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REIS

Oryza sativa – Gramineae

 

 

VON DEM REIß

 

            Der Reiß wird von PLINIOund CORNELIO CELSO under das Getreydt unnd Korngeschlecht gerechnet/ AETIUS der rechnet jhnen einmal under das Getreydt/ darnach auch bißweilen under die Hülsenfrücht oder Zugemüß/ LEGUMINAE genannt/ GALENUS aber gesellet denselbigen allein under die Hülsenfrücht. Es hat der Reiß ein Halm oder stengel der ist dicker unnd starcker dann der Weitzenhalm/ einer Elen lang und lenger/ mit Gewerben oder Gleychen underscheiden/ hat Bletter wie die Lauch/ am oberntheil gewinnt es rote Blumen wie der Hirschen/ darauß werden langechtige Hülßlein gleich wie kleine Säcklein/ darinn findet man den Reiß/ der ist etwan rot und etwan weiß/ hat dieses Gewächs die Art an jhm/ daß es gleich blühet und auch in den Kern wächset. Diese Frucht oder Getreydt ist zun Zeiten THEOPHRASTI nicht sonderlich in Griechenlandt unnd andern Landtschafften EUROPAE bekannt gewesen/ die ein neuwe Frucht der Zeit auß Jndien gebracht worden ist/ unnd wiewol sie heutiges tags in Teutschlandt sehr gemein unnd in täglichem Gebrauch ist/ so will doch der Teutsch Acker solche Frucht ohne große Mühe und Arbeit nicht fortbringen/ wie dann solches in Franckreich auch mehr als einmal vergeblich ist versucht worden. Jn Jtalia wird der Reiß heutiges Tages in ziemlicher Menge gezielet/ der weichet dem nit in der Güte der auß Cypern/ Asien/ Cilicien/ und auß der Türckey zu uns gebracht wirdt. Es muß aber dieses Gewächs ein feuchten/ wasserechtigen unnd pfulechtigen Boden haben/ sonst gerathet er nicht. Die Jndianer in dem Reich Calechuten haben den Reiß in grosser menge und haufechtig/ und wann sie denselbigen säen wöllen/ so thun sie dasselbige mit Cymbalen/ Dantzen unnd allerley Freuwdenspiel/ wie die Historienschreiber solches in jhren Geschichten meldten/ und ruffen jhre Götter die Teuffel an/ daß sie jhnen uberflüssige Frucht wöllen bescheren.

 

Von den Namen deß Reiß.
            Der Rei
ß heisset Lateinisch/ RIZUM, RISUM, ORYZA, ORIZA, ORYSUM, HORDEUM GALATICUM und HORDEUM SYCILIENSE. Hochteutsch/ Reiß oder Ryß.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Reyß.
            Der Rey
ß ist warm im ersten und trucken im andern Grad wie GALENUS LIB.2.ALIM. bezeuget. Er nehret mittelmässig/ ist hart zu verdäuwen/ und stopffet den Bauch/ führet weniger dann der Kern/ aber doch mehr dann die Gerst/ dienet den arbeitsamen Menschen/ dann er haltet wol wider/ unnd sättiget baldt.

 

