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SANICKEL
Sanicula europaea - Umbelliferae


VON DEM SANICKEL.

    Der Sanickel hat ein schwartze zaserechtige Wurtzel der Christwurtz fast ähnlich/ die ist inwendig weiß/ eines herben und bitteren Geschmacks. Die Bletter seyndt rund wie die Bletter deß Taubenfuß/ in fünff underscheidt zerschnitten wie das Fünffingerkraut/ von Farben lichtgrün und glat/ die seind neben herumb auch weiter ein jedes in zwey theyl zerschnitten unnd gerings herumb zerkerfft: ein jedes Blat hat seinen besondern Stengel von Farben rotbraun/ welcher Stengel unnd Bletter viel von seiner Wurtzeln herfür wachsen. Mitten auß dem Stöcklin dringet ein dünner/ glatter/ bintzechtiger Stengel ohn alle Gewerb oder Gleychlein/ auff die anderthalb Spannenhoch herfür/ das spreytet sich oben außin viel kleine/ darauff im Brachmonat sich erzeigen viel schöner/ kleiner/ drauschlechtiger weisser Blümlein/ gleich wie kleine Krönlein/ auß welchen hernachmals ein Samen folget wie kleine Klettlein der sich an die Kleyder henckt/ wie der Samen deß Kleberkrauts oder Adermenig/ die geben widerumb junge Stöcklein. Dieser Sanickel/ wiewol er uber Winter/ under allem Schnee und Eiß/ schön/ grün und unversehrt bleibt/ verwelcken doch die Bletter gegen dem frühling/ und verdörren/ erjungen sie sich doch Jährlichs im anfang deß Aprillen wider mit newen Blettern. Dieses Kraut wächßt nicht allein in dem hohen Gebirg/ sondern auch in den feuchten Dälern und dunckeln Wälden/ ist in Teutschlandt sehr gemein unnd wird uberflüssig darinn gefunden. An den Orten aber die den Bergen und Wälden entlegen seindtwirdt es von wegen seiner vielfaltigen nutzbarkeit in den Gärten gezielet. Es erfordert der Sanickel ein feyßt schwartz Erdtreich/ und dunckele Ort/ da die Sonn nicht hinkommen mag. Dieses Kraut wirdt im Brachmonat mit seinen Blumen zu mancherley nothurfft eyngesamblet/ und im Schatten getrucknet.

Von dem Namen deß Sanickels.
    Wie der Sanickel von den alten Griechischen oder Lateinischen Aertzten vor langen Jahren genennet worden seye/ wiewol sich die Gelehrten zu unserer Zeit/ treffenlich sehr damit bemühet haben/ etliche dem Fünffingerkraut haben wöllen zugesellen/ sintemal die Bletter in fünff theil zerspalten seindt. Die andern gaben für daß es PEPLIS DIOSCORIDIS were/ die habens aber sehr ubel troffen. Die dritten haben das SCYMPHYTUM PETRAEUM darauß wöllen machen/ daß die Steingunsel DIOSCORIDIS, die jhren Namen daher entpfangen hat daß sie gemeiniglich in den Felsen und steinechtigen Orten wächst/ in denen doch der Sanickel nimmer gefunden/ und so er an dergleichen Orth gepflantzet wirdt/ verdirbet unnd verdorret er/ welches gewisse anzeigungen seindt/ daß dieses Gewächß nicht SCYMPHYTUM PETRAEUM ist/ ob es schon mit der Krafft/ Wirckung und Tugend die sie etlicher massen mit der Steinguntzel gemein hat/ verglichen werden mag. Weil dann ungewiß ist ob die alten Aertzt dieses Kraut beschrieben/ oder jhnen bekannt gewesen seye/ wöllen wir uns mit den gemeinen Nahmen die jhme von den Kreutlern unnd Simplicisten gegeben worden seind/ biß wir eines bessern auß den Schriften der Alten berichtet werden/ zufrieden seyn und uns genügen lassen/ dass wir die Krafft und Tugendt dieses Krauts wissen/ und durch täglichen gebrauch erfahren haben.
    Die Kreutler nennen den Sanickel/ SANICULAM und SANARIAM, A SANADO, das ist/ vom heylen/ dieweil es fast alle Wundkreuter mit seiner heylsamen Krafft und Wirckung ubertrifft. Sonst wiord er von andern genannt SANNICULA, SENNICULA, DIAPENSIA, SANICULA QUINQUEFOLIA und FERRATIA MINOR. Hochteutsch/ Sanickel unnd Sennickel: welche Namen es in allen Sprachen von seiner heylsamen Krafft und Tugendt empfangen hat.

