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HIRSE

Panicum - Gramineae


 

VON DEM HIRSCHEN.

 

            Deß Hirschens haben wir heutiges Tages zwey Geschlecht/ nemblich den gemeinen Hirschen/ den man täglich in der Speiß gebrauchet/ unnd dann den schwartzen/ der in kurtzen Jahren uns auch bekannt worden ist.
            l. Der gemeine Hirschen keymet baldt nach dem er in das Erdtreich gesäet wirdt herfür/ unnd steiget in kurtzer zeit in die Stengel/ die sind dick mit vii. oder viii. Gewerben unnd Gleychen underscheiden/ die Bletter seyndt den Rohrblettern ähnlich/ Die Aeher schlieffen au
ß einer graßechtigen Scheiden/ seyndt gantz drauschellechtig unnd zottechtig wie Aeher deß gemeinen Deckrohrs/ blühet braun/ auß der Blüht werden kleine/ runde unnd feste gelbechtige Körnlein/ deren ein jedes zwischen zweyen dünnen/ fliegenden Blätlein besetzt ist: Die Wurtzel ist gantz zasechtig/ Mann säet den im Mertzen unnd im Aprillen. Etliche säen jhnen auch deß Jahrs zweymal/ nemblich im Glentzen/ und darnach im anfang deß Brachmonats. HESIODUS aber hat zu aller Sommersaat die erste Zeit deß Glentzen/ das ist umb die Sommer Sonnen wend/ wann die PLEYADES oder die Sternen VERGILIAE auffgehen/ für andere Zeit erwehlet/ welche Zeit auch viel Bauwleut dem Hirschen achten bequemer seyn. Es wächst gern an sandechtigem feuchten Erdreich/ sonderlich aber in feuchten Landtschafften/ als wie im Bruhrheyn/ der Obergraffschafft Katzenelenbogen/ welches man das Gerauwer Ländtlein nennet/ und derengleichen Orten. Er will am Morgen früh oder auff den Abendt in der küle gesäet oder in den Grundt geworffen werden. Dieses Zugemüß bedarff keines besondern grossen Unkostens/ dann ein wenig Samen füllet ein groß stück Feldes/ So baldt man den gesäet hat/ sol man den mit Hurden oder Gereiß wol bedecken/ damit er nicht von der ubrigen Sonnen Hitz auffspringe oder verderbe.
            ll. Das ander Geschlecht hat einen höhern unnd dünnern Stengel/ ist sonst mit den Rohrblettern dem andern gleich/ auch mit der Blüht/ der Stengel aber ist glatt unnd nicht haarechtig/ auch mit Gleychen underscheiden/ unnd wird der Samen Kolschwartz und glatt/ ist an der gestalt und form langechtiger dann der gemein Hirschen/ und ist aber das inner Kernlein weisser dann der ander Hirschen. Dieser wirdt von wegen der Seltzsamkeit bey uns noch zur zeit allein in die Gärten gesäet. Dieser Hirschen mu
ß stetig gejetten/ unnd von dem Unkraut gereiniget werden.

 

Von den Namen deß Hirschen.
            Lateinisch heisset er CENCHRUS unnd MILIUM, von STRABONE, CENCHRIS ,von den Kreutlern aber von den Griechischen Namen PASPALE oder PASPALUS HIPPOCRATIS und PISTUM. Hochteutsch Hir
ß/ oder Hirschen. Das Hirschenmeel heisset Lateinisch MILII FARINA. Die Sprewer von dem Hirschen heist bey dem PLINIO LIB.18.CAP.10. APPLAUDA, das ist/ PURGAMENTUM MILII. Mit gleichem Namen werden auch die Spreuwer und der Abgang deß Sesams und Fenchs genannt.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Hirschens.
            Der Hirschen ist kalt und trucken/ stopffet den Bauch und trucknet/ ist harter Däuwung/ er ist aber kalt im ersten Grad/ unnd trucken im dritten/ oder im andern gantz vollkommen mit einer subtielen Substantz. Seinen Gebrauch unnd Wirckung sampt dem Fench beschreibet BABTISTA FIERA in seinem COENA kürtzlich mit folgenden Versen/ und spricht:

 

 

