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NELKENWURZ

Geum - Rosaceae

 

 

VON DEN BENEDICTENKREUTERN.

 

 

             Der Benedictenkreuter haben wir vier underschiedliche Geschlechter/ wiewol gemeiniglich nur eines heutigs tags im Gebrauch der Artzeney ist.
            l. Das erste unnd gebräuchlichste Geschlecht hat ein zasechtige Wurtzel/ die ist etwan kleines Fingers dick/ ist unden stumpff als wann sie abgebissen were/ oder in der Erden abgefaulet/ von farben ausserhalb schwartz und jnwendig rotfarb. Diese Wurtzel hat einen sonderlichen lieblichen unnd anmütigen Geruch/ gleich wie die Näglein/ sie seye gleich grün oder dürr/ fürnemlich aber wann sie im Mertzen gegraben wird/ darnach wohl gesäubert/ und im schattechtigen Lufft auffgetrucknet unnd gedörrt. Die Bletter seynd rund/ eckechtig/ gerings umb gekerfft unnd tieff zerspalten wie die Erdbeerbletter/ von Farben grün unnd am griff rauch/ wie die Bletter der Odermenig/ deren wachsen gemeiniglich undenher fünff an einem Stiel/ under denen seyn die understen sehr klein/ unnd deren seynd zwey gegen einander uber gesetzt/ die öbersten aber seyn gro
ß/ werden doch den Stengel nhinauff kleiner. Dieses Gewächs bringt alle Jahr ein neuen Stengel neben dem alten/ der den Winter uber verdorret ist/ von farben braunrot und fast anderhalben Elen lang/ haarechtig/ rundt/ der spaltet sich oben her in etliche Nebenästlein/ die tragen geele Blümlein von fünff Blätlein den Blümlein deß Tormentills oder Gänserichkrauts ähnlich. Wann die Blättlein der gemeldten Blümlein abfallen/ folgen hernach rauhe Böllelein oder Köpfflein in der größ der gemeinen Haselnüß/ von farben gemengt/ grün und braunfarb/ wie Klettlein anzusehen/ allein daß sie nit scharpff/ sondern die Spitzlein daran linde und weych seynd. Ein jedes Spitzlein hat unden ein dicks Kölblein/ dz ist der Samen/ so derselbig zeitig wird/ so zerfellet als dann das Kölblein/ davon wachsen dann wider junge Stöcklein herfür. Dieses Gewächs ist allenthalben gemein in Teutschland. Es wächst gemeiniglich in einem harten und feuchten Erdreich/ und sonderlich da es Schatten haben mag/ als in Gärten an Mauren/ hinder den Zeunen/ in Hecken und Dornbüschen. Sie wird aber gleichwol auch von wegen jhrer träfflichen nutzbarkeit von vielen in den Gärten gepflantzet.
            ll. Das zweyte Geschlecht der Benedictenwurtz/ hat eine Wurtzel die ist Fingers unnd auch bi
ßweilen Daumensdick/ mit etwas weniger Zaseln oder Nebenwürtzlein behencket als die vorige/ die hat auch ein lieblichen Geruch wie Näglein/ aber doch viel minder unnd schwächer dann die Wurtzel deß ersten Geschlechts/ ist am Geschmack herb/ trucken unnd zusammenziehend. Die Bletter seynd den Blettern deß ersten Geschlechts nit ungleich/ allein daß sie liechtgrüner und drey oder viermal grösser seynd/ und ist ein jedes Blat gemeiniglich in iii. Spalten zertheilt und geründer/ mit kleinen schnitlein gerings umkerfft. Der Stengel ist rundt/ fast anderhalben Schuch oder Elen lang/ mit rauher Wollen uberzogen wie auch dz gantze Gewächs/ darauff wachsen schöne geele Rößlein von sechs Blettern/ den Cisten Rößlein ähnlich/ Der Apffel jnnwendig ist von vielen geelen Fäselein formirt darauß schwartzlechter Samen mit Wollen uberzogen gleich wie die Küchenschell oder die Lyenenreben. Dieses Gewächs wird nirgends von sich selbst wachsend gefunden/ dann in den hohen Bergen in graßlechtigen orten/ als im Behsch Gebirg/ und etlichen Gebirgen im Waßgaw gegen auffgang der Sonnen gelegen. Man zielets auch in den Gärten wie andere frembde Gewächs.

