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HANENFUSS
Ranunculus - Ranunculaceae


VON DEM HANENFUSS UND SEINEN GESCHLECHTEN

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    Dess brennenden Hanenfuss seynd viellerley Geschlecht/ unangesehen/ dass DIOSCORIDES und die Alten nicht mehr als vier Geschlecht beschrieben haben/ so seynd doch heutiges Tags etlich und zwantzig bey uns wol bekand/ under denen etlich von sich selbst in Teutschland wachsen/ unnd auch etliche derselben mit den Lustgärten gepflantzet werden.
    I. Gemeiner Hanenfuss. RANUNCULUS I.
    I. Gemeiner Hanenfuss und dz erst Geschlecht/ hat ein langlechtige Wurtzel mit neben Würtzlein oder Zaseln behenckt/ wie die Wurtzel dess Wegerichs. Die Bletter seynd grösser und lenger/ als die Bletter dess Wasser Eppichs auch tieffer zerspalten/ fast einem Vogelsklawen gleich. Es hat ein langen/ holen und dünnen Stengel/ mit vielen Nebenästlein/ am ober und eussersten theil derselben/ mit sehr schönen geelen Blumen gezieret/ unnd ist ein jede Blum mit fünff Blätlein besetzt/ das mittelst theil jnwendig ist grüngeel. Der Geschmack dess Krauts und Wurtzeln/ ist sehr hannig und brennend auff der Zungen/ also dass es Blätterlein machet/ so man es nicht bald ausspeyet/ und den Mund mit frischem Wasser wider ausspület. Dieses Kraut wächset gern bey den Wassern/ unnd auff den Wiesen/ dessgleichen auch an feuchten unnd sümpffechtigen Orthen.
    II. Das zweyt Geschlecht hat viel kleiner zasechtiger weisser Wurtzeln/ die seynd an der Gestalt der Christwurtz gleich/ die Bletter seynd schön dess vorigen und gross/ doch zarter und mit mehr Kerffen zerschnitten an der Farb Sattgrün/ die Stengel lang unnd dünn/ die Blumen schön Dottergeel. Der geschmack ist scharpff auff der Zungen und brennend/ wie dess ersten. Es wächst in feuchten Wälden und dunckelen Orthen.
    III. Das dritte Geschlecht hat kleinere und rundere Bletter/ seynd aber nicht so tieff zerschnitten/ hat ein einigen/ glatten/ dicken/ runden und hohen Stengel/ mit vielen Nebenzweiglein/ die seynd wie der stengel/ jnwendig hole/ die Stiel daran die Bletter wachsen seynd feyst und dick. Die Blümlein seynd kleiner als dess Hanenfuss/ dunckelgeel. Nach den Blümlein folget ein klettechtiger und eckiger Samen. Die Wurtzel ist krumpff und dick/ nicht lang/ mit sehr vielen weissen Nebenwürtzlein behenckt. Der Geschmack dess gantzen Krauts ist fast hitzig und brennend. Dieser Hanenfuss wächst in und bey den Lachen und Pfüzen/ gemeinlich da die Frösch jhre Wohnung haben/ dessgleichen in andern feuchten und sandechtigen Orten/ und nassen Feldern/ sonderlich wann feuchte Jahr seynd.
    IV. Das vierde Geschlecht hat ein runde Wurtzel einer kleinen Welschen Nuss gross/ an der Gestalt gleich einem kleinen scheubelechtigen Rüblein/ unden mit vielen kleinen Würtzlein behenckt. Die Bletter sind kleiner als der vorigen Hanenfüss Bletter/ die ligen auff der Erden aussgespreitet. Ein jedes Blat ist in fünff Blätlein getheilet/ alle gespalten/ von Farben schwartzgrün/ und ein wenig haarechtig und rauch/ die stengel sind rund/ die bringen schöne goltgeele lustige Blumen. Wann dieselbige abfallen/ und vergehen/ folgen hernach kleine eckechtige Jgelskölblein/ darinn der samen verschlossen ist. Jährlich stösst dieses Kraut die alte Wurtzel under sich/ unnd gewinnet also eine neuwe Wurtzel uber der alten. Beyde Kraut unnd Wurtzel seynd fast brennendt und hitzig am Geschmack/ dann sie brennen auff der Zungen wie Hüttrauch oder Arsenick/ und ist das aller hitzigst unnd schärpffest under allen anderen Geschlechten dess Hanenfuss. Dieses Kraut wächst viel an den Wegstrassen/ an den grassechtigen und sandechtigen Rechen.
    V. Das fünfft Geschlecht hat ein Wurtzel von eytel zaselnwie das zweyte Geschlecht/ die Bletter seynd fast gross/ tieff zerschnitten/ an der Farb schwartzgrün/ die Stengel einer Ehlen lang und auch lenger/ die Blumen seynd schön weiss/ auch von fünff Blätlein besetzt/ in der mitte hat es umb den Apffel der Blumen geele Fäselin und Härlin. Nach den Blumen folgen kleine Jgelskölblein wie an andern Hanenfuss. Am Geschmack ist es hitzig und scharpff auff der Zungen/ doch viel milter als die andern/ und nicht so scharpff brennend.
    VI. Das sechste Geschlecht ist dem jetztgemeldten/ mit Wurtzeln/ Kraut und Stengel/ allerdings durchauß gleich/ allein daß die Blum viel grösser/ und schön mit manichfaltigen Blümlein gedoppelt ist. Diese beyde Geschlecht werden den mehrentheil bey uns in den Lustgärten gezielet/ wiewol man das erte mit der einfachen Blumen auch von sich selbst wachsend findet/ in dunckeln Orten und feuchten feisten Gründen und Erdreich.
    VII. Das siebende Geschlecht hat ein kleines krummes Würtzlein wie die Engelsüss/ ist doch glatt/ wächst nicht undersich/ sonder neben auss/ der Stengel ist nicht gar einer Spannen lang/ deren hat es zween oder drey/ die seynd rund und glat/ oben an jedem Stengel gewinnt es zwey oder drey tieff zerschnittene/ gerings herumb gekerffte schmale Bletter/ die vergleichen sich fast den Blettern der blawen Wolffswurtzel/ die Blumen wachsen oben an den Stengeln/ an jedem Stengel zwo/ die seynd von Farben Goldgeel/ eines starcken Geruchs/ am Geschmack auff der Zungen scharpff unnd brennend/ wie der andern brennenden Hanenfüss. Dieses wächst in den dunckeln Wälden und im Gebürg/ wird doch auch umb seiner seltzamkeit willen in den Lustgärten gezielet. Es blühet im Mertz un im Aprillen.
