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LIEBSTÖCKEL (MAGGIKRAUT)
Levisticum - Umbelliferae


VON DEM GEMEINEN LIEBSTÖCKEL.

    Dieweil wir von dem gemeinen LIGUSTICO gehandelt/ haben wir nit underlassen wöllen auch von dem Liebstöckel der so viel Jahr her fälschlich vor das LIGUTTICUM der Alten gehalten und gebraucht worden ist/ zu handlen und denselben zu beschreiben. Unnd hat der Liebstöckel eine schöne grosse Hauptwurtzel/ auß deren viel andere Wurtzeln Fingers dick und auch dicker sich außtheilen mit wenig Zaseln behenckt. Die Bletter sind dem Eppichkraut ähnlich/ allein daß sie grösser/ liechtgrüner und tieffer zerschnitten sind. Der Stengel ist rund/ dick/ groß/ unnd innwendig hole/ dem Stengel der Angelick oder dem Fenchel gleich/ der hat viel neben Zincken/ die bringen mit dem Hauptstengel oben schöne Dolden oder Cronen/ die blühen gegen dem Hewmonat geel wie der Fenchel oder Dillkraut: wann die abfallen/ so folget ein leichter/ breyter Samen/ wie der Samen der Angelick/ allen daß er ein wenig kleiner ist/ von Farben grawlechtig/ wolriechend/ und eines scharpffen und räsen Geschmacks auff der Zungen. Dieses Kraut ist von wegen seiner grossen Tugendt menniglich bekandt/ derowegen es von fleissigen Haußvättern beyde von dem Samen unnd der Wurtzel in den Gärten gezielet wirdt. Dieses Krauts Wurtzel bleibet lang unversehret in dem Erdreich/ also daß sie sich biß in die zwölff Jahr erhaltet/ wann sie nicht verletzt wirdt. Alle Jahr schlegt sie widerumb im Frühling auß/ und vergleichen sich die ersten Bletlein der jungen Angelick/ darnach je grösser sie werden/ je mehr sie dem Eppichkraut ähnlicher werden. Es schlägt dieses Gewächß keinen Grundt nicht auß/ wiewol es von Natur die schattechtigen Ort liebet. Die Wurtzel/ so die mit einem Messer oder Waffen geletzet wirdt/ gibt sie von sich einen wolriechenden braunen Safft wie ein Hartz.

Von den Namen deß Liebstöckels.
    Wir haben vor zeiten den Liebstöckel vor das HIPPOSELINUM oder den Roßeppich DIOSCORIDIS gehalten/ aber seithero wir die Schrifften der alten Lehrer fleissiger besichtiget/ so befinden wir daß dieses Kraut ein wahres LASERPITIUM ist/ und wiewol es nicht eigentlich das Syrisch/ Armenisch/ Medisch/ oder Lybisch LASERPITIUM DIOSCORIDIS ist/ so ist es doch ein wahres Geschlecht desselben/ unnd kann oder sol in keinen weg von dem LASERPITIO abgesündert werden/ dann es mit der Beschreibung THEOPHRASTI 6.HIST.3. so gerad ubereinstimpt/ als wann THEOPHRASTUS dieses Kraut in seiner beschreibung vor Augen hette gehabt. Was dann seine Tugendt/ Krafft und Wirckung anlangen thut/ hat es mit dem wahren LASERPITIO gleiche krafft und wirckung. Die HIPPIATRI oder VETERINARII haben solches auch vor ein Laserpitium gehalten/ und gedencken dessen offt in jhren Schrifften. Lateinisch SILPHIUM & LASERPITIUM THEOPHRASTI, von den HIPPIATRIS und IOANNE RUELLIO, LASERPITIUM GALLIUM, von den Kreutlern/ LASERPITIUM EUROPAEUM, LASER GALLICUM, SILPHIUM EUROPAEUM, LASERPITIUM GERMANICUM, unnd LEVISTICUM SEU LYBISTICUM ADULTERINUM. Hochteutsch/ Liebstöckel unnd Badkraut/ dann es ein sonderlich nützlich Badkraut ist/ und von den Teutschen vor andern Kreutern zum baden gebraucht wird.

