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PREUSSISCHES LASERKRAUT
Laserpitium prutenium


VON DEM GALBENKRAUT UND SEINEM GUMMI

    Das Galbenkraut ist ein Geschlecht deß Ferulkrauts/ welches allein wie DIOSCORIDES LIB.3.CAP.85. schreibet in der Landtschafft Syrien wächset/ unnd ist dem Ferulkraut von gestalt fast gleich/ so viel sonderlich den gleychechtigen stengel belanget.
  
Die Bletter seyndt kleiner dann deß Sewfenchels/ oder Rosszfenchels. Die Wurtzel ist äschenfarb eines Fingers dick/ und voll hartzigen Saffts. Es bringt seine Blumen auff Cronen wie der Fenchel oder Ferulkraut. Der Samen ist lang/ breyt unnd leicht/ wie der Angelicasamen/ eines lieblichen guten Geruchs/ deßgleichen auch das Kraut unnd die Wurtzel. Es wirdt dieses seltzame Gewächs heutiges tags von fleissigen MEDICIS und Apoteckern in den Lustgärten gezielet/ ist vor kurtzen Jahren in Teutschlandt unnd andern Nationen EUROPAE unbekannt gewesen.
  
DIOSCORIDES hat an gedachtem Ort nur allein deß Krauts ohn einige beschreibung gedacht/ darauß dann scheinet/ dieweil er gleich deß Saffts oder Gummi/ so darauß gemacht wird/ form und gestalt beschreibet/ daß jhme solches auch unbekannt gewesen seye. GALBANUM spricht er: ist ein Safft eines Krauts/ FERULA genannt/ welches in der Landtschafft Syrien wächst.der Safft ist der beste/ welcher dem Weyrauch ähnlich ist/ körnlecht/ lauter/ feyst/ nit holtzechtig/ unnd der etwas von seinem Samen unnd Kraut in sich vermischt hat/ eines starcken Geruchs/ der nit zu feucht noch zu dürr ist. Es wirdt gefälscht mit Bonenmeel/ Hartz/ unnd mit dem GUMMI AMMONIACO. Heutiges tages findet man deß gefelschten Galbensaffts hin und wider in den Apotecken/ wiewol er auch auß Syrien gen ALEXANDRIAM, unnd nachmals von dannen gen Venedig und andere Christenheit Kauffstätt/ auch sauber und rein (außgenommen seines Samens und Stücklin von seinem Stengel die mit vermischt sind/ ) gebracht wird. Derwegen sollen die Apotecker fleissig darauff acht haben/ darmit sie nicht betrogen werden/ unnd den falschen oder gefälschten vor den ungefälschten kauffen/ unnd so der schon mit dem Samen und Stücklein von dem Kraut und stengel vermischt ist/ kann derselbige leichtlich darvon geseubert werden: und wirdt aber dieser Safft nach der lehr DIOSCORIDIS auf diese weiß gesäubert. Man wirfft jhnen in ein siedend heiss Wasser/ darnach wann er von der Hitz deß Wassers zergangen ist/ so schwimmet alles was darinn unsauber ist/ empor/ welches leichtlich darvon abgesundert werden mag. Es ist auch noch eine weiß denselben zu läutern/ man nimbt den Galbensafft in ein dünn/ sauber/ leinen Tüchlein/ und hencket dz in ein jrrdin Häflein/ oder in ein küpffern büchßlein/ also daß es den Boden deß Gefeß nicht anrühre/ darnach vermacht man die Büchßen beheb zu/ unnd stellet sie in ein siedend heiß Wasser/ darmit seihet sich alles was darinn nütz ist/ durch das Tüchlein in die Büchß/ was aber holtzechtig darinn befunden wirdt/ bleibt in dem Tüchlein hangen.
  
Wiewol nun diese Weise DIOSCORIDIS den Galbensafft zu reynigen nicht zu verwerffen ist/ so kann doch solches viel leichter auff diese weiß geschehen: Nimb deß Galbensaffts ein Pfundt weniger oder mehr nach deinem Gefallen/ zerstoß den ein wenig in einem Mörser/ thue den darnach in ein steinin Häflein/ und geuß ein gut theil siedend heiß frisch Wasser darüber/ decke es zu/ laß uber Nacht an einem warmen Ort stehen/ deß Morgens thue es herauß in eine Pfann/ laß sittiglich zergehen unnd ein wenig sieden/ biß alles Safft zergangen ist/ darnach seihe es durch ein Tuch/ unnd wäsch die Stengel und Samen mit heissem Wasser wol abe/ darnach laß dieses widerumb sittiglich auff einem Kolfewerlein sieden/ biß zu bequemer dicke/ unnd behalts in einem Porcellan Büchßlein zum Gebrauch/ so bist du allezeit mit gesäuberten GALBANO wol gefast.

