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GUMMIWURZ
Opopanax chironium - Umbelliferae


VON DEM KRAUT ODER WURTZEL PANAX.

    Das Heylkraut PANACES oder PANAX HERCULEUM genannt/ hat eine weisse dicke Wurtzel die sich gleich von jrem haupt in vi. oder vii. Wurtzeln kleines Fingers dick abtheilt/ die sind eines ziemlichen starcken geruchs unnd räsen scharpffen bitterlechten geschmacks/ haben wenig Nebenwüetzlein. Die bletter sind mit fünff schnitten zertheilet/ und gerings herumb zerkerfft/ die vergleichen sich etlicher massen den Blettern deß Feigenbaums/ seind an der Farb Graßgrün rauch unnd scharpff/ liegen auff der Erden außgebreytet/ seine Stengel seynd lang unnd Hoch fast wie die Stengel deß Ferulkrauts/ mit weissen Härlin/ als wann sie mit weisser Wollen umbgeben werend/ daran stehen auch gerings herumb Bletter/ die seind aber viel kleiner dann die understen. Oben am Gipffel tregt er schöne Kronen wie ein Schatthütlein mit geelen Blumen/ die bringen einen wolriechenden und breyten Samen der ist am Geschmack scharpff unnd hitzig. Dieses Kraut wächßt wie DIOSCORIDES bezeuget bey Cyrenen/ in dem Landt Lybia und Macedonia. Heutigs tags aber findet man es auch in Apulien auff dem Apenninischen Gebirg/ und auff deß heiligen Engels Berg GARGANO, in grosser menig/ wirdt auch sonst hin unnd wider in unserm Ober- unnd Nider Teutschland in den Lustgärten gepflantzt. Es wächßt sein auch viel wie DIOSCORIDES meldet in BEOTIA, unnd in PHOCIDE der Landtschafft ARCADIAE, davon man den GUMMI OPOPANACUM genannt/ sammlet/ an welchen orten es von wegen deß grossen nutzs und gewinns/ so man auß dem Safft oder Gummi hat/ in den Gärten fleissig von den Jnwohnern gepflantzet. Denselben aber samlet man auff folgende weiß: Wann die stengel herfür stossen und noch zart seynd/ so umbgräbet man sie/ verwundet die Wurtzel/ darauß fleusset dann ein weisser hartzechtiger Safft/ den empfengt man auff deß Krauts Bletter/ welche man zuvor in die gemeldten Gruben undergestrewet hat/ welcher wann er getrucknet wird/ gewinnet er als dann außwendig ein geele Saffranfarb/ den heben sie darnach auff. Desselbigen gleichen verwunden sie auch die Stengel in dem Sommer/ in der zeit der Erndt/ unnd den Safft der darauß fleusset/ den sammlen sie wie vorgemeldet. Die besten under den Wurtzeln seind die/ welche nicht runtzlecht seind sondern dick/ völlig/ weiß/ trucken/ und nicht wurmstichig/ unnd die ein Würtz oder Specerey geruch haben/ am Geschmack scharpff und hitzig.
  
Der Samen ist der best/ welcher von dem mittelsten stengel gesamlet wirdt/ der aber von den Nebenzweigen/ ist schwächer und unkräfftiger.
  
Der best Safft oder Gummi/ ist der/ der fast bitter am Geschmack ist/ außwendig geel unnd Saffranfarb/ innwendig weiß oder bleychgeel/ glat/ feyßt/ und der leichtlich zertrieben und zerlassen mag werden/ wann man Wasser oder Essig darüber geusset/ und der ein harten Geruch von sich gibt. Der aber/ welcher schwartz unnd weych/ der ist nicht gut/ sonder untüchtig. Dieser wird gefälscht mit dem Gummi Armoniac und wachs. Der Betrug aber wirdt dardurch bekannt/ daß der ungefälscht OPOPANACUM, wann er mit den Fingern in Wasser gerieben wirdt/ zergehet und Milchfarb wirdt.
  
