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MEISTERWURZ
Peucedanum - Umbelliferae


VON DER MEISTERWURTZ

 

    Meisterwurtz hat eine Knodechtige unnd Gleychechtige Wurtzel/ wie die Naterwurtz oder das Theriackkraut eines Fingers dick/ und auch bißweilen dicker/ mit vielen Zaseln/ die kreucht und fladert hin unnd her in der Erden/ wächst mehr neben sich dann under sich/ also das viel Nebenzincken von einer Wurtzel sich außstrecken/ darauß besondere Stöcklein herfür wachsen: mit solchem kriechen und fladern nimpt dieses Gewächß/ da es hingesähet wird ein grossen Platz ein/ daß es schwerlich zu ??? ist. Diese Wurtzel ist außwendig grawschwartz/ und jnnwendig weiss/ die gibt ein zähen geelen Safft/ der ist gleich wie die Wurtzel eines sehr hitzigen und räsen Geschmacks/ also daß er die Zung brennet/ viel mehr als ein Geschlecht deß Pfeffers thun mag. Die Bletter seynd sattgrün/ und vergleichen sich den Blettern deß Beerenklaws. Ein jedes Blat ist erstmals in drey vollkommener Underscheid zerschnitten/ rund und Circkelsweiß: darnach ein jedes zerschnitten Blat widerumb mit zweyen oder dreyen schnitten halber zerspalten/ und außwendig gerings herumb mit kleinen Kerflein zerkerfft wie ein Seegen. Der Stengel ist klein und schmal Gleychechtig wie die Stengel deß Dillkrauts/ auff die anderthalb Ehlen hoch/ auß den Gleychen wachsen herfür viel Nebenzweyglein/ die bringen viel schöner hübscher Cronen oder Dolden wie die Schatthütlein/ den Kronen der wildten Angelick ähnlich/ die tragen viel kleiner weisser Blümlein wie der Aniß oder Coriander. Wann die abfallen unnd vergehen/ folget ein dünner grawschwartzer Samen wie der Dill. Das gantze Gewächs hat einen starcken Geruch. Dieses Gewächs findet man viel in dem hohen gebirg/ im Schwartzwaldt/ deßgleichen im Churer Bisthumb. Man zielts auch in den Gärten/ und haltet sich fast lang darinn. Der gemein unnd Bauwersmann zielet es vor das Rindtviech/ und wächst gern in schwartzem Erdtreich unnd dunckeln Orten. Man säet es im Christmonat wie die Angelick/ und versetzt die auffgegangene Stöckeln im Meyen/ Schuchsweit von einander. Die beste Pflantzung aber ist/ daß man die Wurtzel außgrab/ von einander reiß unnd was Augen oder junge Schoß hat/ das setzt man wie gemeldet schuchsweit von einander. Es blühet gegen dem Hewmonat/ und wirdt der Samen gegen dem Herbstmonat zeitig/ zu welcher zeit er gesamblet werden sol. Die Wurtzel aber sol im Frühling zum gebrauch der Artzeney gesammlet werden/ zu welcher zeit sie dann am besten/ unnd voller zeitigs Saffts ist.
  
(Man findet in unserem Schweitzer Gebirg auch ein andere Meisterwurtz/ welche aller dingen kleiner ist dann die vorgemeldte/ dann auß der Wurtzel so der vorigen nicht ungleich/ allein daß sie viel scherpffer ist und nicht mehr brennet/ wachsen herfür die Stengel so viel kleiner und zarter sindt/ die Bletter sindt auch schmäler.)

