werden/ wie der Violsyrup: unnd das für einmal einer Nussen gross/ oder auff ii.loth/ bleibt also ein Jahr gut.
    Jetziger Zeit pflegt man diesen Zucker mit sawrem Limonensafft/ oder mit dem recht bereiten und rectificirten Victriolöl zu vermischen/ ist sawrlecht und anmühtig/ an farb schön rotlecht/ und wirdt für vorgeschriebenen Gebrechen kräfftiger gehalten/ und wird dess Limonensaffts oder Victriolöls so viel genommen/ als zu einer lieblichen säwre genugsam ist.)
    Es schreibt aber SIMON SETHI, dass die Blumen dem Hertzen zu wider seyen und dasselbige beleydigen/ wie FUCHSIUS in seinem HERBARIO bezeuget.

Syrup von Veieln
SYRUPUS VIOLARUM

    Es wirdt von dem Herrn Bock/ wie auch von CAMERARIO und zum Theil von FALLOPIO IN TRACT.DE.MED.PURG.SIMPL.CAP.40. ein guter und nützlich Hausssyrup von Veieln beschrieben/ welcher auff gleiche Weiss/ wie der Nägleinsyrup/ darvon under den Näglein Bericht gegeben ist/ kan und soll DISPENSIERT werden. Unnd schreibet FALLOPIUS von bemeldtem Syrup/ dass er von vier loth/ biss auff zehen eyngenommen/ den Stuelgang sänfftiglich erweiche: So wirdt auch solcher Syrup gantz nützlich den jungen Kindern gebraucht/ da man sich anderer stärcker artzeneyen zu besorgen hat/ sonderlich wenn sie mit grosser Hitz angegriffen werden/ grossen Durst leyden unnd etwas verstopffet seyn/ soll man jhnen bemeldten Syrup eingeben/ entweder für sich selbst/ oder mit Veielwasser vermengt: Zu grosser Hitz kan man nehmen ein Gerstenwasser/ oder frisch Brunnenwasser/ darunder ein gut Theil dess Syrups vermischen unnd den Kindern also zu trincken geben/ welches Hertz unnd Leber kühlet.
    (Aber besser ist dz Wasser/ so zuvor abgesotten/ und darnach im Keller wider erkaltet ist: Gerstenwasser ist noch besser.)
    Wann sich die Kinder heischer geschriehen haben/ soll man nemen ein Stücklein geschaben Süssholtz fast eines Fingers lang/ solches oben vielmal von einander spalten/ darnach in Veielsyrup eintauchen/ und den kindern geben den Syrup ausszusaugen/ solches machet jnen die rauche Keel widerumb glatt. Dessgleichen wenn die Kinder das seitenstechen uberkommen/ ist fast nützlich dass man neme Scabiosen unnd Veielwasser jedes vier loth/ Veielsyrup iii.loth/ solches mit einander vermische und den Kindern davon zu trincken gebe: Solcher Tranck machet sie etwas weit umb die Brust/ miltert die schmertzen/ unnd machet aussreuspern/ es kan auch ein wenig Syrup von Süssholtz darzu genommen werden: Und thut solchs wol wenn man sie mit dem Veielöll darzu schmieret: Es wirdt auch sonsten in den Apothecken ein SYRUPUS VIOLARUM COMPOSITUS zu gerichtet/ (auff volgende weiss/ Nim frischer Veieln iiii.loth/ Quittenkern/ Bappelsamen/ jedes ii.loth/ roter unnd schwartzer Brustbeerlein zwentzig: Diese Stück seud mit einander in sechs pfundt Kürbiswasser/ den dritten theil ein/ nimb darzu zwey pfundt Zucker und seudts zu einem Syrup.) welcher auch/ wie der vorige von alten Leuten einzunemmen ist/ die subtiele scharpffe Cholerische Flüss oder Catarrhen/ so auff die Brust fallen darmit zu miltern und zu incassieren/ damit sie mögen etwas eingehalten/ unnd so viel desto leichter von der Natur durch den Husten aussgeworffen werden. Es taugen auch beyde Syrupen gar wol wider das Seitenstechen/ Räuhe der Keelen/ unnd gegen den Husten so von subtieler scharpffer Materien herkompt. Wenn von nöten ist IN PLEURITIDE oder seitenstechen den Schlaff zu fürdern und die Schmertzen zu lindern/ soll man nemen Veielsyrup/ SYRUP.CAPILL.VENER. jedes ii.loth/ SYRUP.DE GLYCYRRH.DE PAPAU. Jedes i.loth/ solche Stück mit Seheblumenwasser vermischen und zu Nachts einnemen. Und ob wol der Veielsyrup fürnemlich zur Brust gebraucht wirdt/ kan er doch wol zu andern jnnerlichen Gliedern/ als zum Magen/ Hertzen/ Leber und dem Haupt genützet werden/ wenn man jhn mit dergleichen Artzneyen/ so bemeldten Gliedern zugethan sein/ thut gebrauchen.
    (Es wirdt auch ein ander Syrup von dem Safft gemacht/ wie oben gemeldet/ Die Apotecker bereyten etwan diesen Syrup so er jhn zu unzeiten abgangen von dürren Violen/ ist aber schwach unnd krafftloss/ mag derohalben oberzehlte Würckung nicht vollbringen.
    So man aber gezwungen were von den gedörrten Violen ein Syrup zu machen/ soll man die/ so fleissig und sauber gedörret worden/ nemmen: sie in warmen Wasser ein gantzen Tag erweichen/ darnach durchsiegen/ widerumb ein wenig erwallen/ unnd mit Zucker nach notturfft absieden/ Bleiben alle zu mal uber das Jahr frisch und gut/ und nicht länger.)

