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POLENTA (Gerste)

 


 

VON DEM GERSTENMEEL

das von geröschter Gersten gemacht/ POLENTA genannt.

 

            Es wirdt auch besonders ein Gerstenmeel von geröschter Gersten gemacht/ das wirdt zum underscheid deß gemeinen Gerstenmeels POLENTA Lateinisch/ und Griechisch/ , bey dem HIPPOCRATI genannt/ wie das gemein Gerstenmeel/ , zum underscheidt deß vermischten Gerstenmeels/ mit dem Meel deß Leinsamens und deß Foenigrec/ welches auch von den Griechischen Rosszartzten/ wie PELAGONIUS bezeuget/ , und Lateinisch OMELYSIS genannt wirdt. Die PRACTICI nennen das ALPHITUM oder POLENTUM, HORDEI?OSTI oder FRUCTITAUNA?, und wird solches also bereytet: Man begezst die Gerst mit Wasser unnd lässet sie uber Nacht trucken werden/ darnach röschtet man sie deß andern Tags uber dem Fewer/ unnd läst sie malen. Etliche die röschten sie noch besser/ und besprengen sie noch ein wenig mit Wasser/ lassen sie darnach trucken werden/ ehe sie dieselbige malen lassen. GALENUS lobet das greöschte Gerstenmeel/ welches auß frischer Gersten die ziemlich geröscht worden ist/ bereytet wirdt.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß geröschten Gerstenmeels.
            Das geröschte Gerstenmeel hat eine Natur und Krafft zu trucknen und zu stopffen/ wird nicht allein zur Speiß sondern auch nützlich zu der Artzeney gerbauchet.

 

Jnnerlicher Gebrauch deß geröschten Gerstenmeels.
            Auß dem geröschten Gerstenmeel werden gute/ kräfftige Brey gemacht/ mit Hüner oder Fleischbrühen/ oder aber mit Milch/ die stärcken und nehren sehr wol/ seindt sonderlich den jenigen dienlich die ein flüssigen Bauch haben/ und die stetig mit der Gaderzick (CITOCACIO) beladen seyndt. Diese Brey mit Wasser und Butter gekocht/ seyndt den arbeytenden Leuten die grosse Feldtarbeit thun/ eine gute und gesunde Nahrung/ dann sie speisen wol.
            Ein Breylein von geröschtem Gerstenmeel mit einer kräfftigen Hüner- oder Fleischbrühen gemacht unnd wol gesoten/ darnach mit Quittensafft oder sauwer Granatsafft oder aber Agrest/ temperiert und sauwerlechtig gemacht/ ist eine fast gute Speiß den jenigen so ein Maßleydt ab der Speiß haben/ dann sie macht den Magen lustig und erweckt den Appetit/ ist sonderlich nütz den schwangeren Weibern die gar keine Speiß sonst riechen können.
            Wilt du die Hüner oder Capaunen baldt feyst machen/ so thue sie in ein warm finster Gemach/ ropff jnen die Flugfedern auß/ und speise sie mit geröschtem Gerstenmeel/ das mit Wasser oder Wein angefeuchtet seye.
            Wann die Hüner den Bauchfluß haben/ so nimb eine Handvoll geröscht Gerstenmeel/ unnd gleich so viel Wachs/ das zerlaß unnd vermische diese zusammen mit Wein/ unnd mach Kügelein darauß/ unnd gib jhnen das vor anderer Speiß zu essen.
            Wann ein Ochs oder Rindt das Feber hat/ so rühre geröscht Gerstenmeel in Wein unnd gebe es jhme zu essen. Oder rühre das gemeldte Gerstenmeel mit Saltzwasser eyn/ gibs jhme zu essen/ und decke jhnen mit einer Decken zu daß er erwarmet/ so wirdt jhme geholfen.