Von den Namen der Meisterwurtz.
    Es ist die Meisterwurtz wie auch die Angelick wol gemartert worden/ dann etliche ein SMYRNIUM darauß wollen machen/ die andern ein SILPHIUM oder LASERPITIUM, dieweil etliche Gemerckzeichen dieser beyder Gewächs mit der Meisterwurtz sich vergleichen/ aber doch nicht durchauß mit zustimmen. Nun aber beschreiben die alten Lehrer zwey SMYRNIA, dann DIOSCORIDES hat sein eygen SMYRNIUM, so auch GALENUS sein besonders/ deren doch unser Meisterwurtz keines nit ist/ wie wir dann hernach diese beyde gemeldte SMYRNIA an seinem Ort beschreiben wöllen/ darauß dann ein jeder leichtlich abnemmen wirdt können/ daß die Meisterwurtz kein SMYRNIUM nicht ist. Was dann das LASERPITIUM oder SILPHIUM anlangen thut/ haben hiebevor darvon gehandelt/ und dieselben beschrieben. Was aber unser Meisterwurtz bey den Alten sey/ unnd wie sie dieselbig genennet haben/ hat noch keiner angezeigt/ müssen derowegen sie mit jhren gemeinen Namen bleiben lassen.
  
l. Es wirdt die Meisterwurtz bey den Kreutlern/ Simplicisten und den erfahrnen MEDICIS, IMPERATORIA genannt. Von den Calendermachern/ die jhre Fantaseyen mit dem Gestirn haben/ deßgleichen auch bey den Apoteckern hat viel zerstörte unnd Barbarische Namen bekommen/ dann es von jhnen genannt wirdt/ OSTRICIUM, ASTRENCIUM, OSTENTIUM, ASTRANTIA, OSTRUTIUM, ASTERITIUM, ASTRUTIUM, und MAGISTRANTIA. Welche Namen meines erachtens von dem Wort/ STRUTHIUM DIOSCORIDES, daß auch von jhm HERBA LANARIAE und RADICALIA genannt wirdt/ herkommen unnd corrumpirt worden seyndt/ sintemal viel die Meisterwurtz vor das STRUTHIUM gehalten haben/ welches Jrrthumbs sie aber leichtlich uberwiesen köndten werden/ wann man die Beschreibung STRUTHII DIOSCORIDIS mit der Meisterwurtz conferirt. Und müssen derwegen die Barbarische Namen behalten/ dieweil die gemeinen Aertzet dieselben in jhren Schriften gebrauchen und die Meisterwurtz dardurch verstehen/ biß wir die wahre Namen/ wie die bey den Alten geheissen worden/ bekommen. Hochteutsch/ Magistrantz/ Keyserwurtz/ Astrentz unnd Meisterwurtz/ umb seiner fürtrefflichen Krafft und Tugendt willen.
  
[ll. Die ander und kleinere Meisterwurtz nennen wir IMPERATORIAM MONTANAM MINOREM, das ist/ die kleinere Bergmeisterwurtzel: Von den Schweitzern da es wächset/ wirdt es wilde Strentz oder Bergstrentz genannt. Von etlichen Bergmeisterwurtz, IMPERATORIA ALPINA, VEL ASTRANTIA ALPINA, CAM. IN SUO MATTHIOLO. Etliche wollen es ASTRANTIAM MAREM nennen/ vielleicht weil es kräfftiger ist als die man in Gärten zielet/ wie man in gemein alle Bergkreuter dafür schetzet.*]

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der Meisterwurtzel.
    Es gibt nicht allein der starck Geruch/ sondern auch der hitzig/ scharpff und uberauß brennend Geschmack ein anzeigung jrer Eygenschafft/ daß sie uber die maß hitzig seye/ dann sie in der scherpffe alle hitzige Gewürtz/ als Parnaßkörner oder Pfeffer ubertrifft/ derowegen die Wurtzel im dritten unnd der Safft gar nahe biß in den vierten Gradt hitzig und trucken geachtet wirdt. Der Samen vergleicht sich der Wurtzeln/ aber das Kraut ist eines Grads weniger hitzig unnd trucken. Die Wurtzel unnd Samen mochten wol vor andere Würtz zun Fischen/ derselben ubrige feucht unnd kälte zu corrigieren/ zur Speiß gebraucht werden.
  
