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KÜMMEL
Carum - Umbelliferae


VON DEM PFEFFER KÜMMEL

    Die Wurtzel dess Römischen Kümmels ist weiss unnd dünn/ klebt allwegen ausswendig auff dem Grundt/ wächset nicht undersich wie die andere dergleichen Gewächss/ darauss wächsetnur ein einziger Hauptstengel/ mit viel Nebenzweiglein/ der wirdt selten uber anderthalben Spannen hoch/ die Bletter vergleichen sich dem Fenchelkraut/ sind doch etwas kleiner und kürtzer/ am Obertheil gewinnt es ein schönen Dolder oder Cronen mit vielen Blümlein/ gleich wie der Dyll oder Fenchel/ darauff folget ein langer Samen der ist von Farben grawe mit Geelfarb vermischt/ eines starcken/ doch nicht unlieblichen Würtzgeruch/ ist am Geschmack etas bitter mit einer lieblichen schärpffe. Wann der Samen zeitig wirdt so verdirbt die Wurtzel/ und erjünget sich diss Gewächss järlich selber von dem aussgefallenen Samen. Jn heissen Landen/ alss in Egypten/ Morenland/ Galatien/ Asien unnd Cilicien/ wächsst er von jhm selber/ aber bey uns in Teutschlandt wird er allein in Gärten gezielet. DIOSCORIDES lobet den Morenländischen und Egyptischen/ aber der auss Apulien zu uns gebracht wirdt/ ist nicht weniger an der güte zu loben.

Von dem Namen dess zamen Kümmels
    Der Kümmel hat bey dem DIOSCORIDI vielerley Namen/ als wann deren vielerley Geschlecht weren/ so doch der/ so in Morenlandt/ Egypten/ Asien und Cicilien wächst/ alles nur ein art dess Kümmels ist/ wie auch das CYMINUM REGIUS HIPPOCRATIS, allein dass einer den andern in der güte nach gelegenheit der Landtschafft ubertrifft. Und zwar/ wann DIOSCORIDES den Apulischen Kümmel gesehen hette/ würd er die obgenanndten demselben nicht vorgesetzt/ sondern dem Apulischen zum wenigsten gleiches Lob der güte halben zugeschrieben haben. Lateinisch heisset der Kümmel CUMINUM, CYMINUM, CUMINUM SATIVUM, oder CUMINUM DOMESTICUM, sonderlich bey dem HIPPOCRATI, CUMINUM AEGYPTIUM. Bey dem MESUEO CYMINUM CARMENUM. Bey andern CUMINUM INDUM. Bey dem GLOSSOGRAPHO AUICENNAE, CYMINUM NABBATHAEUM. Bey NICOLAO MYREPSO CARNABADIS und CARNABADIUM. Bey den Kreutlern CYMINUM ROMANUM, und CYMINUM APULUM. MATTHAEUS SYLVATICUS der AUTHOR PSNDECTARUM, und andere die mit jhm jrren/ schreibet fälschlich/ dass CYMINUM CARMENUM SEYE SESELI, oder Seselsamen/ dann CYMINUM CARMENUM nichts anders ist/ als CYMINUM BASILICUM oder REGIUM HIPOCRATIS, und jrret auch darinn der lobwürdig PHILODOPHUS IACOBUS SYLVIUS der da vermeynet CYMINUM CARMENIUM seye ein art dess Kümmels auss der Landtschafft CARMANIA: Aber so man den fleissigen nachfolger DIOSCORIDIS SERAPIONEM darumb fraget/ und seine Schrifften fleissig lieset/ wirdt sich befinden/ dass CYMINUM CARMENUM, und CYMINUM REGIUM ein ding ist/ nemlich unser zamer Kümmel: Dann gemeldter SERAPIO DE SIMP. CAP. 277. eben das CYMINUM CARMENUM nennt/ das DIOSCORIDES CYMINUM AETHIOPICUM nennet/ und thut hinzu und spricht als ers aussleget/ CARMENUM seye so viel als REGALE, darauss leichtlich zu verstehen/ dass CYMINUM CARMENUM, CUMINUM AETHIOPICUM DIOSCORIDIS seye/ der dabey meldet/ das HIPPOCRATES denselben CUMINUM REGIUM nenne. Es seyn viel die da vermeynen CYMINUM REGIUM HIPPOCRATIS, SEU AMMI, das wir zu Teutsch Ammeysamen nennen/ aber die jrren nicht weniger als die andern. Dann alle Zunamen die die gemeldten Lehrer dem Kümmel gegeben/ seind jhm gegeben worden von wegen der güte dess Lands darinn sie kräfftiger als an andern Orten wachsen/ unnd zum underscheidt der wilden Geschlecht dess Kümmels/ darvon wir in nechstfolgendem Capitel handeln wöllen. Hochteutsch/ Kümich/ Kümmel/ Römischerkümmel/ Pfefferkümmel/ Krautkümmel oder Krämerkümmel/ Gartenkümmel/ Linsenkümmel unnd Venedischer Kümmel/ zum underscheidt der wilden Kümmel und Hornkümmel.

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und eygenschafft dess Kümmels
    Der Pfeffer oder Römisch Kümmel hat ein Krafft unnd wirckung zu erwärmen/ dünn zu machen/ zu däwen/ zu zertheilen/ zu öffnen/ zu trucknen und zu treiben. Ist warm im dritten und trucken im anfang dess dritten grads. Wirdt heutigs tags nicht allein jnnerlich und eusserlich zur Artzeney gebraucht/ sondern er hat auch seinen Platz bey den Köchen funden/ die denselben in den Speisen gebrauchen/ unnd dieselben darmit eynmachen.

Jnnerlicher Gebrauch dess zamen Kümmels
    Zamer kümmel dienet wider die Auffblehung dess Bauchs/ von windigen Blästen verursacht/ dann es zertheilet dieselbigen und vertreibt sie. Er miltert den wehethumb dess Magensvertreibt das auffröpffen/ leget den schmertzen der Leber/ unnd stärcket sie wann dieselbige von kalter entrichtung schwach ist. Er verteilet die windige wassersucht/ treibt auss die Geelsucht/ miltert das Krimmen in Därmen/ dienet wider den schmertzen dess rücks und der Lenden von kält verursacht/ treibt die Monatblumen der Weiber/ unnd legt die unkeuschheit/ in Speiss unnd Tranck/ und auff alle andere weiss gebraucht.
    Pfefferkümmel zu Pulver gestossen/ unnd desselbigen ein quintlein mit gutem Wein zertriben/ und dess Morgens nüchtern warm getruncken/ ist ein gewisse hülff wider den schmertzen dess Magens/ und hilfft von stund an.