 

Eusserlicher Gebrauch deß geröschten Gerstenmeels.
            Wider die faulen Geschwer deß Zahnfleisches/ der Biller unnd der Mandeln im Halß: Nimb zwey theil geröscht Gerstenmeel und ein theil Saltz/ stosse diese wol durcheinander in einem Mörser mit Weinmeth oder Honigwein daß es werde wie ein Teyg/ darauß mache dann kleine Brötlein unnd backe die in einem Beckerofen/ behalte die zu dem gebrauch: Wann es nun die Nothturfft erfordert dieselbigen zu gebrauchen/ so stosse deren eins zu einem subtielen Pulver/ und temperiers mit Wasser zu einem dünnen Sälblein/ unnd schmier darmit das Zahnfleisch und die geschädigten Ort deß Tages offt und dick/ so heylen sie.
            Die schwartzen unnd geelen Zähn weiß zu machen: Nimb geröscht Gerstenmeel ein gut theil/ mache darauß ein Teyg mit dem aller schärpffsten Weinessig/ fülle darmit ein Hafen/ thu ein Deckel darüber/ und verlutier den Deckel und den Hafen allenthalben wol mit LUTO SAPIENTIAE, setze den darnach in ein Haffners Ofen und laß darinn brennen biß die Häfen gebacken seind/ darnach thu den Hafen auff/ und pülver die Materi darinn und schlags durch ein Härin Sieblein/ das behalt darnach in einem Büchßlein oder Schächtelein zum gebrauch/ nimb jederweilen ein wenig und die Zähn wol darmit/ und thue das offt/ so werden sie schön und weiß. Wann du dieses Pulver gern wolriechend hettest/ so mastu ein klein wenig gepülvert Florentinisch Veielwurtz darmit vermischen.
            Die hitzige entzündung unnd geschwulst der Weiberbrüst zu vertreiben/ mach folgendt Pflaster: Nimb Schweinenschmaltz sechs Untzen/ daseiß von zweyen Eyern/ Honig iiiii.loth. zerlaß das Schmaltz/ unnd wann es uberschlagen ist/ so vermisch die Eyerweiß damit und das Honig/ darnach iiiii.loth gepülvert Ritersaltz/ und zum letzten so viel geröscht Gerstenmeel als viel genug ist/ daß es die dicke eines Pflasters haben möge/ davon streich auff ein Tuch und legs uber. Dieses Pflaster zertheilet alle hitzige Geschwer und erhitzigte Beulen.
            Oder nimb geröscht Gerstenmeel zwölff Untz/ Schweinenschmaltz zwölff Untzen/ eilff Eyer mit den Dotern und Weissen/ gepülvert Ritersaltz vier loth/ und Honig so viel genug ist zu einem Pflaster/ temperier diese Stück alle durcheinander und gebrauchs wie oben gemeldt. Wil tu aber dz es den schmertzen mehr miltert dann die Geschwulst/ oder Beulen zertheile/ so lasse das Ritersaltz herauß.
            Geröscht Gertsenmeel mit den Gipfflein von Brombeerstauden/ oder Burtzelkraut/ oder Haußwurtz wol gestossen daß es ein Pflaster werde/ ist ein edel Artzeney wider den erlecherten Magen/ auff ein Tuch gestrichen unnd uber den Magen gelegt.
            Geröscht Gerstenmeel mit altem Baumölen gesotten zu einem Pflaster/ und so warm es zu leiden ist auff ein Tuch gestrichen und ubergelegt/ heylet die runden und harten Knollen deß Hinderns/ S. Fiackers Kranckheit genannt: vertreibet auch die Knollen an andern orten deß Leibs.
            Greöscht Gertsenmeel mit Wasser zu einem Brey gesotten/ heylet den Brandt vom Fewer/ auff ein Tuch gestrichen unnd wie ein Pflaster uber gelegt.
            Wann der Brandt aber schon Bläterlein bekommen hat/ so nimb zwey theil geröscht Gerstenmeel/ unnd ein theil reyn gepülvert Sumachkörner/ seude die mit einander in gutem Weinessig zu einem Brey/ streichs darnach auff ein Tuch wie ein Pflaster/ und legs uber.
            Wiltu viel Fisch fangen so nimb geröscht Gerstenmeel/ mache das mit Wasser an und mache Kügelein darauß/ die wirff ins Wasser so kommen die Fisch herbey.