 

lll. Benedictenkraut.
CARYOPHYLLARA III.

 

            lll. Das dritte Geschlecht hat ein braune/ rote Wurtzel von vielen Zaseln/ wie die Wurtzeln der Dreyfaltigkeitglöcklein oder Alpsanickels. Die Bletter vergleichen sich mit den Blettern deß Tormentills oder Fünffingerkrauts/ und seynd auch also geringsherum gekerfft/ unnd die understen so von der Wurtzel herauß wachsen/ deren seynd etliche in sechs und auch etliche in sieben zertheilt/ die aber am Stengel wachsen die seynd in fünff Bletter abgetheilet. Die Stengel deren etwann zween/ etwann drey von einer Wurtzel wachsen/ die werden auff die anderhalben Spannen lang/ darauff wachsen bleychgeele Blumen von fünff Blettern/ die seynd etwas kleiner dann der gemeinen Garafelblumen. Das gantze Gewächs ist haarechtig und wollechtig. Die Wurtzeln haben ein lieblichen Geruch/ gleich der gemeinen Garafeln. Dieses Gewächs wird allein bey uns in den Gärten gezielet/ aber in den Alpen wächßt es von sich selbst/ von dannen es zu uns gebracht wird.

 

lV. Benedictenkraut.
CARYOPHYLLATA IV.

 

            lV. Das vierdte Geschlecht ist mit der Wurtzelo dem ersten Geschlecht gleich/ hat aber weniger Zaseln/ und idt die Hauptwurtzel ein wenig dicker/ eines viel geringern Geruchs. Die Bletter seynd klein und rund mit kleinen Schnittlein zerkerfft/ die seynd den Blettern der Gundelreben ähnlich/ außgenommen daß sie haarechtig oder wollechtig seynd/ die stehen auff kleinen dünnen/ rauhen Stielen. Der Stengel wird fast Elenlang/ der ist auch wie die Stiel der Bletter rundt/ dünn und wollechtig. Ein jeder Stengel bringt selten uber drey Blumen die sind schön geel/ die wachsen auff kleinen bleichen Köpfflein/ denen folgt nach ein weisse/ flockechtige Wollen/ gleich wie die Flocken der Hasenköl und Habichkreuter. Es wächst dieses Geschlecht viel in S.Peters Wald/ zwischen Sanct Rennig und Lauterburg. Deßgleichen hab ichs viel gefunden in Braband bey „Recheln“ nit weit von dem Wasserhauß Burgenstein/ in dem Eychinen Walde. Die Wurtzel dieses Krauts hat ein trucknende und zusammenziehenden Geschmack.

 

Von den Namen der Benedicten oder Garafelwurtz.
            Etliche wöllen ein LAGOPUM au
ß dem Benedictenkraut machen/ die andern wöllen es sey ein Geschlecht der Odermenig/ aber sie fehlen beyde. PLINIUS gedenckt dieses Gewächs LIB.27.C.7. und nennet es GEUM. Von unsern Kreutlern wird es LAGOPHTALMUS, OCULUS LEPORIS, AUARTIA, CARYOPHYLLATA und SANAMUNDA genannt/ Von SCALIGERO GETIA. Von den gemeinen PRACTICIS unnd Apoteckern AUARTIA, HERBA BENEDICTI und GARYOPHYLLATA. Hochteutsch/ Benedictenkraut/ Benedictenwurtz/ Sanamundkraut/ Nardenwurtz/ Gerafelkraut/ Garafelwurtz/ Hasenaug/ Heyl aller Welt/ und Gariofilat.
            ll. Das zweyte Geschlecht wird von den Kreutlern CARYOPHYLLATA MONTANA, GARYOPHYLLATA MONTANA, AUANTIA MONTANA, und CARYOPHYLLATA MAIOR genannt. Hochteutsch/ Bergbenedictenwurtz/ Berggarafelwurtz/ und Bergnägleinkraut.
            lll. Das dritte Geschlecht wird von den Kreutlern CARYOPHYLLATA ALPINA, und Teutsch/ Alpgarafelwurtz genannt.
            lV. Das vierdte Geschlecht wird CARYOPHYLLATA SYLVATICA, und HERBA BENEDICTA SYLVESTRIS genannt. Hochteutsch/ wild Benedictenwurtz/ und Waldgarafel.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der Benedictenwurtz.
            Der gemein Benedictenwurtz ist warmer und truckner Natur mit etwas zusammenziehender Krafft unnd Eygenschafft/ darneben aber reynigt sie auch und säubert/ zertheilet die Feuchtigkeiten/ und stärcket alle jnnerliche Glieder/ sie ist aber warm und trucken im andern Grad. Die Alpin Garafelwurtzel ist der gemeinen an jhrer Krafft und Wirckung gleich. Die Berggarafel und die Waldbenedictenwurtz/ seynd kräfftiger in der Astriction und zusammenziehung dann die andern beyde Geschlecht.

