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SAND-WEGERICH
Plantago arenaria - Plantaginaceae


Von den Psillien oder Flöhsaamenkraut.

    Des Psillienkrauts haben wir 2. unterschiedliche Geschlecht in unsern Gärten wachsen.
I. Das erst Geschlecht hat eine lange weisse Wurtzel mit vielen Zaseln oder Nebenwürtzlein/ hat Blätter die sind den Blättern des Hirtzhornkrauts fast ähnlich/ außgenommen/ daß sie länger/ grauer und rauher sind/ ohne Zincken. Das gantze Kraut wann es erstmals herfür kommt/ ist es wie das gemeine Graß anzusehen: Gegen dem Brachmonat kommen allererst die Stengel herfür mit ihren dünnen Nebenästlein/ die bringen am öbersten der Gipffel/ kurtze gedrungene Knöpfflein oder Aeher/ die sind Graufarb mit fast kleinen geelen Blümlein/ die blühen im Heumonat und Augstmonat/ wann dieselben abfallen und vergehen/ folget der kleine Saamen/ welcher wann er zeitig wird/ ist er hart und schwartz/ allerdings den Flöhen ähnlich/ daher dann auch er seinen Namen empfangen hat. Es wächst in Italien/ und auch in etlichen Orten Teutschlands/ in hartem/ rauhem/ ungebauenem Erdreich/ auch etwan in Aeckern und Weinbergen/ wird doch an vielen Orten dem mehrentheil in den Lustgärten vom Saamen aufgezielet/ es blühet fast den gantzen Sommer über/ in dem Ende des Augstmonats fängt der Saamen an zu zeitigen/ welcher von diesem Gewächs am gebräuchlichsten ist/ der wird in dem Herbstmonat eingesamlet/ und zum Gebrauch der Artzeney aufgehaben.
    II. Das ander Geschlecht theilet seine Wurtzel in viel Theil aus/ mit vielen grauen/ haarechtigen und angehenckten Zäserlein/ hat viel mehr Nebenästlein dann das vorige/ mit vielen unzehlichen Blättern bekleidet/ und durcheinander verwirret/ die sind auch graulechtig und haarechtig/ aber länger und dünner dann die Blätter des ersten Geschlechts. Es hat auch mehr Knöpfflein oder Aederlein/ aber ein wenig kleiner dann des vorigen/ sonst sind sie an Gestalt und dem Saamen dem ersten gleich. Dieses Geschlecht wächst nirgends meines Wissens in Teutschland/ sondern wird allein in den Lustgärten gezielet. Wohin es aber einmal gepflantzet wird/ besaamet es sich alle Jahr selbst/ und ist darnach (gleich wie auch das erste Geschlecht) nicht leichtlich auszureuten.

Von den Namen der Psillienkräuter.
    Das Psillienkraut oder Welsch Flöhsaamenkraut/ wird Lateinisch/ PSYLLIUM, HERBA PULICARIS, PULICARIA, CATAPHYSIS, CYNOCEPHALIUM, CRYSTALIUM, CYNOMYUM, PSYLLERIS, SICELIOTICUM, SICELIUM HERBA SICULA, SYLVATICUM genannt/  von PLINIO CYNOIDES, von THEOPHRASTO, CYNOPS, von THEODORO GAZA, CANARIA HERBA, von den Kräutlern und Simplicisten/ HERBA PULICARIS, und PULICARIA DIOSCORIDIS, zum Unterscheid CONIZAE, die von THEODORO GAZA, bey dem THEOPHRASTO, auch PULICARIA oder HERBA PULICARIS verdolmetscht und ausgeleget ist worden. Von den gemeinen Aertzten und Apotheckern wird sie mit Verwechslung des Y in das I, eines Buchstabens PSILLIUM genennt. Hochteutsch/ Psillienkraut/ oder Psyllienkraut/ Flöhsaamenkraut und Welsch Flöhkraut/ zum Unterscheid der Dürrwurtz oder CONYCAE, die von uns Teutschen auch Flöhkraut genannt wird.

