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SCHACHTELHALM

Equisetum - Equisetaceae

 


 

VON DEM SCHAFFTENHEUW UND KANNTENKRAUT.

 

 

            Der Schafftenheuw und Kanntenkrauts haben wir sechs underschiedlicher Geschlecht.
            l. Das erste Geschlecht hat eine harte holtzechtige Wurtzel mit Gleychen underscheiden/ von farben schwartz und ohn Geschmack/ mit vielen Zaseln behenckt/ von derselbigen dringen im anfang deß Meyens herfür schwartze Dolden/ die wachsen ubersich in die Höhe fast Elen hoch in runde Stengel mit Gewwerben underscheiden ohn einige Bletter. Es wächset in stillen Wassergräben und Weyhern/ deßgleichen in den nassen/ finstern Sümpffen und Brüchen.
            ll. Das zweyte Geschlecht ist dem jetztgemeldten mit der Wurtzel gleich/ stosset baldt im Früling lange/ hole/ Schößling oder Dolden herfür/ die vergleichen sich den Spargen/ oder den Zapffen deß Nußbaums/ darauß werden hernachmals zähe Stengel/ von Farben rötelechtig oder braun/ mit Gleychen oder Gewerben in gleicher weite von einander underscheiden/ auß den Gewerben wachsen gerings herumb viel harter/ dünner/ unnd zarter Blätlein wie Säuwbürsten/ sternweiß je eine Reihe uber der andern den Stengel hinauff biß zum Ende/ es steiget stracks ubersich/ unnd stewret sich an die nechsten Gewächs/ unnd wächset auch an den obgemeldten Orten.
            lll. Das dritte Geschlecht hat ein schwartze Wurtzel/ die kreucht hin und her im Grundt wie die Queckenwurtzel/ stösset jährlich im Frühling schwartze/ nackende Kölblein oder Spargen/ die thun sich am wachsen auff als die Aeher am Wegrichkraut mit der Blüht/ gegen dem Meyen bringt es zähe/ streiffechtige und dünne Stengel einer Elen lang/ die seynd auch mit jhren kleinen Gleychlein underscheiden/ der ist mit vielen dünnen/ schmalen und harten/ rauhen/ langen Blätlein wie Bürsten umb die Gewerblein besetzet/ die seyndt viel zäher dann die Bletter deß jetztgemeldten nechsten Schafftheuws/ und darzu mit kleinen Gewerblein underscheiden. Es wächset in sandtechtigen magern Wiesen/ auch auff sandtechtigen/ feuchten Aeckern und der Wiesen/ dardurch alle Frücht in den Gärten/ auff den Aeckern/ unnd das Graß auff den Wiesen verhindert werden/ welches auch den Medern in jhrer Arbeit nicht ein kleine Verhinderung ist.
            lV. Das vierdte Geschlecht hat ein lange/ schwartze/ unnd untüchtige Wurtzel/ die ist mit Gleychen underscheiden/ Es stosset gleich im Frühling kleine/ dünne/ gleychechtige Zapffen oder Spargen/ die wachsen und theilen sich auß in viel Nebenbletter/ unnd einen hohen gleychechtigen Stengel/ auß welchen Gleychen die rauhen/ harten Bletter wachsen/ die auch gleich wie der Stengel mit Gleychen und Gewerblein underscheiden seynd/ die wachsen also den Stengel hinauff je lenger je kürtzer und eingezogener/ also daß sie sich einem Rosszschwantz vergleichen/ oben an dem Gipffel aber behelt dieses Gewächs seinen Spargen oder Dolden im wachsen/ biß es zu seiner Vollkommenheit kommet/ der bleibet also am obern theil gekrümpt hangen. Es wächst in den still stehenden Gräben und Weyhern/ da das erst Geschlecht zu wachsen pfleget.

