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ROGGEN

Secale cereale - Gramineae


 

VON DEM ROCKEN ODER KORN.

 

 

            Dieweil under allem Getreydt das Rockenkorn am Rheinstrom/ Waßgaw/ im Odenwaldt/ Spessart/ Schwartzwaldt/ und vielen Orten mehr unsers Teutschlandts/ das aller gemeinest ist/ wöllen wir auch in dieser siebenden Section jhme die erste statt geben/ unnd jhme dieses Capitel eynraumen.
            l. Unnd haben wir dessen zwey Geschlecht/ nemblich den Winterrocken unnd Sommerrocken/ unnd ist aber der Winterrocken das beste Korn/ das pfleget man umb S EGIDII Tag an IM Herbstmonat/ schier biß umb den Christtag/ so man gut und trucken Wetter hat/ zu säen und ins Erdtreich zu werffen. Das thut sich erstmals noch vor dem Winter mit seinen spitzigen braunfarben Keimen herfür/ und wirdt baldt zu schönen graßechtigen Blettern/ wurtzelt auch vor Winter eyn wie ein Wasen wann es schön unnd trucken Wetter hat/ also daß ein jedes Korn gegen dem Frühling/ xii. oder xiii. geährter Hälmer herfür bringt/ und wirdt ein jeder Halm mit scharpffen Graßblettern bekleydet und angezogen mit Graßscheyden wie der Weytzen/ und hat ein jeder Knopff sein eygen Blat/ deren gemeiniglich vier an jedem Halmen gefunden werden/ daher auch dieses Getreydt viel höher wächst als die andern Korngeschlecht/ Gegen dem Meyen gewinnt es seine Aeher/ die werden im Brachmonat gar rauhe unnd granechtig/ blühen bleychgeel unnd kommen nach der Blüht in fünff Wochen zu jhrer vollkommenen Zeitigung.
            ll. Das ander Sommerkorn säet man gegen dem Frühling mit der Sommergersten/ ist dem Winterrocken allerding gleich/ ist aber von Gewächs kleiner/ unnd wirdt im Hewmonat zeitig/ also daß es im fünfften Monat nach der Saat in die Schewren kompt.

 

Von den Namen deß Korns.
            Es ist viel Jar unser Korn von den Gelehrten vor das SILIGO der Alten gehalten worden/ aber was vor ein grosser Jrrthumb unnd falscher Wohn das gewesen seye/ gibt solches leichtlich menniglich zu erkennen/ sintemal bey den Alten wie PLINIUS solches LIB.18.CAP.9. bezeuget/ das aller schönste unnd beste Weißbrodt aussä dem SILIGINO ist gebacken worden/ welches Brodt auch wie PAULUS AEGINETA under allem Brodt am meisten Nahrung gibt/ so meldet auch PLINIUS an dem obgemelden Ort/ daß SILIGO ein außgebundt deß Weytzens sey/ aussä welchem dann leichtlich abzunemmen ist/ daß unser Rockenkorn/ das die allergemeineste Frucht ist under allem Getreydt/ darauß man nicht das schönste unnd beste Weißbrodt becket/ sintemal es auch ein Geschlecht deß Weytzens ist/ und man nur das gemeine Haußbrodt darvon machet vor den gemeinen Mann/ mit nichten das SILIGIO seyn kan/ welches ein Geschlecht deß Weytzens ist/ wie wir hernach an seinem Ort weiter darvon Meldung thun wöllen. Nun ist aber unser Rockenkorn kein ander Geschlecht dess Getreydts/ dann das von GALENO Griechisch oder genannt wirdt/ unnd Lateinisch/ BRIZA oder BRYZA, von PLINIO SECALE und FARRAGO, und von andern SECALA unnd SECLA. Hochteutsch/ Korn/ Rocken und Rockenkorn/ zum Underscheidt deß Weyzens/ der im Westerreich unnd andern mehr Orten auch Korn genannt wirdt.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Rockenkorns.
            Das Rockenkorn hat ein temperierte Wärme/ ist doch weniger warm als der Weytzen/ und wärmer als die Gerst. Es speiset mehr dann Gersten/ unnd minder dann der Weytzen.

 