Von der Natur/ Krafft/ Würckung und Eigenschafft des Psillienkrauts.
    Das Psillien- oder Flökraut/ hat eine Krafft und Eigenschafft zu kühlen und zu weichen/ dann der Saamen ist fast kalter Natur biß in den andern Grad/ aber zu trucknen und zu befeuchtigen zu gleich rechtmäßig vermischet. Die alten Arabischen Aertzte haben eine besondere Meynung und Fantasey mit dem Psilliensaamen/ geben für er seye widerwärtiger Natur/ also/ daß die Rinde des Saamens kälten soll/ und das inner Marck soll wärmen/ und thun aber solches ohn allen Grund/ dann bey den alten Griechischen Aertzten befinden wir das Widerspiel/ darum den Arabischen Aertzten darinnen nicht zu glauben ist/ sintemal wir auch durch den täglichen Gebrauch dieses Saamens/ das Widerspiel erfahren.

Innerlicher Gebrauch des Psillienkrauts oder Saamens.
    Dieweil der erweichte Schleim am allermeisten von dem Psilliensaamen/ innerlich und äusserlich gebrauchet wird/ wollen wir erstlich/ ehe wir desselben Gebrauch anzeigen/ lehren/ wie man den Schleim davon außziehen soll. Man soll nehmen 4. Untzen gesäubertes Psilliensaamens/ den in ein sauber irdin oder steinern Geschirr thun/ also gantz wie er an ihm selbst ist/ und darüber schütten 16. Untzen heisses Brunnenwasser/ solches verdeckt hinstellen/ und über Nacht oder auff zwölff Stunden darüber stehen lassen/ darnach soll mans bey einem Feuer lassen warm werden/ folgends in einem spitzigen leinenen Sack von satt gewebenem Tuch thun/ den Schleim also warm mit zweyen Stecken herausser drucken/ biß so lange man nichts mehr weiter heraus bringen mag/ den soll man alsdann zum Gebrauch aufheben.
    Psillienkrautschleim wird nützlich in allen hitzigen Gebrechen/ Entzündungen und Verdörrungen der Brust und Lungen gebrauchet/ sonderlich so man denselben mit kühlenden Brustwassern und Syrupen vermischet/ als da sind Violen/ Seeblumen und Rosenwasser/ Violen/ Seeblumen und Rosensyrup brauchet: Und ist diese Artzney denen so mit dem Ethick oder schwindsüchtigen Fieber beladen/ eine besondere gute Artzney/ so sie dieses Schleims ein halbe Untz mit 5. Loth der gemeldten gedistillirten Wassern/ und 2. Loth der Syrupen des Tages zwey oder dreymal vermischet trincken. Gemeldete Artzney bekommt auch sehr wol den Lungensüchtigen/ die von grosser Trückne wegen nicht auswerffen können.
    Wider die hitzige Rauhigkeit des Halß vom Husten und scharffen hitzigen Flüssen verusachet: Nimm gantzen Psillienkrautsaamens/ ein Loth/ Quittenkernen/ weissen Magsamen/ jedes 3. Quintlein/ thu diese Samen in ein sauber Geschirrlein/ schütte darüber 4. Untzen warm gedistilliert Rosenwasser/ laß solches verdeckt über Nacht stehen/ des Morgens mache es warm/ und ziehe den Schleim davon aus/ vermisch damit 2. Loth gepülvert Penidzuckers/ und nimm jederweilen ein halbes Löffelein voll darvon/ das halte lang im Mund/ und laß darnach allgemächlich mit Lüpflein hinab schleichen/ das heilet die Versehrung der Kälen und des Halß/ vertreibet die Rauhigkeit/ und stillet den Fluß gewaltig.
