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HOLUNDER (schwarzer)
Sambucus nigra - Caprifoliaceae


VON HOLDERBAUM

    Desss Holderbaums werden viel Geschlecht erfunden.
    l. Das erste ist der gemeine Holder/ jederman gar wol bekannt/ hat seinen Namen darumb/ dieweil seine Zweig jnwendig hohl und voller Marck sindt. Er wächst auff in der Grösse eines Baums mit gantz runden äschenfarben Aesten/ die sind jnwendig hogl/ und mit weissem Marck aussgefüllt. Die Blätter an den Aesten sind gleich weit gesetzt/ gemeiniglich fünff/ etwan sieben oder acht beyeinander/ dem Nusslaub etlichermassen gleich/ doch kleiner und zerkerfft/ darzu eines starcken Geruchs. An dem eussersten Theil der Aeste/ bringt er ein runde Dolde/ die bringet ein weisse Blüht. An statt der abfallenden Blumen/ bleiben kleine/ schwartze/ oder purpurfarbe/ auch weisse/ Beerlein/ eines Weinsauren und lieblichen Geschmacks. Er blüht von S. Johannstag/ die Beerlein bringt er im Augustmonat. Wächst gern an trucknen Orten/ dessgleichen neben den Wassern.
    ll. Das ander Geschlecht wächst dem vorigen gantz gleich/ aussgenommen/ dass seine Blätter nicht gantz/ sondern tieff aussgeschnitten seyn.
    lll. Das dritte Geschlecht wächst in truckelen unnd feuchten Wälden/ ist dem gemeinen Holder allerding gleich/ allein dass es die Blumen nicht in einer Dolden bringt/ wie der Holder/ sondern zusamen gedrungen/ wie an den Weinräben/ kommen auch früh im Jahr/ nemlich im Aprillen/ von Farben bleichgelb/ ein jedes als ein kleines Sternlein/ darauss werden in dem Augstmonat rote Träublein/ eines seltzsamen unlustigen Geschmacks. Wird SAMBUCUS CERUINA genennt/ vielleicht darumb/ dieweil die Hirschen pflegen den jungen Schüssen dieses Holders sehr zu sterben.
    lV. Das vierdte Geschlecht Schwelckenbaum genennt/ wirdt von MATTHIOLO beschrieben/ dass es an wässerichten Orten wachse/ mit breyten Blättern/ wie der Ahorn/ unnd vermeldet darbey/ dass seyn zwey Geschlecht erfunden werden/ das Männlein unnd Weiblein: Das Männlein/ sagt er/ bringt ein schöne/ runde/ kügliche Blüht/ mit vielen schneeweissen Blümlein zusamen gesetzt/ welche von den Gärtnern werden Schneeballen genennt/ solche fallen ab ohne Frucht.
    Das Weiblein blüht auch weiss wie der Holder/ aber die eussersten Blümlein sindt wie ein Krantz herumb/ etlich viel mahl grösser dann die jnnern/ bringen aber keine Frucht/ sondern die kleinen/ welche jnnwendig wachsen/ tragen rothe Beere/ in welchen ein breyt Körnlein liget/ wie ein Hertzlein vormieret/ an Farben auch roht/ welche gegessen einen Unwillen unnd Brechen machen.
V. Mit diesem kompt das fünffte Geschlecht gar uberein/ aussgenommen/ dass es gefüllt Blumen tregt/ daher es auch gefüllt Schwelcken genennet wird.
    Vl. Das letzte Geschlecht ist den gefüllten Schwelcken mit seinen gefüllten Blumen auch gantz und gar gleich/ allein/ dass sie von Farben purpurbraun seyn. Sie wachsen in den Hecken/ in Wälden/ und neben den Wassern.

Von den Namen
    Holderbaum/ Holder/ und Holunder/ heisset Lateinisch SAMBUCUS.
    Waldholunder wirdt genennet SAMBUCUS MONTANA. Schwelckenbaum wird Lateinisch genent SAMBUCUS AQUATICA: der Waldholder SAMBUCUS CERUINA.

Von der Natur/ Krafft/ und Eygenschafft dess gemeinen Holders
    DODONAEUS meldet/ dass die Rinde/ die Blätter/ die Blumen/ und die Frucht dess Holderbaums warmer und truckner Natur seyn/ und haben ein Art/ das Gewässer auss dem Leib zu treiben.

