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LEBERBALSAM

Ageratum - Compositae

 


 

VON DEM LEBERBALSAM.

 

 

            Deß Leberbalsams oder kleinen Costenbalsams/ haben wir heutiges Tages drey underschiedliche Geschlecht.
            l. Das erste Geschlecht hat eine uberzwerche holtzechtige Wurtzel/ eines kleinen Fingers dick/ mit zaseln behenckt/ darauß wachsen viel Stengel die seyndt dünn/ rund/ und holtzechtig/ und etwas rauch/ auff die anderthalben Schuch lang/ die seyndt mit vielen langlechtigen rauhen Blettern bekleydet/ den Blettern deß Tausentgüldenkraut oder deß Ysops ähnlich/ außgenommen daß sie etwas breyter/ und nicht so spitzig seyn/ geringsherumb mit tieffen Schnitlein gleich einer Segen zerkerfft/ oben an den Stengeln gewinnt es schöne geele Dolden oder Blumen/ von farben und gestalt wie die gefülte Reinblumen/ oder wie die Blumen deß Frawenkrauts/ allein das sie kleiner seyndt/ die blühen fast den gantzen Sommer hinauß. Das gantz Kraut ist am Geschmack sehr bitter/ und eines guten Geruchs. Dieses Gewächs wird allein bey uns in den Lustgärten gezielt/ dann von sich selbst wächst es nit in Teutschland/ aber in der Landtschafft Tuscanien wird es in grosser menge gefunden/ und wächst gern in Sonnreichen orten.
            ll. Das zweyt Geschlecht hat auch ein harte/ Holtzechtige Wurtzel/ die theilet sich von jrem Haupt in drey oder vier Theil/ hat wenig Zasweln oder Nebenwurtzeln. Die Stengel unnd Bletter seind dem vorigen inn allen dingen gleich/ außgenommen daß die Bletter etwas breyter und kürtzer/ unnd die Blumen weiß seynd. Dieses wirdt auch wie das vorig bey uns allein in den Gärten gezielet/ aber in der Provintz Franckreich/ und Languedock wächst es von sich selbst uberflüssig/ da dann auch das erst Geschlecht gefunden wird.
            lll. Das drite Geschlecht ist kleiner dann die vorigen zwey Geschlecht/ das hat ein lange/ gerade Wurtzelkleinen Fingers dick/ mit zimblichen Nebenwürtzlein behengt/ die Bletter seynd spitzig unnd schmal wie deß Ysops Bletter/ hat ein eintzigen Stengel der wird nicht viel uber Spannen lang/ die Blumen seynd geel wie die Rheinblumen. Es ist auch dieses Kraut unserm Teutschland unbekant/ wird allein wie die vorigen in den Lustgärten gepflantzet.

 