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Sanickels.
    Der herb zusammenziehendt unnd bitter Geschmack deß Sanickels/ gibt ein genugsame anzeigung/ daß es warmer unnd truckner Natur seye/ derowegen es heylsamlich beyde jnnerlich und eusserlich die Wunden zu heylen gebrauchet wirdt.

Jnnerlicher Gebrauch deß Sanickels.
    Sanickelkraut und Wurtzel in Meth oder Honigwasser gesotten und getruncken/ heylet die versehrte Brust und Lungenrhörlein/ unnd heylet alles was innerlich im Leib verwundt ist.
  
Sanickel in Wein oder Wasser gesotten unnd getruncken/ stillet das Blutspeihen/ das Bauchkrimmen/ vertreibet das Lendenwehe/ und stopffet allerley Blutflüß.
  
Das Kraut grün und frisch gestossen/ den Safft darvon außgetruckt/ und ein zeitlang alle Morgen und Abendt ii.loth/ mit i.loth alten Rosenzucker zertrieben/ und warm eyngetruncken/ hilfft wider das Blutspeihen/ unnd heylet die versehrte Lung.
  
Sanickel in Wasser/ Bier oder Wein gesotten/ unnd von der durchgesiegenen Brühe Morgens unnd Abends jedesmahl ein Pfenninggläßlein voll/ oder drey Untzen warm getruncken/ heylet die innerliche verwundung der Brust/ deß Eyngeweydts und der Därm.
  
So einer ein bösen Magen hette unnd jhm die Därm verschleimpt weren/ der vermisch Sanickel zu reynem Pulver gestossen/ mit Honig unnd Süßholtz/ und trincke solches mit Wein zertrieben deß Abendts wann er zu Beth gehen will/ das reyniget den Magen unnd allen innerlichen Unrath/ unnd sonderlich der Brust.
  
Sanickel mit Kraut unnd Wurtzel in Wasser gesotten/ durch ein Tuch gesigen/ unnd dareyn vermischt Rosenzucker und Rosenhonig/ jedes gleich viel/ also daß der vorigen gesottenen Brühen seye zwey theil/ und deß Rosenzuckers und Honigs ein theil/ und solches Morgens nüchtern warm getruncken/ dz erweychet den Bauch senfftiglich/ und führet auß den verlegenen Schleim auß dem Magen und Därmen.
  
Sanickel ii. Handtvoll mit Wintergrün unnd Beerwinck jedes ein Handtvoll/ inn einer Maß Weins den drittentheil eyngesotten/ darnach durch ein Tuch gesiegen/ unnd darvon alle Morgen unnd Abendt/ jedesmal ein gemein Tischbecherlein voll warm getruncken/ zertheilet unnd verzehret alles gerunnen Blut innerlich im Leib/ ohn einigen nachtheil oder schaden.
  