    Wider die Verstopffung des Stulgangs der jungen Kinder/ in hitzigen Fiebern: Nimm Psilliensamen/ 1. Loth/ Mertzviolen grün oder dürr/ ein halb Loth. Thue diese Stück in ein Geschirrlein/ und schütte darüber 4. oder 5. Loth gedistilliert Mertzviolenwasser zuvor heiß gemacht/ laß über Nacht stehen/ des Morgens zwinge den Schleim darvon durch ein dick gewebenes leinen Tüchlein/ und zertreib darinn 2. Loth MANNAE oder Honigthaus/ vermischs wol/ so wird es ein dünnes Lattwerglein/ darvon gib dem Kind 1. Löfflein voll auf einmal zu lecken/ es purgieret sänfftiglich ohne Schmertzen/ und löschet darneben die febrische Hitz. Wilt du aber diese Artzney ein wenig stärcker haben/ so lasse zuvor 1. Quintlein RHEBARBARAE klein zerschnitten/ mit 10. Gerstenkörnlein schwär Indianischer Spicanarden eine Nacht in dem Violenwasser weichen/ ehe du es über den Psilliensaamen schüttest/ des Morgens mache es siedend heiß/ drucke es hart aus/ und seihe es durch ein Tüchlein/ und schütte es darnach über den Saamen/ wie oben gemeldet/ und bereite es zu einem Lattwerglein. Ein altes erwachsenes Mensch mag 3. oder 4. Löffel voll darvon nehmen/ so erweichet es den Bauch/ und führet die hitzige scharffe Gallen sänfftiglich aus/ doch so fern der Mensch nicht hart verstopfft ist/ dann es sonst zu schwach wäre/ und gehöret nur vor blöde und zarte Menschen/ deßgleichen vor die Kinder.
    Wann aber einer sich stärcker purgieren wolte/ soll er der verordneten Mixtur 1. Löffel voll nehmen/ und 4. Gran rein gepülvert DIACRYDII damit vermischen/ und also vor sich selbst allein/ oder aber mit der Brühen zertrieben/ des Morgens und Abends allwegen wann der Mensch nüchtern ist/ warm einnehmen/ das wird die scharff und hitzige Gallen genugsam ausführen.
    Psilliensaamen zu einem subtilen Pulver gestossen/ und 1. Quintlein oder anderthalbes/ mit einem Trüncklein Honigwasser oder Meth zertrieben/ und des Morgens nüchtern warm getruncken/ erweichet den harten verstopfften Bauch/ und fürdert den Weibern ihre natürliche Monatblumen.
    Psilliensaamen gepülvert/ und anderthalb Quintlein auf einmal etlich Tage nach einander/ mit gutem weissen Wein getruncken/ bringet viel Milch/ und machet den Weibern die nicht säugen können/ die Milch fallen: ist auch gut wider die Wassersucht.
    Psilliensaamenschleim mit Violensyrup vermischt/ jedes gleichviel/ löschet den grossen Durst/ so von der Truckne und Dürre der hitzigen Gallen entstehet/ und führet darneben die Galle sänfftiglich aus/ so man jedertweilen ein Löffel voll oder zween vor sich selbst einnimmt/ oder mit gesottenem Gerstenwasser vermischet/ wie ein Julep trincket.
    Gemeldte Artzney dienet auch sehr wol in den hitzigen brennenden Fiebern/ nicht allein den unleidlichen Durst damit zu löschen/ sondern auch die grosse Hitz zu mildern. Etliche vermischen den Psillienschleim mit Zucker/ machen darnach mit frischem Wasser ein Julep daraus/ und geben denselben den Febricitanten zu trincken. Diese Artzney erweichet auch den verstopfften Bauch in den Fiebern/ und machet Stulgänge.
    Psilliensaamen ein wenig in einem eisern Pfännlein geröschet/ darnach zu Pulver gestossen/ und eines Quintleins schwär mit einem weich gesottenen Eye eingesupffet/ dienet wider die langwürige Bauchflüß oder Durchläuffe.