Jnnerlicher Gebrauch deß Rockenkorns.
            Das Rockenbrodt ist ein kräfftiges unnd gesundes Brodt vor gesunde Leut/ unnd sonderlich vor diejenigen so der Arbeit gewohnet seyndt/ und auch denen/ so von Jugendt auff mit demselbigen ernehret worden seyndt/ und ist nicht ungesund wie etliche darvon geschrieben haben/ wie wir an seinem Ort weiter anzeigen wöllen.
            Es ist das Korn heutiges Tages auch in die Küchen kommen/ das samblet man wann es noch grün ist/ ehe es gar zu vollkommener Zeitigung kompt/ dörret solches in einem warmen Backofen oder in der Sonnen/ als dann verwahret man das in einem Korb an einem lüfftigen Ort. Wann man das nun zum kochen gebrauchen wil/ so lege in ein frisch Brunnenwasser/ so quellet es wider auff/ als wann es noch frisch unnd grün were/ darnach seude die wol in einer Ochsenfleisch/ Hammelfleisch oder Hünerbrühen/ saltz ein wenig daß genug ist/ so wird es anmütige und gute Kost vor gesunde unnd krancke Leuth. Etliche sieden junge Hüner oder Vögel darbey/ und hacken ein Speck mit Majeran oder Thymiankraut gar klein und lassens darbey sieden.
            Auß dem Rockenmeel bereyten die Köch einen Teyg/ daraus machen sie die Gefäß zu den Pasteten/ der ist viel bequemer darzu dann der Teyg von anderm Meel. Wann die Pasteten gessen seynd/ machen sie darnach aussä den gemelten gefässen/ gute Pfeffer/ die wolgeschmackt unnd besser seynd dann die so von anderm Brod gemachet werden/ die gehören allein vor gesunde Leuth/ dann sie mehren die Melancholische Feuchten und verbrannte Gallen.
            Auß dem jungen Graß deß Korns/ machet man durch den Winter uber und auch im Frühling gute Kornsalsen/ den Appetit zum essen darmit zu erwecken/ die jset man zu Fleisch und Fischen/ und wird also gemacht.
            Nimb jung Korngraß/ das wäsche sauber/ thue es in ein weiß leinen Tuch und schwinge es wol aussä daß alle Feuchtigkeit darvon komme/ stosse es wol in einem Mörser/ unnd drucke den Safft aussä durch ein Pfeffertuch. Darnach bähe ein schnitten oder zwo Rockenbrodts auff einem Rost/ laß mit Weinessig oder Agrest auffsieden/ wann es kalt worden ist/ so schütte den außgepreßten Kornsafft darzu/ misch es durch einanderunnd streich es durch ein härin Tuch/ thue Saltz darzu daß genug ist/ machs darnach ab mit ein wenig gestossenem Pfeffer und Jngber/ so gibt es ein herrliche/ gute unnd wol geschmackte Salsen.
            Etliche die haben ein besonder Experiment wider die fallende Sucht oder S. Veltens Siechtagen: Sie nemmen Rockenmeel und machen mit Tauwe der auff S Johannes Tag deß Morgens frühe vor der Sonnen Auffgang gesamlet worden ist/ einen Teyg darauß/ darvon backen sie ein Kuchen/ und geben denselben dem Krancken zu essen/ das soll ein gewisse Kunst seyn/ unnd soll dem Krancken helffen.
            So einer einen stinckenden Athem hat vom Feber oder andern Kranckheiten/ der esse drey Morgen nacheinander nüchtern Rockenbrod/ aussä frischem Bergbrunnenwasser das wol gesaltzen seye/ so wird jhme seyn Mund wider wolschmeckend/ und bekompt eine Lust zu essen.
            Wider das Lendenwehe mach folgende Clistier: Nimb Rockenkleyen anderthalb Handvoll in ein Tüchlein gebunden/ Gersten/ Chamillenblumen/ Leinsamen ein wenig gequetscht/ Griechisch Heuwsamen ein wenig gequetscht/ Eybischkraut/ Brunnenkreß/ Tag unnd Nacht/ Pappeln/ jedes eine Handvoll. Zerschneide die Kreuter klein/ vermisch es mit den Kleyen unnd andern stücken/ thue sie in ein bequemes Geschirr/ schütte daruber iii. Pfund Wassers/ laß sittiglich miteinander sieden biß das halbe theil eingesotten ist: Das seihe darnach durch ein Tuch/ Nimb der Brühen xii.untzen/ der Latwergen DIACATHOLICON, der Latwergen BENEDICTAE LAXARINAE, der Latwergen DIACASSIAE, jedes i. Loth/ Chamillenöle vi . Loth/ deß Pulvers LITHONTRIPI .iquintlein/ Saltz anderhalb quintlein. Vermische alle diese Stück durch einander zu einer Clistieren/ unnd thue sie warm zu den Krancken deß Morgens nüchtern drey Stunden vorm essen/ oder nach Mittag umb drey Uhren/ und lasse jnen drey stunden darauff fasten.
            Rockenkorn gewäschen unnd eine Handtvoll darvon in anderthalb Maß Wassers gesotten/ durchgesiegen unnd getruncken/ treibet die Spulwürm au
β dem Leibe/ ist beide den alten und jungen Leuten/ deßgleichen auch den jungen Kindern dienstlich.
            Oder nimb Rockenkorn/ der schwartzen Brustbeerlein Sebesten genannt/ jedes ein gut Handvoll/ seude die in anderhalb maß Wassers den dritten theil eyn/ seyhe es darnach ab durch ein Tuch/ und trinck darvon: Nimb auch ferner deß gemelten Trancks xii.untzen/ vermische darmit iii.untzen Buttern und ii-untzen Honigs/ machs warm in einem Wasser/ und thue es zu dem Menschen so Würm hat wie ein Clistier/ es tödtet die Würm und führet sie auß.
            Wider den Durchlauff oder Bauchfluß: Nim frisch gemalen Rockenmeel also warm wie es von der Mülen kompt/ rühr darunder zwen frischer Eyerdotter/ und zwo gepülverten Muschatennnüß/ auch so viel reyn gestossens breyten Wegerichsamens/ Vermische die Stück wol durch einander/ darnach backe sie auff einem warmen Herd/ und gibs dem Krancken zu edssen/ ist ein fein Experiment vor arme Leuth.
           
