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PFIRSICHBAUM
Prunus persica - Rosaceae


VON PFERSINGBAUM

    Der Pfersingbäum werden allhie vier Geschlecht fürgestellt:
    l. Das erste ist der gemeine Pfersingbaum/ wächst etwas hoch auff/ breytet sich mit seinen Aesten auss/ welche gar mürb seyn/ also/ dass sie auch von der Frucht gar leichtlich werden hernider gerissen: Die Bletter sind langlecht/ unnd spitzig/ rings umbher zerkerfft/ unnd eines bittern Geschmacks/ die Blüt ist schön leibfarb rhot/ nach welcher die Frucht erfolget/ welche gantz fleischecht und safftig ist/ ausswendig mit einer zarten Woll umbgeben/ unnd gleichsam mit einem Riss durchscheiden: Mitten in der Frucht ligt ein harte rauhe Nuss/ in welcher ein weisser Kern ist/ eines bittern Geschmacks.
    ll. Das ander Geschlecht ist dem ersten mit seinen Blettern und Aesten gantz gleich/ aussgenommen/ dass die Frucht gar gelb ist/ auch kleiner/ dann am ersten Geschlecht
    lll. Mit diesem kompt auch uberein das dritte Geschlecht/ ohn allein/ dass seine Frucht von Farben rot ist.
    lV. Das vierdte Geschlecht ist den vorigen auch gantz und gar gleich/ hat allein sein underscheidt daran/ dass seine Frucht den Quitten etwas scheinet gleich seyn.
    (Es sind noch welche sich den Welschen Nüssen vergleichen/ so sie Nüsspfersing nennen/ die zu essen gar lieblich sind. Sie haben noch ein ander Geschlecht/ deren Kern am Geschmack fast wie die Mandeln süsslecht/ so man Mandelpfersing nennet.

Jnnerlicher Gebrauch
    Die Pfersing/ wie DODONAEUS schreibet/ sind dem Magen gar schädlich/ geben auch dem Leib gar keine Nahrung/ sondern sie faulen gar leichtlich/ sonderlich wann man sie nach der anderer speiss gebrauchet/ alsdann verderben sie auch andere Speiss/ daher dann vielerley Schwachheiten/ fürnemlich aber faule Magenfieber verursacht werden. Wann man sie aber für anderer Speiss isset/ so erweichen sie den Bauch/ und gehen bald widerum hinweg.
    Pfersingkern klein zerstossen/ unnd mit Wein getruncken/ eröffnen die verstopffte Leber und das Miltz.
    Die Blüet von Pfersingen wie ein Salat bereytet und gessen/ bewegen den Stulgang/ und ist eine gesunde Speiss den Wassersüchtigen (treiben das Gewässer auss.)

Eusserlicher Gebrauch
    Wem das Haar aussfallen wil/ der stosse Pfersingkern/ mische Essig darunter/ mach es wie ein Salb/ und streich sie auff.
    Wider das Brennen im Halss oder den Sod/ soll man fünff Pfersingkern essen/ soll das Brennen nachlassen.
Der Safft auss den Blettern/ in die Ohren getropfft/ reiniget die syterichten Ohren. Die Bletter gedörret und in frische Wunden gestrewet/ heylen dieselbigen.

Von Pfersingblüetöl

    Etliche füllen einen Hafen mit Pfersingblüet/ graben denselbigen in die Erden oder Mist ein zeitlang darnach trucken sie darauss ein Oel/ damit schmieret man für der Hitz der Fieber der Pulssadern und andere Oerter.

Von Pfersingwasser

    So man nimpt 50 Pfersingkörner/ hundert Kirschen Nüsslein/ ein Handtvoll Holderblüet/ in ein mass Malvasier thut/ unnd in einem erdenen Hafen zehen tag lang in Rossmist vergräbt: darnach alles mit einander in gläsenen Helmen distillieret/ gibt ein kräfftig Wasser für den Stein/ so man dessen am Morgens acht Loth auff ein mal nüchtern trinckt.