    Psilliensaamen obgemeldter massen in einem Pfännlein geröschet/ darnach ein wenig zerknitschet/ eine Zeitlang in Regenwasser geweichet/ darnach abgesigen und getruncken/ heilet die versehrte Därm/ und mildert den Schmertzen derselben/ stillet alle hitzige/ Cholerische Bauchflüß/ deßgleichen die rohte Ruhr/ und auch andere Bauchflüß/ so von viel zu scharffen/ hitzigen Purgationen/ als von Nießwurtz/ Wolffsmilch/ Treibkörnern/ und aufgetrucknetem Scammoniisafft/ verursachet werden.
    Psilliensaamenschleim mit Zucker oder Violensyrup temperiert/ darnach mit einem Zuckerwasser vermischt getruncken/ leget und mildert das hefftige Brennen des eingenommenen lebendigen Kalcks/ deßgleichen des Reuschgeels/ der Spanischen Mücken/ und des hitzigen GUMMI EUFORBII, und heilet die innerliche Verehrungen/ die davon verursachet werden.

Eusserlicher Gebrauch des Psilliensaamens oder seines Krauts.
    Psillienkraut gestossen und mit Rosenöl/ Eßig oder Wasser zu einem Pflaster temperirt/ mildert das hitzige Haubtwehethum/ übergelegt. Das thut auch der Psilliensaamenschleim mit Eßig und Rosenöle vermischt/ so man zweyfache leinene Tücher darinn netzet/ darnach wiederum ein wenig ausdruckt/ daß sie nicht trieffen/ und warm über die Stirn und beyde Schlaff leget/ dieselben auch/ so offt sie trucken werden wieder erfrischet/ das thut auch der Saft allein/ so man die Stirn und Schläffe darmit anstreichet/ oder mit darinn genetzten Tüchlein obgemeldter massen übergelegt.
    Oder stosse den Psilliensaamen/ vermische den mit Wasser zu einem dünnen Brey/ streiche den auff ein Tuch/ und lege solches über die Stirn/ es hilfft bald. Oder seude den gestossenen Psilliensaamen mit Eßig und Rosenöle zu einem Pflaster/ streichs auf ein Tuch und legs warm über die Stirn.
    Psilliensaamenschleim mit Chamillenöle/ jedes gleichviel durch einander vermischet/ darnach Tüchlein darinn genetzet/ und solche über die Stirn und beyde Schläff warm übergelegt/ ist ein sehr gute und bequeme Artzeney wider das Haubtwehethum/ das von der Sonnenhitz seinen Ursprung hat.
    So einem die Haar rauhe oder scharff sind/ der seude Psilliensaamen in Wasser/ und wäsche sein Haubt mit der abgesigenen Brühe.
    Daß die Haar an den Augbrauen oder an andern Orten nicht wachsen: Nimm Psilliensaamenschleim/ vermische den mit Eßig/ Honig/ und ein wenig aufgetrucknetem Magsamensafft/ OPIUM genannt/ auch ein wenig Bibergeil/ temperiers wol durch einander zu einem Sälblein/ und salbe die Augbrauen oder andere Oerter des Leibs damit.
    Der Schleim von Psilliensaamen mit ein wenig Fenchelsaamen temperiert/ vertreibet das Rinnen der hitzigen Augen/ so man Tüchlein darinn netzet/ und über die Augen leget. Gemeldte Artzney dienet auch wider das Rinnen der Augen/ in hitzigen Fiebern.
    Psillienkrautsafft mit Honig temperiert/ dienet wider die würmige und fliessende Ohren/ darein getropft.
    Psillienkraut gestossen/ und mit Eyerweiß/ ein wenig Eßig und Rosenwasser temperiert wie ein Pflaster/ und über die Stirn gelegt/ stillet das Bluten der Nasen.
    Wider die Schrunden und aufgerissenen Leffzen/ von Kälte und rauhen Winden: Nimm Psilliensamenschleim/ 1. Loth/ rein gepülvert GUMMI ARABICUM: mit ein wenig Hartriggelblumenwasser zertrieben/ 1. halb Loth/ Gänßschmaltz/ 2. Loth/ temperiers wol durch einander zu einem Sälblein/ und schmier die Schrunden damit.