Das gerunnen Blutim Leib zu zertheilen/ zu verzehren und alle jnnerliche Wunden von fallen oder stossen zu heylen/ ist nachfolgende Salb in Leib zu gebrauchen fast heylsam unnd erfahren/ so man alle Morgen und Abendt ein loth mit einem Trüncklein Bier zertrieben warm trincket: Nimb frischen Sanickel acht loth/ Betonienkraut/ junge Dolden von Fenchelkraut/ grün unzeitig Wechholderbeern/ jedes vi.loth/ Alantkrautwurtzel/ Wallwurtzel/ Weinrauthen/ Edelgamänderlein/ Roßmareinkraut oder die Zweigen darvon/ jedes vier loth. Alle diese Stück müssen frisch und grün seyn/ die soll man klein schneiden/ darnach mit zwey Kremer pfundt frischem Buttern zu Muß stossen/ und acht Tag an die Sonn setzen/ darnach ein becherlein vollSanickelwasser darzu schütten/ folgendts uber einem linden Fewerlein sittiglich lassen sieden biß das Wasser und die safftigkeit inn den Kreutern gar verzehret ist/ alsdann soll man es hart außpressen/ lassen kalt werden/ so gibt es ein schöne grüne unnd köstliche Salb/ die soll man gebrauchen wie gemeldet/ unnd arneben eusserlichen die schmertzhafften Ort/ wol und warm darmit salben.
  
So einer innwendig gebrochen were unnd jhme das Geweyd in das Gemächt gienge: Der nemme Sanickelsafft vier untzen/ Weinrauthensafft/ Wegwartenkrautsafft/ Haußwurtzsafft/ Knabenkraut oder Wundtkrautsafft/ jedes zwo untzen/ vermische diese Säfft zusammen/ lasse sie auffsieden/ so lauffet die Höfen zusammen/ seihe es darnach durch ein Tuch/ und drucks nicht/ so lauffet das Safft lauter unnd rein durch/ unnd bleibet die Höfen im Tuch/ zerlaß darinn ii. oder iii. loth Zucker/ und behalts an einem külen ort. So du nun einem helffen wilt/ so thue jhm den Bruch sittiglich hineyn/ und verwahr den mit einer Bruchbinden/ daß er nicht herauß gehet/ halte den Gebrochenen still/ daß er sich nicht viel bewege/ und gib ihm alle morgen und abends deß gemeldten saffts jedesmal iii. loth warm zu trincken/ biß er genieset.
  
Sanickelkraut in Wein oder Wasser je nach gelegenheit gesotten/ und morgens und abends jedesmal ein gemein Trinckbecherlein voll warm getruncken/ stillet die unmässige Weiblichen Monatblum/ etliche tag also beharret.
  
So einer verwundet were/ der trincke alle tag ii. Loth Sanickelsafft mit so viel Kerbelwasser/ so heylet die Wund innwendig vom grund herauß.
  
Der Sanickelsafft ist ein edle heylsame Artzeney zu den tieffen innerlichen Wunden/ da man mit den Meisseln nicht zukommen kan/ denselben soll man alle tag morgens und abends jedesmal ii. Löffel voll dieses Saffts zu trincken geben/ und soll jhnen darneben Sanickelkraut in jhr trincken legen/ und sie stetig darvon trincken lassen/ das hefftet die Wunden zusammen und heylet sie von grund herauß.
  
Der Sanickel ist under allen Wundkreutern das gebreuchlichst Kraut bey den Wundtärtzten/ den gebrauchen sie täglich zu jhren Wundträncken/ damit sie auch viel außrichten/ sonderlich die in der Wundtartzeney erfahren/ unnd jhr Kunst auff den Universiteten erstmals gelernet/ und folgendts in Kriegen und Heerzügen geübt/ und nicht die jhre Kunst in der Scheerstuben unnd bey den Zahnbrechern gelernt haben/ wie unsere Bartscherer unnd Schnabelwäscher/ die sich fälschlich vor Wundärtzt außgeben/ und auch viel Leut verderben.
  
Dieweil wir nun an die Wundtränck kommen/ wil ich deren etliche beschreiben. Erstlich zu allen frischen Wunden und Stichen/ die Wunden von innen herauß zu heylen: Nim Sanickel ii. Handtvoll/ Sinnaw/ Wintergrün/ jedes i.handvoll/ thue diese Stück klein zerschnitten in ein geschraubte Fläschen/ schütte darüber ein Elsassische Maß guten Wein/ schraube die Fläsch behebe zu/ unnd laß sie vier Stunden in einem Kessel mit Wasser in stäter Hitze sieden/ darnach thue die Fläsch herauß/ und wann der Tranck kalt worden ist/ so seihe den durch/ unnd behalte jhn in einem külen Ort wol vermachet. Darvon gieb dem Verwundten alle Morgen unnd Abendt fünff Loth zu trincken.
  
