269-272

KERBEL
Anthrisus - Umbelliferae


 VON DEM KÖRFFELKRAUT

 

            Das Körffel oder Körbelkraut/ hat eine dünne und weisse Wurtzel mit vielen Zaseln behenckt. Die jungen Bletter seyndt dem Peterleinkraut fast gleich/ wann sie aber ins wachsen kommen/ werden sie kleiner und zinnelechter zerkerfft/ wie der Wüterich oder das junge Kraut an der Pastenachen. Es hat ein braunlechtigen/ glatten/ holen Stengel mit vielen Nebenzweiglein/ die bringen im Meyen weisse Blümlein auff Krönlein wie der Coriander/ wann die abfallen unnd vergehen/ kompt hernach ein schwartzer/ langer und leichter Samen/ der ist am Geschmack süß/ und hat keinen Geruch/ so doch das Kreaut/ Wurtzel und Blumen ein guten/ lieblichen und fast angenemen Geruch haben. So bald nun der Samen zeitig wirdt/ vergehen die Stengel/ Kraut und Wurtzeln mit einander/ dann es auch ein Sommergewächs ist/ und muß alle Jahr von newem widerumb von seinem Samen gezielet werden/ wiewol es sich selbst auch wiederumb vom außgefallenen Samen Jährlich erjünget. Es wirdt heutigs Tags nicht allein in Teutschland/ sondern auch in andern Nationen/ häuffig/ beyde zu der Artzeney unnd Küchen gezielet. Es begert ein feuchten unnd wolgedüngten Grundt/ darinn es dann freüwdig fordtwächst/ so man aber dendelben nicht haben mag/ muß es desto offter begossen werden. Wann man aber den Samen säen wil/ sol es im Hornung/ Mertzen unnd Aprillen geschehen/ unnd bißweilen auch im Augstmonat/ unnd Herbstmonat/ darmit man durch den Winter uber allwegen frischen Körbel zur Küchen habe:
            ll. Das wildte Geschlecht deß Körffelkrauts hat eine Wurtzel die dem zahmen Körffel nicht ungleich ist/ die schleget Jährlich wieder auß/ sintemal sie uber winter unversehret stehn bleibt. Das Kraut ist dem zamen gleich/ allein dass die Bletter grösser unnd breyter seindt. Die Stengel seindt auch dicker/ gantz rauch mit vielen Rippen und Gleychen underscheidten/ wie die Stengel der Pastenachen. Die gekrönte Blumen/ wie auch der Samen/ seindt etwas grösser als die an dem zamen Körffel: der Geschmack unnd greuch ist auch stärck3eder Geschmack unnd greuch ist auch stärcker. Dieser Körffel wächßt von sich selbst in den Baumgärten/ in Graßgärten/ auff graßechtigen Rechen/ deßgleichen in den Zwingern an den Mauwren/ unnd auff etlichen dürren Wiesen/ und bedarff gar keines pflantzens.         
            lll. Das dritte Geschlecht deß Körffels/ der bey uns Teutschen Spanischer Körffel genannt wird/ hat ein sehr grosse/ lange und dicke Wurtzel/ die sich bißweilen von jhrem Haupt in etliche Wurtzeln underscheidet unnd außtheilet/ die ist von farben weiß/ und inwendig luck/ am Geruch der Pastenach gleich/ und so viel den Geschmack anlangt/ hat sie ein gleichheit mit dem Alexandrinischen Peterlein/ ist doch darneben süß unnd bey der Speiß gekocht/ sehr gut zu essen. Die Bletter sind groß unnd breyt/ sehr tieff zerschnitten/ wie die Bletter deß Schierlings/ die sind ein klein wenig rauch/ an der farb/ geschmack und geruch lieblich unnd dem Körffelkraut gleich. Der Stengel/ deren es doch gleichwol mehr dann einen hat/ ist dick/ fast zweyer Elen lang/ mit knöpfechtigen Gewerben oder Gleychen underscheiden/ der hat seine Nebenzweig/ darauff weisse Blumen auff Kronen blühen. Nach den Blumen folget ein grosser/ langer/ dicker und schwartzfarber Samen/ der ist doppel so groß als der Pfefferkümmel. Es wird bey uns gleich wie der gemeine Körffel/ in den Gärten allein gezielet/ unnd wächst an keinem Ort Teutschlandts von sich selbst ungepflantzet/ wie sich dessen etlich fälschlich selbst bereden/ unnd den wilden Körffel mit diesem Gewächs unweißlich vermischen. Dann wann man schon von unsern wilden Körffel in die Gärten pflantzet und versetzt den wie man immer wölle/ so wirdt er nicht anders dann wie er sonst auch ist/ und zur Speiß nimmermehr so tüglich wie der Spanischkörffel. Dieser Körffel wirdt gesäet wie unser gemeiner Körffel/ und muß auch ein wolgedüngten und wolgebawenen Grundt haben.