    VIII. Das acht Geschlecht hat ein Wurtzel/ die ist fast der vorigen gleich/ krumb und uberzwerg in die Erden wachsend/ mit vielen Zäselin/ die Bletter seynd etwas runder/ kürtzer und breyter/ als der nechst gemelten/ an der Farb schwartzgrün/ die stenglein seynd schmal/ nicht gar einer Spannen lang/ auff jedem Stenglein kompt im Aprillen am Obertheil herfür ein schöne Milchweisse Blum/ die hat in der mitten gelbe Fäselein. Das gantz Kraut sengt und brend die Zung/ wie der Hanenfuss. Es wächst in den dunckelen hohen Bergechtigen Wälden/ als im Ostwald/ Spessart/ Wassgaw und allen anderm Gebirg im Elsass und Lottringen/ so uberflüssig/ dass nichts gemeiners ist/ als dieses Kraut.
    IX. Das neunde Geschlecht ist dem jetztgemelten mit Wurtzeln/ Stengeln und Blumen durchauss gleich/ allein die Blumen seynd schön leibfarb/ wie die andern weiss seynd.
    X. Das zehend Geschlecht/ hat keinen weitern underscheid/ von den zweyen jetztgemelten/ dann dass die Blum schön satt Purpurbraun ist. Die wird selten gefunden/ wächst in hohen Bergen und dunckelen Wälden.
    XI. Das eylfft Geschlecht/ ist ein sehr schön und artig fast lustig Gewächs/ die wurtzel ist von vielen weissen Zaseln/ wie die Wurtzel dess weissen Hanenfuss/ die Bletter seynd gross tieff zerschnitten/ und gerings herumb gekerfft/ von Farben schön grün/ runder dann die Bletter dess weissen Hanenfuss. Die Blumen seynd schön und gleissend geel/ wie die Massblumen/ seynd rund wie ein Kugel und fast geschlossen/ thun sich nimmer recht auff. Diss Gewächs wächst in dem hohen Gebürg auff dem Schwartzwald/ und in dem Schweitzerland in den Alpen. Wann es in die Gärten gepflantzet wird/ bleibt es nicht lang/ so es nicht ein külen und dunckeln Ort haben mag.
    XII. Das zwölfft Geschlecht ist dem jetztgemelten durchauss gleich/ allein die Blum ist weiss/ wie die ander Dottergeel ist/ wächst an vorgemelten Orten/ ist aber nicht so gemein wie die geel/ derowegen sie selten gefunden wird.
    XIII. Das xiii. Geschlecht/ hat an statt der Wurtzeln weisse Zaseln/ die bletter seynd kleiner und schmäler/ als andere Hanenfussbletter sehr tieff zerschnitten/ die understen haben zwey oder drey Kerfflein/ der öbersten etlich nur eins/ die andern gar keins/ der Stengel ist rund biss in die anderthalben Spannen lang/ die Blumen seynd kleiner als die Blumen dess gemeinen Hanenfuss/ von Farben bleichgeel/ die erzeigen sich im Brachmonat/ darauff folgen wann dieselbigen abfallen/ breyte und scharpffe stachelechtige Köpfflein/ darinn ist der samen verschlossen. Am Geschmack ist es ziemlich hannig und scharpff/ doch nicht so hefftig brennend/ wie die obgemelten Geschlecht. Dieses Kreutlein wächst viel in den Eckern und gesäheten Feldern/ under der Frucht/ ist sehr gemein am Rheinstrom/ wie auch in andern Orten Teutschlandt.
    XIV. Das xiiii. Geschlecht / ist dem jetztgemelten verwand/ und ist kein underscheid am gantzen Gewächs/ zwischen diesen und dem vorigen/ dann dieses sehr schmaler und kleine Bletter hat als dass ander/ seynd fast dem Fenchel gleich/ doch etwas breyter. Es wächst under dem andern Geschlecht/ in vorgemelten Orten.
    XV. Das xv. Geschlecht/ ist sehr ein frembd Geschlecht/ erstlich vor alle andern vom Herren CAROLO CLUSIO beschrieben worden: dem wir es zu dancken haben. Es hat runde langlechtige gelbe Wurtzeln/ kleiner als die Affodillwurtz/ deren seynd viel von einem Haupt herkommend/ die Bletter seynd in drey underscheid zerschnitten/ gerings herumb zerkerfft/ den mittelsten Blettern dess Wasserhanenfuss fast gleich/ von Farben Liechtgrün oder Schweitzergrün/ der stengel ist eins Schuchs lang/ der theilet sich oben umb die mitte bissweilen in zwey theil/ die bringen schöne gefüllte und gedoppelte Purpurrote/ oder aber blutrote Blumen. Dieses schön und frembd Gewächs ist bey uns noch frembd/ wird allein in etlichen Lustgärten/ in den Niderlanden gepflantzet/ und sonderlich aber von den Edlen Herren JOHANNE BOYSOTO zu Brüssel/ bey dem ich es auch erstlich gesehen hab. In Orient soll soll es umb die Statt Constantinopel von sich selbst viel wachsen/ daher es auch Herr CAROLUS CLUSIUS erstlich von dem Herrn CARLEM RYM VON ECKENBEKEN/ empfangen hat.
    XVI. Das xvi. Geschlecht/ ist auch ein frembd Gewächs/ und in kurtzen Jaren zu uns auss Windischland/ in diese Lande gebracht worden. Die Wurtzel dieses Krauts ist knöpffechtig/ von vielen kleinen langlechtigen Knöpfflein zusammen getrungen/ wie die Knöpfflein an der kleinen Schellwurtz/ mit etlichen Zaseln/ die darzwischen herfür kommen/ darmit sich dieses Gewächs im Grund anhefftet. Von der Wurtzel wachsen herfür kleine/ glatte/ runde Stengel/ fast auff die anderthalb Schuch lang/ die Bletter seynd lang/ schmal/ spitz und gar tieff zerschnitten/ weiss und wollechtig/ die Blumen seynd bleychgeel/ an der Gestalt der Blumen/ dess ersten Goldgeelen Hanenfuss gleich: wann dieselben abfallen/ folgen hernach kleine/ rauhe/ stachelechtige Jgelsköpfflein/ wie an den gemeinen Hanenfüssen/ darinn ist der Samen verschlossen. Es ist auch dieses Gewächs räss/ scharpff und brennend/ gleich wie die anderen Hanenfüss/ und wird allein bey uns/ wie in ander frembd Gewächs/ in den Lustgärten gezielet.
