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LIESCHGRAS

Phleum - Gramineae

 


 

VON DEM LIESCHGRAß.

 

 

            Deß Lieschgraß haben wir Drey Geschlecht.
            l. Das erste hat ein Wurtzel von vielen kleinen/ langen Zäselein oder kleinen Würtzelein zusammen gesetzet/ die von einem Haupt herauß wachsen die Bletter sind dem gemeinen Graß gleich/ lang/ schmal und spitzig/ die Halmen seyndt anderhalb Spannen lang/ dünn/ rund und gleych-echtig/ die gewinnen oben kleine/ lange zusammengedrungene Aehr von Farben graw/ anzusehen wie Ließkolben/ es wächst auff dürren Rechen und Graßfeldern under anderm Graß.
            ll. Das zweyte Geschlecht hat ein kleine/ zasechtige Wurtzel/ die von mosechtigen/ lucken Hauptlein heraus wachsen/ sonst ist es mit den Blettern/ gleychechtigen Halmen und Aehren dem vorigen gleich/ außgenommen dz die Bletter harter und steiffer seynd. Es wächset in dürrem sandtechtigem Erdtreich.
            lll. Das dritte Geschlecht hat ein knorrechtige/ krumme Wurtzel/ eines kleinen Fingers dick/ mit vielen kleinen Nebenwürtzlein behencket/ daraus wachsen lange Schwertelbletter die sindt den Blettern deß Jgelsriedt ähnlich/ außgenommen daß sie kleiner und schmäler sind/ zwischen den Blettern wachsen herfür dünne/ runde Halmen oder Stengel mit Gleychen/ kleineren Blettern besetzet/ die bringen uber der mitte der Halmen/ lange/ rauhe unnd schwartze Kölblein oder Aeher/ anzusehen wie die Liesch oder Moßkolben. Es wächset in feuchten Wiesen unnd graßechtigen Gründen/ under dem Riedtgraß/ hat ein sawren zusammenziehenden Geschmack.

 

Von den Namen der Lieschgräser.
            Es seynd auch die Lieschgräser von den Alten nicht beschrieben worden/ die werden darumb also genannt/ daß sie mit jhren langen Kölblein oder Aehren dem Lieschgraß ähnlich seynd. Die Kreutler haben sie TYPHINA GRAMINA, auch von gemeldter ursach wegen genannt. [ Das dritte Geschlecht wird auch von den Oberteutschen Lieschgraß genannt.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der Lieschgräser und jhrem Gebrauch.
            Es werden die Lieschgräser als andere Unkreuter in der Artzeney nicht gebrauchet/ viel weniger werden sie von dem Rindtviehe unnd Weydtpferdten gessen/ unnd wann sie schon under das Heuw oder Gromat kommen/ so lieset das Vieh das gute Heuw herauß/ unnd zerstreuwet das ander undersich.