[ll. Die andere und kleinere ist viel kräfftiger die auch jhre wirckung viel eher vollbringet/ unnd gebrauchens zu den viertägigen Fieber/ das Haupt zu reinigen/ die bläst zu vertreiben/ und die schmertzen deß Grimmens zu stillen/ welches dann auch unsere gemeine auch thut.]

Jnnerlicher Gebrauch der Meisterwurtz.
    Die Wurtzel/ der Samen/ Kraut und Safft/ seindt treffenlich nütz und gut wider alles Gifft: sollen insonderheit in Sterbensläuffen wann die Pestilentz regiert/ wider den bösen vergifften Lufft gebraucht werden. Sie zertheilen und verzehren die groben/ zähen Feuchten im Leib. Dienen wider den Husten von kalter ursach herkommende. Sie zertheilen auch und lösen ab den Schleim und Koder der Brust unnd Lungen/ und fürdern denselben zum außwerffen.
  
Meisterwurtz im Mundt gekeuwet/ reynigen das Haupt und Hirn von allen Flüssen unnd schädlicher Feuchtigkeit. Zu Pulver gestossen und zwey drittheil eines quintleins mit einem Trüncklein Weins zertrieben getruncken/ und etliche Tag also beharret/ bringt die Paralytischen widerumb zu recht. Dient auch wider den schwindel/ Krampff und die fallende sucht.
  
Meisterwurtz im Mund gekeuwet/ unnd bißweilen ein wenig hinab geschluckt/ vertreibt den ubelriechenden Athem.
  
So sich einer besorget daß er böß Wasser getruncken hette oder ubel gekochte Speiß die jme widerstanden/ oder schwerlich zu däuwen/ der sol Meisterwurtzel gepülvert mit Wein gebrauchen.
  
Meisterwurtz/ Kraut und Wurtzel in Wein gesotten/ unnd die durchgesigene Brühe getruncken/ ist gut wider den Schlag oder Handt gottes/ wider die Fallende sucht/ Krampff und alle kalte Gebrechen der Nerven: treibt auch den Harn unnd Nierenstein/ fürdert die Weibliche Monatblumen/ fürdert auß die todte Frucht unnd die Nachgeburt/ miltert das Hüfftwehe von kälte verursacht: Treibet auch gewaltig den Schweiß/ vertreibt die kalte Geelsucht unnd Wassersucht/ unnd hilfft den erkalten unvermüglichen Mannen zu den Ehlichen Wercken: Er dient auch wider die erkaltung der Brust unnd Lungen/ vertreibt das Keichen unnd den kalten Husten/ Morgens unnd Abendts jedesmal ein gemein Becherlein voll warm getruncken.
  
Wann einer ubel gekochte Fisch gessen hette/ darvon jhm wehe würde/ der nemme zwey drittheil eins quintleins gepülvert Meisterwurtzel/ und ein drittheil eins quintleins gepülvert Dolrüben/ oder Stickwurtzel/ vermische diese beyde mit einem halben Loth Zucker/ zertreibs mit einem Truncklein Weins/ und trincks warm/ es wirdt jhme baldt geholffen.
  
Meisterwurtzel gepülvert/ unnd zwey drittheil eines quintleins eingenommen unnd mit Wein getruncken/ dient wider die gifftige Bissz der unsinnigen Hundt/ unnd der andern vergifften Thier Bissz und Stich/ auch wider alles eyngenommen Gifft.
  
Meisterwurtz mit halb Wein und halb Essig gesotten/ unnd die durchgesigene Brühe getruncken/ tödtet die eingetrunckene Blutegel. Die Wurtzel gepülvert und mit Wein und Essig getruncken/ hat gleiche Wirckung. Mit Wein getruncken/ zertheilet die gerunnene Milch unnd das gerunnen Blut im Leib.
  
