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PFERDEEPPICH
Smyrnium olusatrum - Umbelliferae


VON DEM ALEXANDRINISCHEN PETERLEN.

Der Alexandrinisch Peterlen wirdt von etlichen Alexander genannt/ hat eine ziembliche dicke Wurtzel/ sonderlich wann sie gepflanzet wird/ außwendig grawschwartz/ und inwendig weiß/ safftig und weich eines scharpffen Geschmacks und lieblichen Geruchs/ nicht unlieblich im Mundt unnd zu essen bequeme. Die Bletter seyndt dem Wassereppich and der form und gestalt gleich/ seindt doch grösser und breyter von farben dunckelgrün/ unnd gegen der Erden auff Kestenbraun beneigt. Der Stengel ist zwoer Elen hoch/ weych und hol/ gezeichnet/ als were er mit Linien durchzogen/ und vielen Nebenästlein. Auff den Stengeln und Nebenästlein wachsen Crönlein oder Dolden mit vielen und kleinen weissen Blümelein/ wann die vergehen/ folget hernach ein schwartzer/ langer/ getrungener und gebogener Samen/ der ist am Geschmack zanger/ und hat einen Würtzgeruch/ wie auch das gantze kraut. Es wirdt bey uns in den Gärten mehrentheils gezielet/ an etlichen orten wächst es auch von sich selbst ohn einige pflantzung. Es liebet einen feysten feuchten Grundt oder Erdreich/ unnd wächst fast gern darinn.

Von den Namen deß Alexandrinischen Peterlens.
    Es haben auch etliche ein SMYRNIUM auß diesem Kraut wöllen machen ohn einigen ferneren underscheidt/ und haben nicht weiter daran gefehlet/ dann daß sie es vor das SMYRNIUM DIOSCORIDIS gehalten/ welches wir in dem nechsten Capitel beschrieben haben. Wann sie aber GALENUM, AETIUM und APULEIUM fleissig darvon gelesen hetten/ würden sie befunden haben/ daß diese Gewächs nicht das SMYRNIUM DIOSCORIDIS, sondern GALENI, AETII unnd APULEII SMYRNIUM seye/ welches DIOSCORIDES HIPPOSELIUM, unnd OLUS ATRUM genennet/ auch darbey vermeldtet/ daß es von etlichen SMYRNIUM genannt werde. Was nun GALENUS, AETIUS unnd APULEIUS in jhren Schrifften von dem SMYRNIO geschrieben/ das verstehen sie allwegen von dem Alexandrinischen Peterlen/ welches man fleissig wahrnemmen soll/ darmit man kein Confusion in diesen beyden Kreutern mache/ wie PLINIUS unnd THEOPHRASTUS gethan/ unnd in jhren Schrifften zu sehen ist. Dann so baldt man in einem Kraut einen Mißverstandt hat/ unnd eines vor das ander setzt/ müssen auß einem Jrrthum noch viel mehr folgen. Dergleichen was auch DIOSCORIDES von seinem SMYRNIO welches wir Smyrnenkraut genannt haben/ verstanden werden. Das Alexandrinisch Peterlen wirdt Lateinisch HYPPOSELINUM, OLUSATRUM, GRIELUM genannt, von GALENO, AETIO unnd APULEIO SMYRNIUM, unnd von THEODORO GAZA, EQUAPIUM. Von den Kreutlern wirdt es genannt SMYRNIUM GALENI, SMYRNIUM HOLERACEUM, APIUM HISPANICUM, APIUM PERSICUM, APIUM GRANDE, APIUM ALEXANDRINUM, APIUM EQUINUM, HERBA ALEXANDRINA, PETROSELINUM ALEXANDRINUM, und PEROSELINUM WQUINUM. Bey den gemeinen Aertzten und Apoteckern/ und bey dem SOTANO EPHESIO, wirdt es ALEXANDRUM, OLYSATRUM und OLYXATRUM, mit Barbarischen Namen genannt/ welche es auch fälschlich PETROSELINUM MACEDONICUM nennen/ und es nun viel Jahr her auß grossem unverstandt darvor gebraucht haben/ wie es dan noch heutigs Tages geschicht. Hochteutsch Alexandrinischer Peterlen/ oder Peterlen auß Alexandria/ Rosszpeterlen/ Rosszeppich/ Spanischereppich/ Persischereppich und Alexander.

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Alexandrinischen Peterlens.
    Der Alexandrinisch Peterlen/ hat eine wärmende unnd trucknende Krafft/ ist heiß und trucken im dritten Grad/ es wirdt Kraut/ Wurtzel unnd Samen/ beyde in Speiß und Artzeney heylsamlich gebraucht.

