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KNORPELMÖHRE

Ammi majus - Umbelliferae

siehe auch Knorpelmöhre (2)

 


 

VON DEM AMMEYPETERLEIN.

 

 

 

             Der Ammeypeterlein hat ein weisse Wurtzel wie der Schirling/ die ist holtzechtig unnd hart/ mit vielen Nebentaseln/ zur Artzeney untüchtig. Wann das Kraut erstlich vom Samen auffgehet/ kreucht es mit zweyen spitzigen Blätlein herfür wie der Garteneppich oder Peterlein/ die andern Bletter die hernach folgen/ werden kräfftiger unnd breyter/ den jungen Holderblettern ähnlich/ gerings herumb mit kleinen schnittlein zerkerfft/ welche/ so sie zu jhrer größ kommen/ so werden sie den Blettern deß Geyerleins gleich/ deren gemeiniglich fünff an einem Stiel wachsen. Der Stengel wird rund/ knöpffechtig/ mit kleinen holkelen/ ist innwendig hol und luck/ und gemeiniglich wird er zweyer Elen lang/ wiewol er auch bißweilen Manns hoch wächset/ gewinnt gleich von der Wurtzel an viel Nebenzweiglein/ auff welchem wie auch auff dem Hauptstengel im Brachmonat/ breyte Krönlein wie Schatthütlein sich erzeigen/ die bringen im Hewmonat schöne weisse gestirnte Blümlein/ den Blümlein deß Wißkümmels ähnlich welche so sie vergehen und hinfallen/ so folget im Augstmonat ein kleines Sämlein inn der grösse deß Peterleins/ ein wenig braunfärbig/ der wird im Herbstmonat gesamlet/ ist am Geschmack bitter und ein wenig scharpff. Dieses Gewächß wied in vielen Orten Teutschlandts wie ein ander frembd Gewächs in den Gärten gezielet/ dann es nicht allenthalben von sich selbst wächßt. Zu Goßlar sol es in grosser menig wie ein ander wild Kraut gefunden werden: deßgleichen höre ich/ daß es in Engelland wie auch in Franckreich sehr gemein ist/ wächßt gern an den Wassergräben/ wiewohl es auch in den Krautgärten under dem Gemüß von sich selbst wachsend gefunden wirdt. Der Samen dieses Gewächß soll im ende deß Aprillen gesäet und ziemlich mit lauwem Wasser begossen werden/ dann wiewohl er die Sonn wohl leiden mag/ so begeret er doch ein feuchten Boden.

 

Von den Namen deß Ammeypeterleins.

            Es haben unsere Aertzet unnd sonderlich die unerfahrenen (in der erkanntnuß der Gewächs) Kalendermacher/ den Ammeypeterleinsamen vor das wahr unnd recht Ammey oder AMMIUM der Alten angenommen/ und viel Jahr her auß grossem unverstandt vor das wahre Ammey in jre COMPOSITIONES fälschlich gebraucht/ mit welchem groben unnd falschen Jrrthumb man noch auff den heutigen Tag zu thun/ unnd diesen Samen auß deß Ammeys statt bey vielen Apothecken nit mehr bringen kann. Es ist aber der Ammeypeterlein ein Mittelgewäch zwischen dem Peterlein und Eppich/ darumb wir jhnen Ammeypeterlein genannt/ sintemal er etlicher massen mit dem Peterlein gemeinschafft hat/ unnd biß daher fälschlich Ammey ist genannt worden/ derowegen wir bey dem gemeinen Mann den Namen deß Ammeypeterleins gemein gemacht haben. Darmit wir aber auch unser Meynung darthun/ wie dieses Gewächs bey den Alten mag geheissen haben/ so halten wier es vor das BUBONIUM HIPPOCRATIS, dessen er LIB.DE.MORB.MUL. gedenckt. Lateinisch/ BUBONIUM HIPPOCRATIS (dann das DIOSCORIDIS BUBONIUM ein ander Gewächs ist.) unnd von den Kreutlern AMMIOSELINUM, PERPEDIUM unnd AMMIUM ADULTERINUM. Teutsch/ Ammeypeterlein.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Ammeypeterleins.

            Auß dem bitteren unnd mittelmässigen räsen Geschmack deß Ammeypeterleins/ ist leichtlich abzunemmen/ daß es den zweyten Grad seiner wärmenden und trucknenden Eygenschafft nicht uberschreitet/ unnd ist solches allein vom Samen zu verstehen/ dann das Kraut und Wurtzel gar keinen gebrauch in der Artzeney haben.

 

Jnnerlicher Gebrauch deß Ammeypeterleins.

            Der Samen deß Ammeypeterlein ist erfahren/ daß er den Harn treib/ die Nieren/ Blaß unnd Harngäng vom Sandt/ Grieß unnd Schleim reynige. Was sonst in andern Kreuterbüchern von diesem Gewächß geschrieben ist/ das sol alles von dem wahren unnd rechten Ammey verstanden werden/ welche Wirckungen diesem Gewächs fälschlich sind geben und zugeschrieben worden.