 

V. Klein Ackerschafftheuw.
HIPPURIS ARVENSI MINOR V.

 

            V. Das fünfte Geschlecht ist ein schönes/ drauschelechtiges Kreutlein/ wirdt selten uber Spannen hoch/ ist mit vielen kleinen Blätlein dick uber einander besetzt/ die hangen undersich und geben von oben an ein schöne runde Gestalt/ anzusehen wie ein schönes/ kleines Kieferbäumlein/ es wächst viel in den sandechtigen Aeckern bey Rheinzabern.
            Das sechste Geschlecht das hat gar zarte/ kleine/ dünne Blätlein/ viel zarter unnd haarechtiger als keines under allen andern Geschlechtern/ die Bletter stehen sehr dick uber einander wie an dem nechstgemeldten kleinen Geschlecht/ gar zinnelechtig unnd viel dünner/ als die Bletter deß Kieferbaums/ gär schön drauschelechtig/ anzusehen wie ein junges Pinbäumlein/ unnd seyndt alle Gewerblein an dem Stengel/ welcher Elen hoch unnd höher ist/ mit gemeldten dünnen Blätlein besetzet/ daß ein jeder Stengel/ so er außgeropfft wirdt/ sich einem Rosszschwantz vergleichet. Dieses Gewächs wirdt selten unnd auch nicht allenthalben gefunden/ wächset gerne in dunckeln feuchten Wäldten unnd Tälern/ sonderlich aber im Ostwaldt/ unnd Waßgauw/ da die Fischweyher in den Wälden jhre Ablaß haben/ deßgleichen in brüchechtigen/ unnd schatechtigen Wiesen/ da nicht viel Sonnenschein hinkommet.

 

Von den Namen der Schafftenheuw.
            Das Schafftenheuw wirdt Lateinisch genennet/ HIPPURIS, CAUCUM, von PLINIO, EPHEDRA, unnd EPHEDRUM, ANABASIS, TRIMACHIUM, SCHOENIOSTROPHUM, GIS, EPHYDRUM, EQUESELIS, HERBA EQUINALIS, SALIX EQUINALIS, SATURNI NUTRIMENTUM, unnd von CASSIANO BASSO, SALPINGIUM. Von den Kreutlern wirdt es genannt/ CAUDA EQUINA, CAUDA CABALLINA, EQUI CAUDA, COLUS COLUMBINA, ASPERELLA, EQUISERA und EQUISETUM, ARCONTILLA, CANACELLA, CUNICELLA, HERBA CABALLINA, und von ARNOLDO NOUANO, HIPPOSETA. Hochteutsch/ Schafftenheuw/ Pferdtschwantz/ Kanntenkraut/ Rosszwadel/ Katzenwadel/ Taubenrocken/ Rosszschwantz/ Katzenzagel und Katzenhelm.
            l. Das erste Geschlecht heisset Lateinisch/ HIPPURIS SINE FOLIIS, HIPPURIS NUDA und EQUISETUM NUDUM. Teutsch/ Schafftenheuw ohne Bletter.
            ll. Das zweyte Geschlecht ist das erste Geschlecht DIOSCORIDIS dem alle obgemeldte Namen aller Sprachen wie die erzehlet seyndt/ eygentlich gebühren.
            lll. Das dritte Geschlecht ist das zweyte Geschlecht DIOSCORIDIS. Lateinisch/ HIPPURIS ALTERA, EQUISETUM ALTERUM, GYNUS, EQUITUM und EQUISETUM MINUS. Von den Kreutlern wirdt es EQUISETUM ARVENSE MAIUS, HIPPURIS ARVENSIS oder SEGETALIS MAIOR genannt/ und CORSANDA. Hochteutsch/ grosser Ackerschafftenheuw.
            lV. Das vierdte Geschlecht wirdt von den Kreutlern EQUISETUM PALUSTRE MAIUS genannt/ und Teutsch/ groß Wasserpferdtschwantz oder Schafftenheuw.
            V. Das fünfte Geschlecht wirdt von den Kreutlern EQUISETUM MINUS ARVENSE genannt/ und Hochteutsch/ klein Ackerschafftheuw/ sintemal es das kleineste Geschlecht under allen Schafftenhewkreutern ist.
            Vl. Das sechste Geschlecht wirdt von den Kreutlern genannt/ EQUISETUM SYLVATICUM, HIPPURIS SYLVATICA, und CAUDA OQUINA SYLVATICA, und Teutsch/ Waldtschafftenhew und Waldtrosszschwantz/ dann solches einem gezierten schönen Rosszschwantz ähnlich sihet.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der Schafftenheuw.
            Alle Geschlechter deß Schafftenheuws haben eine zusammenziehende und trucknende Eigenschafft und Natur mit einer Bitterkeit/ ohn einige schärpffe/ derowegen es auch kräfftig und gut ist/ alle frische Wunden zu heylen.