Dieser Gummi OPOPANACUM, wie er zu unser zeit in den gemeinen Apotecken verkaufft wirdt/ ist gemeinlich mit Holtz/ Steinlin unnd anderer unsauberkeit vermischt und gefälscht/ wie wol derselbig auch in andern rechtschaffenen Apotecken gefunden wird/ soll derwegen sich niemand die wolfeyle betriegen lassen/ sintemal der ungefälscht thewrer als der vermischt verkaufft wirdt/ so findet man auch in dem gemeinen/ wann man denselben seubern wil/ das halb theil Holtz/ Spreissen/ Steinlein unnd andere vermischung/ also daß man doch wolfeyler kaufft an dem ungefälschten/ als an dem gemeinen und gefälschten/ ob man schon doppel so viel darumb geben muss. Wann man den OPOPANACUM seubern wil/ muß man es thun wie oben von dem Gummi Armoniac gelehrt worden ist.
  
ll. Heutiges Tags hat man noch ein ander Geschlecht der Panaxwurtzel gefunden/ darvon die Alten nichts geschrieben haben/ welches mit Krafft/ Wirckung und Tugendt dem obgemelden wahren PANACE durchauß gleich ist/ unangesehen dass under den Blettern ein grosser underscheidt ist/ so lasset es sich doch ansehen/ daß der mehrentheil deß OPOPANACI von dieses Krauts Wurtzel unnd stengel gemacht werde/ so gar kompt der Geruch unnd Geschmack desselben sampt der Krafft unnd Wirckung/ beyde mit der Wurtzel unnd Safft PANACIS uberein/ derwegen auch beyde die Kreutler wie auch andere gelehrte MEDICI solches vor ein wahren PANACEM HERCULEUM angenommen haben/ unnd es heylsamlich wie auch den wahren PANACEM in der Wirckung befinden/ derowegen wir es auch vor ein wahres Geschlecht HERCULEI PANACIS erkennen. Dieser Panax hat ein fast lange/ dicke/ unnd weisse Wurtzel/ die hat ein harechtigen Safft/ eines starcken Geruchs wie der OPOPANACUM ,unnd eines scharpffen unnd wärmenden Würtzgeschmacks. Der stengel ist gleich dem Ferulkraut/ inwendig hole und außwendig rauch und Haarechtig/ hat seine Gleich wie der Fenchel/ wird ongefärlich dreyer und auch bissweilen vier Ellen hoch/ auß den Gewerben kommen herfür die Bletter und Nebenzweyg/ die Bletter seynd lang unnd breyt/ wie die Bletter der Hirtzpastenach/ welcher jedes von einem besondern stiel wächst/ seindt doch rauher/ unnd fornen spitziger: An dem Gipffel deß Hauptstengels/ wie auch an den Nebenzweyglein/ gewinnt es schöne Kronen oder Dolden wie Schatthütlein/ gleich den Pastenachen. Es ist ein frembd Gewächß welches allein bey uns in den Gärten gezielet wirdt. Dieses hat mir abzureyssen mitgetheilt/ mein günstiger Herr und guter Freundt PHILIPPUS STEPHANUS SPRENGERUS, der Churfürstlichen Pfaltz Hoffapotecker/ welcher ein besondern Fleiß und grossen Kosten anwendet/ frembde Kreuter zu bekommen/ der dieses neben andern vielen frembden Gewächsen/ in seinem schönen unnd lustigen Kreutergarten zielet. Sonst ist gemeldt Gewächß in den Lustgärten deß Niderlands sehr gemein.

Von den Namen der gemeldten Panaxkreuter/ und deß Gummi.
    Es soll der HERCULES diese Heylwurtz erstlich erfunden haben/ wie PLINIUS davon schreibet/ daher sie auch jhren Namen bekommen haben soll. Sie wirdt Lateinisch genant/ PANAX, PANACES und PANACES HERCULEUM, oder HERACLEON. Zu Teutsch/ Panaxkraut/ Panaxwurtz unnd Heylwurtz.
  
Das Gummi oder aber der Safft der auß der Wurtzel und dem Stengel dieses Krauts gesamblet wirdt/ heisset bey den Griechen XXXXX. Lateinisch/ OPOPANAX unnd bey den gemeinen MEDICIS und Apoteckern OPOPANACUM von den Kreutlern/ GUMMI PANACIS, PANACIS LACHRIMA und PANACIS SUCCUS. Teutsch/ Panaxgummi/ Heylwurtzgummi/ und Gummi Opopanac.

Von der Natur und Eygenschafft der Panaxwurtzel/ und deß OPOPANACIS.
    Die eusserste Rindt der Heylwurtz/ hat ein krafft und wirckung zu trucknen und zu erwärmen/ doch weniger dann der Safft oder Gummi/ und reynigt/ derohalben sie zu den entblößten Beynen/ unnd alten bösen Schäden gebraucht wirdt/ dann sie seubert dieselben unnd trucknet sie ohne geissen unnd schmertzen/ machet darneben gut gesundt Fleisch darinn wachsen. Das Gummi hat ein krafft zu erwärmen/ zu zertheilen und zu trucknen/ ist warm im dritten und trucken im zweyten Grad. Der Samen wärmet und trucknet auch doch weniger als das Gummi/ und werden alle drey nutzbarlich innerlich und eusserlich in der Artzeney gebraucht.