Wider das Krimmen und Reissen im Leib so keine verstopffung vorhaben/ als nemblich in den Bauchflüssen unnd der Ruhr: Nimb zwo guter Handvoll Korn/ seude die in anderhalb maß Wassers/ biß das Korn zerfehret/ und zu einem Muß will werden/ als dann seihe die Brühe darvon durch ein Tuch/ und gib dem Krancken deß Tages dreymal darvon/ jedesmal ein guten Becher voll zu trincken/ deß Morgens einen/ Nachmittag umb ii. Uhren einen/ und auch einen wann er zu Beth gehen will.
            Auß dem Rockenmeel machet man gute Stulzäpfflein/ den Stulgang darmit zu fürdern: Man nimpt deß Rockenmeels zwey Theil/ gemeines Saltz ein theil/ das vermischet man mit Eyerklar zu einem Teyglein/ darauß machet man Zäpfflein klein oder groß/ unnd wann man die gebrauchen wil/ so schmieret man die mit Buttern oder Baumölen.
            Korn oder Rockenkorn gepülvert und i. Quintleins schwer mit weissem Wein getruncken/ treibet fort die ander oder Nachgeburt SECUNDINAM.
            So man Gänß mästen und feyst machen wil/ soll man nemmen Rockenmeel/ soll das mit Honig unnd Meel bereyten wie ein Teyg/ daraus soll man Küglein machen/ und den Gänsen zu essen geben.
            Rockenstroh klein geschnitten/ ist eine gute Speiß vor das Rindvieh/ so man jhnen das mit jhrem Essen wol vermischet/ so werden sie feyst und starck darvon/ ist sonderlich allem Vieh dienlich dasselbe damit uber den Winter zu halten.
            So ein Rossz engbrüstig ist und das Keichen hat/ soll man jm neun tag nach einander nichts dann Rockenkleyen vor sein Futer zu essen geben. Wann aber ein Pferd die strengel hat/ soll man jhme drey Tag lauter Rockenkleyen zu essen geben/ unnd jme auch allwegen i. Handtvoll in sein Trincken werffen/ und jme das lauwarm trincken lassen. Such weiter im Capitel von der Kleyen in gemein.
            Rockenkorn in Regenwasser gesotten biß es weych wird und wider getrucknet/ darnach dem Roßz an statt seines Futers zu essen geben/ nützet das Roß viel/ dann es wird darvon gepurgiret unnd gereyniget/ unnd so es Würm bey sich hat/ werden sie außgetrieben/ man soll jme auch das Wasser zu trincken geben und mit anderm Wasser vermischen.
            Rockenkorn uber Nacht in Wasser geweycht/ und den Rossen mit Spreweroder geschnittenem Stroh zum Futer zu essen geben/ machet die Roßz starck unnd feyst/ und werden schön unnd glathärig darvon. So man aber uber Feld reyset/ unnd man die Zeit unnd Gelegenheit nicht haben kann das Korn zu weychen/ so soll man dem Pferd nicht halb so viel Korn geben als Habern/ unnd es auch in fünff stunden nicht darauff trincken lassen/ dann so bald man es auff dasselbige trincken lasset/ so muß das Rossz zerspringen unnd sterben: Damit aber zu solchem begegnen unnd vorkommen mögest/ unnd das Rossz auch nicht Durst leiden müste/ so gib dem zuvor zu Trincken vor dem Futer/ so schadet es jhme gar nichts/ und wird schön/ feyst unnd glatthärig darvon/ unnd kompt also mit einem Malter Rockenkorns so weit als mit dritthalb Malter Habern.
            Rockenkorn ein gut Theil in Wasser gesotten/ unnd solches den Rossen zu trincken gegeben/ treibet die Würm von jhnen. Oder nimb Rockenkleyen vermische darunder ein wenig gestossenen Schweffel/ unnd schütte es dem Rossz mit gesottenem Kornwasser eyn/ es treibet die Würm kräfftiglich hinweg.
            Wann ein Rossz Blut harnet/ so lasse jme die Mutterader/ und nimb Rockenkorn und Kleyen/ jedes ein gut theil/ seude es wol in Wasser den halben Theil eyn/ nimb der Brühen dann durch ein Tuch gesiegen auff ein halb maß/ vermisch damit ein loth gepülvert Granatenrinden und schütte es dem Gaul etliche Morgen nach einander/ jedesmal so viel warm eyn/ unnd lasse jhnen also etliche Tag still stehen.
            So ein Pferd ein Spinn/ Scorpion oder sonst ein gifftiges Ungeziffer gessen hette/ so soll man es weydlich lauffen lassen/ biß es wol erwarmet unnd schwitzet/ Darauff soll man jhme alsbald das Blut am Gummen lauffen lassen unnd dasselbig jhme also warm eynschütten/ und jhme auch Rockenkorn und Lauch mit einander gekocht zu essen geben/ so schadet es jhme nichts.
            Wann ein Rossz mager wird/ soll man jhme geröscht Rockenkorn für sein Futer unnd Habern geben/ unnd jhmezweymal so viel für schütten/ unnd es täglich zweymal zum wenigsten uber den gantzen Leib streichen unnd reiben lassen. So offt er auch jhme das Korn fürschütten wil/ soll ers zuvor trincken lassen.
            So ein Pferd die Feyffel bekäme/ lasse jhme dieselbige auffreissen unnd alle Körnlein der Feyffel heraus thun/ darnach nimb ein weyches leinines Lümplein/ duncke es in einem Eyerweiß/ und stosse es jme in den Schaden hinein/ schlage es auch gleichfals uber den Gebresten ausserhalb/ decke das Rossz mit einer decke warm zu/ führ es hin und wider biß jhme die Ohren erwarmen/ gib jme dann ein Büschlein gutes/ kräfftiges Heuwes/ mach jhm folgends ein Eymer voll Brühe auß dem Rockenmeel/ Saltz unnd Wasser/ wol durch einander vermischet/ gib es jhme zu trincken/ und lasse es ein Tag oder drey nach einander im Stall außruhen.
            So du ein Rossz sehr geritten hast unnd besorgest es seye zu rehe so lasse es eine Nacht ungessen und getruncken stehen/ Deß Morgens nimb ein gute grosse Handvoll Rockenkleyen unnd wenig gestossenen Saffran/ vermisch es mit lauwem Wasser/ unnd gib es dem Gaul zu trincken/ Kanstu aber auch ein Balg von einem Wisel bekommen/ so lege denselben auch in das trincken/ so wird diese Artzeney desto besser und kräfftiger/ unnd machet jhme auch ein Eynschlag mit Saltz und Eyern/ und schlage jhm denselben warm eyn.
            Rockenkleyen ist ein edel Futer vor die Esel und werden sehr starck und feyst darvon/ und essen die sehr gern/ dann wann sie zu acht Tagen einmal ein Kleyenfuter haben/ so vermeinen sie/ sie haben fast wol gelebt.
            Rockenkleyen mit gesottenen Rüben vermischet/ ist ein edle Mastung vor die Schwein/ dann sie sehr feyst darvon werden/ und wann man haben will daß die Weydschwein so bald sie von der Weyd getrieben werden/ bald zu Hauß lauffen/ soll man jhnen Rockenkleyen under Kässmolcken oder Spülwasser vermischen/ und jhnen in jhren Trog schütten/ so gewohnen sie desselbigen/ unnd eilen von der Weyde den nechsten zum Trog zu. Solches Getränck erweychet jhnen auch die andere Speiß die sie den gantzen Tag gessen haben.
            Wiltu Lemonen/ Citronen oder Pomerantzen lang frisch und gut behalten/ so mache sie in ein Korb eyn mit geschnittenem Rockenstro/ also daß keine die ander anrühre/ unnd verwahre sie in einem lüfftigen unnd külen Ort/ oder aber in einem trucknen Keller.