Wider die Geelsucht von Kälte verursacht: Nimb Meisterwurtzel ein halb Loth/ zerschneids klein/ unnd thue die in ein Känntlein/ schütte darüber xii. Untzen gutes firnen Weins/ stell das Känntlein in ein Pfann mit siedendem Wasser/ lasse es ein Stundt darinnen sieden/ darnach seihe es durch/ unnd trincke das halb Morgens nüchtern warm und das ander halb deß Abends zwo stunden vor dem Nachtessen.
  
Meisterwurtzkraut das noch grün ist/ gestossen/ den Safft darvon außgedruckt/ ein wenig mit Zucker süß gemacht/ unnd alle Morgen unnd Abendt/ jedesmal vier oder fünff Loth getruncken/ ist ein heylsame Artzeney den Lebersüchtigen Menschen.
  
Meisterwurtz mit Wein oder in andere weg gebrauchet/ erwärmet den erkalten Magen/ stärcken die däuwung/ und verzehren darinn die alten verlegenen bösen Feuchten.
  
Meisterwurtz zu Pulver gestossen/ und ein halbs quintl. biß auff ein quintlein mit Wein warm getruncken/ hilfft wider die schmertzen/ unnd ersticken der Beermutter: dient auch den unfruchtbaren Weibern/ die von wegen erkältung der Mutter nicht empfangen köndten.
  
Meisterwurtzel gepülvert und ein halbes Quintlein mit einem Quintlein Theriac unnd fünff Loth Meisterwurtzwasser vermischet und zu einem Träncklein temperirt/ unnd warm getruncken/ sich darauff nidergeleget/ unnd ein Stundt oder drey wol darauff geschwitzet/ das treibet alles Pestilentzische Gifft gewaltig durch den Schweiß und Harn auß. So man ein Löffel voll Essig zu dieser Artzeney thut/ wircket sie dester besser.
  
Meisterwurtz deß Morgens nüchtern zwey oder drey Stücklein mit Saltz gessen/ stärcket unnd erwärmet den kalten schleimigen Magen/ und ist ein gute Praeservatiff wider die gifftige Pestilentzische Lufft.
  
So einer mit der Pestilentz angegriffen würde/ der soll von Stundt an nemmen ein halbes Quintlein Meisterwurtzel zu Pulver gestossen/ guten Methridat ein quintlein/ sol das zertreiben mit fünff loth guten Weinessig/ unnd darnach warm trincken/ sich niderlegen/ und biß in die drey Stunden wol darauff schwitzen/ der wirdt durch Gottes hülffe ledig von dieser Seucht/ dann es ist ein Experiment. Oder: Nimb Meisterwurtz anderthalb loth/ Tormentillwurtzel j. loth/ Drachenwurtzel/ weiß Bibernellenwurtzel/ jedes ein halb loth. Stosse diese ding zu einem subtielen Pulver/ und schlags durch ein reynes härins Sieblein/ und behalts inh einem lederen Säcklein/ unnd gib auff einmal darvon j. quintlein mit bequemen gedistillierten Wassern und ein wenig Essigs zertrieben.
  
Oder: Nimb Meisterwurtz dritthalb loth/ weissen Diptam/ Tormentillwurtzel/ jedes anderhalb loth/ die Blumen von Tausendtkraut/ weiß Widerstoßwurtzel/ Entzian/ jedes j.loth/ Gifftheylwurtzel/ Einhorn/ gerieben Hiacynthenstein/ TERRAE SIGILLATAE, Armenischen BOLUS, jedes ein halb loth. Mach auß allen diesen Stücken ein reines Pulver wie ongemeldt/ und gebrauchs auch also.
  
Ein ander mit geringerem Kosten zu bereyten: Nimb Meisterwurtzel vier Loth/ Sauerampffersamen iii.quintlein/ Scorzonerenwurtzel ii.quintlein/ mach ein rein Pulver darauß/ und brauchs wie zuvor gemeldtet ist.
  