Jnnerlicher gebrauch der Heylwurtz.
    Heylwurtz iii.Loth/ mit einem loth deß auffgetruckneten Gerinsel oder Lip von den Meerkalb/ zu einem reynen Pulver gestossen/ unnd darvon eines quintleins schwer mit Wein oder einem andern bequemen Safft oder Wasser getruncken/ hilfft wider die Fallenden Sucht.
  
Heylwurtzel ein quintlein zu Pulver gestossen/ unnd mit einem Trüncklein Bastardwein/ oder aber einem andern gesottenen oder süssen Wein getruncken/ dienet wider den Husten und das Keichen. Ein quintlein schwer mit weissem Wein getruncken/ ist den ein heylsame Artzeney die von den gifftigen Zißmeusen gebissen worden seyndt. Diese Artzeney gleicher gestalt gebraucht/ wie auch ein quintlein deß gestossenen Samen/ fürdert den Weibern die verstandene Monatblumen/ treibt auss die Nachgeburt/ deßgleichen die Muttergewächß und Monkinder/ legt das ersticken unnd auffstossen der Mutter/ und vertreibt die Harnwinde und daß Tröpfflingen harnen. Es ist auch denen ein gebenedeyte Artzeney so Schwämm gessen haben/ gemeldter massen genützt/ dann sie benimpt denselben jhre gifftige schädlichkeit.
  
Heylwurtzel obgemelter massen oder in andere weg gebrauchet/ in Speiß oder Tranck wie das geschehen kan/ dient gewaltig wider die Wassersucht. Jn Wein gesotten unnd die durchgesiegene Brühe getruncken/ vertreibet die Harnsucht und das Tröpfflingen Harnen. Mit Zucker oder Honig süß gemacht/ vertreibet den Husten/ alle Morgen unnd Abendt ein Becherlein voll warm darvon getruncken/ und ein Tag oder vier beharret.
  
Wider das Därmgegicht: Nimb Heylwurtzel/ Römischenkümmel/ jedes ii.loth/ Ritersaltz i.loth/ stosse diese stück zu einem reynen/ subtielen Pulver/ schlags durch ein härin Sieblein/ unnd mach mit xv.lothen verscheumpts Honigs ein Latwergen darauß/ die behalt zum gebrauch/ und wann es die notturfft erfordert/ so nimb darvon einer kleinen Csatanien/ oder einer grossen Haselnuß groß/ zertreibs mit Meth oder warmem Wasser/ je nach gelegenheit deß Krancken/ unnd gibs jm warm zu trincken.
  
Wider das Krimmen COLICAM und das Därmgegicht ILIACAM PASSIONEM: Nimb der Panaxwurtzel ii.loth/ Myrrhen/ Gummi Serapin/ Beerenklawwurtzel SPHONCYLION genant/ Galbensafft/ Pfefferkörner/ Berthramwurtzel/ Saffran/ jedes i.quintlein. stoss alle diese Stück zu Pulver/ schlags durch ein Sieblein/ unnd mach mit xi.loth verscheumpts Honigs ein Latwergen darauß/ unnd gib dem Krancken davon auff einmal einer Bonen gross mit nachfolgendem Tranck auff folgende weiß: Nimb deß Erdkifferkrauts/ Branntlattichwurtzel/ jedes ein Handvoll/ seuds miteinander uber einem Kolfewerlein biß es halber eyngesotten ist/ das seihe dann durch ein Tuch/ und nimb darvon ein gemein Trinckbecherlein voll/ zertreib darinn der obgemeldten Latwergen einer Bonen gross/ unnd gibs dem Krancken warm zu trincken so offt es die Notturfft erfordert. Oder gib diß Pulver: Nimb Heylwurtzel/ Bibergeyl/ jedes iii.quintlein/ Fenchelsamen/ Ammeysamen/ jedes ein quintlein/ mach ein subtiel Pulver darauß/ unnd gib darvon anderthalb quintlein mit Meth oder Wein auff einmal warm zu trincken.
  