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung/ und Eygenschafft dess Liebstöckels.
    Der lieblich Geruch deß Krauts/ Wurtzel/ Blumen unnd Samen/ darzu der räß unnd scharpff Geschmack deß Liebstöckels/ geben gnugsame anzeigung/ daß er warmer und truckner Natur und Eygenschafft ist/ und hat ein Krafft zu wärmen und trucknen im dritten Grad. Es werden Kraut/ Wurtzeln und Samen heutigs Tags in der Artzeney gebraucht.

Jnnerlicher Gebrauch dess Liebstöckels.
    Die jungen Dolden oder Schoß deß Liebstöckels/ wann sie im Früling auß der Erden herausser stossen/ werden von etlichen in der Speiß gebraucht/ etliche machen die under die Salatkreuter:L Diese bringen Stulgang/ unnd erweychen den Bauch/ führen auss zähen Schleim/ unnd andere böse faule wässerige Flecken.
  
Die Wurtzeln auff allerley weiß gebraucht/ die eröffnen und lösen auff die verstopffung der Lebern und deß Miltzes/ sie thut widerstand allem eyngenommenem Gifft/ dienet wider die Pestilentz und faulen vergifften Luffgt: Dann welcher deß Morgens ein Stücklein von dieser Wurtzel eynnimpt/ der ist denselben Tag durch Gottes gnedigen Segen/ vor dieser Seuch sicher. Sie treibt alle Vergifftung durch den Harn und Schweiß hinweg. Sie dienet vor den Husten von zähem Schleim unnd Kält verursacht/ reyniget die Brust und Lungen/ und macht wol außwerffen/ dann sie zertheilet den dicken Schleim und zähen Lungenkoder. Sie stärcket den Magen/ zertheilet das gerunnen Geblüt im Leib/ und führet es auss/ sie kräfftiget das Hertzstärcket den Magen/ vertreibet das Keichen und den engen Athem/ verzehret den zähen Schleim im Magen/ vertreibt den Widerwillen zur Speiß/ bringet wider zu recht den verlornen Appetit/ und hilfft die Speisen wol abdäwen. Solche Tugenden sampt andern nachfolgenden/ seynd an dem Liebstöckel erfahren/ derowegen wir auch destoweniger zweiffeln/ daß es nit ein LASERPITIUM seyn sollte.
  
Die Wurtzel deß Liebstöckels in Wein/ Bier oder Wasser gesotten/ je nach Gelegenheit deß Krancken/ und die durchgesigene Brühe getruncken/ löset auff die verstopffung der jnnern Glieder/ zeitiget den zähen Schleim/ und bereytet denselben zum außführen/ unnd dienet auch wider die obgemelten Schwachheyten. Also genützet dienet sie auch wider die Biß der gifftigen Schlangen und der Hundsbissz.
  
Die Wurtzel getrucknet und gepülvert/ und darvon i.quintlein mit Wein zertrieben und getruncken/ stillet allen jnnerlichen Schmertzen/ verzehret alle uberflüssige Feuchtigkeit/ treibet auß alles Gifft/ fürdert der Weiber Monatblumen/ unnd brunget wider den verstandenen Harn/ reyniget die Nieren und Blasen/ bricht den Nierenstein/ unnd führet den auß: Stillet auch von stund an die Wehthumb der Beermutter.
  
Liebstöckelsamen zwey theil mit einem theil Pfefferkümmel zu Pulver gestossen/ und darvon i.quintlein mit Wein getruncken/ stillet den Schmertzen deß erkalten Magens/ und legt das Reissen der Därm.
  
Gepülverten Liebstöckelsamen i.quintlein schwer mit Wein getruncken/ tödtet und treibet auß die Spülwürm/ und bringet den Weibern Monatblumen.
  
Liebstöckelwurtzel gepülvert/ und ein halbes quintlein derselben mit einem quint. Guten Andromachischen Theriack vermischet/ darnach mit einem Trüncklein Weinessigs zertrieben und warm getruncken/ ist ein treffentliche Artzeney/ so einen die Pestilentz hette angestossen/ so man sich darauff niderlegt/ und ein Stund oder drey wol schwitzet.
  
Gepülverten Liebstöckelsamen mit weissem Wein auff die anderthalb quintl. Zertrieben/ und auff einmal getruncken/ treibet auß die todte Frucht.
  
