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SAUDISTEL, GÄNSEDISTEL
   Sonchus


VON DEM HASENKÖL, SAUWDISTEL UND ALLEN SONCHENKREUTERN.

 

    Es beschreiben DIOSCORIDES und die andern alten Lehrer der Sonchenkräuter/ nur drey Geschlecht/ aber wir haben heutiges Tages eilff bekandte Geschlecht/ darunter auch die 3. Sonchenkräuter der Alten begriffen sind/ von welchen dann die übrigen acht Geschlecht nicht können abgesöndert werden.
    I. Das erste Geschlecht hat eine weisse/ zarte und zaselechtige Wurtzel/ die hat einen süßlechtigen Geschmack/ derowegen sie auch zu den Saläten wie die andern Sonchenkräuter und Wurtzeln gebrauchet wird. Die Blätter sind ausgeschnitten und zerspalten/ wie die Blätter des Pfaffenröhrleinkrauts oder der Wegwart/ die sind allenthalben voll kleiner spitziger Dornen oder Stacheln. Der Stengel ist feißt/ eckechtig/ innwendig hol/ auswendig braunlechtig und Ellen hoch/ voll weisses Safft wie Milch. Oben am Gipffel bringet derselbige und seine Nebenzweiglein/ bleichgeele/ gestirnte und gefüllte Blumen/ die werden zu grauen wollechtigen Häubtlein/ und fliehen darvon wie die Kreutzwurtz und Pfaffenblatblumen. Es wächset allenthalben in den Krautgärten/ Weingärten/ und bey den Mauren.
    II. Das zweyte Geschlecht/ hat eine weisse dicke Wurtzeln mit Zaseln behenckt/ ist der vorigen am Geschmack gleich/ die Blätter sind schmäler/ länger/ und nicht so tieff zerspalten/ der Stengel ist dick/ safftig und voller Milch/ die Blumen sind geel/ gefüllt/ und noch so groß als die vorigen/ den Blumen des Röhrleinkrauts ähnlich/ die werden auch wie dieselben zu wollechtigen Köpflein/ und fliehen gleichfals also darvon. Es wächst gern in gebaueten Feldern und Frucht-Aeckern.
    III. Das dritte Geschlecht/ hat eine zasechtige weisse Wurtzel/ wie das erste Geschlecht. Die Blätter sind untenher zu der Wurtzel und dem Stengel zu schmal und zerkerfft/ oder zerschnitten wie die Wegwartenblätter/ obenher aber zum Ende zu sind sie breit/ wie die Blätter der zahmen Endivien/ und geringsherum zerkerfft/ sehr glatt/ zart und weich/ der Stengel ist dem vorigen gleich/ der theilet sich in etliche Nebenzweiglein aus/ darauf wachsen geele/ gefüllte und gestirnte Blumen/ die sind den Blumen des ersten Geschlechts ähnlich/ die fliehen auch hernach wie dieselben darvon.. Es wächst an den Orten da das erste Geschlecht wächset/ und in den Krautgärten und Weingärten.
    IV. Das vierdte Geschlecht/ ist mit der Wurtzel den vorigen Geschlechten gleich/ die Blätter sind glatt/ lind und zart/ gleich wie die Wegwarten zerschnitten und zerspalten/ die Stengel Ellen hoch/ inwendig hol/ voller Milch/ die Blumen gefüllt/ von Farben geel/ werden bald zu wollechtigen Häubtlein/ und fliehen wie die Kreutzwurtz darvon.
    V. Das fünffte Geschlecht/ ist dem jetztgemeldten mit der Wurtzeln/ Kraut/ Stengel und Blumen allerdings durchauß gleich/ ausgenommen/ daß die Blumen schneeweiß/ wie sie an den andern geel sind. Dieses Geschlecht ist seltzam/ und wird sehr selten gefunden. Es wächset in ungebaueten Feldern und Weingärten. Dieses haben wir erstmals in Hochburgund nicht weit von einem Weinberg gefunden/ und hernachmals im Elsaß bey der Stadt Obernehen/ und dieweil es nicht gemein/ haben wir den Saamen davon gesammlet und gesäet/ welcher lustig aufgangen/ und zu seiner völligen Zeitigung kommen.
    VI. Das sechste Geschlecht/ hat eine Wurtzel Fingers dick/ die ist weiß/ hat viel langer Nebenwürtzlein/ die Blätter sind groß/ breit/ und untenher tieff zerspalten biß zu der mittelsten Rippen/ an beyden Seiten geringsherum zerkerfft/ und vornen spitzig/ die hangen an einem langen Stiel/ der mit dem breiten Theil am Stengel hanget/ der Stengel ist länger dann Ellen hoch/ rauhe und mit Holkeelen/ die Stengel theilen sich oben in Nebenzweiglein aus/ darauf vielfaltige blaue Blumen wachsen/ die sind grösser als die Blumen des Hasenköhls/ die fliehen endlich mit wollechtigen Köpfflein hinweg/ wie die Röhrleinkrautblumen. Es wächset in den Bergen unter den Bäumen/ und schattechtigen Orten.