 

Jnnerlicher Gebrauch der Benedictenwurtz.
            Die Benedictenwurtz stärcket kräfftiglich dz schwache Hirn und Haupt/ de
ßgleichen das Hertz unnd lebliche Geister/ vertreibet das Hertzwehe/ und bringet jhr Lieblicher Geruch die wider zu recht/ denen die in ohnmacht gefallen seynd/ und der Geist verzuckt wird/ in Speiß/ Tranck/ oder Artzney gebraucht. Jn gleichem fall genutzet/ stärcket sie gewaltiglich das blöde/ schwach Gesicht/ und dienet wider alle Gebrechen der Augen.
            Benedictenwurtzel in Wein gesotten/ und von demselbigen Morgens und Abends/ jedesmal ein guten Trunck warm getruncken/ dienet wider die obgemeldten Gebrechen/ unnde ist ein sonderliche heylsame Artzeney wider das Parly
ß unnd den Schlag/ dann es verzehret den Schleim in den Sennadern/ vertreibet das Krimmen und Mutterweh/ bessert die Däwung/ bekommet wol dem kalten verschleimpten Magen/ dient wider die Geschwer der Lungen/ reynigt sie von Eyter und Schleim/ heylet die versehrung derselben/ unnd aller anderer jnnerlicher Glieder/ eröffnet die verstopffung der Leber/ unnd stärcket sie kräfftiglich.
            Die Garafelwurtz dient wider alle Gebrechen de
ß Hertzens so von kalter Ursach jhren ursprung haben/ man gebrauch sie gleich wie man wöll derwegen auch der weitberümbte GUILIELMUS TURNERUS diese Wurtzel an statt der roten unnd weissen Behenwurtzeln in den Artzeneyen zu dem Hertzen bereytet gebraucht hat/ sintemal wir dieselben Wurtzeln nimmer recht unnd ungefälscht haben mögen/ derowegen ist zu rathen/ daß man diesem löbblichen Mann darinn nachfolge.
            Garafelwurtzel im Mundt gekäuwet/ vertreibt den stinckenden Athem und ubeln Geruch de
ß Mundts.
            Es werden die jungen Bletter heutigs Tages auch mit andern Kreutern zum Salat nutzlich gebraucht/ unnd thut man wol daran/ dann sie stärcken die däuwung und machen ein lust unnd begierd zum essen. Etliche nemmen die jungen grünen Bletter/ und stossens mit grünem Korngra
ß klein sampt einer Brossam Brodts/ streichens darnach durch ein Tuch mit genugsamem Essig/ und machen ein Salsen darauß/ die essen sie mit dem Fleisch/ Vögeln/ Fischen und anderer Speiß/ den Lust zum essen zu erwecken.
            Andere stossen das gemelte Kraut mit gleich so viel sauwerampfferkraut unnd einer Brosam Brodts/ streichen darnach zu einer Salsen mit Essig durch/ die ist sehr dienlich in hitzigen Febern und in Sterbensläuffen/ dann sie nicht allein den Lust zum essen erwecket/ sondern verhütet auch den Menschen vor der Seucht der Pestilentz.
            Die Weiber/ unnd sonderlich die Seugmütter/ die grossen schmertzen unnd entzündung in den Brüsten fühlen/ die sollen Garafelwurtzel in Wein oder Bier legen/ und darvon trincken so befinden sie besserung.
            Gleicher gestalt getruncken/ erfrewet das Hertz/ und dienet wider alle obgemelte Gebrechen.
            Benedictenkrautwurtzel in Wein gesotten unnd Morgens und Abends von der durchgesiegenen Brühen/ jedesmal vier Untz warm getruncken/ vertreibet das Bauchwehe/ reissen in den Därmen/ und andern jnnerlichen Gliedern.
            Wider die auffblähung der Lungen von kalter feuchtigkeit/ als wann einem die Lungen in Hal
