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IGELKOLBEN

Sparganium - Sparganiaceae

 


  

VON DEN JGELSKNOSPEN.

 

 

            Das Schwertelkraut Jgelsknospen genannt/ das fladert unnd kreucht mit seiner Wurtzel hin unnd her im Erdreich/ gewinnt viel Zaseln und kleine/ haarechtige/ schwartze Würtzlein/ darauß wachsen scharpffe/ lange/ spitzige unnd schneidende Bletter/ deren jedes durchauss in der mitten ein eckechtige Ripp hat/ also daß es dreyeckechtig wird wie ein dreyeckechtig Schwerd oder wie ein Dolchen/ von Farben Liecht oder Schweitzergrün/ zwischen den Schwerdblettern stossen runde/ glatte Stengel herfür/ anderhalb Elen hoch unnd höher/ die theilen sich oben in etliche Nebenzweiglein/ und wechst under einem jeden Aestlein oder Zweiglein/ ein kleines Schwertelblat herauß/ die gemelten Aesrlein bringen runde/ bleychgrüne knöpff in der größe einer kleinen Baumnuß/ die blühen mit sehr kleinen weissen Fäselein/ die werden im Heuwmonat zu stachelechtigen Kölblein/ anzusehen wie die kleine Jgel/ darinn ist der Samen. Dieses wechst an den Wassergestaden/ auch in den Wassern/ Brüchen unnd Sümpffen/ deßgleichen auff den nassen Wiesen und den alten Wassern vom außlauffenden Rhein hin und wider an dem Rheinstrom.
            ll. Noch findet man ein ander Geschlecht deß Jgelsknospen/ das ist mit der Wurtzeln dem jetztgemeldten gleich/ der Stiel ist glatt ohn Nebenzweiglein/ der Schwertelbletter seyndt weniger/ uber der mitten deß Stengels gewinnet es runde Blumen eine uber der andern den Stengeln hinauff/ die seynd nicht so Stachelechtig wann sie verblühen wie die ersten. Dieses wächst gleichwol in den obgemeldten Orten/ wird aber selten gefunden/ doch findet mans mehr im Hertzogthumb Gellern unnd Niderlanden dann in Oberteutschlandt.

 

Von den Namen deß Jgelsknospen.
            Der Jgelsknospen wirdt Lateinisch genannt/ SPARGANIUM, XIPHIDIUM unnd BOLUS. Von den Kreutlern wird es genannt BUTOMUS THEOPHRASTI unnd GLADIOLUS PALUSTRIS. Hochteutsch/ Schwertelriedt/ Jgelsknospen/ Degenkraut/ Lieschriedt/ Leuschriedt unnd Leuschen. Das erste Geschlecht wirdt auch von dem ersten zum underscheidt genennet/ SPARGANIUM RAMOSUM, unnd das zweyte SPARGANIUM NON RAMOSUM, AMATUS LUSITANUS oder viel mehr AMATUS NON AMANDUS, hat fälschlich das Wandtläußkraut SPATHULA FOETIDA und XYTIS genant/ SPARGANIUM verdolmetschet.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Jgelsknospen.
            Jgelsknospen hat eine trucknende Natur unnd Eygenschafft/ wie solches auß dem Geschmack mag abgenommen werden. Es wirdt heutiges Tages wenig von unsern Practicanten gebrauchet/ sintemal sie es den mehrentheil nicht kennen.

 

Jnnerlicher Gebrauch der Jgelsknospen.
            Die Wurtzel unnd der Samen von Jgelsknospen zu Pulver gestossen und mit Wein getruncken/ dienen wider der gifftigen Thier Bissz.

 

Euserlicher Gebrauch der Jgelsknospen.
            Jgelsknospenwurtzel mit Wechholter in Essig gesotten/ unnd die durchgesiegene Brühe warm im Mundt gehalten/ stillet das schmertzliche Zahnwehthumb.
            Gemeldte Wurtzel mit gemeiner Gartenspicanarden und Wechholter/ jedes gleich viel zu Pulver gestossen/ unnd mit Wein zu einem Pflaster gesotten/ vertreibet die wasserechtige Geschwulst der Schenckel/ auff ein Tuch gestrichen/ und warm ubergelegt/ ist ein sehr gute Artzeney in der anfahenden Wassersucht.