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KALMUS

Acorus calamus - Araceae

 


 

VON DEM WÜRTZRIED ODER WOLRIECHENDEN ROHR.

 

 

            Der wolriechende Calmus oder Würtzried/ wächßt in Jndia/ wie DIOSCORIDES bezeuget. Der beste ist Feuwerrot/ mit vielen Gewerben oder Gleychen begabet/ welchen so man jhnen entzwey bricht gibt er viel lange Stöcklein wie Spreissen oder kleine Spänlein. Seine Röhrlein seynd voller Spinnwebben/ weißlicht/ unnd wann man die käuwet/ so werden sie zähe/ schleymig/ zusammenziehend/ zangerechtig/ und scharpff am Geschmack. Dieses wolriechende Rohr wird heutigs Tags sehr wenig und selten zu uns gebracht/ solches haben wir erstmals gesehen bey dem Apotecker deß lobwirdigen Römischen Keysers CAROLI QUINTI ,als sein Mayestat die Statt Metz belägert/ der schluge durchauß zu mit der Beschreibung DIOSCORIDIS.
            (Weil man den rechten CALAMUS AROMATICUM jetzunder auch zu uns gebracht/ hab ich desselbigen wahre Abconterfeyung/ so ich zuvor auch in MATTHIOLUM gesetzt hab/ hierbey setzen wöllen/ den ich vor vier unnd zwantzig Jahren von Herren D. BERNHARDO PALEDANO empfangen hab/ wie denn auch dieses Jahr von Herrn D. Jo. Rudolph Saltzmann von Straßburg/ da es zur confection deß Theriacs ist gekaufft worden.)

 

*Das rechte Würtzried.
CALAMUS AROMATICUS VERUS.*

 

Von den Namen deß wolriechenden Calmus oder Würtzried.
            Der wolriechende Calmus wird sehr wenig oder gar nicht zu uns mehr gebracht/ es bringen dann denselben grosse Pontentaten/ Fürsten unnd Herren zu wegen/ unnd daß aber solcher zu unserer Zeit gar in den Apotecken in Abgang kommen/ ist die Ursach daß die unerfahrnen Practicanten die recht Ackerwurtzel die man heutigs Tages Calmus unrecht nennet/ vor den wahren CALAMUM AROMATICUM der Alten fälschlich gebraucht unnd auch darvor gehalten haben/ darzu dann solchen jhren Jrrthumb zu bestätigen/ etliche hochgelehrte Leuth Ursach geben/ under welchen der hochgelehrte MEDICUS IANUS CORNARIUS einer ist/ der die Ackerwurtzel/ die heutiges Tages von wegen deß obgemelten Jrrthumbs fälschlich Calmus oder Calmuswurtzel genennet wird/ mit den Haren unnd mit gewalt zu dem CALAMO AROMATICO der Alten gezogen hat. Es haben aber DIOSCORIDES, GALENUS und die andern alten Lehrer/ die von dem CALAMO AROMATICO geschrieben/ alle angezeiget/ daß es ein wolriechendes Riedt oder Rohr sey/ und keiner Wurtzeln je under solchen Namen gedacht/ daß aber gemeldter CORNARIUS vermeynt/ daß DIOCORIDES unnd die Alten ein Wurtzel eines Rohrs genennet haben/ unnd daß die gemeine Calmuswurtzel die Wurtzel desselbigen Rohrs seye/ gibt er darinnen seinen Unverstandt (SALVO APSIUS HONORE) zu verstehen/ daß er nit gewist habe wz CALAMUS AROMATICUS, oder die gemeine Calmuswurtzel sey/ und daß er weder den wahren CALAMUS AROMATICUM gekennet/ und auch das Gewächß der gemeinen Calmuswurtzel nie gesehen habe/ welches Bletter gleichwol grosse/ schmale und lange Schwertbletter hat/ aber nimmermehr wann es auch zu seinem vollkommenen Gewächs kompt zu einem Rohr wirdt/ oder auch einige Gestalt eines Rohrs bekompt/ wie der Augenschein solches offentlich beweiset/ sintemal der gemeine Calmus heutiges Tages nicht allein in der grossen Fürsten unnd Herren Lustgärten gepflantzet/ sondern auch in vielen Apoteckern unnd Haußvättern Gärten gemein worden ist/ und fast gern in diesem unserm Lufft wächset/ unnd jährlich zu seiner vollkommenen Zeitigung kommet/ welche Augenscheinliche Zeugnuß die jenigen alle uberzeuget/ daß sie höchlich fehlen und jrren/ die auß der Calmuswurtzel den wolriechenden CALAMUM der Alten machen wöllen/ was gleichheit aber der gemeine Calmus/ welches der rechte unnd wahre ACORUS der Alten ist/ mit einem Rohrgeschlecht habe/ hat der gütige Leser hie unden an seinem Orth von der Ackerwurtz zu sehen/ da wir die Figur solches Gewächs auß unserm Garten abreissen lassen. Es wird das wolriechende Rohr oder Würtzried Lateinisch genannt/ CALAMUS AROMATICUS, unnd auch von etlichen/ CALAMUS UNGUENTARIUS, sintemal er von den Alten zu den wolriechenden Salben gebraucht worden ist.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß wolriechenden Calamus.
            Der wolriechende Calamus hat eine Krafft unnd Eygenschafft zu erwärmen mit einer Zusammenziehung/ dünn subtiel zu machen/ zu eröffnen und zu stärcken.