    Die jenigen so stätig mit dem Magenwehe beladen seind/ sollen nemmen reyn gepülverten Pfefferkümmel ii.Loth/ verscheumpt Honig vi.Loth/ unnd solches zu einer Latwergen vermischen/ und davon alle Morgen ein Loth oder Castanien gross nüchtern eynnemen/ das wirdt das wehethumb wunderbarlich vertreiben.
    Die däwung dess Magens zu fürdern und zu stercken: Nimm Pfefferkümmel ii.Loth/ schwartzen Pfeffer/ dürre Weinrauthen/ jedes i.Loth/ stoss diese stück zu einem reynen Pulver/ schlags durch ein härin Sieblein/ und thu darzu dess sauren Essigsyrups OXYMEL SIMPLEX genandt/ xii.Loth/ vermischs durcheinander und behalts in einem Porcellan büchsslein zum gebrauch/ nim darvon dess Morgens nüchtern ein löffel vol/ und faste drey Stunden darauff/ es fürdert und stärcket die däuwung wol/ und bringt ein guten Appetit zum essen.
    Pfefferkümmelin Wein gesottenunnd getruncken/ hilfft wider den Heschgen oder Klux/ warm getruncken. Das thut auch das Pulver vom Kümmel ein quintl. mit Wein oder Essig getruncken.
    Vor das auffröpffen und auffstossen dess Magens: Nimb Pfefferkümmel anderthalb Loth/ Dillsamen i.Loth/ Pfeffer i.quintlein/ stoss zu einem reinen Pulver und nimb darvon ein quintlein/ vermischs mit gutem Wein unnd trincks warm/ es hilfft wol und bald.
    Vor die heysere der Stimm/ mach folgende Kümmelküchlein/ dann sie fast dienlich und bewerth seind: Nimb gestossenen Pfefferkümmel vier loth/ Süssholtzsafft anderthalb Loth/ guten ausserlesenen Myhrren ein Loth/ weissen Pfeffer sechzehen Körner: Stoss alle diese Stück zu einem reynen Pulver/ vermischs wol in einem Mörser mit Honig/ unnd Bastardwein/ dass es ein festes Teyglein werde/ thue darzu ein wenig weissen Traganth in dem Bastard zerlassen/ darnach mach kleine runde Küchlein darauss/ lass sie trucken werden/ darvon nimb eins wann die notturfft erfordert auff die Zunge/ lass sittiglich zergehen/ danach lass es sittiglich hinab schleichen/ unnd thue das offt.
    Pfefferkümmel wol im Mundt gekeuwet/ unnd den Safft darvon hineyn geschluckt/ hilfft wider den Schmertzen dess Hertzens/ und Hertzklopffen.
    Ein gutes Latwerglein vor den Husten: Nimb gestossenen guten Pfefferkümmel i.Loth/ frischen verscheumpt Jungfrawen Honig/ frischen ungesaltzenen Buttern/ jedes sechs loth/ vermischs durcheinander zu einem Latwerglein/ unnd nimb jederweilen ein Löfflein darvon/ lass sittiglich im Mund zergehen/ unnd lass darnach allgemächlich hinab schleichen. Diese Artzeney mögen auch die jungen Kinder in der Wiegen heylsamlich gebrauchen/ darvon soll man jederweilen ein wenig zu lecken geben.
    Ein ander gute erfahrne Latwerg vor den alten Husten: Nimb Römischenkümmel/ Pfefferkümmel/ Nesselnsamen/ jedes zwey Loth: Diese stück stoss zu einem Pulver/ frisch Jungfrawen Honig zwölff untz/ vermischs wol durcheinander zu einer Latwergen/ unnd brauch auff einmal ein Löffelein voll davon.
    Pfefferkümmel zu Pulver gestossen unnd zu einem Loth dess Pulvers vi.Loth Jungfrawen Honig vermischt/ in gestalt einer Latwergen/ ist eine heylsame Artzeney den Kindern vor den Husten so man jhnen zum offtermalen darvon zu lecken gibt. Es dienet auch diese Artzeney vor das Hercheln unnd Rosseln der jungen Kinder/ das man das Hertzgesperz nennet/ in obgemelter massen gebraucht.
    Pfefferkümmel in Wein gesotten/ durchgesiegen/ Abends und Morgens jedesmal ein Becher voll warm zwo Stunden vor dem Essen getruncken/ erwecket den Lust zum Essen/ unnd bringet wider den verlornen Appetit.
    Bereyten Pfefferkümmel dess Morgens und Abends wann man zu Beth gehen will wol im Mund gekeuwet/ und folgends hinab geschluckt/ vertreibt den Schwindel unnd stercket das Hirn. Etliche lassen denselben mit Zucker uberziehen/ darmit er desto lieblicher zu brauchen seye.
    Gestossenen Pfefferkümmel getruncken oder sonst in der Speiss genützet/ machet den seugenden Weibern die schwerlich seugen können/ die Milch fallen.
    Römischenkümmel in Essig gesotten/ durchgesigen unnd getruncken/ stillet das unwillen unnd Erbrechen dess Magens. Bereyten Kümmel gessen hat gleiche Wirckung.
    Römischenkümmel zu Pulver getossen/ unnd eins Gülden schwer desselben mit einem Trüncklein Weinmeth (VINO MULFO) getruncken/ ist eine bewerhte Artzeney wider den schmertzen der Leber.
    Gepülverten Römischenkümmel ein quintlein oder so viel man mit dreyen Fingern fassen kann/ mit einem Trüncklein fürnen Weins zertrieben/ unnd dess Morgens nüchtern warm getruncken/ vertreibet die auffblähung und schmertzen dess Miltzes.
    Ein köstlich gut Pulver vor das Reissen und schmertzen dess Bauchs: Nimb Pfefferkümmel ein halb loth/ Bibernellenwurtzel oder Samen ein quintlein/ vi. auffgetruckneter Mäglein von jungen Hünlein oder Pülchen/ vi. guter geschelter Lorbeern/ xi. Pfefferkörner. Gemeldte stück stoss zu pulver/ schlages durch ein Sieblein/ theile es ab in zwey gleiche theil/ und trinck dess Morgens nüchtern ein theil mit einem Trüncklein Weins/ darinn Dillsamen ist gesotten worden/ und das ander theil am Abend zum wenigsten zwo Stunden nach dem Nachtessen. Du musst aber solche Artzeney so warm trincken als du es erleiden kanst.
    Pfefferkümmel gesotten und i.quintlein mit warmen Wein getruncken/ hat gleiche Wirckung.
    Bereyten Kümmel vor der Speiss gessen/ dient zu obgemelden Gebrechen. Oder nimb Römischenkümmel mit Samen von Griechischem Hew/ jedes gleich viel in Wein gesotten/ und die durchgesiegene Brühe getruncken/ jedesmal ein Bechervoll dess Tags zweymal/ Es zertheilet auch die Wind unnd auffblähungen/ und vertreibt sie.