Heylwurtzel gepülvert/ unnd i.quintlein schwer mit Weinmeth getruncken/ ist ein gesunde Artzeney den Miltzsüchtigen/ und wider das Hüfftwehe.

Eusserlicher gebrauch der Heylwurtzel
    Panaxwurtzel zu Pulver gestossen/ unnd mit Baumölen zu einer Salben temperiert/ und auff leinine Tüchlein gestrichen/ uber die Stirn und beyde Schläff gelegt/ vertreibt den Hauptschmertzen von kält verursacht.
  
Der Rauch der angezündten Wurtzel in die Nasen entpfangen/ erwecket die Schlaffsüchtigen.
  
Heylwurtz in Wein gesotten/ und die durchgesiegene Brühe warm im Mundt gehalten/ vertreibt das Zanwehe von kälte verursacht. Die Wurtzel im Mundt gekeuwet/ oder dz gestossen Pulver in die holen Zähn gethan/ hat gleiche wirckung.
  
Heylwurtz in Wasser gesotten/ und mit der durchgesiegenen Brühen den Halß offtermals warm gegurgelt/ vertreibet die geschwulst deß Halß und das Halßgeschwer ANGINAM.
  
Die rohe ungekochte beulen und geschwer die ohne schmertzen seind zu zeitigen: Nimb Heylwurtz klein gestossen/ die Brosam von Weytzenbrodt unnd Feigbonenmeel/ jedes gleich viel/ Eselscucumernöle unnd Schweinenschmaltz/ jedes so viel genug ist/ mach ein Pflaster oder CATAPLASMA darauß und legs deß Tages zweymal warm uber das Geschwer/ auff ein Tuch gestrichen.
  
Vor die auffgelauffenen Geschwulst unnd Beulen wo die am Leib seind: Nimb gepülvert Panaxwurtzel ein Loth/ Ritersaltz gepülvert v.quintl. lebendigen Kalck i.quintlein/ Beerenschmaltz iiii.loth/ Wachs ein halb Loth. Zerlaß das Wachs und Beerenschmaltz uber einer Glut/ hebs vom Fewer/ unnd wann es kalt werden wil/ so rühr die obgemelten Stück reyn gepülvert dareyn/ unnd streich darvon auff ein Tuch/ unnd legs uber.
  
Das die Schlang unnd andere vergiffte Thier/ dir nit schaden oder dich mit Bissen und Stichen nicht verletzen mögen: Nimb Heylwurtzsamen/ die Blum unnd den Safft/ zertreibs mit Baumöle/ und schmier dich darmit.
  
Die Panaxwurtzel zerschnitten und damit gereuchert/ vertreibet Schlangen und alle andere vergiffte Thier.
  
Den verstandenen Weiberfluss wider zu bringen: Nimb Heylwurtzsamen/ stoß den zu Pulver/ und mach mit Honig ein dünnes Teyglein darauß/ darinn netze Mutterzäpfflein mit Baumwollen in ein Tüchlein genehet/ unnd laß sie das Weib zu jhr in die Mutter thun. Das thut auch ein Mutterzäpfflein auß der Wurtzel gemacht/ und treibt auß die Muttergewächß und todte Frucht.
  
Vor die erhartung der Mutter/ seude Panaxwurtzel in Wasser/ und bähe die Muter warm damit/ oder mach ein Lendenbad darauß und bade darinn.
  
Panaxwurtzel grün oder dürr gestossen/ und mit Menschen Harn temperirt wie ein Pflaster/ heylet die Krotenbiß/ auff ein Tuch gestrichen unnd ubergelegt. Vor sich selbst gestossen und ubergelegt/ heylet die vergifften Biß der Zißmeus.
  
Heylwurtz zu Pulver gestossen/ und mit kleinen Roseinlein gestossen und zu einem Pflaster temperirt/ vertreibt die Schmertzen deß Zipperleins und der Gliedsucht.
  
Panaxwurtzelzu Pulver gestossen unnd in die faulen schäden gestrewet/ oder mit Honig zu einem Sälblein temperirt und eyngelegt/ oder mit Wein zertrieben/ seubert dieselben und fürdert sie zur heylung.
Deßgleichen mögen auch die Kreuter beyder obgemeldter Heylwurtz in Wasser oder Wein gesotten werden/ die alten unreynen Schäden damit zu wäschen/ welches sie dann treffentlich zur heylung fürdern wirdt.
  