ß steigen unnd den Menschen ersticken wollte: Nimb Garafelkraut unnd Wurtzel zwo Handtvoll/ Römisch Salbeyen oder Frauwenmüntzwurtzel/ weissen Jngber/ Pfefferkörner/ Veielwurtzel/ jedes zwey Loth/ Rhapontick/ ein loth/ die man sonst groß Centaurwurtzel nennt: Diese Stück schneid klein/ thu sie in ein sauber Kannten oder geschraubte Fläschen/ thue darnach vi.untzen guten verscheumpten Honig/ unnd ein Maß weissen fürnen Wein/ verkleibe den Ranfft/ setze in ein Kessel mit siedendem Wasser/ und lasse vier Stunden in einem stätigen Sud sieden/ darnach wann es kalt worden ist/ so seihe es durch ein sauber Tuch/ und trinck darvon allen Morgen v. oder vi.loth warm/ das wird grosse hülff thun.
            Wider die erkalte Brust und Gebrechen der Lungen/ die mit kaltem zähen Koder und Schleim beladen ist/ und die Lungen Röhrlein verstopfft/ mach folgende Artzeney: Nimb Benedictenwurtz zwey Loth/ dürren Ysop ein Loth/ Stabwurtz/ Poleyenkraut/ Dosten/ Weinrauthen/ Fenchelsamen/ Veielwurtz/ langen Pfeffer/ Muschatnü
ß/ Galgenwurtz/ Näglein/ Zimmatrinden/ weissen Jngber/ jedes ein halb Loth. Stoß alle gemelte Stück zu einem reynen Pulver/ und schlags durch ein härin Sieblein/ vermisch neun Untzen guten gestossenen Feinzucker darmit/ daß es ein Treseney werde/ und nimb darvon allen Morgen unnd Abend/ jedesmal ein par Stunden vor den beyden Jmbsen ein Löffel voll mit einem schnittlein gebähetem Weißbrodt in fürnenem weissen Wein geweychet.
            Benedictenkrautwurtzel gepülvert/ unnd eines Gülden schwer allen Morgen nüchtern mit rothem Wein zertrieben unnd warm getruncken/ stillet und verzehret den weissen Mutterflu
ß der Weiber/ so man das ein Tag etliche nacheinander beharret.
            Garafelwurtzelpulver mit weissem Wein oder aber in Spei
ß oder Tranck/ in andere weg gebraucht/ hilfft den unfruchtbaren Weibern zu der empfengnuß/ dann sie verbessert die schlüpfferigkeit der Mutter/ trucknet auß die ubrige Feuchtigkeit und stärcket sie/ also daß sie den Mannlichen Samen besser behalten kan.
            Die gemelte Wurtzel reynigt das unreyn und faul Geblüt/ dient wider alle unreynigkeit der Haut/ als Grind/ Flechten/ Musselsucht und die Franzosen Kranckheit/ so man die brauchet/ wie man die Wurtzel SCHINA oder SALSA PATILLA zu brauchen pflegt/ dann sie verbessert die böse und gifftige Contagion dieser Kranckheit/ derowegen sie billich in allen Artzeneyen wider die Franzosen Kranckheit gebraucht werden soll.
            Benedictenkrautwurtzel zu Pulver gestossen/ und ein quintlein schwer mit weissem Wein getruncken/ widerstrebet dem Gifft/ und heylet alle jnnerliche versehrung.
            Diese Wurtzel de
ß Morgens nüchtern im Mundt gekeuwet/ und darnach eingeschluckt/ stärcket das Hertz/ unnd verhütet den Menschen vor aller vergifftung unnd Contagion der Pestilentz. Etliche brauchen ein wenig deß Pulvers von der gemelten Wurtzeln mit Wein.
            Man machet auch au
ß dem Kraut unnd seiner Wurtzeln köstlich Wundtränck/ wie folget: Nimb Benedictenkraut mit der Wurtzel zwo Handtvoll/ Ochsenzungenkraut/ Sanickel/ Baldrian/ Ehrenpreiß/ Heydnisch Wundkraut/ Wegwartenkraut/ jedes ein Handvoll. Diese Stück zerschneid klein/ thue sie in ein Kannten/ schütt darüber anderthalb Maß weissen Wein oder Bier/ verlutier die Kannten beheb zu/ stelle sie in ein Kessel mit siedendem Wasser/ laß darinn fünff Stundt in stäter Hitz sieden/ thue die Kannte darnach herauss/ wann es kalt worden ist/ seihe es durch ein Tuch/ behalt den Tranck in einem külen Orth/ in einem verstopfften Glaß/ gib dem verwunden allen Morgen und Abendt/ jedesmal iii.untzen davon warm zu trincken.