 

Jnnerlicher Gebrauch deß wolriechenden Calmus.
            Der wolriechende Calamus mit Graßwurtzeln oder Peterleinsamen gesotten/ ist gut getruncken wider die Wassersucht/ Gebrechen der Nieren/ wieder die Harnwindt unnd Brüch.
            Der gemeldte Calmus erwärmet den kalten Magen/ ist denjenigen fast dienlich die kein Lust zum essen oder der Speiß haben/ dann er hilfft dauwen/ verzehret die alte verlegene Materi darinnen/ unnd alle böse Feuchtigkeit/ eröffnet die Verstopffungen der Leber und deß Miltzes/ erwärmet unnd stärcket alle innerliche Glieder deß Eyngeweyds/ auff alle manier und wege gebraucht.
            Jn Wasser oder Wein gesotten/ unnd die durchgesiegene Brühe getruncken/ vertreibt das tröpfflingen harnen/ und treibet den Harn gewaltig.
            Der wolriechende Calmus getruncken/ oder ein Zäpfflein darauß gemacht/ unnd in die Scham gethan/ treibet fort den weiblichen Monatblumen. Es wirdt auch die gesotten Brühe darvon wie ein Clistier eyngegossen.

 

Eusserlicher Gebrauch deß wolriechenden Calamus.
            Wolriechenden Calamus vor sich oder mit ein wenig Terpentin vermischet/ auff glüende Kolen geleget/ unnd den Rauch darvon in den Mundt durch ein Rohr empfangen/ vertreibet den Husten.
            Er wirdt auch in Wasser gesotten wider die Gebrechen der Geburtglieder/ wie ein Lendenbad gebrauchet/ unnd darinn gesessen und gebadet.
            Zu einem subtielen Pulver gestossen/ unnd mit Oele temperirt und angestrichen/ fürdert den Schweiß gewaltiglich. Denselbigen in Baumölen gesotten mit ein wenig Weins/ biß daß der Wein eyngesotten/ hat gleiche Wirckung den Schweiß zu fürdern/ den Leib damit angestrichen.
            Wolriechenden Calmus in Wasser den dritten theil eyngesotten/ unnd die durchgesiegene Brühe durch ein bequem Jnstrument in die Mutter gethan/ heylet die umbsich fressende Geschwer derselben.
            Man vermischt auch den wolriechenden Calmus under die Pflaster so weychen/ dergleichen under die Artzeneyen die zum guten Geruch anzuzünden bereytet werden.