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ROGGENBROT

 


 

VON DEM ROCKENBRODT.

 

            Dieweil wir an das Getreydt kommen seyndt/ will die Nohtturfft erfordern auch von dem Brodt etwas zu schreiben/ sintemal solches nicht allein zu der Speiß dem Menschen geschaffen worden ist/ sein zeitliches Leben damit auffzuhalten/ sondern es wirdt auch sonst darneben beydes innerlich und eusserlich zu vielen Leibsgebrechen unnd schwachheiten in viel weg als ein heylsame Artzney gebraucht. So viel aber das Brod zur speiß zu gebrauchen belangen thut/ ubertrifft dasselbig alle Speiß/ dann natürlich darvon zu reden/ findet man keine die den Menschen in die harr ernehren unnd bey dem Leben erhalten kan/ ohne das Brodt/ derowegen alle Menschen Gott dem Herren täglich umb das Brod anruffen und bitten sollen/ daß er uns dasselbig zu Erhaltung dieses zeitlichen Lebens beschere/ dann wer das hat als die edelste Speiß und Nahrung/ der hat sich nicht zu beklagen/ wie solches dann nachfolgende Reymen uns zu Gemüt führen/ die wir Sprichworts weiß pflegen zu sagen/ die also lauten:

 

                        Wer gesund/ Saltz/ Holtz und d Sonnen/
                        Täglichs Brod mag bekommen/
                        Der soll weiters nicht klagen/
                        Sonder Gott Danck drumb sagen.

 

            Es schreibt PLINIUS LIB.7.CAP.56 daß CEIOS ein Heydnische Göttin das malen und Brodbacken erstmals erfunden/ unnd dieselbe Kunst/ als die Menschen auff Erden nichts anders dann Eycheln assen/ erstlich in Af

FRICA, Sicilien unnd Jtalien hab angezeigt/ und das Volck damit underwiesen/ dannen her sie dann auch vor ein Göttin gehalten worden/ dergleichen erdichten Heynischen Fabeln findet man hin unnd wider viel in den Büchern der Heyden/ wie auch bey dem Lactaetio ca.20. UND 21. DE FALLA RELIGIONE zu lesen ist. Solches Gedicht aber der Heyden widerlegt das Wort Gottes dem die Christen billich glauben sollen/ als Gen.3. da Gott der Schöpffer aller Ding unserem ersten Altvatter Adam erstmals das Brod hat angezeigt und jnen darinn underwiesen/ als er zu jhme Sprach/ im Schweiß deines Angesichts soltu dein Brod essen. Jtem Gen.18. als Abraham den Engeln Gottes ein Mahlzeit liesse zurüsten/ befahl er seinem Weib Sara sie sollte eylends auß Weißmeel ein Teyg machen und den Gästen Kuchen backen/ welche Kunst unnd brauch ohn allen zweiffel lang vor Abraham wird gewesen/ unnd von seinen Vorvätern auff deren nachkommenen und jhnen geerbet seyn. So bezeuget auch der 104. Psalm/ woher das Brod seinen Ursprung habe/ da der Prophet also spricht: Du lässest Graß wachsen vor das Vieh/ und Salat zu nutz den Menschen/ daß du Brot auß der Erden bringst/ durch welches deß Menschen Hertz gestärcket wird/ darauß offenbar ist/ daß das Brod den Menschen von Gott dem Allmächtigen gleich im Anfang der Welt ist angezeigt worden/ unnd findet man nirgend daß die Leut zuvor Eycheln gessen haben/ ehe das Abgöttisch Weib die Brodtkunst geoffenbaret unnd die Leuth hab malen und backen gelehrt/ wöllen den wegen Gott unserem Schöpffer und Erhalter diese Ehr und Danck geben/ und die unglaubigen Heyden mit jhrer falschen Göttin unnd Fabeln fahren lassen/ weiter in unserm Vornemmen fortfahren/ unnd die Nahmen deß Brods anzeigen/ wie es von allen Nationen genennet werde.

 

