1 / 521-522

GRASNELKE

Armeria - Plumbaginaceae

 


 

VON DEM MEERGRAß.

 

 

            Deß Meergraß haben wir zwey Geschlecht nemlich ein grosses und ein kleines.
            l. Das grösser Geschlecht hat ein lange/ weißechtige Wurtzel mit wenig Nebenwürtzlein/ die Bletter wachsen dick in einander/ den Graßblettern ähnlich/ allein daß sie breyter seynd/ zwischen diesen stossen herfür sechs oder sieben dünner/ runder Bintzenhälmer/ anderhalben Spannen hoch/ darauff wachsen schöne/ kleine leibfarb und auch bißweilen weisse Blümlein/ die seynd dick in einander zusammen gefügt inn ein rundes Häuptlein wie die Scabiosen oder Abbißblumen. Dieses Gewächs zielet man bey uns in den Gärten/ sintemal es bey uns nicht wächset/ aber in Franckreich findet man dessen genug in den Thälern deß Leonischen Gebirgs/ weit von dem Meer gelegen/ wiewol man es Meergraß bey uns nennet.
            ll. Das kleine Geschlecht hat ein zasechtige Wurtzel/ ist sonst der jetztgemeldten nit ungleich/ außgenommen daß sie rötelechtig ist/ daraus wachsen viel steiffer schmaler Grasblätlein von Farben blauwgrün/ den Graßnäglein ähnlich/ die ligend auff der Erden außgespreitet wie die Blätlein der Jungfrauwennäglein/ zwischen denselbigen wechset von einem jeden Haupt der Wurtzel (dann sie sich oben in zwey oder drey Haupter außtheilet/ ) ein dünnes/ bintzechtiges Stengelein oder Hälmlein ohne Bletter herfür/ darauff ein schönes/ Leibfarbes/ rundes Blumenköpfflein/ von vielen kleinen Blümlein zusammen gesetzet in dem Meyen erscheinet/ anzusehen gleich den Blümlein der Bießlauch/ die werden fast den gantzen Sommerg esehen. Dieses wechst viel in feuchten Orten nahe bey der See oder dem Meer/ deßgleichen auch in Oberteutschland in der Graffschafft Katzenelenbogen/ bey den Pfülen und in den feuchten/ sandechtigen Graßgründen/ da es in grosser menge gefunden wird.

 

Von den Namen deß Meergraß.
            Das Meergraß wirdt von etlichen unsern Kreutlern GRAMEN MARINUM, CARYOPHYLLUS MARINUS, und auch MOLY MARINUM genannt. Der hochberühmbte REMBERTUS DODONAEUS nennet es GRAMEN POLYANTHEMUM. Hochteutsch/ Meergraß/ Meernäglein/ und Meer oder Seegraßblum. Wiewol nun das grösser geschlecht weit vom Meer und andern Wassern wächset/ ist es umb der gestalt und gleichheit willen die es mit dem kleinen geschlecht gemein hat/ groß See oder Meergraß/ oder groß Seegraßnäglein genennet worden. Damit aber auch wir unsere meynung von diesem gewächs sagen/ so halten wir daß es sey das STATICE PLINII, LIB.26.CAP.8. unangesehen daß etliche CANTABRICAM daraus machen wöllen. Von der CANTABRICA wird auch an seinem Ort gesagt werden.

 

Von der Natur/ Wirckung/ Eygenschafft und Gebrauch deß Meergraß.
            Das Meergraß wird heutiges Tags noch nicht in der Artzeney gebraucht/ sintemal es wenigen bekannt ist/ es hat ein trucknenden und zusammenziehenden Geschmack/ möchte die Bauchflüß zu trücknen und zu stopffen gebraucht werden/ welche Wirckung unnd Eygenschafft PLINIUS seinem STATICAE auch zuschreibet.