    Ein quintlein gepülverten Römischenkümmel Pulver so viel man mit dreyen Fingern fassen kann/ mit einem Trüncklein warmen Weins getruncken/ vertreibet das schmertzliche Reissen im Leib mit stätigem Durchlauff unnd Kotzen/ das man CHOLERAM MORBUM nennet. Gemelde Artzeney ist auch dienlich in dem Bauchfluss.
    Römischenkümmel ein Handvoll in ein pfundt Baumölen/ und einem halben pfundt weissen alten Wein gesotten/ biss sich der Wein verzehret/ darnach durchgesiegen/ und das Oele durch ein Clistierzeug zu sich gethan/ unnd ein paar stundt zum wenigsten bey sich behalten/ ist eine gebenedeyte Artzeney wider das Krimmen oder Colick.
    Römischenkümmel zu Pulver gestossen und ein halb loth mit weissem alten wein warm getruncken/ ist zu dem Krimmenauch ein gute Artzeney. Den Kümmel auch sonst in den Speisen gebraucht/ thut in gemeldter Kranckheit viel hülff. Oder nimb Römischenkümmel ein halb loth/ mit einem quintlein Galgan in weissem wein gesotten/ darnach durchgesiegen und warm getruncken. Dessgleichen ein halb loth Römischenkümmel in einem Trunck Wermuthwein gesotten und getruncken/ hat gleiche Wirckung.
    Vor das Därmgegicht nimb ii.loth Römischenkümmel/ i.loth Fenchelsamen/ ein halb Loth Dillsamen/ unnd x.frischer Korbfeygen fein sauber gewäschen und zerschnitten. Thu solch stück zusammen in ein sauber Geschirr/ schütt darüber iii.pfund guten fürnen Wein/ lass sittiglich den dritten theil uber einem Kolfewerlein eynsieden/ seihe es durch ein Tuch/ unnd trinck darvon dess Morgens nüchtern/ und dess Abends zwo stunden vor dem essen/ jedesmal ein Bechervoll warm. Dieser Tranck dient auch wider den erkalten Husten.
    Römischenkümmel zu Pulver gestossen/ und ein quintlein schwer mit Wasser/ darin Peterlinwurtzel und Samen gesotten worden seindt/ warm getruncken/ zertheilet das gerunnen Blut im Leib/ und treibet es durch den Harn auss.
    Römischenkümmel zwey theil mit einem theil bitterer COSTUS Wurtzel zu Pulver gestossen/ unnd darvon allen Morgen i.quintlein mit Wein getruncken/ und auch in der Kost täglich genutzt/ macht die feysten Leuthe Mager.
    Römischenkümmel mit Wein getruncken/ tödtet unnd treibet auss die Spülwürm. Solcher Tranck treibet auch fort den verstandenen Harn.
    Gestossenen Römischenkümmel/ so viel man mit dreyen Fingern fassen kann/ mit weissem Wein warm getruncken/ dient wider das schwerlich harnen. Römischenkümmel obgemelter massen mit Bastard oder süssem Wein getruncken/ hilfft wider die Harnwinde.
    Vor die Harnwind ein ander Experiment: Nimb Pfefferkümmel/ Weinrauthen/ jedes zwey Loth/ Pfefferkörner i.Loth. Stoss diese Stück zu einem reynen Pulver/ darvon nimb auff einmal i.quintlein mit einem Trunck Weins zertrieben/ darinn ein glüender Stahl etlich mal ist abgelescht worden.
    Römischen Kümmelsamen getruncken unnd auch in der Speiss genützt/ vertreibet den Samenfluss GONORRHAEAM.
    Römischenkümmel offtermals gessen/ hilfft zu der eröffnung der Güldenadern.
    Römischenkümmel/ mit dem Samen von Keuschbaum und schwartzen Nardensamen/ jedes gleich viel zu reinem Pulver gestossen/ und i.quintlein mit weissem Wein getruncken/ kompt denen zu hülff die von Scorpionen gestochen worden seyndt.
    Gepülverten Pfefferkümmel mit Wein getruncken/ dienet wider die Vergifftung der eyngenommenen stummen Mosslachen Frösch.
    Wider die Verstopffung unnd schädlichkeit der eyngenommenen Niesswurtz/ Lerchenschwamms und derengleichen/ mach folgende Artzeney: Nimb Römischenkümmel/ Jndianischen Spicanard/ Aniss unnd Bibergeyl/ jedes gleich viel/ stoss zu einem subtilen Pulver/ und gib darvon auff einmal ein quintlein mit weissem Wein zu trincken.
    Das blöde und schwache Haupt zu stercken/ und das sausen oder brausen der Ohren zu vertreiben: Nimm bereiten Pfefferkümmel/ bereiten Coriander/ jedes ein Loth/ Fenchelsamen/ Muschatenblüht/ Jngber/ Cubeben/ Beningnen/ Rosenwurtzel/ jedes ein halb loth/ Cardamömlin/ Zimmatrinden/ jedes i.quintlein. Solche stück vermische durcheinander/ stosse die zu Pulver/ unnd schlahe sie durch ein härin Sieblein/ thue darzu gestossenen Fein Zucker/ vermische es wol durcheinander/ behalts in einen büchsslein oder Schächtlein zum gebrauch. Darvon nimb täglich ein stundt vor dem Abendtessen/ oder wann du zu Beth gehen wilt so viel man mit dreyen Fingern fassen kann. Unnd wann du es heut vor dem Nachtessen gebrauchet hast/ so brauch es Morgen wann du schlaffen gehen wilt/ unnd wechsel je also einen Tag umb den andern ab.
    Man braucht den Römischenkümmel heutiges Tages sehr in den Speisen gleich wie den Pfeffer/ daher er auch den Namen Pfefferkümmel uberkommen hat. Etliche kochen diesen Samen zu Pulver gestossen bey den Erbisbrühelein unnd Raumsüplein. Andere vermischen den mit dem Brotteyg im backen/ welches ja nützlich und wolgethan ist/ dann er zertheilet alle Bläst und windigkeit im Leib/ er löset ab den zähen dicken Schleim/ vertreibt den unlust dess Magens/ bringet ein guten Appetit zur Speiss. Die jenigen aber die diesen täglich in der Speise geniesen/ die bekommen ein bleyche Farb/ welches nicht allein die Erfahrung unnd gewisse AUTHORES bezeugen/ sondern PLIO.LIB.20.CAP.14&15. bestätiget solches mit einer Histori. Wann man aber den bereyten Kümmel also wie gemeldt in der Speise gebraucht/ darff man sich dessen desto weniger befahren.