Etliche rühmen diese Wurtzel gar sehr vor die Geelsucht/ soll auch den Lebersüchtigen zu hülff kommen. Sie zerschneiden die Wurtzel/ legens in ein Kannten mit Wein/ unnd darzu einen Ducaten oder Ungerischen Gülden/ und trincken also neun Tag darvon/ und enthalten sich darneben diese Zeit/ alles anderen geträncks. Es ist gleichwol dieses ein schlechte Artzeney anzusehen/ aber ich hab doch gesehen/ daß vielen darmit geholffen ist worden.
  
Vor die Geelsucht: Nimb Liebstöckelsamen/ Peterleinsamen/ Fenchelsamen/ jedes j.Loth/ geschaben Helffenbein anderthalb Loth
  
Stos diese Stück zu reinem Pulver/ schlags durch ein härin Sieblein/ und behalts in einem Schächtlein/ gib darvon einem Geelsüchtigen etlich Tag i.quintl. mit Zisererbsen Brühen/ oder mit Fenchel/ oder Flachsseidenwasser/ und lasse jhnen darauff in oder ausser dem Bad schwitzen.
  
Die Bergknappen brauchen diese wurtzel vor das böß Wetter/ und die gifftigen metallischen Schwädem unnd Dämpff/ wann sie in die Bergwerck fahren/ so trincken sie ein halbs Löfflein voll dieser Wurtzeln mit Wein.
  
Oder nimb Liebstöckelwurtzel ii.Loth/ Holtzwurtzel i.Loth/ Veielwurtzel
  
Anißsamen/ jedees ein halb Loth. Stoß zu einem reynen Pulver/ schlags durch ein Sieblein/ und wann du wilt in die Gruben fahren/ oder in die Hütten gehen/ so nimm i.quintlein darvon/ zertreibs mit Wein/ und trincke es warm/ so wird dir das böß Wetter nicht schaden.
  
Daß aber etliche Kreutler in jhren Kreuterbücher schreiben/ daß man die Wurtzel mit Essig und Saltz zur Speiss eynmachen soll/ ist ein eyteler wohn/ dieweil sie dieses vor das recht LIGUSTICUM der Alten gehalten haben.
  
Durch ein Liebstöckelstengel oder Rohr stätig getruncken/ ist denen gut/ so mit dem Halßgeschwer ANGINA beladen seynd.
  
Die Kindbetterinnen sollen jhnen dieses Gewächs lassen befohlen seyn/ die Wurtzel und den Samen in jhrer Speiß zu gebrauchen/ das reyniget sie wol nach der Geburt/ und verhütet die Nachwehen.
  
Liebstöckelkraut in Wasser und Wein jedes gleichviel gesotten/ und die durchgesigene Brüh Morgens und Abends/ jedes mal so viel als vier Untz getruncken/ das heylet alle jnnerliche Wunden.

Eusserlicher Gebrauch deß Liebstöckels.
    Es wird der Liebstöckel heutiges Tags den mehrentheil zu den Bädern gebraucht/ sintemal das Wasser/ darinn Liebstöckelkraut gesotten worden ist/ ein schöne/ glatte und zarte Haut machet. So brauchens auch die Weiber in den Schweiß- und Lendenbädern/ sich darmit zu reynigen/ die Mutter zu erwärmen/ und deren Schmertzen zu legen.
  
Vor das Auffsteigen und Ersticken der Mutter: Nimm Liebstöckelwurtzel/ zerschneid die klein/ und thue die in ein Leinines Säcklein/ reihe es mit einem Faden/ daß die Wurtzeln nicht zusammenlauffen/ seuds in halb Wein und Wasser/ preß es darnach hart mit zweyen Tellern auß/ und legs warm uber den understen Bauch.
  
Die verstandene Blumen d’ Weiber wider zu bringen: Nimm Liebstöckelkraut ii.theil/ Sevenbaum/ Dostenkraut/ Stabwurtz/ Salbeyenkraut/ Neptenkraut oder Katzennepten/ Osterluceyenkraut/ Balsammüntz/ Beyfuss/ Ackermüntz/ jedes ein theil. Diese Kreuter seud in genugsamem Wasser/ und mach ein Lendenbad darvon/ bade deß Tags zweymal/ jedesmal auff ein par Stund. Oder aber seude die gemelten Kreuter in einem Hafen mit Wasser/ und empfahe den Dampff darvon durch ein Trechter in die Mutter.
Die eussersten Schälen von den Stengeln deß Liebstöckels/ ein gut theil in Wasser gesotten/ unnd die Biller mit der durchgesigenen Brühen wol mit gewäschen/ heylet alle Verwundung derselben/ und stillet den grossen Schmertzen.
  