    VII. Das siebende Geschlecht/ hat fünff oder sechs lange weisse Wurtzeln/ die sich also von einem Haubt austheilen/ mit etlichen kleinen Nebenwürtzlein/ darvon wächst ein grosser langer Stengel/ eines Daumens dick/ und dreyer Ellen lang und auch länger/ also daß es eines geraden Manns Länge übertrifft/ der ist steiff/ und mit Holkeelen gestreiffelt/ daran wachsen lange/ grosse und breite Blätter/ die sind mit ihren Schnitten und Spalten den Blätter der Wegwarten gar ähnlich/ außgenommen/ daß sie grösser sind/ und obenher nicht zerkerfft/ obenher grün und am Untertheil äschenfarb. Am Obertheil der stengel etwas rauh/ und theilet sich in etliche Nebenästlein aus/ auf welchem schöne/ circkelrunde/ geele Blumen wachsen/ wie die Blumen des Habichkrauts/ die werden auch zu weissen wollechtigen Flocken vom Wind hinweg getrieben/ und hin und her zerstreuet wird. Dieses Geschlecht wächset in feuchten wasserechtigen Orten/ bey den Sümpffen und Weyern.
    VIII. Das achte Geschlecht/ hat eine dünne/ harte/ unnütze Wurtzel/ mit vielen Zaseln/ die Blätter sind unten groß und breit/ gegen der Wurtzel und dem Stiel zu schmal und ein wenig zerschnitten/ vornenher aber ein wenig mit breiten Kerffen doch nicht tieff zerschnitten/ den Rübenblättern gleich/ von Farben schwartz oder dunckelgrün/ der Stengel ist vest/ schwartzbraun/ zweyer Ellen hoch/ und auch bißweilen höher/ der theilet sich in viel Nebenzweiglein aus/ darauf viel kleiner/ geeler/ gestirnter/ einfacher Blümlein/ welche den gantzen Sommer über gesehen werden. Es wächset hin und wieder neben den Krautgärten/ in den Hecken neben den Strassen/ und andern dergleichen Orten/ da es einen feuchten schwartzen Grund haben mag.
    IX. Das neundte Geschlecht/ hat eine kleine/ zaselechtige/ untüchtige Wurtzel/ die Blätter sind breiter und länger/ dann die Blätter des jetztgemeldten/ mit breiten und ein wenig tieffern Blättern ausgeschnitten/ von Farben liechtgrün/ zart und lind/ die stehen den Stengel hinauf von der Wurtzel an biß oben hinauf/ da er sich in etliche Nebenzincklein austheilet/ je eines Gleichs hoch über dem andern: Der Stengel wird Ellen hoch/ und auch bißweilen höher/ oben auf den Zincklein gewinnet es schöne/ bleichgeele Blümlein/ die sind ein wenig grösser als die Blümlein des nächstgemeldten. Es wächset in finstern/ dunckeln und feuchten Wälden.
    X. Das zehende Geschlecht/ hat eine zaselechtige Wurtzel/ linde/ weiche/ dünne und bleichgrüne/ eckechtige Blätter/ der Stengel wird Ellen hoch/ die Blümlein sind Purpurbraun/ die fliehen hernach in wollechtigen Köpfflein hinweg/ das Kraut und die Blätter sind voller Milch/ wie alle obgemeldte wilde Geschlecht. Es wächset in dunckeln Wälden/ in wüsten und feuchten Steinklüfften/ wie wir dann solches hiebevor im 8. Cap. der 4. Sect. unter den Roßmareinkräutern weiter beschrieben haben/ da es der Leser suchen mag.
    XI. Das eilffte Geschlecht/ hat auch eine zasechtige/ untüchtige Wurtzel/ die Blätter sind groß/ breit und eckechtig ausgeschnitten/ schier anzusehen wie die breiten Gänßfüß/ untenher hat ein jedes Blatt nach dem Stengel zu zwey gleich gestalte kleine Blätter/ die sind gleich als zusammen gewachsen. Die Stengel/ deren gemeiniglich zween oder drey sind/ werden drey Spannen lang/ die sind schmal und dünn/ daran die Blätter Gleichsweit je eins über dem andern um den Stengel von der Wurtzel an biß oben hinauß wachsen/ die auch oben viel kleiner werden als die untersten/ und nur einfach. Am Obertheil theilet sich ein jeder Stengel in viel Nebenzincken aus/ darauf wachsen lange Schöttlein/ so sich dieselben aufthun/ werden kleine fünffblättige Röslein darauß/ die sind geel/ wie schöne Sternlein anzusehen. Alle gemeldte Geschlechter geben viel Milch von sich/ wann die Stengel oder Blätter entzwey gebrochen werden. Es wächset auch dieses in dunckeln und feuchten Wälden/ sonderlich aber in dem Ostwald.