Von den Namen deß Brods.
            Das Brod wirdt in gemein Lateinisch genannt/ PANIS. Hochteutsch/ Brod. Die Brossam deß Brods wird Lateinisch genannt/ MICA. Hochteutsch/ Grutzel/ Grumen/ Brossam unnd Brosmen. Dieweil aber nun vielerley sorten deß Brods seyn nach dem sie von jren besonderbaren Früchten unnd Getreyd gebacken werden/ unnd auch ein jedes Brod seinen eigenen Nahmen hat/ wöllen wir an jhren gebürenden Orten derselben Nahmen erzehlen/ unnd jetzund allein von dem Rockenbrod handlen/ das wird Lateinisch PANIS SECALICIUS, und SECALINUS von PLAUTO, PANIS ATER, und von anderen PANIS CIBARIUS. Hochteutsch/ Rockenbrod/ Haußbrod und Speißbrod.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Rockenbrods.
            Das Rockenbrod hat ein temperierte Complexion unnd Eygenschafft/ dann es ist nicht so warm als das Weyzenbrod/ unnd ist wärmer dann das Gerstenbrod/ speiset mehr dann das Gerstenbrod unnd weniger dann das Weytzenbrod/ wiewol das Rockenbrod auch fast wol speiset/ sonderlich das so auß dem zartesten Meel/ (POLLINE oder Vorschuß/ welches man die Blum deß Meels nennet) gebacken wird/ unnd machet ein gut Geblüth/ fürnemblich aber bey uns Teutschen die dessen von jugend auff gewohnet seynd/ unnd ist wolschmackend auch anmühtig zu essen/ unnd wird an vielen Orthen dem Weytzen oder Speltzenbrod fürgezogen/ wiewol etliche frembde Nationen dieses Brod als ein ungesundes Brod verwerffen/ das machet das sie es nicht versucht unnd auch die Weiß solches zu bereyten unnd zu backen nicht wissen/ dann ich selbst auff dem Westerwaldt/ in Zütphen/ im Landt zu Gällern unnd in Brabandt Rockenbrodt gessen/ das so schwartz unnd gleyefferechtig jnnerhalb war wie ein Teyg/ das war gleich wol zum Theil von den Gränen unnd Kleyen nicht abgesöndert/ oder das Meel durchgebeutelt worden/ sonderlich auf dem Westerwaldt/ welches von dem gemeinen Volck nicht geachtet wird/ unnd ist ein ungesundes Brod/ das jnnerliche Verstopffung unnd viel Schleym/ Unrath unnd Feber gebieret/ ist doch gleichwol das Korn nicht so geschlacht wie am Rheinstrom/ da es aller anderen Nationen Rockenkorn in der schöne unnd Güte weit ubertrifft. Jn Braband aber da sie besser Rockenbrod haben dann auf dem Westerwald unnd dasselbig auch vom Rheinstrom hinab zu jhnen geführt wird/ ist dasselbe Brod nicht weniger schwartz gleyfferechtig unnd Teygechtig wie das Brod auff dem Westerwald/ das macht allein daß sie die weiß solches zubereyten und zu backen nicht wissen/ wiewol sie sonst herrlich gut und gesund Weytzenbrod backen.
            An unserm Rheinstrom/ im Elsaß/ Westerreich/ Brurhein/ Kreychgauw und auch an etlichen Orten in Lothringen und andern mehr Orten pfleget man gut/ gesund/ gemein Haußbrod auß dem Rockenkorn zu backen/ das Rockenmeel aber lässet man nicht durch die gar reynen Beutel lauffen/ das gibt ein gut wolschmackend Brod zum täglichen Haußstatt/ wird doch an einem Orth mehr weisser/ reiner unnd besser gebacken dann am andern.
            Das wolgebacken unnd recht gehöfelt Brod erkennet man also/ wann man darvon in ein kalt Wasser legt/ unnd es in der Mitten deß Wassers schweben bleibet/ so ist es wol unnd recht gehöfelt unnd wol gebacken. Wann es aber bald zu Boden fellt/ ist es ein Zeichen daß es ungehöfelt ist/ unnd wann es auff dem Wasser schweben bleibet/ so ist es zu viel gehöfelt.
            Je reyner das Meel ist je besser Brod davon gebacken wird/ und je leichter es auch verdäuwet wird/ speiset wol unnd macht gut Geblüt. Das Brod so von neuwem Meel das erst auß der Mühlen kompt/ gibt feuchtere Nahrung unnd auch subtieler Blut/ dann das von altem Meel gebacken wird/ derwegen soll man das Brod vor die Krancken und die so starcke und strenge Feber haben/ von reinem unnd neuwem Meel backen lassen. Kleine Brod die man schrötzlein nennet/ hat viel Rinden oder Crusten und wenig Brossam/ ist baß gebacken dann das grosse Brod/ oder Haußläben/ derowegen gibt es wenig Nahrung und ist hart zu däuwen/ gibt aber gute Feucht/ stopffet darneben den Bauch unnd machet harte Stulgäng. Das groß Brod aber oder die Haußläben ist nicht so wol gebacken/ hat weniger Crusten aber viel Brossam/ gibt derowegen schleimige grobe Nahrung und ist schwer zu verdauwen: Zu dem machet viel Brossam deß Brods/ Wind unnd Bläst im Leib/ deßgleichen viel Schleym/ und auch offtermal das Krimmen und Därmgegicht. UngeHöfelt unnd zu viel süß Brod/ gibt gar zu viel Nahrung/ ist hart zu verdäuwen/ bleibet lang im Magen ligen/ bringt Verstopffung den Gliedern deß Eingeweyds/ macht Würm im Leib wachsen/ unnd ist in summa weder gesunden noch krancken Leuten nutz.
            Das Brod so von altem Korn das ubel schmecket/ unnd ersticket ist/ gebacken wird/ ist hartdäuwig/ gibt wenig Nahrung/ und machet böß und faul Geblüht/ aber das so von frischem und gar neuwem Korn gebacken wird/ gibt von wegen seiner uberflüssigen Feuchtigkeit ein feuchte unnd schleymige Nahrung/ ist schwerlich zu verdäuwen/ blehet auff unnd macht viel Wind im Leib/ speißt wenig und gibt dem Leib ein grobe/ schleimige unnd zähe Führung/ die wird bald in eine Fäuwlung verkehrt/ erwecket schmertzen und wehethumb in den Seiten/ und wachsen Würm darvon im Leibe. Es soll derwegen das Meel daraus das gesunde Brod gebacken wird nicht zu alt noch zu jung gelegen seyn/ sondern von mittelmässigem Korn von den Raden unnd Wicken wohl gesäubert/ gemahlen werden. Es soll auch der Teyg nicht zu feucht gemacht/ oder zu viel Wassers daran gethan werden/ daß er nicht zu dünn werde/ auch nicht zu dick unnd zu starck/ zu dem soll er ziemlich gehöfelt unnd gesaltzen werden/ dann ungehöfelt und ungesaltzen Brod ist sehr schädlich unnd ungesund/ machet Verstopffungen in den Gängen der Lebner unnd der Nieren/ gebieret den Stein in den Nieren unnd Blasen/ das Zipperlein unnd die Gliedsucht/ machet auch faule Feuchten daher die Würm wachsen. So der Teyg ziemlich gesaltzen wirdt/ macht es das Brod lucker und ringer/ wird besser verdäwet unnd macht weniger Verstopffung. Wann es zu viel gehöfelt wird/ so gewinnt es ein unklieblichen unnd bösen Geschmack/ machet den Magen unwillig und unlustig. Das Brod soll gebacken werden in einem weiten Ofen/ in einer ziemlichen Hitz/ der soll eyngeheitzet werden mit wolgedörrtem gesundem Holtz/ das nit erstickt oder faul seye. Das beste Brod zu Erhaltung der Gesundheit/ soll eins oder zweyer Tag alt seyn und nicht daruber/ so es älter ist/ sollen es zarte Leut/ Müssiggänger und die so blöde Mägen haben/ vermeiden unnd sollen es den starcken arbeytenden Menschen/ die starcke und grobe Bawers Arbeit thun/ befehlen/ denen es gut unnd gesund ist/ als die es am besten verdäwen können. Es soll auch das Brod so es noch warm ist nicht genossen werden/ dann es entzündet und erhitzet den Magen/ blähet den Leib auff/ bringet grossen Durst/ macht den Magen unlustig/ und ist schwerlich zu verdäuwen/ derwegen gesunde unnd krancke Leut sich darvor hüten sollen/ wie auch solchs die Gelehrten der hohen Schul zu SALERNA in Engelland LIBR.DE CONSERUANDA VALETUDINE, verbotten und kürtzlich ib folgenden VERSICULIS RITHMICIS begriffen haben/ die also lauten:

 

 

Das ist:

 

Dein Brod sey weder warm noch alt/

Gesäurt und leicht/ nicht ohne Saltz/

Von gutem Getreyd gebacken wol/

Die Rind macht dich schwartzs Geblütes voll.

 

            Das innertheil deß Brods/ das ist die Brossam/ ist das best und je reiner und klärer das Brod ist/ je baß und mehr nehret es den Leib/ und je mehr Kleyen und Grieß darunder ist/ je minder es nehret und je bälder es durch den Leib gehet. Die Rind oder Eussertheil deß Brods/ macht ein verbrennt/ grob und melancholisch Geblüt/ und ist schwerlich zu verdäwen/ ist weder krancken oder Gesunden gut/ außgenommen denen die ein sehr feuchten Magen haben/ und die da begeren mager zu werden/ die mögen dieselbige wol im End deß Essens gebrauchen/ machet die Speiß undersich steigen/ und stärcket sehr wol den Magenmund. Das Rockenbrod wird dester besser unnd gesunder/ so man halb so viel Weytzen oder Speltz darzu mischet/ das Meel reyn außbeutelt unnd wol bäckt/ dann ubel gebacken Brod ist ein Ursach vieler Kranckheit.