Von Veieljulep
IULAPIUM VIOLARUM

    Dieweil die Personen erfunden werden/ welche nichts/ so von Pflaumen/ Brustbeerlein/ Sebesten fürnemlich aber was vom süssen Holtz unnd andern Kreutern COQUIRT ist eynnehmen können/ wie auch andere dicke Syrup mehr/ und aber hoch vonnöhten ist in den hitzigen Febern/ das entzündte Geblüt/ wie auch die brennende und hitzige Glieder als den Magen/ das Hertz/ die Leber/ Lunge unnd andere mehr zu kühlen und zu löschen/ kan man an statt der trüben schwartzen/ unlieblichen rauch einen klaren Julep zu richten. Als für reiche Persohnen/ nimb Veielwasser ein Pfundt/ weissen Zucker ein halb Pfund/ oder etwas weniger/ das siede mit einander bey einem gelindten Kolfewer/ läutere es mit einem Eysweiss/ biss es seine CONSISTETIAM uberkomme: hiervon getruncken/ lindert die colerische Feber/ löset umb die Brust auff/ benimpt den Husten/ löschet den Durst/ und thut gar wol in Pleuritide oder Seitenstechen. Jn der Eyl aber unnd für den gemeinen Man/ kan man einen solchen Julep bereiten/ man neme rein/ frisch/ kühl Brunnenwassers ein Pfundt oder ein Rösel/ thue darzu vi. oder viii.loth Veielsyrup/ vermische solches wol under einander/ darvon soll der Krancke auss einem schönen Glass je einen guten Trunck thun/ dieser löscht die Hitze unnd den Durst wunderbarlich/ lindert die hitzige Gall/ erkühlet das Geblüt und alle erhitzte Glieder/ ist in den sehr hitzigen und brennenden Febern gantz nützlich und wol zu gebrauchen.

Kraffttäfelein
MANUS CHRISTI VIOLATI genannt

    Diese Kraffttäfelein sollen also bereytet werden: Nimb des recht gedistillierten Violenwassers/ oder in Mangel dessen/ seud ein wasser von frischen oder dürren Violen/ oder das noch besser ist/ nimb dess aussgepressten Saffts von Violen/ thus in ein Küpfferins Pfännlein/ nimb dess reinesten weissen und härtesten Zuckers/ zerstoss jhn groblecht/ unnd thu jhn darinn/ lass auff einem sanfften Kolfewerlein so nicht rieche gemächlich zergehen und sieden/ biss sich die Feuchte verzehre/ und soll auff ein halb Pfundt ein Vierling genommen werden. Heb es schnell ab/ und wirff auf ein glatten Stein oder Brett/ so zuvor mit reinem Semmelmehl wol gestreuwet seye/ zu kleinen runden Küchlein.
    Diese Täffelein stärcken das Hirn/ Hertz/ bekräfftigen die lebliche Geister/ löschen den Durst/ halten den Mundt und den Halss feucht/ unnd erquicken die Krancken so von Hitz unnd scharpffen Febern gar nahe verschmachten.

Von Violen Zeltlin
DIA (???) genannt

    Man nimpt frische Veielnblumen/ so wol gereiniget fünff Quintlein/ Ammelmeel drey Quintlein unnd ein Scrupel/ Wegerichsamen ein Quintlein/ RHABARBARA, Balsam oder sein SUCCEDANEUM beydes ein Scrupel/ Rosenwasser so viel gnug/ machs zu Küchlein. Stosse die Samen unnd RHABARBARA mit einander/ das Ammelmeel aber besunder/ darnach die Veielblumen in ein Marmersteiner Mörser/ thu dann das Pulver unnd Balsam darzu.Diese Zeltlin werden in etlichen alten COMPOSITIONIBUS gebraucht.