    Psilliensaamen gepülvert oder nur groblecht zerstossen/ und über ein Nacht in Rosenwasser geweichet/ wird zu einem glatten Schleim/ der dienet wider die Räuhe der Zungen/ die von der Hitz und Bräune in den hitzigen Fiebern versehrt und verbrannt ist/ so man die Zung offtermals damit salbet und anstreichet/ und heilet auch die Schrunden/ die daselbst herkommen.
    Oder nimm des außgezogenen Psillienschleims mit Mertzviolenwasser bereitet/ temperiere den mit gepülvertem Zuckercandit/ biß es süß wird/ damit bestreiche die Zung offtermals/ es hilfft sehr wol.
    Wider die Schrunden der Zungen: Nimm des außgezogenen Psilliensaamenschleims/ frischen ungewchmeltzten und ungesaltzenen Butter/ jedes gleichviel/ vermischs ein wenig mit Zuckercandit/ und gebrauchs wie jetzt gemeldet.
    Oder/ nimm des ausgezogenen Psilliensamenschleimes/ das Weiß von einem frischen Eye/ Rosen- oder Violensyrup/ jedes gleichviel/ rein gestossen Burtzelkraut oder Porcellansaamen/ gebrannt und klein gerieben Helffenbein/ jedes eines Quintleins schwär/ temperiers wol durcheinander/ und bestreiche die Zung obgemeldter massen damit/ es hilfft sehr wol.
    Oder/ nimm Psilliensaamen/ gerollt Gersten/ geschaben und klein geschnitten Süßholtz/ jedes 2. Quintlein/ mache ien reines subtiles Pulver daraus/ thue darzu Rosenhonig/ 2. Loth/ Zuckercandit/ 1. Loth/ Rosenwasser/ 1. Becherlein voll. Seude diese Stück mit einander wie ein dünnen Honig/ behalts zum Gebrauch/ und salbe die Zung offtermals darmit/ und so der Halß auch von der Hitz verwundt ist/ so nimm jedertweilen ein halbes Löffelein voll in den Mund/ und laß mit Lüpfflein sittiglich hinein schleichen.
    Oder/ nimm des Psilliensaamens ausgzogenen Schleims/ Violensyrup/ frisch Hünerschmaltz/ jedes 1. Loth/ temperiers durcheinander/ und brauchs wie oben gemeldet ist.
    Wider die Bitterkeit der Zungen: Nimm einer halben Castanien groß Psilliensaamen/ binde den in ein Tüchlein/ legs in ein Becherlein voll warm Wegwarten oder Saurampfferwasser/ lasse ein Stund oder drey darinnen ligen/ darnach streiche es je über ein Weil über die Zung/ das ziehet die böse Hitz heraus/ kühlet die Zunge/ und benimmt die Bitterkeit derselben. Diese Artzney wird besser und kräfftiger/ so man den vierdten Theil Roseneßigs oder Hindbeereßigs/ mit dem obgemeldten Wasser vermischet.
    Psilliensaamenschleims mit Eßig ausgezogen/ mit dem Safft von Bilsenkraut vermischet/ und darnach mit leinen Tüchern über der Weiber oder der Jungfrauen Brüst gelegt/ verhütet daß die Brust nicht grösser wachsen/ drey Tag nach einander also beharret.
    Wann einer zu schwitzt/ und dem Schweiß nicht wehren kan/ also daß er auch Krafftloß davon wird/ und in die Schwindsüchtige Fieber gerahten wil/ der seude Psilliensaamen in Wasser/ mache ein laues Bad darvon/ und wäsche sich daraus/ wann er wil schlaffen gehen/ und thue das ein Tag drey oder vier.