 

Von dem jnnerlichen Gebrauch deß Brods.
            Wolgebacken Rockenbrod wie man solches bey uns am Rheinstrom zu backen pflegt/ ist gesunden Leuthen ein gute Speiß/ nehret wol unnd machet gut Geblüht/ unnd gibt schöne/ gesunde unnd starcke Leuth/ wie solches die Erfahrung bezeuget/ unnd das sonderlich wann sie viel Brods zu anderer Speiß essen/ wie auch hergegen widerumb alle die jenigen die wenig Brod und viel Fleisch odere andere Speiß essen/ bleyche/ blöde und schwache Leuth seynd/ unnd bekommen darvon ubelschmeckende und stinckende Aethem/ derwegen man sich darvor hüten soll/ und ziemlich viel Brods zur Speiß essen/ sonderlich aber zu den Fleischspeisen/ so man anderst die Gesundheit lieb hat/ und dieselbige erhalten will.
            Mit wol gebackenem Rockenbrodt und wein kann der Mensch sein Leben und Gesundheit erhalten und starck darvon bleiben/ wann er schon nimmer kein andere speiß zu sich neme/ doch soll darinn der Uberfluß vermitten unnd allein die Notthurfft gebraucht werden.
            Außgeriebelter Brossam deß Rockenbrods machet man köstliche gute Müßlein und Brodbreylein/ seude die mit guter/ feyster Fleisch/ Hüner oder Capaunenbrühen/ unnd gibt’s Gesunden und Krancken/ dann sie mehren und stärcken wol. Etliche sieden diese Breylein allein mit Wasser/ röschten die Brodbrossam zuvor in Butter oder schmaltz/ giessen darnach frisch Wasser darzu/ lassens wol siedenund saltzens ziemlich/ ist auch ein guts und gesundes essen.
            Andere bereytens gleicher gestalt mit Wein und den dritten theil Wasser/ oder so mans noch kräfftiger haben will mit guter Fleisch oder Hünerbrühen/ thun Zucker nach Notturfft dazu/ und ist ein kräfftige Speiß. Etliche aber röschten die Brodbrossam in Butter oder Schmaltz/ giessen darnach gut Bier zu/ lassens wol zu einem Brey sieden/ das gibt auch gute Nahrung und speiset sehr wol.
            Etliche andere lassen die Brossam deß Rockenbrods trucken und hart werden/ zertreibens darnach oder stossens klein/ schütten daruber gute Milch unnd lassens sehr lang unnd wol sieden/ solche Speiß geben sie den Kindern zu essen unnd sättigen sie darmit/ die werden gar schön unnd starck darvon unnd bleiben gesund.
            Das geriebelt Meel von gedörrtem Rockenbrod in ziemlichem Wasser gesotten/ unnd durchgestrichene gesottene Oepffel oder Byren zuvor in Wasser weych gesotten/ gleich so viel darzu gethan/ folgends sieden lassen zu einem Brey unnd ziemlich gesaltzen/ ist sehr ein gute speiß vor arme Leut/ unnd nehret zimlich wol. Die es vermögen die können Butter darzu thun/ so wird es besser und wolgeschmackter/ fürnemlich aber so man dz Brodmeel zuvor in Butter oder schmaltz röschet/ darnach erst das Wasser zugeusset.
            Man machet auch auß dem Rockenbrod ein köstliche Salsen/ vor schwache unnd blöde Leut die ein schwaches Hertz unnd blöden Magen haben/ wie folgt: Man nimpt die Brossam von Rockenbrod/ bähet die auff einem Rost oder Kolen biß sie braun werden/ legt sie darnach also warm in ein guten Weinessig biß sie wol erweychen/ darnach stösset mans/ streichts durch ein Pfeffertuch mit genugsamem Essig unnd Rosenwassers/ temperierts mit Zucker daß dem Essig sein schärff benommen werde/ thut darnach darzu ii.theil gestossens Zimmats unnd Näglein/ Muschatennüß und Blüht/ alles gestossen/ jedes ein theil/ doch daß deren wenig unnd nicht zu viel seynd/ lässets darnach ein wenig in einem newen Häfflein sieden/ so hat man ein edle salsen in allen Schwachheiten deß Hertzens unnd Magens/ mit andern speisen nutzlich zu gebrauchen.
            Wider das unwillen und erbrechen deß Magens: Nimb ein Schnittlein gebähtes Rockenbrods/ thue es in ein Schüsselin unnd geuß daruber dieweil das Brod noch warm ist vier untz sawer Granatensafft/ wann das Brod nun weych worden ist/ so gib es dem Krancken zu essen/ unnd laß jhnen das ubrig safft im Schüßlein darauff trincken.
            Rockenbrod in Baumölen geweychet/ ist gut wider den Hundshunger/ dasselbig gessen. Deßgleichen Rockenbrod in Most oder dickem gesottenem Wein geweychet/ unnd genug gessen/ hat gleiche Wirckung. Etliche weychen das Brodt in Oeltrusen/ unnd geben es wider den gemeldten Gebrechen zu essen.
            Wieder das Krimmen unnd Leibwehe von hitziger Gallen verursachet: Nimb Rockenbrodt/ weychs in frischem Brunnenwasser/ strew guten Zucker darauff/ unnd jß es/ oder weych das Brodt in frischem Molcken/ und gib es dem Krancken mit Zucker zu essen.
            Brodt gebacken von dem Rockenmeel/ das zum aller ersten so baldt das Korn von der Mülen gebrochen wirdt/ herauß lauffet/ mit Wasser/ darinnen dürre Küttenschnitz unnd Tormentillwurtzeln gesotten worden ist/ bereytet/ dienet wider alle Bauchflüß/ in der Kost zur Speiß gebrauchet/ deßgleichen auch Müßlein/ Brodtbreylein und andere Speißlein darvon bereytet.
            Die jenigen so lahm unnd contract seyndt/ unnd denen jhre Glieder zittern/ die sollen nüchtern wann sie auß dem Badt kommen/ Rockenbrod auß frischem Brunnenwasser essen das bekompt jhnen sehr wol.
            So ein Rossz ein Durchlauff oder Bauchfluß bekompt von Erkaltung/ so sol man geröscht Rockenbrodt zerriebeln/ mit rotem Wein und Rosenwasser sieden/ unnd jhm dieselbige Brühe warm eynschütten/ das hilfft jhm baldt.

 

Eusserlicher Gebrauch deß Rockenbrods.
           