Jnnerlicher Gebrauch deß Reisses.
            Es ist der Rei
ß heutiges Tags bey uns Teutschen fast so gemein als die gescheelte Gerst in der Speiß/ dann man gute kräfftige Suppen/ Breylein und Reißßlein darauß macht/ beyde vor die Gesunden und Krancken/ und werden sonderlich solche Speißlein darvon zu nachfolgenden Kranckheiten höchlich gepriesen/ sintemal sie den Krancken nit allein ein Speiß/ sondern auch ein heylsame Artzeney sind/ und sind gut denen so mit dem Hauptwehethumb das von der geelen Gallen kompt/ beladen sind/ dienen wider die Hauptflüß/ das ubermässige bluten der Nasen und der gülden Adern/ das Blut harnen/ unnd unmässigen Blutfluß der Weiber/ Blut speyen und den Blutfluß der Lungen/ bekommen wol den jenigen so den Leberfluß haben/ den Hustenden/ Lungensüchtigen/ unnd den jenigen/ so Lungengeschwer haben/ auch denen/ so der Mundt stetig voll Speychel lauffet/ die ein erlecherten Magen haben/ unnd stetig sich erbrechen und unwillen müssen/ auch so Geschwer im Magen haben/ Jtem wider die ubermässige begierd zum essen/ sind dienlich in den Geschweren der Eyngeweydt/ der Därm/ Nieren unnd Blasen/ deßgleichen in den Bauchflüssen unnd der Därmruhr/ dann sie heylen die schwerdend unnd verwundte Därm/ unnd vertreiben den Zwang zum Stulgang/ stärcken die schwachen Nieren/ dienen wider den Außgang deß Affterns und die Harnruhr/ verbessern die Schädlichkeit deß eyngenommenen Arsenicks/ Operments/ Reuchgeels unnd deß lebendigen Kalcks.
            Etliche bereyten solche Süpplein und Breylein mit Wasser/ Butter unnd ein wenig Saltz/ lassens wol sieden bi
ß der Reiß zerfehrt: Die andern lassens wol mit Hüner oder Fleischbrühen sieden/ so werden sie kräfftiger und nehren gewaltiglich/ doch geberen sie ein dickes und grobes Geblüt/ und stärcken sehr wol.
            Andere sieden die Rei
ßßlein mit frischer Milch/ biß der Reiß zerfehret/ thun Butter darzu/ lassens sieden biß ein Müßlein oder Breylein daraus wird/ saltzens darnach daß es gnug ist/ und richtens an/ das nehret uber die maß wol.
            Etliche bereyten sie also: Sie nemmen Rei
ß/ wäschen den wol/ setzen jhn darnach zu mit frischem Brunnenwasser/ lassen den sieden biß der Reiß wol auffquellet/ giessen allgemächlich dreymal so viel Mandelmilch darzu/ lassens sieden biß ein bequemes Breylein darauß wird/ schmelzens darnach mit frischem Buttern und temperierens mit gestossenem Zucker/ nach eines jeden gefallen/ das dienet sonderlich wider den Husten/ und wider alle Mängel der Brust und Lungen/ rauhe der Keelen/ deß schlunds und Bestrmmung der Brust.
            Oder nimb rein gepülvert Rei
ßmeel/ setze es mit frischem wasser an/ thue guten frischen Buttern darzu so viel genug ist/ laß es sieden biß sie sich miteinander vereinigen/ darnach geuß drey mal so viel Mandelmilch darzu unnd seuds biß ein Breylein daraus wird/ die mache nach deinem gefallen/ süß mit Zucker/ das ist dienlich zu den gemelten Gebrechen/ unnd bekombt denen sonderlich wol/ die mit dem schwindsüchtigen Feber beladen seynd/ seynd auch dienlich in dem Halsgeschwer und andern Gebrechen deß Schlunds.
            Rei
ßbreylein mit frischer Kühemilch gesotten und dieselben genossen/ machet den Seugmüttern die wasserechtige Milch dick/ gut und kräfftig/ und ist fast dienlich den Weibern jhren Monatlichen Fluß zu viel haben/ oder mit dem Blutfluß der Mutter beladen seynd.
            Darzu seynd auch dienlich gesottene Rei
ßßlein mit Erbesbrühen gesotten unnd durch ein Pfeffertuch gestrichen.
            Rei
ß in einer guten unnd feysten Rindfleisch/ Hüner/ Capaunen oder Hammelfleischbrühen gesotten/ also daß die Kern noch gantz bleiben/ darnach mit klein geschnittenem Peterleinkraut/ oder anderm guten bequemen Kreutern/ ubersäet wann es angericht ist/ ist ein gesunde Speiß nicht allein vor gesunde Menschen/ sondern auch vor die Krancken. Man mag den Reiß auch sieden biß er zerfehret/ dann durchstreichen/ folgends zu einem Müßlein sieden/ lassen dz es werden wie ein Brodbreylein/ darnach mit Rindfett schmeltzen/ und so es angericht wirt/ klein geschnittenen Peterlen oder andere gute Kreuter darauff streuwen.
            Etliche machen ein gutes gebackens von Rei
ß also: Sie nemmen Reiß/ sieden den wol in frischer Milch biß daß er gar dick wird/ saltzens ein wenig/ unnd rühren im sieden ein weissen gepülverten Zucker darein/ giessen den auff ein sauber Bret daß er sich von einander theile/ unnd wann der kalt worden ist/ so schneiden sie lange/ viereckechtige stücker darvon/ bestreuwen die mit Meel unnd backens sänfftiglich in Buttern/ das bestreuwen sie darnach mit Zucker wann sie es anrichten/ das dienet nicht allein vor gesunde Menschen/ sondern es mögens auch die Krancken wol essen/ die mit Bauchflüssen belasten seynd.
            Ein Rei
ßßlein mit Milch oder Hüner/ oder aber Fleischbrühen wol gesotten/ darnach durch ein Pfeffertuch gestrichen/ ein par frischer Eyerdotter darunder gerühret und ein wenig widerumb auffsieden lassen/ ist eine fürtreffenliche gute und gesunde speiß wider den Blutfluß der Leber/ und denen so Blut harnen.
            Rei
ß mit Milch und ein wenig weissen rein gepülverten Traganth zu einem Müßlein gesotten und genutzet/ dient wider die Geschwer der Nieren und Blasen.$