Von den Namen der Leberbalsam.
            Der Leberbalsam ist das echt EUPATORIUM MESUEI, darvor unsere gemeine MEDICI und Calendermacher so lange Jahr her vielerley falsche EUPATORIA gebraucht/ unnd die COMPOSITIONES MESUEI, die heutigs Tags in den Apotecken durch die gantze Christenheit gemein seyn/ darmit besudelt/ als da seyn der SYRUPUS DE EUPATORIO MESUEI, der SYRUPUS DE EPIRHYMO, darinn dieses kraut der Leberbalsam auch gehet/ die PILULAE DE EUPATORIO, unnd die TROCHISCI DE EUPATORIO: alle gemelte COMPOSITIONES seynd viel Jahr her mit den falschen unnd mancherley ungewissen EUPATORIIS auß grossem unverstandt gefälscht worden/ welches heutigs Tags noch in vielen orten bey etlichen unerfahrnen MEDICIS, unnd sonderlich bey den Calendermachern geschicht/ als denen dieses EUPATORIUM MESUEI nicht bekannt ist/ unangesehen daß jhnen dieser Jrrthumb nun etliche Jahr her von vielen Gelehrten lobwürdigen Männern nicht allein in Teutschland/ sondern auch in andern Nationen durch jhre Schrifften entdeckt worden ist. VALERIUS CORDUS hat die weiß Aurin GRATIOLAM genannt/ vor das recht EUPATORIUM MESUEI gehalten/ unnd vielen ursach geben dasselbig auch inn die gemeldte COMPOSITIONES zu gebrauchen/ wie dann noch auff den heutigen Tag geschicht/ welches auch nicht ein geringer Jrrthumb ist/ und ob wol das gemelte Kraut GRATIOLA etlicher masen der Gestaldt halben mit der Beschreibung DIOSCORIDIS ubereinstimmet/ so tregt sichs doch nicht in allen stücken und Noten darmit zu. Zu dem seynd beyde das GRATIOLA unnd EUPATORIUM MESUEI der Krafft unnd Wirckung halben weit von einander underscheiden/ sintemal die Astriction und stärckende Krafft deß EUPATORII MESUEI wie die jhm von dem MESUEO zugeschrieben wird/ nimmermehr inn dem GRATIOLAE sich befinden wird/ dann es ein starcke purgierende Krafft hat/ daß wann er vor sich selbst allein ohn ein CORRECTIUUM gebraucht wirdt/ die Leber unnd alle Eingeweydt durch sein starck purgierende Krafft viel mehr verletzet/ ich geschweig das sie einige stärckung darvon bekommen solten/ wie das die tägliche erfahrung genugsam unnd uberflüssig bezeuget. Derowegen so man recht und wol handlen will/ unnd den Krancken nicht weitern schaden zufügen/ so soll man in die obgemelten COMPOSITIONES allwegen den Leberbalsam gebrauchen/ darinn das EUPATORIUM begert wirdt/ so wirdt man befinden/ daß dieselbigen das jenige außrichten werden/ das jhnen von dem AUTHORE zugeschrieben wirdt/ unnd darzu er sie geordnet hatte.
            l. Dieses Kraut Leberbalsam genannt/ wird von DIOSCORIDE und GALENO Lateinisch AGERATUM, von MESUEO EUPATORIUM, von GESNERO COSTUS MINOR HORTENSIS, von VALERIO CORDO, MENTA CORYMBIFERA MINOR, von REMBERTO DODONAEO, BALSAMITA MINOR, von den Kreutlern HERBA IULIA, und BALSAMIIA COSTINA MINOR genannt. Hochteutsch/ kleiner Costenbalsam/ und Leberbalsam.
            ll. Das zweyt Geschlecht wirdt von den Kreutlern genannt/ HERBA IULIA ALBA, AGERATUM ALBUM unnd MENTA COSTINA ALBA. Teutsch/ weisser Leberbalsam unnd kleiner weisser Costenbalsam genannt.
            ll. Das dritt Geschlecht wird von den Kreutlern/ AGERATUM MINUS genanndt. Teutsch/ kleiner Leberbalsam.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung/ und Eygenschafft deß Leberbalsams.
            Der sehr bitter Geschmack dieses Krauts sambt seiner astriction die es neben der bitterkeit hat/ geben genugsam zu verstehen/ daß es warmer unnd truckner Natur ist/ unnd ist aber warm im ersten/ unnd trucken im andern Grad. Von seiner Wärmenden subtielen Substantz hat es ein Krafft dünn zu machen/ abzulösen/ zu reynigen/ zu resolvieren ohne einige zuziehung/ verhütet die feulnuß/ löset auff die verstopffung/ unnd führet die Gallen leichtlich auß. Durch seine Jrrdische und zusammenziehende Substantz/ stärcket den Magen/ Leber/ und alle jnnerliche Glieder.

 

Jnnerlicher Gebrauch deß Leberbalsams.
            Der Leberbalsam hat ein geringe Krafft den Bauch zu erweychen/ so derselbig aber mit Keßwasser gesotten wird/ unnd von der durchgesiegenen Brühen ein guten warmen Trunck gethan/ purgiret er die Gallen und den Schleim sänfftiglich durch den Stulgang. Das Kraut zu Pulver gestossen unnd desselbigen ein halb loth biß in drey quintlein mit frischem Keßwasser getruncken hat gleiche Wirckung.
            Die obgemelte Artzeney gleicher gestalt etlich Tag nach einander gebraucht/ eröffnet die verstopffung der Leber/ stärcket unnd erwärmet dieselbig/ kochet die zähen groben feuchten/ heylet alle Kranckheyten die auß verstopffungen sich erheben/ unnd vertreibet die alten langwirigen Feber/ unnd den grünen Siechtagen/ ist ein heylsame unnd gute Artzeney/ zu dem anfang der Wassersucht.
            Die öbersten Schößlein sampt den Blumen unnd dem Kraut uber Nacht in weissem Wein gebeytzet/ und den Kindern deß Morgens nüchtern drey Stund vor der Mahlzeit ein klein Pfenniggläßlein voll darvon zu trincken geben/ tödtet unnd vertreibet die Bauchwürm.
            Ein loth der Latwergen HIERAE PICRAE, sonst Bitterheylig genannt/ und anderhalb quintlein deß Pulvers von dem Kraut mit einem Trüncklein Weins zertrieben und getruncken/ ist ein heylsame Artzeney den alten Menschen die Würm im Leib zu tödten und außzutreiben dann ich etlichmal mit dieser Artzeney zehen/ zwölff und biß in zwentzig Würm von einem Menschen getrieben hab/ auff einmal.
            Der Samen von diesem Kraut den jungen kindern eingeben/ wie man den Wurmsamen einzugeben pflegt/ hat gleiche Wirckung die Würm zu tödten und außzutreiben.