Rockenbrodt mit dem Schleym deß erweychten Psiliensamen in einem Mörselstein durch einander gestossen und temperieret wie ein Pflaster/ miltert das grosse Hauptwehethumb in den hitzigen Fiebern/ auff ein Tuch gestrichen/ unnd uber die Stirn unnd beide Schläff geleget. Oder nimb die Brossam vom Rockenbrodt/ stosse die wol mit frischen Blettern deß Bilsenkrauts/ unnd geuß darzu Rosenölen unnd Essig/ temperier es wie ein Pflaster/ unnd gebrauche es obgemeldter massen. Oder stosse mit der Brodtbrossam Magsamenbletter/ unnd temperier es obgemeldter massen/ unnd gebrauche es auch also.
            Die Brossam von Rockenbrodt mit einem Eyerdotter temperieret wie ein Pflaster/ miltert unnd leget den Schmertzen der Augen/ auff ein Tuch gestrichen/ und uber die zugethanen Augen geleget.
            Wider den Schmertzen der Ohren: Nimb ein Rockenbrod wie es auß dem Ofen kompt/ schneide dasselbige entzwey/ unnd halte es so warm vor die Ohren/ als warm du es erleiden kanst. So auch einer von einem Büchsenschall oder einem andern Gethön das Gehör verlohren hette/ der gebrauch das Rockenbrodt gleicher Gestalt/ es hilfft.
            Wider den Schmertzen der Zähn: Nimb die Brossamen von warmem Rockenbrod/ gebratenen Käß/ einen warmen Dotter eines Eyes/ und ein wenig Saltz/ stoß es under einander/ unnd legs also warm auff die Zähn.
            Die schwartzen Zähn weiß zu machen: Nimb die Rinden von Rockenbrodt/ brenne die auff einer Glut/ daß sie gantz schwartz werden wie Kolen/ darnach stosse sie zu pulver/ und reibe die Zähn wol darmit/ wäsche die folgendts mit frischem Brunnenwasser wider auß.
            Rockenbrodt mit Saltz gekäwet/ darnach mit Seyffen temperirt wie ein Pflaster/ tödtet die Pestilentzblatern oder Carbunckeln/ darüber gelegt.
            Die Halßgeschwulst und die Geschwer zu eröffnen: Nimb ein warm Rockenbrod/ zerbrich das entzwey/ und empfahe den warmen dampff oder schwadem davon in den Halß/ das eröffnet die geschwer/ und zertheilet auch die Flüß.
            Welchem der Mundt stincket oder ubel reuchet nach einer Kranckheit oder sonst/ der esse warm Brot nüchtern auß einem kalten Brunnenwasser/ so viel er mag.
            Wider den schwerden und ubelriechenden Athem/ Esse offtermals Rockenbrodt auß Wein/ und strewe rein gepülvert Salbey darauff. Oder nimb die Obercrust von Rockenbrodt/ weyche die in Wein/ bestreuwe die folgends mit mit gestossenem Galgan/ und esse die.
            Die Brossam von Rockenbrodt mit Peterlein oder Eppichkrautsafft temperiert und angemacht wie ein Pflaster/ zertheilet die erharten Brüst der Weiber nach der geburt/ wie ein pflaster darüber gelegt.
            Oder nimb die Brossam deß Rockenbrodts und temperier es mit Wasser unnd Baumölen zu einem pflaster/ Oder weych Rockenbrodtbrossam in Weinmeth/ unnd leg es uber wie ein Pflaster.
            Rockenbrodt das zweymal ist gebacken worden/ auff einem Rost geröschet/ darnach in Essig geweychet/ unnd temperieret wie ein Pflaster/ ist eine gute Artzeney wider das Klopffen deß Hertzens/ uber die beide Pülß der Hände geleget: Bringet auch die wieder zu Kräfften/ die inn Ohnmacht gefallen seyndt.
            Wieder das Klopffen deß Hertzens von kalter Ursach: Nimb zwo Untzen geröschter Brossam von einem Rockenbrodt/ weyche die in einem guten firnen Wein/ thue darzu Muschatennüß ein Quintlein/ Majeran/ Näglein/ rote Rosen/ unnd Citrinatrinden/ alles rein gepülvert/ temperier es wie ein Pflaster/ unnd legs außwendig auff ein Tuch gestrichen uber das Hertz.
            Oder so das Hertzklopffen von hitziger Ursach herkompt/ so nimb zwo untzen Brossam von gebratenem oder geröschtem Rockenbrodt/ weyche das in Rosenwasser unnd Ochsenzungensafft/ temperiers zu einem Pflaster/ unnd thu darzu rote Rosen/ weissen und roten Sandel/ jedes ein halb loth/ Muschatenblüht/ Majeran/ Näglein/ weisser und roter geriebener Corallen/ weissen geriebenen Agstein/ jedes ein quintlein/ alles zu einem subtielen Pülverlein gestossen/ vermisch alles wol durcheinander zu einem pflaster/ unnd thu ein Löfflein voll Nägleinblumenwasser darzu/ streichs auff ein Tuch/ unnd legs außwendig uber das Hertz.
            Auß dem Rockenbrodt machet man ein gut pflaster zu dem unrühigen auffstossenden Magen/ der keine Speiß behalten kann: Man nimpt ein Crusten Brods auff einem Rost oder Kolen gantz braun gebraten vier loth/ solches erweychet man wol in gutem Weinessig/ darzu thut man ein wenig Höfel oder Sawrteig/ und anderhalb loth Gerstenmeels/ gepülvert Balsammüntz ein halb loth/ Mastix/ Weyrauch/ jedes ein Quintlein zu Pulver gestossen. Solche Stück alle stöst man wol durcheinander in einem Mörser/ und geust im stossen ein wenig Essig zu biß daß er wirdt ein dicker Brey/ darvon streichet man auff ein weissen Barchen/ unnd legts warm uber den Magen unnd das Hertzgrüblein.Andere machen auß dem gemeldten Brodt dieses Pflaster mit mehren stücken etwas kräfftiger: Sie nemmen von einer braun gebratenen Crusten Rockenbrodts vier Loth/ weychen die ein halbe Stundt in gutem scharpffen Weinessig/ thun ferner darzu ein halb loth gepülverten Quittenschnitz/ Balsammüntz anderhalb Quintlein/ Mastix/ gebrannt Helffenbein/ Weyrauch/ weissen und roten Sandel/ alles zu einem subtielen Pulver gestossen/ roter geriebener Corallen/ jedes ein Quintlein/ Quittenöle drey Loth/ Mastixölen ii.loth/ Gerstenmeel so viel genug ist. Alle gemeldte stück temperieret man durcheinander/ unnd geust so viel Essig zu als es von nöthen ist ein pflaster darauß zu machen/ das brauchet man wie das obengemeldte Pflaster.
            Wider das stetig brechen und kotzen deß Magens: Nimb ein Crusten Weißbrodts wie ein kleines Schildtlein geschnitten/ mach jnnwendig Rauthenriß darein mit einem Messer/ lege es darnach auff Kolen oder einen Rost unnd brate oder röschte es biß es braun wirdt/ besprengs folgends oder befeuchtige es mit einem guten Malvasier/ und reib ein wenig Mastix und Nägleinpulver darein/ wickel ein leinen Tuch darumb und legs als warm du es leiden kanst/ uber das Hertzgrüblein/ das thue offt und so lang biß sich das kotzen legt.
            Oder nimb ein Crusten Rockenbrodts/ röschte es auff Kolen wie gemeldtet/ besprenge es dann an mit scharpffem Rosen- oder gemeinem Essig/ strewe gestossenen Mastix und Balsammüntz darauff/ unnd leg es warm auff den Magenmundt/ laß drey Stunden darauff ligen/ darnach erfrische es wider/ thue das so lang biß sich das Kotzen leget.
            Oder nimb ein gebähetes oder geröschtes Rockenbrodt/ stoß es wol mit Saltz unnd Essig/ daß es werde wie ein dicker Brey/ streich dick auff ein Tuch/ unnd legs warm uber das Hertzgrüblein wie ein Pflaster.
