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MAIS 2

 


 

VON DEM JNDIANISCHEN KORN.

 

 

            Das Jndianisch Korn ist mit dem gleychechtigen Stengel/ Blettern und Blumen dem Türckischen Korn gantz ähnlich/ deßgleichen auch mit der Wurtzeln/ außgenommen daß es noch vier oder fünff biß in sechs underscheidene Reihen besonderer Würtzlein uber dem Grund hat biß zu dem ersten Gewerb oder Gleychen/ darauß die ersten Bletter wachsen/ unnd ist aber das gantze Gerwächs auch vollkommenlicher/ stärcker/ grösser/ dicker unnd höher dann das gemein Türckisch Korn. Die Kolben deßgleichen sind den Kolben deß Türckischen Korn der form und gestalt halber auch ähnlich/ aber doch wie das gantze Gewächs grösser unnd schöner/ deßgleichen auch die Körner oder Granen/ unnd siehet man ein besonder groß wunderbarlich Geheimnuß an diesem Kolben/ daß GOtt der HErr also wunderbarlich durch die Natur die jhm dienen muß/ spielet und handelt in seinen Wercken/ und sonderlich in diesem Gewächs deß wir uns billich zu verwundern haben/ unnd den einigen ewigen wahren GOtt auch allein auß seinen Creaturen solten erkennen lernen/ dann etliche Kolben dieses Gewächs seyndt mit jhrer Frucht gantz weiß/ etliche schwartz und schön glantzend/ etliche geel/ etliche braun/ und die andern weiß/ braun unnd blauw durcheinander gemenget/ also daß etwann etliche Reihen halber weiß/ die andern braun/ und die dritten blauw/ unnd etliche Granen darnach durch einander vermenget unnd versetzet seyn/ also daß etwann eins/ zwei oder drey weiß/ die andern blauw/ wieder weiß unnd darnach Castanienbraun/ also abgewächsselt an einer ^Reihen/ unnd darnach durchauß an den andern gesehen werden. Etliche Kolben seyndt mit jhren Granen gar geel/ die andern gar braun/ etliche weiß/ braun unnd blauwe/ die andern Veielbraun/ weiß/ schwartz unnd braun/ darunder die weissen unnd blauwen mit kleinen braunen Dipfflein artlich besprenget seyndt/ als wann sie duch ein Maler also künstlich gemalet worden werend. Etliche seynd roht/ schwartz unnd braun/ etwann eins umbs ander/ etwann zwey oder drey/ auch vier/ mehr unnd weniger eins umbs ander also versetzt. Etliche seynd weiß/ Veielbraun und geel/ darunder die weissen und die geelen mit schönen kleinen/ braunen Dipffling gemalet seyndt. Noch findet man daß etlicher Kolben Frücht geel/ weiß/ auch etliche blauwe und Veielbraun/ auch etliche geel unnd weiß seyndt/ darunder die geelen unnd weissen/ mit Veielbraunen unnd blawen Pünctlein besprenget sind/ und hergegen widerumb die Veielbraunen und blawen mit geelen und weissen Pünctlein. Etliche Kolben aber seynd roht und Castanienbraun/ hin und her eine Farb umb die ander versetzet/ die andern seynd Goldtgeel und weiß/ auch je ein Farb umb die ander versetzet/ und etliche blauwe/ geel unnd weiß/ darunter die weissen unnd geelen mit blauwen Dipfflein besprenget seyndt/ also daß wie wir auch zuvor gesaget/ sich höchlich an dieser Frucht zu verwundern ist/ und seynd also dieses Jndianischen Korns fünffzehen Geschlecht/ da die Frucht allein mit jhren Farben also underscheiden wirdt.
            Dessen habe ich noch ein ander Geschlecht gesehen/ bey Herren Steffan Vesi der Churfürstlichen Pfaltz Schaffner zu Libenaw/ welcher es in seinem Garten gehabt/ unnd jhme die Körner von Straßburg zugeschickt worden seyndt/ das ist so viel das Gewächs belanget/ dem vorigen mit Blettern unnd Stengel gleich/ der Stengel feyst und dick mit Gewerben underscheiden/ wirdt aber kaum halb so hoch als das vorige Gewächs/ das bringet seine Frucht am Obertheil da die Blumen seyndt herauß/ und nicht neben an der Seiten auß den Gewerben zwischen den Blettern herauß/ wie das gemeldte Jndianisch oder aber auch Türckisch Korn. Die Frucht hat mancherley Farben/ als weiß/ rot/ Castanienbraun/ geel/ braunschwartz/ und auch bißweilen mit den Farben vermenget oder versetzet/ allerdings wie wir von dem Jndianischen Korn angezeiget haben. Jch hete dieses Gewächs auch gern abreissen lassen/ unnd dem gütigen Leser gern vor die Augen gestellet/ so hatte ich der zeit als ich solches Gewächs gesehen/ keinen Maler bey der Handt/ sol aber mit der zeit auch noch geschehen/ wann mir GOtt der HErr das zeitliche Leben vergönnen wil/ welches in seiner Handt und in seinem Rath beschlossen ist.
            Es seyndt diese Früchte erstlich auß WestJndien in Hispanien gebracht worden/ unnd von dannen auch in andere Landtschafften/ unnd in unser Teutschlandt/ unnd will jhrer wol mit pflantzen gewartet seyn/ dann sie die Kälte unnd Reiff nicht leiden können/ und müssen den warmen Sonnenschein haben/ zudem muß deren mit wässern mit lauwen Wasser wol gepflogen werden/ so wächset es wol unnd baldt auff/ so fern es auch in einen guten feysten Grundt gesetzt wirdt/ unnd wirdt zeitig im Ende deß Augustmonats/ oder aber im Herbstmonat/ wie das Türckisch Korn.
            Die Jndianer setzen die gemeldte Kornfrüchte also/ es gehen jhrer viel auff den Acker oder Feldt da sie die Früchte hinsetzen wöllen/ die stehen ordenlich in einer geraden Zeilen und gleicher weite nacheinander/ deren jeder hat ein scharpffen Pfal/ darmit sticht er ein Loch in die Erden/ wirfft mit der lincken Handt vier oder fünff Körner in dasselbige/ und scharret das Loch mit einem Fuß widerumb zu/ darmit es vor den Pappageyen verwahret seye. Tritt darnach einen Schritt hindersich/ macht wider ein ander Grub wie er die erste gemacht hat/ also thut er auch mit der dritten/ vierdten/ und so fort an/ trittet alle mal ein Schritt zurück/ macht auff jeden Schritt ein Gruben/ biß er seine gantze Zeile vollbracht hat. Gleicher gestalt thun die andern alle/ ein jeder in seiner Ordnung unnd Reihen/ biß das gantze Feldt besetzet ist: Aber ehe sie die Körner ins Erdreich setzen/ lassen sie den zuvor zween Tage in Wasser weychen/ zudem setzen sie den nicht eher/ es seye dann das Erdtreich vorhin vom Regen feucht worden. Auff solche Weiß mag man diese Frucht auch in unsern Landen setzen/ unnd muß aber solches im Aprillen geschehen/ sonst kompt diese Frucht nicht zu jhrer rechten Zeitigung.

