1 / 494-496

HIRTENTÄSCHEL

Capsella bursa-pastoris - Crucifera

 


 

 VON DEM TESCHELKRAUT.

 

            Der Teschelkreuter haben wir zwey Geschlecht die mit diesem Namen oder dem Seckelkraut eygentlich also mgenennet werden/ nemlich ein grosses unnd ein kleines Geschlecht.
            l. Das erst unnd grösser Geschlecht hat ein kleine/ dünne weisse unnd zasechtige Wurtzel/ begibt sich nicht tieff in die Erden. Die understen Bletter seyndt tieff zerschnitten und zerkerfft wie die Bletter der Wegwarten/ darzwischen wächset ein runder/ dünner Stengel herfür/ anderhalben Spannen lang und bißweilen auch lenger/ der theilet sich in viel Nebenzweiglein auß/ die Bletter aber die daran unnd den Hauptstengel hinauff wachsen/ seyndt schmal/ spitz unnd nicht gekerffet/ stehet je ein uber dem andern/ werden auch je lenger unnd mehr den stengel hinauff kleiner/ schmäler unnd spitziger/ oben an dem Stengel unnd dem Nebenästlein kommen heraus viel kleiner/ weisser Blümlein/ kleiner dann die Blümlein deß Eisenkrauts/ daraus werden kleine/ knöpffechtige Teschlein/ geformiert wie kleine Hertzlein/ die hangen an langen Stielen/ darinn ligt ein kleiner/ schwartzer Samen/ hat gar keinen empfindtlichen Geschmack/ außgenommen daß es die Zung trücknet und zusammen zeucht. Dieses Kraut wächset hin unnd wider in den Gärten/ an gebauwenen unnd ungebauwenen Orten/ neben den Strassen/ auff den Mauwren und hinder den Zeunen.
            ll. Das ander und kleiner Geschlecht ist dem jetztgemeldten mit Wurtzel/ Teschlein unnd den weissen Blümlein unnd Blettern gleich/ außgenommen daß sie kleiner seyndt/ unnd die Bletter sich gerings herumb oder Zirckelsweiß auff der Erden ligendt außspreyten. Die dünne Stengelein werden kümmerlich Spannen lang/ bloß under ohne Bletter/ unnd bringet seine Blümlein im Aprillen unnd Meyen/ hat keinen Geruch oder Geschmack/ es wächst auff sandechtigen und dürrem Erdtreich.

 

Von dem Namen der Teschelkreuter.
            Es haben viel gelehrter Männer das Teschleinkraut vor ein Geschlecht THLASPIOS gehalten/ welches sonst umb der Gleichheit willen die es mit dem Teschelkraut hat/ Teschleinkreß genannt wirdt/ Dieweil aber unser Teschelkraut ohn allen Geschmack unnd nicht scharpff unnd räß ist wie das THLAPSI seyn soll/ jrren dieselbigen nicht wenig/ unnd ist die Arbeit vergebenlich sich ferner darmit zu bemühen. Wie aber dieses heylsam Kraut bey den alten Lehrern genennet worden seye/ oder ob sie es auch beschrieben oder nit/ hat noch niemandts gründtlich dargethan/ so ist auch uns noch keine Description der Alten zur Handt kommen/ die sich mit diesem Gewächß vergleichen wil/ wöllen wir derwegen/ dieweil die Kräfft unnd Tugenden dieses herlichen Gewächß uns bekannt/ Gott dem HERREN dancken und mit dem gemeinen Namen zu frieden seyn. Von den Kreutlern wird es genant BURSA PASTORIS, oder PASTORIA BURSA, PERA PASTORIS, und von dem Hochgelehrten und weitberühmbten PHILOSOPHO CONRADO GESNERO, THLASPI FATUUM, sintemal es ein Gleichheit mit dem THLASPIDE hat unnd doch gar ohn geruch und geschmack ist. Hochteutsch/ Teschelkraut/ Deschelkraut oder Daschelkraut/ Hirtentesch/ Hirtenseckel/ Seckelkraut/ Gänßkröß. Jm Schwabenland/ Dachsenkraut/ und auch von etlichen Crispel oder Krispelkraut/ darumb daß sie vermeinet haben es seye CRISPULA, davon wir an einem andern Ort geredet haben.
            Das kleine Geschlecht wirdt BURSA PASTORIS MINOR genannt. Hochteutsch/ klein Teschelkraut.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung/ und Eygenschafft deß Teschelkrauts.
            Der Geruch und Geschmack deß Teschelkrauts unentpfindtlich/ allein daß man ein Astriction und Zusammenziehung vermercket mit einer Trückne/ derwegen dieses Kraut truckener unnd küler Natur ist/ welches dann auch die tägliche Erfahrung bezeuget.

