2 / 008-013

KRONEN-LICHTNELKE

VEXIERNELKE (Marzell)

Lynchens coronaria

 


 

VON MÄRGENRÖSSLEIN.

 

            Es schreibet LOBELIUS in seinen ADVERSARIIS NOVIS, daß die Märgenrößlein von den Alten seyen genennet werden/ LYCHNIDES QUASI LUCIDI & LUCULENII FLORES: Unnd LYCHNIDES CORONARIAE, dieweil man jhre schöne Blümein zu den Kräntzen gebrauche. Er schreibet sie also: l. Jhre Wurtzeln sindt lang und in viel Zaseln abgetheylet. ll. die Blätter lind unnd weych etwas under sich hangendt/ doch dick unnd wollecht/ an der größ gleich den Salbeyblättern. Die grauwe oder härig weiße Stengle wachsen rund in die höhe/ mit vielen Gleychen underschieden an den Stengeln entstehn viel Zweiglein/ auff welcher Gipffel rauche streiffende Knöpfflein/ gleich den Raden oder PSEUDOMOLANDIO ankommen/ darauß die schöne Blümlein herfür schlieffen/ mit Rosen oder roten purpurfarben Blätlein gezieret/ gantz lüstig unnd lieblich anzusehen. Mit welcher Beschreibung die zwey erste Geschlecht der Märgenrößlein mit den weissen unnd roten Blumen am meisten ubereinkommen. (Man findet sie auch mit leibfarben Blumen/ welche etwas wolriechen. Also auch mit gefüllten Blumen in den Gärten/ Auß eyner jeden Blumen/ wann sie vergangen ist/ wirdt ein Magsamen Köpfflein/ oben aussen spitzig wie ein kleine Eychel/ darin ist Eschenfarber Samen/ wie der Bilsensamen.)

            lll. Das dritte Geschlecht die Zinoberrösslein/ beschreibet DODONAEUS, daß sie haben lange Wurtzeln/in viel kleine Nebenwurtzeln zertheilet/ am Geschmack etwas bitter/ seine rauche Stengeln seyen bey nahe zweyer Elenlang/ dünn und hol/ mit etlichen Gleychen abgetheilet/ daran zwey langlechte spitzige rauche härige Blätter gesetzet/ an Farben schwartz grün: Oben an den stengeln stehen viel zusammengesetzte Knöpfflein/ darauß (im Brachmonat und Hewmonat) die schöne Blümlein gleich den Ringelblumen herfür kommen gantz ohne Geruch: (so Zinober farb sind/ etliche gelb wie die Ringelblumen: Zu zeiten schneeweiß.) Der Same ist etwas schwartz in langen spitzigen Hülßlein verschlossen. (Dessen findet man zwey Geschlecht/ allein in der grösse underscheiden.)

            lV. Das vierdte Geschlecht wirdt Pflaum Märgenrößlein genennt/ dieweil es an den Gipffeln der Stengel weißlechte runde gestreiffte Knöpfflein uberkommet/ an welchen ein wollechte oder pflaumlechte Blüt erscheinet: Jst ein starckes auffrechtes Gewechs mit einem runden Knodechten Stengel/ je mit zweyen Blättern besetzet.

            V. Das fünffte Geschlecht die Raden/ haben lange/ schmale/ spitzige Bletter/ einen runden rauhen stengel wie die Blätter/ fast Elen lang/ an welches Gipffel dunckele Purpurfarbe Blumen wachsen/ gleich den zahmen Märgenrößlein/ doch kleiner ( und ohne Geruch:) Der Same ist in langen Hülßlein oder Köpfflein/ ) schwartz und eines bittern Geschmacks. (Diss Köpfflein gewinnt in der ersten ehe die Blim herfür gehet/ vier oder fünff grüner spitzen/ ist gemeiniglich diß Gewächs ein einziger schlechter Stengel/ mit Nebenästen und Gleichen.) Die Wurtzel ist klein und dünn/ mit wenig Zaseln umbhenckt.

            Vl. Das sechste Geschlecht hat ein dicke zasechte Wurtzel/ darauß viel schmaler Stengel erwchsen/ an welchen weisse oder auch leibfarbe Blumen herfür kommen/ sein Blätter sind rauh und wollecht/ welche sich beynahe dem Wüllkraut vergleichen.

            Vll. Das siebende Geschlecht ist mit Wurtzeln/ Blättern und stengeln/ den gemeinen Graßblumen fast gleich/ allein daß seine Blumen in Ecken getheylet und an Farben Purpurroth erscheinen. (Die Stengel so man sie angreifft bekleben sie/ wegen deß zähen Saffts/ der bey einem jeglichen Gesetz der Blätter erscheinet/ wie dann auch am sechsten.