Meisterwurtzel zu Pulver/ gestossen/ und mit viermal so viel Saltz vermischt/ behütet das Rindviech vor der Pestilentz und dem Schelmen/ so man jhnen diese Artzeney alle Tag zu lecken giebt. Vertreibet auch dem Viech das keichen und schwerlich äthmen.
  
Wann ein Rossz Dämpffig oder Engbrüstig ist: Nimb Meisterwurtzel/ weissen Jngber/ Wermuth/ Zittwanwurtz/ Dostenkraut/ Griechischhewsamen/ Galganwurtz/ Hanffsamen/ Lorbeeren/ jedes ii.loth/ Stosse gemeldte Stück undereinander/ unnd gibs dem Rossz under dem Futter/ am Morgen vor dem trincken/ und deß Nachts nach dem trincken.
  
Wann ein Mensch mit einer Kugel oder Pfeil geschossen worden ist/ unnd das Eisen vom Pfeil oder die Büchsenkugel schon noch in der Wunden steckt/ so gib dem Verwundten nachfolgenden Wundtranck zu trincken/ und lege jhme darneben ein gerecht Stichpflaster uber die Wunde. Den Tranck aber mach also: Nimb Meisterwurtzel die gesäubert seind vier loth/ Meisterwurtzkraut/ Beyfußkraut/ jedes zwo Handtvoll. Zerschneide die Wurtzeln und die Kreuter klein/ thu die in ein Zinnene Fläschen/ schütte darüber ein maß guten Wein/ und ein maß Brunnenwasser/ schraube die Fläsch beheb zu/ und setze die in ein Kessel mit siedendem Wasser/ und lasse die gemeldten Stück vier Stunden lang sieden mit einem steten Fewer: darnach thu die Fläsch herauß/ wann es kalt worden ist/ und seihe den Tranck durch eyn Tuch/ und behalt den an einem külen Ort wol vermacht. Von diesem Tranck gib dem Verwundten deß Morgens nüchtern/ darnach nach Mittag/ umb zwo Uhren/ unnd deß Nachts wann er einschlaffen wil/ jedesmal fünff loth warm zu trincken/ du wirst wunder erfahren/ dann dieser Tranck nicht allein die Kugeln und Pfeil hilfft auß den Wunden treiben/ sondern er heylet auch die Wunden vom Grundt herauß/ und verhütet dieselben vor entzündung. Wann nun ein Hitz oder Feber darzu schlüge/ wie dann auch gemeiniglich zu geschehen pfleget/ so solt du den Wein zum Wundtranck herauß lassen/ unnd an statt desselben noch ein maß Wassers nemmen/ unnd denselben mit eytel Wasser sieden.
  
Man sol auch nemmen ein Handtvoll Meisterwurtzkraut unnd ein halb Handvoll Beyfuß/ sol diese Stück in einen steininen Krug thun/ und ein maß Wein darüber schütten/ unnd den Verwunden stätig darvon nach notturfft trincken lassen/ und so das Kraut Krafftloß wirdt/ hinweg werffen/ und wider frisches an seine statt nemmen. So aber wie gemeldt ein Feber oder Hitz zuschlüge/ sol man jhm keinen Wein zu trincken geben/ sondern jm ein Gerstenwasser sieden unnd ein halb loth Meisterwurtzel/ unnd ein Blätlein oder sechs Beyfußbletter mit sieden/ und jhnen trincken lassen.
  
Meisterwurtzpulver ii. drittheil eins quintleins mit einem Trüncklein Weins zertrieben und warm getruncken/ dient wider das viertäglich Feber/ so man das etlich Tag nacheinander auff welchen das Feber zu kommen pflegt/ vor der ankunfft des Febers beharret/ so macht es das Feber allgemächlich abnemmen/ biß es endlich gar außbleibt.

