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HAUHECHEL
Ononis - Leguminosae


VON HAUWHECHEL.

    Deß Hauwhechels seyn zweyerley Geschlecht/ eines so stechender Hauwhechel ist/ und ONONIS SPINOSA genennt wirdt: Das ander aber so ohn Stacheln wächst/ ONONIS NON SPINOSA genennt. Das erste ist wiederumb zweyerley/ eines mit rotlechten leibfarben Blumen/ das ander mit weissen Blumen.
    l. Das erste [so im Früling mit zarten rötlechten Zweiglein herfür kömpt/ ohne Stacheln/ die sie erst zur zeit der Erndten bekompt/ ] beschreibet DIOSCORIDES, das es harte holtzechte Aestlein habe/ mit scharpffen Dornen besetzet/ wachse einer Hand hoch/ und auch höher/ seine Bletter vergleichen sich den Linsenblettern/ oder auch dem Ehrenpreiß/ an Farb schwartzgrün und ein wenig härig/ seine Wurtzel sey weiß/ welche sich unter der Erden weit außbreite: Andere schreiben/ daß sich die Blumen der Faselnblumen vergleichen/ nach welchen kleine Schötlein [als der Linsen] erfolgen/ darinn breyter Samen verschlossen ist/ wie in den kleinen Wicken,]
    ll. Mit bemeltem Geschlecht kompt das ander in allen stücken uberein/ außgenommen daß es weisse Blumen tregt.
    Von dem andern Geschlecht/ so ONONIS NON SPINOSA genennt wirdt/ halte ich darfür/ daß LOBELIUS darvon geschrieben habe/ da er vermeldet in seinen ADVERSARIIS, daß er in Engellandt ein ander Art funden habe/ welche grösser Bletter habe/ auch mehr zerkerfft gewesen sey/ dann die gemeine Art/ sonsten sey sie den gemeinen Hauwhechel gantz gleich/ außgenommen daß sie gelbe Blumen trage/ etwas grösser dann der gemeine/ sie habe auch dicker unnd gröber Aestlein: Und schreibt/ es sey jm auch solche Art offtmals mit gar weissen Blumen fürkommen/ auch ohn Stachel und Dörner: Welche Beschreibung gäntzlich mit dem letzten und vierdten Geschlecht ubereinkompt.
    lll. Auff welche sich das dritte Geschlecht auch gar wol reymet/ allein daß seine Blumen purpurbraun seyn: Beyde Geschlecht haben dicke grobe holtzechtige Wurtzeln/ unter der Erden durcheinander geflochten/ und weyt außgebreytet/ auß welchen rundte starcke rauwe stengel erwachsen/ mit rauwen zerkerfften Blettern besetzet/ grösser dann deß gemeinen: Das gantze Gewächs ist eines starcken bockechtigen Geruchs/ wie darvon weyter zu lesen ist bey C. CLUSIO LIB.L.OBSERV. PANNON CAP.14.
    Der gemeine Hauwhechel wachsen gemeiniglich auff den Aeckern/ auch auff den Wiesen/ und neben den Wegen: [Wo es hinkommt/ ist es gar selten zu vertreiben/ wegen der langen Wurtzel/ die hin unnd wider ins Erdtrich fladert/ ein Verhinderung der Frucht auff dem Feld/ ein Schade deß Futters auff den Wiesen/ ein Jrrung und Auffenthaltung der Pflüge/ Schnitter und Mäder.] Die andere Geschlecht findet man in SILESIA, in ANGLIA, ITALIA, GALLIA und andern Orten mehr. Sie blüen jm Junio und Julio.

Von den Nahmen.
    Hauwhechel [weil es so tieff in der Erden wurtzlet/ daß mans mit Hauwen muß außreuten/ ] wirdt auch genennt Stallkraut und Ochsenbrech: Lateinisch ONONIS, ANONIS, RESTA BOVIS, REMORA ARATRI, ACUTELLA.

