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VON DEM MOREN UND GRIECHISCHEN SESEL.

 

 

             Hie haben wir noch Drey Geschlecht deß Seselkrauts zu beschreiben/ nemblich ein Geschlecht deß Ethiopischen Sesels/ unnd zwey deß Griechischen Sesels.
            Der Ethiopisch Sesel ist ein Staudt der wird zweyer Elen lang/ und bi
ßweilen auch lenger/ der hat ein harte holtzechtige Wurtzel wie aller Stauden art ist/ die hat einen ziemlichen lieblichen und guten Geruch/ von welcher wachsen viel holtzechtiger/ schwartzbrauner Stengel/ die haben Nebenästlein/ die sind fast einer Elen lang/ allenthalben mit dicken/ steiffen unnd glatten Blettern bekleydet/ die sind ziemlich breyt und lang/ den Blettern der Wald oder Specklilien ähnlich: Am ende der oberntheil der stengel und Nebenästlein wachsen im Hewmonat schöne Kronen/ die vergleichen sich den Kronen am Dillenkraut/ bringen im Augstmonat schöne geele Blümlein/ welche so sie abfallen/ folget ein langechtiger Samen/ der ist grösser dann der Fenchel/ hat ein scharpffen/ räsen unnd bittern Geschmack/ lieblich und wolriechend wie Specerey oder Gewürtz/ wie dann auch der gantze Staud wolriechend ist. Dieses wirdt in Teutschland allein in den Lustgärten gefunden/ darinn man es pflantzet und zielet/ wie andere frembde Gewächs. Jn Languedock unnd inn der Provintz Franckreich wächset es von sich selbst inn grosser menge/ an unangebauwenen steinechtigen Orten.
            ll. Das ander Geschlecht/ welches ist der Griechisch Sesel/ hat eine dicke unnd lange zaselechtige Wurtzel/ die ist au
ßwendig grauwschwartz/ innwendig weißlechtig/ und volles weisses hartzechtigen Saffts/ wie die Wurtzel deß Bergpeterleins/ der ist am Geschmack bitter und scharpff. Der Stengel wird fast ii. oder iii. Elen lang/ Fingers dick mit Gleychen underscheiden wie der Stengel deß Feruls oder Steckenkrauts/ der ist inwendig hol und luck/ die Bletter seyndt rauch/ groß/ breyt und vielfaltig zerschnitten/ gleich den Blettern deß zamhmen Pastenachs oder der geelen Rüben. Auff den Gipffeln deß Stengels unnd seiner Nebenästlein/ gewinnet es grosse breyte Dolden wie Schatthütlein/ mit geelen Blumen/ denen folget ein grosser/ breyter/ langer und glatter Samen/ der ist viel grösser dann der Samen der Angelick/ der hat ein starcken unnd lieblichen Geruch. Dieses Gewächs wird auch in Teutschland nur allein inn den Gärten gezielet/ in Hispanien sol es vor sich selbst ungepflantzet wachsen/ von dannen dann der edel Herr Heinrich von Wildtberg Königlicher Majestat in Hispanien Diener den Samen uns erstlich zugeschickt hat. [Dieses wird im andern Theil SECT.11.CAP.60 under dem Namen TAPSIAE LATIFOLIAE CLUSII, widerumb gesetzt.]

 

* lll. Griechischer Sesel.
lll. SESELI PELOPONNESIACUM LL.

 

            lll. Das dritte Geschlecht/ und dz zweyte Griechisch Seselkraut/ hat ein dicke unnd glatte Wurtzel/ die ist außwendig Erden farb/ und innwendig weiß eines räsen Geschmacks und wolriechend. Die Bletter seynd tieff zerschnitten/ an der gestalt den Blettern deß Schirlings gleich/ die seynd gekrümpt/ ein wenig haarechtig/ krauß unnd runtzelechtig. Der Stengel wird anderthalb Elen lang/ ist fast Fingersdick/ der ist auch mit Knopffen underscheiden wie das Ferulkraut/ hat viel nebenzweiglein die von den Gleychen herauß wachsen/ die bringen mit jhrem Hauptstengel viel Krönlein oder Dolden mit geelen Blumen/ die seynd den Krönlein deß Dillens ähnlich. Wann dieselben vergehen/ so folget ein dünner/ breyter Samen/ der ist der gestalt und grösse halben dem Samen der Angelick gleich/ von Farben bleychgeel/ hat ein scharpffen Geschmack und guten geruch/ gleich dem Ethiopischen Seselsamen. Es wird dieses Gewächs mit andern frembden Gewächsen inn den Lustgärten bey uns gepflantzet/ aber in der Provintz Franckreich und Languedock wächset es von sich selbst/ von dannen der Samen zu uns gebracht worden ist. [Zwischen diesen beyden Geschlechten ist kein ander underscheid/ dann daß eines grösser ist dann das ander.]

