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TANNE
Abies - Pinaceae


VON THANNENBAUM

    Dess Thannenbaums werden zwey Geschlecht erfunden: Eines so weisser Thannenbaum genennet wird/ das ander aber rother Thannenbaum: Seyn einander gantz und gar gleich/ aussgenommen/ dass der rothe Thannenbaum vielgrüner/ breyter/ weycher unnd glätter Laub hat/ welches nicht so sticht/ auch auff dem Rück nicht so weiss ist. Dieser Baum hat ein zähe schwartzlechte Rinde/ welche sich wie ein Rieme beigen lässt/ es ist auch das Holtz hieran viel schöner/ hat nicht so viel Knoden.
    Seine Aest neigen sich gemeiniglich nach der Erden: An seinen Aesten trägt er Zapffen einer Spannen lang/ mit vielen Schuppen besetzet/ als eine uber die ander gelegt/ in welcher mitten ein klein dürrer Samen steckt.
    Diesem ist das weisse Geschlecht gantz unnd gar gleich mit Laub/ Rinden/ Zapffen unnd Samen/ aussgenommen/ dass die Blätter auff einer Seiten Aschenfarb seyn/ und so man die Rinde beuget/ bricht sie bald.
    Diese Bäum grunen stätigs/ im May fallen die Blätter ab/ und kommen neuwe herfür.
    Auss den Bäumen schwitzet auch ein Hartz und ein Pech/ zu vielen Sachen nützlich.
    Die Oden unnd Schwartzwälder/ wie auch die Rhetier/ verwunden die Bäum hin und wider/ und nach zween Monaten/ wann das Hartz häufficht herauss getrungen/ scharren sie es ab/ schlagens zusammen zu halten: Solche thun sie in Säck/ werffen die in grosse Kässel/ unnd schmeltzen uber dem Fewr/ pressen die Säck auss/ unnd fassen das lautere Hartz auff in gewisse Geschirr.
    Wiewol es auch an Fiecht unnd rothen Thannen für sich selbst durchtringet/ und an der Blumen grosse Beulen auffwirffet/ welche man Thannenblattern nennet/ so voll klaren lautern Hartz stecken/ so sich dem Therbenthin vergleichet/ und zu allerhand Wunden und Schäden darmit zu heylen/ von den Weydleuten gesamblet wird: sonderlich dass so auss dem weissen unnd schwartzen Thannen schwitzet/ so lieblich reucht/ und lauter ist fast wie Weyrauch/ unnd in gemein Weisshartz genennet. Dz ander aber/ so auss der Fiechtthannen/ Fören unnd Tällen fleusst/ weil es gemeiniglich under einander vermischt wirdt/ heisst man Spiegelhartz/ PIX LIQUIDA, und RESINA LIQUIDA: wann sie aber ein mal etlich geschmeltzet worden/ weil sie etwas hart/ RESINA FRIXA, COCTA & USTA.
    Endtlich auss den grossen Thannzapffen dess edlen Fiechten wirdt ein Hartz genommen/ so die Alten STROBILINAM sollen genennet haben.

Von den Namen
    Die Thanne heist Lateinisch PICEA.
    Die weisse Thanne heist Lateinisch ABIES.

Von der Natur/ Krafft/ und Eygenschafft dess Thannenbaums
    Die Thannenbäum sind einer zusammenziehenden Natur/ und haben gleiche Krafft/ wie auch die Fichtenbäum/ werden aber nicht gebraucht.
    (Aber dess Hartz ist zu erwärmen/ zertheilen und reinigen: und soll erwehlt werden/ die wol räucht/ durchsichtig/ ist nicht zu dürr noch zu feucht.
    Das Thannenhartz aber wircket hefftiger/ daher es von dem mehreren theil für warm unnd trucken im dritten Gradt geschätzet wirdt.)

Von dem Gebrauch dess Hartzes

    Weiss Thannenhartz auff ein Loth oder fünff quintlein schwer mit Wein getruncken/ reiniget die Nieren/ unnd treibet den Stein/ (bewegt auch zum Stulgang.
    Welcher Mensch gross Wehe und Schmertzen in den Hüfften hat/ der neme Feldtcypressen/ und dieses Hartz jedes dritthalb quintlein ein/ so vergehet der Schmertz.
    Es wird auch diss Hartz zu den frischen Wunden gebraucht/ dann es heylet und hefftet dieselbige zusammen/ fürnemlich die Wunden dess Haupts/ da das Hirn nicht entblösset ist.)
    Es wirdt aber das Hartz so auss der weissen Thannen fleust für köstlicher gehalten/ dann das ander/ und wird auch an statt dess Terbenthins genützet/ (unnd dieses einer Nussen gross/ mit einer Muscatennuss und Zucker vermengt und eingenommen/ nimpt die Harnwinde/ und heylet alle jnnerliche Versehrung der jnneren Glieder.)
    Thannenhartz mit Honig gekocht/ ist gut für die Hauptflüss/ und Halsswehe/ ANGINA genennet.
    (Spiegelhartz auffgestrichen/ heylet die entzündte und verschwollene Mandel und Gurgel.)
    Wider die kröpffige Beulen/ sol man Thannenhartz mit Gerstenmeel und eines jungen Knaben Harn kochen/ und uberlegen/ so vertreibt es dieselbige.
    (Allerhandt Hartz/ reiniget alte und newe Wunden und Schäden/ erweichet harte Geschwer in allen Orten: heylet böse Räude am Menschen und Viehe.

Von Thannen Pech

    Thannenpech ist gut zu den löcherten Geschwären/ fürnemlich an den Schenckeln/ auff folgende weiss: mach das Pech warm in einem Töpfflein biss es wol zergehet/ lege darein leinene Tüchlein/ nimm sie widerumb herauss mit einem nassen Höltzlein/ und breyte sie auff ein Brett biss sie erkalten. Von diesen schneide Pflästerlein/ und nimm alle Tag eins/ wärme es ein wenig/ legs auff/ es reyniget und heylet.

Oel von Thannen

    Jn dem Gebürg bey VERONA wird von dem Thannen Oel gemacht/ welches man in Welschlandt viel zu den Wunden im Kopff pfleget zu brauchen: Etliche thun darzu noch so viel OELI ROSATI COMPLETI.)