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GRUNDHEIL (Berg-Haarstrang, Bergsilge, Bergsellerie)
Peucedanum oreoselinum - Umbelliferae


VON DEM PERGPETERLEIN.

 

            DIOSCORIDES LIB.3CAP.66. beschreibet nur ein geschlecht deß Bergpeterleins/ aber wir finden zu unser Zeit drey underschiedliche Geschlecht/ darunder das erste das OREOSELINUM DIOSCORIDIS ist/ die anderen zwey aber die können darvon keineswegs abgesondert werden/ sintemal sie nicht allein rechte Geschlechter deß Berg Peterleins der Gestalt halben seyndt/ sondern auch der Krafft unnd Wirckung halben/ die sie mit dem wahren OREOSELINO DIOSCORIDIS gemein haben.
            l. Das erst Geschlecht hat ein weisse Wurtzel Daumens dick/ und auch etwan dicker fast einer Elen lang/ auch kleiner unnd kurtzer nach dem sie jung oder alt ist/ welche so sie verletzt wird/ gibt sie von sich ein Milchweissen hartzechtigen Safft/ der ist gleich wie auch die Wurtzel eines bittern und scharpffen Geschmacks/ wiewol doch der Safft stärcker unnd schärpffer ist als die Wurtzel. Von derselben wachsen gegen dem Frühling viel zerkerffter Bletter an besonderen Stielen herfür/ die vergleichen sich an der Gestalt dem Peterlein/ die liegen weit auff der Erden au
ßgespreytet/ dick ubereinander/ zwischen den Blettern kompt herfür ein runder Stengel mit holkelen und Gleychen wie der Stengel deß Dillsamens/ der wird Elen lang und auch lenger/ der hat Nebenästlein darauff wachsen Dolden oder Krönlein wie an dem Schirling. Wann die abfallen und vergehen/ folgt ein langlechtiger doppeler breyter Samen/ der ist grösser dann der Dillsame und auch dicker/ von Farben grawschwartz/ wolriechend/ am Geschmack räß und zanger wie die Wurtzel. Dieser Peterlein wächßt an den Bergen/ und sandechtigem steinechtigem Erdreich in der Ebne. Fürnemlich aber wächst er uberflüssig bey Cronweissenburg auff dem Wurmberg/ der sonderlich grosse unnd lange Wurtzeln hat/ gleich unden am Kestenwald. Deßgleichen findet man dessen auch viel im Behwald auff der Ebnen in sandechtigem steinechtigem Erdtreich/ deßgleichen am Gebirg under Berzabern und dasselbig Gebirg hinab. So man das in die Gärten pflantzet/ wächst es gern und bleibet lang/ begert keinen feyßten Grund/ oder sonderer pflantzung.
            ll. Das ander Geschlecht hat ein lange/ wolriechende Wurtzel/ die ist au
ßwendig Eschenfarb unnd inwendig weiß/ eines räsen und scharpffen Würtzgeschmacks/ die hat am obern theil wie der Stengel herfür wächßt/ ein rauhen/ haarechtigen weißgrauwen Busch/ wie die Beerwurtz oder Hirtzwurtz. Die Bletter seindt dem Steinpeterlein ähnlich/ unnd spreyten sich weit auß umb den Stiel/ welcher auff die anderhalb Schuch lang wirdt. Oben am Stengel gewinnt es seine Blumen unnd Samen auff Krönlein/ der ist am geschmack unnd Geruch räß und wolriechend wie die Wurtzel/ unnd an Gestalt unnd größ dem Macedonischen Peterlein gleich. Er wächßt am Gebirg am Rheinstrom/ und im Behwald in sandechtigem und steinechtigem Erdtreich/ wie der vorige/ wächßt auch gern in den Gärten wann er darinn gepflantzt wirdt.
            lll. Das dritt Geschlecht hat ein kleine/ kurtze unnd runde Wurtzel/ die ist au
ßwendig runtzlecht/ und schwartz/ inwendig aber luck und weiß/ die theilet sich unden in zwey oder drey theil oder underscheid mit wenig Zaseln. Am obertheil da der Stengel herauß wächßt/ hat er dicke/ rauhe/ haarechtige Bürsten gerings herumb/ die seindt viel gröber unnd grösser dann die an der vorigen. Die Bletter seindt schmaler dann deß Peterleins/ tieff zerspalten/ anzusehen wie die Bletter deß Steinfenchels/ oder aber deß Haarstrangs/ jedoch kleiner unnd kürtzer. Darzwischen wächset herauß ein dickechtiger runder Stengel mit Gleychen/ der wirdt nicht viel Spannen lang mit vielen Nebenzweiglein/ die jhre weisse Blümlein bringen auff kleinen Krönlein/ darauff folget ein kleiner Samen dem Peterlein ähnlich. Das gantze Gewächß hat ein geschmack wie die wildt Pastenach/ doch ist die Wurtzel und der Samen räser. Dieser Peterlein wächßt auch in Bergen da die Sonn hinkommen kan/ und in graßechtigen Hübeln und Rechen.