Von Veieln Honig

    Dieser wirdt in den Apothecken wie der Rosenhonig bereitet: auff das aller schlechtest wirdt also bereytet: nimb ein Pfundt oder halbes der blauwen abgeschnittenen Blättlein/ zerstoss sie wol/ dann seudt sie in drey oder anderhalb Pfundt schönes frischen geläuterten Honigs/ lass ob einem sanfften Kolfewerlin wol sieden/ dass es rechter Dicke komme/ oder vermisch es wol under einander/ unnd lass an der sonnen erheitzen. Andere machen den Veielnhonig also: nehmen verschaumptes Honigs zehen Pfundt/ Veielnsafft ein Pfund/ setzens zum Fewer/ unnd wann es anfahet uber sich sieden/ so schütten sie noch vier Pfundt Veielnblätter darzu/ kochens biss der Safft gar eingesotten ist/ jedoch rühren sie es ohn Underlass. Etliche nehmen Honig zwey Pfundt/ Veieln ein Pfundt/ lassens ein wenig mit einander sieden/ seygens durch/ kochens folgendts widerumb biss seyn dick wirdt.
    Diesen Vhonig mag man brauchen wie ein Syrup/ Julep oder Zucker Violat: ist in dürren unnd trucknen Husten der Brust dienstlich: Jn die Clystieren auch nutz/ zu befeuchtigen/ abkülen und reinigen das Eyngeweid.)

Von Veielöl
OLEUM VIOLARUM

    Das Veielöl,soll auff solche Weiss gemacht werden: man nehme der braunen wohlriechenden Veieln wann sie anfangenzu blühen/ so viel man haben will/ thue sie in ein verglasurtes Geschirr/ schütte darüber ein lauter Baumöl/ dass sie bedeck seyn/ stelle darnach das Glass oder Geschirr zehen Tage an die Sonne/ oder an einen andern warmen Ort/ lass es darnach in einem besondern Geschirr in heissem Wasser sieden/ thue die Veieln wol aussgetruckt davon: darnach thue man widerumb frische Veielblumen darinn/ stelle es abermahl zehen Tage an die Sone/ lass darnach sieden unnd trücke es auss wie zuvor/ solches thue man zum dritten mahl: darnach werffe man ein Theil der aussgedorten Veieln darin und behalte es zum Gebrauch. (Andere machens also: sie nehmen auff ein Pfundt geweschens und geläuterts Oel/ der frischen blauwen Mertzenviolen von den grünen Bützlein abgereiniget/ vier loth/ stossens in einem steinern Mörsser zu Muss/ stellens wol vermacht an die Sonnen/ wie zuvor gemeldet. Etliche henckens in einen kalten Brunnen/ doch dass es das Wasser nicht anrühre: andere vergrabens in einem kühlen Keller.
    Etliche wöllen/ dass dieses Oel von grünen unzeitigen Baumöl bereitet werden soll/ darmit es hefftiger kühle/ unnd die Glieder bass stärcke/ nehmen dieses zwey Pfundt/ thun darzu acht loth Violaten/ und bereitens wie das ander:) Solches Oel ist etwas kälter denn dz Rosenöl/ derowegen es in allen hitzigen Schwachheiten wol zu gebrauchen ist/ hilfft auch wol den jenigen so mit den seitenstechen beschweret seyn.
    (Diss Oel dienet fürnemblichen den ertruckneten unnd verdorreten Gliedern/ löschet unnd miltert die grosse unnatürliche Hitz dess gantzen Leibs/ die verharten Glieder werden darvon milt unnd strecken sich/ die Härigkeit wirdt dardurch gemiltert/ unnd was verdorret ist/ wirdt darvon befeuchtiget. Auff den Magen gestriechen/ miltert es die Hitz/ erweicht den erharten Bauch. An die Schläff und Stirnen gestriechen/ auch in die Nasslöcher gethan/ stillt die schwere Schüss und hefftig wütend Hauptwehe/ ein wenig Rosenöl darunder gethan/ leget auch also dz hefftig Hauptwehe/ in Dreytägigen unnd andern hitzigen scharpffen Febern.)
    Jn grossen Hauptwehen/ so von Hitz oder von Collerischen Dämpffen kompt/ wie auch in PHRENITIDE/ soll man nemen Veielöl/ Seeblumenöl/ jedes iii.loth Chamillenöl i.loth/ Wachs so viel zu einem Sälblein genug ist/ dieses auff ein Tüchlein geschmieret auffs Haupt geleget/ oder auch an die Schläff geschmieret/ lindert die Hitz. Wenn aber der Krancke nit schlaffen kan/ soll man nehmen Rosenwasser vier loth/ Lattich unnd Magsamenwasser jedes anderhalb loth/ Veielöl und Rosenöl jedes ein loth/ Rosenessig fast ein halb loth/ darinn man ein Eyesweiss zerklopffen soll/ darnach Tüchlein darinn netzen/ unnd offt uber die Stirn oder Schläff schlagen. Jn der Seitenkränck der Kinder nimpt man süss Mandelöl/ Veielöl jedes ein loth/ Wachs so viel zu einem Sälblein vonnöthen: schmiere damit den bresthafften Ort und legt ein Schweinen Blässlein darüber.
    Jn den schwindenden und brennenden Febern soll man das Veielöl also brauchen: Man nehme geschelte Gerste zwey loth/ Violblumen ii.Quintlein/ solches koch man in Brunnenwasser/ biss auff ein Rösel oder Pfund/ dazu thu man Veielöl acht loth/ darinn duncke man drey oder vierfache Leinen Tüchlein/ und lege es den Krancken offtmals uber die Brust.
    (Man gibt auch von diesem Oel den Schwindtsüchtigen/ und denen so von Lungen Geschwär hefftig abnehmen/ in der Speiss mit ein wenig Frawenmilch wol vermischt. Es benimpt auch kräfftiglich den dürren truckenen Husten/ miltert die Reuhe und Verdorrung der Zungen und Kählrohrs/ leichtert den schweren Athem/ und Keichen von Hitz/ und Verdorrung der Brust.)
    Man macht auch ein Bad von Bappeln/ Eybisch/ Beerenklaw/ Chamillen unnd Veielkraut/ schüttet darzu ein Pfundt Veielöl/ welches bequem ist den jenigen so mit dem FEBRE HECTIA SEYN ANGEGRIFFEN.
    Jn dem Nierenwehe/ NEPHTITIS genannt/ wie auch in Entzündung der Blasen und der Mutter/ wirdt diss Oel gar nützlich gebraucht/ ein Sälblein darauss gemacht und angeschmieret.
    (Den Nabel mit Violöl gerieben/ so warm man das leyden mag/ soll nützlich seyn zu dem hitzigen Harnen.
    Jn den Halss der Blasen gespritzt/ löschet den hefftigen Brandt und Schmertzen dess Harns.
    Ein Sälblein darvon bereytet mit weisem Wachs/ heylet die Schrunden der Lefftzen/ Händ/ füssen/ Affter/ Geburtglieder/ unnd der Wartzen an Frawenbrüsten/ so von scharpffer Feuchte und grosser Hitz/ verdorren unnd auffspringen. Auff ein Brandt gelegt oder hitzige Geschwulst/ kühlet unnd miltert den Schmertzen/ gibt ein treffentliche Brandtsälblein.)
    jn den hitzigen Febern halte ich darfür man könne viel besser das OLEUM VIOLARUM in den CLYSTIREN gebrauchen/ dann das Rosenöl/ welchs allezeit etwas ASTRINGIERT, dz ander aber mehr kühlet und LAXIERT.