Eusserlicher Gebrauch der Meisterwurtzel.
    Meisterwurtzel klein geschnitten unnd in Wein gesotten/ stillet den schmertzen der Zähn/ so man die Brühe davon in dem Mundt warm haltet. Der Safft in die holen Zähn gethan/ stillet den schmertzen.
  
Die Hauptflüss und den Schnuppen zu vertreiben unnd außzutrucknen/ ein Experiment: Nimb Meisterwurtz die dürr ist/ zerschneidt sie klein/ wirffs auf glüende Kolen/ unnd empfahe den Rauch darvon in die Nasen.
  
Meisterwurtz kompt denen so die Schlaffsucht haben zu hülff/ gestossen und wie ein Pflaster uber die Stirn gelegt. Deß Pulvers von der Wurtzel ein wenig ihn die Nasen geblasen.
  
Meisterwurtzbletter die noch frisch unnd grün seindt gestossen/ den Safft darvon außgepresset/ und vor sich selbst oder mit ein wenig Wein in die Ohren getreufft/ tödtet die Würm darinn.
  
Wann ein Weib nach der Geburt das Geblüt zu viel gehen wolt/ die sol ein Meisterwurtzel in der Handt halten/ die wirdt das zu viel bluten verhüten.
  
Meisterwurtz die Wurtzel unnd Kraut gestossen/ zertheilet alle Geschwulst/ Beulen und Knollen/ von kalter Phlegmatischer Feucht verursacht/ Pflastersweiß darauff gelegt: dienet auch wider die kalte wütenden Gegicht.
  
Wann einem Gaul der Schlauch geschwollen ist/ so nimb Meisterwurtz die dürr ist/ und zu klein Stücklein geschnitten/ wirff die auff glüende Kolen/ unnd lasse den Rauch dem Gaul an den Schlauch gehen/ und bedecke den Gaul wol mit einer Decken/ daß der Dampff wol zu jhm gehen mag/ das thu alle Tag zum wenigsten dreymal/ und beharr solches acht Tag nach einander.

Meisterwurtz außgetruckneter Safft.
IMPERATORIAE SUCCUS EXICCATUS.

    Der außgetrucknet Meisterwurtzsafft/ wird bereytet auß der Wurtzeln und Kraut/ wie wir den Wermuthsafft zu bereyten gelehret haben/ unnd wird der am kräfftigsten/ der auß der dürren Wurtzeln und Kraut außgezogen wird. Er wird gebraucht zu den Gebrechen/ darzu die Meisterwurtz an jhr selbst dienlich ist. Der Safft aber der von sich selbst auß der Wurtzel fleusset/ so man sie schneidet oder verletzet/ der verzehret das faul Fleisch in den Schäden.

Meisterwurtzwasser.
IMPERATORIAE AQUA STILLATITIA.

    Die beste Zeit die Meisterwurtz zu distilliren ist im Hewmonat/ wann sie voller Blüth ist/ das Kraut mit der Wurtzeln und aller Substantz klein gehackt/ unnd allerdings IN BALNEO MARIAE gedistillirt/ wie wir von der Angelickwurtz gelehrt haben/ welches man auch zum zweytenmal distillieren mag/ so man es kräfftiger haben wil.

Meisterwurtzwasser jnnerlicher Gebrauch.
    Meisterwurtzwasser erwärmet den erkalten Magen und stärcket denselben/ verzehret allen zähen Schleim unnd wässeige Feuchten darinn. Es dienet auch uber die maß wol der erkalten Brust/ Lungen/ Lenden/ Nieren und der Mutter/ und ist sonderlich gut den erkalten unfruchtbaren Weibern. Es treibet den Harn/ Grieß und Lendenstein/ fürdert die weibliche Monatblumen/ und treibet auß die Nachgeburt/ und ist sehr dienlich wider die Mutterkrimmen/ und die Wehe so nach der Geburt bißweilen kommen/ vier oder fünff Loth auff einmal getruncken.
  