Wiltu ein schön zart Angesicht machen/ so seud Liebstöckel in Wasser/ und wäsch dein Angesicht offtermal darmit: Oder nimb Liebstöckelwurtzel/ zerstoß sie und seuds in Wasser uber dz halb eyn/ darnach seihe es unnd preß das Safft wol auß den Wurtzeln/ und streichs darmit alle Morgen und Abend an.
  
Es wird auch dieses Kraut zu heylung der Wunden jnnerlich und eusserlich gebraucht/ dann es sehr ein gut Wundkraut ist/ sonderlich aber zu denen die weydwund seynd.
  
Man macht auch ein herrlich Wundpflaster zu allen Wunden: Nimb grün Liebstöckelkraut viii.untz/ Scheelwurtzelkraut/ Baldriankraut/ Scharlachkraut/ jedes sechs untz. Die Kreuter muß man in einem Mörser also grün stossen/ und darmit vermischen ungesaltzenen Buttern/ von Rindern Unschlit/ jedes xii.untz/ diese soll man wol durcheinander arbeiten/ und darnach sittiglich in einer Pflasterpfannen uber einer glut sieden lassen/ biß daß sich alles Safft der Kreuter verzehret hat/ dann soll mans hart auß pressen/ und durchseihen. Wann das geschehen so thue ferner darzu Jungfrawenwachß vi.untz/ Terpentin iii.untz/ la dieses sittiglich zergehen/ thue es vom Fewer unnd rührs wol/ wenn es wil anfahen kalt zu werden/ so zedel nachfolgende Stück zu einem reyxnen Pulver gestoßen dareyn/ als nemlich/ Myrrhen/ Mastix/ Aloepatick unnd Spanisch grün/ jedes anderthalb loth. Diese Stück sol man darnach mit den Händen wol durcheinander arbeiten/ darnach Zapffen darauß machen.
  
Ein ander gut Wundtpflaster: Nimb Liebstöckelkraut das grün ist viii.untz/ Odermenig/ Betonienkraut/ jedes vi.untz/ frischen Buttern/ Hirschenunschlit/ jedes zwölff untz/ stoß die Kreuter klein/ darnach den Buttern unnd unschlit darunder: dann laß es uber einer Glut sieden/ biß der Safft der Kreuter sich verzehret/ als dann preß es hart auß/ zerlaß folgends darinn weiß Hartz/ Jungfrawenwachs/ jedes viii.untz/ wann es zergangen so rührs biß es kalt wird/ darnach börs wol mit den Händen/ und mach Zapffen darauß. Diese Pflaster heylet alle frische Wunden/ da kein faul Fleisch in ist/ in kurtzer zeit.
  
Ein Schweißbad gemacht von zweytheil Liebstöckel/ Griechischhewkraut/ Rheinblumen/ Roßmarin/ Meterkraut/ Chamillen unnd Steinklee/ jedes ein theil/ und darinn gebadet/ ist gut wider die Geelsucht und die Gliedsucht.

Liebstöckelwurtzelwein.
LASERPITIATUM VINUM.

    Man findet viel Leut die die Wurtzel deß Liebstöckels zerschneiden und in Wein legen/ in Sterbensleuffen darüber zu trincken/ die thun gleichwol recht daran/ viel besser aber were es/ daß sie zu den Herbstzeiten ein Wein darvon mächten/ den sie uber Jahr gut und frisch behalten könnten/ und vor solche Vergifftung denselben braucheten/ welcher dann auch zu obenerzehlten Kranckheiten dienlich ist. Den Wein mag man bereyten wie den Alantwein/ mit rothem Most/ oder mit gesottenem Wein/ wie der einem jeden anmütig seyn wil.

Liebstöckelwasser.
LASERPITII EUROPAEI AQUA STILLATITIA.