            Ein ander Wundtranck: Nimb Benedictenkraut mit der Wurtzel zwo Handvoll/ Wintergrün/ Sanickel/ Wegwartenkraut/ Ochsenzungenkraut/ jedes ein Handvoll. Zerschneide die Kreuter/ thue die in ein Kannten/ schütt darüber ein Ma
ß Weins oder Bier/ lasse darnach in einem Kessel mit Wasser auff die drey Stunden lang sieden. Wann es kalt worden ist/ so seihe es durch ein Tuch/ unnd gebrauch jhnen wie den obgemelten.
            Ein herrlicher und köstlicher Wundtranck zu allen Wunden und Achäden nutzlich/ welchen man uber Jahr behalten mag/ den mach also: Nimb Garafelkraut und Wurtzeln vi. Handtvoll/ Heydnisch Wundtkraut iii. Handtvoll/ Thannen oder Kinbäumen mispel mit den Beeren/ Pfersingkraut mit den Flecken/ Sinnauw/ Scabiosen oder Apostemenkraut/ gülden Leberkraut/ Rosenwurtzbloetter/ jedes ii. Handvoll/ Lindenblüt/ Holwurtzkraut/ de
ß Farnkrauts das die Blumen trägt/ Meisterwurtzbletter/ Küttenbaumbletter/ geel Weyderichkraut/ jedes anderthalb Handvoll/ Schwalbenwurtzviii.loth/ Weisswurtz iv.loth. diese Stück sollen alle grün und frisch seyn/ die muß man klein hacken/ darnach in ein VESICAM thun/ darüber schütten ein Maß oder zehen frisch Brunnenwasser/ folgends ein Helm darauff setzen/ und vier Maß Wassers darvon distillirn/ so hastu ein edeln Wundtranck den du uber Jahr behalten kanst/ wie ein ander gedistillirt Wasser/ darvon gibt man einem verwundten oder schadhafften Menschen allen Morgen und Abend iiii. Oder v.loth zu trincken.
Wann es nun im Winter were unnd dir an diesem Wasser abgieng/ soltu der gemelten Kreuter und Wurtzeln nur halb so viel nemmen/ die sein im schatten getrucknet worden/ und sie zu einem groblechten Pulver sto
ssen/ darnach in die VESICAM thun/ wie oben gemeldet/ Wasser darüber giessen/ darnach ein blinden Helm darauff setzen/ ein kleines geringes Feuwerlein darunder machen daß es nicht siede/ solts also 24.Stunden beytzen und weychen lassen/ darnach ein Helm mit einem Schnabel darauff setzen/ und vier Maß davon distillieren/ so hastu eben so ein kräfftigen unnd heylsamen Wundtranck/ als wann er von grünen Kreutern gemacht worden were.
            Wider die Fistel ein ander köstlicher Wundtranck/ mach also: Nimb Benedictenkraut und Wurtzel/ Rheynfarn/ Bibernellenkraut/ Ruprechtskraut/ Baldrian/ Mäußöhrlein/ jedes ein Handtvoll. Zerschneidt die Kreuter unnd Wurtzeln klein/ thue sie in ein Kannte/ unnd geuß darzu ein Maß Weins oder Bier/ unndlaß drey Stunden obgemeltermassen sieden/ und trinck allen Morgen und Abendt drey Untzen warm darvon/ biß du geniesest.
            Garafel offtermals mit Wein getruncken/ unnd außwendig ubergelegt wie ein Pflaster/ heylet die Fistel wunderbarlich.
            Zu den jnnerlichen Schäden unnd Wunden/ zu denen man mit den Meysseln nicht kommen kan/ sol man trincken von der Brühen deß gesottenen Benedictenkrauts/ deß Morgens und Abendts auff die drey Untzen/ unnd außwendig auch die Schäden und Wunden darmit warm wäschen/ das hilfft gewaltig zur Heylung.

