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VON DEM MACEDONISCHEN PETERLEIN.

    Der rechte und wahre Macedonischer Peterlein/ hat eine weisse Wurtzel/ dem gemeinen Gartenpeterlein/ unnd rechten APIO der alten gleich/ die ist aber am geschmack räser/ schärpffer und bitterer. Die Bletter seynd auch dem Gartenpeterlein nicht ungleich/ seindt aber grösser/ den Blettern der weissen Bibernellen ähnlich. Der Stengel ist dick/ eckechtig mit vielen Nebenzweiglein/ darauff wachsen viel kleiner weisser Blümlein auff Crönlein/ wie am gemeinen Peterlin/ wann die vergehen und abfallen/ folget ein Samen der ist kleiner dann der Samen deß Peterleins/ am geschmack scharpff und bitter/ eines lieblichen Geruchs/ dem Geruch deß Ammeysamens ähnlich. Der aller beste Macedonische Peterlen wächßt in der Landtschafft MACEDONIA auff etlichen Gebirgen und hohen spitzigen Felsen/ wiewol man denselben auch wie GALENUS bezeuget/ in der Landtschafft EPYIO, die an MACEDONIAM stösset/ findet. Dieses Gewächß wächßt sonst nirgends dann in EUROPA, aber wirdt doch heutigs Tags bey uns in den Gärten gepflantzet/ und wächst sonderlich gern in einem steinechtigen Erdtreich/ und sonderlich in dem/ so mit Kalcksteinen vermischet ist.

Von dem Namen deß Macedonischen Petereins.
    Der Macedonisch Peterlein hat seinen Namen von der Landtschafft Macedonien/ darinnen er wächßt/ bekommen/ nicht aber allein darumb/ sondern auch deßwegen daß er am aller kräfftigsten vor andern in gemeldter Landtschafft wächßt.
Es haben bißher die gemeinen Aertzt/ die in den SIMPLICIBUS wenig erfahren seind/ den Alexandrinischen Peterlen/ den der gemeine Mann auch bey uns Alexander nennet/ vor den wahren Macedonischen Peterlein fälschlich gebrauchet/ unnd denselben auß unverstandt auch darvor gehalten/ welches keine andere ursach ist/ dann daß sie der Erkanntnuß der Simplicisten wenig geachtet/ und also in jren Recepten QUID PRO PRO den Krancken fürgeschrieben.
    Der Steinpeterlein wird Lateinisch/ APIUM SAXATILE, APIUM PETRAEUM, von GALENO PETROSELINUM LIB.1DE ANTID. und PETROSELINUM ESTREATICUM, von den Kreutlern PETROSELINUM MACEDONICUM genannt, zum underscheid deß falschen eyngeführten Steinpeterleins/ der den Namen PETROSELINI vermeindtlich vertretten hat müssen. Hochteutsch Macedonischer Peterlin/ Steineppich und Steinpeterlein.

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Macedonischen Peterleins.
    Der Macedonisch Peterlein hat die Krafft unnd Eygenschafft zu erwärmen/ zu trucknen/ abzulösen/ zu eröffnen und dünn zu machen/ unnd ist die Wurtzel unnd der Samen warm unnd trucken
im dritten Grad. Das Kraut aber ist geringer und schwächer/ in allen gemeldten Wirckungen.

Jnnerlicher Gebrauch deß Macedonischen Peterleins.
    Man braucht den Samen deß Macedonischen Peterleins zu dem edlen Theriack unnd andern Artzeneyen/ die wieder das Gifft bereytet werden. Sonst dienet er zu dem Hertzklopffen von Kälte verursacht/ löste auff die verstopffung der Leber/ ist gut wieder die Wassersucht/ treibet den Harn unnd die Weibliche Monatblumen: Er ist auch gut wieder die windige auffblähung deß Magens unnd der Därm/ vertreibt das krimmen/ miltert den schmertzen der Seiten/ Nieren unnd Blasen/ im Tranck eyngenommen.