Von dem Namen deß Galbenkrauts.
    Das Galbenkraut heisset Lateinisch METOPIUM und FERULAE SYRIACA. Die Kreutler nennens FERULAM GALBANIFERAM. Teutsch heisset es Galbenkraut/ und Syrisch Ferulkraut. Der Safft aber oder das Gummi heisset Lateinisch/ GALBANUM oder GALBANUS, STAGONNIS, CHALBANUM, unnd von etlichen auch GALBINA. Die Kreutler nennens auch LACHRYMAM METOPIIM und FERULAE SYRIACAE LACHRYMAM.

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Galbensaffts.
    Der Galbensafft hat ein Krafft zu wärmen/ zu resoluiren/ zu digeriren/ zu erweychen unnd an sich zu ziehen. Er ist warm im anfang deß dritten/ oder im end deß zweyten Grads/ und trucken im anfang deß zweyten. Wirdt innerlich und eusserlich zu vielen Leibsgebrechen heylsamlich gebraucht.

Jnnerlicher Gebrauch deß Galbensaffts.
    Galbensafft ist gut eyngenommen wider den alten Husten/ kurtzen und schweren Athem/ wider das Keichen wider die Brüch und den Krampff. Mit Myrrhen und Wein getruncken/ widerstehet er dem Gifft TOXICO, darmit man die Pfeil vergifft. Gleicher massen getruncken/ treibet er auß Mutterleib die todte Geburt. Er ist auch gut wider die Harnwinde unnd das schwerlich harnen. Den Galbensafft eynzunemmen und zu den Geträncken zu brauchen/ wird er zerlassen wie DIOSCORIDES sagt/ mit bitter Mandelkernen oder Rauthen/ oder Wasser/ oder Honigwasser/ oder warmem Brodt.
Bereyten Galbensafft zu kleinen Pillulen formirt/ und dieselben also gantz verschluckt/ ist ein heylsame Artzeney/ wider den Husten und das Keichen.
Vor den Husten der von dünnen subtilen Flüssen verursacht wird: Nimb Galbensafft der gereyniget sey/ deß wolriechenden GUMMI STYRACIS, sonst STORAX genannt/ deß auffgetruckneten Magsatsaffts OPII, außerlesenen Myrrhen/ jedes gleich viel ein Loth/ oder ein halb loth/ nach dem du viel oder wenig machen wilt/ stoß und zerlaß diese Stückwol in einem warmen Mörser/ und gieß jererweilen ein wenig Bastartwein/ oder von einem andernsüssen oder gesottenen Wein zu/ unnd das thue so lang/ biß daß du gemelte Stück in harten Teyg gebracht hast/ darauß mache darnach PILULAS in größ der Erven oder Wicken. Darvon gib dem Krancken wann er zu Beth gehen wil/ drey zu verschlucken/ und lasse jnen ein Löffel voll drey oder vier gutes gesottenes Weins darauff trincken/ das wird beyde die Flüß und den Husten gewaltig stillen/ dann es ist ein Experiment in diesem fall.
  
Vor das Keichen und schweren Athem: Nimb Galbensafft der bereyt seye/ Egyptischen Terpentin/ Honig/ jedes gleich viel/ zerlaß durcheinander uber einer Glut/ dz es sich wol vermischt/ und laß ein klein wenig sieden/ darnach behalts zum gebrauch/ und nimb alle Morgen darvon einen Bonen groß/ laß sittiglich im Mund zergehen/ unnd darnach allgemächlich mit Lüpflein hinab schleichen.
  
Galbensafft zu Pillulen formirt und verschluckt/ oder sonst in ander weg eyngenommen/ thut wunderbarlichen widerstand allem eyngenommenen Gifft/ wie solches Hali bezeuget. Mit Honig zerlassen/ dienet wider dz eyngenommen Gifft/ der Salamander oder Mollen/ offtermals darvon genützet.
  
Der Galbensafft mit Wein getruncken/ ist denen ein gute Artzeney/ die mit vergifften Pfeylen seynd geschossen worden/ dann es treibet das Gifft auss von dem Hertzen.
  
Galbensafft zu Pillulen formirt und verschluckt/ vertreibet die Heisserkeit/ und macht ein klare helle Stimm.
  