So aber ein Hitz oder Fieber darzu schlüge/ soll man den Wundtranck nicht mit Wein/ sondern mit Bier oder Wasser sieden/ das sol man auch thun wann der verwundt von Natur keinen Wein trincke. Du magst auch Zucker oder Rosenzucker damit sieden lassen/ oder ohne Zucker bereiten/ wie es dem verwundten anmütig seryn wil.
  
Ein ander: Nimb Sanickel ii. Handtvoll/ Benedictenkraut mit den Wurtzeln/ Wegwarten/ Ochsenzung/ Wintergrün/ jedes i. Handtvoll. Siede die in einer Maß Weins oder Bier wie obgemeldet/ und brauchs zur Notturfft.
  
Ein anderer Wundtranck: Nimb Sanickelkraut mit den Wurtzeln iii. Handtvoll/ Genserichkraut ii. Handtvoll. Zerschneide diese Kreuter/ lasse sie obgemeldter massen in einer verschraubten Fläschen vier Stunden lang sieden. Darnach gebrauch den gleicher gestallt. Wann du einem Verwundten diesen Tranck zu trincken giebst/ unnd er den wider oben von sich giebt/ ist es ein böß Zeichen/ unnd zu besorgen daß er sterbe. So er jhn aber behelt/ ist es ein gut Zeichen/ dann er baldt heyl werden wirdt.
  
Ein ander fast köstlicher Wundtranck zu gehauwenen/ gestochenen/ unnd geschossenen Wunden: Nimb Sanickel mit Kraut unnd Wurtzel ii. Handtvoll/ Birckenmispel mit den Blettern ein Handtvoll/ geel Weyderichkraut/ Berwinck/ die öbersten Gipffel von Harthew/ die jungen Juncken von Brombeer Stauden/ Ehrenpreiß/ Hasenöhrleinkraut/ Gundelreb/ jedes ein halb Handtvoll/ Schwalbenwurtz anderhalb Loth/ Liebstöckelwurtzel drey quintlein/ weissen Zucker ein Vierling. Zerschneide alle Stück klein/ thue sie wie oben gemeldet in ein geschraubte Fläschen/ schütte darüber ein Elsasser maß Weins unnd ein halb maß Wassers/ schraub die Fläsch beheb zu/ stelle die in ein Kessel mit siedendem Wasser/ und lasse sie vier Stunden lang mit stätem Fewer sieden darnach wann es kalt worden ist/ so seihe es durch ein Tuch/ unnd brauchs wie oben gemeldet.
  
Ein ander heylsamer Wundtranck zu allen Wunden dienlich: Nimb Sanickelkraut/ Tausentgüldenkraut/ roten Beyfuß/ Walwurtz/ Gottesgenad/ Heydnisch Wundkraut/ Wintergrün/ jedes ein Handtvoll/ Feinzucker ein Vierling. Zerschneide alle diese Stück/ thue sie in ein Fläsch/ unnd schütte darüber ein Maß guten fürnen Wein/ unnd ein halbe Maß Wassers/ laß darnach vier Stunden obgemeldter massen sieden/ darnach seihe den Tranck durch/ so hastu ein bewehrten Wundtranck/ sonderlich zu Stichen unnd Schüssen/ den gebrauch Morgens und Abends wie gemeldet.

Eusserlicher gebrauch deß Sanickels.
    Sanickel mit Kraut unnd Wurtzeln in Wasser oder Wein gesotten/ durchgesiegen und den Mund und Halß darmit gewäschen unnd gegurgelt/ heylet die Löcher und Geschwer im Mund und Halß/ sonderlich aber die Mundfeule. Der außgedruckt Safft hat gleiche Wirckung den Mund offtermals damit gewäschen.
  
Sanickel zu Pulver gestossen/ stillet das Nasenbluten/ so man dasselbig in die Nasen thut. Es ist auch das gemeldt Pulver ein gute Blutstillung der Wunden/ so man solches in die blutende Wunden thut.
  
