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MÖHRE (WILDE)

Daucus carota - Umbelliferae


 

 VON DER WILDEN PASTENACH

 

            Die wilde Pastenach auch Vogelnest genannt/ hat ein lange weisse Wurtzel kleinen Fingers dick/ eines süssen scharpffen Geschmacks und lieblichen Geruchs. Die Bletter seynd dem Körffelkraut oder den Blettern der zamen Pastenach ähnlich/ doch breyter unnd ein wenig bitter. Es hat ein rauhen Stengel Ehlenlang unnd lenger/ mit Nebenzweyglein/ darauff Cronen wie ein Schatthütlein/ die seynd aussgehülcht wie ein Vogelsnest/ mit weissen Blümlein/ welche in der mitten ein purpurfarb Bützlein haben/ wie die zamen Pastenachen/ welches DIOSCORIDES sonderlich acht genommen/ unnd das recht Kennzeichen der wahren PASTENACAE ist. Der Samen ist auch dem Samen der zamen durchauss gleich/ wie auch das gantze Gewächs demselbigen nicht ungleich ist/ allein dass es kleiner/ ist aber am Geruch stärcker und kräfftiger in allen Dingen. Es wächst allenthalben hinder den Zäunen/ an den Rechen/ Aeckern und Grassechtigen truckenen Plätzen/ in Steinechtigem Grundt/ unnd Sandechtigem Erdreich.

 

Von dem Namen der wilden Pastenachen oder Vogelsnest.

            Es ist die wilde Hirtzpastenach auch vor die rechte PASTINACAM DIOSCORIDIS, bissher fälschlich von vielen gebaucht worden/ dieweil sie die zame Hirtzpastenach vor die rechte PASTINACAM SATIVAM DIOSCORIDIS, nit ohne grosse Jrrthumb gehalten/ und derselbigen die statt/ so den geelen und weissen Möhren gehört/ eingerammet haben/ welcher Jrrthumb auss der Beschreibung DIOSCORIDIS so klar bewiesen wird/ also dass es ferners Beweiss nicht bedarff. Welcher nun die rechte zame Pastenach kennet/ unnd auf jhr recht Kennzeichen acht hat/ dem wird auch die Wilde/ die auch dasselbige Kennzeichen hat/ als bald bekannt werden: Dann die beyden falschen eyngeführte Pastenachen/ mit den breyten Blettern dem Alexandrinischen Peterlen ähnlich/ vergleichenm sich mit den wahren Pastenachen/ wie der Dannenbaum mit dem Rüstbaum/ oder der Rossmarein mit den Nesseln. Nun diese unsere wilde Pastenach/ ist das recht PASTINACA der Alten/ welche in der Artzeney/ als die kräfftiger ist/ dann die zame/ soll gebraucht werden. Lateinisch/ STAPHYLINUS SYLVESTRIS, PASTINACA ERRATICA, PASTINACA SYLVESTRIS oder RUSTICA, und von dem THEOPHRASTO, DAUCUS SYLVESTRIS unnd BRACOSA. Von den Kreutlern/ BAUCIA SYLVESTRIS, CARIOTA RUSTICA, CAROTA SYLVATICA, PASTINACA TENUIFOLIA SYLVESTRIS, zum Underscheid der wilden Hirtzpastenach/ mit den grossen unnd breyten Blettern/ und DAUCUS ASININUS, PASTINACA ASININA dieweil dieses Gewächs den Eseln eine anmütige und liebliche Speiss und Futter ist/ und sie es gerne essen. Von dem APULEIO wirdt es VIDONAULIUM, und von dem ATHENAEO, PHILTRUM genannt/ dieweil es anreitzung zur unkeuschheit gibt. Es hat auch ORPHEUS BEY DEM plinio lib.20.cap.5. DARVOR GEHALTEN/ DASS DIESES Kraut etwas Kräfften hab/ Bulerey darmit zu wegen zu bringen.