            Ein warm Schnitten geröschts Brodts mit gutem Wein besprengt/ und gepülvert Muschatennüß unnd Näglein darauff gestrewet/ stärcket den erkalten blöden Magen/ warm darauff gelegt.
            Den erkalten Magen zu erwärmen und zu stärcken: Nimb Rockenbrodt/ röschte es auff Kolen/ zerstosse es zu Pulver/ thu darzu gepülvert Muschatennüß unnd Näglein/ jedes ein quintlein/ Wermuthsafft und Kraußmüntzensafft/ jedes gleich viel daß es möge ein Pflaster werden/ das streich auff ein Tuch/ und legs warm uber den Magen.
            Wider den Schmertzen deß Magens: Nimb einen Boden von einem Rockenbrodt/ bähe den auff einem Rost/ bestreich jhnen dann mit Honig/ und strewe darauff Balsammüntz/ Römischenkümmel/ Nardensamen/ unnd Anißsamen/ jedes gleich viel zu einem reinen Pulver gestossen/ unnd lege es warm uber den Magen/ du wirst gute Besserung befinden.
            Wider den Unwillen unnd Maßleydt deß Magens: Nimb der Rinden von Rockenbrodt drey loth/ Mastix/ Balsammüntz/ rote Rosen/ jedes drey loth zu einem subtielen Pulver gestossen/ Gerstenmeel einhalb loth/ temperier diese Stück mit gnugsamem Rosenessig zu einem Pflaster/ streichs auff ein Barchen/ unnd leg es uber das Hertzgrüblein und den Magen.
            Ein warm Rockenbrodt in ein Tuch gewickelt und uber den Magen gelegt/ vertreibt den Heschen und Klux.
            Wider das Seitengeschwer PLEURITIM: Nimb die Broßam von einem wolgeHöfeltem Rockenbrodt/ stosse die wol mit frischem Buttern/ die Salben DIALIHEA unnd Lorölen/ jedes gleich viel/ so viel genug ist zu einem Pflaster/ darvon streiche auff zwey Tücher/ unnd lege es vornen unnd hinden gegen dem Geschwer.
            Wieder den Schmertzen der Seiten von den windigen blästen: Nimb ein Crusten Rockenbrodts/ röschte die auff Kolen/ schlag ein leinin Tuch darumb unnd lege es warm uber die Seiten.
            Wieder die Geelsucht/ lasse etliche Brodt von Rockenmeel mit Kleyen unnd allem backen/ unnd wann sie auß dem Ofen kommen/ so schneide sie entzwey unnd lege sie zusammen in eine verdeckte Bütten/ setze dich darein unnd schwitze wol darinnen/ dann es treibt den Schweiß gewaltig/ und nimpt die Geelsucht mit hinweg. Diese Artzeney oder Schweißbad thut auch den Wassersüchtigen grosse Hülffe/ unnd machet sie nicht schwach wie andere Schweißbäder.
            Wider die windige Wassersucht: Nimb gedörrtes Rockenbrodts zu Pulver gestossen fünffzehen Untzen/ Pfefferkümmel acht halb loth/ Majeran sechs loth/ Bertram zwey loth/ Meisterwurtz/ GUMMI EUFORBII, jedes ein loth/ Alles zu einem subtielen Pulver gestossen/ vermische es wol durch einander/ unnd mache mit Weinmeth ein Pflaster das streich auff Tücher unnd bedecke den gantzen Bauch und Rücken darmit/ laß es je uber den andern Tag einmal erfrischen/ unnd thue das einmal oder sechs.
            Wider die rechte Wassersucht/ stosse Rockenbrodt unnd gepülverten Ysop mit Saltzwasser durch einander wie ein pflaster/ streichs auff ein Tuch und legs uber den gantzen Leib/ unnd erfrische es allen Tag.
            Wider die Erhartung deß Miltzes: Nimb gedörrt Rockenbrodt/ stoß es zu Pulver/ unnd Rinden von Cappernwurtzel/ mit der frembden Frucht die man MYROBALANUM MYREPSICAM oder GLANDEM VUGUENTARIAM nennet/ alles klein gestossen/ und macht mit dem sauwren Honigsyrup OXYMELITE ein pflaster darauß/ streichs auff ein weissen Barchen und leg es eusserlich uber das Miltz.
            Wieder den langwirigen Bauchfluß: Nimb geröschet Rockenbrodt auff die acht Untzen/ das weych in Essig daß es nur ein wenig weychelechtig werde/ thue darzu der innersten Eychenen Rinden drey loth/ Gallöpffel zwey loth/ alles zu einem subtielen Pulver gestossen/ unnd mache mit genugsamem Wegerichkrautsafft ein pflaster darauß uber dem Feuwer/ streiche darvon auff ein Barchen/ unnd lege es warm uber den gantzen Leib.
            Rockenbrodt in Bastard oder süssem Wein gesotten daß es werde wie ein Brey/ und folgends auff ein Tuch gestrichen und umb die Lenden gelegt wie ein Pflaster/ deßgleichen auch uber die Scham/ legt den schmertzen vom Stein.
            Wider das täglich Feber: Nimb die Brosam von einem Rockenbrodt unnd die Gallen von einer Geyß/ jedes gleich viel/ thue darzu ein weychgebraten Eye/ unnd stoß in einem Mörser mit genugsamem Lorölen daß es werde wie ein Pflaster/ streichs auff ein Barchen/ und legs uber den Magen und Bauch.
            Rockenbrodt mit frisch gemolckener Milch unnd Nachtschattensafft/ sampt einem wenig gestossenem Saffran zu einem Pflaster gesotten/ miltert den schmertzen deß hitzigen Podagrams oder Zipperlin unnd Gliedtsucht/ auff ein Tuch gestrichen und uber die schmertzhafftigen Oerter gelegt.
            Die Broßam von Rockenbrodt in Kühe oder Schaffmilch gesotten wie ein Brey/ unnd darnach darzu gethan zween Eyerdotter und ein wenig gepülverten Saffran/ ist ein gute Artzeney wider das Hüfftwehe unnd die Gliedtsucht/ auff ein Tuch gestrichen und warm ubergelegt wie ein Pflaster.
            Oder so der schmertzen der Gliedtsucht unleidlich groß ist/ so nimb i. Pfundt Brossam von einem Rockenbrodt/ lasse die sieden in Weiber oder Schaffsmilch/ und thue darzu deß auffgetruckneten Magsamensaffts OPII j.quintlein/ gepülverten Saffran ein halbes quintlein/ und i.loth Rosenölen oder drey/ streich es darnach auff ein Tuch/ und lege es uber die schmertzhafftigen Ort.
            Warm Rockenbrodt wie ein Pflaster uber die Pestilentzbeul gebunden/ zeucht alle Vergifftung gewaltig herauß.
            So auch ein Mensch an der vergifften Seucht der Pestilentz gestorben were/ unnd man dasselbig Gemach gern von der vergifften Jnfection säubern wolt/ soll man dasselbige sauber reiben unnd außfegen/ darnach ein warm Rockenbrodt wie es auß dem Ofen kompt in der Mitten entzwey schneiden/ unnd in zwey Ort oben in das Gemach hencken/ das zeucht alle Vergifftung an sich/ das Brodt aber muß man darnach hinweg thun unnd in die Erden begraben darmit niemandt dardurch Schaden widerfahren mag.
            Die Broßam von Rockenbrodt mit frischem Wasser gestossen unnd wol durcheinander temperiert wie ein Pflaster/ vertreibet unnd leget nider die Geschwulst unnd Auffblähung der Mannsruthen/ auff ein Tuch gestrichen unnd warm ubergelegt.
            Die Brossam von Rockenbrodt mit Meth unnd Baumölen zu einem Brey gesotten/ vertreibet die hitzige Geschwulst der Gemächt/ auff ein Tuch gestrichen unnd wie ein Pflaster darüber gelegt.
            Schlier und andere dergleichen Geschwär zu zeitigen unnd zu erweychen: Nimb die Brossam von einem Rockenbrodt/ zwey Theil der kleinen Corinthträublein/ Schweinenschmaltz unnd Sauwerteyg oder Höfel/ jedes ein Theil. Seude diese Stück mit einander in genugsamer Milch zu einem Pflaster/ darvon streich auff ein Tuch und lege es uber den Schlier oder Geschwer/ unnd erfrische es allen Morgen unnd Abendt/ so wirdt es baldt zeitig unnd sich zum auffgehen schicken/ wann es nu auffgangen so brauch Salben die das Geschwär reinigen und heylen.
