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JAKOBS-KREUZKRAUT
Senecio jacobeae - Compositae


  VON ST. JACOBSBLUMEN ODER ST. JACOBSKRAUT.

    Sanct Jacobsblum/ oder St. Jacobskraut/ hat eine zaselechtige und kurtze Wurtzel/ die Blätter sind auch zerspalten und außgeschnitten/ wie die Blätter der Kreutzwurtz/ sind aber doch grösser; im ersten Jahr stosset dieses Kraut kein Stengel/ sondern es ligen seine dunckelgrüne Blätter auf der Erden ausgespreitet/ wie des Wegerichs. Im anderen Jahr erst bringt es lange braune Stengel/ den Stengeln des Beyfuß ähnlich/ die sind mit vielen Nebenzweigelein besetzt/ auf denselbigen wachsen viel gestirnter Blumen/ wie die Blumen des Meerkrauts/ von Farben schön liechtgeel/ die werden nach ihrer Zeitigung zu wollechtigem grauem Saamen/ der fleugt davon wie der Samen des Röhrleinkrauts/ oder der Kreutzwurtz. Es blühet um St. Johannis Tag/ im Heumonat und Augstmonat. Dieses Kraut wächset gern an sandechtigen graßechtigen Orten/ als auf den dürren Matten und den Rechen der Felder.
    II. Das zweyte Geschlecht dieses Krauts/ hat eine lange graue Wurtzel mit wenig Zaseln oder Nebenwürtzlein/ die Blätter sind aucht grösser/ dicker und breiter/ dan die Blätter des vorgemeldten/ gantz wollechtig und aschenfarb/ schier anzusehen wie die grösten Wermuthblätter. Die Blumen werden auch geel wie die Blumen des gemeldten Jacobskraut. Dieses Kraut wächst in Seeland/ nicht weit von der See/ und andern mehr dergleichen Ländern.

Von den Namen St. Jacobskraut.
    Wie St. Jacobskraut bey den Alten geheissen/ oder ob es ihnen auch bekannt gewesen/ und solches beschrieben/ hat noch zur Zeit keiner angezeiget/ wie wir dann auch bekennen müssen/ daß uns noch keine Description bey den alten Lehrern vorkommen/ die mit diesem Kraut zuschlagen will. Unsere Kräutler nennens JACOBAEAM, HERBAM DIVI JACOBI, und FLOREM DIVI JACOBI, haben also diese Namen von dem gemeinen Mann entlehnet.Hochteutsch/ St. Jacobskraut/ und St. Jacobsblum/ dieweil es gemeinlich um St. Jacobstag in seiner vollkommenen Blüth ist/ wiewol es auch von etlichen Sanct Johansblum genennet wird. Etliche wollen ein Geschlecht der Kreutzwurtz daraus machen/ aber es will sich nicht darzu schicken.
    II. Das zweyte Geschlecht wird JACOBAEA MARINA, und CINERARIA genannt.

Von der Natur/ Kraft/ Würckung und Eigenschafft Sanct Jacobskraut.
    Etliche wollen diesem Kraut durchaus die Würckung und Eigenschafft der Kreutzwurtz zugeben/ aber sie irren/ und wiewol es etliche Würckung und Tugend mit der Kreutzwurtz gemein hat/ kan dasselbige nicht anders seyn/ dann in kälteren Gebrechen/ dann dieses Kraut keine kühlende Krafft hat/ sondern ein wärmende/ und ist warm und trucken biß in den andern Grad/ und hat darneben eine Krafft zu reinigen/ und zu heilen und consolidieren. Das zweyte Geschlecht hat eine Krafft zu digeriren und zu trucknen.

Gebrauch des Sanct Jacobskraut.
    Sanct Jacobskraut in Wasser gesotten/ und mit der durchgesigenen Brühe den Halß warm damit gegurgelt/ heilet die Geschwulst und Geschwär desselbigen. Sonst ist die Kochung auch dienlich zu den wunden/ faulen alten Schäden und Löchern/ dieselbige darmit gewäschen/ dann sie fürdert die zur Reinigung.
    Der außgedruckte Safft mit Honig vermischt/ reiniget die faulen Wunden und alte Schäden/ mit leinen Tüchlein eingelegt.
Das gedistillirte Wasser/ dienet auch zu den Geschwulsten und Geschwären des Halses/ warm darmit gegurgelt.