    Dieweil wir nun hiebevor auch dess bereyten Kümmels offtermals gedacht haben/ haben wir es für eine Notturfft geachtet/ wie der bereytet werden soll/ hie an diesem Ort anzuzeigen. Man sol nemmen ein gut theil guten Römischen oder Apulischen Pfefferkümmel/ den von den Stielen und Staub wol reynigen/ darnach in ein steinen Geschirr thun/ ein guten scharpffen Weinessig darüber schütten/ und xxiiii.stundt also verdeckt stehen lassen/ darnach sol man den Essig abschütten/ unnd den Kümmel in ein jrrden oder blechine Schüssel thun/ und also sittiglich bey einer glut/ oder aber auff einem Stubenofen lassen trucknen unnd dürr werden/ denselben darnach besonder zu dem Gebrauch der Artzeney und Speiss auffheben.
    Ein gute Artzeney zu den Rossen die dämpffig unnd Hertzschlechtig seyndt: Nimb Römischenkümmel anderthalb loth/ Fenchelsamen i.loth/ Galgan/ Näglein/ Jngber/ jedes iii.quintlin/ Saffran ein halbes quintlin. Stoss diese stück zu Pulver/ und schlage frische Eyer darzu/ temperier es durch einander wie ein Brey/ darnach zertreib denselben mit Wein so viel gnug ist/ dass es dünn werde wie ein Brühe/ mach es warm unnd schütt es dem Gaul eyn. Ehe du aber solche Artzeney brauchest/ soltu dem Rossz ein halben Tag zu vor kein Futter geben/ unnd auch ein halben Tag darnach. Wann du nun jhme es also eyngeschüttet hast/ so führe es allgemächlich hin unnd her/ ubereyle es nicht dass es sich zu viel bewege/ damit es die Artzeney nicht widerumb von sich schütte. Schlitz jme auch die Nasslöcher ein wenig auff/ dass es den Athem desto leichter an sich ziehen unnd wider von sich geben möge/ so wird dem Rossz geholffen.

Von dem Eusserlichen Gebrauch dess Römischen Kümmels
   Roemischen Kümmel mit gleichem theil Wermuths mit Wein gestossen/ den Safft darnach durch ein Tuch durchgetruckt/ und mit darinn genetzten leininen Tüchern widerumb ein wenig aussgetruckt/ und warm uber das Haupt geschlagen unnd darumb gewunden/ vertreibt das Hauptwethumb von Schlägen oder Fällen/ unnd ist ein gewiss Experiment. Oder nimb sechs loth gestossenen Römischenkümmel/ zwey loth zwey loth gestossenen Saltz/ vi.loth rohen Honig/ und vier loth Terpentin/ mische es alles uber einem linden Fewerlein durcheinander/ so wirdt eine Salbe darauss/ die leg dem Krancken warm mit Tüchern uber den Schaden/ so wirdt jhme geholffen.
    Pfefferkümmel zu Pulver gestossen und mit Essig zertrieben unnd temperiert wie ein Sälblein/ darmit die Stirn angeschmieret/ vertreibt den Schwindel.
    Pfefferkümmel zwey theil mit einem theil groblecht zerstossenen Lorbeern/ in ein leinen Säcklein eingerieben/ darnach auff einem heissen Ziegelstein gewärmet/ unnd also warm auff das Haupt gelegt/ dienet wider den kalten Hauptfluss/ Darzu dient auch der Rauch von Römischenkümmel/ den Kümmel auff glüende Kolen gelegt/ unnd in die Nasen empfangen/ dessgleichen auch der Dampff vom gesottenen Kümmel.
    Pfefferkümmel zu Pulver gestossen/ unnd mit Baumölen vermischt/ in die Ohren geträufft/ zertheilet das gerunnen Geblüt darinn.
    Römischenkümmel gestossen/ mit frischem Butter unnd warmem Wasser vermischt/ unnd warm in die Ohren geträuffet/ vertreibet das Saussen derselben/ unnd zertheilt die Wind darin.
    Römischenkümmelsafft mit Honig vermischt hilfft/ denen so dess Nachts nicht gesehen können/ die Augen etlich mal damit bestrichen.
    Römischenkümmel zu Pulver gestossen/ mit Rauthensafft vermischt/ unnd ein Baumwoll darinn genetzet/ unnd uber die Augen warm gelegt/ zertheilt und vertreibt das gerunnen Blut in den Augen. Oder Römischenkümmel gepülvert mit Eyerdottern vermischt/ unnd zum offtermal warm wie ein Pflaster ubergelegt. Oder nimb ein Eyer/ mach ein Löchlein dareyn/ lasse das Weiss sittiglich herauss/ fülle die Schaal darnach mit gestossenem Pfefferkümmel wider zu/ rühre es wol mit dem Dotter durcheinander/ Lass darnach sittiglich in einer heissen Eschen braten biss das Eye hart wirdt/ darnach spalts entzwey mit den Schalen/ und leg eines nach dem andern/ so warm es zu leiden ist/ uber das Aug.
    Ein anders: Nimb Römischenkümmel zu Pulver gestossen/ der zu vor geröscht unnd doch nicht gebrannt ist/ vermisch damit ein Eyerweiss oder zwey/ nach dem du viel machen wilt/ unnd reib ein Brosam Rockenbrodts darzu/ so viel genug ist/ das es werde wie ein Pflaster/ das streich auff ein Tuch und legs warm uber/ das erfrisch so offt es trucken wirt/ du geniesest.
    Ein anders: Backe gestossenen Kümmel mit Rockenbrodt wann es gebacken/ so schneidts entzwey so bald es auss dem Ofen kommet/ unnd halts warm für die Augen/ unnd streiche die Feuchtigkeit die darvon kommet/ seuberlich mit einem zarten leininen Tüchlein ab.
    Römischenkümmel in dem Mund gekeuwet/ und den Athem under die Augen geblasen/ macht dieselben klar und lauter.
    Römischenkümmel zu einem reynen subtielen Pulver gestossen/ und mit Eyerweiss temperiert und ein Augenwasser darauss gemacht/ darnach in die Augen gethan/ ist ein gewisse hülffe wider das jucken und beissen der Augen.
    Das Augenwehe den Hünern zu vertreiben/ nimb Pfefferkümmel reyn gestossen/ Salmiax und Honig/ jedes gleich viel/ dass stoss zusammen/ unnd schmier den Hünern die Augen darmit/ lasse sie darauff im Schatten gehen.
    Römischenkümmel im Mundt nüchtern gekeuwet/ vertreibt die Streichmasen under den Augen unnd auch andersswo mit dem Speichel darauff gelegt. Oder Römischenkümmel mit Honig und kleinen Roseinlein durcheinander gestossen und wie ein Pflaster temperirt/ folgends ubergelegt.
    Pfefferkümmel zu Pulver gestossen und mit Honig zu einem Pflaster temperiert/ vertreibt die blawen Mähler unnd das undergerunnen Blut under der Haut ubergelegt.
    Ein anders: Nimb gepülverten Pfefferkümmel nach deinem gefallen/ vermisch den mit Wermuthsafft/ Rettichsafft und Myrtenöle unnd Chamillenöle/ jedes gleich viel/ so viel genug ist/ dass es werde in der dicke wie ein Pflaster/ das streich dann auff ein Tuch/ und legs darüber.