Jnnerlicher Gebrauch deß Hirschens.
            Das gemeine Volck in Teutschland kochet gute Hirschenbrey au
ß dem gestampfften oder gescheelten Hirschen mit Milch unnd Butter/ unnd kann keine Kirchweyhe nicht gehalten werden/ es seye dann der Hirschenbrey mit rotem Zucker ubersäet darbey/ unnd gibt solcher Brey gute Nahrung/ unnd speiset sehr wol/ unnd ob gleichwol der Hirschen harter Däuwung ist/ so wirdt er doch bey denen die dessen von jugendt auff gewohnet sind ziemlich bald und wol verdauwet/ und ist ein gute unnd gesunde Speiß vor die Kinder/ dann sie werden starck und wol geferbt davon/ und werden dergleichen speisen den Kindern viel gesünder/ dann dz man sie also mit vielen Fleischspeisen uberfüllet/ wie bey vielen jetzund ein gemeiner gebrauch ist/ daher jnen Würm/ faule Feber und andere Kranckheiten zustehn.
            GALENUS schreibhet LIB.1.ALIM. da
ß zu seiner zeit dz Bauwersvolck auß Hirschenmeel gute Brey mit Schweinenschmaltz oder mit Oele gekocht unnd gessen haben. Es ist heutiges Tages noch in Franckreich und Hochburgundt der gebrauch/ daß die Haußmütter Hirschen mit Wasser zu einem Brey sieden/ schmeltzen den ein wenig und saltzens daß genug ist/ mit solchem speisen sie jr Gesind und Taglöner auff dem Feldt/

Geben jnen grob Brod von ungebeuteltem Meel gebacken dazu/ und Wasser zu trincken/ damit jhr Gesindt wol zu frieden ist/ deßgleichen auch die Taglöhner/ solche Speiß oder Brey sindt nicht vor unsere Taglöhner/ wann sie nicht mit guter Milch zugerichtet werden/ daran sie dann auch nit genug haben/ sondern es müssen noch drey oder vier Trachten dabey seyn/ und Wein vollauff.
            Etliche kochen den Hirschenbrey bey uns wie folget: Sie nemmen gescheelten oder gestampfften Hirschen/ wäschen den sauber au
ß frischem Wasser/ thun den in ein sauberen Hafen/ schütten ein gute feyste Ochsenfleischbrühen darüber/ setzens auff ein Kolfeuwer/ lassens sittiglich sieden/ rühren es stätig dz es nicht anbrenne/ thun Saltz darzu so viel von nöthen ist und richtens an/ ist ein gute gesunde Speiß die ziemlich wol nehret.
            Hirschenbrey mit Milch oder Fleischbrühen gekochet unnd wol gesotten/ sind fast dienlich den Seugmüttern die wesserechtige Milch haben/ dann diese Spei
ß macht jnen die Milch dick und gut.
            Hirschenmeel mit Gey
ßmilch zu einem Breylein gesotten und mit Zucker süß gemacht/ ist eine gute Speiß und Artzeney vor die Lungensüchtigen wann kein Feber vorhanden ist: So aber ein hitzig Feber mit underlauff/ soll man an statt der Geyßmilch ein gute frische Mandelmilch nemmen unnd das Breylein also damit sieden.
            Du magst auch vor Febricitanten und andere Krancken in hitzigen Gebrechen ein solches nützlichs Hirschenbreylein bereyten: Nimb süsse Quetschen oder Ungerische Pflaumen die seud wol in einem Hünerbrühlein/ schlage oder seihe die Brühe durch ein Tuch/ thu Hirschenmeel in ein Häfflein/ lasse es wol mit der Brühen sieden/ darnach thue zweymal so viel Mandelmilch darzu/ unnd seude es so lang biß es ein dünnes Breylein wirdt/ das gib dem Krancken zu essen/ dann es stärcket und speiset sehr wol/ und ist leichtlich zu verdauwen.
            Es ist auch der Brey oder Gemüß von Hirschen noch heutiges Tages in Tatrarey sehr gemein/ die bereyten die Tartarer mit Pferdtsmilch/ darvon sie sich mehrentheils speisen unnd erhalten. Sie nemmen auch das Hirschenmeel unnd lassen einem Pferd ein Ader an einem Schenckel schlahen/ vermischens mit dem Hirschenmeel unnd essens also rohe und ungekocht.
            ANTONIUS GUAINERIUS ein berühmbter Artzet/ der schreibt IN CURA TERTIANAE von einem Tranck von Hirschen/ den soll der H. AMBROSIUS gemacht unnd gebraucht haben/ wider das dreytägig Feber/ damit er zu Meylandt vielen Menschen geholffen hat/ der wirdt also gemacht: Nimb gescheelten Hirschen ein Pfundt/ seude den in drey Pfundt Wasser biß der Hirschen auffbreche und sich dz Wasser ferbe. Von diesem durchgesiegenen Tranck soltu ein ziemlichen Trunck thun/ an dem Tag wann dich das Feber geschüttelt hat/ und sich die Hitz schier enden und nachlassen wil/ darauff soltu dich wol decken und schwitzen.
            Hirschen in Wasser gesotten/ die Brühe mit Zucker ein wenig süß gemacht und darvon ein Becherlein voll warm getruncken/ treibt den Schweiß gewaltiglich/ ist ein gute Artzeney vor arme Leuth/ wann sie ins Bad wöllen gehen.
            Hirschen ist den Krammatsvögeln/ Wachteln und Turteltauben ein anmütige Speiß und werden feyst davon. So mästet man auch die Faßhanen und Birckhanen damit auß/ dann sie essen den sehr gern.
            So man den Hünern Hirschen genug zu essen gibt/ so legen sie schöne grosse Eyer.
            Etliche machen die Schwein mit Hirschen feyst/ unnd seindt die Spreyer unnd der abgang darvon gut vor das Rindtvieh/ sie mit anderm damit außzumästen.