    Die anfahende Kröpff zu vertreiben: Nimm Psilliensaamen/ gescheelte Bonen/ Nesselsamen/ jedes gleichviel/ stosse die zu einem subtilen Pulver/ un temperier sie mit genugsamen Therr oder weichen Pech zu einem Pflaster/ und lege es auf ein Tuch gestrichen über die die Kröpf.
    Oder/ nimm Psilliensaamen/ 1. Untz/ Eibischwurtzel/ 1. Loth/ aufgetruckneten Taubenkoht/ alt Schweinenschmaltz/ jedes 3. Loth/ Therr oder weich Pech 6. Untzen/ stosse den Psilliensaamen zu einem subtilen Pulver samt dem Taubenkoht/ das Therr und Schweineschmaltz zerlasse/ rühre darnach die Pulver darein/ darnach böhre es wol mit den Händen/ streich darvon auff ein Leder/ und legs über die Kröpff/ es trucknet und zertheilet sie wunderbarlich. Dieses Pflaster zertheilt auch die Schlier und Bäulen/ und Geschwär unter den Armen/ deßgleichen auch die Bluteisen/ hefftet die Fisteln und heilet die Carbunckeln oder Zinnblattern.
    Wider die Blut- oder rohte Ruhr/ rösche Psilleinsaamen in einem eisern Pfännlein/ thue den in ein Säcklein/ und lege dasselbige über den Bauch über den Nabel/ so der Gebrechen von den öbersten Därmen kommt/ wann er aber von den untersten Därmen kommt/ so lege das Säcklein unter den Nabel.
    Oder/ stosse geröschten Psilliensaamen zu Pulver/ temperier den mit Eyerweiß/ Eßig und Rosenwasser zu einem Pflaster/ und lege solches auf ein Tuch gestrichen/ hinten über die Nieren/ und fornen über die Schloß. Käme aber der Blutfluß von den obern Därmen/ so lege es obgemeldter massen über den Nabel.
    Wider das Zipperlein und Gliedsucht: Nimm des außgezogenen Schleims von dem Psilliensaamen/ 8. Untzen/ Gerstenmähl/ 4. Untzen/ mache mit genugsamen Rosenöle und ein wenig Eßigs ein Pflaster daraus/ das streiche warm auf ein Tuch/ und legs über.
    Psilliensaamen in fliessendem Wasser gesotten/ ein Bad daraus gemacht und darinn gebadet/ hilfft sehr bald wider die Gliedsucht.
    Oder/ nimm des ausgezogenen Schleims von Psilliensaamen/ 8. Untzen/ Rosenöle 6. Untzen/ Wachs 3. Untzen/ zerlaß das Wachs und Rosenöle durch einander/ lasse kalt werden/ darnach thue den Psillien-Schleim darzu/ und vermischs wol durch einander/ streich darvon auf ein leinen Tuch/ und legs über die Gliedsüchtige Glieder.
    Etliche sieden das Psillienkraut mit seiner Wurtzel/ und aller Substantz in Wasser/ zu einer Bähung des Hindern/ für den hefftigen Arßzwang.
Psilliensaamen zu Pulver gestossen/ mit Rosenöle und Weineßig vermischt/ und wie ein Pflaster übergeleget/ ist auch sehr dienlich wider die Gliedsucht und Schmertzen der Gleich/ deßgleichen wider die Ohrmützel oder Geschwär hinter den Ohren/ PAROTIDES genennet. Item/ wider die Geschwulst und Brotgeschwär PANOS, deßgleichen wider andere Geschwulsten/ und die verrenckten Glieder.
    Psilliensaamen gestossen/ mit Eßig vermischt und temperiert wie ein Pflaster/ darnach wie ein Pflaster übergelegt/ heilet die Därmbrüch der Kinder/ und die grosse Nabelbruch.
    Der Psillienschleim wird von den rechten/ erfahrnen und berühmten Wundärtzten/ als eine kräfftige Kühlung und RAPER CUSSIVUM, in allen hitzigen Geschwulsten und Apostemen fast nützlich gebrauchet/ nicht allein im Anfang/ sonder auch im Zunehmen derselbigen/ den legen sie mit leinen Tüchern über/ und erfrischen dieselbigen offtermals.