 

Jnnerlicher Gebrauch deß Teschelkrauts.
            Teschelkraut frisch und grün gestossen/ den Safft darvon außgedruckt/ und Morgens und Abendts/ jedesmal vier oder v.loth getruncken/ dienet wider das Blutspeyen/ stillet die rote Ruhr und alle Bauchflüß/ das Blutharnen/ Blutspeyen den unmässigen Blutfluß der Weiber/ unnd heylet darneben alle jnnerliche Versehrung.
            Oder so man den Safft nicht haben kan/ so nimb gedörret Teschelkraut iii. oder iv. Handtvoll/ seud das in einer maß roten Weins oder gestelltem Regenwasser den dritten

Theil eyn/ seyhe es durch ein Tuch/ und gib dem Krancken jedes mal drey oder iv. Untzen zu trincken.
            Wider das Blutspeyen: Nimb Teschelkraut zwo Handvoll/ Weggraß/ breyten Wegerich/ jedes eine Handtvoll. Zerschneide diese Kreuter klein/ thue sie in eine bequeme Kannte/ und noch ferner darzu sechs Untzen roten Rosenzucker/ schütte darüber anderhalb maß Regenwasser/ verlutier den Ranfft der Kannten wol mit einem Teyglein von Eyerweiß und Meel gemacht/ oder mit einem Rockenteyg/ darnach stell die Kannt in ein Kessel mit Wasser und lasse sie fünff Stunden darinn sieden/ darnach wann es kalt worden ist so seihe es durch ein Tuch/ unnd gib dem Krancken deß morgens nüchtern/ Nachmittag umb zwo Uhren unnd deß Abendts wann er zu Beth will gehen/ jedes mal drey Untzen zu trincken/ und beharre es ein Tag etliche nacheinander/ biß daß der Krancke besserung spüret.
            Oder nimb Teschelkraut zwo Handtvoll/ Wegerichkraut ein Handtvoll/ seude die in einer Maß Regenwasser den halben theil eyn/ seyhe es darnach durch ein Tuch/ zerlasse darinn roten Rosenzucker der dreyer Jahr alt ist drey Untzen/ nimb darvon drey Untzen/ zertreib darinn einquintlein bereyten Armenischen BOLUS, und gib dem Krancken morgens und Abends/ jedes mal so viel zu trincken/ biß er nichts mehr befindet. Diese Artzeney ist auch ein gewisse Hülff wider die rote Ruhr und andere Bauchflüß.
            Wann einer Blut speyet das da her kompt von einer gebrochenen Ader in der Lungen/ der soll allen Morgen und Abendt/ jedes mal vier loth geleuterten Teschelsafft kül trincken/ auch das frische Kraut in allen seinen Speisen geniessen/ das Kraut auch in Wein legen und darüber trincken/ unnd das antreiben biß daß er genieset.
            Gemeldte Artzeney kommet zu Hülff den Lungensüchtigen und Schwindtsüchtigen/ und dienet wider die rote Ruhr unnd alle andere Bauchflüß/ deßgleichen wieder den unmässigen Bauchfluß der Weiber/ so man förchtet daß jhnen das Hertzgeblüt angehen möchte.
            Frisch Teschelkraut geschnitten und mit einem Eye oder ii. vermischet/ darnach zu einem Küchlein gebacken/ ist ein erfahrne Artzeney wieder den unmässigen Blutfluß der Weiber/ so man dasselbige auff einmal isset.
            Oder nimb deß außgepreßten und geläuterten Saffts von Teschelkraut vier Untzen/ spitz Wegerichsafft/ weiß Rösselwurtzelsafft/ jedes ein Untz/ Zucker drey Loth/ Vermische es/ laß mit einander auffsieden/ darnach seyhe es durch/ unnd gib dem Weibe deß Morgens unnd deß Abendts/ jedes mal das halb zu trincken/ es ist ein gewisse Hülff unnd ein besonder Experiment.
            Geleuterten Safft von Teschelkraut/ Morgens und Abends jedes mal vier loth getruncken mit zwey loth Rosensyrup von gedörrten roten Rosen gemacht/ ist ein bewehrte Artzeney wieder die rote Ruhr. Teschelkrautsafft auff die xii. Untzen wie ein Clistier zu sich genommen/ beweiset nicht weniger Hülff in der roten Ruhr.
            Geläuterten Safft von Teschelkraut auff die vier oder v.loth mit einem halben quintlein gepülverten BOLI ARMENI vermischt und getruncken/ machet wol harnen.
            Teschelkraut zu einem subtielen Pulver gestossen/ und eines quintleins schwer mit Wein auff einmal getruncken/ und das etliche Tag beharret/ dienet wider allerhandt jnnerliche Brüch. Darneben aber soll man das Kraut in den Suppen und in andern Speisen geniessen/ auch in den Wein legen unnd darvon trincken.
            So einem der natürliche Samen ohn sein Willen entgehet/ der nemme zwey loth geläutertes Teschelkrautsafft/ und zertreib drey Grän Ganffer darinn und trincke es/ so wird jme geholffen. So es aber im Winter were und man das Safft nicht haben köndte/ so nimb deß gedörrten Krauts eine gute Handtvoll/ seude das in einer ächtmaß Wassers den halben theil eyn/ seyhe es dann durch ein Tuch/ und nimb darvon vier loth/ und zertreibe drey Grän Ganffer darinn/ gebrauchs darnach wie vorgemeldtet.
            Geläuterten Safft von Teschelkraut auff die vier oder v.loth mit Wein getruncken/ hilfft wider die Bissz der gifftigen Thier.
            Wann das Rindtvieh den Bauchfluß hat/ soll man jhm Teschelkraut zu essen geben so wirdt jhm wider geholffen. So aber ein Rissz mit gemeldtem Gebrechen behafftet were/ soll man das Kraut klein schneiden/ mit dem Futter vermischen und jhme zu essen geben.