Vor das abgefallen Zäpfflein/ seude Sanickelkraut in gutem Wein/ unnd gurgel mit der durchgesiegenen Brühen den Halß offtermals warm/ es hilffet.
  
Ein Mutterzäpfflein von Sanickelkraut gemacht/ stillet die unmässige Monatblumen der Weiber/ so man solches zu sich in die Scham thut. Darzu dienet auch der Safft/ so man ein Zäpfflein von Baumwollen in ein Tüchlein nehet/ unnd netzet es in Sanickelsafft/ unnd thut es zu sich. Ein Lendenbad von Sanickel gesotten/ und dareyn gesessen/ dienet gleichfals wieder den obgemeldten Gebrechen.
  
Sanickelsafft mit einer Schritzen zu sich in die Mutter gethan/ heylet die geschwer der Mutter. Jn Mangel deß Saffts soll man es nemmen drey guter Handtvoll Sanickelkraut unnd es in einer maß Wassers zum halben theil eynsieden/ darnach durchseihen unnd warm mit einer Schritzen in die Mutter thun.
  
Sanickelkraut grün zerstossen/ oder aber gesotten/ unnd wie ein Pflaster ubergelegt/ vertreibt die geschwulst an Menschen und Vieh/ hefftet die frischen Wunden wieder zusammen/ und heylet sie.
  
Der Sanickel dient auch treffenlich wol zu den Brüchen derwegen soll man denselben zu den Bruchpflastern vermischen wie die Walwurtz.
  
Sanickel mit Odermenig gesotten/ darnach wie ein Pflaster ubergelegt/ heylet die Wunden deß Rindviehs/ man muß aber auch die Schäden zuvor allwegen wol bähen unnd wäschen.
  
Auß dem Sanickel machet man herrliche gute Wundpflaster unnd Wundöle oder Balsam/ deren nachfolgend pflaster zu allen Wunden erfahren/ dieselbigen zu häfften unnd zu heylen/ das wirdt auff folgende weiß gemacht: Nimb grün Sanickelkraut acht untz/ Wegerichkraut/ Egelkraut/ Fünffingerkraut/ Salbeyenkraut/ Wintergrün/ Ehrenpreiß/ Brunellenkraut/ jedes vier untz. Diese Kreuter müssen alle grün seyn/ die soll man zerschneiden/ und mit drey gemeinen Krämerpfundt frischen Buttern zu Muß stossen/ und ein Pfundt Wein dazu vermischen/ darnach in ein Pflasterpfann thun/ auff einem linden Kolfewerlein lassen sieden/ biß der Wein unnd alle Säfftigkeit in den Kreutern verzehret ist: darnach hart mit einer Pressen außtrucken/ unnd darinn zergehen lassen/ geel Wachs xii. Untzen/ Pinhartz/ Terpentin/ jedes vi. Untzen. Wann diese zergangen seyndt/ so thut es vom Fewer/ unnd wann es uberschlagen/ so rühr nachfolgende stück rein gepülvert darein/ als da seynd/ weissen Weyrauch viii. Loth. FOENUMGRAECUM, Mastix/ jedes i. Loth/ vermischs unnd malaxirs wol durcheinander zu einem Wundpflaster.
  
Ein herrlicher und heylsamer guter Wundbalsam mach also: Nimb Sanickelkraut ii. Handtvoll/ jung Fenchelkraut/ Wintergrün/ Nagelkraut/ jedes ein Handtvoll.Diese Kreuter müssen laae frisch und grün seyn/ die soll man zu Muß stossen/ und darzu thun viii. Untzen Rosenöl/ viii. untzen Leinöle/ guten firnen Wein viii. untzen. Solches sol man sittiglich uber einem linden Kolfewerlein in einer Pfannen lassen sieden/ biß sich der Wein unnd die Säfftigkeit der Kreuter verzehret/ darnach seihe das Oele durch ein Tuch/ unnd drucke die Kreuter hart auß/ unnd zerlaß darinn guten Terpentin vi. untzen/ lasse darnach acht Tag in einer verdeckten küpfferin Pfannen stehen/ so wirdt er schön grün/ und bekompt auch darvon ein Krafft zu reinigen.
  