 

Eusserlicher Gebrauch deß Hirschens.
            Ungestampfften Hirschen iiii. Untzen miti. Untzen Saltz vermischet/ darnach in einer Pfannen uber dem Feuwer geröscht/ unnd in ein langes/ schmales Säcklein gethan/ auff die Scheytel deß Haupts so warm als man es leiden kan/ gelegt/ vertreibet den Catharren und Hauptfluß.
            Oder nimb ungestampfften Hirschen zwey theil/ Saltz und Chamillenblumen/ jedes ein theil/ röschte die uber einem Feuwerlein/ und lege es uber die Scheytel deß Haupts also warm/ dienet auch wider den schmertzen der Ohren von Kälte unnd windigen Blästen verursachet/ außwendig uber die Ohren warm gelegt in einem Säcklein: miltert auch das Zahnwehethumb von Kält/ also warm uber den Backen gelegt/ auff die seite da der Schmertzen ist.
            Die ubrige Milch der Seugmütter zu verzehren: Nimb ungestampfften Hirschen zwo Handtvoll/ Bonenmeel/ Chamillenblumen/ jedes i. Handvoll/ röschte es in einer eisenen Pfannen/ darnach thue es in ein Säcklein und legs so warm uber die Brüst als es zu leiden ist/ und sollen aber dieser Säcklein zwey seyn.
            Wider den feuchten unnd kalten Husten von kalten Hauptflüssen verursachet: Nimb Hirschen der nicht gescheelt ist zwo Handtvoll/ Saltz/ Ackermüntz/ Wolgemuth/ Poleyenkraut/ jedes ein halbes Händtleinvoll. Zerschneide die Kreuter/ vermische sie mit dem Hirschen unnd Saltz rösche es darnach/ unnd legs warm uber die Kron und Scheytel deß Haupts/ das wird den Husten trucknen.
            Wider das schmertzliche Seitenstechen: Nimb ungestampfften Hirschen zwo Handtvoll/ Kleyen ein Handtvoll. Vermische diese Stück/ röschte sie darnach uber einer Glut/ thu sie in ein bequemes Säcklein/ unnd lege es so warm du es leiden kanst uber die schmertzhafftige Seiten/ darnach salbe die Seiten mit der Eybischwurtzelsalben/ UNGUENTUM DIALTHEAE genannt.
            Wider die schmertzen unnd krimmen deß Bauchs und der Därm/ so kein verstopffung vorhanden ist: Nimb ungestampften Hirschen vier handtvoll/ Chamillenblumen/ Rockenkleyen/ Saltz/ jedes zwo Handtvoll/ Dillsamen/ oder die obersten Gipffel darvon ein handtvoll. Vermische die Stück durcheinander/ röschte die in einer Pfannen/ thu sie in ein bequem leinin Sack/ und lege den so warm uber den Bauch/ als du jhnen leiden magst.
            Oder nimb ungestampfften Hirschen drey handvoll/ Saltz ii. Handtvoll/ Leinsamen/ Dillsamen/ Fenchelsamen/ unnd Anißsamen/ jedes ein Handtvoll/ röschte die wie gemeldet/ unnd lege sie warm uber den gantzen Bauch in einem Sack. Solche Artzeney vertreibet auch die Bläst unnd Windt oder das Auffblehen deß Bauchs.
            Wider die Bläste deß leibes von wasserechtiger Feuchte oder der Wassersucht: Nimb ungestampfften Hirschen vier handvoll/ Fench/ Bonenmeel/ jedes ii.handvoll/ drey Untz lebendigen Schweffel gestossen ein Handtvoll/ röschte die wie gemelt/ und legs uber die geschwulst so warm du es leiden kanst.
            Oder nimb ungestampfften Hirschen/ Fenchsamen/ Rockenkleyen/ jedes iii.handvoll/ Saltz iii.handvoll/ Römischenkümmel/ Anißsamen/ jedes zwo Handtvoll/ Lorbeern groblecht zerstossen ein handvoll/ röschte diese stück unnd lege sie in einen Sack warm uber den Bauch.