Von den Namen deß Bergpeterleins.
           
IOANNES DANIZIUS der helt unsern gemeinen Peterlein vor das wahre OREOSELINUM DIOSCORIDIS, welcher andern mehren zu solchem Jrrthumb ursach geben hat/ unnd das solches ein grober jrrthumb/ darf es nicht viel uberweisens/ sintemal die DESCRIPTIONES der Alten solches genugsam anzeigen/ welcher sie fleissig mit den gelernten Kreutern conferirt. So seindt aber auch etliche die dieses Capitel DIOSCORIDIS vor uberflüssig halten und uberreden sich selber vermeyndlich/ da
ß PETROSELINUM DIOCORIDIS unnd OREOSELINUM, das ist/ Steinpeterlein unnd Bergpeterlein ein Gewächß seye/ welchen Jrrthumb DIOSCORIDES wiederlegt/ da er in dem beschluß deß Capitels von dem Bergpeterlein also spricht: Hie müssen wir uns fürsehen/ daß wir nicht betrogen werden/ vermeynende/ daß dz Kraut PETROSELINUM, oder SAXATILE APIUM, das ist Steinpeterlein/ eins mit dem ORESELINO oder Bergpeterlein seye/ nach dem es underscheidene Kreuter seynd/ so viel DIOSCORIDES: Darauß dann leichtlich abzunemmen ist/ wie gröblich die jrren/ die diese Kreuter confundiren/ unnd auß den zweyen/ eines machen wöllen. Lateinisch wirdt er genannt von den Kreutlern unnd Simplicisten/ OREOSELINUM, APIUM MONTANUM, MONTAPIUM, APIUM CERUINUM, PETROSELINUM MONTANUM, PETROSELINUM CERUINUM, und ELAPHOSELINUM, von VALERIO CORDO POLYCHTESTUM, und von CONRADO GESNERO POLYTMETUM. Hochteutsch/ Bergeppich/ Bergpeterlein/ und Hirtzpeterlein.

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Bergpeterleins.
           
Der erste und zweyte Bergpeterlein sind warm und trucken im dritten Grad. Der Safft aber de
ß ersten ubertrifft die Wurtzel in der Krafft zu wärmen und zu trucknen. Die Bletter seyndt schwecher als die Wurtzeln: Der Samen ist in der Wirckung der Wurtzeln gleich. Unnd mögen alle gemeldte stück heylsamlich unnd nützlich/ beyde jnnerhalb unnd ausserhalb deß Leibs gebraucht/ unnd zur Artzeney ein jedes zu seiner zeit eingesammlet werden.

Jnnerlicher Gebrauch der Bergpeterlein.
           