Das Kraut und die Bletter mögen nützlich zu Dampffbädern vor die Mutterkranckheiten und die Weibliche Monatblumen zu fürdern gebraucht werden/ oder mag man Lendenbäder darauß machen.
  
Was von dem ersten Geschlecht der Heylwurtz gesagt ist/ das soll auch von dem andern verstanden werden/ unnd mafg man in mangel deß einen/ das ander ohne einige sorg gebrauchen/ sintemal sie einerley Krafft und Tugend haben.

Jnnerlicher gebrauch deß Gummin OPOPANACIS oder Heylwurtzsaffts.
    OPOPANACUM auff ein quintlein zu Pillulen formiert/ und gantz verschluckt/ treiben den Stulgang/ und führen den groben zähen Phlegmatischen Schleim auß. Oder zu Stulzäpfflein formirt/ und in Rindsgallen genetzt/ und zu sich in den Afftern gethan/ ist ein gute Artzeney in dem Schlag unnd dergleichen Kranckheiten/ da man den Krancken sonst kein Artzeney eyngeben kan.
  
Vor das Parlyß seind folgende PILULAE erfahren: Nimb deß GUMMI OPOPANACIS, Weinrauthen/ Serapingummi/ Bibergeyl/ Pfefferkörner/ Liebstöckelsafft oder deß Extracts davon/ Myrrhen/ jedes i.quintlein. Stoß alle diese Stück zu pulver was sich stossen lasset/ die Gummi aber und Liebstückelsafft zerlaß mit Wein/ temperiers wol durch einander/ und mach mit Schlüsselblumensafft ein Teyglein darauß. Davon brauch je uber den dritten Tag i.quintlein nach Mitternacht/ unnd trinck allemal ein Trüncklein Meth darauff.
  
Vor die Fallendsucht ein bewerthe Artzeney: Nimb GUMMI OPOPANACUM, rothe Spitzglaß/ Bibergeyl und Drachenblut/ mach ein subtiel Pulver darauß/ unnd schlags durch ein reyns härin Sieblein/ von diesem Pulver gib dem Krancken auff einmal alle Tag i.quintlein mit Schlüsselblumen conservenzucker/ oder wie du es jm sonst eynbringen kanst.
  
Wider die gerunnen Milch in dem Leib: Nimb ii. scrupel deß Opopanacs/ unnd mach vi. oder vii. Pillulen darauß/ die verschluck gantz.
  
Opopanac i.loth mit xii.untz Rauthenöle zertrieben/ ist denen ein heylsame Artzeney/ die den Krampff durch den gantzen Leib habe/ durch ein Clistierzeug zu dem krancken gethan.
Opopanac i.drittheil eines quintlein in Pillulen formirt/ ist ein gute Artzeney wider alle Feber so man die/ ehe einen das Feber ankompt/ mit Wein verschluckt: das soll man einmal oder etlich thun/ so werden die Feber bald vergehen und nachlassen.
  
So einem die Adern und das Maussfleisch zerstossen unnd zerquetscht ist/ so gib jhm alle Tag ein drittheil eines quintlein deß Gummi Opopanacs mit halb Wein und halb gedistillirt Regenwürmwasser/ also das jedes ii.loth/ es hilfft unnd heylet gewaltig.
  
Vor den verstandenen Harn von kälte ein experiment: Nimm deß Gummi Opopanacs v.quintlein/ weychen Storax/ gescheelt Haselnüß/ jedes iiii.scrupel/ und sieben gantzer außerlesener Pfefferkörner. Stosse alle Stück zu Pulver/ außgenommen den Storax/ vermischs darnach wol in einem Mörselein/ daß es ein festes teyglein werde/ darauß mach Pillulen wie die grossen Gartenerbsen/ darvon gib auff einmal vier oder fünff biß in die sieben unnd acht/ je nach Gelegenheit deß Alters/ oder der stärck deß Krancken/ unnd laß jhn die mit Wein verschlucken.
Opopanac zwey drittheil eines quintlein mit einem drittheil eines quintl. gepülverten runden Osterlucey/ in Wein zertrieben unnd getruncken/ hilfft wider die Bißz aller gifftigen Würm und Thier.
  
Oder ein quintlein mit einem Trüncklein Weins zertrieben und getruncken/ treibt gewaltig auß alles eyngenommen Gifft. So auch einer von einem gifftigen Schlangen ASPIDE gebissen worden were/ soll er also bald müglich die gemeldte Artzeney eynnemmen/ unnd so sie wol bey jhm erwarmet/ wider von sich brechen.
  