            Dieses hab ich gefunden in der Hart nicht weit von Otmarsheim: welches viel im Lothringischen Gebürg bey Dachstein in den Bergwiesen gefunden wirdt.)

            Vlll. Das acht Geschlecht hat eine dicke weisse Wurtzel: so mit dreyen/ vier oder mehr spitzigen bleichgrünen Blättern besetzet/ seine Blumen seyn inwendig weiß/ außwendig aber ein wenig Purpurbraun/ nach welchen kleiner/ rundter äschenfarber Same in den Hülßlein erfunden wirdt. (Dieses wächßt in Spanien in CASTILIA in den Fruchtfeldern.)

            lX. Das neundte Geschlecht wächst an grünen Hügeln/ etwan auch neben den Wegen und Zeunen/ hat viel dünne runde Stenglein/ mit Geleichen uunderscheiden: Auß jedem Geleich gehen herfür zwey langlechte Blätlein/ die stehen gerad gegen einander uber/ sindt glat unnd weißgrün/ lindt am Griff: (hat weisse Blumen (die kriechen auß einem holen Säcklein herauß: so die vergehen findet man runde Häfflein jedes einer Erbsen groß mit (einen grawschwartzen Samen/) in den zarten holen Säcklein verborgen: hat) ein lange/ dünne weißlechte Wurtzel (schlecht mit etlichen Fäßlein.)

            (Man findet dz gemelte auch mit grünen Blumen und mit weiß rothen. Noch hat es zwey underschiedliche Geschlecht/ die zwar einander gleich/ allein daß dz ein drauschelichter ist/ und die Blätter nit spitz/ sonder dreyeckicht/wächst viel auff dem Gebürg an dem Stättlein Baor/ bey dem alten Schloß Hohenlandspurg. Dz ander trägt nit nur zwey/ sondern je drey Blätlein gegen einander am stengel/gleich wie der gelbe Weiderich. Dieses hat mir Her DOCTOR NICOLAUS AGERIUS von Straßburg mitgetheilt.

            X. Das zehende hat ein ziemliche dicke Wurtzel mit wenigen Zaseln/ einen runden holen/ Knodechten stengel/ je mit zweyen grünen Blättern umbgeben/ seine Blumen sindt schön roth/ mit fünff zerspaltenen Blätlein: seine Hülsen sind grösser dann der vorigen/ mit einem harten unnd viel gestreifften äschenfarben Häutlein umbgeben/ in welchen ein äschenfarber Same erfunden wirdt.

            Xl. Das eylffte Geschlecht hat ein dicke grobe zasechte Wurtzel/ einen grossen stengel/ lange breitlechte Blätter/ etwas schwartzgrün/ seine Blumen sind roth/ nach welchen ein kleiner schwartzer Same in den Knöpfflein funden wirdt.

            Xll. Deß zwölfften Geschlechts Wurtzel ist grösser unnd dicker dann der vorigen/ auß derselbigen treten herfür viel lange/ runde/ schwache/ knödechtige/ rauhe oder wollechte Stengel/ welche sich nach der Erden lencken/ mit langen weichen wollechten grawen Blättern/ under welchen schöne liechtrothe Blumen wachsen/ etwas grösser dann die vorigen/ nach welchen in den Schöttlein ein rothlechter Same gefunden wirdt. (Dieses findet man in CASTILIA auff den Aeckern.)

            Xlll. Das dreyzehende Geschlecht/ das Englisch Seemärgenrößlein/ beschreibet LOBELIUS in seinen ADVERSARIIS,  daß es ein kleines Kräutlein sey/ von welches Wurtzel sehr viel kleiner schmaler Zweiglin herkom en/ mit kleinen Blättlein besetzt/ welche auff der Erden herumb liegen einer Ehlen lang/ auch etwas lenger oben an den Stänglein kommen (im Brachmonat/ Hewmonat/ Augusten und September) auß den Hülßlein schöne weisse Blümlein herfür/ wie an den wilden Basilien: der Same sey braun/ das Kraut an Geschmack etwas gesaltzen/ doch lieblich zu essen. (Dieses wächst in Engellandt am Gestadt deß Mehrs.)

            XlV. Das vierzehende hat kleine Wurtzel/ kleine dünne wollechte Stengel fast einer Spannen hoch/ an welchen schöne kleine liecht purpurbraune Blümlein (im Meyen) herfür kommen mit ein langlechten unnd wollechten Hülßlein. (Dieses findet man auff den Hügeln bey SALAMANCA zwischen den Steinen wachsende.)