 

Von den Namen deß Ethiopischen und Griechischen Sesels.
            Das erste Geschlecht de
ß Sesels/ ist das wahre SESELI AETHIOPICUM DIOSCORIDIS, LIB.3.CAP.52. dann die gantze Beschreibung mit diesem durchauß uberein stimmet/ unnd jrren derowegen die jenigen nicht wenig/ die unsere weisse Hirtzwurtzel biß daher fälschlich vor das gemeld SESELI gehalten haben/ welches ein Kraut und kein Staudt ist/ dann DIOSCORIDES an obgemelden ort sagt/ daß SESELI AETHIOPICUM ein schwartzer Staudt sey/ mit Zweigen zweyer Elen lang/ daran Aestlein wachsen spannen lang/ und etwan anderthalben Fuß lang. Jtem/ er habe Bletter dem Epheuw ähnlich außgenommen daß sie kleiner seynd unnd langechtig wie die Bletter der Waldtlilien. Auff den Stengeln unnd Nebenästlein/ wachsen Krönlein wie auff dem Dill. Jtem/ sein Samen seye fest wie der Weitze/ schwartz/ bitter/ schärpffer unnd eines stärckern Geruchs dann der Masilier Sesel. Welche Merckzeichen alle miteinander an unserm Ethiopischen Sesel gefunden werden/ unnd gar nicht an der weissen Hirtzwurtz. Was aber die gemeldte Hirtzwurtz vor ein Gewächs seye/ unnd wie es bey den Alten genennet worden/ wirdt hernach von dem Roßmareinkraut LIBANOTIDE an seinem ort angezeigt werden. Der Ethiopisch Sesel wird Lateinisch SESEL AETHIOPICUM, unnd Hochteutsch/ Ethiopischer Sesel/ Mohrensesel unnd Morenkümmel genannt.

ll. Das ander Geschlecht unnd der erst Griechisch Sesel/ wird heutigs Gags von etlichen vor das SESELI PELOPONNELIACUM gehalten/ Dieweil aber die Wurtzel ein hartzechtigen/ weissen Milchsafft von sich gibt/ wann sie verletzt wird/ so setze ichs in grossen zweiffel daß es ein Geschlecht SESELI PELOPONNELIACI seyn soll/ sintemal DIOSCORIDES under allen Geschlechten der Seselkreuter mit keinem wort gedenckt/ daß einigs Geschlecht deß Sesels seye/ welches Wurtzel ein solchen hartzechtigen Saft von sich geben solle/ derowegen ich es eher vor ein Geschlecht THAPSIAE halte/ dann vor ddas SESELI PELOPONNESIACUM, oder auch ein Geschlecht desselben/ darowegen wir weiter an seinem ort von der THAPSIA handeln wöllen.
            lll. Das dritt Geschlecht/ ist der wahre Griechisch Sesel/ oder Sesel PELOPONNESIACUM DIOSCORIDIS, sintemal alle Kennzeichen desselben/ die jhme DIOSCORIDES zuschreibt/ an diesem Gewächs befunden werden. Der wird Lateinisch SESELI PELOPONNESIACUM unnd PELOPONENSE genannt. Teutsch/ Griechischer Sesel. Er ist aber Peloponnesischer Sesel von DIOSCORIDE genannt worden/ Dieweil er in GRAECIA der Landschafft PELOPONNESO wächst/ da jhn DIOSCORIDES zu erstenmal gefunden hat.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Griechischen Sesels.
            Es bezeugen DIOSCORIDES, GALENUS und andere Alten Lehrer/ da
ß der Ethiopisch Sesel/ deßgleichen auch der Peloponnesisch oder Sesel auß Griechenlandt/ gleiche Krafft und Wirckung/ mit dem Marsilischen Sesel gemein haben. Dieweil wir dann auch keine weitere erfahrung derselben haben/ wöllen wirs auch dabey bewenden lassen/ und mag derwegen in in mangel deß einen der ander nutzlich darvor gebraucht werden. Was aber den ersten Peloponnesischen Sesel anlangen thut/ halt ich darvor/ daß seine Kräfft unnd Wirckung mehr gemeinschafft haben mit der Thapsienwurtzel dann mit dem Sesel/ davon wir anderswo weiter handeln wöllen.