Gummi Opopanac auff ein halb loth mit Wein zertrieben und getruncken/ bringt wider den verstandenen Harn/ unnd vertreibt das tröpfflingen harnen. Bringt wider zu recht die verstandene Monatblumen der Weiber so von kält verursacht worden ist.
  
Ein quintlein mit Wein oder Bergmüntzwasser getruncken/ treibt die Nachgeburt.
  
Ein quintl. oder anderhalb mit Honig zertrieben unnd eyngenommen/ treibt auß die Muttergewächß unnd die Monkinder.
  
Gummi Opopanac zwey drittheil eins quintlein mit einem halben quintlein Bibergeyl gestossen/ unnd mit Wein getruncken/ hilfft wider das Hufftwehe.

Eusserlicher Gebrauch deß OPOPANACIS.
    Gummi Opopanac mit ein wenig Essig und Hartrigelöle zerlassen/ auff ein Tüchlein gestrichen und wie ein Pflaster ubergelegt/ vertreibt die Augenwörner. Mit Fenchelsafft oder gedistilliertem Fenchelwasser zu einem Augenwässerlein temperirt/ scherpffet das Gesich die Augen darmit angestrichen.
  
Jn Essig gebeytzet/ und denselbigen Essig warm mim Mund gehalten stillet das Zahnwehe/ wie auch das Gummi in die holen Zähn gestossen.
  
Der Dampff deß angezündten Opopanacs/ erwecket die Schlaffsüchtigen/ so man jhnen denselben in die Nasen lasset gehen. Jn den Mundt empfangen hebt widerumb auff das abgefallen Zäpfflein.
  
Opopanac mit Rosenölen/ Mandelölen und Wein zertrieben/ unnd darvon in die Ohren getraufft/ stillet den schmertzen derselben.
  
Opopanac mit ein wenig Weins zerlassen/ und gesotten zu der dick eines Cerats oder pflasters/ vertreibet das Kniewehe/ auff ein Tuch gestrichen unnd ubergelegt. Gleicher gestalt eyngenommen/ oder in Pillulen und Clistiren gebrauchet auff alle maß und weg wie man wil/ ist es zu gemeldten Gebrechen dienlich: auff ein Tuch gestrichen unnd ubergelegt/ vertreibt den Schmertzen der Lenden und der Seiten.
  
Gummi Opopanac mit kleinen Roselein wol in einem Mörser gestossen/ und wie ein Pflaster temperiert/ heylt der gifftigen Schlangen Bissz/ deßgleichen alle andere Biß der gifftigen Thier/ auff ein Tuch gestrichen unnd ubergelegt. Mit Bech zu einem pflaster temperirt/ auffgestrichen und ubergelegt/ heylet die Biß der unsinnigen Hund. Oder nimb Gummi Opopanac iii.loth/ Bech xii.loth zerlass das Gummi in gutem starckem Weinessig/ darnach vermischs wol durcheinander zu einem Pflaster/ und brauchs wie jetzt gemeldt.
  
Oder mach nachfolgends bewehrt Pflaster: Nimb Gummi Opopanac/ Galbensafft/ jedes vi.loth/ PICIS ii.loth/ guten starcken Weinessig iii.loth/ zerlaß den Gummi unnd Galbensafft mit dem Essig/ darnach vermisch das Bech darmit und böre es wol durcheinander.
  
Gummi Opopanac/ Bibergeyl unnd Galbensafft/ jedes gleichviel auff glüende Kolen gelegt/ unnd den Rauch davon durch ein Trechter in die Mutter entpfangen/ führet auß das Bürdlein oder die ander Geburt.
  
Gummi Opopanac vor sich selbst oder mit Kühgallen auff glüende Kolen gelegt/ und den Dampff darvon in die Mutter entpfangen führet auß die todte Frucht/ so aber die Frucht noch lebendig ist/ wirdt sie von diesem Rauch getödtet/ derwegen soll man fleissig warnemmen/ daß man dieses mittel nicht eher brauche/ dann biß mann der sachen gewiß seye.
  
Ein Mutterzäpfflein von dem Heylwurtzgummi gemacht/ und zu sich gethan/ führet auß die todte Frucht/ treibet auch fort die Mutter gewächß.
  
Gummi Opopanac vertreibet das auffstossen unnd Erstickung der Mutter/ vor die Nasen gehalten/ unnd daran gerochen.
  