 

Eusserlicher Gebrauch der Garafel oder Benedictenwurtzel.
            Benedictenkraut und Wurtzel mit Tag und Nachtkraut jedes gleich viel in Regenwasser gesotten/ und warm uber den Bauch gelegt/ vertreibt das Krimmen im Leib und in den Därmen. Jn Wasser gesotten/ und den Dampff davon durch ein Rohr in die Mutter empfangen/ bringt den Weibern jhren natürlichen Monatblumen. Das Kraut und Wurtzel also gesotten/ unnd wie ein Pflaster uber die Scham geschlagen/ thut deßgleichen.
            Jn Wein oder Wasser gesotten/ unnd mit der Brühen die Wunden/ Fisteln/ Krebs und andere flüssige unnd alte/ faule Schäden gewäschen unnd gereiniget/ fürdert sie zur Heylung. Solches thut auch das Pulver von dem dürren Kraut unnd Wurtzeln/ darein gesäet.
            Garafelwurtzel und Kraut in Wein und Wasser gesotten/ unnd der durchgesiegenen Brühen genommen xvi. Untzen/ unnd iiii. Untzen Rosenhonigs darinn zertrieben/ heylet die Mundtfäule unnd alle böse flüssige Schäden unnd Löcher im Mundt unnd Halß/ den Mundt zum offtermal warm darmit gewäschen und außgespület/ und auch den Halß damit warm gegurgelt.
            Benedictenkraut und Wurtzeln mit ein wenig Weins unnd Baumölen in einer Pfannen geröschet/ darnach hinden unnd fornen wie ein Pflaster gegen dem Hertzen ubergelegt so warm man es leiden kan/ vertreibt das Hertzwehe/ und sonst auch ein jeden Schmertzen der Brust und Seiten.
            Benedictenkraut und Wurtzel zu einem reinen Pulver gestossen/ heylet die Löcher unnd Wunden der Pferdt auff dem Rücken/ die vom Reiten oder Sattel verursacht worden seynd/ darein gesäet. Gleicher gestalt gebraucht/ heylet es alle Schäden und Wunden/ beyde am Viech und Menschen.
            ein Bier zu bereyten daß es lieblich zu trincken seye. Nimb zu einem sechsten theil eines Fuders gesäubert Garafelwurtzel viii.untz/ wildt Salbeyenkraut iiii.untz. Diese zerschneid klein oder stoß sie groblecht/ unnd hencks in einem Säcklein in das Bier/ es wirdt lieblich zu trincken/ und ist darzu gesund.
            So ein Wein abfellt/ sich verkert/ und den geschmack verloren hat/ so henck Benedictenwurtzel darein/ so kompt der Wein wider zu recht.
            Wiltu ein Wein stärcker unnd kräfftiger machen als er von Natur ist/ so nimb Benedictenwurtzel ii. Loth/ Zimmatrinden i. halb loth/ Galgantwurtz/ weissen Jngber/ Näglein/ Muschatennüß und Muschatenblüht/ jedes i.quintlein. Diese Stück schneide gar klein/ und hencks in ein drittheil oder ein halb theil eines Fuders guten Mosts/ nach dem du den Wein kräfftig oder starck haben wilt/ so wirdt dasselbige gar starck unnd gut wie ein Malvasier/ der ist alten Leuten und die kalter Natur seyndt bequem unnd dienlich/ aber jungen unnd hitzigen Leuten schädlich.
            Garafelwurtzel vor die Nasen gehalten/ unnd daran gerochen/ bringet die so in ohnmacht hinfallen wieder zu recht/ dann sie erquickt und stärcket die leblichen Geister uber die maß wol/ und stärcket darneben das Hirn und das Hertz.
            Die Wurtzel gesäubert/ unnd im Schatten getrucknet/ folgendts mit ein wenig Essigs besprengt/ unnd zwischen die Kleider in die Kisten gelegt/ giebt den Kleidern nicht allein lieblichen/ guten Geruch/ sondern verhütet sie auch vor den Würmen und Schaben.