Von den Namen der Sonchenkräuter.
    Das Sonchenkraut wird Lateinisch/ SONCHUS, SONCUS, LACTUCELLA, LACTERO, OLUS LEPORINUM, PALATIUM LEPORIS, OLUS ANSERINUM, CARDUUS ANSERINUS, LEPORIS PABULUM, CRISPINUM genannt/  von APULEJO, LACTUCA LEPORINA, von DIOSCORIDE und AETIO auch CICERBITA, und von MARCELLO EMPIRICO, CICHARBA. Hochteutsch/ Sonchenkraut und Moß.
    I. Das erste Geschlecht aber welches DIOSCORIDES beschreibet/ heisset Lateinisch/ SONCHUS ASPER, CICERBITA ASPERA, CICHORIUM PORCINUM, SONCHUS SYLVESTRIS, SONCHUS SPINOSUS, und SONCHUS NIGER.Hochteutsch/ Gänßdistel/ Säumelcke/ Säudistel oder Saudistel/ wilder Hasenköhl und Dudistel oder Moß.
    II. Das zweyte Geschlecht/ heisset Lateinisch/ SONCHUS ESCULENTUS, SONCHUS LAEVIS, CICERBITA LAEYIS, SONCHUS ALBUS, SONCHUS TENERIOR, HERBA CUNICULI, und von den Kräutlern/ SONCUS LAEVIS ANGUSTIFOLIUS. Hochteutsch/ Sonchenkraut/ und Hasenköhl mit schmalen Blättern.
    III. Das dritte Geschlecht/K heisset bey den Kräutlern SONCHUS ALBUS, oder SONCHUS LAEVIS LATIFOLIUS. Teutsch/ Hasenköhl/ oder breiter Hasenköhl/ und gehöret dieses Geschlecht mit den vorigen zum dem SONCHO EXCULENTO DIOSCORIDIS, samt den drey nachfolgenden.
    IV. Da das erste/ welches unserer Ordnung nach das vierdte ist/ SONCHUS LAEVIS ALTER FLORE LUTEO genannt wird/ zu Teutsch ohne einigen weitern Zusatz/ Hasenköhl.
    V. Das zweyte/ welches unser Ordnung das fünffte ist/ SONCHUS NIVEUS. Teutsch/ weisser Hasenköhl.
    VI. Das dritte SONCHUS CAERULEUS, Teutsch/ blauwer Hasenköhl/ welches dieser Ordnung nach das sechste ist.
    VII. Das siebende Geschlecht wird Lateinisch/ SONCHUS ARBORESCENS genannt/  und Teutsch/ Baumsonchenkraut.
    VIII. IX. X. XI. Das achte/ neundte/ zehende und eilffte Geschlecht/ werden von den Kräutlern SONCHI SYLVESTRES, und SYLVATICI genannt/ zu Teutsch/ wild und Waldsonchenkräuter. Das erste unter diesen wilden Geschlechten/ nennen die Schweitzer von wegen des weissen Milchsaffts/ Milchen. Etliche Gelehrte wollen ein LAMPANAM daraus machen/ aber sie fehlen. Was nun LAMSANA ist/ wird hernach in seinem Ort angezeiget werden.