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Hauwhechels.
    AEGINETA schreibet/ daß der Hauwhechel warmer Complexion sey/ fürnemlich aber seine Rinde: Hat ein Art zu säubern/ dünn zu machen/ und zu zertheilen: Jst warmb und trucken im Anfang deß dritten Gradts.

Jnnerlicher Gebrauch der Hauwhechel.
    Der Hauwhechel/ wann er noch zart ist/ unnd keine Dorn hat/ mit Saltz eingemacht/ ist süß und lieblich zu essen/ und treibet den Harn. [Derohalben es die Alten ubers gantze Jahr zur Speiß behalten haben/ und sonderlich wider den stinckenden Athem gessen.]
    GALENUS schreibet/ daß die Rinde von der Wurtzel fürnemlich gut sey zu gebrauchen/ dann sie säubere und zertheile: Und meldet DIOSCORIDES, wenn man die Rinde der Wurtzel in Wein siede/ treibe sie den Harn/ und zerbreche den Stein [mit Gewalt/ ist an vielen Menschen bewehrt/ treibt auch die verborgene Feygwartzen herauß/ und heylet sie.
    Dieser Wein eröffnet auch die Verstopffung der Lebern/ unnd deß Miltzes/ ist gut wider die Gelbsucht unnd Aufflauffen deß Bauchs von der Wassersucht.
    MATTHIOLUS schreibet/ daß er einen gekennet habe/ welcher etliche Monat das Pulver von dieser Wurtzel eingenommen habe/ und von dem Carneffel seye entlediget worden.
    Das Pulver mit Wein genommen/ treibt das Grieß.
  
PLINIUS sagt/ wenn man die Rinde in Honig und Essig koche/ sey sie gut den jenigen/ so mit der schweren Seucht beladen seyn.
    [Die Reuter sieden die Wurtzen/ unnd giessens den Pferden eyn/ so nicht stallen können.]

Eusserlicher Gebrauch deß Hauwhechels.
    Die Wurtzel in Wasser und Essig gekocht/ und den Mund darmit gespület/ sänfftiget den Schmertzen der Zähn/ schreiben GALENUS und DIOSCORIDES.
    Sie wirdt auch sehr gelobt wider die Mundtfäule/ auff gleiche weiß gebraucht.
    [Sie vertreibet auch die Rufen/ darüber gelegt oder gestriechen.]

Von Hauwhechelsafft.

    Wenn das Kraut noch frisch ist/ sol man den Safft darauß bringen/ unnd denselbigen gebrauchen. PAULUS AEGINETA schreibt LIB.7. DE RE MEDICA. Daß der Safft mit Wein vermischet/ und getruncken/ treibe den Harn/ und zerbreche den Stein. Und so man jhn also im Mundt halte/ lindere er die Schmertzen der Zähn.

Von dem gedistillierten Hauwhechel Wasser.

    Auß den frischen Wurtzeln und dem Kraut wirdt auch ein Wasser gebrennet/ welches zu etlichen Gebresten genützet wirdt/ fürnemlich aber wirdt es gelobt/ den Sand/ Grieß unnd den Stein der Nieren und der Blasen fortzutreiben unnd außzuführen: Es dient auch solch Wasser zu der Verstopffung der Leber und deß Miltzes.
    Etliche thun die Rinden von der Wurtzel in Malvasier/ und distillieren sie darnach in BALNEO MARIAE, [Sie nemmen der Rinden vier Pfundt/ zerschneiden sie klein/ giessen acht Pfundt Malvasier darüber/ lassen sieben Tag nacheinander stehen/ darnach distillierens:] Welches Wasser zu obgemeldten Gebresten sehr dienstlich seyn soll. [So man einen ziemlichen Trunck auff einmal einnimbt/ es treibt den Stein unnd verstandenen Harn mit gantzer Krafft.]

Von Hauwhechel Saltz.

    Die Practicanten schreiben von dem Hauwhechelsaltz/ daß es ein sonderliche Art habe/ für dem Kraut oder dem gebrandten Wasser/ den Stein in den Nieren unnd Blasen außzuführen: Wie aber dasselbige zu praeparieren sey/ findet man bey dem Wermuthsaltz.