 

Eusserlicher Gebrauch deß Teschelkrauts.
            Wider das schweren der Augen von eusserlicher Verletzung: Nimb deß geläuterten Saffts von Teschelkraut vier oder fünff loth/ thue es in ein bleyen Mörselein/ rühre es darinn auff ein Viertheil einer Stundt mit einem bleyenen Stösserlein/ Von diesem Safft thue jederweilen ein Tröpfflein oder ii. in die Augen/ unnd netze leinine Tüchlein darinn unnd lege die uber.
            Teschelkrautsafft in die schwürigen Ohren gethan/ heylet dieselbigen/ säubert sie und trucknet die Flüß auß. Diese Artzeney stillet auch das Geblüt so einem auß den Ohren lauffet/ gleicher Gestalt gebrauchet.
            Teschelkraut in rotem Wein gesotten/ unnd denselbigen im Mundt gehalten/ festnet die wacklenden Zähn.
            Teschelkraut gestosen unnd wie ein Pflaster ubergeleget/ leschet unnd miltert die hitzige Entrichtung deß entzündten Magens.
            Teschelkraut in Wasser gesotten/ unnd mit der durchgesiegenen Brühen den Halß gegurgelt/ ist ein heylsame Artzeney wider die Versehrung deß Halß von Hitz verursachet.
            Teschelkraut in die Schuch oder Hosen gelegt/ dz man mit blosen Füssen darauff gehet/ vertreibet die Geelsucht/ aber man muß allen Tag frisch Kraut nemmen.
            Teschelkraut zwey Theil unnd Pfersingkraut mit den Flecken ein Theil/ klein zerschnitten unnd in ein langen Sack gethan/ darnach in Regenwasser/ oder aber in ablesch Wasser darinn die Schmidt das Eisen ableschen/ gesotten/ unnd ein Lendenbad darvon gemachet/ das dienet wider den unmässigen Blutfluß der weiber/ so sie deß Tags zweymal/ das ist morgens und Abends/ jedesmal ein par Stund darinn baden/ und den Sack mit den Kreutern/ dieweil sie im Bad sitzen umb den Rücken und Lenden binden.
            Oder nimb Teschelkraut/ breyten Wegerich und die mittelst Rinde von einem Eychbaum/ jedes gleich viel/ seude diese stück in Regenwasser/ unnd lasse das Weib obgemeldter massen darinn baden.
            So einem die Naß blutet und das Blut nit verstehen wil/ so gib jme ein Handvoll Teschelkraut in die Hand auff welcher seiten das Blut herauß lauffet/ so bald das Kraut erwarmet/ so gestehet jm das Blut. Oder netze ein Baumwolle in Teschelkrautsafft und stosse die in die Nasen. Oder nimb Teschelkraut undbind es jhme umb die Keele und den Halß. Etliche halten auch das Kraut dem blutenden vor die Augen/ daß er es nur anschawet/ und es hilfft. Es werde aber dieses Kraut gebrauchet wie es wölle/ so stillet es die Blutflüß gewaltiglich vor allen andern Blattkreutern.
            Wider die rote Ruhr mach nachfolgende Artzeney: Nimb Teschelkraut vier handvoll/ breyt Wegerichkraut ii. Handvoll. Zerschneid und stosse sie klein/ seuds in Regenwasser/ thu darzu drey oder vier loth Armenischen BOLUS, und das weiß von zweyen Eyern/ temperiers zu einem Pflaster/ legs auff ein Tuch gestrichen warm uber den gantzen Leib/ und erfrische es täglich zweymal.