 

Eusserlicher Gebrauch deß Rockenkorns.
            Es haben die Ackerleuth auß langwiriger Erfahrung gemerckt/ wann viel Rockenkorn unnd Weytzen wächset/ unnd dieselbigen wol gerathen/ so soll auch der Wein wol gerathen/ unnd desselben viel wachsen/ unnd haltens also vor gar gewiß.
            Ein schön Haar zu machen: Nimb ein gut theil Rockenäher/ geuß ein Laug darmit/ unnd zwag dasselbige offt mit dieser Laugen.
            Rockenkorn zu Pulver unnd Eschen gebrannt/ solches mit weissem Wein zertrieben/ unnd wie ein Augenwässerlein gebraucht/ vertreibet das Rinnen der Augen.
            Böse Zähn vor sich selbst machen außfallen: Nim Rockenmeel und mach mit Springwurtzmilch ein Teyglein darauß/ thue darvon in den holen Zahn/ lasse es ein gut weil darinn/ so fället er von sich selbst auß.
            Die hengenden Brüst der weiber steiff und hart zu machen: Nimb Rockenmeel vier untzen/ gepülverten Weyrauch ii.loth/ rein gepülverten Mastix i.loth. vermische diese stück und temperier sie mit einem weissen eines Eyes/ unnd Haußwurtzsafft so viel genug ist/ daß es ein Pflaster werden möge/ das streich auff ein Tuch und legs uber die Brust.
            Wider die erharte Brüst der Weiber unnd den Schmertzen der darauß erfolget nach der Geburt: Nimb Rockenkleyen/ seude die mit Rauthensafft zu einem Pflaster/ lege es auff die Brust zuvor auff ein Tuch gestrichen/ so werden sie wider weych und legt sich der Schmertzen. Die gemeldte Artzeney ist auch gut wider die Bissz der gifftigen Thier/ gleichfalls gebraucht.
            Wider den Wurm und Krebs der Brüst: Nimb Rockenmeel und Weytzenmeel/ jedes iii.loth/ bereyten Kupfferschlag auff das kleinest getrieben ii.loth/ mache solche stück mit Rosenwasser an so viel genug ist/ daß es ein Pflaster geben möge/ streichs auff ein Tuch und legs uber den Schaden.
            Die grossen Bauchwürm zu töden und außzutreiben in alten und jungen Kindern: Nimb Rockenmeel sechs loth/ bereyten Coriander/ Korbfeigen/ jedes anderthalb loth/ Nardensamen/ Wermuth/ Mastix/ jedes ein halb loth/ roter klein geriebener Corallen/ Aloepatick/ Saffran/ jedes i.quintl. Feigbonenmeel anderhalb loth. Alle stück außgenommen die Feygen müssen klein zu einem reinen Pulver gestossen seyn/ die vermischet man dann alle durcheinander/ die Feigen schneidet man klein/ stösset sie darnach wol zu Muß in einem Mörser/ thuts zu den andern stücken/ und noch darzu Wermuthsafft/ Wermuthölen/ jedes vier loth/ Rauthensafft und Rauthenöle/ jedes zwey loth. Solches alles stösset man wol durch einander in einem Mörser zu einem Pflaster/ streicht es auff ein Tuch einer Hand breyt und legt das uber den Nabel.
            Wider die windige auffblehung deß Leibs: Nimb Rockenkleyen ii. Handvoll/ Mattkümmel/ Pfefferkümmel/ Saltz/ Anißsamen/ ungestampfften Hirschen/ Steinklee/ Chamillenblumen/ jedes i. Handvoll/ zerstosse die Samen ein wenig groblechtig/ den Hirschen laß gantz und vermische ale diese stück durch einander/ reihe sie eyn in ein leinen Säcklein/ besprenge ein heissen Zigelstein mit ein wenig Weins/ und wärme das Säcklein darauff/ das leg darnach also warm uber den bauch/ und trag es darauff.
            Wider unmässigen Blutfluß der Weiber: Nimb Rockenmeel ein gut theil/ mach mit Wermuth/ Nachtschaden und Wegtrittsafft/ jedes gleich viel ein Pflaster daraus/ so dick wie ein Brey/ das streich auff zwey Tücher/ leg das eine uber den Nabel/ und das ander uber die Scham.
            Wider die Geschwulst deß Zäpffleins und so dasselbig abgefallen/ wider auffzuheben: Nimb Rockenkorn so viel als ein Hünereye wigt/ darzu ein gantzes Hünereye/ unnd auch eins Eyes schwer Saltz/ solches vermisch und brenne es zu Eschen in einem jrrdinen Geschirrlein/ dazu thue ferner ein Eyerschal vol Pfefferkörner/ solchs stoß alles zu einem subtielen Pulver/ behalt es zum Gebrauch. Wann es nun die Notturfft erfordert/ so blaß deß Pulvers Morgens nüchtern ein Röhrlein durch ein wenig in den Halß/ unnd nach dem Essen wider ein wenig/ es hilfft wunderbarlich.
            Wider das drittägig Feber ein bewehrte Hülff: Nimb Rockenmeel ein gut theil/ vier Eyerdotter/ Eisenkrautsafft/ Wegerichsafft/ Römisch Rösselwurtzel/ jedes gleich viel so viel genug ist daß es ein Pflaster werden möge/ das streich auff ein Tuch/ und legs vor der Ankunfft deß Febers uber den gantzen Bauch/ laß es darauff liegen biß es trucken wird unnd abfällt/ darnach erfrisch es wider auff den tag wann das Feber kommen sol und gebrauchs wie vorhin.