Bereytet Galbensafft einer Bonen groß mit Essig/ Wein/ Meth oder Honigwasser zertrieben und getruncken/ ist denen so hoch gefallen seynd/ eine heylsame Artzeney/ dann es zertheilet das gerunnen Geblüth/ und führet es auß.
  
Vor den Schmertzen deß Miltzes: Nimb deß bereyten Galbensaffts j.quintl. mach Pillulen darauß/ und verschlucke dieselbige gantz/ dann sie helffen wunderbarlich.
  
Galbensafft in Pillulen formirt unnd mit Penidzucker verschluckt/ tödtet und führet auß die Würm im Leib. Sonst vertreiben auch die Pillulen ohn Zucker eyngenommen/ den Schmertzen der Lenden und Seiten.
  
Vor die unfruchtbaren Weiber: Nimb Galbensafft der bereyt ist anderthalb Loth. Zertreib den in einem Pfund Geyßmilch/ und laß ein wenig mit einander sieden/ darnach thue es zu dem Weib durch ein Schritz in die Mutter/ lauwe warm.
  
Geseubert Galbensafft einer Bonen groß in gutem weissen Wein zerlassen/ und warm getruncken/ hilffet wider die schwere Geburt/ und macht leichtlich gebären.
  
Vor das Ersticken unnd Auffsteigen der Mutter ein Experiment: Nimb Galbensafft der gesäubert ist/ Teuffelsdreck/ jedes j.quintl. Stoss diese Stück in einem Mörser wol/ daß sie sich durcheinander vermischen/ und geuß ein wenig deß sauren Essigs Syrup darzu/ daß es ein MASSAM gebe/ und mach darauß sechzehen Pillulen/ die behalt zu dem obgemelten gebrauch/ und wann diese Schwachheit sich erzeigen wil/ so gib der krancken Frawen zwey dieser Pillulen zu verschlucken/ unnd mach einen Rauch von dem Galbensafft/ den laß die Frawe in die Nasen ziehen. Oder: Nimb Galbensafft der gereyniget sey/ ein halb Loth/ HASELWURTZ/ bEYFUßBLUMEN ODER Körnlein/ Sanct Johannsblumen/ jedes ein drittheil eines quintleins/ alles zu einem subtilen Pulver gestossen/ mach mit ein wenig Wein ein Teyglein darauß/ darvon formier dann achzehen Pillulen/ deren soll die Fraw je uber den vierden Tag drey verschlucken/ biß sie die alle verbraucht.
  
Galbensafft gereyniget ein quintlein in Geyssmilch zertrieben und getruncken/ treibet auß das Muttergewächß/ das man ein Monkind nennet. Mit Wein zertrieben unnd getruncken/ treibet fort den verstandenen Harn/ und wendet die Harnruhr DIABETEM.
  
Die Nachgeburt außzutreiben: Nim bereyten Galbensafft/ gepülverten Myrrhen/ deß GUMMI AMMONIACI ,jedes ein drittheil eines quintleins/ deß gesottenen Wassers/ darinn Peterlensamen gesotten worden sey/ geläuterten Fenchelsafft/ jedes zwey Untz/ vermisch dfiese Ding wol durcheinander zu einem Tranck/ und gibs der Frawen warm zu trincken.
  
Gesäubert Galbensafft ein halb Loth mit frischem Wasser zertrieben und getruncken/ stillet den unmässigen Fluß der gülden Adern.

Eusserlicher Gebrauch deß Galbensaffts.
    Der Dampff deß angezünden Galbensaffts in die Scham der Weiber empfangen/ bringet die verhaltene Monatblumen der Weiber/ und treibet fort die Frucht. Dergleichen wirckung hat er auch/ wann man ein Mutterzäpfflein darauß machet/ und in die Mutter thut.
  
Galbensafft mit Riter und Essig vermischet/ vertreibet die Masen und Flecken deß Angesichts/ dieselbigen darmit angestrichen.
  
Den Galbensafft wie ein Pflaster auff ein Tuch oder Leder gestrichen und ubergelegt/ vertreibet den Schmertzen der Seiten und Blutschweren.
  
Der geruch deß Galbensaffts/ erwecket die so von der fallenden sucht/ Erstickung der Mutter und Schwindel nider gefallen seynd: Erwecket die Schlaffsüchtigen/ mit Hirtzhorn vermischet.
  
Der Rauch oder Dampff deß angezünden Galbensaffts/ vertreibet die Schlangen/ und die sich darmit anstreichen oder salben/ werden von den Schlangen nit gebissen: tödtet die Mucken/ Schnacken und Bobenheymer.
  