 Von den Namen deß Körffelkrauts.
            Etliche vermeinen unser Körffelkraut seye das GINGIDIUM DIOSCORIDIS, aber sie jrren sich/ dann wiewol das Körffelkraut etlicher massen mit der beschreibung deß GINGIDII DIOSCORIDIS zutrifft/ so wirdt doch die bittere deß Krauts unnd der Wurtzel/ die DIOSCORIDES seinem GINGIDIO zuschreibt/ an unserm Körffel nit befunden/ sintemal es ein lieblichen und anmütigen geschmack hat schier wie ein süß Gewürtz/ derwegen es dz GINGIDIUM DIOSCORIDIS nit seyn kan/ doch wöllen wirs von dem GINGIDIO nit gar außschliessen/ und es von wegen etlicher gleichheit so es mit demselben hat ein Geschlecht desselben bleiben lassen. Was aber das rechte GINGIDIUM DIOSCORIDIS vor ein Gewächs seye/ das wirdt baldt hernach angezeigt werden. Unser Körffelkraut aber wirdt von dem COLUMELLA L 10. CHAEREPHYLLUM genant/ von PALLADIO LIB.3 C.24. CAEREFOLIUM. PLINIUS L.19C.8. gedenckt auch deß CHAEREPHYLLI/ und sagt es werde von den Griechen PAEDEROS genannt/ so ist aber denn XXXXX bey dem DIOSCORIDI und andern Griechischen Aertzten ACANTHUS. APULEUS HIRONICUS LIB.DE.MEDCAP.104.nennet sein CEREFOLIUM auch Griechisch PAEDERORA, dardurch er meines erachtens den ACANTHIUM verstehet/ und nennet denselben auch mit einem andern Namen ARCTOPHYLLON. Dieweil nun PLINIUS an dem oben angezogenen Ort/ sein CHAEROPHYLLUM under die Bletter zehlet/ unnd mit dem APULEIO bezeuget/ daß es von den Griechen (???) genannt werde/ so halt ich gänzlich darvor/ daß sie beyde nemlich PLINIUS durch sein CHAEREPHYLLUM, unnd APULEIUS durch sein CEREFOLIUM, nicht unsern Körffel/ sonder den Welschen Beerentap/ ACHANTHUM verstanden haben/ der auch mit einem andern Namen von APULEIO ARCTOPHYLLON, das ist/ Beerenblat genannt wird. Was nun aber ferner meine meynung sey von dem Körffelkraut/ wie es nemlich bey den Alten genannt worden seye/ halte ich es vor ein ANTRISCUM PLINII dessen er LIB.21.CAP.15. unnd LIB.22.CAP.22. neben SCANDICE oder Nadelkörffel unnd andern Mußkreutern gedenckt/ deßgleichen vor den ENTHUSICUM THEOPHRASTI LIBR.7.HIST.7.genennet werden. Die Kreutler nennen das Körffelkraut CHERIPHILLUM, CEREFOLIUM, CERIFOLIUM, CEROFOLIUM, CEREPHYLLUM, unnd CEREFILLUM. Hochteutsch/ Körffel/ Körffelkraut/ Körbelkraut/ Kerbel oder Kervelkraut/ welche Namen alle von dem CHEREPHYLLO oder CEREFOLIO jhren ursprung bekommen haben.
            ll. Der wildt Körffel heisset bey den Kreutlern unnd Simplicisten/ CEREFOLIUM oder CHAEREPHYLLUM SYLVESTRE, CEREFOLIUM ALINIUM, APIUM ASINIUM, ONOSELINUM, und PETROSELINUM ASINIUM. Teutsch/ wilder Körbel/ wild Körbelkraut/ Eselskörbel und Eselspeterlein.
            lll. Der Spanisch Körbel/ wird von etlichen vordz MYRRHIS oder Myrrkörffel DIOSCORIDIS gehalten/ aber wie schwewrlich und gröblich sie jrren/ sol hernach von dem wahren Myrrhenkörffel angezeigt werden. Sonst wird dieser Körffel CEREFOLIUM HISPANICUM genannt/ dieweil es darvor gehalten wird/ daß er erstmals auß Hispanien zu uns in Teutschland gebracht worden ist. Etliche nennen jhnen CEREFOLIUM oder CHAEREPHYLLUM MAIUS. Teutsch/ grosser Körbel/ Spanischer Körffel oder Hispanischer Körbel.

 Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der Körbelkreuter.
            Es hat das Körffelkraut nit ohne ursach seinen platz in der Küchen bey uns bekommen/ dann es bey den gesundten und Krancken zu jeder zeit ohne einige Schaden in den Speisen nutzlich mag gebraucht werden/ ist temperierter und mittelmässiger wärmbde/ ist warm im ersten Grad/ in der trückne und feuchte haltet es das mittel. Das Kraut/ Wurtzel und der Samen werden in der Artzney gebraucht.

 Jnnerlicher Gebrauch deß Körbelkrauts.
            Körbelkraut in der Speiß oder sonst auff andere Manier gebraucht wie man immer will/ ist dem Magen und Haupt gesundt von wegen seines lieblichen geruchs und Geschmacks/ er reynigt das geblüt/ und macht lustig zu essen. Jst derowegen sonderlich gut in den Suppen unnd allen andern Speisen gebraucht/ denen so mit nachfolgenden Kranckheiten beladen seynd/ als in Hauptschwachheyten/ im Schwindel/ unnd deren gleichen Schwachheyten. Jtem in Kranckheyten der Brust unnd Lungen/ unnd sonderlich im Seiten Geschwer und jnnerlichen Apostemen: deßgleichen in allen Febern/ fürnemlich aber im Terrian Feber/ unnd auch andern vergifften Febern/ und zur zeit böses Luffts unnd regierender Pestilenzischen Seuchten. Ferner ist er dienlich in der Franzosen Kranckheyt/ dann er das Geblüt reiniget. Er ist auch heylsam und gut in Lenden unnd Rückenwehe/ in verstopffung deß Harns/ der Nieren unnd Blasen Kranckheyten/ als in der Harnwinde/ im Grieß unnd Stein/ unnd ist ein besondere gute Speiß und Artzeney den Weibern die jhren natürlichen Blumen nicht recht haben/ oder denen dieselbige verhalten wird. Jn allen obgemelden Kranckheyten mag man den Körbel nützlich und heylsamlich in den Suppen/ Müßlein und allen andern Speisen gebrauchen/ und das zu jederzeit und in jeder Schwachheit/ von wegen seiner temperirten Wärmbde/ es seye im Sommer oder Winter/ in kalten oder hitzigen Kranckheyten.
            Körbelkrautsafft frisch außgepreßt/ darvon genommen drey Untzen/ unnd darinn ein quintlein gepülverten Andorn zertrieben/ darnach nüchtern unnd warm getruncken/ vertreibet die Geelsucht.
            Körbelkraut in Wein gesotten/ unnd von der durchgesiegenen Brühen deß Morgens unnd Abends/ jedesmal ein gemein Tischbecherlein voll warm getruncken/ vertreibet das Seitenwehe.
            Körbelkrautsafft mit Zucker auff einmal drey Untzen eingenommen/ thut deßgleichen/ unnd so man das mit Gerstenwasser vermischt/ dienet er wider das stechen PLEURESIM.
            Körbelsafft iii.untzen mit einer untzen Honigs vermischt unnd warm getruncken/ ist gut wider den Husten.
            Körbelsafft auff die sechs Loth getruncken/ zertheilet das gelieffert Blut im Leib/ so von fallen/ schlagen oder stossen gerunnen und zusammengelauffen ist. Wo man diese Artzeney kräfftiger haben will/ soll man Lindenkolen und Krebsstein reyn gepülvert/ mit dem Safft vermischen.
            Wider das gerunnen und zusammen gelauffen Geblüt im Leib ist nachfolgender Tranck erfahren/ und heylet darneben alle jnnerliche verwundung/ von fallen/ stossen oder schlagen verursacht: Nimb Körffelkraut iii. Handtvoll/ Sanickel/ Sinnauw/ Wintergrün/ jedes ii. Handtvoll. Zerschneid diese Stück klein/ thue sie in eine Kannten oder verschraubte Fläschen/ schütte darüber ein maß guten weissen Wein/ verlutier die Kannten oder Fläschen wol/ und lasse sie in einem Kessel mit siedendem Wasser gesetzt/ vier stunden in stäter hitz nach einander darinn stehen unnd sieden/ darnach seihe den Tranck ab durch ein Tuch/ und gib darvon alle Morgen und Abend/ jedesmal vier Untz warm zu trincken. Es ist auch fast dienlich und heylsam daß man in solchen Fählen/ Körbelkraut in Suppen und allen andern Speisen gebrauche.