    Römischenkümmel groblecht zerstossen/ und mit Wein vermischt unnd gebeytzet/ folgendts in einem Säcklein warm uber die Augen gelegt/ vertreibet die Flecken darin.
    Römischenkümmel mit Essig gestossen unnd daran gerochen oder Meyssel darinn getunckt und in die Nasen gestossen/ wehret das Nasenbluten von stundt an.
    Gestossenen Pfefferkümmel mit gutem Weinessig zu einem Sälblein temperiert/ vertreibet die Flecken dess Angesichts/ dieselben offtermals damit bestrichen.
    Ein leinen Säcklein mit Römischenkümmel/ Saltz unnd ungestamfftem Hirsen halber gefüllt/ und warm auff die Cron unnd Scheydel dess Haupts gelegt/ stillet gewaltig die Flüss/ und verhütet das Zanwehthumb/ das von Flüssen seinen Ursprung hat.
    Vor das Zanwehe ein gute Artzeney: Nimb gestossenen Pfefferkümmel so viel du mit dreyen Fingern fassen magst/ Myrrhen einer Bonen gross/ dess innern Marcks von den Springkürbsen oder Eselscucumern zweymal so viel/ stoss wol durch einander/ das es werde wie ein Teyglein/ mach kleine Zäpflein darauss mit Weibermilch/ steck die in die Nasslöcher/ lass sie auff ein halb oder drey viertheil Stundt darinn/ darnach ziehe sie herausser/ unnd schneutze dich weydlich darauff. Diese Artzeney hilfft auch wider den Schmertzen der Ohren/ gleicherweiss gebraucht.
    Ein gut heylsam Pflaster wider das Halssgeschwer/ ANGINAM genant: Nimb Pfefferkümmel ii.loth. Frischen grünen wermuth klein gestossen/ Gerstenmeel/ jedes i.loth/ weissen Hundtsdreck vi.loth. Stoss den Kümmel unnd Hundtsdreck zu einem reinen Pulver/ und misch alle gemeldte Stück durcheinander/ temperiers mit Honig so viel gnug ist/ dass es ein Pflaster werde/ das streich auff ein Tuch/ und legs ausswendig umb den Halss/ so warm es zu leiden ist. ANTONIUS MUSA räthet dass der bereite Römischkümmel zu dem Halssgeschwer sol vor den rohen genommen werden/ dann er in solchem fall bequemer und dienlicher sey.
    Römischenkümmel mit Feygen und Fenchelsamen in Wein gesotten/ unnd die durchgesiegene Brühe in Mundt gehalten/ so warm die zu leiden ist/ miltert unnd vertreibt die Geschwulst dess Guminen und dess Halss.
    Pfefferkümmel gestossen/ mit Honig und süss Mandelölen vermischt/ vertreibet die heissere der Brust/ wie ein Pflaster auffgestrichen/ und ubergelegt.
    Pfefferkümmel zu Pulver gestossen/ unnd mit Essig temperiert wie ein Sälbelein/ vertreibt unnd mindert die uberflüssige Milch/ den Weibern die Brüst damit angestrichen.
    Pfefferkümmel mit Wasser wol eingesotten/ unnd in der Brühen gestossenen Saffran zertrieben/ leinen Tücher darin genetzt unnd den Weibern uber die Brüst gelegt/ verhütet dass die Milch nicht gerinn oder zusammen lauffe.
    Vor das Kotzen unnd Brechen dess Magens/ mach ein Säcklein einer halben Elen breit unnd lang/ fülle das halber mit Römischenkümmel/ zertheile denselben gleich/ und reihe den Sack mit einem Faden/ dass der Kümmel nit zusammen lauffe/ darnach siede den Sack in starckem Weinessig/ truck jhn darnach mit zweyen Brettern hart auss/ unnd lege den so warm uber den Nabel/ als du es erleiden magst/ und so der Sack kalt wird/ so wärm den wider in der vorigen Brühen oder Essig/ unnd legs wie zuvor uber/ das thue so lang biss du hülff befindest. Oder mach vier leinine Säcklein ein jedes einer Spannen lang und breit/ füll ein jedes Säcklein halber mit Kümmel/ und reihe sie mit einem Faden wie oben gemeldet/ die lass sieden in gutem Weinessig/ unnd binde ausswendig auff jede Handt ein Säcklein/ so warm du es erleiden magst/ dessgleichen auch auff beyde Reihen der Füss/ auff jeden Fuss auch eins/ Und wann sie kalt werden/ so wärme sie wider in der vorigen Brühen/ und legs wie zuvor uber.
    Römischenkümmel unnd Poleyenkraut jedes gleich viel in Weinessig gesotten/ unnd den Magen eusserlich mit einem Schwammen in der gemeldten Brühen genetzt/ unnd warm damit gebähet/ legt das auffblähen unnd beissen dess Magens. Man mag auch ein Säcklein von gemeldten Stücken machen/ darnach wie oben gemeldt reihen/ darnach in Essig sieden/ und so warm es zu leiden ist/ uberlegen. Oder nimb Römischenkümmel in Wein unnd Baumöle gesotten biss sich der Wein verzehrt/ darnach durchgesiegen/ und ein Filtz darinn genetzt/ widerumb aussgetruckt/ unnd also warm auff den Magen gelegt.
    Vor den Schmertzen dess Magens: Nimb Römischenkümmel/ Anisssamen/ Balsammüntz/ Nardensamen/ jedes i.Loth. Stoss diese stück zu einem reinen Pulver: Nimb darnach ein Röckenbrodt dünn geschnitten/ machs warm auff Kolen/ bestreichs mit Honig/ reib darnach von dem gemeldten Pulver darein/ und legs warm uber den Magen.
    Zu dem blöden Magen denselben zu stercken/ auch den Unwillen und Kotzen desselben zu legen: Nimb die Rinde von einem guten Brodt/ bestreuwe sie mit gestossenem Pfefferkümmel/ und lege es warm auff den Magen/ das bringet jhnen wieder zu recht.
    Das die Brüst den Weibspersonen nicht gross wachsen/ so nimb rein gestossenen Römischenkümmel/ mach ein Brey darauss mit Wasser/ unnd legs wie ein Pflaster uber die Brüst/ auff das Pflaster leg ein grossen Schwammen in Essig genetzt/ unnd bindt es dass es liegen bleib/ uber drey Tag thu das Pflaster hinweg/ unnd leg Lilienzwibeln mit Honig gestossen wider iii.Tag Pflastersweiss uber die Brüst/ unnd thu das dreymal nacheinander in einem Monat.
    Römischenkümmel gepülvert/ mache darauss ein Pflaster mit Rosenwasser/ und schlags uber die Brüst/ das macht die langen hangenden Brüst steiff. So man an statt dess Rosenwassers gedistilliert Wasser von Eycheln/ oder aber Eychöpffelwasser nimpt/ so wirdt die Artzeney kräfftiger.