 

Jnnerlicher Gebrauch deß Schafftenheuws.
            Schafftenheuw frisch gestossen/ den Safft darvon außgeprest/ unnd vier oder fünff Loth mit rohtem rauhem Wein vermischt unnd getruncken/ kompt denen zu hülff die Blut außwerffen.
            Oder nimb vier Handvoll frischen oder dürren Schafftenheuw/ und zwo Handtvoll Wegerichkraut/ schneide die klein/ thue sie in ein Kannten/ schütte darüber ein Elsasser Maß Regenwasser/ verlutier die Kannt wol/ und stelle sie in ein Kessel mit siedendem Wasser/ lasse vier Stunden darinn sieden/ darnach seyhe das Wasser ab durch ein Tuch/ zertreibe darinn acht loth guten alten Rosenzucker/ darnach seyhe es wider durch ein sauber Tuch/ und gib dem Krancken allen Morgen und Abendt vier Untzen zu trincken.
            Schafftenheuwwurtzel gedörrt unnd zu Pulver gestossen und eines Quintleins schwer mit sauwrem Granatöpffelsafft vermischt und getruncken/ ist auch ein kräfftige Artzeney wider das Blut außwerffen.
            Schafftenheuw in Wasser den dritten Theil eyngesotten/ unnd allen Morgen unnd Abendt/ jedes mal vier Untzen warm getruncken/ heylet alle Versehrungen der Brust unnd Lungen. Das thut auch der außgepreßt Safft/ jedes mal vier loth obgemeldter Massen genützet. Jst aber die Versehrung von Kält unnd auch kein Hitz oder Feber vorhanden ist/ so seud das Kraut in gutem weissen Wein/ darnach seihe die Brüh darvon ab/ unnd thue darzu acht Untzen guten Honig/ laß widerumb sieden unnd verscheumpts wol/ seyhe es widerumb unmd gibt dem Krancken Morgens und Abendts jedes mal vier Untzen darvon warm zu trincken. Solches thut auch der außgepreßt safft vier loth/ jedes mal obgemelter massen genützt.
            Schafftenheuw zu einem subtielen Pulver gestossen/ unnd darvon Morgens unnd Abendts/ jedes mal eines quintleins schwer mit drey Untzen Wegerichwasser getruncken/ unnd solches eine zeitlang beharret/ ist eine sehr gute Artzeney wider die Schwindtsucht und Lungengeschwer. Es ist auch nutz daß man dieses Pulver in den Speisen nütze.
            Deß außgedruckten saffts deß Schafftenheuw vier oder fünff loth vor sich selbst oder mit Wein vermischt/ getruncken/ ist gut wider das Keichen unnd das schwerlich äthmen/ Das Kraut in Wein gesotten unnd getruncken/ hat gleiche Krafft und Wirckung.
            Schafftenheuw zu einem subtielen Pulver gestossen/ unnd ein halb loth mit wilder Distelnsafft vermischt und getruncken/ ist denen ein heylsame und gute Artzeney die Blut von sich brechen oder kotzen.
            Schafftenheuw in Pulversweiß oder sonst zu Träncken gesotten/ genützet unnd getruncken/ stillet unnd vertreibet den schmertzen deß Magens so von einem Geschwär verursachet worden ist.
            Schafftenheuwsafft vier oder fünff loth mit weissem Wein getruncken/ vertreibet die rot Ruhr. Solches thuts auch so man den safft durch ein Clistierzeug zu sich thut/ unnd heylet die Versehrung deß Maßdarms. Das Kraut in Wein oder Wasser gesotten und die durchgesiegene Brühe darvon Morgens und abends/ jedesmal auff die vier Untzen getruncken/ hat gleiche Wirckung wider die Ruhr und alle andere Bauchflüß.
            Schafftenheuw mit Wein getruncken/ und das grüne Kraut gestossen unndt wie ein Pflaster ubergelegt/ treibet den Harn unnd vertreibet die Wassersucht.
