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MOHRENHIRSE, KAFFERNKORN

Sorghum bicolor

 

 

VON DEM SORGSAMEN.

 

            Der Sorgsamen/ welcher auch Jndianischer Hirschen genennet wirdt/ ist ein frembdt Gewächß/ welches in kurtzen Jahren zu uns auß Jtalien in Teutschlandt gebracht und bekannt worden. Es wirdt diese Frucht bey uns im Frühling gesäet/ und gehet erstlich auff wie der Hirschen/ gewinnet etwann ein Korn vier oder fünff lange Stengel/ die seindt dicker und höher dann das gemein Deckrohr/ mit grossen unnd dicken Knöpffen oder Gewerben underscheiden/ die seind mit scharpffen/ langen Rohrblettern bekleydet/ also wo sie auff ein Acker oder Feld gesäet werden/ ist dasselbe anzusehen wie ein Rohrbusch. Die Rohr aber oder viel mehr die Riedtstengel dieses Gewächß seindt innwendig nicht hole/ sondern mit weissem/ luckem Marck außgefüllt/ fast wie die Zuckerröhr/ das hat einen süsslechtigen Geschmack. Gegen dem Heuwmonat kommen an dem obertheil der Stengel/ bartige und zottechtige Aeher auß jhren Graßscheiden herfür/ die seindt vollkommenlicher und mehr zusammen getrungen dann die Aeher deß Hirschens/ die blühen geel wie andere Frücht/ unnd so die gegen dem Herbst zeitig erden/ werden sir rotfarb mit unzehligen vielen Körnlein besetzt/ die seindt mit scharpffen Hülßlein uberzogen/ welche so sie darvon abgesöndert werden/ findet man den braunen runden Samen/ ein jedes Korn fast einer Linsen groß/ unnd ein wenig spitzig. Es wächset gern in einem jeden Erdreich/ doch muß es wol gebauwen/ und ziemlich getünget seyn.

 

Von den Namen deß Sorgsamens.

            Es ist der Sorgsamen den Griechen unbekannt gewesen/ und unsers erachtens von jhnen nicht beschrieben worden. Von den Kreutlern wirdt er genannt/ MELICA, MELEGA, SAGINA, MILIUM INDICUM, MILIUM SABURRUM, SORGUM, PANICUM LOCULARE, unnd MILIUM SARACENIUM. Etliche nennens auch PANICUM INDICUM, doch nicht ohne jrrthumb/ dann was PANICUM INDICUM ist/ haben wir hiebevor angezeiget. Hochteutsch/ Welscher Hirschen/ Jndianischer Hirschen/ Sorgsamen/ Surgsamen/ Sorgi und Sorgweytzen/ das ist/ TRITICUM SORGINUM.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Sorgsamens.

            Der Sorgsamen vergleicht sich mit seiner Natur und Eygenschafft dem gemeinen Hirschen/ dann er kület/ trucknet und stopffet/ wirdt auch gleicher gestalt so wol in der Artzeney als in der Speiß nützlich gebraucht.

 

Jnnerlicher Gebrauch deß Sorgsamens.

            Der Sorgsamen und das Meel so darvon gemalen wird/ werden wie der gemein Hirschen/ mit Wasser/ Buttern unnd ein wenig Saltz zu Müsern oder Breyen gesotten/ das Gesindt darmit zu speisen/ dann es ist ein Speiß die nit allein wol settiget/ sondern die auch wol wider hält und langsam verdawet wirdt/ gehört nicht vor die so ein schwachen Magen haben/ sondern für Holtzhawer/ Schiffleuth/ Bawersvolck und alle die schwere und grosse Feldtarbeyt thun.

            So man den Samen oder Meel mit Milch oder guter Ochsenfleischbrühen bereytet unnd wol sieden lässet/ so settigen sie besser/ seyndt leichter zu verdauwen/ unnd geben auch bessere Nahrung/ und dienen vor Kinder unnd ander Haußgesindt/ und speisen sehr wol.

            Sorgsamen oder das Meel darvon mit gestälter Milch gesotten zu einem Brey/ dienet wider die Ruhr und alle Bauchflüß. Jn summa man mag allerhandt gute Müßlein darauß bereyten/ wie hiebevor von dem Hirschen gesagt ist/ und dienen aber die gemelte Speißlein eben zu denselben Gebrechen/ die wir an demselbigen Ort angezeigt haben/ sonderlich aber seindt die denen dienlich/ die mit stätem Nieren oder Lendenschmertzen beladen seindt.

            Die Kröpff am Halß zu vertreiben: Nimb Sorgsamenstengel mit zehen Knöpffen oder Gewerben/ die schneide auff unnd thu das Marck herauß/ thue darzu ein geelen Meer oder Badschwammen/ thue die in einen wol verlutierten Hafen unnd brenn sie zu Pulver/ vermische darmit zwölff reyn gepülverter Pfefferkörner unnd zwey loth Weytzenmeel/ darnach thue ferner darzu ein frisch Eye/ temperiers wol durcheinander/ unnd formier ein Kuchen darauß/ backe den wohl hart under einer heissen Aschen/ schneide jhnen nachmals in sechs gleiche theil/ darvon gib dem/ dem du den Kropff vertreiben wilt der Stück eins in dem abnemmenden Liecht zu essen/ deß Nachts wann er sich zu Beth begeben wil/ unnd lasse jhnen nicht darauff trincken: Deßgleichen thue auch uber den andern Tag/ also daß du in zwölff Tagen in dem abnemmenden Liecht jhme die sechs Stück gemelter massen nacheinander zu essen gebest. Nach dem andern unnd nechsten Vollmon sollt du widerumb ein andern Kuchen obgemelter massen backen/ denselbigen auch wie zuvor in sechs Stück abtheilen/ unnd auch zwölff Tage nacheinander je uber den andern Tag essen lassen/ das soll auch nach dem dritten Vollmon geschehen/ so wirdt sich der Kropff also allgemächlich verzehren/ welches an vielen ist probiert worden.

            Sorgsamen in einer eisenen Pfannen geröscht/ darnach zu Pulver gestossen und getruncken/ stillet alle Bauchflüß.

            Die rote Blumen gepülvert und eins quintleins schwer mit rotem Wein getruncken/ stillet den unmässigen Blutfluß der Weiber. Die Blumen aber die weißlechtig sindt zu Pulver gestossen/ und in gleichem Gewicht und gestalt getruncken/ stillet den weissen Weiberfluß. Dienet auch wider die rote Rhur und alle andere Bauchflüß eebenmässig genützet.

            Die Häutlein oder Hüßlein darinn der Samen verschlossen gewesen ist/ zu einem subtielen Pulver gestossen/ und mit einem Eye zu einem Teyglein temperiert/ darnach in der Aschen zu einem Küchlein gebacken unnd nüchtern gessen/ hat gleiche Wirckung wider die Ruhr und alle andere Bauchflüß wie die Namen haben mögen.

            Sonst gebrauchet man den Sorgsamen zu einer Mastung der Schwein/ der Hüner unnd Tauben/ derwegen es auch von den Lateinischen unnd Jtalianern/ SAGINA unnd SAGGINA ist genennet worden. Es pfleget auch an etlichen Orten der gemeine Mann unnd das Bauwersvolck Brodt darauß zu backen/ das ist harter Däuwung wie das Hirschen und Pfenigbrod.