Sanickelsafft heylet die geschwer und Schrundenschwellung unnd entzündung im Hindern/ dieselbigen offt damit bestrichen/ unnd leinine Tüchlein darinn genetzt und ubergeleget: Heylet auch die Löcher unnd schäden der heimlichen Ort beyde in Manns unnd Weibspersonen. Jn mangel deß Saffts soll man das Kraut wol in Wasser sieden/ und die Schäden darmit zum offtermal wäschen/ und darnach das gepülvert Kraut dareyn zedeln. Wann aber die Löcher unnd Geschwer gar faul seynd/ soll man den außgetruckneten Safft von dem Sanickel zu Pulver stossen/ und den dareyn strewen.
  
Wann ein Pferdt vom Sattel getruckt unnd wund wirdt/ soll man gepülverten Sanickel dareyn strewen/ das trucknets und heylets bald.
  
Der Sanickel ist so ein heylsam Kraut/ daß es auch daß Fleisch im Hafen zusammen hefftet/ wann die Wurtzel desselben darbey gesotten wirdt.

Sanickelwasser.
SANICULAE AQUA

    Die beste Zeit den Sanickel zu distilliern/ ist im Brachmonat wann es zeitig ist unnd seine Blumen bringet/ das Kraut mit der Wurtzel unnd allem gehackt/ darnach senfftiglich in BALNEO MARIAE abgezogen/ darnach in der Sonnen rectificirt.

Jnnerlicher Gebrauch deß Sanickelwassers.
    Sanickelwasser deß Morgens und Abendts jedesmal vier oder fünff loth getruncken/ ist ein heylsame Artzeney zu den innerlichen Brüchen unnd versehrungen. Und so einer verwundet worden were/ und das Wasser trunck/ würd es imgrosse fürderung zur heylung thun/ dann es hilfft daß die Wund innwendig von Grund herauß heylet. Darzu hilffet es auch wann der verwundt seinen Wein mit diesem Wasser vermischet.
  
Auß dem Sanickel kann man ein herrlich Wundtwasser bereyten/ welches an stat eines Wundtrancks soll gebraucht werden/ das dient zu allen Wunden/ sie seyen gestochen/ gehawen oder geschossen/ davon gibt man auff einmal vier loth eyn/ und gebraucht das Morgens und Abendts/ das heylet wunderbarlich alle Wunden von Grundt herauß: Nimb Sanickel mit den Wurtzeln viii.handvoll/ Güldenguntzel/ Güldenruth/ jedes drey Handtvoll/ roten Mangoldt/ Liebstöckelkraut/ geeler Fingerhut/ spitziger Wegrich/ Waldlilgenbletter oder Waldmeister/ Harthew Blumen und Bletter/ Walwurtz/ jedes zwo Handtvoll/ Wachholterbeer ein wenig zerquetscht/ Birckenmispel mit den Blettern/ rote Weiden Bletter/ jedes anderhalb Handtvoll/ Naterzünglein/ Haselwurtzbletter/ Rittersporen/ Gundelreb/ jedes ein Handvoll. Alle diese Kreuter soll man klein hacken/ darnach in ein VESICAM thun/ darüber schütten ein Eymer voll frisch Brunnenwasser/ oder aber so viel genug ist/ daß die Kreuter in der VESICA sieden mögen ohne anbrennen: darnach setze ein Helm darauff/ unnd distilliers mit sanfftem Fewer biß du drey Maß deß Wassers hast/ alsdann so höre auff/ dann das hernach kompt ist unkräfftig/ so hastu ein edel und heylsam Wundtwasser/ das kanst du uber Jahr behalten/ und wie obgemeldet/ gebrauchen. Man kann dieses Wundwasser auch im Winter von dürren Kreutern obgemeldter massen distilliren/ das wird eben so kräfftig als das von den grünen Kreutern gemacht wirdt/ aber man muß der Kreuter nur halb so viel nemmen/ dieselbige groblecht stossen/ unnd wie gemeldtet frisch Wasser darüber schütten/ und drey Maß davon distilliren/ dann die beste Krafft im anfang mit herauß gehet/ das ander ist krafftloß.
  