    XVII. Das xvii. Geschlecht/ ist ein Wasser Gewächs/ wie alle andere Hanenfüss gemeine/ die wurtzel ist von vielen/ kleinen/ langen und weissen Zaseln/ der Stengel rund und kleinen Fingers dick/ auff dritthalb Ehlen lang/ ist ausswendig Braunfarb ind jnwendig hole. Die Bletter seynd lang unnd breyt/ wie die Bletter dess Wasserwegerichs/ einem Schweinspiess Eisen an der Form unnd Gestalt gleich/ die haben durch die leng viel Rippen oder Adern/ wie der Spitzwegerich/ die seynd den Stengel hinauff/ von unden an biss zum end besetzt/ und werden je höher den Stengel hinauff je kleiner. Oben am Gipffel gewint es schöne Goldgeele grosse Blumen von fünff Blettern/ darauff folgen Jgelsköpff/ fast einer gemeinen kleinen Baumnuss gross/ mit scharpffen Stacheln. Es wächst dieses Gewächs zwischen der Reichstatt Wormbs/ und der Churfürstlichen Statt Oppenheim/ in den Pfülen/ Gräben unnd Sümpffen/ von dem alten Rheyn. Am Geschmack ist es hitzig und brennend/ wie die anderen Hanenfüss.
    XVIII. Das xviii. Geschlecht/ ist mit der Wurtzeln/ Bletter unnd Blumen dem jetztgemelten gleich/ allein viel kleiner/ der Stengel ist rund unnd hol/ fast anderthalb Schuch lang. Es wächst in den kleinen rinnenden Bächlein/ und feuchten Wiesen/ da stättig frisch Wasser ist. Es hat auch dieses ein scharpffen/ brennenden und etzenden geschmack auff der Zunge.
    XIX. Das xix. Geschlecht/ ist auch dem jetztgemelten an der Gröss unnd Gestalt nicht ungleich/ auch was die Wurtzel/ Stengel und Blumen belangt/ ist fast kein Underscheid under diesen beyden Gewächsen/ allein ist der Underscheid darinn/ dass die Bletter an dem vorigen glatt und nicht gekerfft/ an diesem aber durchauss einer Seegen gleich/ mit kleinen schnittlein gekerfft. Es wächst auch dieses im Wasser unnd feuchten Sumpffechtigen Wiesen.
    XX. Das xx. Geschlecht/ ist auch auss frembden Landen zu uns gebracht worden/ die Wurtzeln seynd langlechtig/ rund und knöpffechtig/ wie die Wurtzeln am Türckischen Hanenfuss/ darzwischen wachsen kleine lange Zäselein herfür/ darmit sie sich in der Erden anhencken. Die Bletter seynd rund/ und ein wenig lang/ glatt/ glanzend/ und oben her gebuckelt/ voller Nerven oder Aderlein/ und wollechtig undenher/ die ligen auff der Erden aussgespreytet/ anzusehen/ wie die Bletter der Güldenguntzel/ seynd doch breyter/ unnd gerings herumb gekerfft. Zwischen den Blettern kommen oder wachsen herfür/ zween oder drey kleiner/ zarter/ dünner und haarechtiger/ rauher und blosser Stengel/ fast einer Spanenlang/ auff welchem jedem im October oder auch im November/ ein einzige Goldgeele Blum wächset mit sechs/ sieben/ oder auch mehr Blettern/ eines fast guten Geruchs/ welche so die abfallen/ folgen stachelechtige Köpfflein hernach/ wie an den andern Hanenfüssen/ die seynd Bleychfarb. Diss Gewächs hat einen unlieblichen unnd doch sehr scharpffen brennenden Geschmack auff der Zungen/ wird bey uns/ und sonderlich in Braband in den Gärten gezielet. Es soll viel wachsen in Portugall/ dannen hero es auch durch Herren CAROLUM CLUSIUM in die Niderland gebracht worden. Es soll auch dieses Gewächs viel von sich selbst wachsen/ im Königreich Granaten/ wie vielgemelter CLUSIUS davon schreibet.
    XXI. Das xxi. Geschlecht/ soll auch auss Portugall erstlich durch Herrn CLUSIUM zu uns gebracht worden seyn/ und soll dess jetztgemelten ein Geschlecht seyn/ ist von MATHIA LOBELIO in seinem HERBARIO, wie die 21. Figur anzeigt/ abgerissen/ wie sie da stehet/ erstlich also angegeben worden/ und scheinet auss seiner Beschreibung/ dass wo es nicht das jetztgemelt geschlecht selbst/ dass es jhm doch zum wenigsten nahe verwand seye.
    XXII. Das xxii. Geschlecht/ hat ein kleine zaselechtige Wurtzel/ wie das gemein klein Grass/ die Blätlein seyn schmal und lang/ wie die Bletter dess Grass/ also dass man sie von dem Grass nicht wol erkennen und underscheiden kan/ dann biss sich seine Blum erzeigt/ die schön geel ist/ wie die Schmaltzblum. Diss Kraut wächst auch nicht von sich selbst in Teutschland/ es werde dann in den Gärten gepflantzt und gezielet. In Provinz/ Languedock und umb Mompelier wächst es vor sich selbst/ dannenhero ichs auch erstmal bekommen hab. Wann es in ein fetten und feuchten Grund gesetzt wird/ wächst es schön/ und wird sehr gross und lustig zu sehen.
    XXIII. Das xxiii. Geschlecht/ ist dem jetztgemelten durchauss gleich/ allein dass die Blumen viel grösser seyn/ und schön gedoppelt und gefüllt/ ein schön lustig Gewächs. Wird in den Niderlanden in den Lustgärten gezielet.
    XXIV. Das xxiiii. Geschlecht/ ist dem vierden kleinen Hanenfuss mit Wurtzeln unnd Blettern durchauss gleich/ allein dass es grösser ist/ und die Blumen schön gedoppelt seynd.

