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VON DEM TÜRCKISCHENKORN.

 

 

            Das Türckisch Korn hat viel harter/ Aderechtiger/ weisser Wurtzeln von einem Haupt herkommen/ das stösset erstlich so baldt es auffgehet/ nur ein Graßkeymen gleich dem Hirschen/ nach dem folgen die andern Blettern/ die werden je lenger/ breyter und grösser dann die Bletter deß Rohrs/ die runde/ dicke/ gleychechtige Stengel werden Manns hoch unnd auch bißweilen höher/ die seyndt mit einem weissen Marck jnnwendig gefüllet wie die Zuckerröhr. Am Obertheil thut sich gegen dem Hewmonat ein straußechtige Blum herfür/ wie die Blum deß Rohrs/ die theilet sich inn viel Aeher auß/ unnd blühen wie ander Korn/ deren sind etliche weiß/ etliche geel/ und etliche braun/ nach dem die Frucht eine Farb gewinnen sol/ die befrüchtigen aber sich nit wie andere Getreyd/ sondern bleiben leer/ unnd vergehen wider ohn einige Frucht/ dargegen aber stösset ein jeder gleychechtige Stamm an den Seiten zwischen den breyten Blettern auß den Gleychen herfür runde/ grosse und dicke Kolben/ die seyndt in grossen Graßscheyden verschlossen unnd eyngewickelt. Ein jeder Kolben so er entblöset wirdt/ hat er etwann acht oder zehen Verß oder Zeilen/ mit glatten unnd hart zusammen getrungenen Körner besetzet in einer Ordnung/ die seyndt eckechtig rundt inn der grösse der Garten Erbsen. Die öbersten Gipffel der Fruchtkolben/ seyndt mit reinem unnd langem/ zottechtigem Haar gezieret/ etliches ist weiß/ etliches geel/ etliches braun oder rotfarb/ nach dem die Frucht ein Farb hat/ die in der Graßscheyden und jhrem Bälglein verschlossen ligt. Die Stengel dieses Gewächs wann sie noch grün unnd safftig/ seyndt sie süß wie Zucker. Die Frucht wirdt spaht im ende deß Augstmonats und im Herbstmonat zeitig. Dieses Korns haben wir zum wenigsten viererley Farben/ als nemblich weiß und geel/ unnd rot unnd braun. Es will ein guten und feysten Grundt haben/ kann keinen Frost oder Kälte nicht leiden/ unnd sonderlich thun jhm die Reiffen baldt schaden/ im Aprillen pfleget mans in ein gut Erdtreich zu setzen/ unnd müssen die Körener zum wenigsten ein Werckschuch von einander gesetzt werden/ an ein Ort da die Sonn wol hin kommen kann.

 

Von den Namen deß Türckischen Korns.
            VALERIUS CORDUS hältet das Türckische Korn vor das TRITICUM BACTRIANUM PLINII, aber es reymet sich gar nicht damit/ unnd seynd die Körner zu viel klein darzu/ sintemal THEOPHRASTUS schreibet/ daß das TRITICUM BACRTIANUM so groß wachse/ daß ein jeder Kern einer Oliven sich in der grösse vergleiche. Mit dem MILICO INDICO PLINIANO aber/ vergleichet sich dieses Gewächs viel besser/ darvor wir es dann auch halten/ biß wir eines bessern berichtet werden. Es wirdt heutiges Tages von den Kreutlern FRUMENTUM TURCICUM, TRITICUM TURCICUM, FRUMENTUM ASIATICUM, FRUMENTUM INDICUM, MAIZUM und MAIZIUM genannt. Hochteutsch/ Türckisch Korn und Türckischer Weytzen.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Türckischen Korns.
            Das Türckische Korn ist ein wenig wärmer dann der Weytzen/ welches leichtlich von dem süssen Geschmack abgenommen werden mag. Doch nehret es viel weniger als kein Getreydt under allen den jenigen so bey uns wachsen. Das Brodt das von dem Meel dieses Korns gebacken wirdt/ ist ziemlich weiß so es wol gebeutelt worden ist/ ist aber trucken unnd hart/ ist fast schwerlich zu däuwen/ unnd stopffet den Bauch/ machet viel Windt/ unnd ist eine gute Speiß vor Schiffleut/ Holtzflötzer/ und die jenigen so grosse unnd schwere Arbeit thun.

 

Jnnerlicher Gebrauch deß Türckischen Korns.
            Das Meel von dem Türckischen Korn wirdt heutiges Tages von den Köchen in der Küchen gebrauchet/ darvon machet man gute Gemüß unnd Brey mit Milch oder guter Fleischbrühen/ die nehren mehr als das Brodt/ ist ein gute Speiß vor arbeitende Leuth/ dann sie settiget wol/ unnd helt hart wider. Aber schwachen unnd Blöden Menschen sind solche Speisen zu starck/ sintemal sie die schwerlich verdäuwen können.
            Wider die langwirigen Bauchflüß: Nim Türckisch Kornmeel das wol gebeutelt ist/ röschte es wol in Buttern/ schütte Wasser oder Milch darzu daß genug ist/ laß wol sieden zu einem Brey/ und gib dem Krancken zu essen/ es stopffet ein jeden Bauchfluß.

 

Eusserlicher Gebrauch deß Türckischen Korns.
            Die Bletter deß Türckischen Korns wann sie noch frisch und grün seyn gehackt/ darnach in einem Mörser gestossen/ unnd den Safft darvon außgedruckt/ der leschet alle Hitz und Entzündung/ sonderlich aber das Rotlauffen/ Tücher darinn genetzt und darüber gelegt.
            Weiter haben wir keine erfahrung mehr von diesem Gewächs/ wozu es ferner möchte gebraucht werden.