Oder so du wilt/ magst du mit Sanickelwasser folgenden Wundtranck bereyten/ der zu allen Wunden dienlich ist: Nimb Sanickelwasser ein maß/ leg dareyn Wintergrün i. Handtvoll/ Singrün oder Berwinck/ Güldenruth/ jedes ein halb Handvoll/ thu solche in ein Zinnenfläsch/ schraube die beheb zu/ unnd laß in einem Kessel mit Wasser drey Stunden lang mit stätigem Fewer sieden/ unnd wann es kalt worden ist/ so seihe durch ein Tuch/ und gib dem verwundten deß Morgens und Abends jedesmal drey Löffel voll darvon.

Eußerlicher Gebrauch deß Sanickelwassers.
    Sanickelwasser heylet die Wundtfeul/ und dier Löcher unnd Geschwer deß Halß/ den Mundt zum offtermal darmit gespület und außgewäschen/ auch den Halß wol darmit gegurgelt.
  
Heylet auch die eusserliche Versehrungen/ insonderheit aber/ die Versehrung und Löcher der heimlichen Oerter/ offtermals darmit gewäschen und leinene Tüchlein darinn genetzt/ und darüber gelegt.
  
So auch ein Rossz gebrochen ist under dem Sattel/ sol man die Wund mit Sanickelwasser wäschen/ unnd darnach gepülvert Sanickelkraut darein säen. Jn mangel aber deß Sanickelwassers/ sol man das Kraut in Wasser sieden/ und mit derselben Brühen wäschen/ und folgends das gesotten Kraut darüberschütten.

Sanickelwein.
VINUM EX SANICULA.

    Auß dem gedörrten Kraut deß Sanickels/ bereyten etliche erfahrne Wundärtzet zu Herbstzeiten einen Wein: Nemmen dz Kraut und Wurtzel mit einander/ schlagens mit Hanbuchen Spähnen in ein Fässlein/ füllen darnach ein Most daruber/ unnd lassen den darüber verjähren/ den brauchen sie uber Jahr/ und geben dem Verwunden Morgens und Abendts zu den beyden Jmbsen/ jedesmal im anfang deß Essens einen gemeinen Tischbecher voll darvon zu trincken/ oder lassen den verwundten seinen Trinckwein damit vermischen/ welches sehr viel die heylung der Wunden fürdert.
  
Etliche machen einen guten Wundtwein also: Sie nemmen aussgetruckneten Sanickel mit der Wurtzel acht Handtvoll/ Schlüsselblumenkraut und Bletter/ Ehrenpreyß/ Heydnisch Wundkraut/ jedes vier Handtvoll. Diese Kreuter zerschneiden sie klein/ und machen die mit Häselen Spähn in ein zehen oder zwölff mässiges Fäßlein eyn/ füllen das mit gutem Most/ lassens verjähren/ und brauchens uber Jahr an statt eines Wundtrancks. Es seynd sehr sorgliche Wunden mit diesem Tranck geheylet worden.
  
Ein ander herrlicher unnd berühmbter Wundwein: Nimb Sanickelkraut unnd Wurtzel sechs Handtvoll/ Wintergrün drey Handvoll/ Geyßfüssel/ Angelickkraut/ Sonnenguntzel oder Sonnenblum/ Naterwurtzelkraut/ jedes zwo Handtvoll/ wild Ochsenzung/ Tausentgüldenkraut/ jedes anderhalb handvoll/ Monrauten ein Handtvoll. Diese Kreuter zerschneidet man klein/ und thut noch ferner darzu Rhapontick drey Loth/ klein geschnitten und groblecht zerstossen/ vermischet die durcheinander/ machet sie in ein zehen Mässiges Fäßlein eyn/ füllet einen guten Most darüber/ und lasset den verjähren. Diesen Wein gebrauchet man wie den obgemeldten.