Jnnerlicher Gebrauch deß Alexandrinischen Peterlens.
    Der Alexandrinisch Peterlen ist von den Alten wie andere Mußkreuter in der Speiß genossen worden/ die Bletter und Stengel haben sie gesotten gessen wie den Peterlen/ habens auch mit Fischen gekocht/ haben dieselben auch rohe mit Lacken zur Speiß eyngemacht und uber Jahr behalten. Die Wurtzel haben rohe und ungekocht gessen/ welcher Gebrauch noch in Franckreich/ Engellandt/ und auch in etlichen orthen deß Teutschlandts auff den heutigen Tag wehret/ dann es ein gesundt gemüßkraut ist/ wie der Peterlen/ unnd denen so ein blöd unnd flüssig Haupt haben gesunder dann derselbig/ unnd macht den seugenden Weibern viel Milch/ in alle weiß und weg wie man will genutzet.
  
Alexandrinischen Peterlensamen gepülvert unnd mit einer Brühen getruncken/ dienet wider den täglichen durchlauff und benimpt die Schlüpfferigkeit der Därm.
  
Die Wurtzel in Wein gesotten/ unnd darvon eine zeitlang Morgens und Abendts/ jedesmal ein gemein Tischbechervoll getruncken/ vertreibt den Schmertzen der Lenden unnd deß Rückgrads: dienet auch wider die Harnwinde/ fürdert die weibliche Monatblumen/ unnd treibet auß den Lenden oder Nierenstein.
  
Alexandrinisch Peterlenwurtzel zu Pulver gestossen/ und eins Güldenschwer oder ein quintlein oder anderhalbes mit Wein getruncken/ dient wider die Biß der wütenden Hundt und Stich der Scorpionen.
  
Dieses Kraut und Wurtzel in der Speiß oder sonst in andere weiß und weg wie ein Artzeney gebraucht/ ist heylsam und gut wider die Geelsucht.
  
Alexandrinischen Peterlensamen gepülvert/ unnd dess Pulvers ein quintlein schwer mit Wein getruncken/ dienet wider das schmertzliche Hüfftwehe. Und mit Weinmeth getruncken/ fürdert die Monastblumen.
  
Alexandrinisch Peterlenkraut gestossen und ein quintlein mit Bastardt oder anderm süssen Wein getruncken/ dienet wider die Schebigkeit der Blasen/ unnd vertreibt die Harnwindt unnd das tröpfflingen harnen kräfftiglich. Gemeldt Kraut in süssem Wein gesotten/ unnd die durchgesiegene Brühe deß Morgens und Abendts warm getruncken/ hat gleiche Wirckung.
  
Wieder die Harnstreng oder Harnwind der Rossz/ unnd wann sie nicht stallen können/ so nimb deß gepülverten Krauts oder der Wurtzeln deß Alexandrinischen Peterlens/ vermische das mit einer ächtmaß Weins/ unnd schüts dem Gaul warm eyn.

Eusserlicher Gebrauch deß Alexandrinischen Peterlens.
    Alexandrinischen Peterlenkraut unnd Wurtzel frisch gestossen unnd wie ein Pflaster ubergelegt/ ist gut wider die Biß der wütenden oder unsinnigen Hundt/ unnd die Stich der Scorpionen.
  
Ein Mutterzäpfflein auß der Wurtzel deß Alexandrinischen Peterlen gemacht/ unnd zu sich gethan/ bringet wider die verstandene Monatblumen der Weiber.
    Wider die rohen unzeitigen Geschwülst unnd Geschwer/ die schwerlich zur Zeitigung zu bringen seindt: Nimb Alexandrinisch gepülvert Peterlenwurtzel vi.loth/ gepülvert Eibischwurtzel zwey loth/ Feigbonenmeel/ Zisererbsenmeel jedes drey loth/ die Brosam von Weitzenbrodt vier loth/ Eselscucumernöle/ alt schweinen Schmaltz/ jedes fünff loth. Seude diese Stück zusammen inn genugsamem Wasser/ wie ein dicklechtigen Brey/ das es ein Pflaster werde/ das streich auff ein Tuch und leg es warm uber die geschwulst.
    Alexandrinischen Peterlensamen zu einem subtielen pulver gestossen/ und mit Baumöle zu einem Sälblein temperirt/ vertreibt das schaudern und beben der Feber/ den Rückgrad vor der ankunfft derselbigen/ wol und warm angestrichen.