Jnnerlicher Gebrauch
    DIOSCORIDES schreibt/ der Holder unnd Attich haben beyde eine Krafft damit sie trücknen/ das Wasser durch den Stulgang treiben/ sie sindt dem Magen aber schädlich. Jhrer beider Blätter gekocht wie man sonst den Kochkreutern thut/ gessen/ treiben die phlegmatischen Feuchten und Gallen durch den Stulgang: Dasselbige thun auch jhre zarte Zweyglein in erdenen Häfen gekocht. Jhre Wurtzel in Wein gesotten/ und daruber getruncken/ ist gut wider die Wassersucht. Sie ist auch gut getruncken wider der Natter Biss. Dieselbigen Wurtzeln in Wasser gesotten/ erweichen die Härtigkeit der Beermutter/ eröffnen die Verstopffungen/ unnd heylen die andern Fehl unnd Gebrechen derselbigen/ wenn sich die Frawen in die Brüh setzen/ darinn die Wurtzeln gesotten haben. Dasselbige vermögen auch seine Körner und Frucht mit Wein getruncken.
    Jn Summa es dienet der Holder den wassersüchtigen Leuten gar wol/ dieweil er das Gewässer/ und den Schleim mit Gewalt auss dem Leib treibt.
    Den zarten Personen soll man auss den jungen Schösslingen mit Spinat ein Holdermüsslein kochen mit einer feisten Fleischbrüh/ und jhnen zu essen geben/ treibt sie gemachsam zu Stuhl.
    (Man kan auch aus den jungen Schössling ein Pulver machen/ und dasselbige eingeben in einer Fleischbrüh/ erweicht unnd öffnet den verschlossenen Leib.
    Die mittelste Rinden gepulvert/ und in Wein eingenommen/ oder die Rind von der Wurtzel/ uber Nacht in Wein erbeytzt/ treibt unden und oben auss: Aber der aussgepresste Safft in Wein oder Molcken eyngenommen/ würcket gelinder.
    Etliche machen ein guten Essig auss Holderblüth/ so dem Magen gar wol bekompt/ erwecket Lust zum essen/ unnd zertheilet die dicken zähen Schleim.)
    Der aussgepresste Safft von den Holderbeeren mit Wein getruncken treibet auch das Wasser mit Gewalt auss: solches thut auch die jnnerste grüne Rinde. Man soll aber diese Artzney jungen oder schwachen Personen nicht eingeben.
    (Der Waldholder hat gleiche Natur mit dem gemeinen Nachtschatten. Die Beerlin so zu zeiten auch weiss gefunden werden/ sind kalter Natur/ machen einen schläfferich/ unnd zu viel gessen sind sie schädlich.
    Es wachsen auch Schwämmlin so man Holunder Schwämlin sonst AURICULAM JUDAE nennet/ welche man in ein Wasser legt/ darinnen sie aufflauffen/ sindt gut zu den Halss Geschwären/ bösen Augen unnd dergleichen Kranckheiten/ etliche gebens gepulvert für die Wassersucht eyn.)

Eusserlicher Gebrauch
    Die Blätter/ wenn sie noch grün seyn/ zerstossen/ und uber den Wurm am Finger gelegt/ heylet in bald.
    DIOSCORIDES schreibt: Die frischen weychen Blätter mit Gerstenmaltz vermischt/ unnd wie ein Pflaster ubergelegt/ sänfftigen die hitzigen Geschwulst der Augen. Sie sind auch gut auff dieselbigen weiss gebraucht wider den Brand/ unnd wider der Hundts Biss. Sie heylen unnd hefften zusammen die tieffe fistelechte Geschwär. Wider das Tertianfieber/ nimb ein Hand voll Holderblätter/ Lavendel/ Saltz/ jedes ein wenig/ machs mit Baumöll an/ und legs uber die Pulss/ das soll auch das Fieber wenn es ein weil gewehret hat/ vertreiben.
    (Mit Ochsen oder Bocksschmaltz ubergestrichen/ lindern den Schmertzen dess Podagrams.
    Ein Bad von Holderblättern gemacht/ unnd darein gesessen/ erweicht die harte Mutter so verschlossen ist.
    Holderblätter mit Senffsamen und Tyriacks vermischt/ gestossen und Pflasters weiss auff die Pestillentz Blattern gelegt/ zeucht das Gifft an sich und heylet es.
    Die Blätter und Frucht von Holder in Saltzwasser gesotten/ unnd die geschwollene Füss darinn gebadet/ nimbt die Geschwulst.
    Der Safft angestrichen soll das Haar schwartz machen: also der Safft von den Holderzecken gibt ein gute blauwe Farb zum leinen Tuch. Die Schüler bereyten auss dem Safft der Beeren/ ein wenig Alaun darzu gemischt blauwrote Farbe. Auch machen sie auss dem Holtz Sprützen und Liechtbutzen.)