Meisterwurtzwasser gleicher gestalt getruncken/ miltert das stechen der Seiten so von Kält kommet/ vertreibet das Lendenwehe/ und zertheilet die gerunnene Milch unnd das gerunnen Blut im Leib. Treibet den Schweiß/ die Wassersucht/ erwärmet die Nieren/ macht flüssig den Mannlichen Samen/ bringet die erstorbenen und kalten/ zun Ehelichen Wercken ungeschickten Männer zu kräfften/ sonderlich so sie jhren Wein darmit vermischen/ welches an guten alten ehrlichen Männern versucht worden ist.
  
So einen ein wütender Hund gebissen hette/ der nemme Meisterwurtzwasser iiii.Untz/ Angelickwurtzwasser/ weiß Diptamwasser/ jedes ii.Untzen/ guten Andromachischen alten Theriack anderthalb Loth/ Engelwurtz gedistillirt Oele/ Meisterwurtz gedistillirt Oele/ jedes vier Tröpfflein: Diese gemelte stück vermisch wol durcheinander/ und gib dem geschädigten Menschenalle Tag nüchtern zwey Loth zu trincken/ unnd wäsche jhm den Schaden mit Meisterwurtzwasser auß/ oder mit dem Wasser darinn Meisterwurtz mit jhrem Kraut gesotten worden ist/ darnach zedel das Pulver von Meisterwurtzkraut in den Schaden.

Eusserlicher Gebrauch deß Meisterwurtzwassers.
    Meisterwurtzwasser heylet den Grind und Schebigkeit deß Haupts/ dasselbig offtermals darmit gewäschen. Das thut auch das Wasser darinnen die Bletter und Wurtzeln gesotten seynd.
  
Es dienet auch wider das schmertzlich Hüfftwehe/Zipperlein und Gliedsucht von Kält verursacht/ leinine Tücher darinn genetzet/ und warm darüber gelegt/ dann es leget den Schmertzen.

Meisterwurtzwein.
VINUM EX IMPERATORIA.

    Der Meisterwurtzwein wird im Herbst bereytet/ wie wir den Angelickwurtzwein zu bereyten/ gelehrt haben/ unnd mag man den mit gesottenem oder ungesottenem Most/ wie der dem so jhn brauchen wi/ anmütig seyn wil.
  
Etliche nemmen das dürr Kraut/ mit der Wurtzel zerschnitten/ schlagens in ein Fässlein eyn mit Hanbüchen Spähnen/ und füllen darnach ein guten Most darüber/ und lassen den darüber verjähren/ allerdings wie man andere Kreuterwein bey uns Teutschen zu machen pfleget.
  
Meisterwurtzwein ist uber die maß der erkalten Brust/ Magen/ Lenden/ Nieren/ Blasen/ der Mutter und Geburtglieder nützlich/ sonderlich aber den erkalten Weibern/ so von Kälte und ubriger Feucht unfruchtbar seynd. Dienet auch wider alle gifft/ und ist sonderlich nützlich in Sterbensläuffen wann die Pestilentz regiret/ Winterszeiten zu trincken/ aber im Sommer ist er zu hitzig. Er verzehret auch allen schädlichen/ faulen/ zähen Schleim/ und faule wässerige Feucht im Magen/ und andern jnnerlichen Gliedern und Eyngeweyd/ sonderlich in der Brust und Lungen/ derowegen er denen nütz ist/ die mit dem alten kalten Husten beladen seynd/ dann er zertheilet und löset ab den zähen Lungenkoder und groben Schleim/ und bereytet denselben daß er leichtlich außgeworffen werden mag/ und gibt dem gantzen Leib ein schöne liebliche unnd lebliche Farb. Dieser Wein stärcket die Däuwung/ unnd erwecket widerumb den verlornen Appetit zu der Speiß. Er zertheilet das gerunnen Blut im Leib/ treibet den Harn/ reiniget die Nieren/ Harngäng und die Blasen von allem Schleim und Unrath/ führet auß Sand und Grieß/ und lasset den Stein nit wachsen. Er fürdert den Weibern die Weibliche Monatblumen/ stillet den Schmertzen der Mutter/ vertreibet das Rück und Lendenwehe/ erwärmet alle Glieder deß gantzen Leibs/ und erhaltet die angeborne wärmde.