            Es wird die wilde Pastenach Arabisch von AUICENNA Gazar genannt/ von ANDREA BELLUNENSI, Giazarberi, von andern Iegar und Iegari. Es hat auch die obgemelten Arabischen Namen wie die oben von der zamen Pastenachen erzehlet/ mit derselben  gemein/ dann die Arabischen Aertzt allwegen wie die Griechen die wilde Pasteney als die kräfftigste in der Artzeney der zamen vorgezogen/ unnd verstehen auch allwegen durch die obgemelte Namen die wilde. Aber in der Diet versztehen sie allwegen die zame. AUERRHOES LIB.SIMP.CAP.42. schreibet/ dass die wilde Pastenach seye AUCUS, so ist auch DAUCUS AETII nichts anders/ dann die zame und wilde Pastenach. Dessgleichen bezeuget GALENUS, dass zu seiner Zeit die wilden Pastenach vor den DAUCUM seye gehalten worden/ so auch IOAN.SERAPIO LIB.SIMP.C.166. die Pastenachen zame unnd wilde vor DAUCOS gehalten/ wie auch THEOPHRASTUS. AUICENNA aber der vermischt den DAUCUM DIOSCORIDIS mit der PASTINACA oder dem DAUCO THEOPHRASTI und AETII unweisslich. Dann DIOSCORIDES ein besondern DAUCUM hat/ wie wir hiebevor im 21.Capitel angezeigt und beschrieben haben. MARCELLUS VIRGILIUS FLORENTINUS, da er in DIOSCORIDEM uber das Capitel DAUCUM geschrieben hat/ verfichtet hefftig/ dass unser wilde Pastenach der warhafftige DAUCUS DIOSCORIDIS sey/ unnd wiewol er in dem sich jrret/ so ist aber doch dieselbig auch ein DAUCUS, doch nicht DIOSCORIDIS, sondern THEOPHRASTI, AETII, SERAPIONIS und GALENI, und mag derowegen auch ohn einigen Jrrthumb vor den rechten DAUCUM in die COMPOSITIONES deren gemelten Authorn gebraucht unnd genommen werdfen/ dann wir wenig COMPOSITIONES haben/ darinn der Möhrenkümmel/ das ist/ DAUCUS DIOSCORIDIS eingehet/ darinn dann billich der Möhrenkümmel soll genommen werden/ welches alles fleissig wargenommen werden soll.

Hochteutsch/ wilde Pasteney/ wild Möhren/ Vogelsnest/ wild Rüblein und Eselsmöhren/ das ist/ PASTINACA ASININA.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Wygenschafft der wilden Pastenach.

            Der wilde Pastenach ist stärcker und kräfftiger dann der zame Pastenach/ ist derwegen dienlicher zu der Artzeney als der zame. Er hat ein gleiche Krafft unnd Wirckung mit dem Möhrenkümmel/ und ist warm und trucken im dritten Grad. Man braucht die Wurtzel und Kraut in der Artzeney. Der Samen ist hitziger Natur dann die Wurtzel/ so ist die Wurtzel hitziger dann das Kraut/ also die Wurtzel in der Wärmbde und Trückne den zweyten Grad etwas ubertrifft/ unnd das Kraut den mittel dess zweyten Grads.

 

Jnnerlicher Gebrauch der wilden Pastenach.

            DIOSCORIDES schreibet LIB.3.C.51. dass man zu seiner Zeit die Wurtzel der wilden Pastenach gekocht unnd in der Speiss gessen hab. Welcher Gebrauch bey uns abgangen/ sintemal wir der zamen uberflüssig gnug haben. Zu dem so ist die Wurtzel der wilden Pastenachen so zehe und holtzechtig/ dass man die nicht wol geniessen kan/ doch so sie bey dem Fleisch oder sonst in den Suppen gesotten wird/ bekommen die Brühen ein guten Geschack darvon/ und seynd sonderlich nutz den Harn und Weiberblumen zu treiben/ und in allen denen Schwachheiten dienlich/ wie wir im nechsten Capitel erzehlet haben/ so man die bey der Speiss allein kocht/ und sie schon nicht jsset/ dieweil sie zu essen zu zehe und holtzechtig seynd.

            Wild Pastenachwurtzeln ein gute Handvoll gespalten und klein geschnitten/ mit vi.Loth Marsilier Korbfeygen/ die auch zerschnitten seynd/ und iiii. Oder v.Loth braunen Candelzucker in einer Mass Wassers den vierden theil eingesotten und durchgesigen/ darnach Morgens nüchtern/ Nachmittag umb zwey Uhrn/ dessgleichen auch dess Abends/ wann man zu Beth gehen wil/ jedesmal ein Untz oder vier warm getruncken/ dienet wider den Husten so von Kälte kompt/ reiniget die Brust unnd Lungen/ und macht wol ausswerffen.

            Wild Pastenachensamen zu einem subtilen Pulver gestossen/ und mit iii.Untz Scabiosenwasser getruncken/ hilfft wider das stechen und schmertzen der Seiten.