Galbensafft mit Beerenklauwe in Baumöl vermischt und ubergelegt/ tödtet die Schlangen/ auch so sie darmit nur angerühret werden/ bezeuget DIOSCORIDES.
  
Galbensafft in die holen Zähn gelegt/ vertreibet den Wehethumb derselben.
  
Galbensafft mit Honig zertrieben/ unnd wie ein Sälblein temperirt/ heylet den Erbgrind und die fliessende Geschwer deß Haupts/ offtermals darmit angestrichen.
  
Galbensafft und Weyrauch/ jedes gleich viel wol durcheinander gestossen/ unnd darzu gethan so viel/ als deren beyden ist/ Gerstenmeel/ darnach mit Eyerweiß temperirt wie ein pflaster/ vertreibt den Schmertzen der Augen/ unnd den Hauptnagel warm uber die Schläff unnd die schmertzhafftigen Ort gelegt/ drey Tag nach einander/ alle Tag dreymal erfrischet.
  
Gereynigter Galbensafft mit verscheumptem Honig zu einem zarten Sälblein temperirt/ vertreibet die Flecken in den Augen/ dieselben offtermals angestrichen.
  
Galbensafft mit weiss Lilienöle oder Rosenöle zertrieben/ vertreibet den Schmertzen der Ohren/ warm dareyn geträufft.
  
Galbensafft mit einem Meysel in die Ohren gesteckt/ erweychet und zeitiget die kalten Geschwer darinnen/ zeucht gewaltig an sich/ unnd leget darmit den Schmertzen. Mit dem sauren Honig Syrup OXYMELITE zertrieben und in die Ohren gethan/ reyniget die schwerenden Ohren von dem Eyter/ unnd fürdert dieselben zur heylung. Mit Rosen und Jndisch Nardenöl zertrieben und in die Ohren getraufft/ heylet die Geschwer derselben.
  
Geläuterten Galbensafft mit gutem Weinessig und Honig zu einem COLLYRIO temperirt/ vertreibet die Taubheit/ warm in die Ohren getraufft.
  
Galbensafft mit Riter- oder Bergsaltz/ zu einem Pflaster vermischt/ vertreibet die Augenwörner/ auff ein Tüchlein gestrichen und ubergelegt.
  
Galbensafft der gesäubert ist/ mit Honig zu einem dünnen Sälblein vermischet/ vertreibet die Blätterlein deß Mundes dass Essen genant/ darmit angestrichen.
  
Vor das abfallen Zäpfflein: Nimb Galbensafft j. Loth/ deß Saffts oder GUMMI OPOPANACIS, ein halb Loth. Zerlaß mit Wein/ seihe sie darnach durch ein Tuch/ laß darnach sittiglich sieden in der dicke eines Sälbleins/ darnach vermisch reyn gepülvert Bergmüntz dareyn/ so lang biß es dick wirdt wie Cerat oder Pflaster/ das streich auff ein Barchet oder Tuch/ unnd legs hinden auff den Nacken.
  
Vor den schmertzen der holen Zähn: Nimb Galbensafft zwey theil/ gestossenen Weyrauch ein theil/ stoß zu einem harten Teyglein mit Bastart oder sonst einem süssen und gesottenen Wein/ mache Pillulen darauß/ die stecke in die holen Zähn.
  
Die Kröpff zu verzehren: Nimb Galbensafft/ streichs auff ein Barchet oder Tuch/ unnd legs uber die anfahende Kröpff. Oder: Nimb Galbensafft/ gestossenen lebendigen Schweffel/ jedes gleich viel/ temperiers mit genugsamem Pinhartz zu einem Pflaster/ das streich darnach auff ein Leder oder Barchet/ unnd legs uber den Kropff/ erfrisch es in der Wochen ein mal oder zwey/ das treibe an so lange biß sich der Kropff verzehret.
  
Vor die geschwer hinder den Ohren/ die Ohrenmutzel oder Ohrklamm genannt/ ein bewehrt Pflaster: Nimm deß gesäuberten Galbensaffts zwölff Untz/ Salmiax zwölff Untz/ reyn gepülverten Silbergledt sechs Untz/ Baumölen zwölff Untz. Vermisch erstlich das Silbergledt und Baumölen wol durch einander/ laß sie sittiglich miteinander sieden biß zu der dicke eines Honigs/ dann thue den Salmiax rein gepülvert dareyn/ laß ein wenig sieden unnd vermisch es wol: darnach zerlaß den Galbensafft mit ein wenig weins/ unnd thue den auch darzu/ rührs darnach gewaltig durcheinander biß es sich wol vereinbart und kalt wirdt.
  
