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PAPYRUSSTAUDE

Cyperus papyrus - Cyperaceae

 


 

VON DEM PAPYERRIEDT.

 

 

            DIOSCORIDES LIB.1.CAP.94. gedencket deß Papyerriedts/ und zeigt an seinen Gebrauch in der Artzeney/ aber die Form und Gestalt beschreibet er gar nicht/ als eines bekannten Gewächs zu seiner Zeit/ da man vorzeiten das Schreibpapyer außgemacht hat/ aber nach seiner Zeit biß auff uns ist es so unbekannt worden/ daß man schier gar nicht gewust was es vor ein Gewächs gewesen seye/ biß vor kurtzen Jahren der hochberühmbte MATTHIAS LOBELIUS Fürstlicher Branischer MEDICUS dasselbig widerumb bekannt gemacht/ der es auß dem herrlichen unnd weitberühmbten Lustgarten zu PISIS in Jtalien mit sich in diese Landt gebracht/ und solches/ wie hierbey verzeichnete Figur angezeiget/ abreissen hat lassen/ welches wir billich jhnen höchlich zu dancken haben/ dz er dieses und mehr andere frembde Gewächs an Tag gegeben unnd uns bekannt hat gemacht/ sintemal wie auch zuvor gemeldet dieses Gewächs gar in Abgang und vergeß bey uns kommen ist/ und man nun viel Jahr her das Schreibpapeyer auß altem leinin Tuch gemacht/ welches das gemeldte Egyptisch Papaeyrriedt hat müssen vertretten. Das Papeyerriedt aber/ wie es LOBELIUS beschreibet/ hat viel langer/ glatter/ glantzender/ auffrechter Stengel/ von sechs oder sieben gemeiner Elen hoch/ daran gar keine Bletter seyndt dasnn unden von der Wurtzel/ die seyndt umbgeschlagengleich wie die Bletter der Cyperwurtz oder deß Ließknospen/ die Wurtzeln seyndt zasechtig wie die Wurtzeln deß Rohrs oder Rietds/ oben gewinnen die Stengel sehr schöne Blumen/ in der runde gleich einem schönen Krantz/ sehr dick und gleich mit Aehren besetzet/ mit vorgehenden Spitzlein oder Pünctlein zusammen getrungen/ gleich wie die Blumen deß Ferulkrauts/ und nicht außgespreytet wie an der Cyperwurtz/ unden an dem Haupt der Blumen seyndt sie gerings herumb mit artigen Blettern umbgeben/ die seyndt viel kleiner dann die understen/ gleich wie an der Cyperwurtz/ so viel LOBELIUS von dem Egyptischen Papeyerried. Weiter wissen wir von diesem Gewächs nicht zu schreiben/ sintemal wir es nie gesehen/ wöllen doch seinen Namen unnd den Gebrauch zur Artzeney DIOSCORIDE anzeigen.

 

Von den Namen deß Egyptischen Papeyerriedts.
            Das Egyptisch Papeyerriedt heisset Lateinisch/ PAPYROS, PAPYROS NILOTICA, PAPYRUS AEGYPTIA und CHALTACEA. Ewirdt auch bey den Authoren Lateinisch/ PAPYRUM IN NEUTROGENERE gelesen.

 

Von dem innerlichen unnd eusserlichen Gebrauch deß Egyptischen Papeyerriedts.
            Das Papeyerriedt (spricht DIOSCORIDES)da man vor zeiten das Schreibpapyr außgemacht hat/ ist jederman wol bekannt/ unnd hat einen sonderlichen Nutz in der Artzeney die Fistulen zu eröffnen/ man nimbt die Papyrriedt wann es noch frisch und feucht ist/ wickelt das in ein leinin Tüchlein/ biß daß es dürr wirdt/ so wirdt es schmal/ daß es in die Fistel mag gethan werden/ wann es nun darein gethan wirdt/ unnd feucht worden ist/ so quillet es auff und wirdt dick/ und eröffnet alsdann die Fistel und machet sie weit.
            Die Wurtzel deß Egyptischen Papyrriedts/ hat auch eine Krafft zu nehren und führung zu geben/ derwegen käuwen die Egypter dieselbig und saugen den Safft davon auß/ und werffen darnach das gekäuwet widerumb hinweg.
            Es brauchen auch die Egyptier die gemeldte Wurtzel an statt deß Holtzes zu brennen. Die Aesch aber deß verbrannten Papyrriedts wehret und heylet die umbsich fressende Schäden an allen Orten des Leibs/ sie seyen wo sie wöllen/ sonderlich aber im Mundt/ aber besser ist das Schreibpapyr/ das auß diesem Papyrriedt gemacht wirdt.