            Die Wurtzel zerschnitten unnd in Milch gesotten/ und dess Tags dreymal/ jedesmal ein Bechervoll warm getruncken/ hilft wider den Husten und das Seitengeschwer/ oder jnnerliche Apostemen.

            Wild Pastenachwurtzel eine Handvoll in einer Mass Meth den vierden theil eingesotten/ darnach durch ein Tuch gesigen/ und von diesem Tranck allen Morgen nüchtern ein gemeinen Bechervoll warm getruncken/ und auch so viel nach der dem Nachtessen/ miltert den Schmertzen der Leber/ dess Miltzes und der Nieren/ vertreibt das Lendenweh/ und reiniget die Nieren/ Harngäng/ Blasen/ und macht wol harnen.

            Vor die Verstopffung der Leber und dess Miltz: Nimb wildt Pastenachwurtzeln/ und der öbersten Cronen derselben mit den Blumen und halbzeitigem Samen/ jedes ein Handvoll: Siede diese Stück in einer Mass Wassers halber ein/ seihe darnach die gesottene Brühe durch ein sauber Tuch/ thue darzu xvi.untz frisch aussgedruckts Fenchelsafft/ Feinzucker iiii.untz/ lass es widerumb uber einem Kolfewrlein auffsieden/ und seihe es wider durch/ und gib dem Krancken alle morgen nüchtern/ jedesmal ein par stunden vor dem Morgen unnd Nachtjmbiss iii.untz warm zu trincken/ es thut in gemeldtem Fall augenscheinliche hülff.

            Wild Pastenachsamen zu Pulver gestossen unnd auff einmal ein quintlein schwer mit Wein getruncken/ vertreibt das schwerlich und tröpffling harnen/ reyniget die Nieren und Blasen/ vertreibet das Lendenwehe/ fürdert die Monatblumen der Weiber/ hilfft zu der empfengnuss/ wehret der anfahenden wassersucht/ hilfft wider das Seitenstechen/ zertheilt und vertreibet die Geschwulst dess Bauchs/ von verhaltenen Blästen verursacht. Dessgleichen getruncken/ hilfft es wider die Bissz unnd Stich der vergifften Thier.

            Es sagt DIOSCORIDES, welcher den Samen der wilden Pasteneyen vor eynnimbt/ der sol von den Schlangen und anderm vergifften Gewürm nicht beschädiget werden.

            Wilden Pastenachensamen gestossen/ und obgemeltermassen mit Wein/ oder aber mit Essig und Wasser getruncken/ soll ein sonderliche hülff seyn/ denen so von den Scorpionen gestochen seynd.

            Wildt Pastenachkraut ein Handvoll in gnugsamen Wasser biss auff iiii.Untz ungefährlich eyngesotten/ darnach hart aussgetruckt und durch ein Tuch gesiegen/ darnach xxv. Pfefferkörner gestossen/ darinnen zertrieben und warm getruncken/ ist ein gewisse hülff die verstandene Blumen der weiber wider zu bringen.

            Wilden Pastenachsamen zu Pulver gestossen/ und dessen i.quintlein mit Wein getruncken/ bringt die verruckte Mutter wider in die rechte statt.

            Wild Pastenachkraut und Samen in Wein gesotten/ und die durchgesiegene Brühe morgens uns abends getruncken/ hilfft den erkalten unfruchtbaren Weibern zu der Empfengnuss.

            Die Wurtzeln zerschnitten und in Wasser gesotten und getruncken/ treibt auss das Monkind/ mann muss aber auch ein Wurtzel von diesem kraut zu sich thun/ wie ein Mutterzäpflein.

            Den Samen der wilden Pastenachen gepülvert/ und ein quintlein dieses Pulvers mit Wein getruncken/ dienet wieder das auffstossen unnd erstickung der Mutter/ und vertreibet den auffgelauffenen Bauch der Weiber von Blästen verursachet/ zertheilet die Wind/ und treibt sie auss.

            Die Wurtzel von diesem Kraut gedörrt/ zu reinem Pulver gestossen/ darnach durch ein härin Sieblein geschlagen/ unnd davon genommen iii.Loth und mit vi.Loth Feinzucker in Malvasier zerlassen ein wenig Latwerglein darauss gemacht/ und allen Abend einer mittelmässigen Castanien gross darvon gessen/ wann man zu Beth gehen wil/ bringet grosse begierde zur Unkeuschheit. Jst den unvermöglichen Mannen eine heylsame Artzeney/ dessgleichen den unfruchtbaren Weibern/ dann es gibt gute befürderung zu der empfengnuss. Du magst auch die gemelte Latwerg also machen/ nemlich dass du nemest dess Pulvers von den Wurtzeln ii.Loth/ und rein gepülverten Mechein Jngber ein Loth/ und machest eine Latwerg darauss/ und brauchest sie wie die vorige.