            Die Brossam von Rockenbrod mit Wein und Baumölen zu einem Pflaster gesotten/ zertheilet die Geschwer und Apostemen/ so man aber an statt deß Weins Honigwasser oder Meth nimpt/ so erweycht es dieselben.
            Rockenbrodt mit Essig zu einem Pflaster gesotten/ ist eine gute Artzeney zu den zerstossenen oder zerquetschten Gliedern von fallen oder stossen/ auff ein Tuch gestrichen/ unnd warm uber die geschädigten Ort gelegt. Die gemeldte Artzeney dienet auch zur Verrenckung der Glieder/ gleichfals gebrauchet.
            Die Brossam von Rockenbrodt mit Laugen oder Wein und Saltz gestossen und temperiert wie ein Salb/ ist gut wider die Geschwülst der Schenckel in der Wassersucht/ so man die Schenckel darmit anstreichet/ und vier Stunden daran lässet. So nuhn eine wasserechtige Feuchtigkeit daraus lauffet/ soll mann dieselbige mit einem linden Schwammen abwischen/ unnd mit einem weychen Lümplein trucknen/ unnd darnach die verletzten Oerter mit Quitten oder aber Myrthenölen schmieren.
            Die Brossam von Rockenbrodt mit Wasser unnd Rosenölen durcheinander temperiert wie ein Pflaster/ heylet das Mittel oder den Wurm am Finger/ auff ein Tuch gestrichen unnd ubergeleget. Solches thut auch so man das Rockenbrod morgens nüchtern keuwet/ und legts uber das Mitel wie ein Pflaster.
            Die Brossam von Rockenbrodt mit ein wenig frischer Wallwurtzel gestossen/ vertreibet die Krebsgeschwulst/ wie ein Pflaster darüber gelegt.
            So einer die Glieder durch fallen geschädiget hette: Nimb eine dürre Crusten von einem Rockenbrodt/ unnd stosse die klein/ siede solche darnach mit gutem starckem Wein- oder Bieressig/ unnd lege es auff ein Tuch gestrichen so warm uber als ers leiden kan/ das stärcket das Gliedt/ unnd leget den Schmertzen.
            Wider alle eusserliche Entzündungen wie die Namen haben möchten: Nimb der Brossam von einem Rockenbrodt ii.loth/ Baumnüßkernen/ Wermuth/ Wegerichsamen/ jedes i.loth/ stosse alles gar klein/ und seude die mit gnugsamem Essig zu einem Brey/ streichs darnach auff ein Tuch/ und legs warm uber wie ein pflaster.
            Die Brosam von einem Rockenbrodt mit Milch gesotten zu einem dicken Brey/ unnd ein par frischer Eyerdotter darmit vermischet/ ist ein gute und heylsame Artzeney wider den schmertzen der Feygblattern/ auff ein Tüchlein gestrischen unnd warm darüber gelegt.
            Wider die Blatern der Schinbein: Nim die Brossam von einem Rockenbrodt das wol geHöfelt ist/ zerriebelt die klein/ thue darzu Honig unnd Weins genug/ seude es wol bey dem Feuwer wie ein Supp/ in dieser Brühe netze darnach ein zweyfach leinen Tuch/ unnd lege es warm uber die Schenckel oder Schinbein/ unnd wann es trucken wirdt/ so netze es wider/ thue solches so lange biß die Bläterlein vergangen und heyl worden seynd.
            So einer ein grossen Schmertzen an einem Gliedt hette/ es seye gleich wo es wölle/ der nemme die Brossam von einem Rockenbrodt das noch frisch unnd warm seye/ lege die in ein siedend heiß Wasser/ unnd wann die weych wirdt/ so balle die wol mit den Händen auß/ daß alles Wasser darvon gehet: Darnach nimb desselbigen Brodts xii. Untzen/ die Dottern von dreyen frischen Eyern/ unnd Rosenölen so viel genug ist. Diese Stück stosse wol durch einander/ und vermische ferner darmit ein quintlein gepülverten Saffran/ mache darauß ein pflaster/ das leg warm uber das schmertzhafftig Glied/ es stillet den schmertzen gewaltig/ unnd ist ein fürtreffenliches ANODYNUM, wie ich solches dann offtermals erfahren habe/ und allwegen gut befunden. Wann aber der schmertz sehr groß were/ so nimb an statt deß Rosenöls Magsamenöle/ oder deren beide jedes gleich viel.
            Oder aber in sehr grossem Schmertzen mache nachfolgendes pflaster von Rockenbrodt: Nimb der frischen Brossam von Rockenbrodt acht Untzen/ frisch gemolckene Schaffmilch zwey Pfundt/ Chamillenölen/ Lilgenölen/ jedes ii. Untzen/ deß auffgetruckneten Magsamensaffts OPII ein halb loth mit der obgemeldten Milch zertrieben/ lasse solche Stück mit einander sieden zu einem pflaster/ unnd wann es zu rechter bequemer Dicke gesotten worden ist/ so rühre fünff frischer Eyerdotter darein/ so ist es gerecht/ solches streich auff ein Tuch/ und leg es warm uber/ es legt ein jeden schmertzen wie groß er auch seye in kurtzer Zeit.
            Die Brossam von Rockenbrodt mit Baumölen temperiert wie ein Pflaster/ und auff ein Tuch gestrichen ubergelegt/ zeitiget ein jedes hitziges Geschwer.
            Oder nimb der Brossam von Rockenbrodt xii.untzen/ frisch gemolckene Kühemilch xvi. Untzen oder so viel du bedarffest/ Kölkraut unnd Kappeskrautsafft drey untzen/ reingepülverten Saffran ein halb quintlein/ weiß Lilgenölen drey Untzen/ vermisch und seude es durcheinander zu einem pflaster/ und leg es warm uber.
            Die Brossam von wolgehösseltem Rockenbrodt ein Nacht in einer starcken Laugen geweychet/ darnach in einem Mörser wol gestossen/ zeucht den Eyter unnd Faulnuß auß der tieffe einer Fistel/ unnd heylet/ wie ein Pflaster darüber geleget.
            Die Schäden so vom Winterfrost verursacht worden sind zu heylen: Nimb der Brossam von einem Rockenbrodt viii.untzen/ Schweinenschmaltz iiii.untzen/ Bier so viel genug ist/ lasse die mit einander sieden zu einem pflaster/ darvon streiche auff ein Tuch/ und legs warm auff den Schaden/ erfrisch es deß Tages zweymal/ das ist deß morgens unnd abendts/ es hilfft wann es schon lang gewehret hat.
            Wider das Rotlauffen oder Wildtfewer/ den Brandt und alle Entzündung: Nimb der Brossam von Rockenbrodt drey untzen/ breyten Wegerichsamen/ Wermuth/ Baumnüßkernen/ jedes i.loth/ alles klein zu Pulver gestossen/ vermische solche stück mit gnugsamen Weinessig/ lasse die miteinander sieden zu einem pflaster/ streich davon auff ein Tuch/ unnd legs uber den Schaden/ es hilfft baldt.
            Die Entzündung unnd Hitze der Wunden zu leschen/ oder wie mans sonst nennet die Wundtsucht zu vertreiben: Nimb der Brossam von Rockenbrodt zwey theil/ frischer Nachtschattenbletter/ Haußwurtzbletter/ unnd breyten Wegerich/ jedes ein theil/ stosse die wol durcheinandermit gnugsamem Honig/ daß es ein pflaster werde/ streiche darvon auff ein Tuch/ und leg es uber.