Veielessig
ACETUM VIOLACEUM

    Es kan auch ein nützlicher guter Essig von den Veielblumen gemacht werden: Also man nehme der wolriechenden Veieln/ die ein wenig aussgedorret seyn/ so viel man derselbigen haben kan: Thu sie in ein Glass/ schütte darüber guten firnen Wein oder Weinessig/ lass fast vier Wochen an der Sonnen stehen/ darnach seihe man den Wein von den Blumen ab/ und behalte den zum Gebrauch: Etliche so jhn besser haben wöllen/ thun die Blumen widerumb herauss/ wann sie ein zeitlang im Wein gelegen/ und werffen widerumb andere frische hinein/ und solches thun sie etlich mal biss es starck gnug ist: Solcher Essig gibt ein gute Hertzstärckung/ ist auch gut wider das Zittern und Klopffen dess Hertzens/ so von Hitz kompt/ als dass man nehme Violen/ Sawrampffer/ Borragen und Rosenwasser jedes iiii.loth/ SPEC.DIAMARG.FRIG. ein halb Quintlein/ SPEC DIAGEMMAE, geschaben Helffenbein jedes ein Scrupel/ gantzen Saffran zwey Gerstenkörner schwer/ Violessig und Rosenessig jedes ein halb Loth/ solche stück zusammen vermischet/ leinen Tüchlein darein genetzt/ und offtermals gleich wie ein EPITHEMA uber das Hertz geleget.

Von den wildten Veieln oder HundtsVeieln Gebrauch

    Ob wol die wildte Veieln oder HundtsVeieln keinen sonderlichen Nutzen in der Artzney haben/ dann man weder Conserven/ noch Syrupen/ Oel oder Essig darauss zu machen pfleget/ jedoch dieweil sie ein Art an sich haben zu erweichen und zu kühlen/ kan man beyd Kraut und Blumen wol und nützlich an statt der andern in Behungen/ Clystiren unnd Baden/ darvon droben underschiedliche Meldung geschehen ist/ gebrauchen.