            Schafftenheuwbletter mit Wasser getruncken/ hefftet zu unnd heylet die verwundte Därm und Blasen/ und die Brüch dadurch die Därm außfallen/ wie DIOSCORIDES solchs bezeugt.
            Schafftenheuw zu einem subtilen Pulver gestossen/ und i.loth mit warmem Wasser getruncken/ heylet die Därmbrüch und sonst allerhandt jnnerliche Brüch.
            Gemeldte Pulver mit gestählter Milch und roter Rosensyrup getruncken heylet die jnnerliche Geschwer der Nieren/ Blasen unnd der Mannsruthen. Das Kraut gleicherweiß in gestählter Milch gesotten/ und mit Rosenzucker süß gemacht/ folgends getruncken/ hat gleiche Krafft die gemeldte Geschwer zu reinigen/ man muß aber die gemeldte Milch auch mit einer Spritzen warm hinein zu der Blasen thun.
            Oder nimb iiii.loth geleutert Schafftenheuwsafft/ deß gerechten Armenischen BOLUS ii.drittheil eines quintleins/ gepülverten Traganth ein drittheil eines quintleins/ vermischts wol durcheinander und thu es mit einer Schritzen hinein.
            Oder nimb deß außgedruckneten saffts von Schafftenheuw/ zertreib den mit Milch und gibs dem Krancken Morgens und Abendts zu trincken.
            So einer Eyter harnet dem helff also: Nimb Schafftenheuw/ Gundelreb/ jedes zwo Handtvoll/ Eycheln groblechtig gepülvert vier loth/ der Häublein von der Eycheln ein loth/ gebrannter Eyerschalen ein loth. Zerschneide alle Stück klein/ thu sie in ein sauber Geschirr/ schütte darüber ein Maß guten Wein/ unnd ein halb maß Wasser/ laß sittiglich mit einander sieden biß das drittheil eyngesotten ist/ laß erkalten unnd seyhe es durch ein sauber Tuch/ davon trinck allen Morgen/ deßgleichen nach Mittag umb zwo Uhren/ unnd deß Abendts wann du zu Beth wilt gehen/ jedes mal vier Untzen warm/ thue das täglich biß du geniesest/ hastu aber deß Trancks nicht genug/ so seude dir noch einen.
            Schafftenheuw zu einem subtielen Pulver gestossen/ unnd eines quintleins schwer mit rotem Wein getruncken/ stillet den unmässigen Blutfluß der Weiber. Oder seude drey Handvoll deß Krauts in einer Maß roten Weins den dritten Theil eyn/ unnd trinck Morgens unnd Abendts/ jedes mal vier Untzen darvon. Gemeldte Artzeney dienet auch wider den weissen Mutterfluß/ die weiß Zeit/ oder das weißgesicht genannt.
            Obgemeldte Artzeney gleichfalls in Pulvers oder Trancksweiß genützet/ dient unnd ist gut wider den Blutfluß der Blasen.
            Schafftenheuw zu Pulver gestossen/ unnd eines quintleins schwer mit einem Trüncklein rauhem Wein unnd zwey loth deß sauwren Essigsyrups/ OXYMELLIS SIMPLICIS, vermischt und getruncken/ kompt den Miltzsüchtigen gewaltig unnd kräftig zu Hülff.
            Deß geleuterten saffts von Schafftenheuw vier oder v.loth mit Wein getruncken/ vertreibet das tröpfflingen harnen/ und bringet den verstandenen Harn wider: dienet auch wider die Harnruhr.
            Schafftenheuw zu Pulver gestossen unnd mit Müßlein/ Brühlein und andern Speisen täglich gessen/ und auch allen Morgen und Abend/ jedes mal ein quintlein mit weissem Wein zertrieben getruncken/ auch sonst stätig das Kraut in Wein gelegt und zur Speiß und sonst nach Durst darvon getruncken/ heylet die Fisteln in kurtzer Zeit.
            Gemeldtes Krauts Pulver vier oder fünff loth mit einer ächtmaß Weins oder so viel man dazu bedarff zertrieben hilfft den Pferden die nicht stallen können/ so man jhnen solchs eynschüttet.

