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HIMMELSLEITER
Polemonium caeruleum - Polemoniaceae


VON DEM GRIECHISCHEN BALDRIAN.

 

    Der Griechische Baldrian hat eine Wurtzel/ von vielen kleinen dünnen Zaseln/ daraus wachsen drey oder vier gerade/ dünne Stengel/ die sind inewndig hol/ Ellen lang/ und auch bißweilen etwas länger/ von unten an biß oben aus/ mit vielen bauchechtigen langen und spitzen Blättlein gezieret/ deren es viel an einem Stiel hat/ je eins gegen dem andern über gesetzt/ haben etlicher massen eine Gleichheit mit den Blättern der Wicke/ sind an jedem Stiel anzusehen wie ein Feder/ oben am End der Stengel und an den kleinen Nebenästlein/ bringet es schöne liechtblaue/ [bißweilen gantz weisse] fünffblättige/ lustige Blumen/ die blühen fast den gantzen Sommer hinaus/ haben inwendig kleine weisse Fäselein/ am Ende mit kleinen bleichgeelen Gipfflein: Wann die vergehen und abfallen/ folget hernach ein kleines schwartzes Sämlein/ in langechtigen Schötlein verschlossen/ darvon man wieder junge Stöcklein zielet. Es ist solches Gewächs aus fremden Landen zu uns gebracht worden/ und wird heutiges Tags in allen Lustgärten gefunden. Es wächst fast gern in einem jeden Erdreich/ und darff nicht sonderer Fleiß solches aufzubringen/ es mehret sich jährlich vom ausgefallenen Saamen/ daß es einen grossen Platz erfüllet.

Von dem Namen des Griechischen Baldrians.
     Ob die alten Lehrer DIOSCORIDES, THEOPHRASTUS und andere/ dieses schön Gewächs auch beschrieben haben/ oder dessen gedacht/ ist noch keiner herfür kommen/ der solches angezeiget/ so haben auch wir bey den obgemeldten/ oder auch andern Griechischen oder Lateinischen Lehrern/ keine Beschreibung nie gelesen/ die mit diesem Gewächs zu vergleichen. Unsere Kräutler nennen es/ VALERIANAM GRAECAM und VALERIANAM ADULTERINAM. [Englisch/ Greekisch Valerian.] wie auch zu Teutsch/ Griechischen Baldrian/ unangesehen daß es einige Form/ Gestalt und Gleichheit mit dem Baldrian nicht hat/ welche Namen wir behalten müssen/ biß wir einen bessern überkommen. [VALERIANA COERULEA, C. B. GRAECA, DODON. GER. PEREGRINA, CAMER. LOBEL. ICON. & OBS. AD: PHU GRAECUM, DOD. GAL. LUGD. PERGRINUM, GES. HORT.]

Von der Natur/ Krafft/ Würckung und Eigenschafft des Griechischen Baldrians.
    Der Griechische Baldrian/ wird weder äusserlich oder innerlich zu einer Artzney gebrauchet/ so sind auch uns seine Krafft und Tugenden noch unbekannt/ wissen derowegen auch auf dißmal weiter davon nicht zuschreiben/ dann daß die Blumen dieses Krauts von wegen ihrer schönen und lieblichen Farben/ auf die Tische und Gemach zur Zierde gestreuet werden/ und daß die Jungfrauen und Weiber/ die zu ihren Kräntzen und Sträußlein gebrauchen.