Von der Natur/ Krafft/ Würckung und Eigenschafft der Sonchenkräuter.
    Der Sonchenkräuter/ Säudistel und Hasenköhl/ Natur und Eigenschafften sind vermischet/ aus einer wässerigen und irrdischen Substantz/ haben eine kühlende Krafft und Würckung/ mit einer subtilen Zusammenziehung und Astriction/ und was von dem einen Geschlecht geschrieben wird/ das soll auch von dem andern verstanden werden/ dann die sieben Geschlechte/ wie sie nach einander nach der Ordnung geschrieben sind/ die haben einerley Krafft und Würckung/ mag derowegen je eins vor das ander genommen und gebrauchet werden. Die vier wilden Geschlecht aber haben noch keinen Gebrauch in der Artzney/ doch mögen sie äusserlich zu kühlen wol genützt und übergelegt werden.

Eusserlicher Gebrauch der Sonchenkräuter und Hasenköhl.
    Die Sonchenkräuter/ und sonderlich aber die so man Hasenköhl nennet/ werden fast nützlich wann sie noch jung sind/ allein vor sich selbst samt ihren Wurtzeln/ oder aber mit andern Kräutern vermischet/ zu den Saläten gebrauchet.
    Wider das hitzig und brennend Haubtwehe: Nimm des ausgepreßten Saffts von Sonchenkraut/ von Säudisteln oder Hasenköhl/ 6. Loth/ Rosenessig/ Rosenöl/ jedes 3. Loth/ klopffe es wol durch einander/ netze doppelte leinene Tüchlein darinn/ und lege es über die Stirn und beyde Schläffe laulechtig/ es mildert den Schmertzen gewaltig und ziehet ein grosse Hitz heraus/ aber so offt die Tüchlein trucken werden/ muß man sie wieder frisch überlegen.
    Wider den schwürechtigen Haubtgrind/ die Schiepen und das Beissen des Haubts: Nimm gepulverte Säudistel oder Hasenköhl/ 3. Untzen/ Dillkrautstengel zu Aeschen gebrannt/ 2. Loth/ gepülvert Galläpfel/ 1. Loth/ Baumöl/ 12. Untzen/ solches soll man wol in einem Mörser durch einander temperieren/ und das Haubt darmit wider die Haar anstreichen und hinein reiben/ darnach das Haubt im Bad mit Wein wieder waschen und zwagen/ und das täglich thun/ biß man gute Besserung befindet.
    Die Augbrauen mit Säudistel oder Hasenköhlsafft des Tages etlichmal angestrichen oder geschmieret/ vertreibet die Haar daselbst.
    Säudistel oder Hasenköhl in die Ohren geträuffet/ mildert den Schmertzen derselbigen/ von Hitz verursachet/ und löschet die hitzige Entzündung.
    Wider die hitzige Brunst und Entzündung des Magens/ stoß Hasenköhl also frisch/ und lege es wie ein Pflaster über den Magen. Diese Artzney leget auch die hitzige Geschwulst des Zipperleins und der Gliedsucht/ gemeldter massen übergelegt.
    Hasenköhl gestossen/ und wie ein Mutterzäpfflein zu sich gethan/ löschet die hitzige Entzündung der Mutter/ und leget den Schmertzen.
Oder/ nimm Säudistel oder Hasenköhlsafft/ 2. Theil/ Balsamäpffelöl/ Bilsensaamenöl/ jedes 1. Theil/ vermische es wol durch einander/ netze darinn Baumöl oder Lammwollenzäpfflein/ und lasse die das Weib zu ihr in die Mutter thun.
    Gemeldte Kräuter in Wasser gesotten/ löschet die Hitz und Entzündung der heimlichen Oerter/ beyde an Manns- und Weibs-Personen/ so man sie damit wäschet/ Tücher darinn netzet und überleget. Zu gemeldten Gebrechen aber ist der Safft dieser Kräuter viel kräfftiger/ gleicher Gestalt gebrauchet.
    Das frische Kraut des Hasenköhls gestossen/ mildert und zertheilet alle Entzündung und hitzige Geschwulsten/ wie ein Pflaster übergeleget.
Gleicher Gestalt gebrauchet/ mildert es und löschet das Rothlauffen/ oder den außgedruckten Safft der gemeldten Kräuter mit leinen Tüchern darüber geleget/ und offtermals erfrischet.
    Säudistel oder Hasenköhlsafft/ löschet die Hitz und Entzündung des Affters/ so man dieselbigen Ort damit anstreichet/ und mit Tüchlein überleget.
    Hasenköhl mit der Wurztel gestossen/ heilet die Stich der Scorpionen/ wie ein Pflaster übergelegt.
APULEJUS bezeuget/ so man einem Febricitanten das Hasenköhlkraut unwissend unter seine Leylachen in das Bethe leget/ so sol es demselbigen das Fieber vertreiben.