25. Gefuellte Englische Druesswurtz.jpg (30150 Byte)

    XXV. Das xxv. Geschlecht/ ist dem jetztgemelten gefüllten Hanenfuss gleich/ mit Blettern/ Wurtzeln und Stengeln/ allein ist die Blum zweyfach gedoppelt und gefüllt/ dann es schier am ende ein grosse gefüllte Blume hat/ die ist schön rund/ unnd von Farben Goldgeel/ und zween zwerch Finger/ darüber hat es wider ein solche gefüllte Blum/ die ist nur halber so gross als die erste/ ein wenig uber deren/ ist noch ein kleinere oben am Gipffel/ ist sehr ein artig unnd lustig Gewächs anzusehen. Es wird in den Niderlanden in der Herren Lustgärten fleissig gezielet/ dahin es erstlich auss Engelland gebracht worden/ und folgends auch in unser Ober-Teutschland kommen.

Von den Namen aller obgemelten Hanenfüssen und Schmaltzblumen
    Bey den Lateinischen Authoren heisst er BATRACHIUM, RANUNCULUS, BATRACHIS, CLONUM, HEPHAESTIUM, RHUSELINU, LICOPNUS, wie die alten EXEMPLARIA APULEII lesen/ bey demselben auch HERBA SCELERATA, GLOROHPIS, CLOROSPHIS, PFAEOTIUM, RHOSOLINUM, APIASTELLUM, DENTARIA, MILEUM, oder NILEUM nach dem alten Exemplar/ und AURICOMUM. Bey dem NILEUM nach dem PLINIO heisset er HERBA STRUMEA, das ist/ Kropffkraut/ dieweil mit diesem Kraut die Kröpff geheilt werden. Von Kreutlern wird es genannt HERBA ULCERARIA, HERBA CAUSTICA, APIUM RAN?NU, VULCANIA, HERBA RANINA. Und von ARNOLDO VILLANOVANO, ranunculus lupinus. Von den gemeinen Medicis PES CORUINUS. Von andern APIUM SYLVESTIE, APIUM RUSTICUM, unnd APIUM AQUARICUM. Hochteutsch/ Hanenfuss/ Hünerfuss/ Fröschkraut/ Fröschpfeffer/ Rappenfuss/ Schmaltzblum/ brennender Hanenfuss/ Gleyssblum/ Butterblum/ Blaterkraut/ Brennkraut/ Bubenkraut/ Spigelblum/ und im Schwabenlandt Glitzenpfännlein. Dieses seynd also die Namen dess Hanenfuss in gemein in den obgemelten sprachen: Nun wöllen wir auch ein jedes stück insonderheit mit seinem Namen täuffen/ wie sie bey den Artzten/ Kreutlern und gemeinen Mann mit jhren Namen underscheiden werden.
    I. Das erst Geschlecht dess Hanenfuss/ wirdt bey uns Teutschen gemeiner Hanenfuss/ oder ohn allen zusatz Hanenfuss/ oder brennender weisser Hanenfuss genant. Bey den Kreutlern RANUNCULUS PRATENSIS CA?STICUS. Zu underscheidt der Schmaltzblumen/ die diesem Hanenfuss fast gleich ist an der Gestalt/ doch an der Krafft und wirckung sehr ungleich. Es mag dieses Geschlecht zu dem zweyten Geschlecht DIOSCORIDIS wol gerechnet werden/ wiewol es eben dasselbige nicht ist/ sonder dieweil es jhm an der Krafft und Wirckung gleich ist.
    II. Das zweyte Geschlecht das in feuchten Wälden und dunckeln Orten wächst/ wirdt RANUNCULUS SYLVESTRIS, und zu Teutsch/ wilder Hanenfuss genennt.
    III. Das dritte Geschlecht Wasser-Hanenfuss genannt/ ist RANUNCULUS PRIMUS DIOSCORIDIS, wird RANUNCULUS PALUSTRIS,RANUNCULUS AQUATICUS, APIUM RANIUM PALUSTRE von den Kreutlern genannt/ und hat die obgemeldten Griechischen Lateinischen und Arabischen Namen gemein ohn einigen underscheidt/ mit den andern RANUNCULIS, als das fürnembste/ gemein/ unnd sol auch durch das Wort RANUNCULUM ohn einen Zusatz allwegen der Wasser-Hanenfuss verstanden werden. Hochteutsch/ Fröschpfeffer/ Wassereppich und Feygblatern Eppich.
    IV. Das vierdte Geschlecht/ kleiner Hanenfuss genannt/ ist auch von DIOSCORIDE nicht beschrieben worden/ APULEIUS beschreibet solches in einem besondern Capitel/ und nennet es vor dem andern das er zuvor under dem Namen HERBAE FOELERATAE beschrieben/ BATRACHIUM, derwegen es auch von den Kreutlern BATRACHIUM APULEIJ genannt wirdt. Sonst nennet es APULEIUS von wegen der runden scheubelechtigen Wurtzel VERTICILLUM. Mit andern Namen wirdt dieser Hanenfuss genannt/ RANUNCULUS ROTUNDUS, RANUNCULUS BULBOSUS, FLAMMULA MINOR, FLAMMULA ROTUNDA, FLAMMULA VULCANI, RAPUNCULUS VULCANI, und DIVI ANTINII. Hochteutsch/ Brennkraut/ Rübenhanenfuss/ kleiner Hanenfuss/ und in Schweitzerlandt gehösselter Hanenfuss und Drüsswurtz.
    V Das fünffte Geschlecht weisser Hanenfuss genannt/ heisset bey den Kreutlern RANUNCULUS ALBUS, SIMPLICI FLORE.
    VI. Das sechste Geschlecht/ gefüllter weisser Hanenfuss genannt/ heisset bey den Kreutlern/ RANUNCULUS MULTIFLORUS, und RANUNCULUS CORONARIUS ALBUS. Teutsch/ weisser Krantz-Hanenfuss.
    VII. Das siebende Geschlecht dess Hanenfuss/ ist RANUNCULUS TERTIUS DIOSCORIDIS, wirdt von den Kreutlern genannt/ RANUNCULUS NEMOTODUS LUTEUS, BATRACHIUM TERTIUM DIOSCORIDIS, unnd RANUNCULUS PHRAGMITIS LUTEUS. Teutsch/ geel Waldthänlein.
    VIII. Das achte Geschlecht/ ist RANUNCULUS QUARTUS DIOSCORIDIS, oder RANUNCULUS LACTEUS, wirdt von den Kreutlern RANUNCULUS NEMOTOSUS ALBUS und RANUNCULUS PHRAGMITIS ALBUS genannt. Hochteutsch/ weiss Waldthänlein. Etliche nennens auch Augenwurtz.
    IX. X. Das neundte unnd zehende Geschlecht/ mit den lichtroten/ wie auch dz mit den Purpurbraunen oder Purpurroten Blumen/ die gehören auch zu dem vierdten Geschlecht dess RANUNCULI DIOSCORIDIS, sintemal kein ander underscheid ist/ dann so viel die Blumen belanget/ dass jene Milchweiss/ diese aber lichtrot und Purpurbraun sind. Und wirdt dieses RANUNCULUS NUMEROSUS PIURPUREUS, und RANUNCULUS PHRAGMITIS PURPUREUS, zu Teutsch liechtrot und purpurbraun Waldthänlein genant.
    Das eiylffte Geschlecht/ wirdt von den Kreutlern RANUNCULUS ALPINUS, und RANUNCULUS MONTANUS genannt/ sintemal derselbig in den Alpen und hohem Gebirg wächset. Von GESNERO wird er geheissen FLOS TROLLIUS, und von andern RANUNCULUS MONTANUS LUREUS, oder ALPINUS LUTEUS, zu dem underscheidt dessen/ (XII.) Mit der weissen Blumen/ welche RANUNCULUS ALPINUS oder Ranunculus montanus albus/ ZU DEM UNDERSCHEIDT DESS GEELEN GENANNT WIRDT. Von GESNERO FLOS TROLLIUS ALBUS. Er wirdt auch von etlichen RANUNCULUS GLOMERATUS, von wegen der runden unnd schier zugeschlossenen Blumen genannt. Hochteutsch Alpenhanenfuss und Trollblum.
    XIII. XIV. Das dreyzehend Geschlecht dess Hanenfuss/ wirdt von den Kreutlern genannt RANUNCULUS ARVENSIS, RANUNCULUS SEGETALES unnd RANUNCULUS ECHINATUS, von wegen der stachelechtigen Köpfflein/ die nach den Blumen volgen. Hochteutsch/ Feldt Hanenfuss unnd Acker Hanenfuss. Dieweil aber diese Kreuter zwey underschiedlicher Geschlecht seynd/ so viel die Bletter belangen thut/ dann das ein breiter Bletter hat/ und das ander schmale/ so wird das mit den breiten Blettern von den Kreutlern RANUNCULUS ARVENSIS LATIFOLIUS, unnd das ander mit den schmalen Blettern RANUNCULUS ARVENSIS TENUIFOLIUS, oder ANGUSTIFOLIUS genant.
    XV. Das fünffzehende mit den Blutroten oder Purpurroten Blumen/ sol billicher seiner Gestalt nach/ zu dem ersten Geschlecht dess RANUNCULI DIOSCORIDIS gesetzt werden/ sintemal es demselben/ so viel die Bletter belangen thut/ dass dessselbigen Geschlecht eines mit Purpurfarben Blumen gefunden werde. Dieses wirdt heutiges tags von den Kreutlern RANUNCULUS SANGUINEUS, RANUNCULUS TURCIUS unnd CHALCEDONICUS genant/ dieweil er erstlich auss der Türckey von Constantinopel zu uns gebracht worden ist. Zu Teutsch wirdt er Türckischer Hanenfuss und constantinopolitanischer Hanenfuss genannt.
    XVI. Das sechzehende Geschlecht/ ist der zweyte RANUNCULUS DIOSCORIDIS, und das GENOTOPHYLLIS PLINII. Bey dem APULEYO wird es geheissen HERBA SCELERATA, und bey den Kreutlern RANUNCULUS SAIDONIUS, APIUM RUSTICUM, APIUM SYLVESTRE, APIUM SARDONICUM, SARDONIA HERBA, SARDOA und SARDOA HERBA. Bey dem VIRGILIO, wie er dann dessen gedenckt in THYRSI, da er also spricht:

