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ROHRKOLBEN

Typha - Typhaceae

 


 

VON DEM LIESCH ODER MOßKOLBEN.

 

 

            Der Moßkolben oder Lieschkolben hat ein große Gleychechtige Wurtzel/ mit vielen Gewerben/ gleich wie die Kalmus oder rechte Ackerwurtz/ die ist auch also mit vielen Würtzlein behenckt/ unnd ligt uberzwerch in der Erden/ ist innwendig weiß unnd luck/ eines süssen Geschmacks/ sie stösset Jährlich newe Augen oder Sproßen von jhren Gewerben/ darauß wachsen lange Schwerdbletter gleich dem Riedgraß/ außgenommen daß sie viel breyter/ lenger unnd außgespitzter seynd dann die Bletter deß Riedgraß/ unnd seynd dreyeckechtig/ sonderlich wann sie in jr vollkommen Gewächs kommen/ zwischen den Blettern wächst ein gerader/ runder/ glatter Stengel/ anzusehen wie die grossen Weyherbintzen/ fast eines Manns hoch/ der ist innwendig nicht hol/ darauff wächst im Heuwmonat unnd Augstmonat ein runder/ braunschwartzer Kolben/ von einer sanfften Wollechtigen Blühet zusammengesetzt/ welcher fast einer Pfannen lang und auch bißweilen eines Schuhes lang gesehen wird/ und eines Daumens dick und bißweilen auch dicker/ der endlich wie ein flockechtige zarte Wollen vom Wind dahin fleuhet. Solchs gewächs ist sehr gemein/ wächst fürnemlich in den Gräben/ Weyhern/ Sümpffen und Brüchen.
            ll. Noch findet man ein kleiner Geschlecht dieses Gewächs/ es hat ein kriechende/ Moßechtige Wurtzel/ die Bletter seynd kurtz unnd spitz/ die Stengel seynd glatt wie die kleinen Weyherbintzen ohne Gleych/ die werden nicht uber Elen lang/ die Kölblein seynd klein unnd schmal/ hat ein jedes oben ein kleines getreydblätlein/ ist ein wenig eingerollt/ dieses wächset in der Ober Graffschafft Katzenelenbogen/ in den außgelauffenen Pfützen unnd Sümpffen/ wird nicht allenthalben gefunden.

 

Von den Namen der Moßkolben.
            Der Moßkolben oder Lieschkolben/ heist Lateinisch/ TYPHA oder TIPHA, TYPHA PALUSTRIS, TYPHA AQUATICA und LACUSTRIS SCEPTRUM MORIENIS, und bey dem OVIDIO SCIRPUS, dann er nennet fastor.6. DIE Matzen STOREAS SEU MATRAS SCIRPEAS, da er also spricht:

 

 

Hochteutsch/ Ließkolben/ Narrenkolben/ Moßkolben/ Wasserkolben/ Ließknospen/ Weyerkolben/ Maurkolben unnd Deitelkolben.
            ll. Das klein Geschlecht wird von den Kreutlern TYPHIDINUM unnd TYPHULA, ober TYPHA MINOR genann. Hochteutsch/ Wasserkölblein unnd klein Lieschknospen.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Moßkolbens.
            Es wird der Wasserkolben oder Moßkolben heutiges Tages wiewol es ein gemein Gewächs und jedermenniglich bekannt ist/ gar nicht in der Artzeney gebrauchet/ doch hat es eine mittelmässige Natur und Eygenschafft.

 

Eusserlicher Gebrauch deß Moßklbens.
            Die Moßkolben mit gewäschnem Schweinenschmaltz temperiert und ubergelegt/ soll ein gute/ heylsame Artzney seyn/ den Brand vom Fewer zu heylen/ wie DIOSCORIDES LI.3.C.120. bezeuget. Weiter ist uns von seinen Kräfften unnd Tugenden nichts bewust.
            Die Bletter dieses Gewächs werden zu den Fugen in den Schiffen gebraucht/ daß kein Wasser dareyn kommen mag. Es brauchen auch die Bender und Kieffer die gemelten Bletter zu den Faßbödemen und Fugen/ dieselbigen damit zu stopffen und zu versehen daß der Wein oder Bier nicht durchtringe/ zu welcher arbeit sie dann fast dienlich seynd/ sie nemmen aber gemeiniglich die Bletter die nit Kolben tragen und noch jung seynd/ die nennen sie Knospen und Liessen/ sintemal die Alten zu grob/ zu dick und zu rauh seynd.
            Sonst machet man auch auß den Lieschkolbenblettern Matzen vor die Beth und in die Gemach/ und Stockfisch Platteißlein und andere ding damit eynzumachen.
            Auß den Mosechtigen Kolben aber machet man inn etlichen Orthen Beth unnd Küssen/ fürnemblich aber im Augstmonat wann sie Schwartz werden unnd anfahen hinweg zu fliehen.