Ein ander Pflaster/ vor harte Knollen/ Drüsen unnd Geschwulst: Nimb Galbensafft/ Terpentin/ geel frisch Wachs/ jedes sechs Loth/ Rebenäsch/ wildt Feygenzweygäsche/ jedes zwey Loth/ Veielwurtzöle iiii. Loth. Zerlass das Wachs/ Terpentin und Veielwurtzöle sittiglich uber einer Glut/ rühr darnach die Aeschen dareyn/ unnd den Galbensafft mit Wein zerlassen: Wann es kalt worden ist/ so böre es wol und behalts darnach. Wann es die Noth nun erfordert/ so streich darvon auff ein Tuch/ schneidt Pflaster darvon/ und legs uber. Dieses Pflaster verzehret auch die Kröpff.
  
Der Rauch oder Dampff von dem angezündten Galbensafftvertreibet und tödtet die Rebensticher und andere Würm unnd Ungezifer/ die die Reben unnd Trauben in und nach der Blühet verderben/ und denen Schaden zufügen. Es vertreibet auch die vergifften Thier und die Schlangen/ wie dann solchs auch VIRGILIUS bezeuget/ da er spricht:

    die Schlier und Brodtgeschwer(PANOS oder PANICULAS) zu erweychen unnd zu heylen: Nimb Galbensafft/ Pinhartz/ Wachs/ Bilsenkrautbletter/ Schweinenschmaltz das frisch und nicht gesaltzen seye/ jedes vier Untz. Das Pinhartz/ wachs und Schweinenschmaltz/ zerlaß durcheinander/ thue darnach den Galbensafft mit Wein zerlassen darzu/ sampt dem gestossenen Bilsenkraut/ vermisch es durcheinander wie ein Pflaster/ darvon streich auff ein Tuch und legs uber.
  
Der Rauch oder Dampff deß angezündten GALBANI unnd Schweffels/ jedes gleich viel/ vertreibt die Scorpion unnd tödtet sie.
  
Der gesäubert Galbensafft auff ein Tuch wie ein Pflaster gestrichen/ heylet die Stich der Scorpionen/ ubergelegt. Gleicher Gestalt gebrauchet/ heylet er auch die Bissz der Zißmäuß.
  
Galbensafft obgemeldter massen wie ein Pflaster ubergeleget/ heylet die Zinnblatern oder Carbunckeln: unnd so die heylbar seyndt/ so hangt das gemeldte Pflaster hart an/ unnd thut das also baldt/ also dass man es nicht hinweg thun kan/ man ziehe dann die Blater mit seiner Wurtzel hinweg. Wann sich dieses nicht gleich anfangs wol anhengt/ so iust die Zinnblater unheylbar. Oder: Nimb Galbensafft/ Erdtbech oder Jüdenlehm/ Riter oder Bergsaltz/ Arsenick/ Hämmelen Unschlit von den Nieren/ jedes zwey Loth. Zerlass den Galbensafft mit Wein daß er dünn werdfe/ und vermisch die andern Stück ordenlich darmit das es ein Pflaster werde/ das streich auff ein Tuch/ unnd legs uber. Dieses Pflaster heylet auch andere vergiffte Blattern.
    Galbensafft ein theil mit vi.theil Baumöle zerlassen/ darnach ein ungewäschene Schaaffwollen darinn getunckt/ wider ein wenig außgedruckt unnd warm ubergelegt/ erweychet alle Geschwer/ so man das ein tag etliche nach einander beharret/ und täglich zweymal erfrischet.
  
Galbensafft allein vor sich selbstauff ein Tuch gestrichen wie ein èflaster/ vertreibt den Hauptnagel HEMICRANIAM, uber das schmertzhaffte Ort gelegt. So du aber kräfftiger haben wilt/ so nimb deß Galbensaffts zwey Loth/ weissen reyn gepülverten Weyrauch/ deß Saffts LAUDANI, jedes ein halb Loth. Zerlaß den Galbensafft mit Wein/ und temperier die andern Stück gepülvert darunder daß es ein Pflaster werde/ das gebrauch wie das vor gemeldte auff ein Tuch gestrichen.
  
Galbensafft vor sich selbst/ oder mit einem andern Pflaster vermischt/ wie ein Pflaster auff ein Tuch gestrichen unnd ubergelegt/ zeucht auß den Wunden die Beynspreissen. Jn gutem Weinessig zerlassen/ darnach wie ein Pflaster auff ein Tuch gestrichen unnd uber geleget/ vertreibet die Wartzen und Kräenaugen.
  