            Die so ungeschickt deyndt zu den ehelichen Wercken/ sollen breylein oder müßlein von Reiß mit frischer Milch oder Mandelmilch bereiten/ dieselbigen niessen/ so wird jhnen widerumb in den Sattel geholffen.
            Ein gute Rei
ßsuppen vor gesunde unnd Krancke Leuth mach also: Nimb Reiß/ quelle den in frischem Wasser unnd wäsche jhnen fein sauber auß/ setze den mit einer lauteren Erbesbrühen zu/ lasse den wol sieden/ doch daß die Kernen fein gantz bleiben/ thue frischen Buttern darzu im sieden/ unnd ein wenig Muschatenblüth/ so wird es ein kräfftige/ wolschmeckende Reißsuppen.
            Ein anders: Nimb Rei
ß/ quelle den in Wasser und lasse den sieden/ wann er nun wol auffgequollen ist/ so schneide frische gescheelte Mandeln die nicht garstig seynd gantz klein/ röschte die mit dem Reiß in Buttern/ doch lasse sie nicht zu braun werden/ machs süß mit Zucker unnd thue kleine Weinbeerlein die sauber gewäschen seind darzu/ so ist es ein gut gesund essen. Etliche thun die gemelte stück in ein Turten unnd backens/ gebens darnach warm oder kalt zu essen.
            Ein Rei
ßßlein mit Kleyenwasser/ darinn ein Handvoll Kleyen xxiiii. Stunden geweichet haben/ unnd durch ein Tuch gesiegen/ zu einem Müßlein gesotten unnd ein wenig gesaltzen/ unnd ungeschmeltzet essen/ ist eine köstliche Speiß und Artzeney vor die Lungensüchtigen/ unnd die so das schwindsüchtige Feber haben.
            Rei
ß geröschet in einer Eisenen Pfannen unnd darnach auß Regen oder gestähltem Wasser sauber außgewäschen/ unnd mit Geyßmilch oder aber an deren mangel/ mit Kühmilch darinn glüende Wacken oder Kiselstein abgeleschet worden seynd/ zu einem Müßlein oder Breylein gesotten/ ist ein heilsame gute Speiß wider die rote Ruhr unnd alle andere Bauchflüss. Gemeltes Breylin ist auch gut wider den erlecherten Magen.
            Ein ander wider die Därmruhr unnd alle andere Bauchflü
ß: Nimb geröschten Reiß/ setze den mit Regenwasser zu/ thue darein ein par gebrühter unnd gesäuberter Kalbsfüß/ laß miteinander wol sieden biß der Reiß zerfahren wil/ saltz es dann zimlich/ unnd gib es den Krancken zu essen. Wilt du nun haben daß dieses Müßlein darneben besser Stärck unnd Nahrung gebe/ magstu an statt deß Regenwassers gute Fleisch oder Hünerbrühen nemmen/ und darnach mit den Kalbsfüssen sieden lassen.
            Ein Rei
ßßlein mit Milch unnd ein wenig Arabischen Gummi rein gepülvert/ gesotten/ ein wenig gesaltzen und genutzet/ dient denjenigen so auß dem Magen bluten/ oder von einer zerbrochenen Ader in der Brust oder Lungen.
            Rei
ß mit Schweinenfüssen unnd frischem Wasser wol zu einem Müßlein gesotten/ unnd mit ein wenig Saltz genützet/ dienet sehr wol den Weibern die Geschwer an der Beermutter haben.
            Ein Rei
ßßlein mit gestählter Milch bereitet unnd wol zu einem Breylein gesotten/ ist ein edle Artzeney denjenigen so mit grossem Schmertzen unnd Reissen im Leib/ kotzen unnd stätig zu Stul gehen müssen/ den wird bald mit diesem Müßlein geholffen.
Ein Mü
ßlein mit Reiß unnd ffrischer Milch wol gesotten/ darein gepülverte Zimmatrinden unnd ein wenig gepülverten Saffran gerührt unnd zimlich geschmeltzt unnd gesaltzen/ ist ein fast dienliche Speiß den erkalten Mannen/ die zu den ehelichen Wercken ungeschickt unnd erkaltet seynd.
            Rei
ß mit Wasser gesotten/ unnd dasselbig stätig vor einen gemeinen Tranck getruncken/ nimbt hinweg die vergiffte schädlichkeit deß eingenommenen Arsenicks oder Rattengiffts/ deßgleichen deß Operments/ Reuschgeels unnd ungeleschten Kalcks. Es ist auch denen dienlich die Schaden empfangen haben von den eingenommenen Treibkörnern oder Springkürbsensamen/ safft oder Wurtzeln. Zu allen obgemeldten Gebrechen seynd auch die speisen/ süpplein unnd Müßlein/ so von dem Reiß bereitet werden/ dienlich und heilsam. Deßgleichen auch wider die schädlichkeit der eingenomenen Spanischen Kefferlein.
            Wider die Därmruhr/ setze Rei
ß zu mit Wasser/ darinnen i.Handvoll breyt Wegerichkraut wol gesotten worden ist/ seude es wol biß der Reiß zerfehrt/ schmeltze es mit frischem Geyssenunschlit/ saltz es ein wenig/ schneid frisch Dillkraut unnd Fenchel klein/ und wann du es angericht hast/ so streuwe es darauff unnd gibs dem Krancken zu essen/ das ist ein Experiment/ das soltu jhm etlichmal also geben.
            Oder nimb wolgesottener durchgeschlagener Rei
ßbrühen zwölff Untzen/ zerlaß darinn drey Untzen frischen Buttern/ unnd gib es dem Krancken durch ein Clistierzeug/ daß er es so lang er kann bey sich behalt/ das heylet die Versehrung deß Maßdarms. Es ist auch treffentlich dienstlich getruncken. Darzu dienet auch Entenschmaltz/ Hünerschmaltz/ Böcken unnd Geyssenschlit/ gleicher Gestalt mit der Reißbrühen genützet.
            Gesotten unnd durchgeschlagene Rei
ßbrühe/ deß Tages etlichmal getruncken/ ist ein gewisse und wunderbarliche Hülffe wider den Husten.