Gummi Opopanac mit Lorölen oder Wunderbaumkörnerölen/ oder aber mit Rauthenölen zertrieben/ unnd zu einem dünnen Sälblein temperirt/ ist ein fürtreffentliche hülff wider den schmertzen deß Rückgrads/ so man denselben Morgens und Abends samit salbet.
  
Der Rauch deß angezündten Gummi Opopanacs/ vertreibt Schlangen und alle gifftige Thier.
  
Wider das schmertzlich Hüfftwehe: Nimb Gummi Opopanac ii. Loth/ Wachs vi. Loth/ Hartrigelöle viii. untz/ das Gummi zertreib mit ein wenig Essigs/ darnach zerlasse das Wachs und Oele/ vermischs darnach wol und temperirs zu einem Pflaster/ das leg auff ein Tuch gestrichen/ uber das schmertzhafftig Glied.
  
Gummi Opopanac hefftet Wunden unnd Stich zusammen unnd heylet sie/ so das mit Pflastern vermischt wirdt. Also heylet es auch alte Schäden und Fisteln.
  
Von dem Gummi Opopanac machet man auch ein gut Wundtpflaster zu allen frischen Wunden/ welchs die Wundärtzet EMPLASTRUM DE LINO nennen/ das wirdt also bereytet: Nimb Gummi Opopanac/ Honig/ Rosenöl/ Wein/ jedes v. Loth/ Silbergledt/ Aloepatick/ deß Gummi SARCOCOLIAE, jedes ein Loth/ reyne schabet/ von leininem Tuch auch ein Loth/ vermisch alle diese Stück ordenlich zu einer Salben oder Pflaster.
  
Gummi Opopanac ist gut angestrichen wider die wehethumb der Hüff/ er wird mit den Artzeneyen vermischt/ die wider die müdigkeit unnd wehethumb deß Haupts bereytet werden. Er bricht die Geschwer unnd Zinnblatern mit Roseinlein vermischt unnd ubergelegt dienet er wider das PODAGRA oder Zipperlein.

Heylwurtzwein.
PANACITES.

    Der Wein von der Heylwurtz ist bey den Alten sehr im brauch gewesen/ der ist aber hernach da man sich der erkanntnuß der Kreuter nicht mehr angenommen/ und dieselbige in vergeß gestellet/ auch in Abgang kommen und nicht mehr gemacht worden. Dieser Wein wirdt von DIOSCORIDE auff folgende weiß bereytet: Man nimpt ii. Loth der Heylwurtz/ unnd sencket die in x.pfund Mosts/ lasset es darüber verjähren unnd lasset darnach den Wein ab. Dieser Wein ist gut wider die Brüch/ den Krampff/ wider die zerstossenen Schäden/ und denen ist er dienstlich die den Athem nicht holen können/ die sitzen dann auffrecht. Er mindert das gross geschwollen Miltz/ unnd ist denen gut die schwerlich däuwen: auch ist er gut wider das Krimmen und das Hüfftwehe. Er fürdert die Monatblumen der Frauwen/ unnd macht leichtlich geberen. Dieser Wein ist auch gut getruncken wider die Wassersucht/ und die Bissz der gifftigen Thier. MARCELLUS EMPIRICUS lobet diesen Wein sehr wider die schmertzen der Därm. Er kann leichtlich zu unser zeit widerumb bereytet werden und in den gebrauch kommen/ sintemal die Heylwurtz wider bekannt worden ist.
  
GUILIELMUS VARIGNANA CAP.DE SPLENE. Lehret den Wein von dem Heylwurtzsafft zu bereyten/ den lobet er höchlich wider die verstopffung unnd erhartung deß Miltzes. Er nimpt des Hartzechtigen Saffts OPOPANACIS, dritthalb Loth/ und sencket die in fünff massen gutes Mosts/ lassets darüber verjähren/ und nach zweyen Monaten/ lasset er denselben ab/ und behaltet den zu obgemeldtem gebrauch.

Gummi Opopanacs gedistillierts Oele.
OPOPANACIS OLEUM STILLATITIUM.

    Auß dem Gummi Opopanac bereytet man auch ein uberauß köstlich öle/ durch die Kunst der Destillation/ wie solches in unserm Distillierbuch gelehrt worden ist. Dieses Oele hat viel treffentlicher Krafft/ Wirckungen unnd Tugend/ unnd wirdt innerhalb und ausserhalb deß Leibs gebraucht.