Imo ego Sardonis videor tibi an arior herbis.

Hochteutsch wirdts Windischer Hanenfuss genannt.
    XVII. Das siebenzehende Geschlecht/ ist von den Alten nicht beschrieben worden/ bey unser zeit auch wenigen bekannt/ den hab ich FLAMMULAM PALUSTREM MAIOREM, RANUNCULUM LATIFOLIUM MAIOREM, unnd RANUNCULUM FLAMMEUM MAIOREM und RANUNCULUM LACEATUM MAIOREM genannt. Teutsch/ Grosser langer Wasserhanenfuss/ und grosser Spehr Hanenfuss.
    XVIII. Das achzehende Geschlecht/ wird von VALERIO CORDO lateinisch RANUNCULUS LATIFOLIUS genannt. Andere nennen jhnen RANUNCULUM FLAMMEUM, FLAMMULAM PALUSTREM MINOREM, unnd RANUNCULUM LANCEATUM MINOREM. Etliche nennen jhnen RANUNCULUM LONGIFOLIUM. Hochteutsch/ Spehrkraut/ und langer Wasserhanenfuss.
    XIX. Das neunzehende Geschlecht mit den gekerfften Blettern/ wirdt von den Kreutlern genant FLAMMULA AQUATICA SERATA unnd RANUNCULUS FLAMMEUS, oder LONGIFOLIUS SERRATUS. Teutsch/ gekerfft Spehrkraut/ unnd gekerffter langer Wasserhanenfuss.
    XX. Das zwanzigste Geschlecht/ heist bey den Kreutlern RANUNCULUS LUSITANICUS, unnd RANUNCULUS AUTUMNALIS.
    XXI. Das ein und zwanzigste Geschlecht wird auch also mit gleichen Namen genannt. Hochteutsch/ Portugalischer Hanenfuss: Die Portugaleser nennen diese auff jhre Sprach MONTAN, wie CAROLUS CLUSIUS davon schreibet.
    XXII. Das zwey und zwanzigste Geschlecht mit den grassechtigen Blettern/ wirdt von den Kreutlern RANUNCULUS GRAMINEUS genannt. Hochteutsch/ Grasshanenfuss/ und Grasshänlein.
    XXIII. Das drey und zwanzigste Geschlecht wird von den Kreutlern RANUNCULUS GRAMINEUS CORONARIUS MULTIPLEX, oder MULTIFLORUS, und RANUNCULUS GRAMINEUS CORONARIUS genannt. Hochteutsch/ gefüllter Grasshanenfuss/ und gefüllt Grasshänlein.
    XXIV. Das vier und zwanzigste Geschlecht/ wirdt von den Kreutlern RANUNCULUS TUBEROSUS, oder BULBOSUS MULTI FLORUS genannt. Hochteutsch/ gefüllt Drüsswurtz/ und gefüllter kleiner Hanenfuss.
    XXV. Das fünff und zwanzigste Geschlecht wirdt von den Kreutlern RANUNCULUS ANGLICUS, und RANUNCULUS TUBEROSUS ANGLICUS genant. Hochteutsch/ gefüllte Englische Drüsswurtz.