    Römischenkümmel zu Pulver gestossen/ unnd mit Rindsgallen temperirt unnd wie ein Pflaster uber den Nabel gelegt das treibet auss die Würm von den Menschen/ und ist auch ein gute Artzeney vor die jungen Kinder.
    Römischenkümmel zu Pulver gestossen/ unnd ein wenig Senffmeel darunder gemischt darnach ein Tuch genommen und es in Baumölen genetzt/ darnach das Pulver darauf gezedelt/ unnd uber den gantzen Bauch geleget/ das treibet die Würm hinweg.
    Vor das Rumpeln und Brodeln dess lauffenden Wassers umb das Miltz: Nimb Pfefferkümmel zwo handtvoll/ Keuschbaumsamen oder Münchspfeffer/ Weinrauthensamen/ jedes iiii.loth. Stoss diese stück groblecht und mach zwey gerigener Säcklein darauss/ deren wärme je eines umb das ander auff einem heissen Ziegelstein/ unnd legs ausswendig auff das Ort da du das brodeln fühlest/ es zertheilets unnd hilfft wunderbarlich.
    Vor den Weissfluss der Weiber: Nimb Pfefferkümmel/ weissen Weyrauch/ Wecholder GUMMI SANDARA( )A genannt/ Mastix/ Muschatenblüth/ jedes gleich viel. Stoss die stück zu einem Pulver/ und schlags durch ein härin Sieblein unnd behalts. Wann du es nun brauchen wilt/ so lass erstlich dem Weib die Lenden wol schmieren mit Honig/ darnach zedel das gemeldte Pulver darauff/ streichs ein wenig dass es wol an dem Honig hangen bleibe/ Folgendts bindt ein Tuch darauff/ dess Nachts wann du wilt Schlaffen gehen/ unnd thu das zehen Nacht nach einander/ du wirst hülff befinden.
    Vor die Auffblähung der Mutter: Nimb gepülverten Römischenkümmel drey quintlein/ Bergsaltz i.quintl. Korbfeygen marck anderthalb quintlein/ Stoss diese Stück durcheinander/ und mach ein Mutterzäpfflein darauss/ in ein leinen Tüchlein eingenehet/ das netz in Weibermilch/ unnd lass das Weib zu sich in die Mutter thun.
    Vor den Schmertzen der Mutter nach der Geburt: Nimb Römischenkümmel iii.loth/ Chamillenblumen/ Foenugreck/ Leinsamen/ jedes ii.loth. Alle diese Stück stoss zu einem reinen Pulver/ thu noch ferner darzu zwey loth Bonenmeel/ frischen ungesaltzen Buttern iii.loth/ Hünerschmaltz ii.loth. Vermisch diese Stück alle durch einander/ unnd mach ein Pflaster daraussmit gnugsamen Jasminveiel oder Veielräbenöle/ das streich auff ein Tuch und legs warm uber den Leib.
    Ein ander herrlich gut Pflaster zu gemeldtem Gebresten: Nimb gepülverten Römischenkümmel vi.loth/ hartgesottener oder gebratener Eyerdotter. Stoss diese Stück in einem Mörser wol durcheinander/ und geuss von Lilien unnd Dillenöhle im stossen sittiglich zu/ so lang biss es ein weich Pflaster wirdt/ das leg auff ein Tuch gestrichen warm uber den Bauch.
    Nachgeburt ausszuführen: Nimb gepülverten Pfefferkümmel/ dess Marcks von Meertreubel oder Rosein/ Kübelhartz oder Pinhartz/ Terpentin/ schaumechtig Ritersaltz/ jedes dritthalb quintlein/ das Hartz und Terpentin zerlass/ thu die andern Stück dazu/ und mach mit gnugsamem Honig einen Teyg darvon/ darauss bereit Mutterzäpflein/ darvon lass das Weib eins zu jhr thun in die Mutter.
    Römischenkümmel in ein Säcklein gethan/ in Wein gesotten/ unnd offtermals warm uber die Schlossz gelegt/ das bekompt wol zu den unfruchtbarn erkalten Weibern.
    Ein gute Artzeney von Kümmel vor die Schlauch unnd auch windige Wassersucht: Nim gepülverten Römischenkümmel xii.loth/ gepülverten Maieran vi.loth/ gepülvert Betramwurtzel iiii.loth/ Meisterwurtzel gepülvert ii.loth/ die Brosam von Rockenbrodt xlviii.loth. Zu diesen stücken nimb so viel Weinmeth als du bedarffst/ stoss wol in einem Mörser durcheinander das es wird wie ein Pflaster. Mit diesem Pflaster soltu den gantzen Rückgrad und Bauch biss an die Brust unnd Scham auff ein Tuch gestrichen bedecken/ und solches je uber den andern Tag hinweg thun/ unnd ein frisches aufflegen/ das soltu einmal fünff oder sechs thun.
    Ein ander Artzeney von Kümmel vor die Schlauch Wassersucht: Nimb geröschten Römischenkümmel/ geröschte Kleyen/ jedes drey Handtvoll/ Rehgeyssen Dreck der gedört ist/ Ritersaltz/ jedes ii.Handtvoll. Stoss solche stück/ unnd wann sie gestossen/ so befeucht sie mit gutem gebranntem Wein/ lass wider trucknen/ dann stoss wider/ befeucht es zum andernmal mit gebrantem Wein/ lass wider trucken werden/ darnach stoss wie zuvor/ das thu einmal fünff oder sechss/ darnach stoss es zu einem reinen subtielen Pulver/ schlags durch ein härin Sieblein/ das incorporier darnach mit Honig unnd Menschen Harn/ so viel genug ist/ dass es werde wie ein Pflaster/ dasselbig streich auff ein Tuch/ und legs warm auff den gantzen Bauch/ so es trucken wirdt so leg ein frisches auff/ das thu so lang biss du besserung empfindest.
    Bereytenkümmel mit Essig wie oben gelehret ist/ in einer Pfannen geröschet/ oder uber einer Glut heiss gemacht/ unnd darnach in ein leinen Säcklein gethan/ solches also warm es zu leiden ist/ uber den Leib oder bauch gelegt/ miltert den schmertzen und reissen der därm/ in der ruhr und andern bauchflüssen.
    Vor den Zwang und schmertzliche gelüst zum Stuel in der roten Ruhr oder andern Bauchflüssen: Nimb Römischenkümmel/ Kübelhartz/ Wachs/ jedes gleich viel. Zerschneid und zerbrich das Wachs und Hartz/ vermisch die darnach mit dem Kümmel/ leg darvon auff ein Glut in einem heimlichen Gemachstuel/ und lass den Rauch davon zu dir in den Afftern gehen/ das thue offt/ es hilfft wol.