Jnnerlicher Gebrauch deß Gummi Opopanacsöls.
    Es hat das Oele von dem Opopanac ein besondere Krafft zu erwärmen/ subtiel zu machen/ und zu erweychen: Es soll aber wie auch das Armoniac unnd andere gedistillierte Oel nimmermehr allein gebraucht werden/ sonder soll allwegen mit Wein oder einem gedistillierten bequemen Wasser oder Safft eyngenommen werden/ daß es wider zu einem Temperament gebraucht werde. Deß Oele ii. oder iii. Tröpfflei mit Bastard oder aber einem anderen süssen wein eyngenommen/ dioenet wider das keichen und schwärlich athmen/ und vertreibt den alten Husten/ kompt auch zu hülff allen gebrechen deß Miltzs.
  
Mit weissem gutem Wein obgemeldter massen genützet/ stillet es das Krimmen unnd Leibwehe/ deßgleichen die Mutterkrimmen/ dann es zertheilet die windigen Bläst im Leib/ in der Mutter und Geburtglieder versammlet.
  
Jst auch ein heylsame Artzeney wider das hefftig frieren unnd erschütten der Feber. Man muss es aber zuvor/ ehe einen das Feber anstosset eynnemen. Es miltert auch den schmertzen der Lenden unnd stechen der Seiten/ vertreibt die Harnwind und das tröpfflingen Harnen: heylet auch alle schädigung unnd verletzung der Blasen.
  
Sonst kann gemeldtes Oele zu den obgemeldten und andern viel mehr Leibs gebrechen gebraucht werden/ so es mit Pillulen/ Latwwergen/ Conservenzuckern unnd anderen Artzeneyen vermischet wirdt/ welches wir den MEDICIS PRACTICIS wöllen befehlen.

Eusserlicher Gebrauch deß Gummi Opopanacsöls.
    Das gedistillirt Oele/ mit Chamillen oder Dillenölen vermischt/ also dass under ein untz der gemeldten Oele uber drey Tröpfflein nicht genommen werden/ hilfft treffenlich wol wider das stechen der Seiten unnd schmertzen der Lenden/ die Ort deß Tags zweymal darmit geschmiret/ oder aber ein Lambwollen darinn genetzt und ein wenig außgedruckt/ unnd warm uber die Seiten gebunden. Es stillet auch das Krimmen im Leib und in den Därmen.
  
Gemeldt Oele mit weiß Lilienöle oder mit der Salben DIALTHEAE vermischt/ erweychet die harte unnd geschwollene Mutter/ also daß man ii.oder iii. Tröpfflein mit einer untz deß Oels oder der Salben vermische.
  
Also iii. Tröpfflein mit ii.loth Springkürpsenöle/ OLEO SICYONIO vermischt/ miltert das Hüfftwehe/ so man dz schmertzhafftig ort damit schmieret/ oder ein ungewäschene Schaffswollen darinn duncket/ unnd warm darüber bindet. Es dient auch wider die schmertzen deß Zipperleins und der Gliedtsucht/ die von kält jren ursprung haben.
  
Obgemeldt Oele ein Tröpfflein mit einem Loth Fenchelwasser wol vermischt und durcheinander geklopfft/ scherpffet unnd erleutert das finster dunckel Gesicht/ jedertweilen ein par tröpfflein in die Augen gethan.
  
Es mag auch dieses Oele mit andern Stückern als mit Pflastern und Salben/ zu aller schädigung gifftiger Thier nützlich gebrauchet werden: Deßgleichen zu den Bissen der wütenden Hund.

PILULAE von dem Gummi Opopanac.
PILULAE DE OPOPANACE.

    Von dem Gummi Opopanac werden fast in allen wolgerüsten Apotecken Pillulen bereytet/ die man PILULAS DE OPOPANACE nennet/ die beschreibet JOANNES MESUE LIB.3.DE ANTIQ. Die seynd fürnemlich dienstlich den zähen/ groben und dicken Schleim/ von dem Hirn/ Haupt/ von den Gleychen unnd dem Geäder/ sampt der Gallen und Melancholey/ zu purgiren/ seynd derowegen nutz und fast kräfftig/ in dem Parlyß/ Lembde und in allen kalten gebrechen der Nerven und Spannadern/ deß Zipperleins/ der Gliedsucht/ deß Krampfs/ deß Munds/ oder deß gekrümpten Munds SPASMO CYNICO, schmertzen der Knie und deß Rückgrads/ und zu allem kalten Gesücht unnd Gebrechen der Gleych und der Glieder.