            Die Wurtzel zu Pulver gestossen/ und i.quintlein desselben mit Meth zertrieben unnd warm getruncken/ ist fast nützlich zu den Gebrechen der Leber/ dess Miltzes und der Nieren.

            Die Nieren/ Harngäng und Blasen/ von Sandt/ Griess/ Schleim und allen andern Unrath zu reinigen: Nimb wildt Pastenachwurtzeln ein Handtvoll/ Fenchelwurtzel/ Peterleinwurtzel/ Liebstöckelwurtzel/ Fenchelsamen/ Pfersichkernen/ von jhren Scheelen gereynigt/ jedes ein halb handvoll/ Pfefferkörner i.Loth. solche stück klein geschnitten/ unnd die Pfefferkörner ein wenig gebrochen/ seud in anderhalb Mass wassers den drittentheil eyn/ seihe das darnach durch ein Tuch/ unnd zerlasse vi.Loth Zuckr in der durchgesiegenen Brühen/ trinck darvon allen Morgen nüchtern vier untz warm/ unnd beharr das so lang der Tranck wehret. Dieser Tranck vertreibet auch die Geschwulst unnd auffblähung dess Bauchs/ von Blästen verursacht.

 

Eusserlicher Gebrauch der wilden Pastenach.

            Wild Pastenachkraut in Laugen gesotten/ und darmit das Haupt gewäschen/ dienet wider die Flüss. Das Kraut in ein Säcklein eyngeriegen/ darnach auff einem heissen Ziegelstein gewärmet/ unnd uber die Scheytel dess Haupts geleget/ trücknet die Flüss wunderbarlich.

            Die Geschwulst und zähen Flüss der Augen zu vertreiben/ siede wild Pastenachwurtzeln in Wasser/ und wäsche und bähe die Augen mit diesem Wasser: netze auch Tüchlein darein/ und legs darüber/ es hilfft.

            Wilden Pastenachbletter mit den öbersten Cronen/ in ein Säcklein eyngeriegen/ darnach in gutem Wein unnd Oele gesotten/ darnach mit zweyen Tellern hart aussgetruckt/ vertreibt das Magenwehe von Blästen und Winden verursacht/ warm uber den Magen gelegt.

            Wild Pastenachsamen gestossen/ unnd in ein langes Tüchlein eyngenehet/ darnach wie ein Mutterzäpflein zu sich gethan fürdert die Monatblumen der Weiber. Solches thut auch die Wurtzel in gleicher gestalt zu sich gethan/ unnd treibt auch auss die todte Frucht.

            Wild Pastenach mit Kraut/ Wurtzel und Blumen in wasser gesotten/ und den Dampff in die Mutter durch ein Trechter empfangen/ thut sehr wol den Weibern so in Kindtsnöthen liegen/ dann es macht dass sie leichtlich geberen: Hilfft auch den Weibern die nicht genug gereyniget werden/ unnd fürdert jhnen ihre Monatblumen.

            Wild Pastenachwurtzel gestossen/ und wie ein Pflaster ubergeschlagen/ legt den schmertzen und die Geschwulst der Hoden unnd Gemächt. Die Wurtzel am Halss getragen/ sol gleiche Wirckung haben/ wie PLINIUS LIB.4.CAP.32. bezeuget.

            Wild Pastenachbletter gestossen/ mit Honig temperieret/ heylen die alten umbsich fressende Schäden/ wie ein Pflaster auff ein Tuch gestrichen und darüber gelegt.

            Vor den Schmertzen der Augen dess Rindviehs oder der Pferdt: Stoss wilden Pastenachsamen zu einem subtielen pulver/ schlag den durch ein reynes härin Sieblein/ temperiers darnach mit Hederichkrautsafft unnd Honig zu einem dünnen Augensälbelein/ und bestreich dem Vieh oder Pferden die Augen damit. Dieweil aber die Mucken/ Biene unnd Hornüss dem süssen Geruch dess Honigs nachfliegen/ und das Vieh an den Augen durch dieselben nicht mehr geletzet werde/ so mustu nemmen dörre oder weych Bech/ dasselbige mit Baumölen temperieren/ und dem Viehe die Augen herumb damit bestreichen/ ein Circkel auff zweyer Finger breyt/ so werden sie von den gemeldten Thieren nicht geletzet.