Innerlicher Gebrauch der Säudistel und Hasenköhls.
    Der Hasenköhl ist von den Alten wie die Endivien und Wegwartenkräuter/ in der Speiß genützet worden/ welcher Gebrauch auch noch heutiges Tages bey vielen in Teutsch- und Welschland geblieben ist/ sonderlich aber wird dieses Kraut/ wann es noch jung ist/ zu den Müsern und Saläten gebrauchet/ es wird auch nützlich bey Fleisch/ Hünern und jungen Hanen gesotten/ und ist dienlich zu allen Kranckheiten der Leber/ von Verstopffung und hitziger Entrichtung entstanden.
    Gemeldt Kraut auf alle Manier in der Speiß genützet/ bringet den säugenden Weibern viel und überflüssige Milch. Das thut auch der ausgepreßte und geläuterte Safft/ täglich 2. oder 3. Untzen mit ein wenig Zucker vermischt/ getruncken.
    Hasenköhl gleicherweiß in der Kost gebrauchet/ oder den Safft obgemeldter massen getruncken/ ist gut wider die Entzündung des Magens/ und vertreibet das Nagen desselbigen/ so von der Galle verursachet wird.
    Hasenköhl in Speiß/ Tranck oder Artzeney/ auf alle Manier gebrauchet/ stärcket und eröffnet die Verstopffung der Leber wunderbarlich/ und dient wider alle Gebrechen der Leber/ von hitziger Entrichtung verursacht.
    Das junge Kraut des Hasenköhls/ mit Essig/ Baumöle/ und ein wenig Saltz wie ein Salat geessen/ stärcket die schwache und erhitzte Leber treffenlich wol.
    Säudistel oder Gänßdistel/ oder aber Hasenköhlsafft/ welches man jederzeit haben kann/ Morgens und Abends/ jedesmal 4. oder 5. Loth getruncken/ ist ein kräfftige und heilsame Artzeney wider die hitzige Geelsucht/ und eröffnet gewaltiglich die Verstopffung der Leber.
    Wider die Geelsucht/ die von der geelen Galle ihren Ursprung hat: Nimm Säudistelsafft/ Hasenköhlsafft/ jedes 6. Untzen/ Wegwartensafft/ Lattichsafft/ Nachtschattensafft/ Saurampffersafft/ Gauchkleesafft/ jedes 4. Untzen/ vermisch alle diese Säfft durch einander/ thue sie in ein Kesselein/ wirff darzu 6. Untzen guten fein Zucker/ laß ein Wall oder etlich mit einander aufsieden/ biß der Zucker vergangen ist/ darnach seihe es durch ein Tuch/ und gib dem Krancken alle Morgen und Abend von diesem Tranck 3. Untzen warm zu trincken/ es thut wunderbarliche Hülffe in der gemeldten Geelsucht.
    Der ausgepreßte Safft von Hasenköhl oder Säudistel/ ist auch eine treffenliche gute Artzeney wider die hitzige Wassersucht/ Morgens und Abends/ jedesmal auf die 4. Untzen getruncken.
    Oder/ mache nachfolgende Artzeney von dem Säudistel oder Hasenköhlsafft/ welche in dieser Art der Wassersucht erfahren ist: Nimm Säudistel oder Hasenköhlsafft/ 6. Untzen/ Peterleinkraut und Wurtzelsafft/ 4. Untzen/ Odermenigsafft/ Wegwartensafft/ jedes 3. Untzen/ Zucker/ 2. Untzen/ zerlaß den Zucker mit den gemeldten Säfften/ und laß ein Wall oder vier aufsieden/ darnach seihe es durch ein Tuch/ und gib dem Krancken alle Morgen und Abend/ jedesmal 3. Untzen darvon zu trincken.
    Säudistel oder Hasenköhlsafft täglich ein Zeitlang des Morgens und Abends/ jedesmal 3. Untzen getruncken/ ist eine gute und heilsame Artzeney den Lebersüchtigen/ und denen so Blut im Stulgang von sich lassen.
    Gemeldte Artzeney ist auch denen dienlich/ so den rothen Ausgang haben. Das Kraut mit der Wurtzel in Wein gesotten/ durchgesigen/ und darvon Morgens und Abends/ jedesmal 3. Untzen getruncken/ hat gleiche Würckung.
    Den Safft dieser Kräuter obgemeldter massen getruncken/ heilet die innerliche Versehrung der Därm/ und anderer Glieder des Eingeweids.
Hasenköhl in der Speiß genützet/ oder aber den außgepreßten Safft obgemeldter massen getruncken/ dienet wider die unmässige und überflüssige Unkeuschheit/ dann es dämmet und leget die Lüste bald.
    Hasenköhlsafft/ 5. Untzen mit Wein/ und anderthalb Untzen Baumöle vermischt/ und auf einmal getruncken/ ist eine heilsame Weiber-Artzney/ wann sie in harter Geburt ligen/ dann es machet nicht allein leichtlich gebären/ sondern treibet auch fort die todte Frucht.
    Fünff oder sechs Pfersingkernen geschelet/ darnach gestossen/ und mit Säudistel oder Hasenköhlsafft des Morgens nüchtern/ zwo Stunden vor dem Essen getruncken/ ist ein edel PRAESERVATIVUM wider die pestilentzische Vergifftung.
    Hasenköhl ist eine anmüthige Speiß und Nahrung vor die Hasen/ Küniglein und die Gänß/ und werden feist darvon.