            Rockenkorn ein gut Theil in Wein gesotten so lang biß daß sie zerfahren unnd zu Muß werden wie ein Brey/ streich sie darnach auff ein Tuch wie ein Pflaster/ das bringt die erlameten/ Contracten unnd schlagsüchtigen Glieder wider zu recht/ so man das deß Morgens unnd deß Abends warm daruber schlägt.
            Rockenkleyen unnd Attichwurtzel zu Pulver gestossen/ jedes gleich viel/ seud die in gutem Weinessig zu einem Pflaster unnd streichs auff ein Tuch/ das ist treffenlich gut wider die zerstossene oder zerquetschte Glieder/ von fallen/ schlagen oder stossen/ warm daruber gelegt.
            Die Wartzen zu vertreiben: Nim ein Rockenhalmen/ zünde den an/ und brenn die Wartzen darmit: Darnach nimb rein gestossenen Schweffel/ seude die in Baumölen/ thue Saaltz und Schmaltz darzu/ daß es wie ein Pflaster werde/ unnd lege es darüber.
            So einer verwundt wirdt und jhm das Gliedwasser lauffet/ so strewe rein gebeutelt Rockenmeel darein.
            Auß dem Safft deß jungen Korngraß machen die Wundaertzet ein heylsames Wundtpflaster zu allen frischen Wunden/ welches sie behütet vor entzündung und Wundtsucht/ das nennen sie EMPLASTRUM GEORGIANUM, oder EMPLASTIUM DIUI GEORGII, das ist/ S. Georgen Pflaster/ unnd wirdt also gemacht: Nimb deß außgepresten Korngraßsaffts/ ein maß oder vier Krämerpfundt/ Baumölen xxxii.untzen/ laß sittiglich mit einander sieden/ biß das Safft eingesotten unnd gar verzehret ist/ darnach seihe es durch ein Tuch/ und zerlasse darinn Terpentin und neuw Wachs/ jedes xvi.untzen/ rühre es biß es kalt wirdt/ so ist es bereyt.
            Ein sehr gemeine gute Wundtsalbe von Rockenmeel: Nimb Rockenmeel zwey loth/ zerlassenen Speck drey loth/ unnd Honig zwey loth/ vermische es durch einander zu einer Salben. Oder nimb Rockenmeel/ zerlassen Speck/ jedes vier loth/ Honig zwey loth/ unnd vermisch es zu einer Wundtsalben/ dann sie heylet Wundten/ die nicht Beynschrötig seyndt/ sehr baldt.
            Rockenkorn in Wasser gesotten biß es zergeht und dick wird wie ein Pflaster/ das zeitiget alle hitzige Geschwulst/ auff ein Tuch gestrichen und warm uber geschlagen.
            Oder nimb Rockenkorn neun untzen/ jung Zwibeln vi.untzen/ Köl und Kappeskraut iii.untzen. seude solche stück wol/ und temperier sie mit schmaltz zu einem pflaster/ und legs warm uber/ es erweychet alle harte Geschwulsten.
            Alt Rockenkorn so alt als man es haben kan/ unnd wann es gleich schier faul ist/ seude ein gut theil in Wasser/ darinnen ein Stück Specks lang gesotten worden ist/ biß daß es zergehe wie ein Muß/ das streich auff ein Tuch/ und legs warm uber/ es löset auff und vertreibet alle Beulen wo die am Leib sind/ unnd ist ein Experiment.
            Wider die harten Beulen und Geschwer/ und sonderlich aber die hitzigen Bluteisen zu zeitigen unnd zu erweychen: Nimb Rockenmeel/ frische Eyerdotter/ Honig unnd Schweinenschmaltz/ temperier dieses alles durch einander zu einem Pflaster oder Salben/ unnd legs uber die Geschwer auff ein Tüchlein gestrichen.
            Wider den Wurm am Finger: Nimb Rockenmeel drey loth/ rein geriebenen Kupfferschlag anderhalb loth/ ein Eyerweiß unnd frisch Rosenwasser so viel genug ist/ diese Stück zu einem Pflaster zu temperiren/ davon streich auff ein Tüchlein und leg es uber den Schaden.
            Oder nimb das jnnerste zarte Häutlein von einem Eye/ lege es auff den Schaden/ darnach nimb Rockenmeel unnd temperiers mit gebranntem Wein/ daß es werde wie ein Pflaster/ streich darvon auff ein Tüchlein/ und legs uber das Häutlein daß es dasselbig und den Schaden bedecken möge/ der Wurm stirbt in dreyen Stunden.
            Wider den Brandt denselben an einem Glied zu leschen/ er seye gleich wo er wolle: Nimb Rockenmeel acht loth/ geriebenen Kupfferschlag vier loth/ Honig acht loth. Vermisch diese stück mit gnugsamen Eyerweiß zu einem pflaster/ streich darvon auff ein Tuch und legs uber den Brandt.
            Die Schäden so erfroren oder vom Winterfrost verursacht worden sind: Brenn Rockenkorn zu Pulver/ unnd strewe es in die Schäden. Oder nimb Rockenmeel ein gut theil/ seude das mit zwey theil Wassers/ und einem theil Weins zu einem Brey/ streichs auff ein Tuch/ und legs uber wie ein Pflaster/ es hilfft wol und heylet.
            Neuw Rockenkorn/ sonderlich am Sommerkorn unnd Rauthen/ jedes gleich viel zu Pulver gebrannt/ trucknet unnd heylet die flüssige/ alte unnd böse Schäden/ so man es darein strewet.
            Rockenkornwurtzel getrucknet unnd zu Pulver gestossen/ trucknet und heylet die Fistulen/ darein gestrewet.