            XV. Das fünffzehende Geschlecht ist den Nägleinblumen fast gleich fürnemblich den letzten/ allein daß an diese die Blättlein der Blumen etwas lenger unnd tieffer zerkerffet seyn/ die Blätter auch etwas schmäler formiert. (Von dieser ist auch in dem vorigen Capitel under dem 18. Geschlecht gehandelt worden.)

            XVl. (Das sechzehende/ so an dem Steyrmarckischen Gebürg wächst/ hat viel stengel so jährlich von der Wurtzeln herfür schiessen/ unnd auß deren jeden Geleich zwey langlechtige schmale grüne Blätter so das bitter sind/ herfür wachsen: die Blumen so auff kleinen kleberechtigen Stenglein/ sind weiß/ fünffblätrig/ zerkerffet und ohne Geruch/ und im Meyen oder Brachmonat sich erzeigen: welchen hole Säcklein folgen/ in welchen ein kleiner schwartzlechter Samen verschlossen ist.)

            Diese Geschlecht und noch andere mehr der Märgenrößlein/ so von dem AUTHORE nit seyn gesetzt worden/ werden weitleufftiger von C. CLUSIO HISTOR. HISPAN. (welche unten im vierdten Capitel gesetzt ist) & PANNON. beschrieben und abgemalet. (Deren drey sind: die eine allhie an der siebenden stelle/ die andere an der sechsten stelle: die dritte ist allhie die sechzehende.) Wie auch bey LOBELIO in seinem OBSERVAT. und ADVERSARIIS. (Diese beyde sind für das ander und dritte Widerstoß im nachfolgenden Capitel gesetzt.) Deßgleichen bey DODONAEO.

            Die Märgenrößlein werden zum theil in Garten gepflantzt/ zum theil wachsen sie von sich selber neben den Wiesen unnd Aeckern. Die Blumen kommen im Brachmonat/ Hewmonat/ und Augustmonat herfür/ blühen biß in Herbst hinein.

 

Von den Nahmen der Märgenrößlein.

            Die Märgenrößlein haben mancherley Nahmen: Lateinisch werden sie genannt LYNCHENS, von wegen jrer schönen lieblichen purpurfarben Blümlein.: Oder aber/ wie MATTHIOLUS darfür helt/ dieweil seine Blätter also wollecht seyn/ dz man Dachten zu den Ampeln darauß machen köndte: wirdt auch genennt LYNCHENS CORONARIA, dieweil jre Blumen zu den Kräntzen gebraucht werden: ITEM ROSA DOMINARUM, ROSA MARIANA, ROSULA COELESTIS, unnd von etlichen MOSANTHOS, darvon RUELLIUS LIB.2.CAP.135. Teutsch/ Märgenrößlein/ Frawenrößlein/ Himmelsrößlein.

            Die wilden Geschlechter haben jhre besondere Namen: Lateinisch LYNCHENS SYLVESTRIS, Teutsch wilde Märgenrößlein.

            V. Die Raden werden in Latein genennt NIGELLASTRUM GITHAGO und PSEUDOMEL?NTHION. Deutsch Raden/ (groß Raden/) Kornrose/ Kornnäglein.

            lX. Das Splyplettelkraut/ wirdt im Latein genennet HERBA ARTICULARIS, das ist Gliedtkraut: entweder von den Geleichen die es hat/ oder von seinen Kräfften/ dieweil es zur Erweychung der erharten Glieder dienlich ist. Etliche nennens BEEN ALBUM, zum Underscheid deß andern und rothen BEEN wiewol sich dieser Nahme gar nicht hierher reymet. Andere haltens für das PAPAVER SPUMEUM. DODONAEUS nennet es/ doch zweyffelhafftig POLEMONIUM. Sonst heist es Gliedweich und Liedweich. (Etlich nennen es Daubenkropff umb deß holen Seckels willen.)

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der Märgenrößlein.

            Es schreibet C. CLUSIUS in seinen OBSERVAT. HISPAN. LIB.2.CAP.28. von den Märgenrößlein/ daß alle Geschlecht derselbigen/ so viel er probiert habe/ am Geschmack etwas bitter seyn. daher denn leicht abzunemmen ist/ wie auch CALENUS LIB.7. DE SIMPL. und AEGINETA LIB.7.CAP.3. vermelden/ daß der Same warm und trucken im andern Grad.

 

Jnnerlicher Gebrauch der Märgenrößlein.

            DIOSCORIDES LIB.3.CA.109 schreibet/ daß zwey Quintlein deß Samens in Wein eingenommen/ die Galle durch den Stuelgang wol außführe: komme auch zu Hülff denen so von SCORPIONEN gestochen seyn.