Säudistel oder Hasenköhl gedistilliert Wasser.
SONCHI AQUA STILLATITIA.

    Die beste Zeit die Säudistel oder Hasenköhl zu distillieren/ ist im End des Mäyens/ wann diese Kräuter zeitig sind und Blumen haben/ soll man sie klein hacken mit der Wurtzeln und aller Substantz/ und sie distillieren in VESICA durch das Wasser/ wie wir oben von der Endivien gelehret haben/ und ist nicht viel daran gelegen/ ob du die Säudistel oder Hasenköhl nehmest/ oder sie beyde durch einander vermischest/ sintemal sie ein gleiche Natur und Würckung haben.

Innerlicher Gebrauch des Hasenköhls oder Säudistelwassers.
    Hasenköhl oder Gänßdistelwasser/ ist ein heilsam Wasser wider alle innerliche Verstopffung der Leber und des Eingeweids/ vertreibet die Geelsucht von Hitze verursacht/ stärcket die Leber/ dienet wider die hitzige brennende Fieber/ und alle Kranckheiten der Brust und des Magens/ so von hitziger Entrichtung ihren Ursprung haben/ allerdings wie das Endivienwasser/ wie dann je eins vor das ander nützlichen mag gebrauchet werden/ des Morgens und Abends/ oder auch in andere Weg darvon getruncken/ wie wir hiebevor von dem Endivienwasser Bericht gethan.