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eigenschafft der Hanenfuss
    Alle Geschlechter der Hanenfüss mit geelen/ weissen unnd Purpurbraunen Blumen/ gefüllt unnd ungefüllt/ wild und zame/ seyndt scharpffer/ hitziger und truckener ezender Natur/ und brennen ubel/ damit sie kräfftig seyndt/ Blatern/ Geschwer und harte Knollen/ auffzuziehen und zu ezen/ das Kraut und Wurtzeln grün zerstossen und auffgelegt. Derwegen seyndt sie innerlich in Leib zu brauchen schädlich/ also dass sie nimmermehr sollen zu jnnerlichen Artzeneyen gebraucht werden. Die gebreuchlichsten Hanenfüss zu unserer Zeit/ seindt erstlich der Wasserhanenfuss/ und der klein Hanenfuss. Von etlichen auch Drüsswurtz genennet/ dann diese beyde zum etzen unnd Blaterziehen am nutzlichsten seindt/ doch ist die Drüsswurtz vor alen andern Geschlechten am aller breuchlichsten/ die sollen auch allwegen verstanden werden zu nachvolgenden Gebrechen.

 Eusserlicher Gebrauch dess Hanenfuss
    Zu den Erlahmeten/ Contracten/ Schlagsichtigen Gliedern: Nimm dess kleinen Hanenfuss/ Drüsswurtz genannt/ wann es in seiner besten Blühet ist/ Bletter/ Blumen unnd wurtzeln mit einander/ unnd fülle darmit ein Violglass/ giesse darüber ein frisch unnd gut Rosenöle biss dass das Glass voll wirdt/ unnd setze es darnach in den Hundtstagen in die Sonn/ Lass es dreissig Tag darinn stehen/ darnach brauch es unnd schmier die erlahmeten Contracten Glieder dess Tages zweymall darmit/ so warm als es zu leiden ist/ das beharr so lange du besserung befindest/ es ist ein Experiment.
    Drüsswurtz oder kleiner Hanenfuss mit Kraut unnd Wurtzeln grün zerstossen/ unnd also wie ein Pflaster uber gelegt/ vertreibet die Wartzen und Kreenaugen: reutet auss die Pestillentzblatter/ die Zinnblater genannt
    Die Wurtzel vom kleinen Hanenfuss getrücknet unnd zu Pulver gestossen/ reiniget das Haupt von dem kalten zähen Schleim und Unreinigkeit/ davon in die Nasen gethan/ dann es macht hefftig niesen/ und vertreibt also genützt den Schmertzen dess Haupts auff der einen Seiten (HEMICRANIAM) den Augnagel oder Hauptnagel genannt.
    Die Wurtzel in die holen Zäen gethan/ machet sie aussfallen ohn sondern Schmertzen.
    Hanenfuss auff beyde Pulss der Hände gebunden/ hilfft wider das Quartan Feber/ man muss aber zuvor auffbinden ehe einen das Feber anstösset.
    Vor die Pestilentz: Nimb ein oder mehr Drüsswurtzeln die frisch seindt/ die zerstoss/ und bindt die oberhalb dess Daumens auff der Seiten da einer ein Pestilentzbeul under dem Arm oder Achseln hette/ oder aber uber die gross Zehe/ so einer die Beul bey der Scham hette/ unnd lasse die vier und zwantzig Stundt darauff liegen/ so werden darvon Blattern aufflauffen/ die werden selber auffgehen/ unnd wirdt alles Pestillenzisch Gifft das die Wurtzeln herby gezogen haben/ darauss lauffen/ Man muss aber diese Artzeney allwegen auff der Seiten/ da sich die Beul erzeiget/ aufflegen. Den Schaden aber unnd die versehrung der Blatern/ heyl darnach mit frischem Butter unnd einem Eyerdotter durch einander temperiert. Durch solche geringe Artzeney ist vielen Menschen geholffen worden.
    Hanenfuss gestossen und ubergelegt/ reutet auss die scharpffen rauhen Nägel an den Fingern unnd Füssen/ dessgleichen den Grindt und Räude/ Flecken und Mackeln der Haut/ und vertreibet alle unnatürliche Gewächs/ auch die Gebrechen darinn dass Haar aussfallet (ALOPECIA genant) ein kurtze zeit ubergelegt.
    Die erfrornen Füss unnd Ferschen werden nützlich mit der warmen Brühe/ da diese Kreuter in gesotten worden seyndt/ gebähet/ dann sie heylen die Löcher unnd schäden die die grosse Winterkält aussgefressen hat/ eund erwärmet die erfrorne Glieder widerumb.
    Wider das schmertzlich Hüfftwehe: Nimb Hanenfuss mit aller seiner Substantz/ zerstoss unnd lege sie auff die schmertzhafftig Hüfft/ lasse sie v. Oder vi. Stunden darauff liegen/ biss sie Blasen ziehen dardurch kompt die böse schädliche Feuchtigkeit auff die Haut: Als dann zerschneidt die Blasen mit einem scherlein/ so fleusst die böse Feuchtigkeit herauss/ darnach bestreich die verletzung der Blattern mit frischem Butter unnd einem Eyerdotter durcheinander wie ein Sälblein vermischt/ Oder leg ein Kölblat warm gemacht oder mit frischem Butter bestrichen darauff/ das lindert den brennenden schmertzen/ und heylet in kurtzer zeit.
    Vor die Flüss der Augen die schwerlich zu stillen seyndt/ leg Hanenfuss obgemeltermassen auff das Haupt/ doch dass die Haar zuvor abgeschoren seyen/ das leget die Flüss unnd die Schüss wunderbarlich/ da sonst kein ander Artzeney helffen wil.
    Die Landtstreicher unnd Bettler so auss faulheit dess Bettelns gewohnet/ etzen jhnen die schenckel mit diesem Kraut auff/ darmit sie die Leuth betriegen/ darmit sie als vor bresthafftige Leuth gehalten/ desto mehrer Gelt sammeln mögen.


