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HÜHNERHIRSE

Echinochloa crus-galli - Gramineae

 


 

VON DEM MANNGRAß.

 

 

            Deß Manngrases haben wir zwey Geschlecht/ nemblich ein zames und ein wildes.
            l. Das zame Geschlecht hat eine uberzwerche Wurtzel die hin und her in dem Grund kreuchet mit vielen Zaseln/ die Bletter seyndt breyter als deß gemeinen Graß/ den Riedtblettern gleich/ unnd an dem theil wie sie den Stengel begreiffen ein wenig haarechtig. Die Stengel seindt dickelechtig mit gleychen oder knoden underscheiden und rauhe/ von farben ein wenig braun oder rötelechtig/ Elen lang unnd lenger/ am oberntheil bringet es vielfaltige lange Aehren/ darinnen wächst ein langlechtiger kleiner Samen fast dem Hirschen gleich/ außwendig schwartzlechtig/ und wann er gescheelet wirdt weiß/ der hat ein Geschmack wie der Reiß.
            ll. Das ander Geschlecht ist dem jetztgemelden mit Wurtzeln/ Bletter unnd an den knodechtigen Stengeln/ wie auch mit den Aehren durchauß gleich/ außgenommen daß sie schmäler/ dünner unnd kleiner seindt/ der Samen ist dem vorigen gleich. Dieses Gewächs findet man von sich selbst hin unnd wider auff ungebauwenen orten neben den Strasen wachsen/ unnd ist zwischen den beyden kein anderer underscheidt dann daß das erst gesäet wirdt wie ein ander Getreydt/ unnd das letzte von sich selbst wächßt/ in vielen orthen Teutschlandts wie auch im Landt zu Behem säet mans in grosser menge/ in der Küchen wie den Hirschen und Reiß zu gebrauchen.

 

Von dem Namen deß Manngraß.
            Die alten Lehrer haben deß Manngraß meins wissens nie in jren Schriften gedacht/ Von unsern Kreutlern wird es GRAMEN MANNAE, MANNA COELESTIS, GRAMEN ESCULENTUM, GRAMEN CEREALE, CAPRIOLA, HERBA CAPRIOLA unnd SANGUINELLA genannt. Hochteutsch/ Manngraß unnd Himmelsdawe.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Blutgraß und seinem Gebrauch.
            Es hat das Manngraß eine Krafft unnd Eygenschafft den Harn zu treiben und die jnnerliche verstopffung zu eröffnen wie das Rechgraß/ sonderlich aber die Wurtzel und der Samen davon. Sonst ist es auch ein gutes Futer vor dz Vieh/ dann es gute Mastung gibt. Von dem gescheelten Samen bereytet man gute Müßlein und Breylein mit Fleischbrühen und Milch/ kochet den wie den Reiß/ die Nehren ziemlich wol/ und seynd darbey anmutig zu essen. Dieser Samen ist gesunder dann der Hirschen oder Fench/ ist verdawlicher und blehet den Bauch nicht auff.