 

Eusserlicher Gebrauch deß Reiß.
            Rei
ß zu einem subtielen Pulver gestossen unnd mit Milch vermischet/ machet ein schön und weiß zart Angesicht/ offtermals darmit gewäschen. Es machet auch weisse und zarte Händ/ gleichfalls gebrauchet.
            Rein gepülvert Rei
ßmeel mit Wein vermischet wie ein Sälblein/ vertreibet das gleyffern deß Mundts/ so einem der Mundt stetig voll Wasser lauffet/ die Zung offtermals darmit angestrichen. Das thut auch der Wein darinnen der Reiß gesotten ist worden/ den Mundt offt warm darmit außgeschwencket.
            Rei
ß in Meth oder Honigwasser gesotten unnd den Halß offtmals darmit warm gegurgelt/ ist gut wider das Halßgeschwer ANGINAM.
            Rei
ß vier oder fünff stunden in Wein geweychet/ darnach zu einem Muß mit dem Wein gesotten/ auff ein Tuch gestrichen/ unnd uber die erharten unnd entzündeten Brüst geleget wie ein Pflaster/ heylet dieselben.
            Oder Rei
ß zu einem subtielen Pulver gestossen und mit dem sauren Honigsyrup (OXYMELITE SIMPLICI) zu einem Pflaster temperirt und gleichfalls gebraucht.
            Wiltu weisse unnd zarte Hände machen: Nimb Rei
ßmeel/ Gerstenmeel/ Amelmeel/ Bonenmeel/ Wolffbonenmeel/ rein gepülvert Veielwurtz jedes vi.loth/ rein gepülverten weissen Traganth ii.loth. Solche Stück vermische alle durcheinander/ unnd so du es gebrauchen wilt/ so nimb ein wenig darvon/ vermischs mit Wasser/ reib die Händ wol darmit/ unnd wäsche die darnach sauber. Du magst auch so viel Seyffen als deß Pulvers ist darzu thun/ dieselbige rein schaben/ darnach mit dem Pulver in einem Mörser wol durcheinander stossen/ unnd im stossen Rosenwasser zugiessen/ daß ein dicker Teyg darauß werde/ alsdann mach darvon Seyffenkugeln nach deinem gefallen/ und gebrauch die zum Händt wäschen.
            Oder nimb Rei
ßmeel vier untzen/ die brossam von Weißbrodt oder Semmelbrodt/ gepülvert Zisererbsenmeel/ jedes iii.untzen/ weyche Seyffen ii.untzen/ Honig so viel du genug hast ein dicken Teyg darauß zu knetten oder zu stossen/ darvon mach darnach Seyffenkugeln.
            Rein gepülvert Rei
ßmeel in das Beth auff die Leylachen gestreuwet darinnen die Krancken ligen/ die die Purpeln oder Durchschlechten haben/ verzehret die uberflüssige Feuchtigkeit derselben.
            Rein gepülvert Rei
ßmeel von geröschtem Reiß bereytet/ unnd in die auffgethanen Purpel gestrewet/ trucknet die auß/ und heylet sie/ also daß keine Löcher boder hole Gruben darvon bleiben/ wie gemeiniglich zu geschehen pflegt.
            Oder nimb geröschten Rei
ß der fein braun ist/ stosse den zu einem subtielen Pulver/ darvon nimb ii.loth/ durch ein reines härin Sieblein geschlagen/ weissen Traganth ein halb loth/ zerstosse den Traganth/ thu den in ein Geschirrlein/ geuß darüber iii.loth gut Rosenwasser/ lasse die Tag und Nacht verdeckt stehn/ biß der Traganth wol zergangen ist/ vermische darnach das gemeldte Reißpulver damit in einem Mörselein/ und geuß im vermischen so lang Rosenwasser zu/ biß daß es wird wie ein dünnes Sälblein/ damit bestreich die Purpeln.
            Wider den feuchten und fliessenden Grindt: Nimb rein gepülvert Rei
ßmeel drey Untzen/ rein gepülverten lebendigen Schweffel zwey loth. Vermische es mit scharpffem Essig zu einem Sälblein/ unnd salbe den Grindt darmit/ der wirdt baldt trucken und heylet.
            Die Flechten oder Zitterschen zu heylen: Gib einem Krammarvogel nichts dann Rei
ß zu essen/ samble dann den Kaat/ oder Dreck/ temperier den mit ein wenig Essig wie ein Sälblein/ und salbe die Flecken damit.