 

Von den Namen deß Jndianischen Korns.
            Es ist diese Frucht ein Geschlecht der Frücht/ die wir heutiges Tages Türckisch Korn nennen/ welches die Form und Gestallt beyder Geschlecht bezeugen/ beide was die Gewächs an jhnen selber unnd dann auch beyder Kolben unnd Früchte belangen thut/ derwegen sie auch von einander nicht abgesondert sollen oder können werden/ ob schon diese Jndianische Frucht die ander in der grösse unnd schöne ubertrifft. Unsere Kreutler nennen sie zum underscheidt der ander/ FRUMENTUM INDICUM, TRITICUM INDICUM, und MAIZUM INDICUM. Wir nennens Jndianisch Korn.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft/ und dem Gebrauch deß Jndianischen Korns.
            Das Jndianisch Korn hat gleiche Krafft und Wirckung mit dem Türckischen Korn/ unnd mag beide das grün Kraut/ die Frucht unnd das Meel so darvon gemahlen wirdt/ beide innerlich und eusserlich/ wie dz Türckisch Korn gebraucht werden. Es gibt ein schönes und fast weisses Meel/ das Brodt aber das darauß gebacken wirdt/ ist süß und zähe/ das stopffet den Bauch/ ist hart und schwerlich zu verdäuwen/ sol nur vor die Trescher/ Holtzhauwer/ Schmidt unnd andere so grosse mühesamen Arbeit thun müssen/ gebacken werden. So man aber dieses Meel mit Rockenmeel zum halben theil vermischet und Brodt darauß backet/ so wirdt es milter unnd verdauwlicher/ gibt ziemliche gute Nahrung/ helt wol wider/ unnd ist arbeitsamen Leuten nicht ungesundt/ und fürtert sie wol.
            Man machet auch auß diesem Meel gute Müser und Brey/ etliche siedens mit Wasser und Butter sehr wol/ saltzens ziemlich/ und gebens dem arbeitsamen Gesindt/ den Hunger damit zu büssen/ zu essen/ dann es settiget wol/ und ist ein starcke Speiß gehöret allein starcken arbeitsamen Leuten. Etliche bereiten diese Brey oder Gemüser mit Milch/ oder mit guter Ochsen oder Hammelfleischbrühen/ die geben besser unnd kräfftigere Nahrung/ wiewol sie doch auch langsam abgedäuwet werden.