Von Holderblühtwasser

    Wenn die Blumen wol zeitig seyn/ soll man in BALNEO MARIAE ein Wasser darauss brennen.
    Diss Wasser getruncken Morgens und Abendts/ jedesmal auff drey Loth/ weichet die Brust/ ist gut für Geschwülst/ Wassersucht/ eröffnet die Verstopffung der Leber/ Miltzes und Nieren/ vertreibt das Fieber TERTIAN. reiniget alle Flüss so von Melancholey kommen/ und stärcket den Magen.
    (Jn die Augen gethan/ leschet die Hitz/ sonderlich so man die grawen Schwämm/ welche am Holderstock bey der Wurtzel wachsen/ in diesem Wasser oder in Rosenwasser weicht unnd daruber bindet. Abends und Morgens angestrichen/ und von jhm selber trucknen lassen/ stillet das zittern der Hände/ heylet auch alte kalte Schäden sauber damit aussgewaschen/ und Tücher mit diesem Wasser ubergelegt.
    Von den mittelsten grünen Rinden wird ein Wasser gebrannt so den Leib erweicht.)

Von Holderseltz

    Nimb wolzeitige Holderbeer/ streiffe sie von den Stielen/ truck den Safft auss/ lass jhn bey sanfftem Fewr Seltz dick absieden/ (mit stehtigem rühren/ dass er sich nicht am Boden ansetze und anbrenn.) Diese nützt für alles jnnerliches Gifft/ vertreibt jnnerliche Geschwär/ und Geschwülst/ treibt durch den Schweiss alle schädliche Feuchtigkeit und Gifft aussä(kan nützlich/ wo man den rechten Tyriack nicht haben mag/ an dessen statt gebraucht/ mit Daubenkropff oder Erdrauchwasser eyngenommen/) wird darumb vor den Schweissbaden genommen. Diss soll aber erst nnach purgiertem Leib/ und nüchtern geschehen/ also gebraucht/ verzehret sie auch die anfahende Wassersucht. Es ist auch erfahren/ wo diese Holderseltz uber das Gesegnet/ das ist/ Rothlauff/ gestriechen wird/ dass er diss wunderbarlich miltert und abtreibt.

Von Holderblühtzucker

    Nimb Holderblüht wenn sie wol zeitig sind/ schütle die Blumen von den Dolden/ und lass zwischen zweyen saubern Tüchern verwelcken/ hacks oder zerstoss klein/ auff ein Pfund Blumen/ nimb dritthalb Pfund Zucker/ stells an die Sonne/ und rühre es offt umb. Dieser öffnet die Leber/ vertreibt auffblähen dess Bauchs/ und wehret anfahender Wassersucht.

Von Holderblühtöll: OLEUM SAMBUCINUM genennt

    Das Oell macht man auss den abgeschnittenen Holderblumen und altem Oell/ wie das Camillenöll. Sein Tugendt wirdt gepreiset/ dass es lindere/ reinige/ den Wust ledige/ der Gelbsucht/ unnd allem Gebrechen der Leber/ sampt jhrer Verstopffung/ nütze. Also allen Schmertzen der Gleychen unnd Glieder miltere.
    Ein ander Holderblühtöll den Schweiss in der Pestillentz darmit zu fürdern: Nimb ein glässerin Geschirr deines Gefallens/ fülle mit Holderblüht auff halb/ darauff thu ein drittheil so viel Eybischblumen oder Attichblüht/ auff diese abermal ein drittheil so viel Johannskrautblumen/ also dass mit diesen drey Stücken/ die drey Theil dess Glass erfüllet werden/ daruber giesse drey oder vier Jahr alt Baumöll/ je älter je besser/ verbinds wol/ und lass den gantzen Sommer an der Sonnen. Mit diesem Oell soll man warm den gantzen Leib drey oder viermal dess Tags und Nachts reiben/ und ist erfahren/ dass allein durch den gewaltigen Schweiss/ den es treibt/ alles Gifft der Pestillentz aussgetrieben ist.