            Ungestampfften Hirschen mit Saltz in einer eisenen Pfannen uber dem Fewer geröscht/ und in einem Säcklein warm uber die Leber gelegt/ eröffnet die verstopffung derselben von den Blästen verursacht.
            Wider den Schmertzen der Leber von Kälte: Nimb ungestampfften Hirschen iii.theil/ Rockenkleyen ii.theil/ Saltz ein theil/ röschte diese Stück wie gemelt/ und legs in einem Säcklein warm uber.
            Wider die Geschwulst und Auffblehung deß Miltz: Nimb ungestampfften Hirschen ii.theil/ Saltz ein halb theil/ mache zwey leininer Säcklein und thu die gemelte Stück darein/ reihe die darnach Rauthenweiß mit einem Fadem/ daß die Materi nit zusammenlauffen kan/ und wärme die auff einem heissen Ziegelstein/ der mit scharpffem Essig besprengt werde im wärmen/ und lege also je ein Säcklein umb das ander uber das Miltz/ so warm du es leiden kanst.
            Hirschenmeel unnd Gerstenmeel/ jedes gleich viel in weissem Wein zu einem Brey gesotten/ und auff ein Tuch gestrichen wie ein Pflaster/ legt den schmertzen der Nieren und Lenden deß Tages zweymal warm ubergelegt.
            Hirschenmeel mit Gerstenbrühen zu einem Brey gesotten/ auff ein Tuch gestrichen/ warm uber den Nabel unnd uber das Gemächt gelegt wie ein Pflaster/ ist gut wider die Harnruhr und tröpfflingen harnen.
            Den Nierenstein außzutreiben machet man ein köstlich offt probiert Lendenbad wie folgt: Nimb Hirschenkraut mit stengel und dem Samen v. Handvoll/ alt Kölkraut iii. Handvoll/ Chamillenblumen/ Käßpappeln/ Fünffingerkraut/ Meerhirschenkraut/ jedes ii. Handvoll/ Wassereppich/ Peterlenkraut/ brennende Nesseln/ Poleyenkraut/ Tag unnd Nachtkraut/ Bachmüntz jedes i. Handvoll/ Diese Kreuter soll man im Bachwasser wol sieden und ein Lendenbad darauß machen.
            Hirschenmeel mit dem Wasser/ darinnen Sumachkörner gesotten worden seynd/ zu einem Brey gesotten/ stillet den jungen Kindern den Durchlauff oder Bauchfluß/ auff ein Tuch gestrichen wie ein Pflaster/ unnd uber deß Kinds Bäuchlein gelegt.
            Hirschen hinden auff die Hüfft gelegt/ benimbt den roten Außgang oder Ruhr/ und stillet den unmässigen Blutfluß der Weiber.
            Wider die schmertzliche Gelüst zum Stulgang von Kälte verursacht: Nimb ungestampfften Hirschen/ Kleyen/ Saltz/ Winrauthen/ jedes zwo Handvoll. Vermische diese Stück durcheinander/ röschte sie darnach in einer Pfannen/ thu sie in ein leinin Säcklein/ unnd legs so warm du es leiden kanst uber den Hindern.
            Hirschenmeel in die Beth auff die Leilachen gestrewet/ darinn die/ so an den Purpeln kranck seynd/ ligen/ denen trucknet es die ubrige Feuchtigkeit der Purpeln auß.
            Hirschenmeel mit Wein und dem sauren Honigsyrup (OXYMELITE SCILLITICO) Buttern und ein wenig Terpentin zu einem Pflaster gesotten unnd temleriert/ vertreibt die Geschwulst der Hoden.
            Wider die auffblähung der Mutter: Nimb ungestampfften Hirschen ii. Handvoll/ Dillsamen/ Möhrensamen/ jedes i. halb Handvoll/ Saltz i. Handvoll. Zerschneid die Kreuter und vermische die mit dem Hirschen und stücken/ röschte die in einer eisenen Pfannen/ thue sie darnach in ein bequemes Säcklein/ und legs außwendig auff den understen Bauch/ so warm man es leiden kann.