            Wann ein Wein zu viel geschweffelt ist/ und nach dem Einschlag stincket/ so nimb ein heiß Rockenbrodt das aller erst auß dem Ofen kompt/ schneide unden an dem bodem deß Brodts ein Loch und die Rinde hinweg/ lege das Brodt uber die Punden deß Faß/ unnd lasse es darauff ligen biß es kalt wirdt/ so zeucht es den Geschmack deß Schweffels an sich/ das thue ein mal oder drey nach dem das Faß groß ist.
            So sich ein Wein verkehrt hette und ein ubeln Geruch und Geschmack bekommen/ so nimb ein heiß Rockenbrodt wie es auß dem Ofen kompt/ unnd legs obgemeldter massen uber die Pfund/ er wird wider zu recht.
            So man ein brentzlenden Wein machen wil/ sol mann drey oder vier Schnitten Brodts/ mehr oder weniger/ nach dem das Faß groß oder klein ist/ auff einem Rost oder glüenden Kolen braun braten/ und sie in einem leininen Säcklein in dem Herbst also warm in den frischen Most in das Faßhencken/ und es acht tag lang darinn lassen hangen/ darnach widerumb heraußthun/ so gewinnet der Wein ein lieblichen brentzenden Geschmack.
            So ein gifftig Thier in den Wein gefallen were/ rahtet DEMOCRITUS bey dem CONSTANTINO 7.AGRIC.C.27 daß man ein heiß Brodt in das Faß werffen sol/ das sol dem Wein alles Gifft benemmen.
            Wiltu daß die Hüner täglich frisch Eyer legen: So nimb geröscht Rockenbrodt/ lege das in ein frisch Wasser/ laß darinn uber Nacht erweychen/ deß Morgens gib es den Hünern vor anderer Speiß zu essen/ und darnach umb den Mittag wider. Gegen dem Abendt aber gib jhnen Gersten/ Habern/ Weytzen/ oder ein wenig Hanffsamen/ das macht die Hüner fruchtbar/ daß sie auch in der grösten Kält Eyer legen/ wie dann solches offt probiert worden.
            Wann ein Rossz in ein Aug geschlagen würde: Nimb ein frisch Brossam Rockenbrodts/ legs in ein frisches Brunnenwasser/ unnd binde es darnach dem Rossz uber das Aug wie ein Pflaster/ das hilfft jhme unnd lässet kein weiteren Schaden eynreissen/ welches auch an anderem Rindtvieh ist probieret worden.Oder nimb gebähet Rockenbrodt/ netze es in weissem Wein/ und legs dem Roß oder Rindt uber das Aug.
            Wann ein Roß die Fröschen hat/ dz jm die Backen schwartz werden/ sol man nemmen gebratenes Rockenbrodt/ unnd dem Gaul innwendig die Backen wol damit reiben/ biß daß sie bluten/ darnach nimb Saltz und Honig/ temperiers durcheinander/ unnd bestreich jhm damit die Backen und das Maul so genieset es baldt.
            Wider die Gallen der Roß außwendig deß Beins: Brenne dieselbigen mit einem glüenden Eisen/ unnd lege darauff die Brossam von Rockenbrodt also warm wie es auß dem Ofen kompt/ laß drey Tag darauff ligen/ darnach thu es wider herab/ dann nimb alt Schweinenschmer/ Saltz/ Baumölen und gepülvert Brombeerbletter/ vermische das durcheinander zu einer Salben/ darmit verbinde dem Gaul alle acht Tag einmal/ es heylet in acht Tagen.
            Wieder die Floßgallen der Pferdt: Stosse dem Rossz ein glüend Eisen in die Floßgallen/ unnd lege die Brossam von einem heissen Brod darüber/ und laß es drey Tag darauff ligen/ dann nimbs hinweg/ und nimb Kübelhartz/ und alt Schweinenschmaltz/ mach darauß ein Salb/ unnd verbinde den Schaden damit/ so heylet er/ Oder nimb gepülverten Schweffel/ gepülvert Thannenbletter unnd Bech/ jedes gleich viel. Vermische diese Stück mit altem Schweinenschmaltz zu einer Salben/ und verbinde dem Rossz den Schaden damit/ es heylet und ist probiert.
            Die Brossam von Rockenbrodt in gnugsamem Essig geweychet/ unnd zu einem Muß in einem Mörser gestossen/ leget den Rossen die Geschwulst/ die vom reitten unnd drucken deß Sattels verursachet werden/ wie ein Pflaster darüber geschlagen.
            Die Brossam von einem Rockenbrodt mit Saltz vermischet/ vertreibt den Rossen den außwerffenden Wurm/ so man dieses drey oder vier Tage darauff bindet/ unnd allwegen uber Nacht darauff lässet.
            So ein Pferdt zu rehe ist: Nimb die Brossam von einem Rockenbrodt ii.untzen/ ii.loth guten Theriack/ ein Stück von einer Wiselshaut die noch unbereit ist/ zweyer Finger breyt/ und eines Fingers lang/ zu fast kleinen stücklein geschniten/ zertreibe diese ding alle mit Wasser/ und schütte es dem Gaul eyn/ ehe er geträncket wirdt.
            Die Mauchen der Roß zu heylen: Brenne das Ort wol mit einem heissen Eisen/ bicks darnach mit einer Flieten oder Laßeisen/ und leg gebähetes Rockenbrodt mit Saltz also warm darauff/ laß xxiiii.stunden also ligen/ als dann thue es hinweg/ und strewe gepülvert Spanischgrün darein.
            Wider den Ausswurff der Tielen an PferdtenZucker: Nimb ein hart Brossam Rockenbrodts/ vermisch mit Saltz unnd lege es auff den Schaden/ darnach salbe jhm die Hüfft mit Baumölen biß es heyl wird.
            So man einem Roß die Geylen oder Hoden außgeworffen hat/ Nimb die Brossam von einem harten Rockenbrodt und Saltz/ jedes gleich viel/ binde es dem Rossz drey oder vier Nacht uber den Schaden/ und wirff täglich gepülvert Spanischgrün darein/ so heylet es wider.
            Wann einem Rossz die Solen gar hinweg gezogen seyndt: Nim ein Brossam von einem frischen Rockenbrodt/ temperier die wol mit Saltz/ leg es uber Nacht uber die Solen/ deß Morgens nimb ungebrannten Leymen unnd Spanischgrün durch einander vermischt/ unnd binde es dem Roß auff die Füß/ thue es allen tag zweymal/ biß es gnug ist.
            Wann sich ein Gaul getretten hat/ so nimb ein gebähtes Rockenbrodt/ vermischs mit Saltz/ unnd binde es dem Gaul uber den Tritt/ es heylet bald.
            So ein Rossz die Füß verbället hat: Nimb die Brossam von einem Rockenbrod/ weychs in gutem Weinessig/ und schlage dem Rossz etliche Tag allen Abend damit eyn.
            Ein Stück Rockenbrodts under einen Arm gethan unnd darunder gehalten biß es wol schweissig unnd feucht wird/ darnach einem Hund zu essen fürgeworffen/ das machet daß dich die Hund lieb gewinnen/ und fleissig auffwarten.
            Ferner uber die bißher vielfaltige Mittel unnd Artzeneyen/ so von dem Rockenbrodt erzehlet worden sind/ haben wir auch nicht underlassen wöllen/ die Krafft und Tugend deß frisch gebackenen Rockenbrodts/ die es vermag den Leib eusserlich zu nehren/ und den Menschen bey dem Leben zu erhalten/ so man allein an das frisch Brodt reuchet/ erquickt es unnd stärcket die leblichen Geister gewaltig/ derowegen man krancke verzehrte Leute/ die gar nicht essen können/ offtermals an frisch Brodt sol riechen lassen/ durch welchen kräfftigen unnd lieblichen Geruch eines wolgebackenen Brodts das Leben wol natürlich ein zeitlang mag erhalten werden/ wie man solches von DEMOCRITO bey dem DIOGENI LAERTIO LI.9. lieset/ welcher hundert und neun Jahr alt war/ unnd hat doch sein Leben allein von dem guten Geruch deß Brodts drey Tag lang erhalten/ wie DIOGENES solches mit etlichen Verßlein bezeuget/ die er Griechisch geschrieben/ und Lateinisch außgelegt sind.