Bergpeterleinsamen (spricht DIOSCORIDES) in Wein gesotten/ und darvon getruncken/ treiben den Harn und die Weibliche Monatblumen.
            Sie werden auch vermischt under die Artzeneyen/ die wieder das Gifft eynzunemmen bereytet werden: darzu auch under die/ die man bereytet den Harn zu treiben/ unnd die zu wärmen gemacht werden.
            Zu diesen de
ß DIOSCORIDIS wirckungen/ hab ich weiter erfahren/ daß beyde Wurtzel unnd Samen/ beyde sampt oder ein jedes besonder in Wein gesotten/ und denselben getruncken/ daß Grieß unnd den Lendenstein gewaltig außtreib. Oder aber die Wurtzel oder Samen zu Pulver gestossen/ und eins quintleins schwer darvon mit Wein eyngenommen.
            Die Wurtzel gepülvert und eins gülden schwer mit eim halben quintlein Theriack mit dem gedistillirten Wasser dieses Krauts und Wurtzeln vermischet und ein wenig Weinessigs/ darnach nider geleget unnd geschwitzt/ ist ein gewisse Artzeney/ wann ein Menschen die Pestillentz oder aber ein Pestilenzisch Feber angestossen hett/ dann es alle vergifftung gewaltig au
ßtreibet/ welches ich an beyden Bergpeterlein gewiß erfahren hab. Wann man aber den Theriack nicht haben köndte/ soll man deß Pulvers anderthalb gulden schwer nemmen/ und gleicher gestalt gebrauchen.
            Etliche geben auch diese beyde Wurtzeln den Schweinen im Sterben under jhr Essen gepülvert vermischt/ das soll sie vor dem Schweinssterben/ oder dem Schelmen verhüten da
ß sie nicht inficiert werden. Jn gleichem fall soll man das Pulver dieser beyder Wurtzeln zwey theil/ mit einem theil gepülverten Wechholterbeern/ mit Saltz vermischt zu lecken geben/ das soll sie auch im Schaffsterben vorm Schelmen bewahren.
            Bergpeterlinwurtzel oder Samen gepülvert/ und ein quintlein schwer mit warmem Wein getruncken/ zertheilt die windigen Bläst im Leib/ vertreibet das reissen in den Därmen. Der Samen gleicher gestalt getruncken/ bringt wider den verhaltenen Harn/ und vertreibt den Kaltseich.

Eusserlicher Gebrauch deß Bergpeterleins.
           
Das Kraut von beyden Bergpeterlein in Wasser gesotten/ unnd den Laum darvon in die Mutter durch ein Trechter entpfangen/ fürdert die Weibliche reynigung.
            Sonst mag das Kraut zu Mutterbädern/ de
ßgleichen auch vor den Stein zu Lendenbädern vor sich selbst oder mit andern stücken und Kreutern vermischt gebraucht werden.
            Was nun den dritten Bergpeterlein anlangen thut/ mag er gleichfalls zu allen obgemeldten Gebrechen gebraucht werden/ doch ist er an der Wirckung nicht so kräfftig/ wie die zween obgemeldten.

Bergpeterleinwasser.
OREOSELINI AQUA STILLATITIA.

            Der Bergpeterlein soll im AUGUSTO mit Wurtzel/ Stengel/ und seiner gantzen Substantz klein gehackt/ und folgends in BALNEO MARIAE senfftiglich zum zweytenmal abgezogen werden/ wie wir von der Angelick und Bibernellen gnugsam underweisung geben haben. Und soll solches von beyden Bergpeterlein verstanden werden.

Jnnerlicher Gebrauch deß Bergpeterleinwassers.
            Das Bergpeterleinwasser dient wieder alle vergifft/ und ist sonderlich gut in der zeit der Pestilentz gebraucht/ derselben vergifftung wiederstand zu thun.
            Bergpeterleinwasser de
ß Morgens und Abends/ jedesmal vier oder v.loth getruncken/ miltert den schmertzen der Mutter/ zertheilet die Wind im Leibe/ vertreibet den schmertzen der Därm und das Krimmen/ treibt den Harn/ führet auß Grieß unnd lendenstein/ dergleichen auch die verhaltene Monatblumen der Weiber.