            Geröschter ungestampffter Hirschen allein in Säcklein ubergelegt/ vertreibet oder miltert alle schmertzen die von Kälte und schleimiger Feuchten entspringen. Gleiche Wirckung hat auch das Hirschenmeel mit Buttern zu einem Pflaster temperiert/ auff ein Tuch gestrichen unnd warm uber das schmertzhafftige Ort gelegt.
            Hirschenmeel mit Tarr oder weychem Bech zu einem Pflaster temperiert/ heylet der Schlangen/ Rösselwürm unnd aller anderer kriechender Thierbissz/ auff ein Tuch gestrichen und uber die Bissz gelegt.
            Auß dem Hirschen wird ein bewerth Pulver zu den Fisteln und dem Krebs gemacht/ das bereytet man also: Nimb ungestampfften Hirschen iii. Pfund/ Saltz/ Hünerdreck/ jedes anderhalb pfund/ der Wurtzeln von Oepffelbaumen unnd Oepffelbaumrinden/ Coloquintenöpffel/ jedes v. Untz/ schneide die Wurtzeln und Rinden klein/ vermische die mit den andern stücken und thue sie in einen unverglasurten Hafen/ thue ein Deckel daruber/ verlutier den Hafen wol mit LUTO SAPIENTIAE, unnd setze den in ein Haffners Ofen/ lasse denselbigen so lang darinn stehen biß die Häfen gebacken seynd/ und die Materi darinn zu Pulver unnd zu Aeschen gebrannt ist/ das stosse darnach zu einem subtielen Pulver/ unnd streuwe darvon in die Fistel oder den Krebs.
            Wiltu Quitten oder Küttenöpffel lang frisch behalten/ so vergrabe sie in ungestampfften Hirschen/ so bleiben sie lang frisch und gut.
            So man Fleisch in Hirschen verschirret/ bleibet es viel Tag unversehret und faulet nicht.
            So einem Rindvieh ein Knie oder Schenckel geschwollen were/ seude Hirschenmeel und Leinsamenmeel/ jedes gleich viel in Essig zu einem Pflaster/ streiche es auff ein Tuch unnd legs warm uber das Knie.
            Wann ein Rossz Leibwehe oder das Krimmen hat/ so nimb ungestampfften Hirschen unnd Saltz/ so viel genug ist/ röschte es uber dem Fewer in einem Kessel/ darnach thue die in ein leinin Sack/ unnd binde den dem Rossz uber den Bauch so wird jhme geholffen.
            So ein Rossz ein Hornspalt hat/ so seude Hirschen der gescheelt ist in Wasser/ thue darzu ein stück Hirschenunschlit und das weiß von einem Wye/ unnd seude es wol biß es wird wie ein pflaster/ streichs auff ein Tuch und binds dem Rossz warm uber den Fuß daran der Spalt ist/ und thue das alle Tag einmal so lang biß der Spalt wider zusammen heylet.
            So einem Roß der Kern schwind/ so lasse jm denselben wol außwircken/ darnach nimb ungestampfften Hirschen und stoß den groblechtig/ seude den in frischer Milch zu einem dicken Brey/ unnd schlage dem Rossz darmit eyn/ verbinde es/ daß es nit herauß fallen kan/ laß dz Rossz also biß an den andern Tag stehen/ darnach thue das hinweg und schlage jhm wider den gemelten Brey eyn wie zuvor/ und thue das so lang biß der Kern genug hat/ so dann dem Rossz die Solen wider hart worden seyn/ so mag man es widerumb ohne allen schaden reyten.
            Wann ein Rossz vernagelt worden ist/ so seude Hirschen mit altem Schmaltz/ brich dem Rossz das Eisen ab und binde jhm die Materi daruber/ so schadet es jhme nit/ uber ii. Tage schlage jhm das Eisen wider auff/ und reite das Rossz wider wohin du wilt.