            Oder: Nimb Körbelkraut ii. Handvoll/ Güldenguntzel/ roten Beyfuß/ jedes anderthalb Handvoll/ wild Salbeyen/ Sinnauw/ Wintergrün/ jedes ein Handtvoll/ Lindenblühet/ Nagelkraut/ Erdtbeerkraut/ jedes eine halbe Handvoll/ Weißwurtzel/ RHAPONTI oder groß Aurin/ Wechholderbeern ein wenig zerquetscht jedes anderthalb loth/ Schwalbenwurtz/ Angelickwurtz/ Liebstöckelwurtz/ Ferberrörwurtzel/ jedes drey quintlein. Alle gemeldte Stück soll man klein zerschneiden und in ein Zinnenfläsch thun/ darüber schütten zwo Maß guten weissen Wein/ die Fläsch beheb zuschrauben und verlutiren/ darnach vi. Stunden in einem Kessel mit siedendem Wasser obgemeldter massen sieden lassen/ unnd dann durchseihen/ und wie gemeldet trincken.
            Körbelkrautsafftii. Untzen/ mit so viel gutem Weinessig vermischt unnd getruncken/ tödtet die Würm im Leib/ und treibet sie auß.
            Körbelsamen zwo guter Handvoll in ein Maß Wein gesotten/ biß das halbe theil verzehret ist/ unnd dann durchgesiegen/ und darvon Morgens und Abendts/ jedesmal vier Untzen getruncken/ dienet wider die Bissz der unsinnigen Hund. Man muß aber auch den Schaden zum wenigsten zweymal mit diesem Tranck deß Tages wäschen. Du solt auch neben der gemelden Artzeneyen Körbelsamen in frischem Wasser sieden zu einem Trinckwasser und den Verwundten darvon nach Durst trincken lassen. Deßgleichen soltu jhm in allen seinen Speisen Körffelkraut zu essen geben.
            Ein Salat von jungen Körffelkraut mit Essig/ Baumölen und Saltz gemacht/ und den im anfang deß Essens etliche mal gessen/ bringet wider den verlornen Appetit zum essen/ und macht den Menschen begirig zur Speiß.
            Wein darinn Körffelkraut gesotten worden ist unnd getruncken/ ist den Gebrechen der Blasen sehr nutzlich. Deßgleichen gebraucht/ bringet er den Weibern jhren natürlichen Monatblumen. Das thut auch der außgepreste Safft/ v. oder vi. Loth getruncken/ und führet auß den Sand/ Grieß und Nierenstein.
            Den Stein zu brechen unnd außzuführen: Nimb Körffelkrautwurtzel und Steinbrech/ jedes gleichviel. Lasse die wol in Wein sieden/ seihe den durch/ und trinck offt darvon.
            Der wild Körffel ist stärcker/ und den Weiblichen Monatfluß außzuführen mächtiger/ in Wein gesotten/ denselbigen durchgesiegen und getruncken/ soll auch dienstlich seyn/ wie etliche fürgeben/ wider die Pestilentz unnd ander Gifft/ in vorgemelter massen gebraucht.
            Der Spannische Körffel ist unsern Küchen sehr gemein worden/ und wird in Suppen/ Müser/ unnd andern Speisen gebrauchet/ wie der gemein Körffel. Die Wurtzeln werden bey dem Fleisch gesotten/ wie die Peterleinwurtzel/ unnd mag aller massen wie vom Körffel gesagt ist/ vor die obgemelten Kranckheiten in allen Speisen genützt werden. Sonst hat er in der artzeney keinen Gebrauch: Doch haben wir diese Erfahrung/ daß er die Harngäng öffnet/ und gewaltig harnen machet/ derowegen er nützlich in der Geelsucht/ Wassersucht/ und in den gebrechen der Nieren und Blasen mag genützet werden.