            Wider die bösen unnd faulen Schäden der Schinbein: Nimb Rockenkorn/ unnd ungescheelt Gersten/ Taubenkraut/ eines so viel als deß andern ein gut Theil/ thue sie in ein neuwen Hafen/ verdeck jhnen/ unnd verlutier den wol/ setze jhnen in ein strack Feuwer/ unnd brenne die gemeldten Stück zu Pulver/ stosse es darnach/ und schlags durch ein Sieblein/ darvon zeddel täglichs ein wenig in den Schaden/ es nimbt alles faul Fleisch hinweg und verzehret es/ ist auch zu allen andern Schäden dienlich.
            Den bösen außsätzigen Grindt zu heylen: Nimb Rockenmeel vi.Loth/ Feigbonenmeel vi.Loth/ scharpffe Laug/ wie sie die Seyffensieder gebrauchen/ Baumölen/ jedes xii.Loth/ seude alle gemelte Stück mit einander/ biß die Laug eyngesotten ist/ darnach misch darunder rein geschabens Wachs iiii.Loth. wann das Wachs zergangen ist/ so thue es vom Fewr/ unnd rühre es biß es kalt wird. Mit dieser Salben schmiere die schadhafftigen Ort/ doch daß der Leib zuvor durch Aderlassen unnd purgieren wol gereyniget seye.
            Wiltu frische Eyer lang behalten/ daß sie nicht ältzen oder stinckend werden/ so begrabe sie in Rockenkorn.
            Wiltu daß ein Wein gut und beständig bleibe/ unnd seine Farb und Krafft nit verliere biß ans Ende/ so nimb im Herbst Kornblüt/ thue die in ein Säcklein/ hencke dasselbig in den Most/ und wann der verjähren hat/ so thue das Säcklein wider herauß.
            Daß ein Wein nicht breche/ oder wann er gebrochen ist/ daß er wider zu recht komme: Nimb gebeutelt Rockenmeel/ unnd wann der Wein jähret/ so rühr das darein/ unnd wann er schon gebrochen were/ so bringt es jhnen wider zu seiner natürlichen  Farb.
            Daß sich ein Wein nicht von dem Donner verändere: Wann es anfahet zu donnern/ so mach ein Ballen auß truckenem Rockenmeel/ unnd lege ein saubers Tüchlein auff die Spunten deß Fasses/ und den Meelballen darauff/ druck den wol in den Spunnten/ so bleibet der Wein beständig/ unnd verändert sich nicht.
            Rockenkorn/ Habern unnd Hünerkaat/ jedes gleich viel ein gutes theil in ein Hafen gethan/ den Hafen wol vermacht und verlutiert/ darnach in ein starck Fewer gesetzt und zu Pulver gebrennt/ ist ein fast köstliche Artzeney zu den Wunden und Schäden der Rosz/ die vom drucken deß Sattels verursacht worden sind/ dieselben zu heylen/ so man von dem gemelden Pulver ein wenig darein strewet.
            Rockenkorn allein vor sich selbst zu Pulver gebrennet/ heilet alle Wunden und Schäden der Pferdt/ so man es rein stöset/ und täglich darein strewet.
            Alle Brüch unnd Wunden der Pferdt zu heylen: Nimb Rockenmeel mit den Kleyen das noch nicht gebeutelt ist/ unnd Kühkaat/ jedes gleich viel/ das vermische wol durch einander/ thue es in einen neuwen Hafen/ unnd fülle denselbigen damit/ thue ein Deckel darüber/ verlutiere jhn gar wol/ setze den darnach in ein starck Feuwer/ laß darinnen stehen/ biß der Hafen gantz glüendt wirdt/ darnach lasse das Fewer von sich selbst abgehen unnd den Hafen darinnen stehen/ biß er erkaltet/ unnd stosse die Materi darinn zu einem subtielen Pulver/ mit diesem Pulver heylest du alle Brüch/ Schäden unnd Wunden der Rossz.
            So sich ein Pferdt angereychet hette/ so nimb Rockenkleyen unnd Essig/ seude die mit einander biß ein dicker Brey darauß wirdt/ binde es dem Gaul uber den Schaden gar warm mit einem Hasenbalg/ daß es nicht abfalle/ es hilfft unnd ist gewiß.
            Vor die Gallen der Pferdt: Nimb Rockenmeel/ Essig unnd Menschenharn/ vermischs under einander gleich einer Salben und schmiere dem Gaul die Gallen darmit.
            So ein Roß ein Hornspalt hat: Nimb Rockenkorn/ seude das in Wasser biß es vergeht wie ein dicker Brey/ und binde es heiß mit einem starcken Leder auff die Hornspalt/ das weychet das Horn/ und zeucht es wider zusammen.
            Oder seude Rockenkorn inn Milch/ so lange biß es wirdt wie ein dicker Brey/ schlags dem Roßz obgemeldter massen heiß uber den Hornspalt/ thue das so lange/ biß daß das Horn weych wirdt/ als dann stich mit einer Seulen dardurch/ unnd heffte den mit einem Schumacherdrat zusammen/ so heylet er zu.
            Wider den Huffzwang: Nimb ein viertheil eines Pfundts Rockenkorns oder vier untzen/ seude das so lang biß das Korn weych wird und auffreisset/ und alle Feuchtigkeit sich verzehret hat/ vermische darmit ein Pfundt zerlassen Unschlit/ darvon binde dem Rossz auff den Huff.
            Wann ein Rossz ein Fuß verzuckt hat/ so seude Rockenkleyen mit Essig zu einem Brey/ unnd schlags jhm warm umb den Fuß.