    Bereiten Pfefferkümmel zu Pulver gestossen/ und mit weichem Storax so viel von nöten ist ein Pflaster darauss gemacht/ darnach darvon auff ein Tüchlein gestrichen/ und auf den Afftern gelegt/ hilfft auch wider den Zwang dess Stuelgangs in allen Bauchflüssen. Ehe man aber gemeldt Pflaster aufflegt/ were es rathsam dass man den Afftern zuvor mit Wein/ darinn Wollenkraut gesotten worden ist/ gebähet hette.
    Römischenkümmel in ein leionen Säcklein eingeriegen/ in Wein gesotten/ darnach mit zweyen Brettern aussgetruckt/ und so warm es zu leiden ist/ uber den Nabel und Bauch gelegt/ das vertreibt den Kaltseich/ und den Schmertzen und andere Gebresten der Blasen.
    Römischenkümmel zu Pulver gestossen/ und mit Wermutsafft temperirt/ zertheilet das gerunnen Blut/ von Fallen oder Schlägen verursachet/ wie ein Pflaster uber die beschädigten Ort gelegt.
    Pfefferkümmel in Wasser gesotten/ und die Podagrische oder gliedsüchtige Glieder darinn gebadet/ oder mit dieser Kochung gebähet/ miltert den Schmertzen derselben.
    Pfefferkümmel/ Mastix mit dem GUMMI AMMONIACO, jedes gleich viel durch einander vermischt/ und mit dem Schleim von Psiltensamen/ wann er gantz in Wasser geweicht wird/ ein Pflaster darauss gemacht/ also dass man gemelte Stück in einem Mörser wol durch einander stosse/ Darnach auff Tüchlein darvon auffstreiche/ unnd legs uber die vier Pülss an Händen und Füssen/ ein Stund zuvor/ ehe einen das drittägig Feber anstosse/ so wird das Feber hinweg genommen/ so man das etliche mal thun wird.
    Vor die schwartzen zerknitschte Nägel/ mach folgend Pflaster: Nimb gepülverten Pfefferkümmel/ gepülvert COSTUS Wurtzel/ new Wachss/ Entenschmaltz/ jedes so viel genug ist. Zerlass das Wachss mit dem Schmaltz/ darnach rühr die Pulver darein/ böre es wol durch einander/ legs darnach uber den Schaden.
    Römischenkümmel gestossen/ mit Knoblauchhäuptlein/ sampt derselben Häutlein/ heylet die Bissz der Zissmeuss wie ein Pflaster uber den Schaden gelegt.
    Vor den Schmertzen der Gemächt: Nimb bereiten und gepülverten Römischenkümmel/ new Wachss/ Honig/ Rosenöl
    jedes ii. oder iii.Loth/ zerlass das Wachss/ Honig unnd Oele durcheinander uber einem linden Kolfewerlein/ darnach rührden Kümmel darein/ und lass kalt werden/ darnach streich darvon auff ein Tuch/ unnd legs uber die Gemächt/ es hilfft sehr wol.
    Ein anders: Nimb gepülverten Pfefferkümmel/ Bonenmeel/ klein Roseinlein/ jedes drey Loth/ gepülverten Saffran ein drittheil eines quintleins/ vermisch es durcheinander in einem Mörselstein/ und mach mit genugsamem Honig ein Pflaster darauss/ unnd streichs auff ein Tuch/ darnach legs warm uber.
    Römischen Kümmel und Bonenmeel/ jedes gleich viel mit gnugsamem Honig zu einem Pflaster temperirt/ und auff ein Tuch gestrichen/ warm ubergelegt/ benimpt die Geschwulst der Gemächt. Oder gepülverten Römischen Kümmel/ mit kleinen Roseinlein gestossen/ und darnach wie ein Pflaster ubergelegt.
    Ein anders: Nimb gepülverten Pfefferkümmel/ Bonenmeel/ jedes vi.loth/ gepülvert Cypressennüss ii.loth. Seud solche Stück mit Wein zu einem Brey/ darnach legs auff ein Tuch auffgestrichen warm uber wie ein Pflaster.
    Vor die Geschwulst der Füss: Nimb gepülverten Römischenkümmel/ Ritersaltz/ jedes ii.Loth/ machs zu einem reinen Pulver/ darnach schmier die geschwollenen Füss mit Hartrigelblumen Oelen/ und reib von dem Pulver wol darein.
    Den Pferden oder Rossen ein guten Huff zu machen: Nimm gepülverten Pfefferkümmel vier Loth/ newes Wachs ii.Loth/ Hartz/ Terpentin/ Klauwenschmaltz/ jedes i.Loth/ Schäffin Unschlit ii.Loth. Zerlass alle Stück durcheinander/ aussgenommen den gepülverten Kümmel/ den rühr zum letzten dreyn und mach ein Hornsalb darauss/ darmit schmier das Horn under dem Saum her/ wann der Huff trucken ist.
    Dass die Tauben nicht hinweg fliehen/ gib jhnen Römischenkümmel mit Linsen/ in Hongwasser geweicht zu essen/ Wann sie dann schon aussfligen/ so kommen sie doch wider. Etliche geben allein Pfefferkümmel zu essen ungeweycht/ ehe sie aussfliehen.
    Pfefferkümmel in Wasser gesotten/ und mit demselben die Gemach begossen/ vertreibet die Flöh.
    Ein Rauch von Römischem Kümmel in den Kammern gemacht/ vertreibet die Schnacken und tödtet sie.
    Römischen Kümmel in Mundt gekäuwet/ und mit dem saft den er gibt/ das Angesicht/ die Hände und andere Glieder darmit gesalbet/ verhütet dass einen die Schnacken nicht stechen. Jtem/ so man die Fenster/ Wände und die Thüren der Gemach/ mit dem Wein darinn Kümmel gesotten/ besprenget/ so kommen sie nicht in dieselbigen Gemach/ von wegen dess Geruchs/ so jhnen gar zu wider ist.

Römischen Kümmelwein
CYMINITES

    Wiewol der Wein vom Römischen Kümmel bey uns sehr wenig im Brauch ist/ auch bey dem DIOSCORID nicht gedacht wirdt/ Aber doch bey dem MARCELLO EMPIRICO unnd NICOLAO MYREPSO höchlich gelobt wird/ und jhr keiner aber denselben wie er bereitet werden soll/ einige meldung gethan/ so haben wir nicht underlassen wöllen/ seine Description auss dem DIOSCORIDE wie er sonst andere Wein von Samen zu machen pflegt/ hieher zu setzen/ darmit man diesen heylsamen Wein/ auch in der Noth zu gebrauchen hette: Man nimpt dess bereiten Pfefferkümmelss/ gestossen/ durch ein Sieb geschlagen/ unnd in ein Leinin Tüchlein oder Säcklein gebunden xviii.Loth/ das schencket man in lxxx.Pfundt/ das ist/ xv Elsasser Mass neuwes Mosts/ und lessets darüber verjähren. Aber auff unser weiss die Kreuterwein einzumachen/ ist es besser dass man das Säcklein mit dem gestossenen Samen in ein Fässlein mit Häselen/ Hanbüchen oder Eschernen Spähnen einschlag/ darnach mit gutem Most zufülle/ und also verjähren lasse/ so wird er bald lauter/ da kann man uber Jahr darvon trincken/ den soll man aber nach zweyen oder dreyen Monaten ablassen/ und verwahren wie oben von Wermuthwein gelehrt ist worden/ darmit er nicht zähe und sawer werde/ oder gar verderbe.