    Wider die Knollen und Gewächs im Hindern/ nimm ohngefehrlich auf die 3. Untzen Psilliensaamenschleims/ thue den in ein bleyern Mörselstein/ und reibe und agitier denselben wol darinn auff eine Stund/ darnach schmier die Knollen damit/ und legs mit leinen Tüchlein darauff/ es hilfft und legt den Schmertzen.
    Wider die Entzündung oder hitzige Geschwulst der Hoden: Nimm des ausgezogenen Schleims von dem Psilliensaamen 4. Untzen/ des ausgezogenen Schleims von Leinsaamen/ 2. Untzen/ vermische sie durch einander/ und lege sie mit leinen Tüchern über die Geschwulst/ es hilfft gar bald.
    Wider die böse um sich fressende Geschwär der heimlichen Glieder/ bey den Manns- und Weibspersonen: Nim des ausgezogenen Schleims von dem Psilliensaamen/ 3. Untzen/ Rosenöl/ gleich so viel/ vermische es wol in einem bleyern Mörser/ und agitiers zum wenigsten eine Stund mit einem bleyern Stösser/ daß sie sich wol vereinigen/ und ein Sälblein daraus werde/ das leg mit leinen Fäselein in die Geschwär oder Löcher/ es hilfft wunderbarlich.
    Psillienkraut gestossen/ mit Schweinenschmaltz zu einem Pflaster temperiert/ säubert und reiniget die faulen/ bösen Schäden und Geschwär/ übergelegt.
    Wider das Rothlauffen/ und den um sich fressenden Brand oder St. Anthonii Feur: Nimm des ausgezogenen Schleims vom Psilliensamen/ Rosenöle/ jedes 3. Loth/ Nachtschattensafft/ ein Loth/ solche Stück soll man mit 2. Loth Rosensalbe wol durch einander temperieren/ und über den Schaden legen.
    DIOSCORIDES schreibt/ wann das Psillienkraut frisch und grün in ein Hauß gebracht werde/ so verhindere es daß keine Flöh nicht darinn wachsen.
    Der Campffer wird nimmer besser bey seiner kühlenden Krafft und gutem Wesen gehalten/ dann allein in dem Psilliensaamen.

Psilliensaamens purgierende Lattwerg.
ANTIDOTUS SEU ELECTUARIUM EX PSYLLIO.

    Von dem ausgezogenen Schleim des Psilliensaamens/ machet man auch eine berühmte/ purgierende Lattwerg/ die wird ANTIDOTUS oder ELECTUARIUM DE PSYLLIO genannt/ und wird in allen wolgerüsten Apothecken gefunden/ also daß sie ein jeder leichtlicher kauffen/ dann sie selbst machen kann.
    Diese Lattwerg treibet aus die scharffe Cholerische Feuch/ und vertreibt alle Kranckheiten/ die von solcher Feucht herkommen/ insonderheit aber die widerspenstige Fieber/ sie löset auf alle innerliche Verstopffung des Eingeweids und des Geäders/ sie führet aus die Geelsucht/ sie dienet wol in den hitzigen gallsüchtigen Fiebern/ löschet alle unnatürliche Hitze und unnatürliche Entzündungen/ sie ist gut wider das Haubtwehethum von Hitz/ deßgleichen wider den Schwindel/ der von übersich steigenden Cholerischen Dämpffen verursachet wird/ dann diese Lattwerg führet alle schädliche gallsüchtige Feuchte aus dem Magen/ welche über sich in das Haubt steiget/ das Hirn und Haubt beschwäret/ man gibt einem blöden Menschen 1. Loth/ einem stärckeren anderhalb Loth/ und einem gar starcken auch zwey Loth/ mit einer Brühe des Morgens nüchtern warm zu trincken/ und lässet ihn zum wenigsten vier Stunden darauff fasten.