Von den süssen unschädlichen Hanenfuss Kreutern

Suesser Hanenfuss.jpg (30093 Byte) 2. Suess Hanenfuss.jpg (30476 Byte) 3. Suess Hanenfuss.jpg (30244 Byte) 4. Suesser Hanenfuss gefuellt.jpg (30456 Byte) 5. Suess Hanenfuss und gefuellt.jpg (30254 Byte) 6. Suess Hanenfuss.jpg (30910 Byte)

    Dess süssen Hanenfuss sind fürnemlich sechs Geschlecht/ die jedermenniglich bekannt seyn.
    I. Das erste Geschlecht hat ein zaselechtige weisse Wurtzel/ von deren kommen viel junger Stöcklein wie von dem Erdtbeeren. Kraut/ dann sie kreucht hin und wider in die Erden. Die Stengel und Bletter seyndt dem kleinen Hanenfuss so gleich/ dass man sie/ wann sie nicht allerdings grösser werend/ kaum darvon underscheiden köndte. Darneben iste der underscheidt auch leichtlich abzunemen/ Nemlich/ dass dieser jetztgemeldte Hanenfuss ein süsses Kraut ist/ brennt nicht auff der Zungen wie der ander Hanenfuss/ daher es auch die Weiber im Aprillen unnd Meyen/ zu andern Nutzkreutern sammeln/ unnd Meyenmüser darauss machen/ dann es ist in der Kost fast lieblich unnd angenehm ist. Die Blum ist schön Dottergeel wie dess gemeinen brennenden Hanenfuss Blum. Dieses Kraut wächst allenthalben in den Wiesen unnd feuchten Gründen/ unnd ist ein gewisse anzeigung wo es gefunden wirdt/ dass gute und frische Wasserquellen darunder verborgen seyndt.
    II. Das zweyte Geschlecht/ hat ein zaselechtige weisse Wurtzel wie die obgemelten Geschlecht/ darvon kommen im Mertzen herfür seine Bletter/ die ersten seyn rund/ fast wie das Violenkraut oder die Bletter dess weissen steinbrechs/ geringsherumb gekerfft unnd nicht gespalten. Die andern aber/ so nach diesen kommen/ seyndt zerspalten/ etliche wie der Waserhanenfuss/ die andern wie der Taubenfuss/ und die dritten wie die Hünerfüss/ unnd je höher am stengel/ je gleicher die Bletter den Hünerklawen sich vergleichen. Der stengel ist dünn/ nicht uber Spannen lang/ die Blum ist schön Goldtgeel und glantzend von fünff Blettern. Die Köpfflein oder Häuptlein die nach den Blumen folgen/ vergleichen sich den Häuptlein der geelen brennenden Hanenfussköpfflein/ darinnen dann der samen verschlossen ist. Es ist auch dieser Hanenfuss am Geschmack süss. Dieses wächst in dunckelen Orten in den Hecken/ und feuchten Wäldten/ da der Sanickel wächst/ dessgleichen auch in den Zwingern in wasserechtigen feuchten Gründen/ zwischen den Mauwren/ da die Sonn nicht wol hinkommen kan.
    III. Das dritte Geschlecht/ hat auch ein zaselechtige weisse Wurtzel/ ein wenig grösser als die jetztgemelte/ die Bletter seyndt wie die Bletter dess ersten süssen Hanenfuss/ doch etwas breiter und grösser/ und weniger zerkerfft. Der Stengel ist auch grösser unnd lenger/ wie auch die Blumen grösser sind/ schön Dottergeel/ denenfolgen lange rauhe Köpfflein/ wie in andern Hanenfüssen. Es wächst dieses Geschlecht auff feuchten Wiesen unnd Gründen/ unnd wirdt im Meyen mit andern Musskreutern zur Speiss gesammlet. Das Rindviech jsset auch diesen Hanenfuss fast gern/ und uberkommen die Küh viel Milch davon.
    IV. Das vierdte Geschlecht ist dem ersten mit Wurtzeln/ Blettern und stengeln durchauss gleich/ die Blumen aber seyndt schön gedoppelt und gefüllt/ wirdt in den Lustgärten von fleissigen Gärtnern mit aussetzen gepflantzet/ und zun Kräntzen von den Jungfrauwen gezielet.
    V. Das fünffte Geschlecht ist dem jetzgemelten durchauss gleich/ allein dass in allen dingen mehr als doppel grösser ist/ die Blumen vergleichen sich an der gestalt den schönen gefüllten Rosen/ wie auch an der grösse/ seyndt sonst von Farben geel/ glantzend/ wie die andern gefüllten Hanenfussblumen. Erstlich hab ich diese sehr schöne Blum in dess Hochwürdigen Fürsten und Herrns/ Herrn Eberhards/ Bischoffs/ zu Speyer und Probst zu Weissenburg Fürstlichen Lustgarten gesehen/ darinnen ich sie gesammlet unnd abreissen hab lassen/ unnd ist uber die mass ein schön herrlich Gewächs anzusehen.
    VI. Das sechste Geschlecht ist dem erstgesetzten mit den Blettern gleich/ die seyndt aber dicker/ unnd sattgrüner/ die Stengel sein dickelecht unnd braun/ richten sich nicht auff/ die Wurtzel ist klein und zaselechtig/ die kreucht hin und her in der Erden/ mehret sich selbst/ wie andere kriechende Kreuter. Die Blum ist geel wie die Blumen der andern Hanenfüss. Es wächst sehr unnd fast gern in den Weingärten/ ist ein anmütig und gesund Kraut dem Rindvieh.