    Auss dem Liebstöckel distilliret man auch ein köstlichs Wasser/ welches schier von menniglich gedistillirt wirdt. Die beste zeit dasselbig zu distillieren ist im Hewmonat/ wann es in voller Blüth ist/ das Kraut/ Wurtzeln/ Stengel und Blumen miteinander gehackt/ darnach IN BALNEO MARIAE gedistillirt/ und folgends in der Sonnen gerectificirt.

Jnnerlicher gebrauch deß Liebstöckel-Wassers.
    Es sollen jhnen die Kindtbetterinnen dieses Wasser lassen befohlen seyn/ dann es reynigt sie wol nach der Geburt/ vertreibet und verhütet die Nachwehen/ iii. oder vier loth auff einmal getruncken.
  
Es zertheilet das gerunnen Geblüt im Leib/ vertreibt den schmertzen der Seiten/ Nieren und Harngeng/ treibt den Harn und führet auß den reissenden Stein/ und fürdert die Monatblumen der Weiber. Es dient auch dieses Wasser vor die Engbrüstigen und Keichenden/ dann es löset ab die zähen Schleim und feuchtigkeiten in der Brust und Lungen versammlet/ macht leichtlich außwerffen/ und heylet alle innerliche versehrung.

Eusserlicher Gebrauch deß Liebstöckelwassers.
    Liebstöckelwasser macht ein klar und sauber Angesicht/ ein schön und weisse Haut/ vertreibt auch die rote unnd blawe Mähler/ unnd heßliche Grindtflecken/ wo die am Leib entstanden werend/ dess Tages etlich mal damit gewäschen: Es heylet auch alle serigkeit im Mundt/ Halß unnd der Gurgel/ und ist sehr dienlich wider das Halßgeschwer ANGINAM, damit offtermals gegurgelt: auch alle versehrung im Hindern/ an heymlichen Orten/ wol damit gewäschen/ und leinine Tüchlein darinn genetzet/ und uber die versehrung gelegt.
  
Wann einem der Kopff und Angesicht geschwollen ist/ der leg Tücher darüber die in warmen Liebstöckelwasser genetzt worden seindt/ unnd wider ein wenig außdruckt/ daß sie nicht trieffen/ das wirdt baldt helffen/ aber je wärmer dieselbigen uber gelegt werden/ je besser es ist.

Liebstöckelextract.
LASERPITII EXTRACTUM.

    Auß den grünen oder dürren Wurtzeln macht man auch ein sehr köstlichen Extract/ wie wir das zum offtermal in diesem Buch angezeigt haben/ der wirdt zu allen obgemeldten Kranckheiten fast nützlich vor sich selbst/ unnd mit andern bequemen Artzeneyen gebrauchet/ darvon gibt man auff einmal ein scrupel mit seinem Wasser/ Wein/ oder einem andern bequemen Safft zertrieben.

Liebstöckelwurtzel Conservenzucker.
LASERPITII EUROPAEI RADICUM CONSERVA.

    Conservenzucker von den Liebstöckelwurtzeln/ macht man wie den Conservenzucker von den Geyerlen/ das dient vor die Pestilentz/ alle vergifftung unnd andere mehr oberzehlte Kranckheiten/ und ist sehr wol und angenem zu brauchen. Man braucht aber auff einmal i. Loth oder gemeinen Castanien gross nüchtern darvon. Dieweil diese Wurtzel sehr starck/ muß man deß Zuckers zum Conservenzucker drey mal so viel nehmen als der Wurtzeln.

Gedistilliret Liebstöckelöle.
LASERPITII EUROPAEI OLEUM STILLATITIUM.

    Auß dem dürren Kraut/ Wurtzel/ Blumen unnd Samen zeucht man ein sehr köstliches Oele auß dem Liebstöckel/ wie wir solches hiebevor von dem Wermuth haben gelehret. Das dient zu allen obgemeldten innerlichen Kranckheiten/ und sonderlich vor das Krimmen und Leibwehe. Man gibt auff einmal zwey biß drey Tröpflein mit Wein oder einem andern bequemen Safft.

Liebstöckelsaltz.
LASERPITII EUROPAEI SAL.

    Wie man nauß Wermuth/ und andern Kreutern ein Saltz außzeucht/ also wirdt es auch von der gantzen Substantz deß Liebstöckels außgezogen/ welches vor alles Gifft und bösen Lufft fast dienlich ist/ darvon gibt man zehen grän mit einem bequemen Safft oder Wasser.