 

Gedistilliert Wasser von Reiß.
ORIZAE AQUA STILLATITIA.

 

            Wiewol man kein gemein Wasser bauß dem Reiß zu distillieren pfleget/ so bereitet man aber ein Wasser darauß mit einem Zusatz/ welches das Angesicht uberauß schön unnd zart machet/ so man dasselbig offtermals darmit anstreichet/ und von jhm selber lässet trucken werden/ das bereyte also: Nimb Reiß zu Pulver gestossen xvi.untzen/ frischen ungesaltzenen Buttern xxiiii.untzen/ vier Fuß von einem Kalb/ der Brossam von Semelwerck oder Weytzenbrodt acht untzen/ weyche die Semmelbrossam unnd das Reißmeel in Geyßmilch das gnug ist/ die Kalbsfüß seude in fliessendem Wasser so viel gnug ist/ biß das halb theil eingesotten ist/ mische darnach alles wol durcheinander/ thu darzu xii. Eyerklar sampt den Schalen unnd den jnneren Häutlein/ und distilliers sänfftiglich in BALNEO MARIAE, darnach zerlaß ein wenig Ganffer unnd Alaun in diesem Wasser und behalts zu dem obgemelten Gebrauch.

 

Getränck so von dem Reiß gemacht wirdt.

 

            Die Völcker gegen Auffgang der Sonnen/ die under dem Gebiet unnd Gewalt deß grossen Can seynd/ die machen einen Tranck auß dem Reiß unnd allerhandt Specerey unnd Gewürtz/ den sie in täglichem Gebrauch haben/ unnd wann sie den trincken/ werden sie toller unnd trunckener davon dann von dem Wein. Man kann auch auß dieser Frücht wie auß anderm Getreydt.

 

Reißbrodt.
ORIZACEUS PANIS.

 

            Das Brodt so auß dem Reißmeel gebacken wirdt/ ist schwewrlich zu verdäuwen/ unnd stopffet den Bauch/ wie das Brodt so von dem Türckischen Korn gebacken wirdt/ wiewol es in den Landtschafften INDIAE ein gemeines Brodt ist/ da dann der Reiß in grosser menge gezielet wird/ unnd wirdt von den Jnnwohnern vor anderer Getreydt Brodt gelobet/ unnd ist jhnen anmütiger dann ein ander Brodt/ unnd wiewol der Reiß so er gemalen wirdt/ ein schönes/ weisses und nahrhafftiges Meel gibt/ unnd das Brodt so darvon gebacken wirdt wol settiget/ und den arbeitenden Leuten/ unnd dem Bauwersvolck die starcke Mägen haben/ fast nützlich unnd gut were/ so ist es doch zu thewer in diesen Landen/ und dörffte also ein Bawersmann an Reißbrodt allein mehr verzehren sich auff einmal zu settigen/ dann jhnen ein herrlich gute Malzeit kosten möchte.