 

Eusserlicher Gebrauch deß Schafftenheuw.
            Schafftenheuwwurtzel zu Pulver gestossen unnd dasselbige in die Nasen gethan/ stillet das Nasenbluten kräfftiglich. Oder stosse das frisch Kraut unnd stecks in die Naßlöcher/ oder nimb eine Baumwoll oder ein lindes Tüchlein/ netze es in dem Safft deß Schafftenheuws und stecke es wie ein Meissel/ in die Naßlöcher/ oder stosse das frisch Kraut unnd lege es wie ein Pflaster uber die Stirn.
            Wider den verwundten Halß und wider die Geschwär desselbigen/ von der Frantzosen Kranckheit entsprungen: Nimb Schafftenheuw anderhalb Handtvoll/ breyten Wegerich ein Handtvoll/ Specklilgenbletter eine halbe Handtvoll/ Weydenblumen oder die zarten Rinden der Weiden/ roter auffgedörrter Rosen/ Granatenblumen/ Wermuthgipffelein/ jedes so viel man mit dreyen Fingern fassen kan/ gantze ungerollte Gersten ii.loth/ Sumachkörner/ Cypressennüß/ jedes i.loth. alle gemeldte stück/ sonderlich aber die Kreuter schneide klein/ und die andern stosse groblechtig/ vermische sie durcheinander/ thue sie in ein Pfannen/ schütte darüber xxxiv. Untzen frisch Brunnenwasser unnd acht Untzen starcken Essig/ lasse die sittiglich mit einander sieden/ biß der drittheil verzehret ist/ dann seyhe es durch ein Tuch/ und zertreibe darinn vier loth Rosenhonig unnd vier Loth sauwer Granatensafft/ unnd zwey Loth Maulbeerensafft/ und gurgel dich deß Tages offtermal warm darmit.
            Schafftenheuw also grün und frisch gestossen/ den safft darvon außgeprest und in die Ohren getraufft/ stillet das Blut so daraus lauffet.
            Schafftenheuw frisch unnd grün gestossen/ unnd wie ein Pflaster außwendig uber die Leber geleget/ leschet den Brunst unnd Entzündung derselben: gleichfalls miltert den Schmertzen der Leber so von einem Geschwär herkommet/ unnd thut aber solches dester mehr unnd wircket besser/ so man das Kraut gepülvert mit Wasser darneben trincket/ oder das Kraut in Wasser seudet/ und Morgens und Abendts/ jedesmal ein guten Trunck davon thut.
            Schafftenheuw ein gut Theil in Wasser gesotten unnd ein Lendenbadt darvon gemacht/ ist gut wieder den Außgang deß Affterns darinn gebadet/ dann es behaltet denselben dünn.
            Der Safft von Schafftenheuw durch ein bequem Jnstrument in die Mutter gethan/ ist gut wider die Geschwär unnd Verwundung derselben/ dann es heylet kräfftiglich.
            Schafftenheuw mit Essig gestossen unnd wie ein Pflaster uber die blutenden Wunden geleget/ stillet das Blut bald.
            Schafftenheuwkraut vor sich selbst allein grün unnd frisch gestossen und wie ein Pflaster uber die frischen Wunden geleget/ hefftet und heylet dieselben.
            Gemeldt Kraut gestossen und gleichfalls ubergeleget/ leschet und heylet die hitzige Bläterlein/ sie seyen am Leibe wo sie wöllen. Es ist auch gut wider das stossen unnd Zerknitschung der Glieder obgemelter Massen wie ein Pflaster ubergeleget. Oder das Kraut in Wein gesotten und das zerstossene Glied wol unnd warm darmit gebähet/ unnd folgendts das gesotten Kraut wie ein Pflaster warm darumb gebunden.
            Das großAckerschafftenheuw klein unnd doch frisch mit aller seiner Substantz gestossen/ unnd wie ein Pflaster uber die Carbunckeln oder Zinnblatern gelegt/ leschet den Brandt derselben und heylet sie.