    Die Alten und obgemelten Lehrer/ haben diesen Wein höchlich gelobt/ wider den Schmertzen dess Hertzens/ dess Magens und dess Miltzes/ dessgleichen vor das schwerlich Harnen unnd den Lendenstein. Er mag aber auch wol zu allen innerlichen Kranckheiten/ wie oben vom Kümmel erzehlt/ nützlich gebraucht werden.

Gedistillirt Römisch Kümmelöle
CYMINI OLEUM STILLATITIUM

    Auss dem Römischen Kümmel distillirt man auch ein heylsames Oele/ auff nachfolgende Weiss: Nimb ein grossen küpfferin oder aehrinen Hafen oder Cucurbit/ die auff zwölff oder vierzehen Mass haltend/ füll den mit halb Wein und Wasser biss auff den drittentheil/ Wirff den Kümmelsamen groblecht gestossen darein/ unnd lass es also sechs oder sieben Stund wol verdeckt mit einander erbeytzen. Darnach setz einen Helm darauff/ und verstreich den Ranfft mit LUTO SAPIENTIAE geheb zu/ lass das Wasser wol sieden und auffbrodeln/ so steigen die oelechtigen SPIRITUS mit dem Dampff dess Wassers ubersich in den Helm$und darvon steigen sie darnach herab durch das Rohr$welches zwerchs weiss durch ein Thonn mit kaltem Wasser angefüllt$gehet$und undersich in das RECEPTACULUM oder fürgesetzt Glass distillirt$unnd werden also zum theil zu Oele verwandelt/ welches man hernachmals in den digerit Ofen mit einem silbern Löffel absondern und scheiden soll/ wie wir in unserm Distillirbuch weiter darvon Underweisung gethan haben.
    Dieses Oel wird heylsamlich zu allen jnnerlichen Kranckheiten/ darvor der Kümmel selbst dienlich ist/ gebraucht mit anderen bequemen gedistillirten Wassern/ oder aber mit Wein. So kann solches auch nützlich mit Latwergen/ Syrupen/ Täflein und andern Artzeneyen vermischt werden/ welches wir den erfahrnen MEDICIS wöllen befohlen haben.

Täflein von Römischem Kümmel/ oder Kümmelküchlein
DIACUMINUM genant

    Es wird in allen wolgerüsten Apotecken heutiges Tags ein Confect von Römischem Kümmel bereitet/ welches DIACUMINUM oder DIACYMINUM von den MEDICIS genannt wird/ Teutsch Kümmel Confect oder Kümmeltäflein/ das sehr zu nachfolgenden Kranckheiten im Gebrauch ist. Es stärcket unnd erwärmet den kalten blöden Magen/ Leber/ Miltz/ Mutter unnd alle jnnerliche Glieder/ Vertreibet den Klux von Wind/ Kält oder Uberfüllen verursachet/ ist sehr ein bequeme Artzeney den jenigen/ so den Harn nicht wol halten können. Es eröffnet die Verstopffung der Lebern unnd Miltzes/ hilfft den Kindbetterinnen/ die Nachwehen haben/ unnd ist eine heylsame Artzeney denen/ so den Magen erkaltet haben/ von kalten Fischen/ Cucumern/ Melonen/ oder anderm kalten Obss/ Kompt auch denen zu hülff/ die Schwäm gessen haben. Dieses Confect zertheilet die Winde dess Magens unnd der Därm/ es bessert die Däuwung/ unnd kommet den Därmgichtigen und denen so das Krimmen haben zu hülff. Es vertreibet die windigen Bläst der Mutter/ und zertheilet sie/ und ist kaum ein heylsamere Artzeney den schwangern Weibern zu geben/ die von den windigen Blästen geplagt werden/ als eben dieses Confect. Sie stärcken den Magen/ unnd das gantze Eyngeweide nach dem purgiren/ unnd widerbringen die Gesundheit/ so von kalter Entrichtung geschwecht worden ist. So einer von garstigen Nüssen oder Haselnüssen den Magen verletzet hette/ und ölechtige Röpsen und Auffstossen desselbigen dardurch erzeugt worden werend/ der niesse diese Täflein/ er geniesset unnd bringet den Magen wider zu recht. Dieses Confect ist sehr dienlich wider den Schmertzen dess Bauchs/ von Kälte und groben Blästen verursacht/ oder aber von grobem Schleim der sich im Magen gehäuffet hat/ dessgleichen wider das sauwer Röpsen unnd Auffstossen dess Magens. Es dienet auch gemelt Kümmel Confect/ wider den kurtzen Athem und Keichen/ auch vor das Seiten stechen von windigen Blästen verursacht.
    Es bringet wider den verlornen Appetit/ und kompt denen zu hülff/ die die Speiss nicht abdäuwen können. Es vertreibt auch die Geschwulst der Leber. Zu allen obgemelten Gebresten mag man dess Morgens nüchtern/ dessgleichen auch dess Abends ein paar Stunden vor dem Nacht Jmbiss/ ein Küchlein oder drey essen. Alle die jenigen die ein blöden geschwechten Magen von kalter Entrichtung haben/ die sollen alle Morgen nüchtern ein Kümmeltäflein oder drey essen/ das wird jhnen den Magen erwärmen unnd wider zu recht bringen.
    Römisch Kümmelpulver/ darvon man das Confect DIACYMINUM macht/ in den Apotecken SPECIES DIACYMINI genannt/ ein quintlein mit gutem fürnenem Wein/ Malvasier oder Spanischen Wein zertrieben unnd warm getruncken/ kompt denen zu hülff/ die giffte Schwämm gessen haben. Dessgleichen auch denen/ so mit kalten Fischen/ kalten Früchten/ als Cucumern/ Melonen unnd dergleichen/ den Magen erkältet und verderbet haben/ gleicher gestalt genützet. So auch einer wüst unnd faul/ böss Wasser hette getruncken/ der nemme die obgemelte Artzeney eyn/ es bringet jhn wider zu recht. Gemelte Artzeney gleicher gestalt gebraucht/ vertreibet den Kindbetterinnen das Krimmen der Mutter/ und ist darzu ein sonderliches erfahren Stück.