 

Eusserlicher Gebrauch deß Leberbalsams.
            Der Dampff deß angezünten Leberbalsams/ treibet den Harn/ unnd erweychet die harte Beermutter/ wie solches DIOSCORIDES bezeuget/ dann weitere Krafftm unnd Wirckung deß gemeldten Krauts/ eusserlich zu gebrauchen/ seynd uns noch zur zeit unwissend.

 

Leberbalsams Gedistillirt Wasser.
EUPATORII MESUEI AQUA STILLATITIA.

 

            Auß dem Leberbalsam distillirt man ein herrlich gut Wasser: Man nimpt im Hewmonat das Kraut mit stengeln unnd Blumen/ hacket es klein/ darnach zeucht man es sänffttiglich ab in BALNEO MARIAE. Deß gedistillirten Wassers nimpt man ein Maß/ und deß gedörrten Krauts unnd Blumen vier Untzen/ zu einem groblechten Pulver gestossen/ vermischts durcheinander in einem Distillierkolben/ lassets wol verlutiert 24.Stunden in einem warmen BALNEO MARIA beytzen/ darnach zeucht mans zum andern mal ab/ unnd stellts ein zeitlang wol vermacht in die Sonn zu rectificieren/ darnach bewaret man es zum Gebrauch.

 

Jnnerlicher Gebrauch deß Leberbalsamswasser.
            Das Leberbalsamwasser ist ein köstliche Artzeney/ in allen Fehlen der Leber/ sonderlich die verstopffung derselben zu eröffnen/ sie zu stärcken unnd alle Kranckheyten so von der verstopffung verursacht werden/ als da seynd die alten langwirigen Feber/ anfang der Wassersucht/ Geelsucht/ und der grün Siechtag CACHEXIA, deß Morgens und Abends jedesmal vier oder v.loth getruncken.
            Gemeldt Wasser gleicher gestalt getruncken/ treibet den Harn/ stillet die Mutterkrimmen/ unnd tödtet die Würm an jungen unnd alten Menschen. Den jungen Mittelmässigen Menschen gibt man iiii. und auch iii.loth/ den Kindern von zehen Jahren biß auff v.jar/ iii.und ii.loth/ den vierjärigen und die darunter seynd ii. und anderthalb Loth/ und den gar jungen Kindern i. Loth.

 

Leberbalsams Conservenzucker.
EUPATORII MESUEI CONSERVA.

 

            Auß den Blumen und Blettern deß Leberbalsams macht man ein herrlichen guten Conservenzucker/ der wird allerdings bereit wie der Conservenzucker von dem Wermuth. Dieser Conservenzucker wird heutigs Tags höchlich gelobt und gebraucht wider die Hauptflüß dieselbige zu stillen unnd zu trucknen/ deßgleichen dz langwirig Hauptwehethumb zu vertreiben. Er dienet auch wider die Mißfarb deß Leibs unnd den grünen Siechtagen/ und die anfahende kalte Wassersucht/ stärcket und erwärmet die erkalte blöde Leber/ und eröffnet die verstopffung derselben deß Morgens nüchtern zum wenigsten ii. Stunden vorm Essen einer Castanien groß darvon eingenommen. Tödtet auch gleicher gestalt genützt/ die Bauchwürm.

 

Leberbalsams Syrup.
EUPATORII MESUEI SYRUPUS.

 