 

Gedistilliert Korngraßwasser.
SECALINI AQUA STILLATITIA.

 

            Auß dem grünen Korngraß brennen etliche ein gut Wasser/ wann es noch jung ist/ ehe es anfängt Aeher zu stossen/ so hacken sie es klein/ und distillirens sänfftiglich IN BALNEO MARIAE. Man mag es auch IN VESICA durch das frisch Brunnenwasser distilliren.

 

Jnerlicher Gebrauch deß Korngraßwassers.
            Korngraßwasser obgemelter massen deß Morgens unnd Abends/ jedesmal vier oder fünff loth getruncken/ und auch den Tranck darmit gemischet/ dienet wider die hitzige Entrichtung der Leber/ der Nieren und Blasen/ treibet auß das Grieß und den Nierenstein.
            Korngraßwasser vier untzen/ mit zwey loth Violensyrup vermischet/ alterieret alle hitzige Entrichtung aller jnnerlichen Glieder deß Eingeweydts Morgens und Abendts/ jedes mal so viel getruncken. Gemeldter Tranck ist auch ein guter Leschtrunck in hitzigen Fiebern/ darvon man auch den jungen Kindern jedertweilen ein Löffelein voll davon geben/ wann sie hitzige Fieberlein haben oder sonst hitzig seynd.