Vor das schmertzlich Hüfftwehe SCIATICAM: Nimb Galbensafft xii. Loth/ Vogelleym/ Terpentin/ jedes viii. Loth. Zerlasse diese Stück durcheinander/ unnd vermisch darunder gepülverten Pfefferkümmel biß es dick genug wirdt/ das streich dann auff ein Leder oder Barchet unnd lege es uber den Schmertzen.
  
Ein anders: Nimb deß Galbensaffts fünff Loth/ GUMMI AMMONIACI iii. Loth/ deß GUMMI BDELLII iiii. Loth. Vorstoß v. Loth/ Terpentin vi. Loth/ Wachs ii. Loth. Zerlaß den Vorstoß/ Terpentin und Wachs/ vermisch darmit den Galbensafft unnd GUMMI AMMONIACUM zuvor in Wein zerlassen/ das BDELLIUM stoß zu reynen Pulver/ unnd vermisch diese Stück alle mit Veielwurtzölen so viel genug ist daß es ein Pflaster geben möge/ davon streich auff ein Barchet oder Leder/ unnd legs uber den schmertzen.
  
Ein anders nicht wenig erfahren: Nimb deß Galbensaffts/ Wachs/ Terpentin/ Vogelleym/ Myrrhen/ Veyelwurtz jedes sechs Loth. Zerlasß den Galbensafft mit Essig/ und vermisch es wol mit dem Wachs/ Terpentin/ Vogelleym/ und so viel Hartriegelöle auff einer Glut zuvor zerlassen/ so viel der andern Stück eins ist/ danach so thue die andern stück reyn gepülvert darzu/ rührs wol durcheinander/ und gieß so viel Hartriegelölen zu/ so viel genug ist/ daß es ein recht Pflaster werden möge/ das gebrauch wie die obgemeldten.
  
Galbensafft mit Essig zerlassen und temperirt wie ein Pflaster und Cerat/ zertheilet und vertreibet die Knollen der Gleich/ von dem Zipperlin unnd der Glöiedtsucht verursacht/ ubergeleget.
  
Vor die Spalten und Wunden der Ferschen und der Füß/ von Kälte oder Winterfrost verursacht: Nimb Galbensafft ii. Loth/ reyn gepülverten Traganth ii. Loth/ Geissen Unschlit i. Loth/ Wachs anderthalb Loth/ geel Veielölen iiii. Loth. Zerlaß das Geissen unschlit/ Wachs und Veielöle durcheinander/ thue den Galbensafft mit Wein zertrieben darunder/ vermisch es wol und sträuwe den Traganth allgemächlich darein/ arbeit solches wol durcheinander/ unnd so es nicht weych genug ist/ so nimb mehr deß geelen Veielöls dazu/ so viel du bedarffst/ daß es ein lindes Pflaster geben mag/ das streich auff ein Tuch/ schneid/ Pflaster darvon nach deinem gefallen/ unnd legs uber den Schaden.
  
Vor die Geschwulst der Hoden und Gemächt: ein Experiment: Nimb Galbensafft/ deß schwartzen Saffts oder GUMMI LAUDANI. jedes ii. Loth/ weiss Lilienöle/ Chamillenöle/ jedes ii. Loth/ gepülverten Römischen kümmel ein halb Loth/ Wachs anderthalb Loth. Die Gummi zerlaß in Essig/ das Wachs/ unnd die Oele auch besonder/ darnach vermisch es mit dem gestossenen Kümmel wol durcheinander/ streichs auff ein Tuch/ und legs uber die Geschwulst.
  
Ein Mutterzäpfflein in die Scham gethan/ führet die todte Frucht auß Mutterleib. Den Rauch deß angezündten Galbensaffts durch ein Trechter in die Mutter entpfangen/ thut deßgleichen. Solche Artzeney aber wirdt kräfftiger so man Kühegallen dazu thut/ und mit räuchert. Oder nimb Galbensafft/ Myrrhen und Bibergeyl/ jedes gleich viel/ wirffs auff Kolen/ unnd laß sie den Rauch obgemeldter massen empfangen.
  
Vor das auffsdteigen und ersticken der Mutter/ streich Galbensafft mit Wein zerlassen auff ein Leder/ das rund geschnitten sey wie ein Teller/ uberziehs darnach mit einem roten Zendel/ und stepffe oder reige es enge mit einem seidenen Faden daß es nicht zusammen lauffen kan/ das leg dem Weib uber den Nabel/ so verhütet es diese Schwachheyt/ unnd ist ein Experiment. Oder so du es stärcker haben wilt/ so nimb Galbensafft iiii. Loth/ Teuffelskaat ii. Loth/ zerlasse die in Essig oder Wein streichs darnach wie zuvor gemeltet auff ein rund Leder/ stepffe es wie das vorige/ und brauchs auch also.
  