 

Gedistilliert Wasser von wildem Pastenach.

PASTINACAE ERRATICAE AQUA STILLATITIA.

 

            Auss dem wilden Pastenach distilliert man auch ein nützlichs Wasser. Man nimbt im Hewmonat das Kraut mit den Wurtzeln und Blumen/ hacket es klein/ distillierts darnach mit sanfftem Fewer IN BALNEO MARIAE, und setzet es in die Sonn zu rectificieren/ und behalts zum gebrauch.

 

Jnnerlicher Gebrauch dess wilden Pastenachswassers.

            Wild Pastenachwasser auff einmal iiii. Oder v.Loth getruncken/ stillet den schmertzen der Mutter/ legt das Reissen im Leibe nach der Geburt/ und reyniget die Kindbetterin wol/ Jst auch sonderlich dienlich den Weibern unnd Jungfrawen/ die sonst nicht genugsam gereinigt werden.

            Wild Pastenachwasser vier Untz mit einer untz Rosenhonigs vermischt unnd getruncken/ ist ein heylsame Artzeney wider das auffstossen und erstickung der Mutter/ unnd hilfft so offt es gebraucht wirdt.

 

Wild Pastenachwein.

STAPHYLINITES.

 

            Jn dem vorigen Capitel haben wir angezeiget/ wie man mit der zamen Pastenach/ ein guten und nützlichen Wein machen soll/ eben desselben gleichen soll man auss der Wilden einen bereyten/ der dienet wider alle Schwachheiten/ darzu der von der zamen Pastenach gebraucht wird/ und vollbringet seine Wirckung viel kräfftiger als derselbige/ unnd ist sonderlich den Muttersuechen Weibern/ und denen so nicht gnugsam gereiniget werden/ fast dienlich.

 

Extract von wildem Pastenach.

PASTINACAE ERRATICAE EXTRACTUM.

 

            Auss der wilden Pastenach/ kann man auch ein nützlichen Extract machen/ wie man den auss dem dürren Wermuth zu extrahiren pglegt. Darzu nimbt man die Wurtzel/ Kraut und Samen mit einander/ und extrahirt den wie wir in dem obgemelten Ort genugsam berichtet haben. Dieser Extract wird zu allen jnnerlichen Kranckheiten gebraucht/ darzu man die wurtzel/ Kraut und Samen zu gebrauchen pflegt. Darvon gibt man auff einmal ein drittheil eins quintleins mit seinem gedistillirten Wasser/ oder aber einem andern bequemen Safft. Es wird auch dieser Extract nützlich mit andern Artzeneyen vermischt/ je nach gelegenheit der Kranckheit.

 

Saltz von wilder Pastenach.

PASTINACAE ERRATICAE SAL.

 

            Auss der dürren Wurtzel/ Kraut unnd Samen der wilden Pastenach/ macht man auch wie auss andern Kreutern ein heylsames Saltz/ das braucht man zu den Gebrechen der Nieren/ Blasen/ und sonderlich vor das schwerlich harnen/ mit Wein oder einem andern bequemen Safft/ oder vermischts sonst mit Pillulen/ Latwergen/ oder andern tauglichen Artzeneyen.

 

Aussgezogener Pastenachensyrup.

SYRUPUS EXTRACTIONIS PASTINACAE ERRATICAE.

 

            WIE MAN AUSS DEM Wermuth ein aussgezogenen Syrup zu machen pflegt/ also macht man auch einen auss der wildenPastenach/ darzu nimbt man das Kraut mit der Wurtzeln und aller Substantz. Dieser Syrup dienet auch wider alle onberzehlte Gebrechen und Kranckheiten/ darzu der wild Pasteney sonst gebraucht wird/ darvon gibt man auff einmal i.Loth mit seinem gedistillirten Wasser oder Wein/ oder aber mit einem andern bequemen Safft zertrieben.

 

Gedistillirt wild Pastenachöle.

PASTINACAE ERRATICAE OLEUM STILLATITIUM.

 

            Das gedistillirt wild Pastenachöle/ wird von dem Samen wie das Anissöle aussgezogen/ unnd dienet auch zu allen jnnerlichen Kranckheiten/ darzu der Samen dess Pastenachs gebraucht wird. Darvon gibt man auff einmal zwey oder drey Tröpflein mit wein/ oder aber sonst mit einem bequemen wasser/ es wird auch heylsamlich mit Pillulen und andern Artzeneyen vermischet/ welches wir den MEDICIS PRACTICIS befehlen.