 

Eusserlicher Gebrauch deß Korngraßwassers.
            Korngraßwasser in die Augen gethan/ oder aber leinine Tüchlein darinn genetzt und darüber gelegt/ dient sehr wol wider das hitzige Augenwehe/ miltert den schmertzen und zeucht die Hitz herauß.
            Deßgleichen zweyfache Tücher in gemeldtem Wasser genetzet/ unnd ein wenig außgedruckt daß die nicht mehr trieffen/ miltert das hitzige Hauptwehethumb/ uber die Stirn und beide Schläff geleget/ unnd so offt sie trucken werden widerumb erfrischet. So aber die Hitz und der Hauptschmertzen sehr groß were/ unnd man die Artzeney stärcker haben wil/ sol man nemmen vier loth gescheelter Mandeln/ ein loth Pfersingkernen auch gescheelt/ und ein loth weissen Magsamen/ Diese Stück alle sol man fast klein in einem Mörselstein stossen/ darnach mit einer halben ächtmaß deß Korngraßwassers durchstreichen/ daß alle Krafft auß den gemeldten stücken in das Wasser komme/ darzu sol man dann ferner thun auff die ii.loth Rosen oder aber Schnellblumenessig/ und v.Cranen Campffer darinn zertreiben/ so hat man ein köstliches Hauptwasser obgemeldter massen zu gebrauchen.

 

Gesotten Kornwasser.
SECALIS DECOCTIONIS AQUA, oder AQUA DECOCTIONIS SECALIS.

 

            Man pfleget auch auß dem Rockenkorn ein Wasser zu sieden/ das brauchet man zu einem gemeinen Tranck/ wann die Kinder Würm haben/ unnd wirdt dasselbige also bereytet: Man nimpt vier loth Rockenkorn/ zwey loth schwartzer Brustbeerlein sauber gewäschen/ unnd ein wenig auffgeschnitten/ bereyten Coriander ein halb loth. Diese Stück thut man in ein Kannten/ schüttet darüber anderhalb maß Wassers/ stellet darnach die Kannte wol verlutiert umb den Ranfft in ein Kessel mit heissem Wasser/ unnd lasset diese Stück vier Stunden lang mit stetem Feuwer in der Kannten sieden/ darnach seihet man es durch ein Tuch wann es kalt worden ist/ unnd lässet die Kinder nach Durst darvon trincken.

 

Rockenbier.
CEREUISIA SECALINA.

 

            Auß dem Rockenkorn machen etliche auch heutiges Tags ein sehr gut unnd kräfftig Bier/ wie wol es nicht sehr im Brauch ist/ sintemal diese Frucht mehr dann ein einige ander Getreydt vor den gemeinen Mann zum Haußbrodt gepflantzet und auffgehaben wirdt. Dieses Bier stärcket wol und gibt gute Nahrung/ wirdt mit Maltz darzu bereytet/ wie auch das Bier davon gesotten/ wie von der Gersten.

 

Ein Rockentranck vor die Armen den Durst darmit zu leschen.
SECALINUS POTUS PRO PAUPERIBUS.

 

            Vor den armen Mann/ machen etliche einen guten Tranck von dem Rockenmeel/ sonderlich die den Wein und Bier nicht vermögen zu bezahlen/ und gebrauchen den vor ein gemeinen Speißtranck/ sintemal er mehr speiset/ dann das Wasser/ unnd darneben auch den Durst leschet/ und ist anmühtig unnd lieblich zu trincken/ der wird also gemacht: Nimb ein Vierntzel Rockenmeels mit den Kleyen das ungebeutelt ist/ thue das in ein halb Füderichs Faß/ unnd fülle das Faß allgemächlich mit siedendem heissem Brunnenwasser/ rühre es im füllen wol mit einem löcherigen Scheidt/ wann nun das Faß voll ist/ so halt es ein Tag oder sechzehen biß in zwantzig zu/ und lasse es ruhen/ so hastu ein guten gesunden Speißtranck.

 

Rockenkornöle.
SECALINUM OLEUM.

 

            AUß dem Rockenkorn pflegt man auch ein nützlich Oele zu bereyten/ das machen etliche also: Nimb Rockenkorn/ lege es auff ein Amboß in einer Schmitten oder sonst auff ein Eisen/ daß es ein wenig thalhengig seye/ druck darnach ein glüende schineisen darauff/ so fleusset das Oele herauß/ das samlen sie. Andere legen das Korn zwischen zwey eysene Blech oder Platten die gar heiß gemacht seynd und pressen das Oele herauß. Die dritten legen das Korn zwischen einem Marmelstein und ein Feuwerheisse eisene Platten/ drucken die fest zusammen und entpfahen das Oele das herauß fleusset. Andere stossen das Korn grobelechtig/ thuns in ein kolbenglas und ziehen das öle darvon durch die destillation wie andere Alchimistische Oele. Etliche nemmen ein gut theil Rockenkorns/ stossen es groblecht in einem Mörser/ thuns darnach in ein Pfann/ röschtens und machens heiß uber dem Fewer/ im röschten besprentzen sie es ein wenig mit einem guten Wein/ und wann es wol heiß ist/ thun sie es under ein Preß und drucken das Oele davon heraus. Es werde nun dieses Oele bereitet wie man wil/ auff diese/ oder ein andere weiß/ so ist es zu nachfolgenden Gebrechen dienstlich. Es reiniget und vertreibt alle Flecken der Haut/ heylet die räuhe des Angesichts/ und vertreibet die Schiepen/ Schrunden/ Zittermäler/ und die Hauptgeschär der kleinen Kinder. Auff diese weiß mag man auch das Oele von Weytzen/ Gersten/ Haberkorn und anderem Getreydt bereyten.