 

Gedistilliert Hirschenwasser.
MILII AQUA STILLATITIA

 

            Es wird auch ein köstlich gut wasser von dem Hirschen auff folgende weiß gedistilliert: Nimb im Heuwmonat wann der Hirschen blühet und fast zum Samen stossen wil/ Kraut unnd Wurtzeln sampt dem Blut und Samen/ so viel du wilt/ wäsch die Wurtzeln sauber/ hacke sie darnach mit Kraut unnd allem gantz klein/ unnd distilliers mit sanfftem Fewer in BALNEO MARIAE, darnach nimb der Aeher vom Hirschen mit Blumen unnd Samen getrucknet und gedörrt zu einem groben Pulver gestossen vier Untzen zu jeder maß Wassers/ und distilliers zum andernmal/ und laß es darnach sein gebürliche zeit in der Sonnen rectificieren/ als dann behalt es zum gebrauch.

 

Jnnerlicher Gebrauch deß Hirschenwassers.
            Das Hirschenwasser ist ein bewert unnd heilsam Wasser den Harn zu fürdern/ die Nieren/ Harngäng und die Blasen von allem Unrath und Schleim zu reinigen/ sonderlich aber den Stein der Nieren oder den reissenden Stein außzuführen/ deß Morgens und Abends/ jedesmal vier oder v.loth getruncken.
            Etliche brauchen je uber den iii. Monat vi. Tag nacheinander/ und trincken alle Morgens nüchtern/ deßgleichen auch deß Abends ii. Stunden vor dem Nachtessen/ jedes ii. oder iii.untzen/ das soll ein gewiß Experiment seyn den Menschen iii. Monat vor dem Stein zu bewaren.
            So einen der Stein anstiesse soll er das hiebevor verzeichnet Lendenbad vom Hirschenkraut bereyten/ und wann er zu baden eynsitzen wil/ soll er deß gemeldten Hirschenwassers v. oder vi.loth trincken/ das wird den Stein bald ohn einige Nachtheil fort treiben.

 

Hirschenbrod.
MILIACEUS PANIS.

 

            Das Hirschenbrod spricht DIOSCORIDIS LIB.2CA.85 deßgleichen auch GALENUS LIB.1.ALIM. nehret weniger dann sonst Brod auß allen andern Kornfrüchten/ unnd ist truckner und kalter Natur. Solch Brod wird selten in Teutschland gebacken/ dann in grosser Thewrung deß Getreyds und Hungersnoht. Dieses Brodt ist schwerlich zu verdauwen und stopffet den Bauch/ ist derwegen denen so von Natur hartes Leibes und schwerlich zu Stul gehen mögen/ ungesund/ Hergegen aber die stetig flüssigen Bauch haben oder mit Bauchflüssen beladen sind/ die mögen wol Hirschenbrodt essen/ oder aber das Meel von anderm Getreydt darauß jhr Brodt machen lassen/ mit dem halben theil Hirschenmeels vermischen. Jn Gasconien ist das Hirschenbrodt gemeiner dann bey uns in Teutschlandt. Das Hirschenbrodt heisset Lateinisch/ PANIS MILIACEUS.