 

Garafel oder Benedictenkrautwasser.
CARIOPHYLLATAE AQUA STILLATITIA.
 

            Man pflegt ein köstlich Wasser von dem Benedictenkraut unnd Wurtzeln auff folgende weiß zu distillieren. Man samblet das Kraut unnd die Wurtzel im Mertzen/ säubert sie von der Erden/ hackts darnach klein/ unnd zeuchts ab mit sanfftem Fewer/ in BALNEO MARIAE, darnach nimbt man zu jeder Maß desselben Wassers/ vier Untz der frischen auffgetruckneten Wurtzeln zu einem groblechtigen Pulver gestossen/ vermischt diese in einem Kolbenglaß durch einander/ setzet darauff ein blinden Helm/ lassets vier und zwantzig Stunden in einem warmen BALNEO mit einander beytzen/ darnach setzet man ein Helm darauff mit einem Schnabel/ unnd distillierst zum andernmal sänfftiglich/ stellts darnach wol verstopfft in die Sonn zu rectificieren/ so hat man ein edel/ kräfftiges und wolriechendes Wasser zu nachfolgenden Gebrechen dienlich.

 

Jnnerlicher Gebrauch deß Garafeelwassers.
            Benedictenkraut und Wurtzel Wasser deß Abendts unnd deß Morgens/ jedesmal vier oder fünff loth getruncken/ dienet wieder alle innerliche Brüch unnd verwundungen/ reyniget die Brust unnd Lungen/ den Magen unnd alle innerliche Glieder deß Eyngeweids/ von allem zähen Koder/ Schleim und faulem Gewässer.
            So einer schädliche Speiß gessen hete/ und dieselbige nicht verdäuwen köndte/ der trinckt das Wasser obgemeldter masen/ dann es verzehret alles was schädtliches im Magen ligt. Es vertreibet das Leibwehe unnd die Mutterkrimmen/ stärcket das Hertz und lebliche Geister kräfftiglich/ derwegen wird es nicht ohne nutz zu den Hertzstärckungen gebraucht.
            Wann ein Mensch in grosser Hertzschwachheit kranck lege/ soll man nemmen deß gemeldten Wassers iii.untzen/ unnd ein Untzen guten Malvasier oder Spanischen Wein/ oder aber den besten weissen firnen Wein an derselbigen statt/ guter MANUS CHRISTI Küchlein zu reinem Pulver gestossen/ und ein halbes Quintlein weissen geriebenen Agstein. Solches alles soll man durcheinander vermischen/ das wirdt ein edel Hertzwasser/ das blöd und schwach Hertz und die leblichen Geister zu erquicken/ davon sol man dem Krancken alle Stund ein Löffelein voll zu trincken geben/ das ist in kalten Hertzschwachheiten nie wol zu bessern.
            Garafelwasser obgemeldter massen getruncken/ ist ein guter unnd heylsamer Wundtranck/ allerhandt Wunden unnd Schäden zu heylen/ darmit soll man auch der Verwundten Wein vermischen/ dann es fürdert die Heylung gewaltiglich.

 

Eusserlicher Gebrauch deß Garafelwassers.
            Das Wasser vertreibet die heßlichen Flecken unnd Muttermal deß Angesichts/ dieselbigen offtermals darmit gewäschen oder angestrichen/ unnd von sich selbst lassen trucken werden.
            Das blöd unnd schwach Hertz/ das von Kälte kranck unnd schwach ist/ zu stärcken/ mach folgenden uberschlag: Nimb deß Wassers iiii. Untz/ Ochsenzungenwasser/ Borragenwasser jedes ii. Untz/ Melissenkrautwasser/ guten Malvasier/ Nägleinblumenessig/ jedes anderthalb Untz/ gepülvert Citronenrinden ein quintlein/ gepülverten Saffran eines Pfennigs schwer. Diese Stück alle vermische durcheinander/ nimb darvon ein wenig in ein Zinnlein/ lasse es auff Kolen warm werden/ netze darinn ein zwyfachen roten Zendel/ trucke den ein wenig auß daß er nit trieffe/ unnd leg jhn also warm außwendig uber das Hertz/ und so offt der Zendel trucken wird/ so netze den wider darinn/ unnd legs wie zuvor uber/ das stärcket das Hertz kräfftiglich/ darinn mag man auch Pulßsäcklein netzen/ unnd uber beyde Pulß binden.