 Eusserlicher Gebrauch deß Körffelkrauts.
            Körffelkraut in Wasser gesotten oder in Laugen/ darnach mit Essig vermischet/ unnd das Haupt darmit gewäschen/ vertreibet die Kleyen und Schiepen/ deßgleichen die Milwen im Haar.
            Körffelkraut gesotten/ und wie ein Pflaster uber die Stirn geschlagen/ ist gut wider den Schwindel.
            Dieses Kraut in Wasser gesotten/ durchgesiegen/ und die Augen offtermals darmit gewäschen/ vertreibt das trieffen und rinnen derselben.
            Körffelkraut gestossen/ und mit Schweinenschmaltz temperirt/ wie ein Pflaster/ vertreibet die Geschwulst unnd böse Geschwer bey den Ohren.
            Körffelkraut gestossen/ und wie ein Pflaster auffgelegt/ zertheilet die Geschwülst/ und das gelieffert oder undengerunnen Blut zwischen Fell und Fleisch/ so sich von fallen/ stossen oder schlagen gesamblet hat.
            Körffelkraut mit Schweinenschmaltz und Wachs zu einem Pflaster gemacht unnd ubergelegt/ zertheilet alle Apostemen/ Geschwulst und Beulen.
            Körffelkraut gestossen/ unnd mit Honig temperirt wie ein Pflaster/ heylet den Krebs/ ubergelegt/ welche Artzeney dem Poeten AEMILIO MACRO nicht unbewust gewesen ist/ welches er mit folgendem Verß bezeuget:

            Körffelkraut gestossen und mit ein wenig Wein und Butter in einer Pfannen geröschet/ unnd zwischen zweyen Tüchern so warm es zu leiden ist/ uber die Scham geschlagen/ bringet wider den verstandenen Harn.

 Körbelkrautwasser.
CEREFOLII AQUA STILLATITIA.

            Das Körbelkrautwasser soll im Meyen gedistillirt werden/ unnd soll man das Kraut sampt der Wurtzel/ mit aller seiner Substantz klein hacken/ darnach sänfftiglich IN BALNEO MARIAE abziehen: Dieses Wassers soll man nemmen ein Maß/ und darzu thun gepülvert Körffelkrautwurtzel unnd auch deß Samens/ jedes vier Loth: Solches soll man vermischen und in ein Cucurbit thun/ darauff setzen ein Helm ohn ein Schnabel ALEMBICUM COECUM genannt/ denselbigen am Ranfft wol verlutiren/ und xxiiii. Stunden in ein warm BALNEUM MARIAE setzen zu digeriren/ wann die herumb/ soll man ein andern Helm mit einem Schnabel darauff setzen/ und zum andernmal sänfftiglich IN BALNEO MARIAE abziehen/ folgends wol vermacht in die Sonn setzen zu digeriren.

 Jnnerlicher gebrauch deß Körffelkrautwassers.
            Körffelkrautwasser allen Morgen unnd Abends jedesmal vier oder fünff Loth getruncken/ ist ein sehr nützlich Wasser/ das gerunnen Blut im Leib von Schlägen/ fallen oder stossen zu zertheilen und außzuführen/ und die jnnerliche Brüh unnd Verwundung von gemelten Ursachen herkommende zu heylen.
            Dieses Wasser obgemelter massen getruncken/ treibet den Harn/ führet auß das Grieß/ bricht den Nierenstein/ und fürdert die Weibliche Monatblumen. Es ist auch ein treffentliche Hülff wider das Lendenwehe und stechen in der Seiten.
            Wider das gerunnen Blut im Leibe/ nemmen etliche Körffelwasser vi. Loth/ gepülvert Lindenkolen und Krebsäuglein/ jedes ein halbes quintl. Das vermischen sie und gebens warm zu trincken/ und ist ein sehr gute Artzeney.
            Andere nemmen Körffelkrautwasser iiii. Untz/ Cardenbenedictenwasser/ Röhrleinkrautwasser/ jedes ii. untz/ vermischen das durcheinander/ und geben allen Morgen und Abend zwo Untz darvon zu trincken. Etliche aber die nemmen Körffelkrautwasser iii. Untz/ Liebstöckelwasser und Rittersporenwasser/ jedes ii. Untz/ vermischen diese/ und gebens obgemelter massen zu trincken.