            Oder nimb Teschelkraut ein gut Theil/ thu es in ein Hafen/ schütte roten Wein darüber/ laß es sieden/ darnach stelle den Hafen in ein Gemachstuel/ und empfahe den Dampff darvon in den Hindern/ unnd halte für frisch Teschelkraut in den Händen.
            Oder nimb Teschelkraut vier Handvoll/ Schafftenhew/ Weggraß/ Küttenbaumbletter/ breyten Wegerich/ rot Rosen/ jedes zwo Handvoll/ seuds in rotem Wein oder Regenwasser/ und empfahe den Dampff davon.
            Teschelkraut gestossen und hinden uber die Lenden gelegt/ ist den Weibern ein gute Artzeney/ die jhre Zeit zuviel haben/ dann es stillet den unmässigen Blutfluß.
            Teschelkraut durch ein bequemes Jnstrument in die Mutter gethan/ trücknet und heylet die Geschwär derselben.
            Wann einer das drittägig Feber hat/ und wollte desselbigen gern bald ledig werden/ der binde jhm Teschelkraut also frisch in dem PAROXYSMO uber den lincken Pulß/ unnd so bald das Kraut dürr wird soll er wider ein frisches auffbinden.
            Teschelkrautsafft dienet wider die Geschwulst und Entzündung der Gemächt/ Tücher darinn genetzt und lawe warm darüber gelegt/ und so offt sie trucken werden/ wider erfrischet: dient auch wider das hitzig Zipperlein an Händen und Füssen/ dann es miltert und leget den Schmertzen.
            Teschelkrautsafft mit gutem Weinessig vermischt/ leinine Tücher darinn genetzt und ubergelegt/ zertheilet unnd kület alle Geschwulst und Hitz/ leschet alle Entzündungen gewaltiglich/ unnd wehret damit der zufliessenden Materi. Solcher Safft wird auch wider den hefftigen Brand gebrauchet/ daß man hernach dieselben abschneiden muß.
            Solches thut auch so man das Kraut mit Essig stösset/ und wie ein Pflaster uberlegt.
            Teschelkrautsafft mit Haußwurtz und Essig vermischet/ ist ein kräfftige Artzeney wider das Rotlauffen oder SanctDüngesfeuwer.
            Teschelkrautsafft mag man also frisch in die frischen Wunden fast nutzlich gebrauchen/ dann es stillet nit allein dz Blut/ sondern heylet auch kräfftiglichen. Solchs thut auch das gedörrt Kraut zu Pulver gestossen/ und in die Wunden gestrewet.
            Das bluten der Wunden zu stillen: Nimb Teschelkraut und gib dem Verwundten ein Handtvoll in die lincke Hand/ unnd ein Teschelkrautwurtzel under die Zungen/ so bald das erwarmet/ so stillet sich das Blut. Diese Artzeney dienet auch wider das Nasenbluten.
            Wider die Entzündung der Wunden und Schäden/ stosse Teschelkraut und binds uber wie ein Pflaster/ es kület unnd leschet die Entzündung/ und hinderschletgt den Zufluß.