Das Galbensafft auch vor die Nasen gehalten und den Geruch wol zu sich gezogen/ setzet auch nider unnd treibet wider zurück die auffsteigende Mutter und stillet dieselbige.
  
Galbensafft obgemelter massen auff ein Leder gestrichen und uber den Nabel gelegt/ bringet die verruckte Mutter widerumb in jhre statt. Ein halbes Quintleindeß gereynigten Galbensaffts mit Wein zertrieben unnd getruncken/ thut deßgleichen.
  
Galbensafft zwey theil/ Bibergeyl unnd der kleinen Muscheln BLATTAE BYZANTIAE genannt/ jedes ein theil durch einander vermischet unnd auff glüende Kolen gelegt/ folgendts den Rauch darvon durch ein Trechter in die Mutter entpfangen/ bringet wider die verstandene Monatblumen der Weiber. So man auch ein Mutterzäpfflein auß dem <<</ machet/ unnd zu sich thut/ wircket es deßgleichen/ führet auß die Mutter gewächs. Etliche machen die Mutterzäpflein von diesem Safft mit Wasser/ darinn Wermuth unnd Feygbonen gesotten worden seyndt.
  
Der Galbensafft/ so man den mit Nießwurtz unnd Bibergeyl vermischet/ folgends auff glüende Kolen wirfft/ unnd den Rauch darvon in die Mutter entpfengt/ führet auß die Monkinder.
  
Auß den Galbensafft machen die Wundtärtzet einen guten Wundtbalsam auff folgende weiß: Nimb Galbensafft ii.loth/ deß GUMMI AMMONIACI, deß GUMMI BDELLII, jedes i.loth/ Terpentin viii.loth/ Baumöle drey Pfundt. Die gemeldten Gummi beysset man iii.tag in einem guten weissen unnd alten Wein/ daß der wein wol darüber gehe: Darnach lass die Gummi mit dem Oele uber einem linden Kolfewrlein sieden/ biß sich der Wein gar verzehret/ darnach seihe es durch ein Tuch und drucks hart auß/ als dann vermisch den Terpentin darmit und laß es acht Tage in einem küpfferin Becken oder Pfannen stehen/ so wirdt der Balsam gar grün/ er heylet alle frische Wunden.
  
Ein gut Pflaster zu alten Schäden: Nimb Galbensafft acht loth/ Serapingummi/ Baumöle/ jedes vier loth/ Wachs/ Terpentin/ Goldtgledt/ Mastix/ jedes ii.loth. laß das Goldtgledt mit dem Baumölen ein wenig sieden/ biß sie sich mit einander vereinbaren/ thue darnach darzu den Galbensafft unnd Serapingummi/ mit Wein zerlassen/ dann durchgesiegen/ und in der dicke eines weychen Pflasters gesotten/ rühre es wol durcheinander: Folgendts zerlaß darinn das Wachs und Terpentin/ wann die zergangen/ so streuwe den Mastix reyn gepülvert dareyn/ vermisch es und böre es wol durcheinander/ unnd mache Zapffen darauß. Dieses Pflaster ist auch ein edel Zugpflaster/ dann es weychet die geschwer/ zeucht den Eyter und Wust zusammen/ unnd zeucht Spreisen unnd Beyn auß den Wunden.
  
Ein anders: Nimb Galbensafft/ Pinhartz/ Hirtzenunschlit/ jedes acht untz/ Wachs vier untz/ Peteröleoder Steinöle ein loth/ Baumöle zwey loth/ Terpentin/ Mastix/ weissen Weyrauch/ Balsamöle/ jedes i. loth. Drachenblut ein halb loth/ Grünspahn ein halbes quintlein. Zerlaß das Pinhartz/ Hirtzenunschlit/ Peteröle/ Baumöle unnd Balsamöle uber einem linden Kolfewerlein/ darnach hebs ab vom Fewer und vermische den Galbensafft mit Wein zertrieben wol darmit: darnach rühr die ander Stück zu einem subtielen Pulver dareyn/ biß es gar kalt wirdt/ als dann böre es wol mit den Händen unnd mache Zapffen darauss.
  