Meisterwurtz Conservenzucker.
RADICIS IMPERATORIAE CONSERVA.

    Von der geseuberten Meisterwurtzel/ bereytet man ein guten Conservenzucker/ wie auß der Angelickwurtz/ der ist anmütiger zu gebrauchen/ dann die hannigeräse Wurtzel. Darvon gibt man auff einmal ein halb Loth/ ist ein edele Praeservatif vor die Pestilentz deß Morgens nüchtern gessen/ so man in die Lufft gehen wil. Dienet sonst auch wider alle Gebrechen/ wider welche die Meisterwurtz gebrauchet wird: und wird aber dieses Conservenzucker nicht allein vor sich selbst heylsamlich gebraucht/ sondern wird auch mit andern Artzeneyen nützlich vermischt.

Meisterwurtz Extract.
IMPERATORIAE EXTRACTUM.

    Der Extract von der Meisterwurtz wird von dem Kraut und Wurtzel mit einander außgezogen/ wie wir oben den Wetmuth Extract außzuzihen gelehrt haben. Dieser Extract dienet zu allen Gebrechen/ darzu die Meisterwurtz gebraucht wird/ und gibt man darvon auff einmalein drittheil eines quintleins mit seinem gedistillirten Wasser/ oder mit einem andern bequemen Wasser oder Safft: wird auch heylsamlich zu vielen Leibsgebrechen/ mit andern Artzeneyen vermischt.

Meisterwurtz außgezogener Syrup.
SYRUPUS EXTRACTIONIS IMPERATORIAE.

    Der außgezogen Meistersyrup wird auß derdürren Wurtzel bereytet/ allerdings wie man den Zimmetsyrup zu bereyten pfleget. Der wirdt zu allen Kranckheyten gebraucht/ darzu die Meisterwurtz gebraucht wird. Darvon gibt man auff einmal ein Löffelvoll.

Meisterwurtzsaltz.
SAL IMPERATORIAE.

    Auß der Eschen deß dürren Krauts und Wurtzel der Meisterwurtz/ wird ein heylsam Saltz außgezogen/ wie auß der Angelickwurtz. Das dienet wider das Keichen/ Pestilentz/ und alles Gifft und gifftiger Thier Bissz/ ein drittheil eines quintleins mit Wein oder Meisterwurtzwasser/ oder aber einem andern tauglichen Safft eyngenommen. Dieses Saltz wird auch zu vielen andern Leibs Kranckheyten/ mit andern Artzeneyen heylsamlich vermischt/ als mit Pillulen/ Latwergen/ und dergleichen Artzeneyen/ wie die MEDICI PRACTICI solches zu vermischen wissen.

Meisterwurtz gedistilliert Oele.
IMPERATORIAE OLEUM STILLATITIUM.

    Auß der gantzen Substantz der dürren Meisterwurtz/ wird durch die Destillation ein herrlich Oele künstlich außgezogen/ wie auß dem Wermuth/ das wird auch zu allen innerlichen gebrechen heylsamlich gebraucht/ darzu die Meisterwurtz dienlich ist. Darvon giebt man auff einmal ii. oder zum allermeisten iii.Tropffen mit Wein/ oder aber mit einem bequemen Wasser oder Safft. Es wirdt auch nützlich mit Pillulen/ Confecten und anderen Artzeneyen vermischt/ welches wir den DOCTORIBUS PRACTICIS befehlen. Eusserlich mag es dergleichen mit Oelen/ Salben/ Pflastern/ und dergleichen/ zu vielen eusserlichen Gebrechen und Mängeln gebraucht werden.