 

 

            Von diesem liese weiter den CONCILIATOREM DIFF.155. unnd MANARDUM LIB.18.CP.16. derowegen ist nicht wenig gelegen an einem guten Geruch/ sintemal er die innerlichen sinnlichen Geister deß Hirns gewaltig stärcket/ unnd auch das Hertz fürnemlich darvon bekräfftiget wirdt/ wie man solches an gutem kräfftigen Wein abnemmen kan/ welcher mit seinem guten Geruch das Hertz und lebliche Geister mercklich erquicket.

 

Gedistilliert Wasser von Rockenbrodt.
SECALINI PANIS AQUA STILLATITIA.

 

            Auß dem wolgebackenen puren Rockenbrodt pfleget man auch ein sehr nützlich Wasser zu distillieren/ darzu nimpt man die Brossam allein/ riebelt dieselbige klein/ thut darvon in ein Brennkolben daß der Boden uber drey Zwerchfinger hoch mit bedecket seye/ thut einen Helm daruber/ unnd zeucht durch das BALNEUM MARIAE, ein liebliches unnd helles Wässerlein darvon/ das hat ein anmütigen sauerlechtigen Geschmack das ist fast dienlich in allen Bauchflüssen/ unnd sonderlich inn d‘ roten Ruhr/ so man deß Tags zum wenigsten zweymal/ deß Morgens unnd Abendts/ jedesmal zwo Untzen darvon zu trincken gibt. Einem Kindt gibt man jedertweilen ein Löffelein voll.
            Man macht auch dieses gedistilliert Brotzwasser mit mehren Stücken: Man nimbt der Brosamen vom Rockenbrodt drey Pfundt/ acht guter und gepülverter Muschatennüß/ das Brodt riebelt man klein/ vermischet die Muschatennüß damit/ thuts in ein steinen oder gläsin Geschirr/ darüber schüttet man deß außgepresten frischen Saffts von wilden Byren/ und last es xxiiii. Stunden miteinander erbeytzen/ darnach theilet man es in drey oder vier gläsine Kolbengläser ab/ unnd distilliert in BALNEO MARIAE, das Wasser darvon. Von diesem Wasser gibt man einem alten Menschen der mit dem Durchlauff oder aber mit der roten Ruhr beladen ist/ deß Morgens und Abends vor den beyden Jmbsen/ jedes mal drey untzen/ einem so under vierzehen oder dreyzehen jahren/ anderhalb untz/ einem zehen jährigen biß auff fünff jahr ein untz/ unnd einem Kindt under fünff jahren ein loth.

 

Gemein Speißwasser von Rockenbrodt.
AQUA CIBALIS EX PANE SECALICIO.

 

            Jn den hitzigen Fiebern unnd andern dergleichen Kranckheiten/ da man nicht allwegen Gelegenheit hette/ Wasser zu sieden/ machet man ein gutes gesundes unnd kräfftiges Speißwasser zun Jmbsen/ unnd sonsten den Durst zu leschen auß dem Rockenbrodt/ auff folgende Weiß: Man nimbt der Brossamen von Rockenbrodt/ auff die fünff oder sechs Untzen/ riebelt die gar klein/ thut die in ein steininen Krug/ schüttet darzu ein Maß frisch Brunnenwassers/ geusset das etliche mal von einem Geschirr in das ander/ also daß es sich wol vermischet/ darnach soll man es zum wenigsten an einem külen Orth stehen lassen/ biß es sich gesetzet/ unnd dann das Wasser durch ein Tuch darvon abseihen/ oder aber durch ein Claretsack lauffen lassen biß es lauter wirdt. Dieses ist ein lieblich Wasser zu trincken/ unnd nicht allein in hitzigen Fiebern/ sondern auch in andern Schwachheiten/ darinnen der Wein verbotten ist/ dann es leschet nicht allein den Durst/ sondern es nehret unnd speiset auch den Leib. Etliche die ein blöden schwachen Magen haben/ die mögen das Wasser vorhin sieden/ und widerumb zu gemeldtem Gebrauch lassen kalt werden/ so man dann weiter ein halb Loth gestossenen Zimmat mit dem Brodt vermischet/ das Wasser obgemeldter massen darüber schüttet/ ein par Stunden stehen lässet/ darnach durch ein Claretsack lässet lauffen/ so wirdt das Wasser desto kräfftiger und wolgeschmackter.