 

Garafel oder Benedictenwurtzwein.
CARIOPHYLLATAE VINUM.

 

            Der gemein Mann macht einen fast nützlichen Wein von der Wurtzel: Nimbt der frischen Wurtzeln im Frühling gegraben/ säubert sie wol von der Erden/ und lässet sie darnach in schattechtem Lufft wol trucken werden/ fasset sie darnach an ein Schnürlein/ und hencket sie in ein fürnen Wein/ in ein Elsasser Ohmen ein gute Handtvoll/ den trincken sie hernach den Leib in gesundheit zu erhalten.
            Andere nemmen die Wurtzeln/ schneiden sie klein/ hencken deren ein gute Handtvoll in ein Elsasser Ohmen guten Mosts/ lassen den also darüber verjähren. Etliche aber damit der Wein süß bleibe/ sieden sie die Wurtzel in frischem süssem Most wie der von der Kälter lauffet/ unnd nemmen noch mehr Gewürtz darzu/ als Zimmetrinden/ Näglein/ Muschatnüß/ Muschatblühet unnd Galgenwurtz/ ein jeder nach seinem gefallen/ sintemal hierinnen kein sonderlicher Jrrthumb geschen kann. Dieser Wein ist allen Leuten fast nutz unnd heylsam/ deßgleichen auch denen so ein kalten feuchten unnd undauwigen Magen haben/ Er erquicket das Hertz unnd lebliche Geister/ dienet wieder den schmertzen deß Hertzens/ unnd verhütet den Menschen vor der Contagion der Pestilentz/ sonderlich in kalter zeit gebraucht/ dann im Sommer ist er zu hitzig. Er eröffnet auch die verstopffung der Leber von Kälte verursacht/ reyniget die Brust von dem zähen Koder und Schleim.
            Man mag auch diesen Wein bereyten wie den Angelickwurtzwein/ dann also dienet er auch wider die giffte Boßheit der Franzosen Kranckheit/ dann er reyniget das Geblüt und verbessert die gifftige Contagion der Franzosen. Jst auch ein heylsamer Tranck/ denen Menschen so viel Fisch/ kalte Speisen/ Cucumern/ Melonen/ Pfersing und andere kalte Früchte essen/ dann er temperiert und mässiget die uberentzige Kälte/ und hilfft wol abdäwen.

 

Garafelwurtzel Conservenzucker.
CARYOPHYLLATAE RADICUM CONSERVA.

 

           Auß den wolriechenden Wurtzeln deß Benedictenkrauts macht man ein herrlichen Hertzstärckenden Conservenzucker$auff folgende weiß. Man nimbt die Wurtzeln die frisch im Mertzen gegraben worden seind/ reyniget sie sauber von den kleinen Zaseln unnd Härlein/ wäschet sie wol auß Wasser/ darnach auch auß einem weissen Wein/ leget sie darnach auff ein sauber Tuch biß sie trucken werden/ darvon nimbt man dann ein theil/ schneidet sie auffs kleinest auff einem saubern Bret mit einem bequemen Schneidtmesser/ darnach stösset man sie gar klein in einem steininen Mörser/ unnd thut darzu drey theil Zucker/ stössets wider unnd vermischts wol durcheinander biß es wirdt wie eine Latwerg/ darnach thuts mans in ein Porcellanbüchß oder Zuckerglaß/ und hebts auff zu dem gebrauch. Von diesem Conservenzucker deeß Morgens nüchtern ein loth/ dienet wider alle oberzehlte Kranckheiten. Aber das Hertz in Ohnmachten zu stärcken/ sol man jederweilen einer Haselnuß groß darvon essen. Deßgleichen sol man auch allen Morgen unnd Abendt einer Castanien groß davon nemmen/ deß Morgens nüchtern/ unnd dann deß Abendts wann man zu Beth gehen will.