Galbensafft das gesäubert ist mit Rauthenöle zerlassen und wie ein Sälblein temperiert/ vertreibet das Krimmen unnd Därmgegicht/ sich deß tages zwey oder drey mal darmit warm geschmieret.
  
Galbensafft mit rotem Wein zerlassen/ darnach durchgesiegen unnd uber einem linden Fewerlein zu einem dünnen Cerat gesotten/ darnach gepülvert Cypressennüß dareyn gestreuwet unnd wol durcheinander temperiert/ biß es dick wirdt wie ein Pflaster/ folgends auff ein Tuch oder Barchet gestrichen/ ist ein edel Bruchpflaster/ die Brüch damit zu heylen/ ubergelegt.
  
Wann die Hunde heßlichen Grindt unnd Blattern haben so mach jhnen diese Salb: Nimb Galbensafft/ Storax/ Hirtzen marck/ Wachs/ Baumöle/ Berg- oder Rittersaltz/ Honig jedes gleich viel. Zerlaß das Hirtzenmarck/ Wachs/ Honig und Baumöle uber einer Glut/ und rühr darnach den Galbensafft mit Essig zerlassen dareyn/ daß diese wol mit einander vermischet werden/ als dann thue ferner darzu den Storax unnd Ritersaltz zu einem reynen subtielen Pulver gestossen/ temperiers wol durcheinander/ ist diese Salb nicht/ dünn genug/ so thue mehr Baumöle darzu/ biß daß sie recht wirdt/ nach deinem gefallen.

Galbensafftöle.
GALBANI OLEUM.

    Auß dem Galbensafft wirdt ein köstlich Oele diatillirt/ welches fast hitziger Natur ist/ und in vielen kalten Gebrechen heylsamlich zu gebrauchen. Galbenöle uber den Nabel gestrichen/ treibet gewaltig den verstandenen Harn/ unnd die verstandene Monatblumen der Weiber. Ein Tröpflein oder zwey mit Wein getruncken/ treibet auß das eyngenommen Gifft/ vertreibet das Keichen und den kalten Husten unnd die Engbrüstigkeit. Galbensafft uber Geschwer gestrichen/ zeitiget sie baldt. Jn die Naßlöcher gestrichen/ ist gut wider den Schwindel und die fallende Sucht/ erwecket die Schlaffsüchtigen/ unnd die Weiber so von ersticken unnd auffstossen der Mutter niderfallen. Mit Liebstöckelwasser vermischt unnd angestrichen/ macht ein schön weiß Angesicht./ so man das von sich selbst lesset trucken werden. Jn die holen Zähn gethan/ legt den Schmertzen derselbigen. Dieses Oele mit andern Salben unnd Oelen vermischet/ heylet den Hauptgrindt/ das Haupt offtermals damit gesalbet. Wie man aber solches Oele künstlich bereyten sol/ findestu Bericht in unserm Distillierbuch.
  
ARNOLDUS VILLANOVANUS beschreibet in seinem BREVIARIO CAPITE DE PARAL. Ein fürtreffentliches heylsames Oele von dem Galbensafft/ welches wir nicht underlassen wöllen hie an diesem ort zu gedencken/ und wirdt solches bereytet. Nimb deß frembden Galbensaffts ein halb Pfundt/ Ephewgummi vi.loth. stoß diese und vermisch sie durcheinander/ thue sie in ein Distillierzeug/ unnd das Wasser unnd das Oele/ so du davon entpfahen wirst/ vermisch mit zwey loth Loröle/ und i. Pfundt Terpentin/ und distillier abermal Oele und Wasser miteinander/ darnach sonder das Oele von dem Wasser ab unnd behalt es gleich wie ein Balsam/ dann es alle Wirckungen unnd Tugenden die der edel und natürliche Balsam hat. Dieses Oele dient wol dem Paralytischen Gliedern und eyngeschrumpfften Nerven/ für die hinfallende Kranckheyt/ Krampff und alle andere Kranckheiten die von Kälte verursacht werden. Dieses Oels hat einer einem Schlagsüchtigen einen Tropffen in den Nabel gerieben/ welcher als bald ist auffgestanden und wider zu ihm selbst kommen. Den Nacken oder hindertheil deß haupts mit diesem Oele gesalbet/ des Nachts wann man wil zu Beth gehen/ unnd Morgens ein halb quintlein Weinbeerlein genommen/ machet ein scharpffe gute gedächtnuß. Es ist auch fürtreffentlich gut wider das blöd gehör oder die Taubheit/ und wider alle andere Kranckheyten die von Kälte jren ursprung haben/ und bringet wider den verlornen Geruch der Nasen.