 

Teschelkrautwasser.
AQUA STILLATITIA BURSAE PASTORIAE.

 

            Das Teschelkraut wird allerdings wie wir von dem Endivienkraut gelehrt haben/ in der VESICA durch das frische Wasser abgezogen/ darmit jhm seine külende Krafft nit entzogen wird.

 

Jnnerlicher Gebrauch deß Teschelkrautwassers.
            Teschelkrautwasser hat ein treffenliche/ külende/ stopffende Krafft/ die rote Ruhr unnd einen jeden hitzigen Bauchfluß zu stillen/ deßgleichen auch den blutigen Harn zu vertreiben/ stillet auch den unmässigen Blutfluß der Weiber/ deß Morgens und Abends/ jedesmal vier oder fünff loth getruncken und den täglichen Tranck darmit gemischet.
            Wider die erzehlten Kranckheiten mach folgenden Tranck: Nimb Teschelkrautwasser ein maß/ rot Rosenzucker der dreyer Jahr alt ist/ Welsch Bibernellen/ Conservenzucker/ jedes drey Untzen/ Vermisch es und thue sie in ein Kannt zusammen/ laß ein Viertheil einer Stund in einem Kessel mit Wasser sieden/ darnach seihe es durch ein Tuch/ und gib allen Morgen nüchtern/ Nachmittag umb zwo Uhren und deß Nachts wann er eynschlaffen wil/ jedesmal drey untzen warm zu trincken.
            Ein köstlich Wundwasser an statt eines Wundtrancks zu gebrauchen/ das bereyte also: Nimb Teschelkrautwasser/ breyten Wegerichwasser/ Wassersternkrautwasser/ jedes sechszehen Untzen/ Eychenlaubwasser/ Schadheylwasser/ jedes acht untzen/ Tormentillwurtzel/ Naterwurtzel/ Schwalbenwurtzel/ alle drey groblecht gepülvert/ Vermische die Wasser unnd Pulver durcheinander/ und laß in einem warmen BALNEO MARIAE vier und zwantzig Stunden mit einander beytzen/ darnach distillirs mit sanfftem Fewer/ und behalts zum Gebrauch. Wann du nun ein Verwundten hast/ so gib jhme allen Morgen unnd Abend darvon vier Loth zu trincken/ an statt eines Wundtrancks/ es heylet die Wunden von Grund herauß.

 

Eusserlicher Gebrauch deß Teschelkrautwassers.
            Teschelkrautwasser warm in dem Mund gehalten und das Maul offtermals darmit außgespület/ festnet die wacklende Zähn unnd heylet alle hitzige Versehrung deß Munds/ der Zungen und Biller.
            Teschelkrautwasser offtermals gegurgelt/ heylet die Versehrung und Verwundung deß Hals und Schlunds.

 

Teschelkrautsyrup.
BURSAE PASTORIAE SYRUPUS.

 

            Es lobet ALEXANDER BENEDICTUS den Syrup von dem Teschelkraut sehr zu den obgemelten Gebrechen/ und wird also gemacht: Man nimpt deß außgepreßtren Geläuterten Saffts drey Pfund/ guten und weissen Feinzucker zwey Pfund/ solchs thut man zusammen in ein Kesselein/ lassets sittiglich auff einem Kolfewerlein sieden biß zu bequemer Dicke eines Syrups/ im sieden verscheumpt mans unnd läuterts mit einem Eyerweiß in frischem Wasser zerklopffet/ wann er nun gesotten ist/ seihet man den syrupdurch ein wüllin Tuch/ und verwahret den zum Gebrauch in einem Porcellan Geschirr.
            Dieser Tranck dienet wider alle obenerzehlte Kranckheiten/ wie die in dem jnnerlichen Gebrauch deß Krauts unnd deß gedistillierten Wassers ernennet worden seyn/ vor sich selbst allein drey oder vier Loth auff einmal gebrauchet/ oder mit einem bequemen gedistillierten oder gesottenen Wasser vermischet wie es einem jeden anmütig seyn soll.