Von dem Namen der süssen Hanenfüss
    Etliche der Gelehrten vermischen die süssen Geschlecht der Hanenfüss mit dem CORONOPO DIOSCORIDIS, welches doch gar keine gemeinschafft mit einigem Geschlecht dess Hanenfuss hat/ wie hernach an seinem ort von dem CORONOPO oder Krehenfüsslein wirdt angezeigt werden.
    I. Das erste Geschlecht dess süssen Hanenfuss/ wirdt von unsern Gelehrten Lateinisch/ BATRACHIUM DULCE oder BATRACHIUM SALUTIFERUM, RANUNCULUS DULCIS, unnd RANUNCULUS DULCIS PRATENSIS, zu unterscheidt der andern Geschlechten/ die in Gärten gezielet/ unnd in Wälden wachsen. Von den Kreutlern wirdt er gemeiniglich RANUNCULUS HOLERACEUS, dz ist/ Musshanenfuss genant. Von etlichen wirdt er RANUNCULUS SALUTIFERUS geheissen/ weil er sonder einigen nachtheil in Leib mag gebraucht werden/ so die andern brennenden Hanenfüss schädlich unnd tödtliche Gefahr bringen jnnerlich genützt.
    II. Das zweyte Geschlecht heisset Lateinisch/ CHRYSANTHEMUM DEMOCRITI. Bey den Kreutlern RANUNCULUS AURICOMUS, RANUNCULUS AUREUS, RANUNCULUS DULCIS NEMOROSUS, PES LEOPARDI, und UNGUIS LEOPARDI von wegen der Bletter die sich an der Gestalt etlicher massen den Leoparten Klauwen vergleichen. In Hochteutsch aber süsser Waldhanenfuss.
    III. Das dritte Geschlecht/ wirdt von den Kreutlern RANUNCULUS HOLERACEUS MAJOR, RANUNCULUS DULCIS PRATENSIS MAIOR, Und von uns Teutschen grosser süsser Hanenfuss/ gross Schmaltzblum und gross Butterblum genannt.
    IV. Das vierdte Geschlecht/ wirdt von den Kreutlern RANUNCULUS DULCIS MULTIFLORUS, oder RANUNCULUS DULCIS CORONARIUS genannt. Hochteutsch/ gefüllter süsser Hanenfuss.
    V. Das fünffte Geschlecht/ ist das aller grösste under allen andern Hanenfusskreutern/ das wirdt derowegen auch von den Kreutlern RANUNCULUS MULTIFLORUM MAXIMUS, RANUNCULUS CORONARIUS MAXIMUS, und RANUNCULUS ROSENS, dieweil er an der grösse und gestalt sich einer gefüllten Rosen vergleichet: Hochteutsch wirdt er genannt grosser gefüllter Hanenfuss unnd Rosen Hanenfuss.
    VI. Das sechste Geschlecht heisset Lateinisch/ ICTINOPODIUM, PES MILUINUS, BATRACHIUM VINERALE, RANUNCULUS REPENS DULCIS, und RANUNCULUS VINERALIS. Teutsch/ Weingart Hanenfuss unnd Weihenfuss.

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der süssen Hanenfüssen
    Die gemelten Geschlecht der süssen Hanenfüss haben keine brennende Wirckung und Krafft/ wie der Wasserhanenfuss/ sonst Drüsswurtz genannt/ derowegen sie ohne einige Gefahr jnnerlich in Leib wol mögen gebraucht werden. Derhalben sonderlich die Schmaltz- oder Butterblum/ das ist das erste Geschlecht dess süssen Hanenfuss/ nicht unbillich in die Küchen wie andere Musskreuter kommen ist. Zu dem ist solches/ wie auch der Weingarten Hanenfuss/ dem Rindvieh ein gutes gesundes Futter unnd Mästung/ unnd bekommen die Küh so sie desselben essen viel Milch darvon. Im Frühling wann das Kraut noch jung ist/ wirdt es mit andern Kreutern auch zum Salat gebraucht. Sonst werden diese Kreuter in der Artzney gar nicht gebraucht.


Von dem Fluss Hanenfuss

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    Der Fluss Hanenfuss hat under dem Wasser kleine Zäselein/ die vergleichen sich dem Fenchelkraut/ die hat es an statt der wurtzeln: Ausserhalb dess Wassers hat es kleine/ runde/ dreyeckechtige Blätlein/ von Farben bleychgrün/ die seyndt gerings herumb gekerfft/ die ligen auff dem Wasser. Zwischen den Blätlein wachsen dünne Stielgen herauss/ auff welchem ein schön weiss Blümlein/ auff jedem Stielgen ein besondere herfür kommen/ eines guten Geruchs/ unnd seynd deren ziemlich viel/ in der gröss der Hanenfussblumen und auch mit fünff Blätlein. Dieses Gewächs wirdt viel in dem Necker zwischen Heydelberg und Neckergemünd gesehen/ an steinechtigen Orten da der Necker dünn ist/ unnd uber die Kiselstein unnd andere Stein lauffet: Dessgleichen auch in andern frischen fliessenden Wassern unnd Bächen/ als in dem Meyn/ und in Hochburgund in der Seyn. Es blühet im Meyen und Brachmonat.

Von dem Namen dess Fluss Hanenfuss
    Der Fluss Hanenfuss/ wie er bey den Alten genant worden sey/ können wir nicht wissen/ unnd hat auch davon in Schrifften keiner noch nichts angezeigt. Bey den Kreutlern aber wirdt es heutiges tags/ RANUNCULUS FLUVIATILIS, HEPATICA FLUVIATILIS, und bey dem REMBERTO DODONAEO POLYANTHEMON AQUATILE genannt. Hochteutsch/ Wasserhänlein/ Flusshänlein/ Flusshanenfuss/ Wasserleberkraut/ Flussleberkraut/ und Wasserleberblümlein/ wiewol es gar kein Gemeinschafft/ so viel die Krafft unnd Tugendt anlangen thut/ mit einigem Geschlecht dess Leberkrauts hat. Dieweil aber die Blümlein den Leberblümlein gleych seynd/ hat es den Namen dess Leberkrauts daselbsther bekommen/ dessgleichen auch den Namen dess Hanenfuss von der gestalt der fünffblättrigen Blümlein/ die sich den Blümlein dess Hanenfuss vergleichen.

Von der Krafft/ Wirckung und Eygenschafft dess Wasserhänleins
    Es hat dieses Kräutlein ein wärmende Krafft und Wirckung wie der Hanenfuss/ doch etwas milter und nicht so hithig wie derselbig. Es hat noch keinen Gebrauch in der Artzeney. Wiewol etliche unerfahrne Aertzt unnd unnd Apotecker solch Kräutlein fälschlich vor ein külendes Leberkraut in jhre Artzeneyen vermischen und gebrauchen/ nicht ohne geringen schaden der Krancken/ derwegen vor jhrem falschen Jrrthumb männiglich soll gewarnet seyn.

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