            Von dem Leberbalsam macht man in allen wolgerüsten Apotecken ein köstlichen Syrup/ welchen der Arabisch Artzt MESUEUS LIB.3.DE ANTIDOR. Beschreibet/ dieweil aber nun unser Leberbalsam das recht EUPATORIUM MESUEI ist/ soll billich dieser Syrup auch von demselbigen auch bereytet werden. Dieser Syrup wärmet/ löset ab/ macht die groben zähen feuchten dünn und flüssig/ reynigt unnd stärcket alle jnnerliche Glieder die der däuwung dienen/ machet lust zur Speiß/ stärcket die Däwung/ öffnet die innerlichen verstopffung/ reynigt durch den Harn/ er verbessert die erkalte entrichtungen deß Magens/ der Leber/ und der Däuwenden Glieder/ und so dieselbigen von windigen Blästen auffgeblehet werden/ zertheilet er die Bläst unnd leget dieselben. Er benimpt und vertreibt das spannen/ thenen/ drucken/ stechen und schmertzen under den kurtzen Ripen/ beyder Seiten/ deßgleichen das aufflauffen aller jnnern obern Glieder/ unnd die alten/ langwirigen Feber von der verstopffung der Leber verursacht/ deßgleichen den grünen Siechtagen/ und die zerstörte böse Totenfarb deß Leibs/ und die Wassersucht/ treibt den Harn und reynigt alle heimliche gäng deß Geäders. Weil nun dieser Syrup in allen rechtschaffenen Apotecken bereyt gefunden wird/ haben wir es vonnöten geachtet denselben zu beschreiben/ und ein grosser fleiß darzu gehöret/ zu dem daß einem der Kosten zu schwer würde/ die gantze Composition etwann umb weniger loth willen zu machen.

 

Außgezogener Leberbalsam Syrup.
EUPATORII MESUEI EXTRACTIONIS SYRUPUS.

 

            Auß dem gedörrten Kraut deß Leberbalsams kann man auch ein köstlichen unnd nützlichen Syrup bereyten/ wie man den außgezogenen Syrup von Wermut zu bereyten pflegt. Dieser Syrup dient zu allen Gebrechen der Leber/ und andern oberzehlten Kranckheyten/ wie die im Gebrauch deß Leberbalsams/ und deß gedistillirten wassers/ und deß Conservenzuckers angezeigt worden seynd/ davon gibt man auff einmal ein Löffel voll mit einem bequemen gedistillierten Wasser.

 

Leberbalsams PILULAE.
EUPATORII MESUEI PILULAE.

 

            Es beschreibt der obgemelte Arabisch Artzt in dem gemeldten Buch köstliche und fast nutzbarliche PILULAS von dem Leberbalsam/ die findt man in allen wolgerüsten Apotecken bereyt. Die werden fürnemlich zu allen gebrechen der Leber so von verstopffung derselben verursacht werden nützlich gebraucht/ werden höchlich gelobt wider die Geelsucht/ und die Feber die nit stäts wehren/ sondern zu gewisser zeit den Menschen anstossen/ die man FEBRES PERIODICAS nennet. Deren gibt man ein quintl. Biß auff anderthalbs/ unnd wircken sie wol so man ein Trunck Molcken darauff thut.

 

Leberbalsam auffgetruckneter Safft.
EUPATORII MESUEI SUCCUS INSPISSATUS.

 

            Dieweil der auffgetruckte Safft deß Leberbalsams/ auch in die Pillulen unnd andere COMPOSITIONES gebraucht werden/ soll der gesamblet unnd und auffgetrucknet werden/ wie der Agrimoniensafft. Dieweil aber der außgezogen Safft allwegen dienlicher und kräfftiger ist/ der auß dem dürren Kraut außgezogen und inspirirt wird/ ist billich derselbig dem auffgetruckneten fürzusetzen. Wie nun derselbig bereytet wirdt/ findestu an gemeldtem ort guten Bericht.

 

Leberbalsam Extract.
EUPATORII MESUEI EXTRACTUM.

 

            Der Extract von dem Leberbalsam wirdt künstlich außgezogen und bereitet/ wie der Extract auß dem Wermuth. Der dient zu allen obgemeldten innerlichen Kranckheiten/ wie die hiebevor von dem Leberbalsam/ seinem gedistillirten Wasser und Conservenzucker seynd erzehlet worden. Davon gibt man auff einmal ein Scrupel oder drittheil eines Quintleins mit einem bequemen Wasser oder Safft. Es wirdt auch dieser Extract mit Pillulen unnd andern Artzeneyen zu mancherhand erzehlten Gebrechen heylsamlich vermischt/ welches wir den MEDICIS PRACTICIS befehlen.

 

Leberbalsam Saltz.
SAL EUPATORII MESUEI.

 

            Das Saltz deß Leberbalsams/ wirdt allerdings bereytet und außgezogen wie das Wermuth Saltz. Das wirdt sonderlich zu der Wassersucht unnd die Flüß deß Haupts zu stillen gebraucht vor sich selbst/ und auch mit andern dienlichen Artzeneyen vermischt. Man gibt auff einmal ein halben scrupel biß auff ein gantzen mit Wein/ oder einem bequemen gedistillirten Wasser.