Eusserlicher Gebrauch des Hasenköhls oder Säudistelwassers.
    Säudistel oder Hasenköhlwasser/ dienet wider das Haubtwehethum und hitzige Entrichtung/ oder Entzündung der Leber/ in hitzigen Fiebern/ mit leinen Tüchern über das Haubt oder die Leber gelegt/ und offtermals erfrischet.
    Nachfolgend Haubtwasser ist zu dem hitzigen Haubtwehethum kräfftiger: Nimm Hasenköhlwasser/ 8. Untzen/ Rosen oder Hindbeeressig/ 2. Untzen/ gescheelte Pfersingkernen/ 1. Untz/ weissen Magsaamen/ 1. Loth. Stosse die Pfersingkernen und Magsaamen auf das allerkleineste in einem Mörser/ streiche es darnach mit dem obgemeldten Wasser und Essig durch ein Tuch/ und zertreib 10 Granen Campffer darinn/ netze darinn ein zweyfach leinen Tuch/ drucks ein wenig aus/ daß es nichts trieffe/ und lege es dem Krancken laulechtig über die Stirn und beyde Schläff/ und so offt es trucken wird/ so netze es wieder/ legs wider frisch auf/ das thue so offt und lang/ biß daß du gute Besserung empfindest. Dieses Wasser ziehet die Hitz gewaltig aus/ und leget den Schmertzen.
    Wider die hitzige Entrichtung und Entzündung der Leber/ in den hitzigen Fiebern/ mache folgenden Überschlag: Nimm Säudistel oder Hasenköhlwasser/ 6. Untzen/ Rosen oder Hindbeeressig/ 2. Untzen/ rothen/ weissen und gelben Sandel/ zu reinem Pulver gestossen/ jedes ein halb Quintlein/ Campfer/ 10. Grän. Vermische solche Stück durch einander/ netze einen zweyfachen rothen Zendel darinn/ oder sonst ein leinen Tuch/ und legs laulechtig über die Leber/ erfrischs offt.

Hasenköhlsyrup.
SONCHI SYRUPUS.

    Wiewol der Hasenköhl oder die Säudistel ein gemeines Kraut ist/ so kann man doch einen sehr nützlichen Syrup darauß machen/ der zu vielen innerlichen Leibs-Gebrechen dienlich ist/ den bereitet man also: Man nimmt des ausgepreßten und geläuterten Saffts von Hasenköhl oder Säudistel/ welches man haben kan/ 3. Pfund/ guten fein Zucker/ 2. Pfund/ solches seudet man in einem Kesselein über einem linden Kohlfeuerlein/ zu der Dicke eines Syrups/ im Sieden läutert mans mit einem geklopfften Eyerweiß/ wie oben vom Endiviensyrup gesagt ist/ und behaltet darnach den Syrup über Jahr in einer Porcellanbüchsen.
    Dieser Syrup dienet wider alle hitzige Kranckheiten der Leber/ aller innerlicher Glieder/ vertreibet die Geelsucht/ und dienet wider die Fieber so von der Gallen ihren Ursprung haben/ deßgleichen wider die hitzige brennende Fieber/ auf einmal 3. Loth/ mit 6. Loth Hasenköhl oder Endivienwasser vermischt/ und Morgens und Abends jedesmal so viel getruncken. Es dienet auch dieser Syrup zu allen Kranckheiten/ wie wir dieselbigen von dem Endiviensyrup erzehlet haben/ und mag in allen Kranckheiten kühnlich vor den Endiviensyrup gebrauchet werden/ wie wir dann solches manchmal erfahren/ welches nicht allein von dem Syrup/ sonder auch von dem kraut und seinem gedistillierten Wasser/ deßgleichen von dem ausgepreßten Safft verstanden werden soll.