            Man saget auch/ schreibet DIOSC. daß das Kraut so gewaltig den SCORPIONEN zu wider seye/ daß/ so man einen SCORPIONEN damit anrühre/ benehme es jhm seine Krafft also gar/ daß er gantz und gar keinen Schaden mehr könne zufügen.

            (Die Blätter in sawren Wein getruncken/ stillen die Bauchruhr/ und Blutspeyen.)

 

Eusserlicher Gebrauch der Märgenrößlein.

            Die Märgenrößlein werden auch für ein Wundtranck geachtet. Dann wann man die Bletter grün auff ein frische Wunde leget/ bringen sie dieselbige widerumb zusammen: deßgleichen thun sie auch/ wenn man das dürre Pulver darinn strewet.

            Es werden auch die Märgenrößlein von etlichen zu den alten Schäden gebraucht.

            Das Gliedkraut (dienet der Wundtartzney/) erweichet die verrenckten (harten knorrechten) Glieder/ erstarrte Nerven oder Senadern/ solche darmit gebähet/ (auch Schweßbäder oder Dämpff darauß gemacht.) Man mag auch zu diesem Kraut nehmen Weytzenkleyen/ Lilien oder Chamillenöl/ Weinhösen/ und ein wenig Essig/ mit einander sieden/ und warm pflastersweiß/ zu obberührten Gebrechen/ uberlegen. Deß Krauts außgetruckter Safft/ leget die hitzige Augenwehe/ mit Tüchlein auffgeschlagen: heylet auch die Geschwäre der Augen/ so man jhn hinein treuffet.

 

Von dem Safft der Märgenrößlein.

SUCCUS LYCHNIDIS.

 

            ORIBASIUS LIB.7.COLLECT.CAP.27. schreibet/ daß etliche den außgetruckten Safft auß den Blettern von den Märgenrößlein in Honigwasser gebrauchen/ und denselbigen eingeben/ sol Schleim/ Wasser unnd Gall unden außtreiben/ gleich wie der Same von bemeltem Kraut/ wie aber solcher Safft auß den Blettern zu bringen/ darvon kann man lesen bey dem Wermuthsafft. Und dieweil das Kraut den Schlangen und Scorpionen/ nach der Meynung DIOSCORIDIS, so hefftig zuwider ist/ kann der Safft/ oder auch das gebrannte Wasser darvon/ ohne Zeiffel gar nützlich in sterbenszeiten für die böse Lufft gebraucht werden/ mit Angelic oder Bibinellewasser/ deß Morgens eingenommen.

 

Von Zinober Rößlein.

 

            Von den Zinoberrößlein schreibt DODONAEUS/ daß sie mehr Lust dann Nutzens halben in Gärten gepflantzet werden/ sintemal jhre Natur/ Krafft und Wirckung noch unbekannt seyen.

 

Von der Raden oder wilden Märgenräßlein

Natur und Eygenschafft.

 

            Der scharpffe Geschmack der Raden zeigt an/ daß sie heisser und truckener Art seyn müssen/ daher sie etliche wöllen im Anfang deß dritten Gradts warm setzen/ und trucken im andern Grad.

            (Den Samen von Raden geröst und gestossen/ gibt OCTAVIUS HORATIANUS wider die Gelbsucht eyn.)

 

Eusserlicher Gebrauch der Raden.

            Es werden die Raden fast zu den eusserlichen Schäden und gar selten jnnerlich in Leib gebraucht. Das Kraut von den Raden mit Taubenmist unnd Leinsamen under einander vermenget/ in Wein gesotten unnd wie ein CATAPLASMA oder Pflaster uber die Kröpff am Halß/ oder auch sonsten uber andere harte Geschwülste geschlagen/ macht dieselbige zeitig unnd vertreibet sie.

            Deßgleichen thun sie auch die harte knörrichte Glider unnd Spannadern erweichen und zertheilen/ dazu man Gersten oder Weitzenkleyen/ und Chamillenöl thun kann/ und solches uber dz schadhaffte Gliedt etwas warm wie ein CATAPLASMA uberschlagen. Zu den Schmertzen der Feigblattern soll man nehmen das Mittel von den Raden/ so im Korn wachsen und dasselbige mit Hermlein Körneröl zu einem weichen Sälblein machen/ auff Baumwoll streichen/ und uber das Ort legen. (Das Mehl von Raden mit Wermuthsafft/ Essig oder Ochsengallen gemischt/ darauß gemacht ein Pflaster/ tödtet die Würme im Bauch.) Es schreibt ORIBASIUS LIB.7 COLLECT.CAP.26. daß die wilde Märgenrößlein durch den Stuelgang purgieren.