 

Schafftenheuw gedistilliert Wasser.
AQUA EQUISETI STILLATITIA.

 

            Auß dem Schafftenheuw distilliert man auch ein nützliches Wasser/ das mag man distillieren IN BALNEO MARIAE, oder aber welches besser ist durch das Wasser IN VESICA, wie wir oben von dem Endivien Wasser bericht gethan haben/ unnd ist aber die beste Zeit solches zu distillieren im Ende deß Meyens/ oder aber im Brachmonat/ wiewol man es auch durch das gantze Jahe zu jederzeit distilliren mag.

 

Jnnerlicher Gebrauch deß Schafftenheuwwassers.
            Schafftenheuwwasser ist gut denen so Blut speyen/ Es heylet die versehrten Därm/ eröffnet die Verstopffung der Nieren/ treibet und fürdert den Harn/ vertreibet die Harnwinde/ treibet auß Grieß und den Lendenstein/ leget den schmertzen der Nieren/ heylet die Verwundung und Geschwär derselben unnd auch die Blasen/ ist gut wider die Harnruhr/ es stillet den unmässigen Blutfluß der Weiber/ heylet die versehrte Leber/ und ist fast dienlich und nütz in der Blutruhr/ wie auch in anderen Durchläuffen oder Bauchflüssen/ allen morgen und abend jedesmal vier oder fünff loth getruncken/ unnd seinen Tranck damit gemischet.
            So ein Mensch Eyter harnet/ so nimb Schafftenheuwwasser ein Maß/ breyt Wegerichwasser/ Gundelrebwasser/ jedes sechzehen Untzen/ grob gepülvert Eycheln acht Untzen/ der Häublein von den Eycheln grob gepülvert vier Untzen/ gebrannter Eyerschalen vier Untzen. Vermische alle gemeldte Stück durcheinander/ thue sie in ein gläsine Cucurbit/ setze darauff ein ALEMBICUM COECUM, setze sie in ein warmen Rosszmist oder BALNEO MARIAE, Lasse sie Tag und Nacht erbeytzen/ darnach thue den blinden Helm herab/ setze ein Helm mit einem Schnabel darauff/ und lasse es sittiglich IN BALNEO MARIAE, distilliren mit sanfftem Fewer/ und behalte das Wasser zum Gebrauch. Von diesem Wasser gib allen morgen und abend jedes mal vier Untzen zu trincken/ so lang das Wasser wehret/ es hilfft wol und ist ein sonder Experiment.

 

Eusserlicher Gebrauch deßSchafftenheuwwassers.
            Schafftenheuwwasser heylet die versehrung und Löcher der Mannsruthen/ und der Heymlichkeiten der Weiber/ dieselbigen offtermals darmit gewäschen/ unnd leinine Tüchlein darinn genetzt.
            Wider die Hodengeschwulst und die Geschwulst der Mannsruthen/ netz ein leinen Tuch in diesem Wasser/ und legs warm uber die Klöß/ oder binds umb die Ruthen und thue das offt/ es leget die Geschwulst gewiß.
            Schafftenheuwwasser heylet alle Versehrung unnd Löcher deß Mundts/ deß Zahnfleisches unnd deß Halß/ den Mundt und die geschädigten Ort offtermals darmit gewäschen/ unnd den Halß damit warm gegurgelt.